Samstag, 21. Mai 2022

Australien: Clarke zuversichtlich bei Teilnahmeverlängerung


Australien
- Das australische Fernsehen SBS ist assoziiertes Mitglied der Europäischen Rundfunkunion und genießt momentan den Vorzug, einen garantierten Startplatz beim Eurovision Song Contest bis einschließlich 2023 zu erhalten. Aus der "einmaligen" Teilnahme 2015 in Wien ist zwischenzeitlich ein Gewohnheitsrecht geworden, aus der sich die Garantie für fünf Jahre entwickelt hat. Gegenüber TV Tonight erklärte BlinkTV-Direktor und ehemaliger Delegationschef Paul Clarke nun, dass man eine Teilnahme über 2023 hinaus anstrebt.

Die Glut Australiens für die Eurovision lodert immer, so Clarke. Er sei sehr zuversichtlich, dass man die gemeinschaftliche Arbeit beim Eurovision Song Contest fortsetzen kann. Als lobenswertes Beispiel nannte er z.B. Kate Miller-Heidke, deren Performance er zu den absoluten Highlights in der Song Contest-Geschichte zählt. Die Europäische Rundfunkunion hat sich bisher nicht zu den Garantien gegenüber dem australischen Sender geäußert, spätestens nach dem Song Contest im kommenden Jahr, wird hierüber aber eine Entscheidung fallen.

Australien hat, bedingt durch die hohe Anzahl von Nachfahren europäischer Einwanderer, einen starken Bezug zum Eurovision Song Contest. Seit den 70er Jahren wird der Wettbewerb bei SBS übertragen, mehrfach nahmen auch Australier im Dienste anderer Länder teil, darunter Olivia Newton-John, Johnny Logan oder Jane Comerford. Seit 2015 schickt das Land selbst Interpreten zum Wettbewerb, in den ersten beiden Jahren holte Guy Sebastian den fünften Platz und Dami Im in Stockholm 2016 sogar den zweiten Rang. Eine Verlängerung der Teilnahmegarantien dürfte von Seiten der EBU nur eine Formalie sein.

Rumänien: TVR kontert nach EBU-Statement


Rumänien
- In einem langen und breiten Erklärtext hat das rumänische Fernsehen TVR noch einmal auf die jüngsten Veröffentlichungen der Europäischen Rundfunkunion reagiert. Am Ende der Vorwürfe an die EBU heißt es, dass der Sender aufgrund der Nicht-Kommunikation und überflüssigen Bekanntgabe eines aggregierten Votings nun gründlich überlegen wird, ob Rumänien im kommenden Jahr am Eurovision Song Contest teilnehmen wird oder sich aufgrund des Imageschadens vorerst vom Wettbewerb zurückziehen wird.

Das komplette Statement des rumänischen Fernsehen kann man sich hier durchlesen (auf Rumänisch). Auch das sanmarinesische Fernsehen hat auf die jüngsten Veröffentlichungen reagiert und erklärt, dass man zu jeder Zeit als einzigen Ansprechpartner mit der EBU und nicht mit anderen Rundfunkanstalten bzw. deren Jurys zusammengearbeitet hat. SMRTV bezeichnet die Reaktionen der EBU als "autoritär" und drückt offenkundig seine Enttäuschung über jene Schritte an. San Marinos Juryvoting wurde ähnlich wie das von Rumänien, Aserbaidschan, Georgien, Montenegro und Polen ausgeschlossen.

"Nichts lässt uns glauben, dass unsere Juroren für etwas gestimmt haben, das ihnen nicht gefallen hat. Ihre und unsere 12 Punkte nach Italien wurden von der EBU durch eine 12 nach Spanien ersetzt. Wir unsere Nachfrage, wie diese neue Abstimmung berechnet wurde, haben wir keine genaue Antwort bekommen. (...) Wir kennen die Eurovision und arbeiten seit Jahren mit ihr zusammen und wir glauben auch weiterhin an die Institutionen und den Wettbewerb." Bereits gestern hat sich das montenegrinische Fernsehen zu den Vorwürfen der EBU geäußert.

Donnerstag, 19. Mai 2022

Montenegro: RTCG äußert sich nach EBU-Statement


Montenegro
- Die erste Antwort auf die Veröffentlichung der vermeintlichen Jury-Ergebnisse aus den sechs von Unregelmäßigkeiten betroffenen Nationen ließ nicht lange auf sich warten. Nur wenige Stunden, nachdem die EBU die auffälligen Jury-Stimmen des zweiten Halbfinals veröffentlicht hat, äußert sich der montenegrinische Sender RTCG in einer Stellungnahme und weist Anschuldigungen einer Absprache zurück, vielmehr betont der Sender, dass aufgrund der kleineren Anzahl an Teilnehmern in den Semifinals gewisse Überschneidungen gar nicht auszuschließen seien.

Nach dem Statement der EBU heißt es aus Podgorica: "(...) möchten wir betonen, dass dies nichts mit Montenegro zu tun hat und dass es sich nur um Spekulationen handelt, die nicht wahr und unbestätigt sind. Wie man feststellen kann, ist es statistisch unmöglich, bestimmte Wiederholungen zu vermeiden, wie die Tatsache zeigt, dass die Gruppe von Ländern, die an der zweiten Halbfinalnacht teilnehmen, wie Schweden, Australien, Belgien, Estland…" RTCG zählt daraufhin die Juryergebnisse aus Australien, Schweden und Belgien auf, die ebenfalls einen regen Punkteaustausch betrieben haben.

Weiter: "Es steht uns nicht zu, zu beurteilen, warum diese Länder keinen Verdacht erregten, während es in sechs Ländern scheinbar unmöglich ist, Wiederholungen zu haben. Andererseits hat der Veranstalter in einigen Ländern auf der EBU-Liste die Abstimmungen fast vollständig geändert. Die Stimmen Montenegros wurden von der Künstlerin Zombijana bekannt gegeben und wie man im Livestream sehen konnte, deckte sich die Abstimmung der Jury nahezu perfekt mit dem Endergebnis." RTCG beschließt seine Stellungnahme damit, dass die Eurovision ein großes Publikum hat und stets von Intrigen begleitet wurde, von denen der Sender annimmt, dass sie zu der großen Popularität des Wettbewerbs beitragen.

Die abgegebenen Stimmen der montenegrinischen Jury im Finale wurden weder von RTCG noch von der EBU veröffentlicht. Stattdessen kam ein von der Europäischen Rundfunkunion aggregiertes Juryvoting zum Einsatz, in dem die Höchstwertung im Finale an Konstrakta aus Serbien ging, gefolgt von Italien, Spanien, Schweden, der Ukraine und dem UK. Welche anderen Länder als Maßstab für das aggregierte Voting genutzt wurden ist nicht bekannt, sollte es jedoch nach üblichen Votingpräferenzen gehen, nach dem u.a. die Lostöpfe für die Auslosung der Semifinals zusammengestellt werden, dürften die zwölf Punkte für Serbien keine Überraschung darstellen, da das Land, wie auch die übrigen ex-jugoslawischen Staaten allesamt in einem Lostopf zu finden waren.

EBU: Eurovision veröffentlicht weiteres Voting-Statement


Europa
- Die Europäische Rundfunkunion hat in einem neuen Statement detailliertere Einzelheiten zu den Voting-Unstimmigkeiten im zweiten Halbfinale präsentiert. "Die Integrität der Abstimmung, sowohl durch die nationalen Jurys in jedem Land als auch durch die Zuschauer, die per Telefon oder SMS abstimmen, ist für den Erfolg der Show von entscheidender Bedeutung. Es ist die Pflicht der EBU gegenüber allen Beteiligten, (...), sicherzustellen, dass wir am Ende jeder der Live-Shows ein gültiges Ergebnis liefern können. Jeder Regelverstoß wird daher sehr ernst genommen.", kommentiert die EBU.

Saß fassungslos in
Bukarest und kam nicht
zum Einsatz: Spokes-
person Eda Marcus
Die EBU hat Unregelmäßigkeiten in den Jury-Abstimmungen von sechs Nationen, namentlich Aserbaidschan, Georgien, Polen, Rumänien und San Marino gefunden und diese nun auch veröffentlicht. Auf Eurovision.tv ist nun zu erkennen, wie die betroffenen Jurys abgestimmt haben und auch ohne geschultes Auge für den Eurovision Song Contest sind hier enorme Parallelen zu erkennen. Supervisor Martin Österdahl entschied daher, für die betroffenen Länder ein aggregiertes Voting einzusetzen. Diese Entscheidung wurde auch vom Vorsitzenden der Reference Group und dem stellvertretenden Generaldirektoren der EBU gebilligt.

Von den Länderjurys der sechs Nationen abgegebene Punkte:

 

 AZ

 GE

 ME

 PL

 RO

 SM

12

Polen

Aserbaidschan

Georgien

San Marino

San Marino

Rumänien

10

Georgien

Montenegro

Serbien

Aserbaidschan

Polen

Georgien

8

Rumänien

Rumänien

Aserbaidschan

Rumänien

Montenegro

Polen

7

Montenegro

San Marino

Rumänien

Montenegro

Aserbaidschan

Montenegro

6

San Marino

Polen

San Marino

Schweden

Georgien

Aserbaidschan

5

Finnland

Israel

Polen

Finnland

Australien

Serbien

4

Australien

Irland

Schweden

Georgien

Estland

Australien

3

Schweden

Estland

N.mazedonien

Estland

N.mazedonien

Schweden

2

Serbien

Finnland

Finnland

Serbien

Serbien

Israel

1

N.mazedonien

Australien

Estland

Australien

Irland

Estland


Die Europäische Rundfunkunion fährt fort, dass man sich im Austausch mit den betroffenen Rundfunkanstalten befindet und ihnen die Möglichkeit einräumt, das Stimmverhalten der Jurymitglieder weitergehend zu untersuchen. Allerdings bekräftigt die Senderunion abermals die Rechtmäßigkeit ihres Handeln und die Platzierungen der 40 Teilnehmerländer des diesjährigen Eurovision Song Contests in Turin. Zudem wurde auf Eurovision.tv erläutert, ab wann intern von Unregelmäßigkeiten spricht, etwa der extremen Abweichung von Stimmen im Vergleich zum Gesamtergebnis, sichtbare Abstimmungspräferenzen und eventuelle Nutznießer einer solchen Abstimmung.

Ukraine: Jury soll 2023 öffentlich bestimmt werden


Ukraine
- Ganz neue Wege geht das ukrainische Fernsehen UA:PBC in Bezug auf seine Song Contest-Jury im nächsten Jahr. Nach der Kritik an der diesjährigen Jurywertung, insbesondere durch den Kulturminister Oleksandr Tkachenko, erklärte der Sender, dass sich fortan jeder ukrainische Staatsbürger als Jurymitglied für den Song Contest 2023 bewerben kann, sofern sie glaubhaft versichern können, dass sie Erfahrungen in Hinblick auf die notwendigen Kriterien haben. Dafür wird es eine öffentliche Abstimmung geben.

Senderchef Mykola Chernotytskiy fügte hinzu, dass es in diesem Jahr schwierig war, ein Team zu bilden, da sich das Land im Kriegszustand befindet., jedoch hat niemand das Urteil der Juroren von außen beeinflusst und sie haben ihre Entscheidung freien Willens getroffen. In sozialen Medien wurde die Jury u.a. stark dafür kritisiert, dass sie keine Punkte an die befreundeten Nationen Litauen und Polen vergeben hat. Jurypräsident Vadym Lysytsia zeigte sich ebenfalls betroffen darüber, dass es keine höhere Wertung für den polnischen Beitrag gab.

Durch die Bekanntgabe, mit einem öffentlichen Voting die Jury für den nächsten Eurovision Song Contest zu formen, hat das ukrainische Fernsehen indirekt seine Teilnahme am Wettbewerb im nächsten Jahr bestätigt. Nach dem Sieg des Kalush Orchestras hat UA:PBC ohnehin die Option, den Song Contest im kommenden Jahr auszurichten. Ob dies auch auf ukrainischem Staatsgebiet passieren kann und wird, hängt insbesondere von den Sicherheitsgarantien für die teilnehmenden Delegationen ab.

Mittwoch, 18. Mai 2022

Liet International: Doria gewinnt mit "Roma" auf Korsisch


Dänemark
- Unbeachtet und weitestgehend im Schatten des Eurovision Song Contests in dieser Woche fand am 13. Mai, einem Tag vor dem Finale der Eurovision im dänischen Tønder das Liet International 2022 mit 13 Beiträgen statt. Das Event gilt als europaweit größter Wettstreit von Minderheitensprachen und findet seit 2002 jährlich statt. Als Siegerin ging die korsische Sängerin Doria mit dem Titel "Roma" hervor.

Das Ergebnis des Liet International 2022:
01. - 119 -Korsika - Doria - Roma
02. - 118 -Schleswig-Holstein - Yourdaughters - Hudsult
03. - 118 -Galicien - Carolina Rubirosa - O teu camiñar 
04. - 102 -Südtirol - Jimi Henndreck - Heihupfa
05. - 085 -Israel - Sofia & The Baladis - Rebutalla
06. - 082 -Finnisch-Lappland - Ingá-Máret Gaup-Juuso - Dovdameahttumii
07. - 080 -Katalonien - Roger Argemí - La contradicció
08. - 072 -Friesland - Adri de Boer - Bliuw mar by mar
09. - 060 -Hamburg - Die Tüdelband - Wenn ik enen Wunsch harr
10. - 060 -Sardinien - Emanuele Pintus - Genia
11. - 058 -Franche-Comté - Bully Fumey - U port titi
12. - 054 -Süddänemark - Martin Hørløck - Æ Nordschleswig-Lied
13. - 045 -Nordfriesland - Martje Johannsen & Christoph Hansen - Maleen

Das Liet International hat seit 2002 über 50 Minderheitensprachen des europäischen Kontinents erlebt, darunter Helgoländer Friesisch, Niederdeutsch, Nordfriesisch und Sorbis, sowie Burgenlandkroatisch und Kärntner Slowenisch aus deutschsprachigen Ländern aber auch Romanes, die portugiesische Mundart Minderico, Kaschubisch, verschiedene samische Dialekte, Elsässisch und Bretonisch. 2020 fiel der Wettbewerb coronabedingt aus.

News-Splitter (929)


Deutschland
- In einer Anfrage des RedaktionsNetwerk Deutschland (RND) hat eine Sprecherin des NDR gebetsmühlenartig die Prüfung des nationalen Vorentscheids angekündigt. "Das Auswahlverfahren für den ESC 2023 wird anders aussehen als das für den diesjährigen ESC (...) Wie genau, wird der NDR bekannt geben, wenn es steht. Im Moment ist es hierfür noch zu früh.", heißt es darin. Erfahrungsgemäß können sich deutsche Fans nun auf eine kommunikationsarme Sommersaison freuen. Forderungen nach der Abgabe des Wettbewerbs an eine andere ARD-Sendeanstalt wies der NDR hingegen zurück: "Die Verantwortung für den deutschen Beitrag beim Eurovision Song Contest liegt auch weiterhin beim NDR (...) Mit dem klaren Ziel, eine Platzierung ganz oben zu erreichen."

Spanien
- Die spanische Song Contest-Vertreterin Chanel hat Post aus dem spanischen Königshaus erhalten. In einem Dankschreiben erklärten König Felipe und seine Frau Letizia: "Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer fantastischen Leistung beim Eurovision. Sie haben in diesem Wettbewerb Geschichte für Spanien geschrieben, nachdem Sie in einem so komplexen Finale, in dem sowohl das Publikum als auch die Jury Ihre Stärken anerkannt haben, den dritten Platz belegt haben." Auch bedankte sich das spanische Königshaus bei der Delegation, die Chanel auf ihrer Reise nach Turin begleitet hat. Chanel belegte im Finale am Samstag mit "SloMo" den dritten Platz, das beste Ergebnis Spaniens seit 1995.

Dänemark
- Das dänische Fernsehen DR vermeldet die niedrigste Einschaltquote für den Eurovision Song Contest seit 2007, nachdem sich das Land zum zweiten Mal in Folge nicht für das Finale qualifizieren konnte. Anders als in den übrigen skandinavischen Ländern, wo der Wettbewerb rekordverdächtige Marktanteile erzielte, schalteten nur 529.000 Dänen das Finale am Samstag ein. Dies bildet die niedrigste Quote seit dem Ausscheiden von DQ im Halbfinale von Helsinki 2007. Das erste Halbfinale, in dem die Gruppe Reddi mit "The show" ausschied, wurde von 480.000 Zuschauern verfolgt, das zweite Halbfinale findet sich gar nicht in den Top 20 der meistgesehenen Übertragungen der vergangenen Woche.

Dienstag, 17. Mai 2022

Ukraine: Erstes Treffen mit EBU am Freitag


Ukraine
- Bei einer Pressekonferenz in Lwiw hat UA:PBC-Vorstand Mykola Chernotytskiy erklärt, dass der ukrainische Rundfunk am Freitag erstmals mit der Europäischen Rundfunkunion beraten werde, wie es mit der Organisation und Durchführung des Eurovision Song Contests 2023 vonstatten geht. Wie er zuvor erklärte, hoffe er, dass der Wettbewerb im nächsten Jahr in einer friedvollen Ukraine stattfinden kann. Ob dies möglich sein wird, ist momentan allerdings mehr als ungewiss.

"Ich möchte jedem für diesen Sieg danken. Es ist wundervoll, dass die Ukraine den Eurovision Song Contest zum dritten Mal gewonnen hat, dass wir der europäischen Familie so gut wie möglich beitreten können. Ich bin dem Kalush Orchestra und seinem Frontmann Oleh Psyuk sehr dankbar, dass sie ihr Bestes gegeben haben, um sich in dieser schwierigen Zeit vorzubereiten und aufzutreten.", so Chernotytskiy. Er dankte zudem der Delegationsleiterin Oksana Skybinska für die Organisation und dass sie in dieser Lage den Belastungen standgehalten hat.

Das ukrainische Fernsehen hat noch in der Nacht des Sieges die ersten Unterlagen für die Ausrichtung des Eurovision Song Contests von der EBU ausgehändigt bekommen. Laut Chernotytskiy sind besonders die Sicherheitsgarantien für die Delegationen des Wettbewerbs eine große Herausforderung. Mehrere Rundfunkanstalten, darunter die Sender aus Italien, den Niederlanden, Polen und Spanien haben bereits ihre Unterstützung bei der Austragung des Wettbewerbs signalisiert.

Polen: TVP dementiert unfreies Juryvoting


Polen
- Nachdem Rumänien, Aserbaidschan, Georgien und Montenegro bereits Stellung zu den Anschuldigungen der geheimen Absprache der Juroren bezogen haben, reagiert nun auch die Redaktion des polnischen Senders TVP. Wie Radio Eska berichtet, versicherte man in Warschau, dass alle Juroren frei entschieden haben und man nunmehr den Kontakt zur Europäischen Rundfunkunion suche, um den Sachverhalt zu klären. Ähnlich reagierte u.a. auch das rumänische Fernsehen TVR, das online sogar sein Juryvoting veröffentlichte.

"Sie haben einzig und allein nach ihrem Gefühl und ihrem eigenen Ermessen abgestimmt, ohne irgendeinen Algorithmus zu berücksichtigen, nicht einmal den der Europäischen Rundfunkunion.", heißt es von TVP. Der Sender benannte seine im Zuge der Transparenz auch die Namen seiner Juroren, darunter die Sängerinnen Krystyna Giżowska und Dagmara Jaworska, Aleksandra Szwed, Komponist Mikołaj Gąsiewski und Andrzej Jaworski. TVP sucht nunmehr den Kontakt mit der Europäischen Rundfunkunion, um seinen Protest auszudrücken.

Die Europäische Rundfunkunion hatte im zweiten Halbfinale die Juryvotings aus sechs Ländern aufgrund von Wertungsauffälligkeiten annulliert und stattdessen ein aggregiertes Voting ins Endergebnis einfließen lassen. Die polnische Jury habe nach Angaben von TVP völlig unabhängig für die Ukraine gestimmt, ähnlich wie dies auch im aggregierten Voting passierte. Polen selbst wurde von Krystian Ochman und "River" vertreten, der im Finale von Turin den zwölften Platz belegte. Das polnische Fernsehen hat seine Teilnahme für 2023 bereits bestätigt.

News-Splitter (928)


Belgien
- Über eine Million Flamen haben das Finale des Eurovision Song Contests 2022 in Turin verfolgt. Für das flämische Fernsehen war dies die meistgesehene Show des Tages. Das wallonische Fernsehen RTBF verzeichnete 108.000 Zuschauer. Jérémie Makiese belegte im Finale mit "Miss you" den 19. Platz. Unabhängig davon muss ich noch nachtragen, dass der belgische Sänger Robert Cogoi vorgestern verstarb. Cogoi, geboren 1939 in Châtelet, vertrat Belgien 1964 beim Song Contest in Kopenhagen und wurde Zehnter. Nach weiteren Single-Veröffentlichungen in den 60er Jahren, zog er sich zunehmend zurück, zuletzt absolvierte er 2005 einen Gastauftritt im belgischen Vorentscheid.

Griechenland
- Der griechische Sender ERT kann ebenfalls gute Einschaltquoten für den Song Contest vorweisen. Das erste Halbfinale am Dienstag mit griechischer Beteiligung erzielte 13,6% Marktanteil. 644.000 Zuschauer sahen das Weiterkommen von Amanda Tenfjord. Das zweite Halbfinale steigerte sich auf 684.000 Griechen, die die Show verfolgten, der Marktanteil lag hier bei 16%. Das große Finale am Samstag sahen dann 1,96 Millionen Griechen, das Finale erzielte einen Marktanteil von 52,2%. Griechenland belegte dort mit Amanda Tenfjord und "Die together" den achten Platz und die zweite Top Ten-Platzierung in Folge. 

Norwegen
- Das Finale wurde in Norwegen unterdessen zum riesigen Quotenhit für den Sender NRK. Neun von zehn Norwegern sahen den Auftritt der Subwoolfer und die Show aus Turin. Insgesamt schauten 1,2 Millionen Zuschauer den Eurovision Song Contest, was einem unglaublichen Marktanteil von 89% entsprach. Die Subwoolfer belegten mit "Give that wolf a banana" den zehnten Platz. Auch in Finnland reichte es für zwei Millionen Zuschauer im Finale. YLE bestätigte, dass dass das Finale das am meisten verfolgte Programm der Woche war, wenngleich die Zuschauerzahlen im Vergleich zum Vorjahr um 400.000 Zuschauer geringer ausfiel. Finnland wurde von The Rasmus vertreten und belegte den 21. Rang.

Montag, 16. Mai 2022

Niederlande: AVROTROS sucht nach authentischem Song


Niederlande
- Die Niederlande werden am Eurovision Song Contest 2023 teilnehmen und haben sogleich das Bewerbungsfenster für die interne Auswahl geöffnet. Der Sender AVROTROS wird seinen Beitrag für die Eurovision, wie seit 2014 üblich, durch ein spezielles Auswahlkomitee ermitteln, mit dem es in den letzten Jahren bereits große Erfolge erzielt hat. AVROTROS bevorzugt laut der Ausschreibung nach einem zeitgemäßen Titel, der aber auf jeden Fall authentisch klingen muss und das Potenzial hat, in einem Wettbewerb zu überleben.

Dieser Titel kann von jedem niederländischen Künstler stammen, der genreunabhängig einen persönlichen und eigenständigen Song mitbringt und durch die Authentizität seinen Beitrag auf unverwechselbare Art und Weise präsentieren kann. Jedem Interpreten ist es gestattet, bis zu drei Titel einzureichen, die ansonsten den gültigen EBU-Bestimmungen entsprechen, nicht länger als drei Minuten sind und nicht vor dem 1. September diesen Jahres kommerziell veröffentlicht wurden. Bewerbungen nimmt der Sender an songfestival@avrotros.nl entgegen.

Der letzte Tag sich für den niederländischen Auswahlprozess zu bewerben ist Mittwoch, der 31. August 2022. In diesem Jahr wurden die Niederlande von S10 vertreten, die mit ihrem emotionalen "De diepte" den elften Platz im Finale von Turin belegte. Auch dieser Titel wurde, ohne größere Vorgaben von Seiten des niederländischen Fernsehens, intern nach oben genannten Gesichtspunkten ausgewählt. Zudem war es der erste Titel auf Niederländisch seit 2010 im Wettbewerb und der erste seit 1998, der es ins Finale des Eurovision Song Contests schaffte.

News-Splitter (927)


Rumänien
- Das rumänische Fernsehen TVR hat nach der Annullierung des Juryvotings im Finale durch die Europäische Rundfunkunion die eigentliche Wertungsliste veröffentlicht. Wie schon erwähnt, sollte die Höchstwertung an Zdob și Zdub aus Moldawien gehen, zehn Punkte an Griechenland, acht an Polen, sieben an die Niederlande und sechs an Aserbaidschan. Deutschland landet im rumänischen Juryvoting auf dem 18. Platz. Aufgrund vermeintlicher Auffälligkeiten beim rumänischen und fünf weiteren Votings generierte die EBU ein eigenes Voting und ließ dieses ins Endergebnis einfließen. Mit Polen und Aserbaidschan befinden sich zwei Nationen im Juryergebnis, deren Jurywertung ebenfalls nicht gezählt wurde.

Lettland
- Drei Monate nach dem Finale des lettischen Vorentscheids Supernova wurde von LTV die Jury namentlich bekannt gegeben, die 50% des Ergebnisses ausgemacht hatte. Darunter waren u.a. der TV- und Radiomoderator Toms Grēviņš, der russische Sänger Ilja Lagutenko, der 2001 mit seiner Gruppe Mumij Troll für Russland am Song Contest in Kopenhagen teilnahm, Komponistin Laura Jēkabsone, Musiker Māris Mihelsons und LTV-Mitarbeiterin Anna Platpīre sowie zwei internationale Gastjuroren. LTV hielt die Jury unter Verschluss, um die Einflussnahme von außen zu verhindern. Lettland schied mit dem bei der Supernova gewählten Beitrag "Eat your salad" der Band Citi Zēni im Halbfinale von Turin aus.

Ukraine
- UA:PBC-Vorstand Mykola Chernotytskiy erklärte, sein Sender habe nach dem Sieg bereits die notwendigen Unterlagen zur Ausrichtung des Eurovision Song Contests 2023 von der EBU erhalten. "Wir möchten die Eurovision in einer friedlichen Ukraine veranstalten. Wir hoffen, dass es uns möglich sein wird, die Sicherheit aller Teilnehmer und Gäste während des Wettbewerbs zu gewährleisten.", so Chernotytskiy. Sollte dies nicht der Fall sein, wovon die EBU derzeit ausgehen muss, haben bereits mehrere europäische Rundfunkanstalten ihre Hilfe angeboten. Ihor Smilyanskiy, Vorstand der ukrainischen Post kündigte unterdessen an, dem Kalush Orchestra eine eigene Briefmarke zu widmen. Ähnliches erfolgte bereits 2004 und 2016 nach den Siegen von Ruslana und Jamala.

Kosovo
- Shkumbin Ahmetxhekaj, Direktor des kosovarischen Fernsehens RTK kündigte an, dass das Ziel seines Senders der Erwerb der Vollmitgliedschaft innerhalb der EBU bis Ende des Jahres sei. Das Management von RTK habe es sich zur Aufgabe gemacht, zeitnah der Rundfunkunion beizutreten. Nach dem Ausschluss von Belarus und Russland seien die Chancen zur Aufnahme gestiegen, heißt es demnach aus Priština. Gleichzeitig gab man zu, dass dem noch große Hürden im Weg stehen, etwa die fehlende Mitgliedschaft in der Internationalen Telekommunikationsunion (ITU), die für den EBU-Beitritt notwendig ist. Eine Abstimmung, den Paragraphen, der eine ITU-Mitgliedschaft erfordert zu streichen, scheiterte 2019 in einer Abstimmung innerhalb der EBU, nicht zuletzt am Widerstand von Serbien und Bosnien-Herzegowina.