Dienstag, 11. Mai 2021

Tag 4: Georgien, Albanien, Portugal und Bulgarien


Georgien
- Der vierte Probentag in Rotterdam startete um 10 Uhr mit Tornike Kipiani aus Georgien und wie es scheint, hat der Techniker, der für das Licht zuständig ist, heute verschlafen. Die Bühne ist sehr sehr dunkel gehalten, bis auf einen dezenten Blauschatten im Hintergrund ist fast nichts im einminütigen Video der EBU erkennbar. Das passt zur reduzierten Art, mit der Tornike seinen langsamen Walzer vorträgt. Man hört einen Mann, der wirklich toll singen kann, sieht ihn aber fast nicht. Zeitweise wird er dann doch angeleuchtet, man erkennt ein weißes Hemd und eine schwarze Hose, auf die teilweise die Lyrics von "You" projiziert werden und das nicht nur in englischer, sondern auch in georgischer Schreibweise. Mangels Bild- und Tonmaterial bleibt mir hier nicht viel zu sagen, außer, dass das µ, das wir zu sehen bekommen haben, in sich stimmig wirkt.


Albanien
- Der Zorn eines albanischen Berggewitters entlädt sich auf dem LED-Hintergrund von Anxhela Peristeri. Die Dame enttäuscht mich nicht und haut ihre Ethnonummer mit der Inbrunst heraus, die man von albanischen Interpretinnen erwartet, die in ihren Liedern klagen und leiden. Anders als z.B. bei Jonida Maliqi hat man sich aber gegen schweren Brokatstoff entschieden und stattdessen ein kristallbesetztes Mini-Kleid gewählt. Sie kann es tragen, es widerspricht jedoch ein bisschen der Botschaft ihres Liedes, in dem sie ihre schlechten Angewohnheiten ablegen möchte. Dafür muss man das Licht- und Designkonzept loben, rot und schwarz, in albanischen Landesfarben mit Strobogewitter von der Bühnendecke und explosionsartigen Rauchringen auf den LEDs ist alles dabei um klarzustellen, dass es ihre drei Minuten sind. Da es die einzige richtig folkloristische Nummer im Halbfinale ist, besteht da durchaus Finalpotenzial.


Portugal
- Wenn Al Capone Gitarre spielen würde, hätte er beim portugiesischen Arrangement in diesem Jahr mitwirken können. Pedro, der Leadsänger der Black Mamba trägt einen weißen Hut zum adretten Anzug. Seine Bandkollegen sind an den Instrumenten verteilt. Gesungen wird der Song über eine Dame, die von ihrem Schicksal erzählt, aber nie die Hoffnung verliert, da die Liebe an ihrer Seite ist. Dies spiegelt sich womöglich auch in der hellen und fast schon fröhlichen Hintergrundgrafik wieder. Man sieht goldenes Scheinwerferlicht, quastenartige Pendel und sogar eine typisch niederländische Häuserzeile, ist Pedro die Idee zum Titel doch bei einer Reise durch Holland gekommen. Die durchdringende, etwas quakende Stimme, bewahrt sich der Interpret und sorgt für ein ungewohntes Flair bei der Eurovision. Zwar halte ich Portugal für recht chancenlos, doch auch hierfür dürfte es einige Abnehmer geben.


Bulgarien
- Würde Prinz Philip noch leben, hätte er zu Victoria Georgieva aus Bulgarien das Gleiche sagen können, wie einst zum nigerianischen Präsidenten Olesegun Obasanjo, den er beim Staatsempfang in nationaler Tracht mit den Worten "Sie sehen aus, als würden Sie gleich ins Bett gehen" begrüßte. Und tatsächlich trägt Victoria einen blassblauen Schlafanzug, während sie ihre Reise zum Mond auf einem drehbaren, aufwärts zeigenden Felsvorsprung antritt und dabei sogar von der Decke heranrieselnden Sand auffängt. Was für eine fantastische Idee! Zwar ist "Growing up is getting old" textlich eigentlich kein Lied, dass man seinen Kindern zum Schlafengehen vorsingen würde, aber das Staging wurde entsprechend ausgerichtet. Das hat auch nichts mehr mit Darkpop á la Billie Eilish zu tun, sondern ist einfach mega süß gemacht. Die ganze Stimmung wird konkludiert durch die herabregnenden Sterne auf der Videowand im Hintergrund. Ich finde es toll, einziger Kritikpunkt, es ist schon sehr still und reduziert.

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