Donnerstag, 9. April 2020

Memories: Eurovision Song Contest 1980


Niederlande - Eigentlich hätte Israel das Austragungsrecht erneut für sich beanspruchen können, lehnte jedoch aus finanziellen Gründen ab, sodass die Europäische Rundfunkunion auf das Angebot des niederländischen Fernsehens NOS zurückgriff und die 25. Eurovision nach Den Haag brachte. Die Niederländer legten den Termin des Eurovision Song Contests 1980 dann unglücklicherweise auch noch auf den 19. April, an dem in Israel der Gedenktag Yom haSikaron stattfand, sodass es israelischen Interpreten ohnehin nicht möglich gemacht wurde, am Wettbewerb teilzunehmen. Somit ist 1980 das einzige Jahr, in dem das Siegerland nicht um die Titelverteidigung kämpfte.

Die Gunst der Stunde nutzten zwei Nationen um am Eurovision Song Contest teilzunehmen. Zum einen kehrte die Türkei mit einem themenbezogenen Titel zurück in den Kreis der Eurovisionsfamilie, zum anderen gab mit Marokko erstmals ein afrikanisches und arabischsprachiges Land sein Debüt. Langfristig verabschieden musste sich die Eurovision von Monaco, das erst 2004 wieder einen Versuch wagte. Als zu klein schätzte der Sender TMC die Chance auf eine gute Platzierung ein, der Wettbewerb wurde fortan auch nicht mehr im monegassischen Fernsehen übertragen. Jugoslawien wollte ursprünglich zum Wettbewerb zurückkehren, die schwere Krankheit von Staatschef Josip Tito führte jedoch zur Absage. Tito verstarb am 4. Mai 1980 in Ljubljana.

Die Niederländer schickten die Schauspielerin Marlous Fluitsma als Moderatorin auf die Bühne des Congres Gebouw in Den Haag, zum Einsatz kam auch jeweils ein Sprecher der Delegationen, der die Aufgabe hatte, den eigenen Beitrag anzukündigen. So durfte Caroline Reiber die deutsche Vertreterin Katja Ebstein ankündigen. Katja stellte sich zunächst im März dem TV-Vorentscheid des Bayerischen Rundfunks, an dem zwölf Interpreten teilnahmen. 1.000 Menschen durften repräsentativ für die Bundesrepublik entscheiden, wer nach Den Haag fährt, zur Auswahl waren Größen der Musikszene wie Stefan Waggershausen, Marianne Rosenberg, Roland Kaiser und kuriose Beiträge wie Adam & Eve oder "Montezuma Castle".

Katja Ebstein setzte sich mit ihrem "Theater" aus der Feder von Ralph Siegel und Bernd Meinunger gegenüber Costa Cordalis mit einem Lied über den Regengott "Pan" durch. Im dritten Anlauf durfte sie bereits ein zweites Mal in die Niederlande fahren. "Theater", dargeboten von mehreren Pantomime-Akteuren auf der Bühne wurde der bis dahin erfolgreichste deutsche Song Contest-Beitrag. Lieferte sich Katja Ebstein doch ein Kopf-an-Kopf-Duell mit dem späteren Sieger Johnny Logan. 128 Zähler konnte Katja Ebstein verbuchen, darunter drei Höchstwertungen aus Italien, Spanien und den gastgebenden Niederlanden. Sie blieb der Eurovision in Form diverser Gastauftritte beim deutschen Vorentscheid erhalten, auf der großen Eurovisionsbühne sah man sie jedoch nicht mehr.

Doch nicht nur Deutschland schickte eine Wiederholungstäterin auf die Bühne, auch die Niederlande konnten mit Maggie McNeal ein bekanntes Gesicht anbieten. Schon 1974 war sie Teil des Duos Mouth & McNeal, das sich jedoch schon bald nach dem Eurovisionsauftritt trennte. In Den Haag sang Maggie eine tragende Hymne auf die eigentliche Hauptstadt der Niederlande, nämlich "Amsterdam", das drei von vier Höchstwertungen am Beginn des Votings kassierte, am Ende aber nur auf Platz fünf landete. "De stad waar alles kan" war aber eine willkommene Touristenwerbung für Amsterdam, der Titel hatte mit #33 der niederländischen Charts aber nur mäßigen Erfolg im eigenen Land.

Einen Platz besser platzierte sich die dritte Rückkehrerin, Paola mit "Cinéma" für die Schweiz. Darüber landete das Vereinigte Königreich mit der Gruppe Prima Donna, die sich eigens für die Eurovision gründete und wenig später wieder zerbrach. Teil der Gruppe war Lance Aston, der Bruder von Jay Aston, einem Mitglied von Bucks Fizz, die ihren Triumph allerdings erst ein Jahr später haben sollten. "Love enough for two" belegte zwar den dritten Platz in Den Haag, floppte jedoch in den europaweiten Charts, selbst im UK war die #48 die Peak Position des Liedes. 

1980 kam auch erstmals Anna Vissi in den Genuss der Eurovision. Sie hätte eigentlich schon zwei Jahre zuvor für Griechenland singen sollen, da sich der Sender ERT allerdings mit den Komponisten ihres damaligen Titels verkrachte, wurde Tania Tsanaklidou nominiert. Anna und ihre Begleitband The Epikouri sangen "Autostop" ("Trampen"), sagten Athen auf Wiedersehen und nannten im Verlauf des Liedes die Perlen ihres Roadtrips, u.a. Peking, Wladiwostok, Paris, Kairo und Berlin. Aus den allermeisten Ländern gab es nur vereinzelte Punkte dafür, lediglich die Niederlande ließen sich auf acht Zähler ein. Anna Vissi startete fortan eine große Karriere in Griechenland, zwei Jahre später sollte sie ihre Heimatinsel Zypern beim Song Contest vertreten.

Unmittelbar vor den Griechen trat die Türkei auf. Und auf philosophische Art und Weise verarbeitete die Sängerin Ajda Pekkan in "Petr'oil" das Schicksal des letztjährigen Fernbleibens. Es ging um das süße Erdöl, jenen Rohstoff, den die arabischen Länder der Türkei drohten abzudrehen, sollte man am Song Contest in Israel teilnehmen. Diese Liebe beruht laut Text aber nicht auf Gegenseitigkeit, das Öl sei nur auf Dollars und Deutsche Mark aus, am Ende reichte es für das Lied über das schwarze Gold zum 15. Platz. Dabei kassierte die Türkei erstmals zwölf Punkte, nämlich von der marokkanischen Jury.

Die Abwesenheit Israels nutzte Marokko um sich Europa zu präsentieren. Hierfür wählte man mit der jungen Samira Bensaïd ein aufstrebendes Talent, das den ersten arabischsprachigen Titel der Eurovisionsgeschichte sang. "Bitaqat hob" erzielte sieben Punkte, allesamt aus Italien, und damit den vorletzten Platz. König Hassan II. war darüber so erbost, dass er dem marokkanischen Fernsehen verbot, jemals wieder an der Eurovision teilzunehmen. SMRT hielt sich bis heute an diese Abmachung, wohl auch da Israel nun regelmäßiger Gast im Wettbewerb ist. Samiras Karriere hat die Pleite keinen Abbruch getan. Die in Ägypten lebende Sängerin gehört zu den Topstars der arabischen Musikwelt und ist noch heute schwer erfolgreich und damit beschäftigt neue Songs auf den Markt zu bringen.

Mit Folklore konnte auch Norwegen dienen. "Sámiid Ædnan" wurde gesungen von Sverre Kjelsberg, der im Jahr 2016 verstarb. Nach zwei Dritteln des Liedes kam zudem Mattis Hætta in lappländischer Tracht auf die Bühne und begann mit samischem Joik-Gesang. Bei der lustigen Nummer handelte es sich allerdings um einen Protestsong, mit dem die Interpreten auf mehr Selbstbestimmung der Samen pochten. Er nahm auch Bezug auf den Hungerstreik von Samen im Jahr 1979 vor dem norwegischen Parlament. Es dauerte bis 1989 ehe der Sámediggi, das Parlament der Samen erstmals zu einer Sitzung zusammentreten konnte. Für dieses Anliegen hatten die europäischen Juroren leider weniger Verständnis, "Sámiid Ædnan" landete auf Platz 16.

Damit waren sie aber immerhin noch etwas besser als die belgische Gruppe Telex, die sich im Geiste der Zeit nach einem Fernschreibgerät benannte, das heutzutage kein Mensch mehr kennt geschweige denn bedienen kann. Die Gruppe um den bebrillten und vollbärtigen Leadsänger Michel Moers sang in französischer Sprache eine Persiflage auf den Wettbewerb, bei dem sie nunmehr für die Wallonie singen durften. "Euro-Vision" war ein Mischmasch aus Disco- und Elektromusik, Schenkelklopfer-Beats und viel Trash. Die bis 2006 gemeinsam musizierende Gruppe landete auf dem 17. Platz, unterboten von Marokko und Finnland, das mit Vesa-Matti Loiri einen Kabarettisten entsandte, welcher sich auf der Querflöte immerhin sechs Punkte zusammenspielte.

Für Irritationen dürfte auch der zweite Beitrag von Ralph Siegel an diesem Abend gesorgt haben. Die Schwestern Sophie & Magaly sangen für das Großherzogtum Luxemburg den Titel "Papa Pingouin", der es tatsächlich auf Platz neun im Ranking schaffte. Untermalt wurde der Text durch einen über die Bühne torkelnden Pinguin im schwarz-weißen Glitzerfrack. Sophie & Magaly veröffentlichten wenig später die Single "Arlequin", die sich allerdings nur mäßig verkaufte, sodass das Label Ariola und Ralph Siegel die Gilles-Schwestern wie eine heiße Kartoffel fallen ließen. 

"Papa Pingouin" erlebte im Jahr 2006 einen zweiten Frühling, wurde es doch vom Bubblegum-Projekt Pigloo neu aufgenommen. In Frankreich schaffte es der Titel auf die #1, in Deutschland immerhin auf die #6. Das Schicksal beider Schwestern hätte jedoch nicht trauriger sein können, Magaly infizierte sich mit HIV und verstarb 1996 an den Folgen von AIDS, ihre Schwester Sophie verfielt daraufhin in schwere Depressionen und verstarb im letzten Jahr zurückgezogen in Südfrankreich. Der letzte französischsprachige Titel "Hé, hé M'sieurs dames" der Formation Profil landete unterdessen auf dem elften Platz. Außer dem Pailletten-Regenbogen auf den weißen Kostümen gibt es über diesen Song eigentlich nichts Spannendes zu vermelden.

Einen der kommerziell erfolgreichsten Songs steuerte der Italiener Alan Sorrenti bei. Der Neapolitaner wuchs zunächst in Wales auf und begann in den 70er Jahren mit seiner Musikkarriere. Sein erfolgreichster Hit war der Titel "Tu sei l’unica donna per me" ("Du bist die einzige Frau für mich"), der zu einem Sommerhit avancierte, auch in Deutschland, hier jedoch von Hoffmann & Hoffmann auf Deutsch gecovert. Sein Eurovisionsbeitrag "Non so che darei" schaffte es immerhin auf Platz sechs. Im Folgenden konvertierte Sorrenti zum Buddhismus und nahm 1988 noch einmal am San Remo-Festival teil. Sein Titel "Come per miracolo" belegte allerdings nur den 26. und damit letzten Platz, seither ist es ruhiger um ihn geworden.

Im Mittelfeld landeten die Skandinavier. Schweden schickte Tomas Ledin mit "Just nu" nach Den Haag. Nach seinem zehnten Platz bei der Eurovision sang er u.a. als Backgroundsänger bei der letzten ABBA-Tour und gemeinsam mit Agnetha Fältskog den Titel "Never again". Dem folgten noch mehrere Top Ten-Erfolge in Schweden, insgesamt hat er über drei Millionen Tonträger verkauft. Auf Platz 14 landete die dänische Gruppe Bamses Venner ("Bärchens Freunde"). Und der Name war Programm, der beleibte Bamse alias Flemming Jørgensen stand mit Latzhose und Gitarre an der Front und sang den fröhlichen Titel "Tænker altid på dig" ("Ich denke immer an dich"). Die Gruppe hielt bis ins Jahr 2011 zusammen, als Jørgensen an einem Herzstillstand verstarb.

Zu den weiteren Akteuren des Jahrgangs gehörte noch die österreichische Gruppe Blue Danube, die mit "Du bist Musik" den Wettbewerb in Den Haag eröffnete und außer der Aneinanderreihung bekannter Komponisten wie Liszt, Chopin, Strauß, Puccini und Tschaikowski eigentlich keinen tiefer gehenden Text darbot. Dennoch reichte es für den achten Rang. Und dann war da noch der Portugiese José Cid, der Gründer der Rockband Quarteto 111, der sich mehrfach vergeblich beim Festival da Canção um die Eurovisionsteilnahme bemühte. 1980 klappte es dann mit dem Schlager "Um grande, grande amor", der die Sprachenregelung umging, indem er diverse Phrasen auf Deutsch, Englisch und Italienisch wiedergab. Es reichte für Platz sieben. 

Der Sieg ging allerdings auf die grüne Insel. Der 1954 im australischen Frankston geborene Seán Patrick Michael Sherrard trat als Johnny Logan für Irland an. Schon im Jahr zuvor bewarb er sich mit dem Titel "Angie" beim irischen Vorentscheid, wurde aber nur Dritter. Ein Jahr später stach er mit "What's another year" die übrigen sieben Konkurrenten au. Der von Shay Healy geschriebene Titel legte den Grundstein für eine der erfolgreichsten Eurovisionskarrieren, folgten dem Lied doch noch zwei weitere Eurovisionssiege (einmal als Künstler, einmal als Komponist). "What's another year" wurde ganz gediegen auf einem Barhocker wiedergegeben und landete im Nachgang in vielen europäischen Ländern hoch in den Charts.

Katja Ebstein erklärte einst in einem Interview, dass der gelernte Elektriker Johnny Logan nach dem Sieg in Den Haag auf sie zu kam und sich entschuldigte, dass er ihr den ersten deutschen Song Contest-Sieg vermasselte gab jedoch auch zu Protokoll "...but I need the money". 1980 ahnte noch niemand, dass er nur sieben Jahr später einen Rekord für die Ewigkeit aufstellen sollte und 1992 als Komponist erneut als strahlender Sieger nach Irland zurückkehren sollte. Zehn Jahre nach dem ersten Sieg Irlands mit Dana sollte der Wettbewerb also erneut in Dublin stattfinden, bei dem die Bundesrepublik ebenfalls wieder vorn mit dabei sein sollte.

Die Teilnehmer:
01. - 143 -  Johnny Logan - What's another year
02. - 128 -  Katja Ebstein - Theater
03. - 106 -  Prima Donna - Love enough for two
04. - 104 -  Paola - Cinéma
05. - 093 -  Maggie McNeal - Amsterdam
06. - 087 -  Alan Sorrenti - Non so che darei
07. - 071 -  José Cid - Um grande, grande amor
08. - 064 -  Blue Danube - Du bist Musik
09. - 056 -  Sophie & Magaly - Papa Pingouin
10. - 047 -  Tomas Ledin - Just nu
11. - 045 -  Profil - Hé, hé M'sieurs dames
12. - 038 -  Trigo Limpio - Quédate esta noche
13. - 030 -  Anna Vissi & The Epikouri - Autostop
14. - 025 -  Bamses Venner - Tænker altid på dig
15. - 023 -  Ajda Pekkan - Petr'oil
16. - 015 -  Sverre Kjelsberg & Mattis Hætta - Sámiid Ædnan
17. - 014 -  Telex - Euro-Vision
18. - 007 -  Samira Bensaïd - Bitaqat hob
19. - 006 -  Vesa-Matti Loiri - Huilumies

Beyond Eurovision (113): Äquatorialguinea



Äquatorialguinea - Am und im Golf von Guinea liegt die ehemalige spanische Kolonie Äquatorialguinea. Das Staatsgebiet erstreckt sich auf einen kleinen Streifen auf dem afrikanischen Festland zwischen Kamerun und Gabun, genannt Mbini sowie die Insel Bioko auf der sich auch die Hauptstadt Malabo befindet, einige Nebeninseln sowie die isoliert liegende Insel Annobón. Das Land hat sich durch reiche Erdölvorkommen im afrikanischen Vergleich ein hohes Pro-Kopf-Einkommen gesichert, die Einnahmen fließen jedoch vor allem in die Taschen elitärer Politiker, sodass die Armutsquote dennoch hoch ist.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Malabo
Sprachen
Spanisch, Französisch, Portugiesisch
Fläche
28.051km²
Währung
CFA-Franc (XAF)
Einwohner
1,3 Mio.
Internet-TLD
.gq
Zeitzone
UTC +1
Wiki-Info

Viele kennen Äquatorialguinea insbesondere dadurch, dass sich die Fußballnationalmannschaft der Frauen überraschend für die WM 2011 in Deutschland qualifiziert hat, jedoch alle drei Vorrundenspiele verlor. Ansonsten hört man von dem Land, das 1968 seine Unabhängigkeit erlangte und bis dahin als Rio Muni bekannt war, vor allem wenn es um den autoritären Staatspräsidenten Teodoro Obiang geht. Aus Angst vor einem Putsch plant er seinen Regierungssitz und damit die Hauptstadt nach Oyala in den Urwald auf dem Festland zu verlegen. Zum anderen ist das Land in den Schlagzeilen wenn über unsachgemäßes Abladen von importiertem Giftmüll auf der Insel Annobón berichtet wird.

Die Kultur Äquatorialguinea wird stark von den Fang, einem Bantuvolk geprägt, die sich ihre Rituale und Lieder bis heute bewahren und weitergeben. Auf der Insel Bioko, auf der sich ein Großteil des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens abspielt fließt zudem das ehemalige spanische Kolonialerbe ein. Die Fang haben auch eigene Musikinstrumente wie etwa die Mvet, eine Mischung aus Zither und Harfe. Trotzdem sieht sich auch die moderne Popmusik im Aufschwung, hier dominieren afrikanische Stile wie Soukous oder Makossa den aktuellen Musikmarkt, hinzu kommen einige wenige Bands, die sich spanischer Gitarrenmusik verschrieben haben.

Eine der namhaftesten Künstlerinnen des Landes ist die Sängerin Barby, die sich oben genannten Musikstilen bedient und ihren größten Hit, den ich hier heute auch vorstellen möchte als Begleitsong zur Frauen-Fußballweltmeisterschaft hatte. "Super nzalang" nimmt thematisch Bezug auf die WM in Deutschland, in dem Lied kommt nicht nur der afrikanische Rhythmus zum Einsatz, man hört phasenweise auch deutlich heraus, dass es sich um ein Shakira-Cover handelt, die 2010 mit "Waka waka" die WM anfeuerte. Das Video zu "Super nzalang" wurde teilweise ebenfalls in Deutschland gedreht, zu sehen ist Barby, wie sie vor dem Brandenburger Tor Fußball spielt.

Barby - Super nzalang

Niederlande: 6,7 Millionen für Neuausrichtung notwendig



Niederlande - Die Stadt Rotterdam ist weiterhin bemüht den Eurovision Song Contest in der Stadt zu halten. Zwar ist das Eurovisionsjahr 2020 zu Ende bevor es richtig begonnen hat, die Stadtverwaltung möchte jedoch einen Fuß in der Tür für die Ausrichtung im Jahr 2021 haben. Nun berichten niederländische Medien, dass für den Zuschlag im kommenden Jahr weitere 6,7 Millionen Euro notwendig sind, um den Wettbewerb im Ahoy in Rotterdam durchführen zu können.

Niederländische Medien berichten, dass keine Versicherung für den Schaden, der durch die Absage des Song Contests 2020 entstanden ist, aufkommen wird. In den Vertragsbedingungen war eine Absage bzw. ein Verschieben des Wettbewerbs nicht vorgesehen. Der Stadtrat von Rotterdam wird noch im April darüber beratschlagen, ob er weitere Gelder für die Finanzierung der Eurovision im kommenden Jahr bereitstellen wird. Einen Großteil der knapp sieben Millionen Euro soll in die erneute Anmietung des Ahoy sowie das Anheuern von Sicherheitskräften fließen.

Der Eurovision Song Contest hätte in diesem Jahr am 12., 14. und 16. Mai in Rotterdam stattfinden sollen, 41 Nationen waren für den Wettbewerb gemeldet. Die Europäische Rundfunkunion bekräftigte in dieser Woche erneut, dass es den Rundfunkanstalten frei steht, ihren für 2020 nominierten Künstler auch 2021 zu entsenden, allerdings müssen diese einen neuen Titel zur Verfügung stellen, da man eine Chancengleichheit wahren möchte, insbesondere in Hinblick darauf, dass einige Länder komplett neu wählen und andere Interpreten zum Song Contest schicken werden.

Montag, 6. April 2020

Beyond Eurovision (112): Indien



Indien - Lange dauert es nicht mehr, da hat Indien die Volksrepublik China als einwohnerstärkstes Land der Erde abgelöst. Fast 1,4 Milliarden Menschen leben auf dem Subkontinent in Südasien, was es zur größten Demokratie der Welt macht. Derzeit wird das Land von Premierminister Narendra Modi angeführt. Bis 1947 war das Land eine britische Kolonie, zuvor hatten diverse Nationen Kolonial- und Pachtgebiete in Indien, die vor allem für den Gewürzhandel von großer Bedeutung waren. Im Clinch liegt das Land mit Pakistan, beide streiten sich u.a. um den Grenzverlauf in der Region Kaschmir.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Neu-Delhi
Sprachen
Hindi, Englisch + 21 weitere regionale Amtssprachen
Fläche
3.287.469km²
Währung
Indische Rupie ()
Einwohner
1,369 Mrd.
Internet-TLD
.in
Zeitzone
UTC +5:30
Wiki-Info

Landschaftlich und kulturell ist das Land vielfältig, von trockenen Wüstenregionen in Rajasthan über die fruchtbare und daher viel bevölkerte Ganges-Ebene, Hochgebirgszüge wie die Ghats oder den Himalaya und Schwemmgebiete um Kolkata, das frühere Kalkutta. Vorherrschende Religion ist der Hinduismus, der sich insbesondere durch sein ausgeprägtes Kastensystem auszeichnet und den Alltag bestimmt. Dennoch leben in Indien diverse Ethnien, insbesondere der Osten des Landes, in dem u.a. die Teeplantagen von Assam liegen, sind ein Flickenteppich an indigenen Stämmen und Völkern, hinzu kommen zahlreiche Exil-Tibeter und Flüchtlinge aus Bangladesch. 


Bedingt durch die ethnische Zusammensetzung gibt es auch keine einheitliche "indische Kultur", wenngleich uns dies durch Bollywood-Filme vorgespielt wird. Tatsächlich haben Tanzfilme mit klassischer und folkloristischer Musik eine lange Tradition, spiegeln jedoch nicht ganz Indien wieder. So haben sich regional im Laufe der Jahrhunderte eigenständige Musikinstrumente durchgesetzt, auch gesanglich gibt es teilweise gravierende Unterschiede, sodass eine Pauschalisierung kaum möglich ist. Hierzulande verbindet man mit zeitgenössischer indischer Musik Lieder wie "Mundian to bach ke" von Panjabi MC, der zwar indischer Abstammung ist, aber im englischen Coventry geboren wurde.

Vorstellen möchte ich heute den Sänger Amit Dhull aus dem Bundesstaat Haryana. Er wurde in Jind geboren und singt sowohl auf Hindi als auch auf Punjabi und der lokalen Amtssprache Haryanvi. Er ist erst seit Kurzem in der Musikbranche tätig, zuvor studierte er am Indus Institute of Engineering & Technology. Das hier vorgestellte "Jamai kache katega" aus dem Jahr 2019 singt er gemeinsam mit Ruchika Jangid, die schon mehrere Studioalben herausgebracht hat und Sonika Singh. Beide stammen ebenfalls aus Haryana, das Lied ist auch Teil des Bollywood-Streifens "Muklaawe ki raat". Meines Erachtens ist der Song noch einer der hörbaren Lieder aus Indien, viele Lieder sind bei der Auswahl durch eine unfassbare Hektik durchs Raster gefallen.

Amit Dhull, Ruchika Jangid & Sonika Singh - Jamai kache katega

Freitag, 3. April 2020

Beyond Eurovision (111): Weißrussland



Weißrussland - Die Republik Belarus wird seit 1994 von Alexander Lukatschenko autoritär regiert, was der Nation den wenig schmeichelnden Beinamen "Letzte Diktatur Europas" einbringt. Trotz diverser Repressalien beispielsweise gegenüber der Opposition und dem politischen Spagat zwischen Russland und westlicher Annäherung schafft es die sowjetische Nachfolgestaat sich seinen ganz eigenen Charme zu bewahren, nämlich den einer postkommunistischen Nation mit vielen Facetten und Eigenheiten, die man sonst nirgends auf dem Kontinent findet. Leidvoll in die Geschichte ging allerdings auch die Katastrophe von Tschernobyl ein, dessen Fallout sich größtenteils über das südliche Weißrussland erstreckte.

 Schnelle Fakten
Hauptstadt
Minsk
Sprachen
Weißrussisch, Russisch
Fläche
207.595km²
Währung
Weißrussischer Rubel (Br)
Einwohner
9,5 Mio.
Internet-TLD
.by
Zeitzone
UTC +3
Wiki-Info

Vom Weltkrieg schwer gezeichnet stand Weißrussland ab Sommer 1944 unter dem sowjetischen Einfluss. Es dauerte bis in die späten 80er, ehe die Bevölkerungszahlen wieder das Vorkriegsniveau erreichten, 1991 wurde Weißrussland unabhängig. Durch die autokratische Regierungsweise schottete sich das Land außenpolitisch ab, lediglich zu Russland besteht ein starker kultureller und wirtschaftlicher Austausch. So werden beispielsweise zwischen beiden Ländern als Inlandsflüge gehandelt, beide Länder sind zudem Mitglied der GUS.

Musikalisch reichen die folkloristischen Traditionen bis in die Zeit des Großherzogtums Litauen zurück. Aussiedler Weißrusslands haben die traditionellen Klänge in alle Welt, vor allem nach Zentralasien, ins Baltikum und die USA getragen. Heute orientiert sich der Musikmarkt vor allem am großen Nachbarn Russland, viele lokale Interpreten versuchen zunächst hier Fuß zu fassen. Lukatschenko verfügte 2002 zudem, dass alle Radiosender mindestens 50% weißrussische Songs spielen müssen. Prestigeträchtig ist zudem das jährlich stattfindende Musikfestival Slavianski Bazaar in Wittebsk.

Vorstellen möchte ich heute das Musikduo Aura (Aўra), das aus Sängerin Yulia Bykova und Produzent Yevgeny Oleinik besteht. Seit 2005 machen beide gemeinsam Musik, ihr erster Song "The whisper of silence", den ich hier auch vorstellen möchte, machte sie landesweit bekannt. Dabei singen sie sowohl in Englisch, Italienisch, Latein und in einer Fantasiesprache. Es folgten mehrere Musikpreise sowie verschiedene Alben und DVDs. Mehrfach versuchten sie es auch beim weißrussischen Song Contest-Vorentscheid, zuletzt in diesem Jahr mit dem Titel "Barani svajo", der es auf den siebten Platz schaffte.

Aura - The whisper of silence