Montag, 6. April 2020

Beyond Eurovision (112): Indien



Indien - Lange dauert es nicht mehr, da hat Indien die Volksrepublik China als einwohnerstärkstes Land der Erde abgelöst. Fast 1,4 Milliarden Menschen leben auf dem Subkontinent in Südasien, was es zur größten Demokratie der Welt macht. Derzeit wird das Land von Premierminister Narendra Modi angeführt. Bis 1947 war das Land eine britische Kolonie, zuvor hatten diverse Nationen Kolonial- und Pachtgebiete in Indien, die vor allem für den Gewürzhandel von großer Bedeutung waren. Im Clinch liegt das Land mit Pakistan, beide streiten sich u.a. um den Grenzverlauf in der Region Kaschmir.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Neu-Delhi
Sprachen
Hindi, Englisch + 21 weitere regionale Amtssprachen
Fläche
3.287.469km²
Währung
Indische Rupie ()
Einwohner
1,369 Mrd.
Internet-TLD
.in
Zeitzone
UTC +5:30
Wiki-Info

Landschaftlich und kulturell ist das Land vielfältig, von trockenen Wüstenregionen in Rajasthan über die fruchtbare und daher viel bevölkerte Ganges-Ebene, Hochgebirgszüge wie die Ghats oder den Himalaya und Schwemmgebiete um Kolkata, das frühere Kalkutta. Vorherrschende Religion ist der Hinduismus, der sich insbesondere durch sein ausgeprägtes Kastensystem auszeichnet und den Alltag bestimmt. Dennoch leben in Indien diverse Ethnien, insbesondere der Osten des Landes, in dem u.a. die Teeplantagen von Assam liegen, sind ein Flickenteppich an indigenen Stämmen und Völkern, hinzu kommen zahlreiche Exil-Tibeter und Flüchtlinge aus Bangladesch. 


Bedingt durch die ethnische Zusammensetzung gibt es auch keine einheitliche "indische Kultur", wenngleich uns dies durch Bollywood-Filme vorgespielt wird. Tatsächlich haben Tanzfilme mit klassischer und folkloristischer Musik eine lange Tradition, spiegeln jedoch nicht ganz Indien wieder. So haben sich regional im Laufe der Jahrhunderte eigenständige Musikinstrumente durchgesetzt, auch gesanglich gibt es teilweise gravierende Unterschiede, sodass eine Pauschalisierung kaum möglich ist. Hierzulande verbindet man mit zeitgenössischer indischer Musik Lieder wie "Mundian to bach ke" von Panjabi MC, der zwar indischer Abstammung ist, aber im englischen Coventry geboren wurde.

Vorstellen möchte ich heute den Sänger Amit Dhull aus dem Bundesstaat Haryana. Er wurde in Jind geboren und singt sowohl auf Hindi als auch auf Punjabi und der lokalen Amtssprache Haryanvi. Er ist erst seit Kurzem in der Musikbranche tätig, zuvor studierte er am Indus Institute of Engineering & Technology. Das hier vorgestellte "Jamai kache katega" aus dem Jahr 2019 singt er gemeinsam mit Ruchika Jangid, die schon mehrere Studioalben herausgebracht hat und Sonika Singh. Beide stammen ebenfalls aus Haryana, das Lied ist auch Teil des Bollywood-Streifens "Muklaawe ki raat". Meines Erachtens ist der Song noch einer der hörbaren Lieder aus Indien, viele Lieder sind bei der Auswahl durch eine unfassbare Hektik durchs Raster gefallen.

Amit Dhull, Ruchika Jangid & Sonika Singh - Jamai kache katega

Freitag, 3. April 2020

Beyond Eurovision (111): Weißrussland



Weißrussland - Die Republik Belarus wird seit 1994 von Alexander Lukatschenko autoritär regiert, was der Nation den wenig schmeichelnden Beinamen "Letzte Diktatur Europas" einbringt. Trotz diverser Repressalien beispielsweise gegenüber der Opposition und dem politischen Spagat zwischen Russland und westlicher Annäherung schafft es die sowjetische Nachfolgestaat sich seinen ganz eigenen Charme zu bewahren, nämlich den einer postkommunistischen Nation mit vielen Facetten und Eigenheiten, die man sonst nirgends auf dem Kontinent findet. Leidvoll in die Geschichte ging allerdings auch die Katastrophe von Tschernobyl ein, dessen Fallout sich größtenteils über das südliche Weißrussland erstreckte.

 Schnelle Fakten
Hauptstadt
Minsk
Sprachen
Weißrussisch, Russisch
Fläche
207.595km²
Währung
Weißrussischer Rubel (Br)
Einwohner
9,5 Mio.
Internet-TLD
.by
Zeitzone
UTC +3
Wiki-Info

Vom Weltkrieg schwer gezeichnet stand Weißrussland ab Sommer 1944 unter dem sowjetischen Einfluss. Es dauerte bis in die späten 80er, ehe die Bevölkerungszahlen wieder das Vorkriegsniveau erreichten, 1991 wurde Weißrussland unabhängig. Durch die autokratische Regierungsweise schottete sich das Land außenpolitisch ab, lediglich zu Russland besteht ein starker kultureller und wirtschaftlicher Austausch. So werden beispielsweise zwischen beiden Ländern als Inlandsflüge gehandelt, beide Länder sind zudem Mitglied der GUS.

Musikalisch reichen die folkloristischen Traditionen bis in die Zeit des Großherzogtums Litauen zurück. Aussiedler Weißrusslands haben die traditionellen Klänge in alle Welt, vor allem nach Zentralasien, ins Baltikum und die USA getragen. Heute orientiert sich der Musikmarkt vor allem am großen Nachbarn Russland, viele lokale Interpreten versuchen zunächst hier Fuß zu fassen. Lukatschenko verfügte 2002 zudem, dass alle Radiosender mindestens 50% weißrussische Songs spielen müssen. Prestigeträchtig ist zudem das jährlich stattfindende Musikfestival Slavianski Bazaar in Wittebsk.

Vorstellen möchte ich heute das Musikduo Aura (Aўra), das aus Sängerin Yulia Bykova und Produzent Yevgeny Oleinik besteht. Seit 2005 machen beide gemeinsam Musik, ihr erster Song "The whisper of silence", den ich hier auch vorstellen möchte, machte sie landesweit bekannt. Dabei singen sie sowohl in Englisch, Italienisch, Latein und in einer Fantasiesprache. Es folgten mehrere Musikpreise sowie verschiedene Alben und DVDs. Mehrfach versuchten sie es auch beim weißrussischen Song Contest-Vorentscheid, zuletzt in diesem Jahr mit dem Titel "Barani svajo", der es auf den siebten Platz schaffte.

Aura - The whisper of silence

Dänemark: DR plant Melodi Grand Prix für 2021



Dänemark - Lieb gewonnene Vorentscheide werden in Skandinavien auch trotz der besonderen Umstände rund um den Eurovision Song Contest 2020 nicht verworfen. Nun bestätigte auch das dänische Fernsehen DR, das im nächsten Jahr ein Dansk Melodi Grand Prix nach dem klassischen Muster stattfinden wird. Die für 2020 gewählten Interpreten Ben & Tan verlieren somit ihr Startrecht beim Eurovision Song Contest.

Nicht das es ein großer musikalischer Verlust wäre, nach derzeitigem Stand sieht es allerdings so aus, als würden sie auch keinen automatischen Startplatz beim dänischen Vorentscheid erhalten. Weitere Einzelheiten zum Melodi Grand Prix wird das dänische Fernsehen veröffentlichen, sobald das Gröbste in der Coronakrise überstanden ist, ähnlich wie sich das lettische Fernsehen bislang mit Zusagen zurückhält.

DR bestätigte zudem, dass es die von der EBU angesetzte Show "Europe shine a light" am 16. Mai übertragen wird. Unterhaltungschef Jan Lagermand Lundme erklärte, dass er den Unmut von Ben & Tan verstehe, die ihren Auftritt vor europäischem Publikum nunmehr im Rahmen der Ersatzshow haben werden. Ben & Tan gewannen Anfang März den dänischen Melodi Grand Prix mit dem Titel "Yes" und hätten am 14. Mai im zweiten Halbfinale von Rotterdam antreten sollen.

Donnerstag, 2. April 2020

Beyond Eurovision (110): Costa Rica



Costa Rica - Die "reiche Küste", so der Landesname aus dem Spanischen übersetzt, gilt als Musternation in Mittelamerika und wird aufgrund ihrer funktionierenden Ökonomie und Neutralität auch als "Schweiz Zentralamerikas" bezeichnet. Das Land kommt ohne Militär aus und deckt nahezu 100% seines Strombedarfs aus regenerativen Energien. Zudem ist Costa Rica ein Paradies für Naturfreunde und Ökotouristen. Nahezu ein Drittel des Landes stehen unter Naturschutz, darunter große tropische Waldgebiete und Meeresbuchten. Sehenswert sind u.a. auch die zahlreichen Vulkane und deren Kraterseen.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
San José
Sprachen
Spanisch
Fläche
51.100km²
Währung
Colón (₡)
Einwohner
4,9 Mio.
Internet-TLD
.cr
Zeitzone
UTC -6
Wiki-Info

Zu Costa Rica gehört auch die Isla del Coco, die 500km abseits des Festlandes im Pazifik liegt und nur mit besonderer Genehmigung betreten werden darf. Ähnlich wie auf dem Festland gibt es auch hier eine reichhaltige Fauna und Flora. Bis in die 80er Jahre haben Holzfäller größtenteils legal bis zu 80% des Regenwaldes gerodet, heute ist knapp die Hälfte des Landes wieder bewaldet und die Natur holt sich ihren Lebensraum zurück. Die stabile Demokratie und die Freiheiten, die die Bürger genießen, sowie der Schutz der Umwelt machen Costa Rica zu einem der lebenswertesten Länder der Erde.

Knapp 94% der Bevölkerung sind Mestizen, umgangssprachlich werden sie Ticos genannt. Hinzu kommen einige indigene Volksgruppen wie die Guaymí. Musikalisch gesehen erhält sich Costa Rica seine traditionellen einheimischen Klänge, wenngleich diese zunehmend mit anderen lateinamerikanischen Stilen wie dem Reggae, Salsa und Soca vermischt werden. Auch an Bildungseinrichtungen lebt costaricanische Musik fort, so wurde z.B. 1994 der Café Chorale gegründet, ein Chor dessen Mitglieder vor allem Studenten sind, angeführt wird dieser von David Ramírez. Wichtige Instrumente der lokalen Musikszene sind Gitarren und das Marimbaphon.

Zu den Talenten der modernen Popmusik Costa Ricas gehört Deborah Nowalski Kader, die 1980 in San José geboren wurde und unter ihrem Künstlernamen Debi Nova bekannt ist. Sie startete ihre Karriere als Backgroundsängerin der Rockband Gandhi, was ihr die Möglichkeit gab Kontakte zu knüpfen und u.a. mit Ricky Martin, Britney Spears und Sérgio Mendes zu singen. 2010 veröffentlichte sie mit "Luna nueva" ihr erstes Album, auf dem auch der unten vorgestellte Titel "Drummer boy" enthalten ist. Sie ist zudem Botschafterin der UN und war mehrfach für den Latin Grammy Award nominiert. 2017 erschien ihr drittes Album "Gran ciudad".

Debi Nova - Drummer boy

Memories: Eurovision Song Contest 1979


Israel - Am 31. März 1979 zog der Eurovision Song Contest erstmals vom europäischen Kontinent in den Nahen Osten. Nachdem Israel als Sieger des Wettbewerbs 1978 hervorging, wurde das International Convention Center (ICC) in Jerusalem als Austragungsort bekannt gegeben. Dort fand der Wettbewerb auch 1999 noch einmal statt. Dieser Wettbewerb fand unter enormen Sicherheitsvorkehrungen statt, da man befürchtete, die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO würde Anschläge auf die Veranstaltung planen. Glücklicherweise blieb es friedlich.

Das israelische Fernsehen hatte für die Austragung des Wettbewerbs keine Kosten und Mühen gescheut und sogar eigens für die Eurovision die Einführung des Farbfernsehens von 1982 auf 1979 vorverlegt. Die Moderation übernahmen Yardena Arazi und der im September 2017 verstorbene Daniel Pe'er. Yardena Arazi nahm drei Jahre zuvor bereits als Mitglied der Formation Chocolate Menta Mastik am Song Contest teil und ist bis heute auch die einzige Person, die nach ihrer Tätigkeit als Moderatorin des Wettbewerbs als Interpretin zurückkehrte, nämlich 1988 mit dem Titel "Ben adam".

19 Nationen nahmen am Wettbewerb in Jerusalem teil, säumig waren lediglich Jugoslawien aus politischen Gründen und die Türkei. Dort wurde allerdings ein Vorentscheid abgehalten, der Sender TRT plante die Sängerin Maria Rita Epik mit ihrer Begleitgruppe 21. Peron nach Jerusalem zu schicken, musste sich dem Druck arabischer Nationen jedoch ähnlich wie Tunesien 1977 beugen und verzichtete auf die Teilnahme, da die OPEC drohte, der Türkei den Ölhahn abzudrehen. Dieses Ereignis wurde im türkischen Song Contest-Beitrag 1980 ausführlich erörtert. Ihre Begleitband macht noch heute unter dem Namen Smyrname Musik. Übertragen wurde die Show dennoch, ebenso von Jugoslawien, Rumänien, Island und in Hongkong.

Von einem weiteren treuen Eurovisionsmitglied musste sich der Zuschauer ab 1979 ebenfalls verabschieden. Das kleine Fürstentum Monaco schickte zum letzten Mal einen Interpreten zur Eurovision. Jean Baudlot trat unter seinem Künstlernamen Laurent Vaguener mit "Notre vie c'est la musique" ("Unser Leben ist die Musik") auf und kassierte 12 Punkte, eines der schlechtesten Ergebnisse des Landes. Bis ins Jahr 2006 blieb Monaco dem Song Contest fern, als zu gering erachtete man die Chancen, den Wettbewerb je wieder gewinnen zu können. Baudlot komponierte in den 80er Jahren primär Werbejingles und Musiken für Computerspiele.

Einige Länder schickten bewährte Kandidaten ein weiteres Mal zur Eurovision. So trat Anne-Marie David, die Siegerin für Luxemburg 1973, diesmal in französischen Diensten an. "Je suis l'enfant soleil" ("Ich bin ein Sonnenkind") schaffte es immerhin zu einer Bronzemedaille. Und auch in Norwegen entschied die Expertenjury beim Melodi Grand Prix die routinierte Sängerin Anita Skorgan nach Jerusalem zu schicken. Sie erreichte mit "Oliver" den elften Platz, was zugleich ihr erfolgreichster Song Contest-Beitrag war. Einen Platz dahinter landeten die Niederlande mit Sandra Reemer diesmal unter ihrem Künstlernamen Xandra.

Ihr Song über den US-Bundesstaat Colorado, in den sie laut Text gerne fahren würde weil der Kurs des US-Dollars momentan so abgesackt ist, setzte sich im eigens für sie anberaumten Vorentscheid gegenüber Titeln wie "Intercity" und "Lila Lavendel" durch. Nach ihrer Gesangskarriere widmete sich Sandra vor allem der TV-Moderation. Sie hatte mit "De show van de maand" eine eigene Musikshow und war beim niederländischen Ableger von "Wetten, dass..?" als Assistentin tätig. Später war sie gefeierte Moderatorin des Preview-Konzerts "Eurovision in Concert", im Juni 2017 verstarb sie an Brustkrebs. 

Ebenfalls wieder mit dabei war die Schweizer Gruppe Peter, Sue & Marc, die sich diesmal Hilfe von Pfuri, Gorps & Kniri holten und es auf Deutsch probierten. Die Schweizer Delegation hatte zunächst allerdings Probleme ihr Equipment nach Israel einzuführen, schauten die Zollbeamten doch nicht schlecht, als ihnen erklärt wurde, warum eine Schweizer Delegation u.a. Gartenschläuche, Gießkannen, Müllsacke und Kochtöpfe im Gepäck hatten. Diese wurden allesamt dazu verwendet, dem fröhlichen "Trödler & Co." auf der Bühne die notwendige Untermalung zu liefern, Zitat: "...und was in so einer Gießkanne steckt, klingt als Trompete perfekt". Dennoch waren sie mäßig erfolgreich, der Song landete auf Platz zehn.

Damit waren sie allerdings deutlich erfolgreicher als die Nachbarn aus Österreich. André Heller, der als Allround-Künstler nicht nur Musik komponiert und Shows wie z.B. das 2005 erschienene "Afrika! Afrika!" produzierte sondern auch die Swarovski-Kristallwelten mitgestaltet hat und mehrere Bauprojekte in den Arabischen Emiraten begleitete, schrieb der zerzaust wirkenden Vorarlbergerin Christina Simon den schwermütigen Titel "Heute in Jerusalem". Das Lied lag allerdings derart schwer im Magen, sodass es ein geteilter letzter Platz mit Belgien wurde. Für Belgien probierte sich die Sängerin Micha Marah auf Flämisch mit "Hey nana". Der Titel war der Interpretin aber scheinbar selbst zu doof, sodass sie vergeblich versuchte ihn disqualifizieren zu lassen.

Die Bundesrepublik hingegen setzte auf den großen Showeffekt. Schon beim Vorentscheid in der Rudi-Sedlmayer-Halle in München, moderiert von Caroline Reiber und Thomas Gottschalk, lag die Ralph Siegel-Komposition "Dschinghis Khan" deutlich vorne. Hierfür hatte man die Jurys in die Verbannung geschickt und über ein Meinungsforschungsinstitut 540 Haushalte direkt per Telefon über ihre Favoriten befragt. Dabei stellte sich die Retortenband u.a. der Country-Band Truck Stop mit "Take it easy, altes Haus", Paola Felix, Roberto Blanco und den Gebrüdern Blattschuß. Allerdings gab es im Vorfeld auch harte Kritik, ob man so einen Text ausgerechnet in Israel singen müsse.

Es ging um die Zeile "Sie trugen Angst und Schrecken in jedes Land", in der die Gruppe Dschinghis Khan über die wilden Ritte der Mongolen sangen, allerdings Assoziationen an die NS-Zeit weckten. Der Protest ging so weit, dass sich mehrere Radiostationen, darunter der WDR weigerten, das "Sauf- und Rauflied, in dem Gewalt verherrlicht wird" nicht gespielt wurde. Befürchtet wurden diplomatische Verstimmungen mit Israel, das den Song aber als das erkannte was er war, ein Stimmungskracher, der auch sechs Punkte aus Israel und vier Höchstwertungen einfuhr und somit auf dem vierten Platz landete.

Dschinghis Khan hatten in den Folgejahren noch so manchen Hit, darunter "Moskau" oder "Hadschi Halef Omar". Bis 1985 tourten Steve Bender, Wolfgang Heichel, Edina Pop, Henriette Strobel, Louis Hendrik Potgieter und Leslie Mandoki um die Welt, 2005 kam es im Moskauer Olimpiski-Stadion vor 60.000 Zuschauern zu einem Comeback, allerdings in teilweise anderer Besetzung, Steve Bender verstarb 2006, Louis Potgieter bereits 1994 in Port Elizabeth an den Folgen einer HIV-Infektion. Verstimmt wurden die Israelis eher durch die deutsche Jury, die dem späteren Siegertitel "Hallelujah" keinen Punkt gab.

Im weiteren Teilnehmerfeld fand sich u.a. die griechische Sängerin Elpida, die vier Jahre zuvor das Musikfestival im chilenischen Viña del Mar gewinnen konnte und "Socrates" als noch heute zitierten Superstar besang. Es reichte für den achten Platz. Einen Platz dahinter landete die Portugiesin Manuela Bravo, die mit ihrem seichten Schlager über einen aufsteigenden Ballon das Festival da Canção gewann. Noch erfolgreicher lief der Abend für den irischen Sänger Cathal Dunne. Von Cork aus ging es für ihn zunächst zum Castlebar Song Contest, 1976 zum Yahama Music Festival in Tokio und schließlich nach seinem Sieg beim irischen Vorentscheid mit "Happy man" nach Jerusalem. Seinem fünften Platz folgte eine Reise in die USA, wo er fortan Konzerte gab und noch heute in Pittsburgh residiert.

Das unteren Tabellenfeld wurde angeführt von Finnland. Katri Helena startete mit "Katson sineen taivaan" erstmals für Suomi. Ihr Blick in den blauen Himmel, so der Titel ihres Liedes, endete auf dem 14. Platz. Das Genick dürfte der Discoballade die Sprachregelung gebrochen haben, so erfuhr nämlich außerhalb Finnlands niemand etwas von ihrer Suche nach Liebe und Fürsorge. Wenig Liebe erfuhr der schwedische Interpret Ted Gärdestad, dessen Debütalbum zwar von den ABBA-Mitgliedern Björn und Benny produziert und zu einem Hit in Schweden wurde, beim Song Contest reichte es für "Satellit" aber nur für acht magere Pünktchen. Sein Leben fand 1997 ein tragisches Ende, nachdem er jahrelang an Schizophrenie litt und sich vor einen fahrenden Zug warf.

Zwischen den Skandinaviern versteckte sich im Punktetableu zudem Italien. Die Gruppe Matia Bazar aus Genua um Sängerin Antonella Ruggiero landete mit "Solo tu" schon zwei Jahre zuvor einen Nummer Eins-Hit in Italien, allerdings schafften sie es mit "Raggio di luna" erst im dritten Anlauf das San Remo-Festival zu gewinnen. Noch heute macht die Gruppe Musik, von der Originalbesetzung ist seit 2017 jedoch niemand mehr übrig. In Erinnerung bleiben werden auf jeden Fall Antonellas fliederrotes Kostüm mit aufgestickten Silberpailletten sowie ihre Trendfrisur, die symbolisch für viele Modesünden der späten 70er Jahre ist. Trotz ihres Erfolges in Italien reichte es für Matia Bazar nur für den 15. Platz.

Wesentlich erfolgreicher lief es für den universell verständlichen Titel "Disco Tango" von Tommy Seebach, der gemeinsam mit Backgroundsängerin Debbie Cameron auftrat. Auch Seebach, für den es die erste von drei Song Contest-Teilnahmen war, bestach durch eine fürchterliche Optik und einen Pornobalken, der ihn aber nicht daran hinderte, unbeschwert über eine Frau zu singen, die problemlos ein Tanzbattle mit John Travolta gewinnen würde. Nur zwei Jahre später sollte Seebach gemeinsam mit Debbie Cameron zurückkehren, seinen letzten Versuch startete er 1993 für Dänemark. "Disco Tango" blieb aber sein erfolgreichster Eurovisionstitel.

Silber ging auf die Iberische Halbinsel. Das spanische Fernsehen nominierte die gebürtige Peruanerin Betty Missiego, die sich zunächst in Peru als TV-Moderatorin einen Namen machte, später die spanische Staatsangehörigkeit annahm und 1972 am OTI Festival teilnahm, intern für Jerusalem. Dort spielte sie vor allem die Karte aus, dass Kinder immer ziehen. Begleitet wurde sie bei der Intonation von "Su canción" durch einen vierköpfigen Kinderchor, der am Ende der Darbietung auch noch Schriftrollen mit "Danke" auf mehreren Sprachen entfaltete und sich bei den Juroren anbiederte. 1980 bot sie dem spanischen Fernsehen den Titel "Don José" für Den Haag an, wurde aber nicht weiter berücksichtigt.

Der Sieg sollte jedoch erneut an Israel gehen. Kobi Oshrat und Shimrit Or komponierten den Titel "Hallelujah" für Gali Atari und ihre Begleitband Milk & Honey. Je weiter das Lied foranschreitet, umso dramatischer wird die Melodie, am Ende ertönt ein Glockenfestival und wie es auf aufrechtgehn.de heißt, kommt es innerhalb der drei Minuten zu einer vierfachen Rückung, das dürfte in der Eurovisionshistorie einmalig sein. 4,5 Millionen Mal wurde das Lied verkauft, dabei existieren Fassungen in diversen Sprachen. Hinzu kommt, dass der Titel auch am Ende des Song Contests 1999 anlässlich des Kosovokrieges für die Vertriebenen von allen Interpreten des Jahrgangs gesungen wurde.

Gali Atari, geboren 1953 in Rechovot südlich von Tel Aviv, ist noch heute eine gefragte Sängerin, wenngleich sie 1987 in einem Interview sagte: "Ich wollte von diesem künstlichen Image befreit werden [...] Ich würde diese Art von Songs heute nicht mehr aufnehmen". Dennoch bleibt "Hallelujah" ihr größter Erfolg, den sie u.a. 2016 gemeinsam mit Klubbb3 in einer von Florian Silbereisens Schlagershows gesungen hat und der ihr sicherlich noch heute einige Einkünfte bringt. "Hallelujah" ist eine zeitlose Hymne der Hoffnung, die Israel seinen zweiten Eurovisionssieg in Folge eingebracht hat, wenngleich ohne Punkte aus Deutschland. 

Der neuerliche Sieg stellte Israel aber vor neue Herausforderungen. Die finanzielle Belastung für die IBA machte es dem Sender unmöglich, den Song Contest 1980 erneut auszutragen. Stattdessen sollte im nächsten Jahr das niederländische Fernsehen NOS einspringen. Da man zu allem Unglück den Wettbewerb auf noch auf den 19. April legte, den Gedenktag der Gefallenen in israelischen Diensten, musste das Land 1980 auf die Teilnahme verzichten. Es war in der Geschichte der Eurovision bisher einmalig, dass ein Land seinen Titel nicht verteidigen konnte oder wollte. Allerdings öffnete die Absage Israels einem anderen Land die Tür zur Eurovision, das wir sonst wahrscheinlich nie beim Song Contest gesehen hätten.

Die Teilnehmer:
01. - 125 -  Gali Atari & Milk & Honey - Hallelujah
02. - 116 -  Betty Missiego - Su canción
03. - 106 -  Anne-Marie David - Je suis l'enfant soleil
04. - 086 -  Dschinghis Khan - Dschinghis Khan
05. - 080 -  Cathal Dunne - Happy man
06. - 076 -  Tommy Seebach - Disco Tango
07. - 073 -  Black Lace - Mary Ann
08. - 069 -  Elpida - Socrates
09. - 064 -  Manuela Bravo - Sobe, sobe, balão sobe
10. - 060 -  Peter, Sue & Marc und Pfuri, Gorps & Kniri - Trödler & Co.
11. - 057 -  Anita Skorgan - Oliver
12. - 051 -  Xandra - Colorado
13. - 044 -  Jeane Manson - J'ai déjà vu ça dans tes yeux
14. - 038 -  Katri Helena - Katson sineen taivaan
15. - 027 -  Matia Bazar - Raggio di luna
16. - 012 -  Laurent Vaguener - Notre vie c'est la musique
17. - 008 -  Ted Gärdestad - Satellit
18. - 005 -  Micha Marah - Hey nana
18. - 005 -  Christina Simon - Heute in Jerusalem

Australien: SBS gibt Montaigne eine zweite Chance



Australien - Auf der anderen Seite der Erde ist die Entscheidung für den nächsten Eurovision Song Contest auch schon gefallen. Der Sender SBS hält an seiner diesjährigen Teilnehmerin Montaigne fest, einen nationalen Vorentscheid mit mehreren Künstlern wie in den letzten beiden Jahren wird es somit in Australien nicht geben. Ob Montaigne einen Song direkt zum Besten geben wird oder man ihr eine Auswahl an Songs im Rahmen eines Mini-Vorentscheids zur Verfügung stellt ist noch nicht bekannt.

Montaigne sagte: "Ich bin so glücklich, dass ich in solchen Zeiten gute Nachrichten erhalten habe." Da auch sie derzeit daheim bleiben muss, hat sie es sich zum Ritual gemacht, jeden Tag einen Glückskeks zu öffnen und einer von ihnen lautete: "Du wirst großartige Nachrichten mit den Menschen die dich lieben teilen.", so gesehen hat sie Recht. Sie darf Australien beim nächsten Eurovision Song Contest vertreten.

SBS-Delegationsleiter Josh Martin erklärte, man werde sich nun auf einen neuen Song für das Jahr 2021 konzentrieren und auch Montaigne werde keinen Moment in der Isolation vergeuden um nicht mit neuen Ideen um die Ecke zu kommen. Einzelheiten wurden allerdings nicht genannt. Montaigne reiht sich in eine längerwerdende Liste mit Interpreten, die für 2020 eingeplant waren und nun ihre Teilnahme um ein Jahr verschieben. Zuletzt wurden Roxen für Rumänien und Vincent Bueno für Österreich bestätigt.