Donnerstag, 30. September 2021

Beyond Eurovision (233): Irak


Irak
- Zwischen Euphrat und Tigris erstreckt sich Mesopotamien, das Zweistromland, eine fruchtbare Ebene, in der früheste Hochkulturen ihren Ursprung haben. Sumerer, Assyrier und Babylonier siedelten in der Region, bekannt sind u.a. die Hängenden Gärten von Semiramis, eines der sieben antiken Weltwunder. Die Gärten existieren heute nicht mehr, nachdem Osmanen und Briten den Rückzug angetreten haben, wurde der Irak 1958 unabhängig, fünf Jahre später putschte sich die Baath-Partei an die Macht, die ab 1979 von Saddam Hussein geführt wurde. Seine Diktatur fand mit dem Einmarsch von US-Truppen im Jahr 2003 sein jähes Ende, heute ist der Irak ein instabiler Staat.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Bagdad
Sprachen
Arabisch, Kurdisch
Fläche
434.128km²
Währung
Irakischer Dinar (IQD)
Einwohner
41,0 Mio.
Internet-TLD
.iq
Zeitzone
UTC +3
Wiki-Info

Die politische Situation ist mehr als brisant, immer wieder kommt es landesweit zu Anschlägen, eine relativ sichere Region innerhalb des Iraks ist der kurdisch geprägte autonome Norden, der sich aus vier Gouvernements rund um die Stadt Erbil zusammensetzt. Dort ist, ebenso wie im Rest des Iraks neben Arabisch auch Kurdisch offizielle Amtssprache. Ein 2017 durchgeführtes Referendum über die Unabhängigkeit wurde vom Verfassungsgericht in Bagdads für ungültig erklärt, faktisch regiert sich dieser Landesteil allerdings selbst. Die Bevölkerungszahl im Irak kann lediglich geschätzt werden, 4/5 der Iraker sind ethnische Araber, hinzu kommen Kurden, irakische Turkmenen und Aramäer.

So bringt auch jede Volksgruppe ihre eigene Kultur mit. Die kurdische und turkmenische Kultur unterscheidet sich von der sunnitischen und schiitischen Ausprägung in Bräuchen und Traditionen. Die irakische Musikkultur basiert auf typisch arabischen Einflüssen, genannt seien hier die 'Oud und die Rabāb, beides Lauteninstrumente, die auch die moderne Musik des Landes dominieren. Mittlerweile haben verschiedene Iraker auch an Castingshows teilgenommen, zu den bekanntesten Gesichtern der jüngeren Popmusik zählen die Siegerin der vierten Staffel von "Star Academy", einer arabischen Talentshow, Shatha Hassoun und die Sängerin Dalli Hadad.

Seit 2009 macht auch Oras Sattar (أوراس ستار‎) Musik. Er wurde 1981 in Bagdad geboren und macht sowohl Arab-Pop, als auch Crossover und Folkmusik. 2010 erschien seine erste Single "A3len et-tawbah", es folgten regelmäßig weitere Veröffentlichungen. Mittlerweile gehört er zu den populärsten Musikern des Landes und denjenigen mit den höchsten Tonträgerverkäufen, seine Musikvideos generieren mehrere Millionen Aufrufe und ist auch in den benachbarten arabischen Ländern unterwegs. Der hier vorgestellte Titel "Aqatal" ("اقاتل"/"Kampf") ist der bislang letzte von ihm veröffentlichte Song aus dem Jahr 2021 und Teil des gleichnamigen Albums.

Oras Sattar - Aqatal

Armenien: Hayko mit 48 Jahren verstorben


Armenien
- Mit nur 48 Jahren verstarb gestern in Yerevan der armenische Sänger Hajk Hakobian (Հայկ Հակոբյան), besser bekannt als Hayko. Mit "Anytime you need" nahm er 2007 als zweiter Interpret für Armenien am Eurovision Song Contest teil und belegte damals in Helsinki den achten Platz. Wie Shushan Danielian, Chefarzt der Medizinischen Universität in Yerevan gegenüber dem armenischen Staatsradio berichtet, starb Hayko an den Folgen einer Corona-Infektion. Seit 1,5 Wochen befand er sich in kritischem Zustand.

Hayko wurde wurde 1973 in Yerevan geboren und startete seine Musikkarriere mit der Teilnahme an verschiedenen Festivals, darunter dem "Moskva 96"-Festival in der russischen Hauptstadt, das er auch gewann. 1999 veröffentlichte er seine erste CD "Romances" und wurde später in diversen Kategorien für den Armenian Music Award nominiert. 2003 und 2006 wurde er als Bester Sänger des Landes ausgezeichnet. Später war er als Coach bei "The Voice of Armenia" tätig. Auch das Team von Eurovision.tv äußerte sich per Tweet über den Tod von Hayko: "Du wirst immer in unseren Herzen sein".

Montag, 27. September 2021

Beyond Eurovision (232): Timor-Leste


Timor-Leste
- Osttimor stand einst unter portugiesischer Verwaltung, ehe es nach der Nelkenrevolution in die Unabhängigkeit entlassen werden sollte. Während der Vorbereitungen kam es jedoch zum Bürgerkrieg, in dessen Folge indonesische Truppen das Land in der Operation Seroja besetzten und 1976 formell als 27. Provinz namens Timor Timur in sein Staatsgebiet eingliederte. Bis zum von den UN beobachteten Referendum im Jahr 1999 herrschte eine Mischung aus Anarchie, Willkür und Gewalt. 2002 wurde das Land schließlich in die Unabhängigkeit entlassen und wurde zum ersten souveränen Staat des 21. Jahrhunderts.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Dili
Sprachen
Tetum, Portugiesisch
Fläche
14.919km²
Währung
US-Dollar ($)
Einwohner
1,3 Mio.
Internet-TLD
.tl
Zeitzone
UTC +9
Wiki-Info

Unter Xanana Gusmão als ersten Premierminister wurde das Land trotz erneut aufflammender Unruhen weitestgehend stabilisiert, mit Hilfe der internationalen Staatenunion gelang es schließlich einen funktionierenden Staatsapparat zu etablieren und auch Grenzstreitigkeiten in der Timorsee mit Australien beizulegen. Enge Beziehungen pflegt Osttimor heute mit Indonesien und der ehemaligen Kolonialmacht Portugal. Die Bevölkerung gliedert sich, bedingt durch verschiedene Einwanderungswellen von Malaien und Melanesiern in 16 Ethnien, die jeweils ihre eigenen Sprachen und kulturellen Gepflogenheiten mitbringen. Offizielle Amtssprachen sind heute Portugiesisch und die austronesische Sprache Tetum.

Aus den verschiedenen Epochen der Besatzung entwickelte sich auch eine eigenwillige musikalische Richtung, die sowohl portugiesischen Fado als auch indonesische Gamelan-Musik miteinander verbindet. Die moderne Popmusik des Landes ist eng an die politische Entwicklung geknüpft, insbesondere thematisch spiegelt die Musikszene ein besondere Aktualität wieder. So prägte die Gruppe Dili All Stars die Vorbereitungen zum Unabhängigkeitsreferendum, teilweise wurden osttimoresische Rhythmen auch mit Stilen anderer portugiesischsprachiger Länder wie Angola und Brasilien vermischt. Diverse Osttimoresen nahmen in jüngster Vergangenheit auch an Castingshows, wie "The Voice Portugal" oder "D'Academy Asia" in Indonesien teil. 

Trotz der mittlerweile sehr modernen Popmusik, die im Land produziert wird, kommen auch immer wieder die traditionellen Weisen der verschiedenen Ethnien zum Vorschein. Ein typisches Instrument der Insel Timor ist das Karau Dikur, ein Wasserbüffelhorn und die Kakalo'uta, ein Schlaginstrument aus drei frei schwingenden Hölzern. Durch weltliche Einflüsse haben sich in Osttimor aber auch typische Pop- und Rockkünstler durchsetzen können. Eine der Rockbands des Landes ist die sechsköpfige Gruppe Metal Maubere, deren erfolgreichster Hit das unten vorgestellte "Mehi sai realidade" sein dürfte.

Metal Maubere - Mehi sai realidade

Samstag, 25. September 2021

Beyond Eurovision (231): Montenegro


Montenegro
- 2006, einen Tag nach dem Finale des Eurovision Song Contest von Athen, sagte sich Montenegro in einer Volksabstimmung vom großen Nachbarn Serbien los. Mit 55,49% entschieden sich die Montenegriner für die Unabhängigkeit, die insbesondere durch die Isolation Serbien-Montenegros bedingt war, das nach den Jugoslawienkriegen ins Abseits rückte. Seither ist das Land um internationale Anerkennung bemüht, stellte einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union und ist inzwischen auch Mitglied der NATO. Seit 2007 tritt das Land auch mit eigenen Beiträgen beim Eurovision Song Contest an, häufig mit skurrilen Choreographien und zumeist auch recht unerfolgreich.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Podgorica
Sprachen
Montenegrinisch
Fläche
13.812km²
Währung
Euro (€)
Einwohner
622.000
Internet-TLD
.me
Zeitzone
UTC +1
Wiki-Info

Bis 1878 gehörte das Gebiet des heutigen Montenegros zum Osmanischen Reich, ehe es im Zuge des Berliner Kongresses zum unabhängigen Fürstentum und 1910 zum Königreich Montenegro erklärt wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Land Teil von Jugoslawien und blieb bis 1992 eine von sechs Teilrepubliken der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien. Nachdem das Land auseinanderbrach, verblieb man bis 2003 als Gliedstaat in Jugoslawien, das anschließend in Serbien-Montenegro umbenannt wurde. Schon damals war die Deutsche Mark gesetzliches Zahlungsmittel, inzwischen ist es der Euro.

Kulturell ist Montenegro durch wechselnde Besatzer, Venezianer, Österreicher, Osmanen und schließlich jugoslawische Einflüsse geprägt worden. Bewahrt hat man sich viele volkstümliche Tänze wie den Kolo und auch traditionelle Stilelemente im Bereich Musik. So klingen auch heute viele Melodien noch sehr ethnolastig mit typischen Instrumenten, auch beim Eurovision Song Contest schnitt das Land mit klassischen Balkan-Balladen am erfolgreichsten ab und konnte sich 2014 und 2015 zweimal für das Finale qualifizieren. Aus Kostengründen verzichtet man seit 2019 auf die Teilnahme, Rückkehr jedoch nicht ausgeschlossen, insbesondere aus Tourismus- und werbestrategischen Gründen.

Eine der bekanntesten montenegrinischen Sängerinnen ist Milena Vučić (Милена Вучић). Sie wurde im November 1986 in Titograd, dem heutigen Podgorica geboren und startete ihre musikalische Karriere als Teil der Girlgroup Negre, mit denen sie 2004 am serbisch-montenegrinischen Vorentscheid für Istanbul teilnahm. Der Titel "Ko nijedna druga" ("Wie sonst niemand") belegte den dritten Platz. Nach dem Ende der Band startete sie 2006 als Solistin durch und konnte sich u.a. mit Titeln wie "Indijana" einen guten Ruf erarbeiten. 2006 gewann sie zudem mit "Da l'ona zna" das montenegrinische Musikfestival Sunčane Skale. 2015 erschien ihr zweites Album "Milena".

Milena Vučić - Samo moj

Eurovision 2022: Rimini stellt sechs Millionen in Aussicht


Italien
- Dass das italienische Fernsehen bei seiner Städtewahl spät dran ist, gab man jüngst selbst zu, wenngleich der Rekord in Sachen Trägheit der letzten Jahre weiterhin bei der ARD und der Vergabe nach Düsseldorf liegt. Derzeit ist immer noch nicht absehbar, wann der Austragungsort bzw. das Datum für den Eurovision Song Contest 2022 bekannt gegeben wird und inzwischen musste ich auch meinen Urlaubsantrag für das kommende Jahr abgeben, wodurch es durchaus passieren kann, dass die Berichterstattung für nächsten Mai je nach Terminvergabe etwas dürftiger ausfallen könnte, als z.B. 2021.

Italienische Medien berichten inzwischen, dass die Stadt Rimini, eine von fünf Städten, die noch im Rennen um die Austragung dabei ist, sich mit einer Summe in Höhe von sechs Millionen Euro an den Kosten für die Veranstaltung beteiligen möchte, sofern der Zuschlag an die Adriaküste geht. La Repubblica meldet, dass sich sowohl Rimini als auch das favorisierte Turin mit Finanzpaketen den Zuschlag für die Eurovision 2022 sichern möchten. Turin hat hierfür auch die Unterstützung der lokalen Behörden und der Region Piemont.

Nach wie vor hat die RAI die Auswahl zwischen Turin, Rimini, Mailand, Pesaro und Bologna. Insgesamt bewarben sich 17 Städte und Gemeinden um die Ausrichtung, zeitweise wurde diese Liste auf elf Kandidaten reduziert, in der letzten Auswahlrunde fiel auch die Landeshauptstadt Rom aus den weitergehenden Planungen. Die oben genannten fünf Städte erfüllen offenbar alle die Kriterien der Europäischen Rundfunkunion, die finale Entscheidung ist allerdings immer noch nicht gefallen, wodurch es weiterhin spannend bleibt, wann und wo das "Te deum" 2022 ertönen wird.

Zypern: Panik Records veranstaltet Vorentscheid 2023


Zypern
- Früh übt sich, sagt man und dieses Motto setzt scheinbar auch das zypriotische Fernsehen CyBC um. Wie das OK Magazine berichtet, hat der Sender in Nikosia bereits sein Vorentscheidungskonzept für 2023 festgezurrt und plant gemeinsam mit dem Label Panik Records eine Castingshow, mit deren Hilfe der Teilnehmer für den Eurovision Song Contest 2023(!) ermittelt wird, dabei ist eben jener Wettbewerb noch über 1,5 Jahre weit entfernt.

Panik Records CEO George Arsenakos sagte gegenüber dem OK Magazine: "Ich kann bestätigen, dass wir bei Panik bereits mit CyBC, dem staatlichen Rundfunk von Zypern, gesprochen haben und uns um die Vertretung des Landes beim Eurovision Song Contest 2023 übernehmen werden. Wer auch immer die von uns organisierte neue Talentshow gewinnt, wird Zypern bei der Eurovision 2023 vertreten.", man halte dies für einen geeigneten Weg, gute Beiträge zu finden.

Panik Records war in den letzten Jahren immer wieder bei der Kandidatensuche griechische und zypriotischer Beiträge für den Eurovision Song Contest beteiligt. So kooperierte die Plattenfirma schon 2018, 2020 und 2021 mit CyBC und schickte Eleni Foureira, Sandro und Elena Tsagkrinou zum Song Contest, wobei Sandro aufgrund der Absage von Rotterdam 2020 keinen Auftritt absolvieren durfte. Es wird, sofern umgesetzt, der erste öffentliche Vorentscheid Zyperns seit 2015.

Freitag, 24. September 2021

Beyond Eurovision (230): St. Lucia


St. Lucia
- St. Lucia ist ein kleiner Inselstaat im Karibischen Meer, der 1979 vom Vereinigten Königreich in die Unabhängigkeit entlassen wurde und seinen Namen von französischen Schiffbrüchigen erhalten hat, die der Insel am Tag des Festes der Jungfrau und Märtyrerin Lucia von Syrakus ihren Namen gaben. Die Insel besitzt traumhafte Strände, im Landesinneren erheben sich zwei Vulkane, die als Twin Pitons bekannt sind. Die Bevölkerung setzt sich mehrheitlich aus den Nachkommen afrikanischer Sklaven zusammen, die in den Jahrhunderten der Kolonialzeit auf die Insel und die benachbarten Westindischen Inseln gebracht wurden.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Castries
Sprachen
Englisch
Fläche
616km²
Währung
Ostkaribischer Dollar (EC$)
Einwohner
183.000
Internet-TLD
.lc
Zeitzone
UTC -4
Wiki-Info

Die Insel wurde von Kolumbus während seiner dritten Reise nach Amerika entdeckt und war im 17. Jahrhunder zwischen Frankreich und dem Vereinigten Königreich umstritten, ganze vierzehn Mal wechselten die Machtverhältnisse, ehe im Zuge des Wiener Kongresses von 1814 die Zugehörigkeit zugunsten Britanniens entschieden wurde. Der Anbau von Zuckerrohr brachte die afrikanischen Sklaven auf die Insel, die auch nach deren Befreiung weiterhin auf den Plantagen arbeiteten. 82% der heutigen Bevölkerung sind heute direkte Nachfahren der einstigen Sklaven, die auch ihre Bräuche, Kultur und Musik mit nach St. Lucia brachten.

So fanden viele mündliche Überlieferungen gepaart mit afrikanischen Rhythmen Eingang in die lucianische Musikkultur und vermischten sich im Laufe der Jahre mit europäischen Musikstilen. Die heutige Musik bildete sich in den 1940er Jahren auf Basis des Calypso heraus, der von Trinidad ausgehend die gesamte Karibik überlief. So verwundert es nicht, dass sich über die Jahrzehnte hinweg auch Salsa- und Socamusik auf St. Lucia etablierten. Eine besondere Form der Soca-Musik auf St. Lucia ist die Bouyon-Musik, die eigentlich von der Nachbarinsel Dominica stammt, aber auch hier großen Zulauf erhielt, insbesondere durch den Sänger Ricky T, einen der bekanntesten Musiker des Landes.

Ein weiterer Vertreter der karibischen Soca-Musik ist Marley James, der sich Mongstar nennt und in der Karibik bereits mehrere Festivals für sich entscheiden konnte, u.a. auch den All 4 One Carribbean Song Contest im Jahr 2013. Schon in seiner Schulzeit war er musikalisch aktiv und arbeitete später nach ersten CD-Veröffentlichungen mit anderen namhaften Künstlern St. Lucias, wie dem Zouk- und Soca-Sänger Ambi zusammen. Beide sind heute gern gesehene Gäste bei den Karnevalsfeierlichkeiten der Insel, bei denen sie Titel wie das "Ginger Beer Medley" oder "Merry-Go-Round" zum Besten geben. Heute möchte ich hier aber mit "Glo ko ko" einen typischen Soca-Song präsentieren, der stellvertretend für das musikalische Œuvre St. Lucias steht.

Mongstar - Glo ko ko

Beyond Eurovision (229): Armenien


Armenien
- Armenien liegt am Südrand des Kaukasus und war bis zur wiedererlangten Unabhängigkeit 1991 Teil der Sowjetunion. Schon zu Sowjetzeiten kam es zu Unruhen und einem Konflikt mit dem benachbarten Aserbaidschan um das Gebiet, das wir heute als Bergkarabach kennen und noch heute zur politischen Instabilität der Region führt. Armenien selbst hat eine wechselvolle Geschichte, gilt jedoch auch als kulturell sehenswert, liegt hier doch die Wiege des armenisch-orthodoxen Glaubens, den man eindrucksvoll durch die Kathedrale von Etschamiadsin betrachten kann und, wenn man Musikforschern glauben kann, die Wiege westlicher Popmusik.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Yerevan
Sprachen
Armenisch
Fläche
29.800km²
Währung
Armenischer Dram (Դ)
Einwohner
3,0 Mio.
Internet-TLD
.am
Zeitzone
UTC +4
Wiki-Info

Nach der Unabhängigkeit sah sich Armenien politisch gezwungen einen pro-russischen Kurs einzuschlagen, bedingt durch den Bergkarabach-Konflikt und die Debatte um den Völkermord an den Armeniern durch das Osmanische Reich 1915 ist das Verhältnis zu den Nachbarländern Türkei und Aserbaidschan angespannt. Durch die wechselvolle Geschichte ist Armenien ein klassisches Auswandererland, zwar ist die armenische Bevölkerung sehr homogen, Schätzungen der UN zufolge, leben aber mehr als eine Million Menschen außerhalb Armeniens, insbesondere in Russland und den USA, hervorzuheben ist hier die große armenische Diaspora um Los Angeles, aber auch in westeuropäischen Ländern wie Frankreich oder den Benelux-Staaten.

Zu den Symbolen Armeniens gehört auch das Nationalinstrument Duduk, ein aus Aprikosenholz gefertigtes Blasinstrument, das in der folkloristischen und auch modernen Popmusik des Landes eine zentrale Rolle einnimmt. Die traditionelle Musik des Landes findet man auch immer wieder im Rahmen des Eurovision Song Contests wieder, etwa in "Apricot stone" von Eva Rivas 2010. Der armenische Musikmarkt ist zudem geprägt von russischen Interpreten, die aufgrund der kulturellen und politischen Nähe zu Armenien den Markt im Kaukasus bereichern. Daneben existiert eine Reihe erfolgreicher Jazzmusiker im Land, hier sei die Armenian Navy Band unter Arto Tunçboyacıyan genannt, der zur türkischen Minderheit im Land gehört.

Vorstellen möchte ich heute jedoch Tata Simonyan (Ալբերտ Սիմոնյան), der 1962 in Yerevan als Albert Simonyan geboren wurde und seit den 90er Jahren zu den bekanntesten Interpreten des Landes gehört. 1991 erschien sein erstes Album "Yerekon idjav" und arbeitete in den späten 90er Jahren mit der russischen Band Reflex zusammen. Jene Gruppe versuchte sich 2005 beim russischen Song Contest-Vorentscheid. Tata hat mittlerweile mehrere armenischsprachige Alben veröffentlicht und wurde 2006 als "Künstler der Republik Armenien" geehrt. In seiner langen Karriere kooperierte er auch mit anderen armenischen Acts wie oben genannter Eva Rivas und war zeitweise Coach bei "The Voice of Armenia". 

Reflex & Tata Simonyan - Anapati arev

Finnland: YLE sucht Tänzer für Vorentscheid


Finnland
- Finnlands nationaler Vorentscheid für den Eurovision Song Contest 2022 wird in der letzten Februarwoche stattfinden. Der Sender YLE bestätigte gestern, dass Uuden Musiikin Kilpailu in der achten Kalenderwoche ausgetragen wird und Samstag, der 26. Februar als wahrscheinlichster Termin für das Finale gilt. Bislang ist allerdings noch nicht bestätigt worden, wo genau das finnische Finale stattfinden wird. Dafür ist die Bewerbungsphase für UMK eingeläutet worden und endet am 5. Oktober.

Gesucht werden neben Interpreten auch Tänzer, die Bühnenerfahrung mitbringen und mindestens 18 Jahre alt sind. Wer meint, hierfür infrage zu kommen, kann sich bis zum 5. Oktober inklusive Lebenslauf und einem kurzen Tanzvideo per E-Mail an umk@yle.fi anmelden. Ausgesuchte Tänzer werden zu einer speziellen Live Audition am 24. Oktober eingeladen, die Vorbereitungen für den Vorentscheid beginnen Ende November und sollen Anfang 2022 intensiviert werden.

Uuden Musiikin Kilpailu dient seit 2012 als nationaler Vorentscheid für den Eurovision Song Contest, zuletzt wurde die Band Blind Channel auf diesem Wege für Rotterdam ausgesucht, die mit "Dark side" den sechsten Platz im Finale belegten. Die Band belegte damit das beste Ergebnis Finnlands seit dem Song Contest-Sieg mit Lordi 2006 in Athen. Weitere Einzelheiten zum finnischen Vorentscheid sollen in Kürze folgen, die begleitende Background-Garnitur wurde mit dem Aufruf für Tänzer jedoch schon auf den Weg gebracht.

Mittwoch, 22. September 2021

Beyond Eurovision (228): Kolumbien


Kolumbien
- Kolumbien steht weltweit für ausgezeichneten Kaffee, Smaragde, den Mix aus Regenwäldern und Traumstränden, aber auch für den jahrelangen Konflikt der Regierung der linksradikalen FARC. Benannt nach dem Entdecker Christoph Kolumbus stellt das Land eine Brücke von Zentral- nach Südamerika dar, wenngleich ausgerechnet hier die sonst von Alaska bis Feuerland reichende Panamericana auf diesem Stück von Yaviza in Panama und Turbo in Kolumbien durch den Darién Gap unterbrochen ist. Dafür bietet Kolumbien einen großen Artenreichtum und kulturelle Vielfalt.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Bogotá
Sprachen
Spanisch
Fläche
1.138.910km²
Währung
Kolumb. Peso (kol$)
Einwohner
50,9 Mio.
Internet-TLD
.co
Zeitzone
UTC -5
Wiki-Info

Die heutige kolumbianische Gesellschaft entstand durch die Vermischung der indigenen Bevölkerung mit europäischen, meist aus Spanien kommenden Einwanderern, die hier "El Dorado", das legendäre Goldland suchten und schwarzafrikanischen Sklaven, die für die Kultivierung der dort entstandenen Plantagen benötigt wurden. Heute sind knapp die Hälfte Mestizen, also Nachfahren von Europäern und südamerikanischen Indios. Die mittlerweile in den Hintergrund gerückten nativen Indios machen knapp 3,2% der Bevölkerung aus, gruppieren sich aber in über 100 verschiedene Volksgruppen mit eigenständiger Kultur, Bräuchen und Musik. 

So ist auch die Musik vielerorts unterschiedlich geprägt. Die Nachfahren afrikanischer Sklaven prägten an der Karibikküste mit ihren traditionellen Elementen die für Kolumbien typische Cumbia und die Vallenato. Dabei handelt es sich zumeist um eine Formation aus Akkordeon, Trommel und der eisernen Güira. Zu den bekanntesten Vallenato-Interpreten des Landes zählt Carlos Vives, der in der gesamten spanischsprachigen Welt einen Namen hat. In den 90er Jahren entwickelte sich auch die Popmusik Kolumbiens zu einem Exportschlager, genannt sei hier lediglich Shakira, die über 75 Millionen Tonträger verkauft hat und mit Liedern wie "Whenever, wherever", "Underneath your clothes", "Hips don't lie" und der WM-Hymne "Waka waka" weltweit Nummer-Eins-Erfolge feierte.

Ein weiterer bekannter Musiker des Landes ist der 1972 in Medellín geborene Juan Esteban Aristizábal Vásquez, kurz Juanes. In seiner musikalischen Familie kam er schon früh mit traditionellen Boleros, Cumbias und Vallenato in Berührung, wenngleich er auch von Rock- und Metalbands inspiriert wurde und selbst Leadsänger der Band Ekhymosis wurde. 2004 startete mit der Veröffentlichung des Albums "Mi sangre" der weltweite Erfolg, das Album inklusive der Single "La camisa negra" belegte die #1 in Deutschland. Während er in den Billboard Hot Latin Charts noch heute regelmäßig Spitzenplatzierungen belegt und sich daneben für Menschenrechte, gegen den Kommunismus in Kuba und Frieden auf dem amerikanischen Kontinent einsetzt, hört man in Deutschland nahezu nichts mehr von ihm.

Juanes - Me enamora

San Marino: Vorentscheidungskonzept für 2022 vorgestellt


San Marino
- "Una voce per San Marino" wird der Vorentscheid der kleinen Republik für den Eurovision Song Contest 2022 heißen. Gestern Abend informierte der kleine Sender SMRTV über seine Pläne für die kommende Saison und die sind angesichts der überschaubaren Bevölkerungszahlen des Landes gewaltig. Als zeitlichen Rahmen hat SMRTV Dezember diesen Jahres bis Februar 2022 veranschlagt. Hinzu kommen zwei Kategorien über die sich der Vorentscheid erstrecken wird und dem Format einen Hauch von San Remo geben.

"Emerging" und "Big" heißen die beiden Kategorien in denen sich die Kandidaten einsortieren werden. Die "Emerging", also die aufstrebenden Talente, werden vom 13. bis 19. Dezember und vom 5. bis 11. Januar 2022 im Teatro Titano in einer sogenannten Academy zunächst mehrere Castingrunden absolvieren. Im Februar wird es zwei Halbfinals und eine Finalshow der "Emerging"-Kategorie geben, bei denen entschieden wird, welche neun Kandidaten im Finale mit den "Big"-Stars konkurrieren werden.

Das Finale des sanmarinesischen Vorentscheids ist für den 19. Februar 2022 angesetzt und wird im Teatro Nuovo in Dogana stattfinden. Insgesamt sollen dort 18 Kandidaten auftreten. Die "Big"-Teilnehmer werden im Vorfeld von der Media Evolution Srl. eingeladen. Entschieden wird während des gesamten Vorentscheids per Jury. Der Vorentscheid steht jedem offen, Staatsangehörigkeit oder Sprachregelungen spielen keine Rolle, lediglich die EBU-Regeln des Song Contests müssen eingehalten werden.

Montag, 20. September 2021

Polen: TVP öffnet Bewerbungsfenster für 2022


Polen
- Wer Lust hat, Polen beim Eurovision Song Contest 2022 zu vertreten, kann sich fortan beim Sender TVP einschreiben. Es wird allerdings keinen nationalen Vorentscheid sondern eine interne Auswahl hinter verschlossenen Türen geben, heißt es dazu aus Warschau. Damit geht der Sender den gleichen Weg wie 2021, als Rafał Brzozowski für Rotterdam nominiert wurde. Die Ergebnisse der internen Auswahl werden am 2. Januar 2022 bekannt gegeben. Bis zum 20. November können sich interessierte Interpreten mit einem Lebenslauf, einem Foto und einem geeigneten Titel per E-Mail an eurowizja@tvp.pl melden. 

Es gibt laut Regelwerk keinerlei Beschränkungen was die Sprache und Nationalität des Interpreten angeht, lediglich die allgemein gültigen EBU-Regeln sind zu beherzigen. Alle Beiträge werden zunächst von einer fünfköpfigen Jury bewertet, jeder von ihnen darf bis zu drei Beiträge in die zweite Auswahlrunde voten. Außerdem erhalten sie das Recht weitere Beiträge, die nicht im öffentlichen TVP-Pool eingegangen sind, in die zweite Runde zu hieven. Je nachdem, wie einig sich die Juroren sind können somit bis zu 15 Titel die zweite Runde erreichen.

In jener zweiten Runde bewerten die Juroren anschließend die Titel auf einer Skala von eins bis zehn. Der Song mit den meisten Punkten wird für den Eurovision Song Contest nominiert. Im Streitfall eines Gleichstandes hat der Vorsitzende der Jury das höhere Stimmrecht und kann über den Vertreter Polens entscheiden. Das Endergebnis wird im Anschluss an den 2. Januar 2022 veröffentlicht. Einer Forderung der Związek Zawodowy Muzyków RP, der polnischen Musikervereinigung kam der Sender TVP nicht nach, der eine rein polnische Produktion für die Eurovision forderte.

Beyond Eurovision (227): Südkorea


Südkorea
- Südkorea, das Land von Yin und Yang, galt nach dem Koreakrieg, der das historische Chōsen in Nord- und Südkorea teilte, war bis in die 60er Jahre ein wirtschaftlich rückständiges Land, das im Zuge des "Wunder am Han-Fluss" jedoch einen rapiden Aufschwung erlebte und binnen weniger Jahre vom Agrarstaat zu einer der führenden Industrienationen aufstieg. Noch heute ist der Tigerstaat ein Sinnbild für einen hoch entwickelten Technologie-Staat, der über milliardenschwere Konzerne verfügt und auch zu den G20-Ländern zählt. Jedoch existiert nach wie vor die Sorge über die Entwicklungen in Nordkorea, dessen Flüchtlinge es schwer haben, sich in Südkorea zurecht zu finden und Anschluss zu finden.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Seoul
Sprachen
Koreanisch
Fläche
100.210km²
Währung
Südkoreanischer Won (₩)
Einwohner
51,7 Mio.
Internet-TLD
.ko
Zeitzone
UTC +9
Wiki-Info

Der wirtschaftliche Boom basiert heute auf Großkonzernen wie Hyundai, Samsung und LG Electronics, die Häfen von Incheon und Gunsan sind weltweite Warenumschlagsplätze, die Hauptstadt Seoul ist eine der treibenden Metropolen Asiens. Ein Großteil der Bevölkerung genießt einen hohen Lebensstandard, anders als dies nördlich des 38. Breitengrads im Nachbarland Nordkorea der Fall ist. Südkoreanern ist es per Gesetz verboten, Kontakt zu ihren Verwandten im Norden aufzunehmen. Flüchtlinge aus Nordkorea werden im Hanawon-Projekt, einer Art Umerziehungslager an die südkoreanische Lebensweise gewöhnt. Die Bevölkerung ist sehr homogen, was auch durch die strikte Migrationspolitik des Landes bedingt ist.

Auch die koreanische Kultur ist eigenständig, geprägt durch die einzigartige Hangeul-Schrift und traditionelle Musik- und Folklorerituale. Im 21. Jahrhundert kam es zur Hallyu, der koreanischen Welle, bei der koreanische Filmproduktionen, Literatur und Popmusik über die Landesgrenzen hinaus in großen Teilen Asiens populär wurden. Auch über das Internet verbreiteten sich koreanische Videos rasend schnell. Eines dieser Phänomene ist der Gangnam-Style, ein Song mit dazugehörigem Modetanz, der von Park Jae-Sang alias Psy zu einem viralen Hit wurde. Psy gehört heute zu den bekanntesten K-Pop-Künstlern, zu denen vorrangig Bands wie Weeekly, Sistar, T-ara und f(x) gehören.

Eine der bekanntesten K-Pop-Bands war die Gruppe Kara. Sie wurde 2007 von DSP Media gegründet. Ihr Name leitete sich vom griechischen Wort "chara" für "süße Melodie" ab. Zur ersten Besetzung gehörten Leadsängerin Park Gyu-Ri, Han Seung-Yeon, Kim Sung-Hee und Nicole Jung. Vier Jahre nach ihrer Gründung gelang ihnen mit dem Studioalbum "Step" der erste Nummer-Eins-Hit in Südkorea. Auch in Japan war die Gruppe sehr erfolgreich und schaffte es mit sieben von acht Alben in die japanischen Charts. In den 2010er Jahren wurde die Gruppe mehrfach umbesetzt, 2016 endete die Bandkarriere, die Interpretinnen machten solo weiter. Gu Hara, die in der letzten Besetzung dabei war, beging nach einer tragischen Lebenesgeschichte, 2019 Suizid. 

Kara - Step

Aserbaidschan: Bestätigung aus Baku liegt vor


Aserbaidschan
- Fast zeitgleich zur georgischen Teilnahmebestätigung hat sich auch der Sender ictimaiTV im Nachbarland Aserbaidschan gerührt und seine Teilnahme in Italien ebenfalls bestätigt. iTV ließ ebenfalls offen, auf welche Art und Weise der nächste Beitrag für den Song Contest ermittelt wird, aller Voraussicht nach dürfte man aber wieder einen internen Weg gehen und sich dafür einen namhaften Komponisten aussuchen, der das Komplettpaket für die Eurovision in Italien schnürt.

Aserbaidschan hat all seine Kandidaten seit 2015 hinter verschlossenen Türen ausgesucht, zuvor gab es regelmäßige Vorentscheide, seit dem Debüt 2008 wurden alle Kandidaten, mit Ausnahme von Aysel und Arash 2009 durch verschiedene öffentliche Modi ermittelt. Im letzten Jahr fiel die Wahl auf Samira Efendi, die in Rotterdam 2020 eigentlich den Titel "Cleopatra" hätte darbieten sollen, aufgrund der Corona-Pandemie und der das resultierenden Absage des Wettbewerbs wurde sie jedoch für 2021 nominiert.

In diesem Jahr belegte sie mit "Mata Hari" den 20. Platz im Finale von Rotterdam, wohl auch der dünnen Performance geschuldet. Aserbaidschan ist bislang das einzige der drei Kaukasusländer, das den Eurovision Song Contest gewinnen konnte. Nach der Bestätigung fehlt lediglich eine Reaktion des armenischen Fernsehens ArmTV. Die Armenier zogen 2021 ihre Teilnahme zurück, die Gründe hierfür lagen im damals akuten Konflikt mit dem Nachbarn Aserbaidschan und der innenpolitischen Situation aufgrund des unterlegenen Bergkarabach-Konflikts.

Georgien: GPB bestätigt Teilnahme in Italien


Georgien
- Die nationalen Rundfunkanstalten im Kaukasus wurden heute aufgerüttelt und haben ihre Teilnahme am nächsten Eurovision Song Contest bestätigt. Den Anfang machte heute das georgische Staatsfernsehen GPB, das gegenüber ESCtoday.com seine Absichtserklärung abgegeben hat, 2022 einen Kandidaten nach Italien zu entsenden. Wie es vom Sender aus Tiflis heißt, werden weiterführende Informationen in den kommenden Monaten veröffentlicht, Details zum Auswahlverfahren sind noch nicht bekannt.

Georgien nimmt seit 2007 am Eurovision Song Contest teil und gilt als relativ experimentierfreudig, wenngleich die Ausflüge von Ethnofolk bis zu Darkrock bisher nur selten von Erfolg gekrönt waren. Zuletzt verpasste Tornike Kipiani mit "You", einem langsamen Walzer und zum vierten Mal in Folge den Finaleinzug. Zuletzt schaffte es die Gruppe Nika Kocharov & Young Georgian Lolitaz mit "Midnight gold" ins Finale von Stockholm. Trotz allem hält das georgische Fernsehen an seiner Teilnahme fest.

Ein persönliches Wort von mir, ich muss das georgische Fernsehen für seinen Wagemut loben. Kaum ein Land kümmert sich so wenig um Mainstream beim Eurovision Song Contest wie Georgien. Während man in den Anfängen noch relativ belanglose Kost geliefert hat, die es aber ins Finale schaffte, ist man seit 2014 dazu übergegangen, eine individuelle Nische auszufüllen, häufig garniert mit Ethno-Elementen und polyphonem Männerchor. 2018 und 2019 versuchte sich das Land zudem auf Georgisch, beides war nicht von Erfolg gekrönt.

Sonntag, 19. September 2021

Beyond Eurovision (226): Gabun


Gabun
- Portugiesische Seefahrer erreichten im 15. Jahrhundert die Küsten des afrikanischen Landes und nannten es Gabão, was so viel wie "Umhang" bedeutet. Im 19. Jahrhundert geriet Gabun in den französischen Einflussbereich und wurde Teil der Kolonie Französisch-Äquatorialafrika. Im Afrikanischen Jahr 1960 wurde auch Gabun in die Unabhängigkeit entlassen. Es begann eine 40jährige Diktatur um Omar Bongo, dessen Regierung auf enormen Rohstoffvorkommen basierte und Grundlage für einen recht gut funktionierenden Staat wurde. Im afrikanischen Vergleich ist Gabun spärlich besiedelt, weite Teile des Nordens und des Landesinneren sind menschenleer.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Libreville
Sprachen
Französisch
Fläche
267.667km²
Währung
CFA-Franc (XAF)
Einwohner
2,2 Mio.
Internet-TLD
.ga
Zeitzone
UTC+1
Wiki-Info

Bekannt wurde Gabun auch durch den Arzt und Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer, der 1913 in Lambaréné sein bekanntes Urwaldspital gründete, das noch heute in Betrieb ist. Neben Allgemeinmedizin wurde hier das Krankheitsbild von Malaria tropica erforscht. Die meisten Gabuner gehören zu verschiedenen Bantu-Völkern, die meisten davon in der Hauptstadt Libreville, der Hafenstadt Port-Gentil und Franceville im äußersten Südosten. Französisch ist, ob der kolonialen Vergangenheit, offizielle Amtssprache. Daneben werden verschiedene Bantusprachen wie Fang, Mbere und Njebi gesprochen. Insgesamt beziffert die gabunische Regierung 42 aktiv gesprochene Sprachen.

Ein französischer Ethnograph erklärte einst, Gabun sei für Afrika das, was Tibet für Asien ist, nämlich ein spirituelles Zentrum verschiedenster religiöser Kulte. Diese bringen auch ihr eigenes musikalisches Brauchtum mit sich. So finden landesweit viele Bwiti-Prozessionen verschiedener Naturreligionen statt. Dabei kommen auch diverse Folkinstrumente wie z.B. die Obala zum Einsatz. Die moderne gabunische Popkultur entstand ab 1974, als der Gitarrist Pierre Akendengué sein erstes Album veröffentlichte und im Stil der Weltmusik auch in Europa Erfolge erzielte. Mit der Gründung von Africa No.1, einer Radiostation, die auch afrikanischen Künstlern die Möglichkeit gab, Musik aufzunehmen, wurde Libreville zu einem wichtigen musikalischen Zentrum in West- und Zentralafrika.

Zu den bekanntesten und aktivsten Sängerinnen des Landes zählt die 32jährige Channelle Lekogo, die unter ihrem Alias Shan'L auftritt. Sie begann ihre musikalische Karriere zunächst als Chorsängerin und startete ab 2013 mit dem Zouk-Titel "L'Aveu" im Duett mit der Sängerin Arielle T durch. 2015 gewann sie den afrikaweiten Musikwettbewerb "Airtel Trace Music Star", noch im gleichen Jahr erschien ihr Debütalbum "Shan’L is my name", auf dem auch der unten vorgestellte Titel "Où est le gars" enthalten ist. Überregional bekannt wurde sie zudem 2018 durch die Veröffentlichung der Single "Tchizambengue". 2020 erschien ihr zweites Album, zeitgleich zu ihrer Teilnahme am Wettbewerb "Prix Découvertes RFI". 

Shan'L - Où est le gars