Mittwoch, 27. Mai 2020

Italien: San Remo bleibt auch 2021 Vorentscheid


Italien - Das italienische Fernsehen wird 2021 wieder beim Eurovision Song Contest dabei sein, daran ließ die RAI keine Zweifel offen. Allerdings wird Diodato, der mit dem wunderschönen "Fai rumore" das letzte San Remo-Festival gewann und damit die erste Option auf die Song Contest-Teilnahme in Rotterdam hatte, nicht automatisch für 2021 gesetzt. Die RAI erklärte, man werde auch im nächsten Jahr bei seinem bislang etablierten Konzept der Beitragssuche bleiben.

Der stellvertretende Senderchef von Rai Uno, Claudio Fasulo sagte hierzu: "Es ist ganz klar, dass unser nationaler Vorentscheid für 2021 wieder das San Remo-Festival sein wird. Wenn Diodato wieder teilnehmen möchte und zwei Ausgaben hintereinander gewinnt, wären wir sehr glücklich, ihn als italienischen Kandidaten für den Eurovision Song Contest zu stellen." Diodato hatte mehrfach betont, dass er gerne zum Eurovision Song Contest fahren würde, ob er 2021 allerdings auch wieder einen Beitrag nach San Remo schickt, ist bisher nicht bekannt.

Diodato gewann setzte sich mit seinem selbstgeschriebenen Beitrag "Fai rumore" im San Remo-Festival gegen 23 andere Kandidaten durch und verwies u.a. Francesco Gabbani auf den zweiten Rang. Nach einer Abwesenheitsphase zwischen 1998 und 2010 ist Italien nunmehr seit fast einer Dekade wieder Teil des Eurovision Song Contests, als Big Five-Mitglied direkt für das Finale gesetzt und meist sehr erfolgreich. So belegten italienische Künstler seit der Rückkehr 2011 insgesamt sieben Mal die Top Ten, zuletzt Mahmood mit "Soldi" in Tel Aviv.

Europe Shine A Light: Knapp 73 Millionen Zuschauer



Europa - Knapp 73 Millionen Zuschauer haben am 16. Mai "Europe Shine A Light", die Ersatzshow für den ausgefallenen Eurovision Song Contest aus Hilversum gesehen. Neben den 45 Fernsehmärkten verfolgte auch eine große Anzahl Online-User das EBU-Format über den offiziellen Youtube-Livestream. Neben den 41 Teilnehmerländern waren u.a. auch das bosnische, kasachische und montenegrinische Fernsehen zugeschaltet. 

Die größte absolute Zahl an Zuschauern stammt dabei aus einem Land, von dem man es mit Sicherheit nicht erwartet hätte. Rund drei Millionen Italiener schauten sich die Show bei RAI Uno und diversen weiteren Programmen der Rundfunkanstalt an, gefolgt von 2,4 Millionen Niederländern und ebenso vielen britischen Zuschauern. In Deutschland schalteten im Mittel 1,54 Millionen Zuschauer in der Zielgruppe der 14-49 Jährigen zu, in Österreich waren es noch einmal rund 235.000 Zuschauer.

EBU-Generaldirektor Noel Curran gratulierte derweil den niederländischen Rundfunkanstalten. "Ich möchte dem gesamten Team von NPO, NOS und AVROTROS gratulieren, dass sie eine so unbeschreiblich kreative und sehr emotionale Show unter diesen herausfordernden Umständen produziert haben. (...) Ich bin stolz darauf, dass Europe Shine A Light den Kontinent im Geist der Eurovision geeint hat." Der scheidende Supervisor Jon Ola Sand ergänzt: "Ich wünsche allen und insbesondere meinem Nachfolger Martin Österdahl alles Gute für die Vorbereitungen zur Rückkehr des Eurovision Song Contests im nächsten Jahr."

Montag, 25. Mai 2020

Schweden: Gleicher Modus wie in den letzten Jahren



Schweden - Das erste Land, das seinen Vorentscheid im kommenden Jahr vorbereitet ist Schweden. In Nordeuropa wurden heute die Regeln für das Melodifestivalen 2021 vorgestellt und sogleich auch das Bewerbungsformular online gestellt. Ab dem 24. August nimmt der Sender SVT Bewerbungen entgegen, die Frist verstreicht am 16. September um 11:59 Uhr. Ansonsten ändert sich beim grundsätzlichen Regelwerk des Vorentscheids nicht viel.

Seit 2015 werden 28 Interpreten für das Melodifestivalen gewählt, einer davon ist ein Teilnehmer des Wettbewerbs P4 Nästa von Sveriges Radio, die übrigen Bewerbungen kommen aus dem öffentlichen Kandidatenpool. Weiterhin greift die Regelung, dass 50% der ausgewählten Beiträge für weibliche Komponisten bzw. Autoren reserviert sind. Damit ist Schweden eines der wenigen Länder, das die Frauenquote auch beim Eurovision Song Contest durchsetzt.

Geplant sind erneut vier Vorrunden, die Andra Chansen und das Finale in der Friends Arena. The Mamas, die das Melodifestivalen 2020 für sich entscheiden konnten, erhalten keine garantierte Teilnahmeberechtigung in den Vorrunden des Vorentscheids, sondern müssen sich wie alle anderen Interessenten erneut bewerben. Die Begleitband von John Lundvik, die nun als Trio unterwegs ist, hat sich bislang nicht dazu geäußert, ob man im kommenden Jahr wieder teilnehmen wird.

Beyond Eurovision (128): Jemen



Jemen - Die Jemenitische Republik im Süden der Arabischen Halbinsel taucht seit Jahren nur noch in den Schlagzeilen auf, wenn es um den Bürgerkrieg im Land oder um Entwicklungsreporte geht, bei denen Jemen regelmäßig miserabel abschneidet. Dabei war der Jemen nicht immer ein gescheiterter Staat, sondern in den vergangenen Jahrhunderten Warenumschlagsplatz arabischer Seefahrer und spätestens nach Eröffnung des Sueskanals ein strategisch bedeutendes britisches Überseegebiet. Das 20. Jahrhundert war geprägt durch die Teilung des Landes in eine sozialistische Volksrepublik und einen islamischen Norden.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Sana’a
Sprachen
Arabisch
Fläche
528.076km²
Währung
Jemen-Rial (Y.Rl)
Einwohner
30,5 Mio.
Internet-TLD
.ye
Zeitzone
UTC +3
Wiki-Info

Zwischen 1962 und 1990 war das Land, das als Heimat des Mokkas gilt, tief gespalten. Im Südjemen, der u.a. die Hafenstadt Aden und weite Teile des Ostens des Landes umfasst, wurde in einen marxistischen Einparteienstaat umgewandelt, der Norden mit der heutigen Hauptstadt Sana'a mit Hilfe von Saudi-Arabien und Ägypten eine arabische Republik. Unter dem dort seit 1978 regierenden Präsidenten Ali Abdullah Salih wurde 1990 die Wiedervereinigung vollzogen. Salih war bis 2012 Präsident des geeinten Jemens, im Zuge der Proteste des Arabischen Frühlings jedoch abgesetzt und 2017 von Huthi-Rebellen ermordet.

Seither befindet sich das Land in einem, von der Weltöffentlichkeit nahezu unbemerkten, Konflikt, der zahlreiche Menschenleben forderte. Zudem klafft tiefe gesellschaftliche Furche, nirgendwo sonst sind Frauenrechte so wenig ausgeprägt wie im Jemen. Dabei hat das Land kulturell viel zu bieten, von Folklore über die Weihrauchproduktion bis hin zur historischen Altstadt von Sana'a. Die Altstadt von Shibam im Hadramaut gehört seit 1982 zum Weltkulturerbe, zum Staatsgebiet gehört auch die Insel Sokotra, mit ihren markanten Drachenblutbäumen. Bis zur Gründung des Staates Israel lebten hier auch zahlreiche jemenitische Juden, die Gemeinden sind heute vollends aufgegeben.

Bedingt durch die kriegerischen Auseinandersetzungen im Land liegt die Musikszene Jemens brach. Bekannt sind allerdings zahlreiche jemenitische Juden, die auf der ganzen Welt, vor allem aber in Israel, Popmusik produzieren. Ein Beispiel hierfür ist die Band A-Wa, die seit 2015 besteht und aus Liron, Tagel und Tair Haim besteht und die mit dem unten vorgestellten "Habib Galbi" ("Liebe meines Herzens") einen weltweiten Erfolg landeten. Der Vater des Trios stammt aus dem Jemen, im Zuge der Operation Magic Carpet 1950 wurde er gemeinsam mit 49.000 anderen Juden nach Israel geflogen. "Habib Galbi" wurde zu einem Hit in der arabischen Welt und zugleich das erste arabische Lied, das die Spitze der israelischen Charts erreichte.

A-Wa - Habib galbi

Sonntag, 24. Mai 2020

Memories: Eurovision Song Contest 1982


Großbritannien - Der 24. April 1982 sollte ein denkwürdiger Tag im kollektiven Gedächtnis der Bundesrepublik Deutschland werden. Inmitten des Falklandkrieges, der am 2. April mit der Landung argentinischer Truppen bei Port Stanley ausbrach, lag es an der 17jährigen Nicole Hohloch aus dem Saarland, mit ihrem Lied aus der Feder von Ralph Siegel "Ein bißchen Frieden" in die Welt zu schicken und damit den ersten deutschen Song Contest-Sieg einzufahren. Für Ralph Siegel und Bernd Meinunger war es die Entlohnung für viele bis dahin erfolgreiche aber nicht siegreiche Teilnahmen.

Doch der Reihe nach. Der Eurovision Song Contest 1982 fand im nordenglischen Harrogate statt, einem Kurort, der durch schwefelhaltige Mineralquellen seit dem 16. Jahrhundert Reisende anzog und 1961 Austragungsort des Esperanto-Weltkongress war. 21 Jahre später gingen hier im Harrogate International Centre 18 europäische Nationen beim 27. Eurovision Song Contest unter der Moderation der BBC-Nachrichtensprecherin Jan Leeming an den Start. Dabei fehlten gleich drei große Kulturnationen im Wettbewerb.

Zum einen verzichtete Italien erneut auf seine Teilnahme, aber auch Frankreich fehlte zum zweiten Mal in seiner Geschichte. Der Unterhaltungschef des verantwortlichen Senders TF1 redete sich in Rage und bezeichnete den Song Contest als "Monument des Schwachsinns", löste eine öffentliche Debatte über das Niveau der Veranstaltung aus und wollte dem Wettbewerb für immer fernbleiben. Der Boykott hielt exakt ein Jahr, 1983 war Frankreich wieder mit an Bord. Außerdem fehlte Griechenland, zwar wählten die Griechen mit "Sarantapente kopelies" von Themis Adamantidis einen Beitrag, der von offizieller Seite aber als nicht würdig empfunden wurde, Griechenland international zu vertreten.

Die Absage erteilte schließlich die Schauspielerin und seit 1981 als Kulturministerin tätige Melina Mercouri, auf die u.a. die Initiative zur Vergabe der jährlichen Kulturhauptstadt Europas zurückgeht. Auch Griechenland kehrte im Jahr darauf zurück. Somit waren 18 Nationen dabei, eröffnet wurde der Abend durch Portugal. Die Gruppe Doce versuchte sich bereits im Jahr zuvor mit dem Titel "Ali-Bábá, um homem das Arábias" beim Festival da Canção, belegte dort aber nur den vierten Rang. Mitglieder der Band waren u.a. Teresa Miguel und Fátima Padinha, die 1978 bereits als Teil der Gruppe Gemini für Portugal an den Start ging. Mit "Bem bom", das an den Glockenschlag einer Uhr erinnern sollte, reichte es immerhin für Platz 13.

Der tanzbaren Nummer aus Portugal folgte eine der schönsten Balladen, die Luxemburg je zum Eurovision Song Contest schickte. Claire de Loutchek alias Svetlana intonierte "Cours après le temps" ("Lauf' der Zeit hinterher") und zog damit auch einen Großteil der Juroren in ihren Bann, am Ende sprang ein sechster Platz für das Großherzogtum heraus. Zwei Punkte weniger erzielte das Duo Bardo aus dem Vereinigten Königreich. Sally Ann Triplett und Stephen Fisher fanden sich speziell für den britischen Vorentscheid zusammen und nahmen nach "One step further" noch zwei weitere Titel auf, die allerdings keinen Erfolg in den Charts feiern konnten, sodass das Duo sich 1983 bereits wieder auflöste.

Ein Wiedersehen mit ihren portugiesischen Kolleginnen konnte Jahn Teigen feiern, der ebenfalls 1978 schon dabei war. Diesmal trat der Pleitegeier von Paris mit seiner Frau Anita Skorgan im Duett an, die widerum schon 1977 und 1979 für Norwegen in den Ring stieg. Gemeinsam fragen sie: "Sag mir, was bedeutet Adieu?" und holten damit zumindest den 12. Platz, das bis dahin beste Ergebnis für Jahn Teigen, der sein "Adieu" allerdings nicht ganz so ernst nahm und ein Jahr später noch ein weiteres Mal am Eurovision Song Contest teilnahm. Auch Anita Skorgan trat im Folgejahr wieder auf, wurde aber von ihrem Lebensgefährten in den Background verbannt.

Einen Platz höher als das norwegische Duett landete die Family-Story aus Irland. The Duskeys bestand aus den Schwestern Barbara und Sandy Duskey sowie deren Cousins Nina und Danny. Der dauerhafte Erfolg für die Gruppe blieb aber aus, "Here today, gone tomorrow" belegte zwar den elften Platz beim Song Contest in Harrogate, ein jähes Ende fand die Band trotzdem Ende 1983. Sandy nahm im Anschluss noch zwei Singles mit Johnny Cash auf und Danny Dusky versuchte sich 1986 mit der Gruppe Palace noch beim UK-Vorentscheid, beim Eurovision Song Contest wurde aber keines der Bandmitglieder je wieder gesehen.

Im hinteren Feld platzierten sich u.a. der türkische Sänger Tahir Nejat Özyılmazel alias Neço, der zunächst in verschiedenen Orchestern und ab 1971 im Musical "Hairmitspielte, allerdings erst 1974 seine erste Single veröffentlichte. Im türkischen Vorentscheid stellte er vier von fünf Liedern, als Sieger ging "Hani?" ("Wo?") hervor, das er im weißen Anzug mit güldenem Gürtel und vier in Cellophankleidern gesteckten Backings zum Besten gab. Besonders die luxemburgische Jury zeigte sich zutiefst beeindruckt von ihrem speziellen Auftritt und vergab acht der insgesamt 20 Punkte für die Türkei.

Damit lief es für Neço aber immer noch besser als für Bill van Dijk aus den Niederlanden, der eigentlich Willem Edsger van Dijk heißt und ebenfalls in Musicals wie "Hair" und "Evita" mitspielte und zudem mehreren Figuren in der niederländischen Ausgabe der Sesamstraße seine Stimme lieh. "Jij en ik" endete mit acht Punkten auf dem 16. Rang, drei Punkte weniger erzielte die dänische Gruppe Brixx, die mit "Video, video" eine seichte Disconummer über einen verregneten Tag sangen, bei dem das "Videobånd" mit allen Showgrößen wie Humphrey Bogart und das Tennis-Match von Wimbledon ausgepackt wird. Auch Brixx hielten nicht mehr als eine weitere Single aus, ehe sie sich auflösten.

Punktelos endete der Abend für Finnland. Timo Kojo, der der Einfachheit halber ohne Vornamen in Harrogate antrat, sang einen martialischen Beitrag über eine Atombombe, auf Finnisch: "Nuku pommiin". Offenbar war der Text den Juroren gepaart mit der schrägen Choreographie, bei der sich Kojo grimmig mehrfach gegen den Kopf schlug, zu unheimlich, er wurde ein weiterer Nilpointer in der Geschichte der Eurovision. Immerhin schadete es seiner Karriere nicht, er veröffentlichte in Finnland fleißig weiter Lieder, muss aber mit dem Umstand leben, dass ein 0:0 beim Eishockey in Finnland seither "Kojo kojo" heißt. 

Sein schlechtes Abschneiden konnte er überhaupt nicht verstehen, und übte am Tag nach dem Finale subtile Kritik am Sieg von Nicole. Demnach sagte er der Presse: "Wenn ich sehe, wer hier gewinnt..., da bin ich auf dem falschen Festival". Die beste Platzierung eines skandinavischen Landes lieferte wieder einmal Schweden ab, wenngleich das Duo Chips einen Höhepunkt des maßlosen Überschminkens beim Eurovision Song Contest in den 80er Jahren setzte. Die Gruppe wechselte häufiger die Besetzung, bei der Eurovision traten Kikki Danielsson und ihre norwegische Kollegin Elisabeth Andreassen an. Beide sollten 1985, dann jedoch als Konkurrentinnen, zum Song Contest zurückkehren. Für "Dag efter dag" reichte es zumindest schon für den achten Platz.

Genauso bis zur Unkenntlichkeit geschminkt trat das jugoslawische Trio Aska auf. Sanja Ilić, der auch 2018 für Balkanika komponierte, hatte schon mehrere Titel bei der Jugovizija eingereicht und schrieb auch die Vereinshymne von Roter Stern Belgrad. 1982 war er als Komponist von "Halo, halo" für Snežana Mišković, Izolda Barudžija und Snežana Stamenković tätig. Aska trennten sich ebenfalls kurz nach der Eurovision von Harrogate, wo sie es auf den 14. Platz schafften. Izolda kehrte zwei Jahre später noch einmal für Jugoslawien zurück, der Titel "Ljubavna prica br.1" aus der Vorentscheidung wurde 1984 im Duett mit Vlado allerdings zu "Ciao Amoreumfunktioniert. 

In die Top Ten schafften es u.a. Spanien mit der andalusischen Sängerin Lucía. Die Nominierung eines argentinischen Tangos durch das spanische Fernsehen konnte dereinst als Kritik am Falklandkrieg gegenüber der britischen Gastgeber verstanden werden. Textlich ging es aber wie bei so oft beim Tango über die Geschichte zwischen Mann und Frau. Lucía alias María Isabel Lineros Rodríguez arbeitete später als Hörfunk- und Fernsehmoderatorin in ihrer Heimatstadt Sevilla. 2005 nahm sie an der spanischen Realityshow "La Granja de los Famosos" teil, von der es 2009 auch einen deutschen Ableger namens "Die Farm" mit Inka Bause gab. Titelsong der deutschen Staffel war übrigens "Fairytale" von Alexander Rybak. "El" landete knapp hinter dem österreichischen Duo Mess mit "Sonntag". 

Das Duo bestand aus Elisabeth Engstler und dem Wiener Sängerknaben Michael Scheickl, die zwischen 1985 und 1992 gar verheiratet waren. Der Titel belegte in Harrogate Platz neun, in den österreichischen Singlecharts sogar die #1. Während Elisabeth Engstler vor allem als Musicaldarstellerin und Moderatorin tätig war, startete Michael Scheickl mehrere erfolgreiche Projekte. Unter anderem hatte er mit der Gruppe Joy und "Touch by touch" im Jahr 1985 seinen größten Erfolg und wurde 2008 zum Internet-Phänomen, als er gemeinsam mit seiner zweiten Frau Karin Sahrea als Michael Mosaro den "Körperzellen Rock" produzierte. Mittlerweile ist er ein drittes Mal verheiratet. 

Platz vier ging nach Belgien, dort trat die niederländische Sängerin Stella Maessen mit dem "Si tu aimes ma musique" an. Schon 1970 war sie Teil von Hearts of Soul und 1977 von Dream Express, bei ihrer dritten Teilnahme gewann sie den Vorentscheid des Senders RTBF mit einem Lied in französischer Sprache, derer sie nicht mächtig war und was man bei genauerem Hinhören auch merkt. Die niedliche Performance sorgte bei ausnahmslos allen Jurys für Verzückung, es gab aus allen Teilnehmerländern Punkte. Stella blieb der Musik treu, veröffentlichte weitere Singles und trat 1986 im Background von Sandra Kim und 1987 für Plastic Bertrand aus Luxemburg noch einmal beim Song Contest auf.

Nachdem sie 1980 schon für Griechenland dabei war, vertrat Anna Vissi nun ihre Heimat Zypern mit "Mono i agapi" ("Nur die Liebe"). Überboten wurde dieses Ergebnis noch von der Schweiz. Arlette Zola aus Fribourg erwies sich als Überraschung des Abends, hatte ihr Lied, der Seichtschlager "Amour, on t'aime" doch irgendwie eine langweilige, vielleicht typisch eurovisionäre, Melodie, die es tatsächlich auf den dritten Platz schaffte. Arlette hatte sich vor ihrer Song Contest-Teilnahme eigentlich schon längst aus dem Musikgeschäft zurückgezogen und arbeitete in der Gastronomie, wenngleich der Genfer Musiker Alain Morisod noch einmal für den Schweizer Vorentscheid begeistern konnte. Auch heute ist sie wieder im Gastgewerbe unterwegs.

Die Silbermedaille ging an Avi Toledano für Israel. Er wurde 1948 im marokkanischen Meknès geboren und verwies beim israelischen Vorentscheid u.a. Yardena Arazi auf die Plätze. Seinen tanzbaren Klassiker "Hora" komponierte er selbst, begleitet wurde er auf der Bühne von fünf Tänzern, die die für heutige Verhältnisse sehr kleine Bühne tanzgewaltig ausnutzten und eine Mischung aus Aerobic, Hustle, Sirtaki und spirituellem Ringelpiez darboten, was offenbar sogar die Juroren vom Stuhl fegte. Am Ende zeigte Israel, dass es den flottesten Titel in einem recht schwachen Jahrgang dazubieten vermochte. Vom Sieg trennten ihn am Ende aber stolze 61 Punkte.

Und damit wären wir wieder bei Nicole, die als letzte Teilnehmerin im schwarzen Rüschenkleid und Gitarre auf einem Barhocker Platz nahm und unbedarft und unaufgeregt ihr Friedenslied sang. Die Stunde des Ralph Siegel hatte geschlagen, nach dem Pausenfüller, der Bilder aus North Yorshire und dem Haward Castle zeigte, lag die Bundesrepublik schon bei der ersten Jurywertung aus Portugal vorne, bis auf Luxemburg gab es aus allen Ländern Punkte, mindestens sechs. Und dann hieß es "Vienna calling". Österreich, dessen Jury gerade einmal einen mageren Punkt für uns übrig hatte, wird noch heute von deutschen Medien für diesen unverzeihlichen Schachzug kritisiert. Nicole machte das alles nichts aus, sie gewann mit einem unglaublichen Vorsprung.

Schon den deutschen Vorentscheid im Studio 4 des BR gewann sie mit deutlichem Vorsprung. 1981 hatte sie mit "Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund" den Vorentscheid noch versäumt. Die eigentlichen Kracher des Vorentscheids 1982 flogen bereits in den beiden Vorrunden raus. Namentlich erwähnt seien an dieser Stelle u.a. "Endlich sind die Kinder im Bett" von Henry Valentino, "Lüg' mich an" von Isabell Varell, "Ohne Maske" von Angelika Milster oder "Der Ohrwurm" von Gottlieb Wendehals. Der schrieb allerdings auch das wesentlich seriösere "Lady" für seine damalige Ehefrau Mary Roos und Duettpartner David Hanselmann, die es am 20. März in München auf den sechsten Platz schafften. Auf Platz zwei im Vorentscheid schaffte es Paola gefolgt vom Klassiker "Nun sag schon Adieu" von Hannes Schöner.

In Zeiten des Kalten Krieges, des NATO-Doppelbeschlusses und des Falklandkrieges hatte Ralph Siegel den richtigen Impuls und machte mit Nicole alles richtig. Ihrer Reprise fügte Nicole zusätzlich zum deutschen Text noch Zeilen auf Englisch, Französisch und Niederländisch hinzu, angeblich sei dies spontan geschehen. Und trotz der Neuen Deutschen Welle landete "Ein bißchen Frieden" in Deutschland und diversen anderen Ländern, darunter in Österreich, der Schweiz, Schweden, Belgien, den Niederlanden und dem UK auf der #1. Sie selbst nahm das Lied in sieben Sprachen auf, es folgten u.a. "En smule fred" auf Dänisch, "Un po' di pace" auf Italienisch und "Njemnogo mira" auf Russisch. Die Freude in Deutschland war groß, wenngleich es vor allem von der jungen Generation Kritik gab, der Eurovision Song Contest wurde als altmodisch angesehen. 

Das ZDF ließ Thomas Gottschalk am Montag darauf einen Live-Bericht vom Flughafen München-Riem drehen, der die Ankunft Nicoles in Deutschland zeigte, dabei war auch BR-Unterhaltungschef Christoph Schmid, der erklärte, er würde sich aufrichtig freuen. Und so sagte er direkt im Anschluss: "Der Bayerische Rundfunk wird im nächsten Jahr den Grand Prix in München ausrichten. Das ist eine stillschweigend verabredete Abmachung der ARD-Unterhaltungschefs. Natürlich bedeutet das immense Kosten, die auf die ARD-Anstalten umgelegt werden müssen. Natürlich ist aber auch München ein bestens geeigneter Ort für eine solch gesamteuropäische Veranstaltung, die unsere Stadt schmücken wird." Und so kam es, dass die Reise der Eurovision 1983 in die Rudi-Sedlmayer-Halle nach München führte.

Die Teilnehmer:
01. - 161 -  Nicole - Ein bißchen Frieden
02. - 100 -  Avi Toledano - Hora
03. - 097 -  Arlette Zola - Amour on t'aime
04. - 096 -  Stella - Si tu aimes ma musique
05. - 085 -  Anna Vissi - Mono i agapi
06. - 078 -  Svetlana - Cours après le temps
07. - 076 -  Bardo - One step further
08. - 067 -  Chips - Dag efter dag
09. - 057 -  Mess - Sonntag
10. - 052 -  Lucía - Él
11. - 049 -  The Duskeys - Here today, gone tomorrow
12. - 040 -  Jahn Teigen & Anita Skorgan - Adieu
13. - 032 -  Doce - Bem bom
14. - 021 -  Aska - Halo, halo
15. - 020 -  Neço - Hani?
16. - 008 -  Bill van Dijk - Jij en ik
17. - 005 -  Brixx - Video, video
18. - 000 -  Kojo - Nuku pommiin

Türkei: Stellvertretender Außenminister für Teilnahme


Türkei - Im Nachgang eines Eurovision Song Contests beginnt für gewöhnlich die Phase, in der alte Geschichten immer und immer wieder aufgewärmt werden, insbesondere was die Rückkehr von Nationen zum Wettbewerb angeht. Da gibt es Meldungen aus Vaduz, Bratislava, Andorra und Sarajevo. Ebenso ist auch die Türkei seit Jahren abstinent und gern gesehener Gast bei Gerüchten um eine mögliche Rückkehr zur Eurovision. Die belastete Vorgeschichte zwischen TRT und EBU ist allerdings hinlänglich bekannt.

Der türkische Sender fühlt sich seit Jahren von der Europäischen Rundfunkunion nicht ernst genommen, fordert die Abschaffung des Juryvotings und die Big Five-Regelung, da sie die Chancen der eigenen Interpreten schmälern. Zuletzt wurde mit Can Bonomo 2012 in Baku ein türkischer Vertreter gesichtet. Seither verzichtet TRT-Generaldirektor İbrahim Eren auf die Teilnahme, der Wettbewerb sei von seinen moralischen Werten abgekommen, sollten diese wieder auf Kurs gebracht werden, würde die Türkei zurückkehren. 

In einem Interview meldete sich nun Faruk Kaymakcı, stellvertretender Außenminister und bis zur Auflösung im Juli 2018 Minister für europäische Angelegenheiten, zu Wort. Er befürwortet eine türkische Rückkehr: "Die Türkei hat viele Jahre an der Eurovision teilgenommen und sogar einmal gewonnen. Ich hoffe, dass wir der Eurovision erneut beitreten. TRT hat in der Vergangenheit einige Probleme darin gesehen, aber ich bin sicher, dass wir die Türkei in den nächsten Jahr wiedersehen werden."

Weiter: "Natürlich ist das nicht meine Entscheidung, aber vielleicht spricht TRT die Probleme mit der EBU an und wir werden bald wieder einige großartige Lieder mit toller Botschaft aus der Türkei bei der Eurovision sehen." Die EBU betonte in den letzten Jahren, sie würde die Dialog mit der Türkei, einem der größten Fernsehmärkte in ihrem Einzugsgebiet, suchen, was genau hinter verschlossenen Türen diskutiert bzw. vereinbart wurde, ist jedoch nicht bekannt.

Samstag, 23. Mai 2020

Beyond Eurovision (127): Schottland



Schottland - Vier Absätze über Schottland, seine Geschichte und seine Musik sind eigentlich viel zu kurz, wir versuchen es trotzdem. Alba, wie Schottland im Gälischen heißt, bildet den Nordteil Großbritanniens und trotze über die Jahrhunderte hinweg fremden Mächten. So errichteten schon die Römer den Hadrianswall im 2. Jahrhundert n.Chr., die Selbstständigkeit verlor Schottland im Jahr 1707 mit dem Act of Union und der Vereinigung mit England zum Königreich Großbritannien. Dieser Akt beruht primär auf dem damals fast unvermeidlichen Staatsbankrott. Zuletzt gab es mehrere Versuche die Unabhängigkeit wiederzuerlangen bzw. in der Europäischen Union zu verbleiben.

 Schnelle Fakten
Hauptstadt
Edinburgh
Sprachen
Englisch, Schottisch-Gälisch
Fläche
77.910km²
Währung
Britisches Pfund (£)
Einwohner
5,4 Mio.
Internet-TLD
.uk, .scot
Zeitzone
UTC
Wiki-Info

Kulturell hat Schottland viel zu bieten, nicht umsonst gibt es zahllose Rundreise-Angebote in den Highlands, bei denen die Klöster und Wehranlagen, die Lochs und die historischen Städte erkundet werden können. Zu den bekanntesten schottischen Landschaftsbildern zählt zweifelsohne Loch Ness aufgrund der bis heute nicht belegbaren Sagengestalt Nessie, einem Ungeheuer, dass dort schon diverse Male gesichtet wurde. Sehenswert sind auch die vorchristlichen Steinkreise, vergleichbar mit Stonehenge, Megalithen und andere Relike aus Bronze- und Eisenzeit. Darüber hinaus gibt es diverse Schlösser, Whisky-Destillerien und Kathedralen, die allesamt auf eine große Geschichte zurückblicken können.

Der schottische Stereotyp trägt Kilt, gehört einem der vielen Clans an, spielt Dudelsack und ist geizig. Und natürlich finden all diese kulturellen Eigenheiten bei traditionellen Veranstaltungen wie z.B. den Highland Games auch großen Anklang in der Bevölkerung, die Schotten sind stolz auf ihre vom Rest Britanniens unabhängige Kultur, sodass es vielerorts eigene Spiele gibt, zu denen u.a. das Baumstammwerfen gehört. Die schottischen Familien kann man anhand ihres Tartans, also dem Karomuster auf ihren Röcken, erkennen, diese Symbolik entstand vor allem im 18. Jahrhundert. Ferner bewahren sich die Schotten ihre gälische Sprache, sodass Straßenschilder zumeist zweisprachig sind.

Moderne Musik wird in Schottland u.a. im Barrowland Ballroom, einem Tanzclub in Glasgow gespielt. Der 1934 eröffnete Club fällt vor allem durch seine Leuchtreklame auf und zog schon Stars wie Oasis, R.E.M., U2, Metallica, Justin Timberlake, Britney Spears und Amy Macdonald an. Letztere widmete dem Club sogar einen eigenen Titel auf ihrem Album "This is the life". Sie wurde 1987 in Bishopbriggs einem Vorort von Glasgow geboren und gehört seit 2007 zu den erfolgreichsten Künstlerinnen Schottlands. Ihr Album "This is the life" erreichte auch in Deutschland die #3, später folgten mit "A curious thing" und "Life in a beautiful light" zwei Nummer-Eins-Alben in Deutschland. Zuletzt war die Glasgow Rangers-Anhängerin 2019 auf großer Europa-Tournee.

Amy Macdonald - Barrowland Ballroom