Sonntag, 23. Mai 2021

Eurovision 2021: Zusammenfassung des großen Finales


Niederlande
- Es ist etwas surreal, so schnell wie der Eurovision Song Contest heranrauschte, ist er auch schon wieder vorbei. Gestern Abend hat uns Rotterdam gezeigt, dass man für vier Stunden die Pandemie draußen lassen kann und man auch zusammen den Geist Europas spüren kann. Trotz aller Hürden, haben es die Niederlande geschafft, dieses "Insieme", wie die siegreichen Italiener sagen würden, auch am TV-Bildschirm zu fühlen. Das abgezählte Publikum hat die Interpreten in diesem Jahr wirklich getragen und man konnte sehen, dass der Eurovision Song Contest die Menschen, unabhängig vom Ergebnis, nach wie vor verbindet. Somit hat er von seiner Grundidee seit 1956 nichts verloren.

Dabei ging das Finale relativ unspektakulär los, die diesjährige Flaggenparade, quasi der Einmarsch der Nationen war trotz der "Venus"-Einlage der Moderatoren Chantal Janzen, Edsilia Rombley, Jan Smit und Nikkie de Jager nicht so episch, wie in Lissabon oder Tel Aviv und relativ schnell zu Ende. Man kam ohne großartige Ausschweife direkt zum ersten Land, nämlich Zypern. Elena Tsagkrinou ging im Gros und als Eröffnungsact recht schnell unter. Die Sexyness, die sie eigentlich versprühen wollte, verpuffte etwas unter dem, für mein Empfinden recht mäßigen Gesang und auch die Juroren und Zuschauer sahen das mit 94 Punkten ähnlich. So geht der dritte Aufguss für Zypern nach gleicher Bauart mit Rang 16 noch recht souverän aus dem Wettbewerb.

Und wieder ging der zweite Act des Abends baden, Albaniens Sängerin Anxhela Peristeri sorgte für die einzige Ethno-Nummer des Abends, wenn man von der pseudo-orientalischen Nummer aus Aserbaidschan absieht und konnte sich nicht richtig durchsetzen. Dabei hat Anxhela nichts falsch gemacht und überzeugend abgeliefert. Sie füllte die Bühne und hatte ihre drei Minuten, aber für einen nennenswerten Erfolg reichte es nicht, der 21. Platz war daher einigermaßen vorhersehbar. Ähnliches gilt für die darauffolgende Eden Alene, die sich vermutlich die Punkte mit ähnlichen Beiträgen á la Griechenland teilen musste. Zumindest die hohe Note (auf der Frequenzskala eine unerreichte B6) funktionierte bei Eden aber auch im Finale und löste großen Applaus aus.

Bei den besagten Griechen funktionierte es mit der Greenscreen-Technik heute Abend besser als im Halbfinale, die Show wirkte beim zweiten Sehen aber schon nicht mehr so innovativ wie noch im Semi. Dafür ist der zehnte Platz für die Griechen schon eine gute Leistung, natürlich nicht ohne die obligatorischen Punkte aus Zypern. Hier funktionierte der Austausch freundschaftlich-motivierter Punkte mal wieder hervorragend. ERT löste seine Finanznot übrigens auch geschickt, indem man einen Achtjährigen(?) die Punkte verkünden ließ, der mit Sicherheit kein Honorar einfordert. Mit 170 Punkten teilt sich Stefania den zehnten Platz mit Bulgariens Sängerin Victoria, die aufgrund schlechterer Einzelwertungen jedoch als Elfte gelistet wird.

Dass Victoria, die Peter Urban aufgrund von verbaselten Zetteln als "tolle Sängerin" ankündigte, deren Name ihm just entfallen war, als abgetane Billie Eilish-Kopie nur 30 Punkte im Televoting holt, wundert mich hingegen schon etwas. Die Show an sich war eine zurückgenommene, leise Darbietung, man war ganz bei der bulgarischen Sängerin und konnte die Intimität und die Botschaft des Liedes spüren. Möglicherweise wollte Europa in diesem Jahr mehr Fröhlichkeit, etwas das kracht und nicht so sehr auf die Tränendrüse drückt. Dies kann man auch Spaniens Sänger Blas Cantó zu Gute halten, der trotz einer ordentlichen Gesangsleistung und einer traurigen Geschichte nicht überzeugen konnte. Der überdimensionierte Mond brachte auch nicht mehr als null Punkte im Televoting. Immerhin blieb er damit nicht allein.

Spanien hat damit allerdings einen neuen Negativrekord aufgestellt, seit nunmehr sieben Jahren hat es das Land nicht über den 20. Platz hinaus geschafft. Zuletzt konnte sich Ruth Lorenzo höher platzieren und das war noch im fernen Jahr 2014. Für die Nachbarn aus Portugal lief es, insbesondere dank der Juroren etwas besser. The Black Mamba haben wieder auf den Punkt geliefert, die Stimme von Leadsänger Tatanka bleibt eine der interessantesten im Wettbewerb und die Backdrop-Story gefällt mir persönlich auch am besten, trotz allem zog "Love is on my side" nicht bei den Zuschauern, mit Platz 12 hat Portugal aber wohl alle Erwartungen übertroffen, die man vor zwei Wochen noch an das Land hatte.

Größere Chancen haben sich mit Sicherheit die Aserbaidschaner ausgerechnet. Samira Efendi, und das zeichnete sich im Laufe der letzten 14 Tage bereits ab, hat zwar ein interessantes Lied aber eine derart dröge Darbietung geliefert, dass der 20. Platz für das Land des Feuers noch recht gut sind. Das einzige woran man sich im Nachgang erinnern wird, ist das schlechte Englisch und die fauchende Kobra in ihrer goldenen Kugel. Dafür hat sie mit Tix aus Norwegen einen neuen Verehrer gefunden. Ob der PR-Gag noch weitergeführt wird, sehen wir dann in den nächsten Tagen. Immerhin lag Samira mit ihrem "Mata Hari" besser als Anne-Karine Strøm mit dem namensgleichen Titel im Jahr 1976, die wurde nämlich Letzte.

Mit ähnlichen Reizen wollte sich auch Natalia Gordienko aus Moldawien präsentieren. Ihr dreiminütiges Dauergrinsen wurde nur von einem kurzen Schockmoment unterbrochen, als ihr offenbar nach 1:30 Minuten kurz das Mikro aus der Hand rutschte. Dem Ergebnis tat dies keinen Abbruch, mit der Produktionshilfe von Phillip Kirkorow reichte es für einen 13. Platz. Der Jubel auf dem moldawischen Sofa war verhalten, obwohl man trotz einer marternden Schlussnote vor allem im Televoting verhältnismäßig gut kassierte. Zwölf Punkte gab es von den Zuschauern aus Rumänien und Tschechien, dazu zwölf von den Juroren aus Russland und Bulgarien. Das erstaunt nicht, wenn man sich überlegt, dass Kirkorow in Bulgarien geboren wurde und in Russland "The game of big stars" spielt. Parallelen zu Ralph Siegel und Montenegro sind erkennbar, mal sehen wen er 2022 für Moldawien aussucht...

Fürchterlich verspekuliert habe ich mich tatsächlich bei San Marino. Nach dem Release von "Adrenalina", insbesondere in Kooperation mit Flo Rida, haben wohl alle fest damit gerechnet, dass San Marino seine bisherige Bestleistung locker einstellt. Doch falsch, Senhit und ihr US-amerikanischer Kompagnon brachten es nur zu 50 Punkten, die mehrheitlich sogar aus dem angeblich verpatzen Juryfinale stammten. Ja, Senhit hat nicht gut gesungen, musste sie aber auch nicht, da das meiste von den Backings getragen wurde, aber das die sauber produzierte Nummer so dermaßen schlecht abschneidet, habe ich nicht für möglich gehalten. Verstehe einer diesen Eurovision Song Contest.

Für positive Vibes sorgte dafür das Damentrio aus Serbien. Da waren einige epische Momente dabei, die Tanzeinlagen waren sensationell, es wurde mehr Haar geschüttelt als dereinst bei "Fuego" und der Balkanbeat riss die Zuschauer mit. Sanja, Ksenija und Ivana haben eine tolle Show abgeliefert, die stellvertretend für alle ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken antrat und dort auch fleißig Punkte kassierte. Im Televoting gab es zwölf Zähler aus Slowenien, Nordmazedonien, Österreich, der Schweiz und Kroatien und das mit Recht. Die Juroren waren da etwas knausriger, Nordmazedonien lieferte zwölf, Kroatien sieben und Albanien einen Punkt. Außerhalb des Balkans stieß "Loco loco" bei den Juroren auf taube Ohren, am Ende wurde es Platz 15.

Die Skandinavier mussten sich dieses Mal mit Platzierungen auf der rechten Seite der Tabelle zufrieden geben. Für Norwegens Sänger Tix dürfte der 18. Platz zu verschmerzen sein, trotz emotionaler Gestik, hat das Lied trotzdem eine flache Struktur und die Hauptsache ist, dass er in Norwegen gefeiert wird. Dort hat er die Herzen erobert und wie man aus Norwegen weiß, wird selbst ein Nilpointer wie ein Sieger gefeiert. Tix hatte eine tolle Zeit in Rotterdam und da kann er den 18. Rang mit Sicherheit gut wegstecken. Getrennt wurde er von seiner Efendi im Ranking übrigens durch Hooverphonic aus Belgien, die wie heute Nacht ja schon besprochen, überhaupt nur durch Schützenhilfe der Juroren dabei waren. Zu Belgien kann ich auch gar nicht mehr viel sagen, die blutleere Story über ein Johnny Cash-T-Shirt ist erzählt.

Für Schweden dürfte der 14. Platz und damit die rechte Tabellenhälfte schon ungewöhnlicher sein. Tusse lehrt uns, dass Schweden nicht immer ein Juryfavorit sein muss. 46 Punkte im Juryvoting stehen 63 Zählern im Televoting entgegen, die allerdings mehrheitlich aus Skandinavien stammen. In der breit aufgestellten Konkurrenz, floppte der aus der D.R. Kongo geflohene Sänger mit seinem "Voices" schon ein bisschen. Den Erfolgsdämpfer für Schweden erkläre ich mir so, dass Tusse in einem starken Umfeld aufgetreten ist und dabei schlicht und ergreifend von den Juroren "vergessen" wurde. An seiner stimmlichen Leistung und der runden Performance, die sich seit dem Melodifestivalen nicht sonderlich verändert hat, kann es wohl nicht gelegen haben. Herausragend war übrigens die Punktevergabe von Carola, wo zunächst eine Hand aus dem Off meinte, noch etwas richten zu müssen und sie dann erstmal zwei Minuten darüber philosophierte, wie es in den guten alten Zeiten war. God bless you!

Finnland hingegen war für mich schon eine faustdicke Überraschung. Dass die Aufforderung den Mittelfinger zu heben derart in Europa einschlägt, wundert mich schon. Anders als erwartet, haben sich Måneskin und Blind Channel nicht gegenseitig aufgefressen, sondern gemeinsam Spitzenwerte im Televoting erreicht. Die 301 Punkte machen die finnische Rockband damit zum erfolgreichsten Act des Landes seit Lordi, die wir ja wenig später auf dem Dach eines Gebäudes im Hafen von Rotterdam neben Teach-In, Sandra Kim und weiteren früheren Siegern erlebt haben. Noch besser lief es für die Isländer, die, obwohl sie aus der Konserve eingespielt wurden, mit ihrem "10 years" den Nerv der Europäer trafen und es bis auf Platz vier schafften. Daði, der sich seit seinem Sieg beim isländischen Vorentscheid 2020 auf die Eurovision fixiert hatte, dürfte Island stolz gemacht haben, auch wenn er von der Atmosphäre im Ahoy wohl nur wenig einfangen konnte...

Für Russland freue ich mich, dass es Manizha, die in ihrer Heimat nicht den Support erhalten hat, den man ihr gewünscht hätte, auf den neunten Platz geschafft hat. Allein die Idee, dass eine Tadschikin mit einem rollenden Matroschka-Kleid über die Bühne fährt, die gesellschaftliche Stellung der russischen Frau anprangert und dann noch vom russischen Fernsehen zur Eurovision geschickt wird, ist ein grandioses Novum. Dass die wilde Mischung aus Rap, Maultrommel und Anleihen der sowjetischen Nationalhymne in die Top Ten kommt, ist ein Kracher. Manizha hat man in Rotterdam zudem als aufgeweckte und grundsympathische Frau erlebt, die stolz nach Russland zurückkehren kann und dort vielleicht tatsächlich den einen oder anderen kleinen Impuls auslösen wird.

Ein andere Powerstimme ging hingegen unter. Ich habe Destiny nach ihrer starken Performance ganz weit oben gesehen und die Juroren offenbar auch. Dass sie im Televoting dann jedoch so sehr abschmiert, hätte ich nie erwartet, im Gegenteil, ich bin davon ausgegangen, dass Europa den maltesischen Beitrag eingängiger findet als französische Chansons und italienischen Rock. Woran es bei "Je me casse" letztlich gefehlt hat, werden andere in Erfahrung bringen müssen. Ich hätte es ihr gewünscht, aber ihrer Mimik auf dem Sofa während der Punktevergabe nach zu urteilen, war sie schon ein bisschen eingeschnappt, dass sie nach der Junior Eurovision nicht das Double perfekt macht und das sogar schon zu einem Zeitpunkt, als Malta auf dem dritten Platz lag! John Lundvik hätte nicht besser schauen können.

Bei den Turbulenzen im Ranking habe ich auch Litauen ein bisschen aus den Augen verloren. The Roop haben wie gewohnt eine tolle Performance hingelegt und sich wie schon 2020 mit "On fire" in die Herzen der deutschen Zuschauer gesungen. Für die "Discoteque" reichte es am Ende des Abends für den achten Platz. Ich denke damit können Vaidotas und seine Kollegen hoch zufrieden sein, wenngleich man beim Sender LRT sicher mit mehr gerechnet hätte. 165 Stimmen im Televoting (darunter zwölf aus Irland, Deutschland, Lettland, Norwegen und dem UK) sowie zehn aus Estland, Georgien und der Ukraine sind ja so schlecht aber auch nicht. The Roop haben zwei Jahre lang konsequent gut abgeliefert, da tritt der nächste litauische Interpret in große Fußstapfen.

Einen sensationellen Aufstieg innerhalb der Woche legte die Ukraine hin. Mit ihren Chancen verhielt es sich genauso wie mit dem Aufbau des Liedes selbst. Am Anfang zurückhaltend und langsam, mogelte sich der Beat immer treibender in die Gehörgänge Europas bis zum großen Finale und auch ich muss zugeben, dass meine eine Televotingstimme an die Ukraine ging. Kateryna und ihr Team haben ganz fantastisch performt und am Ende konnten sie ihre vielen Televotingstimmen selbst nicht fassen. "Shum" hat von allen Ländern im Televoting Punkte erhalten, im Schnitt sogar 7,0 Punkte pro Land. Das ist ein beachtlicher Erfolg für eine Band, die mit ihrem weißen Gesang doch eher eine musikalische Nische bedient. Für Go_A freut es mich aber umso mehr, dass sie in den Top Five gelandet sind.

Im Juryvoting lieferten sich zunächst zwei französischsprachige Balladen ein enges Rennen um die Punkte. Barbara Pravi, die immer wieder zu Gjon's Tears hinüberwinkte, sagte gegenüber Edsilia im Green Room auch, dass das eine beachtliche Leistung ist. Und da vier von fünf Liedern an der Spitze nicht auf Englisch sind, dürfte nun auch klar sein, dass gute Musik ohne Worte funktioniert. Dies zeigten sowohl Gjon's Tears aus der Schweiz als auch Barbara Pravi mit ihrem Chanson, es kommt auf den Verve an, den der Interpret mitbringt und auf den Ausdruck der Stimme, nicht auf eingängige Phrasen. Dass die Schweiz den dritten und Frankreich den zweiten Platz belegt, ist schon ein Zeichen, vielleicht nur ein Momentum, aber eine tolle Leistung beider Nationen, die seit 30 Jahren nicht mehr so weit oben standen.

Während "Tout l'univers" von dem Mann im Rüschenhemd und "Voilà" von einer ausdrucksstarken Französin dargeboten wurden, spielte sich im Punktekeller ein Drama ab. Nie zuvor haben gleich vier Länder im Televoting null Punkte erhalten, die zudem auch noch alle direkt für das Finale gesetzt waren. Zuletzt gab es die Vierfach-Null im Jahr 1965, damals stimmten jedoch nur Juroren ab. Heute lag es am Publikum, dass drei der Big Five und die Gastgeber aus den Niederlanden punktelos blieben. Für James Newman aus Großbritannien ist es gleich doppelt bitter, denn er war der einzige, der nicht einmal eine Jury überzeugen konnte. "Embers", so lau es auch war, schrieb heute Nacht Geschichte.

James Newman nahm es sportlich und streckte seine Bierflasche in die Höhe. Die moralische Champagnerdusche gab es vom Publikum, das solidarisch für den Nilpointer klatschte und auch die anderen Delegationen applaudierten dem Vereinigten Königreich zu. Dies war ein Moment, wo man den Geist der Eurovision und bei allem Konkurrenzdenken den Zusammenhalt der Künstler gespürt hat. Man sah Manizha, Jendrik, die Niederländer und Barbara Pravi, wie sie James Newman zujubelten, ein schönes Zeichen. Die BBC wird sich nun aber ähnlich wie der NDR Gedanken machen müssen. Das Land mit dem zweitgrößten Musikmarkt der Welt schneidet seit Jahren katastrophal ab, schon 2003 gab es null Punkte, ein eigentlich untragbarer Zustand. Es liegt an der BBC hier nun etwas zu ändern.

Das UK war aber nicht allein, nur wenige Momente später kassierte auch die infantile Konzept-Botschaft von Jendrik null Punkte im Televoting. Zuvor gab es drei Punkte von den Juroren aus Österreich und Rumänien. Wir haben schon genug über die Mittelfinger-Choreographie gesprochen, auch die Ansprache "Meine Damen und Herren und diejenigen, die sich nicht entscheiden möchten" war überflüssig. Ich kann es Europa nicht verdenken, dass sie Deutschland keine Stimmen gegeben haben. Und wieder wird ein Jahr ins Land ziehen, in dem man sich beim NDR nicht erklären kann, was da heute Nacht wieder falsch gelaufen ist...

Tatsächlich falsch lief es für den Gastgeber, die Niederlande. Jeangu Macrooy hatte eine farbenfrohe Performance, einen Ausdruckstänzer, eine klare Botschaft in seiner surinamischen Heimatsprache und einen guten Vibe. Dennoch reichte es auch hier im Televoting zu keinem einzigen Punkt. Die Niederlande reihen sich in die Liste "würdiger Gastgeber" wie Österreich, Portugal oder Israel ein, die musikalisch anderen den Vortritt lassen. Als wäre dies aber noch nicht genug, mussten Chantal Janzen und Jan Smit fast schon entschuldigend auch noch Spanien null Punkte im Televoting verkaufen. Anhand der Reaktionen im Publikum wurde deutlich, dass hier etwas völlig Überraschendes passierte. Und so wie es 1969 vier Sieger gab, gibt es hier nun auch vier rote Laternen.

Ebenfalls geht die Wertung von 2021 in die Geschichte ein, da die Big Five plus Gastgeber entweder ganz hinten oder ganz vorne im Tableu landeten. Auf der anderen Seite dachten sich Italien und Frankreich "Hold my beer, das machen wir jetzt besser!" Und der Unterschied zwischen "Zitti e buoni" und "Voilà" ist mit 25 Punkten denkbar knapp. Der Sieg geht aber nunmal an die Italiener von Måneskin, nicht unverdient. Die RAI, die schon 2017 so siegessicher war, kann nun ihre Taskforce bilden und die alten Pläne herauskramen. Måneskin schafften heute Nacht ein Ergebnis, auf dass die italienischen Beiträge der letzten Jahre bereits hingearbeitet haben und bescheren Italien den ersten Sieg seit 31 Jahren, bravissimo. 

In diesem Zusammenhang möchte ich zugleich noch mit dem Gerücht aufräumen, dass Leadsänger Damiano angeblich während der Liveshow Kokain gezogen haben soll. Wie aus Videomaterial hervorgeht, hat er nichts dergleichen getan, sondern sich zu einem zerbrochenen Glas heruntergebeugt. Dies wurde auch durch die EBU bestätigt. Måneskin selbst erklärten im Anschluss, dass sie niemals Drogen nehmen und dies sogar durch einen Test jederzeit belegen würden. Was sie sich aber ausreichend genehmigten war der von den niederländischen Organisatoren in diesem Jahr reichlich ausgeschenkten Sekt, den Damiano selbst bei der Pressekonferenz noch mit sich herumtrug, lieber noch als die eigentliche Siegertrophäe.

Verrenkungen zum Auftakt: Zypern | Und wieder schlug der Fluch der #2 zu: Albanien

Die höchste Note des Abends kam wieder von Eden Alene | Drei Punkte im Televoting: Belgien

Starke Frauen platzieren sich im Mittelfeld: Manizha und Destiny

Dark Horse Portugal | Die "Loco"-Stimmungskanonen von Hurricane

James Newman schrieb mit seinem Ergebnis Geschichte | Stefania wurde Zehnte

Trotz rührender Geschichte hinten: Spanien | Ups... da gab's in Moldawien mal kurz Probleme

Der Cringe-Moment für Damen, Herren und die, die sich nicht entscheiden können

Rockten das Televoting: Blind Channel | Zu ruhig um vorn mitzuspielen: Victoria

Immerhin Platz acht für unsere Televotingfavoriten | Die Kobra zog nicht: Aserbaidschan

Tix für Norwegen | Gentle Host: Ebenfalls null Punkte für Jeangu im Televoting

Mal keine Top Ten für Schweden: Tusse | Teures Projekt, schwaches Ergebnis: San Marino

Go_A dürften mit ihrem Auftritt viele Fans gewonnen haben

Aus der Konserve, trotzdem Platz vier für Island | Gjon's Tears holt Bronze

Die Piaf wäre stolz auf sie: Barbara Pravi aus Frankreich

Die Sieger des Abends heißen allerdings Måneskin aus Italien

Großer Solidaritätsapplaus gab es für James Newman von den Kollegen und dem Publikum

Rückten durch Televoting auf: Go_A | Die John Lundvik-Gedächtnisgrimasse 2021

Weinten schon vorher: die Italiener | Auch hier freuten sich die Kollegen

Das Ergebnis des Abends: Der ESC 2022 findet in Italien statt

Måneskin bringen den Wettbewerb nach 31 Jahren zurück nach Italien

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