Donnerstag, 26. Mai 2022

Russland: Alle Mitglieder von EBU-Diensten suspendiert


Russland
- Schon kurz nach der russischen Invasion in der Ukraine kündigten die russischen Mitgliedssender der Europäischen Rundfunkunion über eine Pressemeldung der TASS gemeinsam ihren Rückzug aus der EBU an. Aus Genf selbst hieß es im Anschluss, man habe bisher keinen offiziellen Nachrichteneingang aus Russland vermelden können. Nun hat die EBU selbst alle russischen Mitglieder aus der Union ausgeschlossen und damit den Zugang zum Nachrichtenaustausch und sämtlichen EBU-Diensten eingestellt. Auf der offiziellen Website der EBU sind mit heutigem Stand keine russischen Sender mehr gelistet.

Zuletzt waren drei russische Sender Mitglied in der Rundfunkunion, der staatliche Perwy Kanal, auch bekannt als Channel One, die Allrussische staatliche Fernseh- und Radiogesellschaft (RTR) und der Sender Radio Dom Ostankino zu dem die Radioprogramme Radio Mayak und Radio Orpheus gehörten. Der Ausschluss der russischen Rundfunkanstalten wurde auch durch Noel Curran, den Generaldirektoren der Europäischen Rundfunkunion bestätigt. Somit ist eine Teilnahme Russlands an Wettbewerben wie dem Eurovision Song Contest oder dem Junior Eurovision Song Contest in absehbarer Zeit nicht mehr möglich, ähnlich wie z.B. bei Belarus, dessen Staatssender BTRC vergangenes Jahr für drei Jahre gesperrt wurde.

Nach dem Ende der Organisation Internationale de Radiodiffusion et de Télévision kurz OIRT im Jahr 1993 nahm die Europäische Rundfunkunion diverse Rundfunkanstalten aus dem einstigen Ostblock auf, darunter auch die oben genannten russischen Sender. Seit 1994 war Russland beim Eurovision Song Contest vertreten und konnte den Wettbewerb 2008 mit Dima Bilan einmal gewinnen. Nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine wurde Russland vom diesjährigen Song Contest ausgeschlossen, insbesondere nach dem Protest von UA:PBC und der Drohung mehrerer Sender, dem Song Contest fernzubleiben, sollte Russland teilnehmen dürfen.

Andorra: Keine Rückkehr zum Song Contest 2023 geplant


Andorra
- Dani Ortolà, Content Manager beim andorranischen Sender RTVA, bestätigte gegenüber der spanischen Website Eurofestivales, dass man nicht plane, am Eurovision Song Contest 2023 teilzunehmen. Weder jetzt noch in den nächsten Jahren sei eine Teilnahme geplant, heißt es hierbei aus Andorra la Vella. Auch wenn es mehrere Initiativen gäbe, das Land zurück in den Wettbewerb zu holen, dementiert RTVA etwaige Pläne, sich wieder der Veranstaltung anzuschließen.

"Obwohl wir Teil der EBU sind, planen wir weder kurz- noch mittelfristig am Eurovision Song Contest teilzunehmen.", so Ortolà. Schon in den letzten Jahren erklärte RTVA-Generaldirektor Xavier Mujal immer wieder, dass der Eurovision Song Contest derzeit nicht in das Portfolio des Senders passe und man die Kosten in Hinblick auf die Erfolgschancen scheut. Eine der stärksten Unterstützerinnen der andorranischen Song Contest-Teilnahme ist die ehemalige Vertreterin Susanne Georgi. Sie nahm 2009 als bisher letzte andorranische Sängerin am Song Contest teil.

Diese hat nach eigenen Aussagen, bereits die Unterstützung und Zusicherung von staatlicher Seite, Andorra zum Song Contest zurückzubringen. Dennoch fehlte das Land in der Line Up der Eurovision 2022. Auch das Kulturministerium des Landes erklärte, bislang keine Kenntnis von einem potentiellen Comeback zu haben. Die Teilnahme am Song Contest ist zudem Aufgabe des Senders RTVA und nicht des andorranischen Staates. Ob Andorra zum Wettbewerb zurückkehrt oder nicht erfolgt auf Initiative von Ràdio i Televisió d’Andorra.

Ukraine: Kiew nach eigener Aussage für Ausrichtung bereit


Ukraine
- Das Büro des Bürgermeisters der ukrainischen Hauptstadt Kiew erklärte heute, dass man bereit sei, den Eurovision Song Contest 2023 auszurichten, sollte es eine offizielle Anfrage geben. "Wir sind bereit, die Eurovision auszutragen. Wir haben die notwendige Infrastruktur hierfür.", heißt es von Mykola Povoroznyk, dem ersten stellvertretenden Leiter der Stadtverwaltung von Kiew. Ob und inwiefern die Option einer Austragung in der Ukraine im kommenden Jahr durch die EBU in Betracht gezogen wird, ist derzeit nicht bekannt.

"Ich halte es für unzweckmäßig, etwas Neues aufzubauen, wir werden uns auf das konzentrieren, was wir bereits haben – in einem Jahr, unter den aktuellen Bedingungen, ist es ziemlich schwierig, etwas Neues aufzubauen. Wenn uns die Organisatoren vertrauen, werden wir einen Wettbewerb auf hohem internationalen Niveau durchführen.", so Povoroznyk. Die Stadt hat bereits 2005 und 2017 den Eurovision Song Contest ausgerichtet, nach dem Sieg von Jamala setzte sich Kiew in einer öffentlichen Ausschreibung u.a. gegen Charkiw, Lwiw, Odessa und Dnipro durch.

Die Europäische Rundfunkunion hat vergangene Woche einen ersten Austausch mit dem ukrainischen Fernsehen UA:PBC gestartet, um die ersten Eckdaten für den Song Contest 2023 zu besprechen. Momentan geht es vor allem um die Frage, ob der Wettbewerb in einem Land stattfinden kann, das sich nach der russischen Invasion im Kriegszustand befindet. Mehrere europäische Städte und Rundfunkanstalten hatten dem ukrainischen Fernsehen ihre Unterstützung zugesichert, auch um den Wettbewerb auszurichten, darunter Spanien, Italien und die Niederlande, sowie die Stadt Stockholm und das polnische Fernsehen.

Dienstag, 24. Mai 2022

Spanien: Berichte über mögliche lokale Vorrunden


Spanien
- Die spanische Website El Confidencial streut erste Gerüchte über eine mögliche Ausdehnung des Festivals von Benidorm. Nach der Ankündigung von RTVE scheint es auch gar nicht so abwegig, dass man vor den eigentlichen Halbfinals des spanischen Vorentscheids noch einen lokalen Wettbewerb ins Leben ruft, vergleichbar mit der EMA Freš in Slowenien oder dem Nachwuchswettbewerb von San Remo, um ein bis zwei Startplätze in den großen Vorrunden auszuspielen. Als möglichen Kooperationspartner stellt die Seite die TV-Gemeinschaft FORTA vor.

FORTA, die Federación de Organismos de Radio y Televisión Autonómicos, ist ein Verbund von Sendeanstalten aus zwölf der 17 der autonomen Regionen Spaniens. Nicht berücksichtigt werden hierbei die Regionen Extremadura, Kantabrien, Kastilien und León, La Rioja und Navarra sowie die autonomen Städte Ceuta und Melilla. Im Juni 2019 stellte die Sendervereinigung einen Antrag auf EBU-Mitgliedschaft, die laut aktueller Mitgliederliste der Europäischen Rundfunkunion noch nicht wirksam geworden ist bzw. sich im Zeitraffer verlaufen hat. Zu ihren Mitgliedern zählen folgende Rundfunkanstalten:

Andalusien - Radio y Televisión de Andalucía
Aragón - Corporación Aragonesa de Radio y Televisión
Asturien - Radiotelevisión del Pricipado de Asturias
Balearen - Ens Públic de Radiotelevisió de les Illes Balears
Baskenland - Euskal Irrati Telebista
Galicien - Corporación de Radio Televisión de Galicia
Kanaren - Radio Televisión Canaria
Kastilien-La-Mancha - Castilla-La Mancha Media
Katalonien - Corporació Catalana de Mitjans Audiovisuals
Madrid - Radio Televisión Madrid
Murcia - Radiotelevisión de la Región de Murcia
Valencia - Corporació Valenciana de Mitjans de Comunicació

Ein Vorab-Wettbewerb auf lokaler Ebene wäre durchaus eine Option, das Festival von Benidorm, das seit diesem Jahr als nationaler Vorentscheid für den Eurovision Song Contest installiert wurde, zu vergrößern und lokale Musiktalente zu fördern. Das spanische Fernsehen RTVE hat nach dem dritten Platz von Chanel in Turin angekündigt, dass man das Festival zu einer festen Institution machen und ein großes Rahmenprogramm um die eigentliche Show etablieren möchte. In diesem Jahr sorgte der Vorentscheid bereits für große mediale Aufmerksamkeit.

EBU: Über 160 Millionen Zuschauer beim Song Contest 2022


Europa 
- Mindestens 161 Millionen Menschen haben die drei Shows des Eurovision Song Contests in Turin verfolgt. Berücksichtigt wurden hierbei 34 Fernsehmärkte, aus der Ukraine liegen verständlicherweise keine Zahlen vor. Gemessen zum Vorjahr sind dies in der Summe zwar weniger Zuschauer, in den 34 ausgewerteten Nationen ist die Quote jedoch um sieben Millionen Zuschauer höher als 2021. Im Mittel lag der Marktanteil der 34 Sender bei 43,3%, doppelt so viel wie der Durchschnitt von etwa 18,2%.

In einigen Ländern hat der Wettbewerb wieder astronomische Quoten erzielt, auf Island verfolgten etwa 96,4% der Zuschauer die Shows. Auch die übrigen nordischen Märkte, Dänemark einmal abgesehen, erreichten Marktanteile von 89% in Norwegen, 81% in Schweden und 72% in Finnland. Über 50% Marktanteil schafften u.a. Armenien, Estland, Griechenland, Litauen, die Niederlande und Spanien. Zudem wurde erstmals seit elf Jahren eine höhere Quote im UK als in Deutschland gemessen.

Hinzu kommen zig Millionen Online-Streams in 232 Ländern und Territorien. Das Finale sahen etwa 7,6 Millionen Zuschauer bei Youtube, die Zahlen haben sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt. Die Europäische Rundfunkunion kann mit diesen Zahlen durchaus zufrieden sein, insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass einige große Fernsehmärkte gar nicht an den diesjährigen Wettbewerb angeschlossen waren, etwa Russland oder die Türkei, die seit Jahren auf die Ausstrahlung verzichtet.

Dänemark: DR plant Optimierungen beim Vorentscheid


Dänemark
- Erik Struve Hansen, Chef des Dansk Melodi Grand Prix, hat die Teilnahme Dänemarks beim Eurovision Song Contest 2023 bestätigt. Der Produzent des Vorentscheid stand nach dem Ausscheiden von Reddi in der Kritik, er und sein Team würden nicht genug dafür tun, dass Dänemark sich für das Finale des Wettbewerbs qualifiziert. Allerdings kündigte man in Kopenhagen an, dass man beim Vorentscheid nachbessern werde, um die Pleiten der letzten beiden Jahre auszubessern.

Nähere Einzelheiten, wie die Auswahlkriterien für den Melodi Grand Prix 2023 aussehen werden, ist bisher nicht bekannt und werden zu einem späteren Zeitpunkt erörtert. Erik Struve Hansen bestätigte jedoch, dass es beim Vorentscheid zunächst darum geht, ein Lied zu finden, dass auch im eigenen Land akzeptiert und den Rückhalt der Zuschauer genießt. Dies dann auf europäischer Ebene auch zu schaffen sei schwer, aber machbar, wie einige Erfolge des Landes in den vergangenen Jahren zeigten.

Dänemark gewann zuletzt 2013 mit Emmelie de Forest und "Only teardrops" den Song Contest in Malmö und belegte mit Basim und Rasmussen zudem zwei Top Ten-Platzierungen. Zuletzt erreichte Leonora mit "Love is forever" das Finale, während Fyr og Flamme und Reddi im Halbfinale ausschieden. Der Eurovision Song Contest genießt, ähnlich wie in den übrigen skandinavischen Ländern großen Zuspruch in der Bevölkerung, wenngleich die Einschaltquote des Finales von Turin die niedrigste seit dem Ausscheiden von DQ und "Drama Queen" 2007 darstellt.

Montag, 23. Mai 2022

Norwegen: Subwoolfer präsentieren "Space Kelly"


Norwegen
- Auch nach dem Finale des Eurovision Song Contests ist die Identität der beiden Subwoolfer offiziell nicht geklärt worden. Zwar gibt es reichlich Indizien dafür, dass sich hinter den quietschgelben Masken der Idols-Zweite Gaute Ormåsen und der britische Sänger Ben Adams verbergen, doch weder das Duo selbst noch der norwegische Rundfunk NRK haben sich zu einem Statement hinreißen lassen. Spätestens seit der Punktevergabe im Finale von Turin wissen wir auch, dass Vorjahresteilnehmer Tix nicht hinter der Maske von DJ Astronaut stecken kann, hier hat die norwegische Delegation einen klugen PR-Trick ausgespielt.

Stattdessen haben die Subwoolfer nun einen neuen Clip bei Youtube hochgeladen, eine Hommage an Song Contest-Moderator Mika, den sie schlichtweg "Space Kelly" genannt haben und in dem sie das Rätselraten auf eurovisionäre Art und Weise zusätzlich befeuern. Den Clip mit Ausschnitten der beiden Wochen aus Turin kann man sich hier in voller Länge anschauen. In Turin selbst haben die Subwoolfer übrigens ebenfalls einen kleinen Clip zur Musik von "Jolene" aufgenommen. Und auch wenn man das Puppy-Play aus Norwegen vielleicht absurd finden mag, die ganze PR-Kampagne ist ausgesprochen originell. Die Subwoolfer wurden mit "Give that wolf a banana" Zehnte.

Subwoolfer - Turin

Spanien: Festival von Benidorm wird 2023 erweitert


Spanien
- Seit der Reaktivierung des Festivals von Benidorm und dem Ehrgeiz der Chefetage beim spanischen Sender RTVE, ist der Eurovision Song Contest in Spanien wieder omnipräsent. Unabhängig von einigen Schlagzeilen rund um den Vorentscheid, etwa die selektive Vergabe von Eintrittskarten oder dem Juryvoting, hat das Festival den gewünschten Erfolg geliefert. Chanel belegte mit "SloMo" den dritten Platz beim Song Contest in Turin und wurde feierlich in Spanien empfangen. Ihr Titel stürmt Streaming- und generelle Charts und bringt Spanien die erste Top Drei-Platzierung seit 1995. 

So erstaunt es nicht, dass der Sender bereits jetzt für das kommende Jahr plant und man weiterhin ehrgeizige Ziele für das Festival von Benidorm 2023 verfolgt. Bereits jetzt kündigt die Generalitat Valenciana in Zusammenarbeit mit dem Sender RTVE einen größeren Vorentscheid als noch in diesem Jahr an. Das Rahmenprogramm zum Festival soll sich nach Angaben von Tourismusdirektor Herick Campos u.a. am Eurovision Song Contest und seinem Eurovision Village orientieren. Benidorm würde so, ähnlich wie die Gastgeberstadt der Eurovision, eine komplette Woche im Zeichen des Wettbewerbs stehen.

Zudem plant RTVE mehr Interpreten die Möglichkeit zur Teilnahme zu bieten. In diesem Jahr nahmen 14 Kandidaten an zwei Vorrunden teil, das musikalische Niveau wurde als sehr hoch wahrgenommen. Auch in Hinblick auf die Einschaltquoten war das Festival von Benidorm ein Erfolg, insgesamt erreichten die drei Shows über zehn Millionen Zuschauer. Chanels Song Contest-Auftritt in Turin erreichte schließlich 6,8 Millionen Zuschauer und damit eine der höchsten TV-Quoten für den Eurovision Song Contest aller Zeiten. Zuletzt erreichte Rosa López nach ihrem Sieg bei der Erstausgabe der Operación Triunfo eine höhere Song Contest-Quote.

Rumänien: TVR sendet Sondersendung zu Jury-Ausschluss


Rumänien
- In einer guten halben Stunde strahlt das rumänische Fernsehen TVR die Sendung "Referendum" aus, eine Sondersendung zum Thema Eurovision Song Contest, bei dem die Öffentlichkeit und die rumänische Diaspora gemeinschaftlich darüber abstimmen können, ob das Land weiterhin am Eurovision Song Contest teilnehmen soll. Vorangegangen war die Annullierung der rumänischen Jurywertung im zweiten Halbfinale und die Nicht-Beachtung der Finalwertung der TVR-Jury in Turin. Der Ausschluss der Jury schlug landesweit hohe Wellen und mündet heute schließlich in einer TV-Diskussionsrunde mit Abstimmung.

Mit dabei sind Delegationsleiterin Iuliana Marciuc, die geplante Spokesperson Eda Marcus, Abstimmungsaufseherin Liana Damlian, Jurymitglied Mihai Pocorschi, der ehemalige Song Contest-Teilnehmer Mihai Trăistariu und Vlad Turcanu, Generaldirektor des moldawischen Senders TRM. Zuschauer haben über mehrere Online-Plattformen ebenfalls die Gelegenheit sich an der Diskussion zu beteiligen. Ein ähnliches Format zur Eurovision wurde bereits im letzten Jahr gesendet, damals beschäftigte man sich jedoch mit der emotionalen Frage, wie man Rumänien beim Song Contest wieder nach vorne bringen könnte.

Einer derzeitigen Umfrage zufolge sind 56% der befragten Rumänen weiterhin dafür, am Eurovision Song Contest teilzunehmen, 37% dagegen und 7% machten keine Angabe oder sind generell nicht interessiert. TVR zeigt sich von der EBU nicht respektiert und hat in den letzten Tagen seinem Unmut Luft gemacht, dass der Ausschluss der Jurywertung in sechs Nationen, darunter Rumänien, willkürlich sei. Die Show wird ab 20 Uhr (MESZ, 21 Uhr Ortszeit) im Hauptprogramm TVR 1 sowie bei TVR Moldova gezeigt und dürfte die Weichen für eine potentielle Song Contest-Teilnahme im kommenden Jahr stellen.

Samstag, 21. Mai 2022

Australien: Clarke zuversichtlich bei Teilnahmeverlängerung


Australien
- Das australische Fernsehen SBS ist assoziiertes Mitglied der Europäischen Rundfunkunion und genießt momentan den Vorzug, einen garantierten Startplatz beim Eurovision Song Contest bis einschließlich 2023 zu erhalten. Aus der "einmaligen" Teilnahme 2015 in Wien ist zwischenzeitlich ein Gewohnheitsrecht geworden, aus der sich die Garantie für fünf Jahre entwickelt hat. Gegenüber TV Tonight erklärte BlinkTV-Direktor und ehemaliger Delegationschef Paul Clarke nun, dass man eine Teilnahme über 2023 hinaus anstrebt.

Die Glut Australiens für die Eurovision lodert immer, so Clarke. Er sei sehr zuversichtlich, dass man die gemeinschaftliche Arbeit beim Eurovision Song Contest fortsetzen kann. Als lobenswertes Beispiel nannte er z.B. Kate Miller-Heidke, deren Performance er zu den absoluten Highlights in der Song Contest-Geschichte zählt. Die Europäische Rundfunkunion hat sich bisher nicht zu den Garantien gegenüber dem australischen Sender geäußert, spätestens nach dem Song Contest im kommenden Jahr, wird hierüber aber eine Entscheidung fallen.

Australien hat, bedingt durch die hohe Anzahl von Nachfahren europäischer Einwanderer, einen starken Bezug zum Eurovision Song Contest. Seit den 70er Jahren wird der Wettbewerb bei SBS übertragen, mehrfach nahmen auch Australier im Dienste anderer Länder teil, darunter Olivia Newton-John, Johnny Logan oder Jane Comerford. Seit 2015 schickt das Land selbst Interpreten zum Wettbewerb, in den ersten beiden Jahren holte Guy Sebastian den fünften Platz und Dami Im in Stockholm 2016 sogar den zweiten Rang. Eine Verlängerung der Teilnahmegarantien dürfte von Seiten der EBU nur eine Formalie sein.

Rumänien: TVR kontert nach EBU-Statement


Rumänien
- In einem langen und breiten Erklärtext hat das rumänische Fernsehen TVR noch einmal auf die jüngsten Veröffentlichungen der Europäischen Rundfunkunion reagiert. Am Ende der Vorwürfe an die EBU heißt es, dass der Sender aufgrund der Nicht-Kommunikation und überflüssigen Bekanntgabe eines aggregierten Votings nun gründlich überlegen wird, ob Rumänien im kommenden Jahr am Eurovision Song Contest teilnehmen wird oder sich aufgrund des Imageschadens vorerst vom Wettbewerb zurückziehen wird.

Das komplette Statement des rumänischen Fernsehen kann man sich hier durchlesen (auf Rumänisch). Auch das sanmarinesische Fernsehen hat auf die jüngsten Veröffentlichungen reagiert und erklärt, dass man zu jeder Zeit als einzigen Ansprechpartner mit der EBU und nicht mit anderen Rundfunkanstalten bzw. deren Jurys zusammengearbeitet hat. SMRTV bezeichnet die Reaktionen der EBU als "autoritär" und drückt offenkundig seine Enttäuschung über jene Schritte an. San Marinos Juryvoting wurde ähnlich wie das von Rumänien, Aserbaidschan, Georgien, Montenegro und Polen ausgeschlossen.

"Nichts lässt uns glauben, dass unsere Juroren für etwas gestimmt haben, das ihnen nicht gefallen hat. Ihre und unsere 12 Punkte nach Italien wurden von der EBU durch eine 12 nach Spanien ersetzt. Wir unsere Nachfrage, wie diese neue Abstimmung berechnet wurde, haben wir keine genaue Antwort bekommen. (...) Wir kennen die Eurovision und arbeiten seit Jahren mit ihr zusammen und wir glauben auch weiterhin an die Institutionen und den Wettbewerb." Bereits gestern hat sich das montenegrinische Fernsehen zu den Vorwürfen der EBU geäußert.

Donnerstag, 19. Mai 2022

Montenegro: RTCG äußert sich nach EBU-Statement


Montenegro
- Die erste Antwort auf die Veröffentlichung der vermeintlichen Jury-Ergebnisse aus den sechs von Unregelmäßigkeiten betroffenen Nationen ließ nicht lange auf sich warten. Nur wenige Stunden, nachdem die EBU die auffälligen Jury-Stimmen des zweiten Halbfinals veröffentlicht hat, äußert sich der montenegrinische Sender RTCG in einer Stellungnahme und weist Anschuldigungen einer Absprache zurück, vielmehr betont der Sender, dass aufgrund der kleineren Anzahl an Teilnehmern in den Semifinals gewisse Überschneidungen gar nicht auszuschließen seien.

Nach dem Statement der EBU heißt es aus Podgorica: "(...) möchten wir betonen, dass dies nichts mit Montenegro zu tun hat und dass es sich nur um Spekulationen handelt, die nicht wahr und unbestätigt sind. Wie man feststellen kann, ist es statistisch unmöglich, bestimmte Wiederholungen zu vermeiden, wie die Tatsache zeigt, dass die Gruppe von Ländern, die an der zweiten Halbfinalnacht teilnehmen, wie Schweden, Australien, Belgien, Estland…" RTCG zählt daraufhin die Juryergebnisse aus Australien, Schweden und Belgien auf, die ebenfalls einen regen Punkteaustausch betrieben haben.

Weiter: "Es steht uns nicht zu, zu beurteilen, warum diese Länder keinen Verdacht erregten, während es in sechs Ländern scheinbar unmöglich ist, Wiederholungen zu haben. Andererseits hat der Veranstalter in einigen Ländern auf der EBU-Liste die Abstimmungen fast vollständig geändert. Die Stimmen Montenegros wurden von der Künstlerin Zombijana bekannt gegeben und wie man im Livestream sehen konnte, deckte sich die Abstimmung der Jury nahezu perfekt mit dem Endergebnis." RTCG beschließt seine Stellungnahme damit, dass die Eurovision ein großes Publikum hat und stets von Intrigen begleitet wurde, von denen der Sender annimmt, dass sie zu der großen Popularität des Wettbewerbs beitragen.

Die abgegebenen Stimmen der montenegrinischen Jury im Finale wurden weder von RTCG noch von der EBU veröffentlicht. Stattdessen kam ein von der Europäischen Rundfunkunion aggregiertes Juryvoting zum Einsatz, in dem die Höchstwertung im Finale an Konstrakta aus Serbien ging, gefolgt von Italien, Spanien, Schweden, der Ukraine und dem UK. Welche anderen Länder als Maßstab für das aggregierte Voting genutzt wurden ist nicht bekannt, sollte es jedoch nach üblichen Votingpräferenzen gehen, nach dem u.a. die Lostöpfe für die Auslosung der Semifinals zusammengestellt werden, dürften die zwölf Punkte für Serbien keine Überraschung darstellen, da das Land, wie auch die übrigen ex-jugoslawischen Staaten allesamt in einem Lostopf zu finden waren.

EBU: Eurovision veröffentlicht weiteres Voting-Statement


Europa
- Die Europäische Rundfunkunion hat in einem neuen Statement detailliertere Einzelheiten zu den Voting-Unstimmigkeiten im zweiten Halbfinale präsentiert. "Die Integrität der Abstimmung, sowohl durch die nationalen Jurys in jedem Land als auch durch die Zuschauer, die per Telefon oder SMS abstimmen, ist für den Erfolg der Show von entscheidender Bedeutung. Es ist die Pflicht der EBU gegenüber allen Beteiligten, (...), sicherzustellen, dass wir am Ende jeder der Live-Shows ein gültiges Ergebnis liefern können. Jeder Regelverstoß wird daher sehr ernst genommen.", kommentiert die EBU.

Saß fassungslos in
Bukarest und kam nicht
zum Einsatz: Spokes-
person Eda Marcus
Die EBU hat Unregelmäßigkeiten in den Jury-Abstimmungen von sechs Nationen, namentlich Aserbaidschan, Georgien, Polen, Rumänien und San Marino gefunden und diese nun auch veröffentlicht. Auf Eurovision.tv ist nun zu erkennen, wie die betroffenen Jurys abgestimmt haben und auch ohne geschultes Auge für den Eurovision Song Contest sind hier enorme Parallelen zu erkennen. Supervisor Martin Österdahl entschied daher, für die betroffenen Länder ein aggregiertes Voting einzusetzen. Diese Entscheidung wurde auch vom Vorsitzenden der Reference Group und dem stellvertretenden Generaldirektoren der EBU gebilligt.

Von den Länderjurys der sechs Nationen abgegebene Punkte:

 

 AZ

 GE

 ME

 PL

 RO

 SM

12

Polen

Aserbaidschan

Georgien

San Marino

San Marino

Rumänien

10

Georgien

Montenegro

Serbien

Aserbaidschan

Polen

Georgien

8

Rumänien

Rumänien

Aserbaidschan

Rumänien

Montenegro

Polen

7

Montenegro

San Marino

Rumänien

Montenegro

Aserbaidschan

Montenegro

6

San Marino

Polen

San Marino

Schweden

Georgien

Aserbaidschan

5

Finnland

Israel

Polen

Finnland

Australien

Serbien

4

Australien

Irland

Schweden

Georgien

Estland

Australien

3

Schweden

Estland

N.mazedonien

Estland

N.mazedonien

Schweden

2

Serbien

Finnland

Finnland

Serbien

Serbien

Israel

1

N.mazedonien

Australien

Estland

Australien

Irland

Estland


Die Europäische Rundfunkunion fährt fort, dass man sich im Austausch mit den betroffenen Rundfunkanstalten befindet und ihnen die Möglichkeit einräumt, das Stimmverhalten der Jurymitglieder weitergehend zu untersuchen. Allerdings bekräftigt die Senderunion abermals die Rechtmäßigkeit ihres Handeln und die Platzierungen der 40 Teilnehmerländer des diesjährigen Eurovision Song Contests in Turin. Zudem wurde auf Eurovision.tv erläutert, ab wann intern von Unregelmäßigkeiten spricht, etwa der extremen Abweichung von Stimmen im Vergleich zum Gesamtergebnis, sichtbare Abstimmungspräferenzen und eventuelle Nutznießer einer solchen Abstimmung.

Ukraine: Jury soll 2023 öffentlich bestimmt werden


Ukraine
- Ganz neue Wege geht das ukrainische Fernsehen UA:PBC in Bezug auf seine Song Contest-Jury im nächsten Jahr. Nach der Kritik an der diesjährigen Jurywertung, insbesondere durch den Kulturminister Oleksandr Tkachenko, erklärte der Sender, dass sich fortan jeder ukrainische Staatsbürger als Jurymitglied für den Song Contest 2023 bewerben kann, sofern sie glaubhaft versichern können, dass sie Erfahrungen in Hinblick auf die notwendigen Kriterien haben. Dafür wird es eine öffentliche Abstimmung geben.

Senderchef Mykola Chernotytskiy fügte hinzu, dass es in diesem Jahr schwierig war, ein Team zu bilden, da sich das Land im Kriegszustand befindet., jedoch hat niemand das Urteil der Juroren von außen beeinflusst und sie haben ihre Entscheidung freien Willens getroffen. In sozialen Medien wurde die Jury u.a. stark dafür kritisiert, dass sie keine Punkte an die befreundeten Nationen Litauen und Polen vergeben hat. Jurypräsident Vadym Lysytsia zeigte sich ebenfalls betroffen darüber, dass es keine höhere Wertung für den polnischen Beitrag gab.

Durch die Bekanntgabe, mit einem öffentlichen Voting die Jury für den nächsten Eurovision Song Contest zu formen, hat das ukrainische Fernsehen indirekt seine Teilnahme am Wettbewerb im nächsten Jahr bestätigt. Nach dem Sieg des Kalush Orchestras hat UA:PBC ohnehin die Option, den Song Contest im kommenden Jahr auszurichten. Ob dies auch auf ukrainischem Staatsgebiet passieren kann und wird, hängt insbesondere von den Sicherheitsgarantien für die teilnehmenden Delegationen ab.

Mittwoch, 18. Mai 2022

Liet International: Doria gewinnt mit "Roma" auf Korsisch


Dänemark
- Unbeachtet und weitestgehend im Schatten des Eurovision Song Contests in dieser Woche fand am 13. Mai, einem Tag vor dem Finale der Eurovision im dänischen Tønder das Liet International 2022 mit 13 Beiträgen statt. Das Event gilt als europaweit größter Wettstreit von Minderheitensprachen und findet seit 2002 jährlich statt. Als Siegerin ging die korsische Sängerin Doria mit dem Titel "Roma" hervor.

Das Ergebnis des Liet International 2022:
01. - 119 -Korsika - Doria - Roma
02. - 118 -Schleswig-Holstein - Yourdaughters - Hudsult
03. - 118 -Galicien - Carolina Rubirosa - O teu camiñar 
04. - 102 -Südtirol - Jimi Henndreck - Heihupfa
05. - 085 -Israel - Sofia & The Baladis - Rebutalla
06. - 082 -Finnisch-Lappland - Ingá-Máret Gaup-Juuso - Dovdameahttumii
07. - 080 -Katalonien - Roger Argemí - La contradicció
08. - 072 -Friesland - Adri de Boer - Bliuw mar by mar
09. - 060 -Hamburg - Die Tüdelband - Wenn ik enen Wunsch harr
10. - 060 -Sardinien - Emanuele Pintus - Genia
11. - 058 -Franche-Comté - Bully Fumey - U port titi
12. - 054 -Süddänemark - Martin Hørløck - Æ Nordschleswig-Lied
13. - 045 -Nordfriesland - Martje Johannsen & Christoph Hansen - Maleen

Das Liet International hat seit 2002 über 50 Minderheitensprachen des europäischen Kontinents erlebt, darunter Helgoländer Friesisch, Niederdeutsch, Nordfriesisch und Sorbis, sowie Burgenlandkroatisch und Kärntner Slowenisch aus deutschsprachigen Ländern aber auch Romanes, die portugiesische Mundart Minderico, Kaschubisch, verschiedene samische Dialekte, Elsässisch und Bretonisch. 2020 fiel der Wettbewerb coronabedingt aus.