Samstag, 18. August 2018

News-Splitter (668)



Deutschland - Michael Schulte ist heute zum ersten Mal Vater geworden. Via Instagram teilte der 28jährige Song Contest-Vierte mit: "Er ist endlich hier!" Sowohl dem Jungen als auch seiner Frau Katharina, die er kurz nach dem Eurovision Song Contest von Lissabon in Buxtehude geheiratet hat, geht es gut. Mit "You let me walk alone" wurde Schulte Vierter und erreichte damit das beste Ergebnis für Deutschland beim Eurovision Song Contest seit Lenas Sieg 2010 in Oslo.

Vatikanstadt - Ermal Meta, der in diesem Jahr gemeinsam mit Fabrizio Moro beim Eurovision Song Contest für Italien an den Start ging, wurde vom vatikanischen Sekretariat für Kommunikation als "Person, die Werte wie Liebe, Frieden, Solidarität und Freundschaft vermittelt" betitelt. Im Zuge dessen wurde die bevorstehende Tour des gebürtigen Albaners von Papst Franziskus gesegnet. Am 3. September soll Ermal Meta die offizielle Urkunde mit seiner neuen Würdigung erhalten. Beim Song Contest wurden er und Fabrizio Moro mit "Non mi avete fatto niente" Fünfte.

Irland - Allen Protesten in der Bevölkerung, von Organisationen und Politikern zum Trotz hat das irische Fernsehen RTÉ seine Teilnahme am Eurovision Song Contest 2019 bestätigt. Bei der Veröffentlichung des neuen Sendeprogramms für den Herbst und das neue Jahr erfolgte gleichzeitig auch die Zusage für den Wettbewerb in Israel. Ob es einen nationalen Vorentscheid oder eine interne Auswahl wie in diesem Jahr mit Ryan O'Shaughnessy geben wird, ist allerdings noch nicht bekannt. Neben Island gab es in Irland die heftigsten Proteste gegen die Austragung der Eurovision in Israel, schlussendlich hat sich RTÉ aber über alle Nörgler hinweggesetzt.

Freitag, 17. August 2018

Monaco: TMC sagt kurz und bündig für 2019 ab


Monaco - Zurück aus dem Urlaub und so wie es scheint, habe ich auch nichts Wesentliches verpasst. Die einzige Nachricht, die aber auch nicht wirklich aufhorchen lässt, ist die, dass Monaco nicht beim Eurovision Song Contest 2019 vertreten sein wird. Der zuständige Sender TMC erteilte dem Wettbewerb auf Anfrage von ESCtoday.com eine Absage und ist damit in Israel nicht dabei.

Monaco, für mein Empfinden ein ganz schickes Plätzchen am Mittelmeer, hat sich nach drei gescheiterten Anläufen im Semifinale zwischen 2004 und 2006 von der Veranstaltung zurückgezogen, nachdem alle drei Interpretinnen kaum Punkte erringen konnten. Monaco ereilte somit das gleiche Schicksal, wie die übrigen Kleinstaaten, etwa Andorra oder San Marino. Das Fürstentum steuerte keine Mittel mehr in die Teilnahme, sodass TMC seither absagt.

TMC erweitert somit die Liste der Nationen, die im kommenden Jahr keinen Interpreten entsenden werden. Bislang sind auf dieser Liste Andorra, Bosnien-Herzegowina und die Slowakei aus finanziellen Gründen und die Türkei aufgrund der ablehnenden Haltung von TRT gegenüber den Prinzipien des Wettbewerbs. Ferner wird auch Liechtenstein aus mehrfach durchgekauten Gründen kein Debüt in Israel wagen. Somit wird der Song Contest 2019 höchstwahrscheinlich keinen neuen Teilnehmerrekord erreichen.

Mittwoch, 15. August 2018

Eurovision 2019: Song Contest bleibt in Israel!



Israel - Es bleibt also alles beim Alten, der israelische Sender IPBC hat sich nun also doch dazu durchgerungen, die notwendige Sicherheitsgarantie in Höhe von zwölf Millionen Euro an die Europäische Rundfunkunion zu überweisen. Vorangegangen war ein Streit mit dem israelischen Finanzministerium, das am Ende aber offenbar doch noch seine Bereitschaft für einen Kredit symbolisiert hat.

Nach langen Diskussionen kamen Vertreter von IPBC und dem Finanzministerium zu der Übereinkunft, dass der Wettbewerb nicht aufgrund eines finanzschwachen Senders in Israel abgesagt werden dürfe. Israel wahrt damit sein Austragungsrecht für den 64. Eurovision Song Contest im nächsten Jahr und kann sich nun weiterhin Gedanken darüber machen, ob der Wettbewerb in Jerusalem, Tel Aviv oder in einer anderen Stadt ausgetragen wird. 

Kommunikationsminister Ayoub Kana zeigte sich erfreut über das Ergebnis der Gespräche. "Ich freue mich, die Bürger des Staates Israel darüber informieren zu dürfen, dass der Eurovision Song Contest 2019 in Israel stattfinden wird." Gleichzeitig dankte er dem nationalen Rundfunk IPBC und dem Finanzministerium sowie Premierminister Benjamin Netanjahu für die Bereitschaft von Verhandlungen. Nicht erwähnt wurde, dass die Politik des Landes beinahe für eine Verlegung ins EBU-Ausland gesorgt hätte.

Montag, 13. August 2018

Eurovision 2019: EBU hat Plan B in der Hinterhand [UPD]



Israel - Für den Eurovision Song Contest muss IPBC zwölf Millionen Euro als Sicherheitskaution bei der Europäischen Rundfunkunion hinterlegen. Die Frist hierfür endet in wenigen Stunden und die israelische Regierung hat noch einmal klargemacht, dass IPBC mit seinem zugeteilten Etat auskommen muss und keine zusätzlichen Leistungen vom Finanzministerium erhalten wird. Die Ausrichtung der Eurovision 2019 in Israel steht damit wieder einmal in Frage.

Auf Anfrage von ESCtoday.com hat sich die Europäische Rundfunkunion in ihrer bekannt nebligen Art und Weise zu dem drohenden Fiasko für Israel geäußert. In einer Mitteilung aus Genf heißt es: "Die EBU arbeitet eng mit Kan in Bezug auf die morgige Deadline zusammen, um vorausschauen Vereinbarungen für den nächsten Eurovision Song Contest in Israel zu treffen. (...) Sollte eine Situation eintreten, in der der nationale Rundfunk die Anforderungen nicht erfüllt, gibt es immer Notfallpläne, wie es für eine solch große Veranstaltung üblich ist."

Ob die Europäische Rundfunkunion nun aber tatsächlich dem israelischen Fernsehen das Recht aberkennt, den Eurovision Song Contest 2019 zu veranstalten, bleibt tatsächlich abzuwarten. Es wäre das erste Mal seit 1980, dass der Wettbeweb nicht in dem Land stattfindet, das zuvor gewonnen hat. Die Ironie des Schickals möchte es, dass es einst ebenfalls Israel traf, damals jedoch, da der angesetzte Termin mit dem Gedenktag Yom haZikaron kollidierte und er nach Den Haag verlegt wurde. Dies ebnete damals den Weg für ein einmaliges marokkanisches Gastspiel.

Update [21:26]: Die gegenseitige Erpressung, laut Online-Report der Zeitung Haaretz, könnte Folgen für den Sender IPBC haben. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu fordert, dass der Sender die geforderten zwölf Millionen Euro selbst zu zahlen hat, andernfalls sei das Ministerium per Gesetz in der Lage, den Sender komplett zu schließen. "(...) ein Organ, das 750 Millionen israelische Schekel an öffentlichen Geldern erhält, das Budget für den Eurovision-Garantieempfänger selbst aufbringen kann.", heißt es. Finanzminister Moshe Kahlon kritisierte die Forderung des Senders, der Staat solle die Kaution aufbringen, zuvor als "schweren Fehler". 

Eurofire: Mal kurz im Sommerurlaub...


Deutschland - In der Hoffnung, dass die zahlreichen Urlaubsgäste aus Berlin und Sachsen bereits wieder in der Heimat sind, breche ich ab morgen zu einem Kurzurlaub an die Ostseeküste auf. Zwar hat mein Hotel freies WLAN, ich bitte aber zu entschuldigen, dass eventuell anfallende Neuigkeiten rund um den Eurovision Song Contest in den kommenden Tagen vielleicht etwas verzögert online gehen. Ab Samstag läuft hier alles wieder wie sonst auch, wobei ich ohnehin Zweifel habe, ob Mitte August irgendetwas Relevantes geschieht.

Was mich allerdings ein bisschen überrascht ist, ist die Tatsache, dass unsere tschechische Partnerseite ESCportal.cz bereits zum 30. Juni 2018 ihren Betrieb eingestellt hat und der Server ab Mitte September nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Das ist insofern bedauerlich, da die Website die erste unabhängige Fanpage für die Eurovision in Tschechien war, die sich auch in den Jahren, in denen das tschechische Fernsehen nicht gewillt war teilzunehmen, unermüdlich vom Wettbewerb berichtet hat. 

Dem Webmaster wünschen wir natürlich für seine zukünftigen Projekte alles Gute. Přejeme vám mnoho úspěchů pro svůj nejnovější kariérní postup! Und meinen eigenen Lesern wünsche ich zunächst eine schöne Woche und verspreche, dass es in den kommenden Wochen allmählich wieder mit der Eurovisionssaison 2019 losgeht, der 1. September rückt schließlich unaufhaltsam näher und wie findige Fans wissen, ist dies die Deadline für neues Songmaterial für den Eurovision Song Contest.

Sonntag, 12. August 2018

Eurovision 2019: Eine weitere Runde Jeopardy in Israel



Israel - Ohne eine Portion Drama wäre der Eurovision Song Contest nur halb so schön. Ernst könnte es hingegen morgen für das israelische Fernsehen IPBC werden, das nach Angaben der Website ynet.co.il und ESCxtra.com kurz davor steht, seine Rechte für die Ausrichtung des 64. Eurovision Song Contests zu verlieren. Der Grund dafür ist nach wie vor die finanzielle Sicherheit in Höhe von zwölf Millionen Euro, die die EBU von IPBC einfordert.

Die Israeli Public Broadcasting Corporation hat zwar bereits einen zeitlichen Aufschub erreicht, die nächste Frist um den Betrag auf ein Konto der Europäischen Rundfunkunion zu überweisen, steht allerdings unmittelbar bevor und wie israelische Medien berichten, ist bisher keine Zahlung erfolgt. Die israelische Regierung hat zwar einem Darlehen für den Sender IPBC zugesagt, außer gesprochenen Worten ist es aber offenbar ebenfalls noch zu keiner Überweisung gekommen.

IPBC-Generaldirektor Gil Omer wird in einem offenen Brief an den israelischen Premierminister zitiert: "In zwei Tagen benötigt die IPBC die erforderliche Garantie in Höhe von zwölf Millionen Euro, um die Austragung der Eurovision 2019 in Israel zu gewährleisten, ein Point of no return.", andernfalls werde Israel das Recht aberkannt, die Eurovision im nächsten Jahr auszurichten. Der momentane Host-Sender IPBC hat in den vergangenen Tagen großen Einsatz gezeigt, das Geld einzufordern, diverse Anfragen blieben von staatlicher Seite aber scheinbar unbeantwortet.

In dem Bericht heißt es weiterhin, dass IPBC bei einer verweigerten Zahlung etwa 200 Stellen streichen müsste, um die notwendigen Sicherheitsgarantien aufzubringen oder das eigenproduzierte Programm signifikant reduzieren. Ein Statement der israelischen Regierung liegt noch nicht vor, damit die Eurovision im kommenden Jahr aber in Israel stattfinden kann, sollten notwendige Transaktionen aber allmählich erfolgen. Die EBU behält sich im Zweifel vor, den Song Contest 2019 in einem anderen Land auszurichten.

Samstag, 11. August 2018

San Marino: 1in360-Produzenten bereiten neue Staffel vor


San Marino - Die Produzenten von 1in360, der sanmarinesischen Vorentscheidungsshow mit den immer wieder geänderten Regeln, haben angekündigt, ihre Vorarbeit für die neue Staffel im Jahr 2019 alsbald zu beginnen. Nach Angaben der Produzenten, die dem Konzept ein neues Erscheinungsbild gegeben haben, soll das Format auch im nächsten Jahr wieder aufgelegt werden.

Bislang hat der Sender SMRTV sich aber weder dazu geäußert, ob 1in360 auch im nächsten Jahr als Vorentscheid dienen wird, noch ob das Land überhaupt am Eurovision Song Contest teilnehmen wird. Der erste Vorentscheid des kleinen San Marinos begann zunächst mit einem Online-Auswahlverfahren, für das sich über 1.000 Kandidaten beworben haben und von denen am Ende elf im TV-Studio in Bratislava ihre Beiträge singen durften.

Als erste Sieger des Vorentscheid gingen Jessika Muscat, die sich in den Jahren zuvor in den maltesischen Finals versucht hat und die deutsche Sängerin Jenifer Brening mit "Who we are" hervor. Begleitet wurden sie von Sebastian Schmidt alias Basti, einem weiteren Vorentscheidungsteilnehmer als Backing. Der Auftritt, bei dem der kleine Roboter den Interpretinnen die Show stahl, erreichte mit vier Punkten vor Georgien den vorletzten Rang im Semifinale.

90er Voting: Die Plätze 4 bis 1



Europa - Ein letztes Mal geben sich vier Interpreten der 90er Jahre die Ehre. In unserem Ranking konnten die unten genannten Interpreten sich klar an die Spitze setzen, wobei die Entscheidung um Platz eins tatsächlich erst mit der letzten Wertung gefallen ist. Noch einmal möchte ich allen Lesern die abgestimmt haben für's Mitmachen danken und kündige schon jetzt an, dass es im nächsten Jahr mit dem Prozedere weitergehen wird, dann knöpfen wir uns die 2000er vor, wo es aufgrund der neu eingeführten Semifinals noch mehr Spielraum für eine vielfältige Line Up gibt. Nun aber erst einmal herzlichen Glückwunsch den Top Vier unseres Rankings.

Platz 4 - 104 Punkte - Italien 1997
Jalisse - Fiumi di parole

Es sollte bis zum Jahr 2011 der letzte italienische Beitrag beim Eurovision Song Contest werden. Doch als Alessandra Drusian und Fabio Ricci 1997 beim Song Contest in Dublin als frisch gekürte San Remo-Sieger mit "Fiumi di parole" ("Ströme der Worte") auftraten, wusste dies noch niemand. Bereits zuvor hatte Italien drei Jahrgänge sausen lassen und sich lieber auf sein eigenes Festival konzentriert. Dort versuchten sich Jalisse bereits 1995 mit dem Titel "Vivo" ("Ich lebe") und erhielt nach den guten Kritiken auch für 1996 einen Startplatz in San Remo. Nach ihrem vierten Platz in Dublin veröffentlichten beide ihr Debütalbum, 1999 gingen beide aber zunächst getrennte Wege und widmeten sich eigenen Projekten. 2006 fanden sich beide jedoch wieder und arbeiten seither wieder an neuer Musik. Beide galten während der Abstinenz Italiens als große Befürworter eines Comebacks der RAI zur Eurovision.

Platz 3 - 107 Punkte - Italien 1992
Mia Martini - Rapsodia

Domenica Bertè wurde 1947 in Kalabrien geboren und entsprang einer musikalischen Familie, auch ihre Schwester Loredana Bertè gehört zu den größten Interpretinnen der italienischen Musikszene. 1963 machte sie erstmals als Interpretin von sich reden. Bis 1992 veröffentlichte sie zehn Alben und wurde u.a. von Charles Aznavour in Frankreich entdeckt. 1977 vertrat sie Italien erstmals beim Eurovision Song Contest. "Libera" belegte damals den 13. Platz, kommerziell ging es für Mia aber weiterhin steil bergauf. Nach zwei Stimmband-Operationen gönnte sie sich ab 1983 eine Auszeit, kehrte sechs Jahre später aber zurück auf die Bühne. 1992 schickte die RAI sie erneut zum Eurovision Song Contest, der Titel "Rapsodia" erreichte den vierten Platz. Am 12. Mai 1995 verstarb sie plötzlich und unerwartet. Eine Obduktion brachte das Ergebnis, dass sie an einem Herzstillstand aufgrund einer Überdosis Kokain verstarb. Bis heute sind die Umstände ihres Todes nicht zweifelsfrei geklärt. 1996 war sie posthum die Namenspatin des Kritikerpreises beim San Remo-Festival.

Platz 2 - 142 Punkte - Bosnien-Herzegowina '93
Fazla - Sva bol svijeta

Sehr überraschend schaffte es Bosnien-Herzegowina mit seinem Debütsong auf die Zwei in unserem Ranking. Jugoslawien hatte faktisch aufgehört zu existieren und so strömten ab 1993 die Nachfolgestaaten unter großem Applaus zum Eurovision Song Contest. Bosnien-Herzegowina, das sich bis 1995 in einem schlimmen Krieg befand, schickte unter größten Hürden den Sänger Muhamed Fazlagić alias Fazla zum Eurovision Song Contest. Er und sein Team überwanden nachts den Belagerungsring um Sarajevo um in Millstreet Town auftreten zu können. Sie sangen über den Schmerz der ganzen Welt ("Sva bol svijeta"), der in Bosnien zu finden sei. Mit 27 Punkten belegte Bosnien-Herzegowina den 16. Platz.Im Anschluss an die Veröffentlichung seines Debütalbums ging er in die USA und machte dort seinen Master of Science an der Kentucky State University. 2008 veröffentlichte er in seinem Heimatland das Album "Zelena rijeka". Seither ist es ruhig um Fazla geworden.

Platz 1 - 152 Punkte - Türkei 1997
Şebnem Paker & Etnik - Dinle

Und da ist sie, unsere Siegerin: Şebnem Paker! 1977 wurde Şebnem in Istanbul geboren, fing mit Ballettunterricht an, später kam die Gitarre hinzu, ab 1992 studierte sie am Konservatorium in Istanbul. Während ihrer musikalischen Ausbildung meldete sie sich erstmals für den türkischen Vorentscheid an. Mit "Beşinci mevsim" ("Die fünfte Jahreszeit") konnte sie das Ticket für den Song Contest in Oslo ergattern, wo sie schlussendlich Zwölfte wurde. Dieser Titel belegt in unserem Ranking den 169. Platz mit gerade einmal einem Zähler. Ihr größter Erfolg war jedoch ihr Beitrag von 1997 "Dinle" ("Hör zu"), den sie gemeinsam mit der Folkgruppe Etnik in Dublin präsentierte. Erstmals schaffte es ein türkischer Beitrag in die Top drei beim Song Contest und gleichzeitig, das Publikum während des Refrains zum Mitklatschen zu animieren. Auch 1998 bewarb sie Şebnem mit dem Titel "Çal" für die Eurovision, konnte sich aber nicht noch einmal behaupten und schied mit unbekannter Platzierung aus. Die heute 40jährige arbeitet heute als Musiklehrerin in Istanbul und verdient sich den Goldenen Eurofire in der Kategorie "Bester Beitrag der 90er Jahre". Tebrikler!

Unsere Nummer 1: Şebnem Paker & Etnik - Dinle

Hinweis: Die übrigen Platzierungen und auch diejenigen, die keine Punkte erhalten haben, darunter zwei Song Contest-Sieger (was mich dann doch überrascht hat) haben wir hier in einer Excel-Tabelle detailliert zusammengefasst. 

Freitag, 10. August 2018

Türkei: EBU setzt Zeichen für Inklusion und Vielfalt



Türkei - In der letzten Woche hat der Generaldirektor des türkischen Fernsehens TRT unmissverständlich die Gründe für das Fernbleiben des Landes beim Eurovision Song Contest erläutert und neben dem Wertungsprozedere vor allem Interpreten wie Conchita Wurst die Schuld dafür gegeben. Solche unsittlichen und bei Kindern Fragen aufwerfenden Interpreten haben nach Ansicht von TRT nichts im Abendprogramm eines öffentlich-rechtlichen Fernsehens zu suchen.

Dies ließ die Europäische Rundfunkunion in Genf nicht unkommentiert und bedauerte die Ansichten des türkischen Senders. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte ein Sprecher: "Die Werte des Eurovision Song Contests sind Universalität und Inklusion sowie die stolze Tradition Vielfalt durch die Musik zu feiern." Die Präambel des Sprechers nimmt TRT somit gleich den Wind des Protests aus den Segeln. 

"TRT hat in der Vergangenheit einen großen Beitrag zum Wettbewerb geleistet, insbesondere bei der Ausirchtung des Wettbewerbs 2004 in Istanbul und wir heißen die Türkei sehr herzlich wieder willkommen, sollten sie sich wieder zu einer Teilnahme entscheiden." Die Forderungen aus Ankara, dem Wettbewerb einen konservativen Stempel aufzudrücken wurden weder berücksichtigt noch explizit von der EBU angesprochen. In diesem Fall hat Ignoranz einen größeren Effekt als Diskussionen.

90er Voting: Die Plätze 9 bis 5



Europa - Der vorletzte Teil unseres 90er Jahre-Countdowns steht bevor und heute geht es bereits um die Big Points. Aus 62 Wertungen gingen die unten genannten fünf Kandidaten mit mindestens einer Höchstwertung aus dem Voting hervor. Die heutigen Top Five zeigen insbesondere, wie stark der Jahrgang 1998 war, denn drei der fünf Interpreten waren in der Line Up des Wettbewerbs von Birmingham zu sehen.

Platz 9 - 70 Punkte - Niederlande 1998
Edsilia Rombley - Hemel en aarde

Edsilia Rombley gewann 1996 die niederländische Soundmixshow und startete daraufhin eine nationale Erfolgskarriere, im Jahr darauf gewann sie auch den europäischen Ableger der Show. Davon offenbar beeindruckt gewann sie 1998 auch das Songfestival, den niederländischen Vorentscheid für Birmingham mit über 50 Punkten Vorsprung auf die Sängerin Nurlaila. "Hemel en aarde" war bis 2010 der letzte Song in niederländischer Sprache und räumte beim Finale 1998 so richtig ab, Platz vier, ein Ergebnis, dass bis 2014 kein niederländischer Act mehr toppen konnte. Edsilia wurde 2007 noch einmal vom niederländischen Fernsehen NOS nominiert, ihr Beitrag "On top of the world" schied allerdings als 21. im Halbfinale aus. Im gleichen Jahr schaffte sie es als erste aktive Teilnehmerin neben Paul de Leeuw die Punkte der Niederlande zu verlesen. Heute ist sie mit Tjeerd, dem Mann von Trijntje Oosterhuis verheiratet.

Platz 8 - 82 Punkte - Kroatien 1998 
Danijela - Neka mi ne svane

1971 wurde Danijela Martinović in Split geboren und trat bereits 1995 als Teil der fünf Jahre zuvor gegründeten Gruppe Magazin beim Eurovision Song Contest an. Damals schaffte es "Nostalgija" auf den sechsten Platz. Wenig später verließ Danijela die Gruppe und widmete sich ihrer Solokarriere, gefördert von Petar Grašo, der 1998 auch ihren fantastischen Opener "Neka mi ne svane" ("Möge die Sonne niemals aufgehen") komponierte. Danijela verwandelte sich von einer dunklen Gestalt durch Capeabwurf in eine strahlende Prinzessin, die am Ende des Abends Fünfte wurde. Ihre Songs gingen im ehemaligen Jugoslawien weg wie warme Semmeln, allein ihr Album "I po svijetlu i po mraku" verkaufte sich über 45.000x in Kroatien. Spätere Anläufe bei der Dora, dem nationalen Vorentscheid verliefen allerdings nicht siegreich, 2005 wurde sie Dritte, 2006 nur 14. In die Schlagzeilen geriet sie durch eine verheimlichte Ehe, die erst mit ihrer Scheidung publik wurde.

Platz 7 - 84 Punkte - Kroatien 1999
Doris Dragovic - Marija Magdalena

Noch etwas erfolgreicher als Danijela war Doris Dragović im Folgejahr. Schon in den 80er Jahren wurde die, ebenfalls in Split geborene, Sängerin mit der Band More bekannt, 1986 begann ihre Solokarriere, im gleichen Jahr konnte sie erstmals die Jugovizija gewinnen und setzte sich mit dem Titel "Željo moja" gegen 15 Konkurrenten durch, darunter Novi Fosili, Dado Topić oder Hari Mata Hari. In Bergen belegte sie den elften Rang. Dreizehn Jahre später konnte sie die Dora ein weiteres Mal gewinnen und erreichte mit dem fantastischen "Marija Magdalena" den vierten Platz. Aufgrund der Verwendung von Playback-Stimmen im Background wurde Kroatien im Nachhinein ein Viertel der Punkte in Bezug auf die Bewertungsgrundlage für die Startberechtigung 2000 abgezogen, was allerdings keinen Einfluss auf die kroatische Teilnahme im Folgejahr hatte. Auch nach der Eurovision folgten mehrere Studioalben, seit 1990 ist sie mit dem ehemaligen Wasserballspieler Mario Budimir verheiratet.

Platz 6 - 84 Punkte - Großbritannien 1997
Katrina & The Waves - Love shine a light

Eine wahre Hymne schenkte uns das Vereinigte Königreich 1997 in Dublin bei seinem letzten Eurovisionssieg. Katrina & The Waves wurde 1981 in Cambridge gegründet und von der US-Amerikanerin Katrina Leskanich geführt. Einen Welthit landete die Formation 1985 mit dem Evergreen "Walking on sunshine", der sogar für den Grammy nominiert war. Bis 1997 folgten mehrere Studioalben der Band. Dort gewann die Gruppe mit "Love shine a light", einem Song, der eigentlich als Charity-Beitrag geschrieben wurde den britischen Vorentscheid, zum Glück, ansonsten hätte der britische Beitrag "Yodel in the canyon of love" geheißen... Katrina verließ ein Jahr nach dem Eurovisionssieg die Band, als Solistin konnte sie aber nicht an alte Erfolge anknüpfen. 2005 war sie als Teil ovn Katrina and the Nameless beim Melodifestivalen dabei, der Titel "As if tomorrow will never come" von Thomas G:son wurde aber nur Dritter im Halbfinale und war nicht im Finale dabei. 2005 moderierte sie gemeinsam mit Brainstorm-Leadsänger Renārs Kaupers die 50jährige Eurovision-Jubiläumsshow "Congratulations".

Platz 5 - 90 Punkte - Israel 1998
Dana International - Diva

1972 wurde Yaron Cohen in Tel Aviv geboren, ließ sich allerdings 1993 in London zur Frau umoperieren und trat fortan als Dana International in Erscheinung. 1995 nahm sie mit "Layla tov Eropa" am Vorentscheid teil, was medial aufgrund ihrer Niederlage nicht weiter beachtet wurde. Proteste gab es von ultraorthodoxen Juden und Politikern nach ihrer Nominierung durch die IBA 1998. "Diva" wurde zu einer Hymne und Dana zum Symbol für Toleranz. 1999 wollte sie den Preis an Charlotte Nilsson weiterreichen, stürzte aber unter der Last der Trophäe. Im gleichen Jahr erschien "Free", ebenso coverte sie "Woman in love" von Barbra Streisand. 2008 komponierte sie "Ke'ilu kan" für Boaz Mauda, 2011 stand sie selbst noch einmal auf der Eurovisionsbühne. "Ding dong" wurde jedoch zu ihrem persönlichen Waterloo, war sie doch die erste Song Contest-Siegerin, die es nicht noch einmal ins Finale schaffte. Trotz allem macht Dana weiterhin Musik und absolviert insbesondere bei CSDs und ähnlichen Veranstaltungen regelmäßig Auftritt.

Morgen lösen wir nun endlich die letzten vier Positionen in unserem 90er Ranking auf, dann erfahren wir, wer es geschafft hat, Interpreten wie Dana International, Guildo Horn, Charlotte Nilsson und Toto Cutugno zu schlagen. Alle vier noch verbliebenen Kandidaten haben die Dreistelligkeit bei den Punkten erreicht, der siegreiche Song hat noch einmal 62 Punkte mehr als "Diva", was für mich ziemlich überraschend kam. Doch genug für heute, wer unser Voting gewonnen hat, erfahrt ihr morgen.

Donnerstag, 9. August 2018

90er Voting: Die Plätze 14 bis 10


Europa - Heute kratzen wir nicht nur an den Top Ten, wir steigen gleich mit ein. Auf den zehnten Platz hat es eine Dame geschafft, von der die irischen Schwestern in Vorbereitung auf den Eurovision Song Contest sagten, sie solle doch lieber Pornos drehen. Nachdem sie ihr Gesicht allerdings zunehmend transformiert hat, dürften etwaige Anfragen wohl eher ausbleiben. Mit dabei sind außerdem ihre ärgste Konkurrentin und die drittplatzierte Formation, die Ralph Siegel den bislang letzten Treppchenplatz schenkte.

Platz 14 - 58 Punkte - Deutschland 1999
Sürpriz - Reise nach Jerusalem - Küdüs'e seyahat

Durch den Turm von Babel wurde die deutsch-türkische Formation 1999 in Jerusalem angekündigt. Cihan Özden bildete gemeinsam mit seinen Freunden Deniz, Yasemin, Filiz, Bülent und Savaş die Gruppe Sürpriz, die passend zum Song Contest in Israel den Titel "Reise nach Jerusalem" aus der Feder von Ralph Siegel und Bernd Meinunger präsentierte. Nachdem der ursprüngliche Siegertitel von Corinna May aufgrund einer vorherigen Veröffentlichung disqualifiziert wurde, rückten die Sechs nach. Der Song wurde auf Türkisch, Deutsch und Englisch gesungen, beim Liveauftritt wurde dem Lied ein hebräischer Schlusstext verpasst. Obwohl sie mit einer Bronzemedaille heimkehrten, platzierte sich das Lied nicht in den deutschen Charts, ein gemeinsames Album wurde erst gar nicht in Deutschland veröffentlicht. 2002 trennte sich die Gruppe schließlich.

Platz 13 - 63 Punkte - Island 1999
Selma - All out of luck

Im gleichen Jahrgang wie Sürpriz nahm auch Selma Björnsdóttir teil. Die Isländerin gewann den nationalen Vorentscheid und zählte im Vorfeld von Jerusalem zu den Favoriten bei den Buchmachern, wurde dann allerdings doch noch von Charlotte Nilsson geschlagen. Der zweite Platz mit "All out of luck" stellte bis 2009 allerdings das beste Ergebnis Islands überhaupt dar. 2005 wurde sie erneut vom Sender RÚV nominiert, das sehr an Britneys "Toxic" erinnernde "If I had your love" schaffte jedoch zur Überraschung vieler nicht den Sprung ins Finale und scheiterte im Halbfinale von Kiew. Selma ist nach wie vor gern gesehener Gast bei Eurovisionsveranstaltungen und gilt u.a. als Förderin von Ari Ólafsson, der Island in diesem Jahr im Halbfinale von Lissabon vertreten hat.

Platz 12 - 65 Punkte - Zypern 1997
Hara & Andreas Konstantinou - Mana mou

Am 18. Februar 1997 wählte eine Expertenjury in einem Nachtclub in Limassol das Duo Hara & Andreas Konstantinou für den Eurovision Song Contest 1997 aus. Die Geschwister hatten das schwere Los, an diesem Abend den gesamten Wettbewerb mit ihrem folkloristischen Popsong "Mana mou" ("Heimatland") zu eröffnen und taten dies auch sehr überzeugend. Das Lied war eine Ode an ihre Schönheit ihrer Heimatinsel. Erstmals seit 1982 gab es wieder eine Top Five-Platzierung für Zypern. Logischerweise erhielten die Zyprioten damals zwölf Punkte aus Griechenland, darüber hinaus aber auch aus Island. Im Anschluss an den Eurovision Song Contest gab es jedoch keine nennenswerten Erfolge mehr für die beiden zu verzeichnen, beide verschwanden wenig später in der Versenkung.

Platz 11 - 68 Punkte - Frankreich 1991
Amina - C'est le dernier qui a parlé qui a raison

1991 setzte die in Tunis geborene Sängerin Amina Annabi ein Denkmal für Frauenrechte in der arabischen Welt. Die heute 56jährige Sängerin wurde beim Tabarka Festival in ihrer tunesischen Heimat entdeckt und wurde wenig später auch bei Radio Nova, einem Pariser Radiosender für Weltmusik gespielt. Nachdem sie 1991 als beste weibliche Sängerin in Frankreich ausgezeichnet wurde, erhielt sie vom französischen Fernsehen die Aufgabe, ihr Land in Rom zu vertreten. Dort gab sie "Le dernier qui a parlé..." ("Der letzte der spricht..."), an dem sie selbst als Songwriterin mitwirkte mit einer gestikstarken Performance wieder. Am Ende des Abends musste EBU-Supervisor Frank Naeff genau nachzählen, da sowohl Amina als auch Carola aus Schweden 146 Punkte verbuchen konnten. Aufgrund der Tie-Break-Regelung wurde Amina allerdings nur Zweite. Bis heute hat sie fünf Alben veröffentlicht und wirkte auch in mehreren Filmen mit.

Platz 10 - 70 Punkte - Schweden 1999
Charlotte Nilsson - Take me to your heaven

Charlotte Nilsson brachte 1999 alles mit, was ein typischer Schwedenschlager brauchte, ein Rezept, dass sich noch über Jahre hinweg im Wettbewerb großer Beliebtheit erfreuen sollte. Charlotte, die mittlerweile zum Ingrosso/Wahlgren-Clan gehört, gewann das Melodifestivalen noch mit der schwedischen Version "Tusen och en natt" aus der Feder von Lars Diedricson, Gert Lengstrand und Marcos Ubeda. Da sie sich mit dem schwedischen Fernsehen verkrachte, trat sie nicht beim Song Contest 2000 auf. Dafür durfte sie 2003 ein Semifinale des Melodifestivalen moderieren und kehrte 2008 mit "Hero" zum Song Contest zurück, das sich allerdings nur durch die tatkräftige Unterstützung der Juroren in die Endrunde schleppte. Mit "The girl" versuchte sie es 2012 noch einmal beim schwedischen Vorentscheid, als Fünfte in ihrem Vorlauf flog sie dort allerdings schon in der Vorrunde raus. Momentan ist sie schwanger und erwartet ihr viertes Kind.