Freitag, 15. Oktober 2021

Malta: Rückkehr zum klassischen Vorentscheid


Malta
- Das maltesische Auswahlverfahren für 2022 wurde heute vom Sender TVM vorgestellt und ist prinzipiell schnell erklärt. Während man 2019 und 2020 die Castingshow X Factor als Vorentscheid übernommen hatte, kehrt man nun wieder zu den Wurzeln und damit zum klassischen Modell namens "Malta Eurovision Song Contest" zurück, das sich am schon einmal durchgeführten Malta Song For Europe orientiert.

Zunächst werden unter den Einsendungen 22 Beiträge ausgewählt, die sich dem Halbfinale stellen werden. Die Bewerbungsphase läuft von heute an bis einschließlich 15. Dezember. Die genauen Regeln kann man hier finden (auf Maltesisch). Von den 22 Titeln schaffen es 16 ins Finale des maltesischen Vorentscheids, dort dürfte dann aller Voraussicht nach wieder zu 50% per Jury- und Televoting ermittelt werden, wer Malta 2022 in Turin vertreten wird.

Wer sich nun als Komponist oder Texter für den maltesischen Vorentscheid zur Verfügung stellen möchte, kann dies ab sofort hier tun, Vorgaben bezüglich der Nationalität gibt es nicht. Zudem ist eine Teilnahmegebühr in Höhe von 100 Euro pro Einsendung an den Sender TVM zu entrichten. Bewerbungen, die nach dem 15. Dezember eingereicht wurden, können nicht berücksichtigt werden. In diesem Jahr wurde Malta durch Destiny Chukunyere vertreten, die mit "Je me casse" den siebten Platz belegte.

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Beyond Eurovision (242): Cookinseln


Cookinseln
- Quasi antipod zu Europa erstrecken sich die Cookinseln im Südpazifik. Der Archipel, der in freier Assoziierung mit Neuseeland steht, besteht aus zwei Inselgruppen, dem Nordteil mit Inseln wie Pukapuka, Penrhyn und dem Suwarrow-Atoll und den südlichen Inseln wie Aitutaki und der Hauptinsel Rarotonga. Die meisten der etwa 18.500 Einwohner sind lokale Māori, die neben der Handels- und Verkehrssprache Englisch auch je nach Insel eigene Sprachen ihr Eigen nennen. So existiert auf der Hauptinsel Rarotonga, auf der auch der Hauptort Avarua liegt, die rarotonganische Sprache, die eng mit dem Tahitianischen verwandt ist und seit 2003 den Charakter einer offiziellen Amtssprache genießt.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Avarua
Sprachen
Englisch, Rarotonganisch
Fläche
242km²
Währung
Neuseeland-Dollar (NZ$)
Einwohner
18.600
Internet-TLD
.ck
Zeitzone
UTC -10
Wiki-Info

Etwa im 9. Jahrhundert wurden die Cookinseln von Samoa aus entdeckt und durch polynesische Seefahrer besiedelt. Für Europa wurden die Inseln vom Spanier Alvaro de Mendaña de Neyra entdeckt, der 1595 auf Pukapuka landete. Auf eben jener Insel versuchten die Briten im 18. Jahrhundert einen Außenposten zu errichten, was aufgrund der Beschaffenheit der Insel scheiterte. Zwischen 1773 und 1779 war James Cook in der Region unterwegs, ihren Namen erhielten die Inseln vom deutschbaltischen Admiral von Krusenstern zu Ehren von James Cook. 1893 wurden die mittlerweile britisch verwalteten Inseln die erste Region der Erde, in der das Frauenwahlrecht eingeführt wurde.

Heute nimmt Neuseeland die Rolle der "Schutzmacht" wahr und verwaltet die Cookinseln in freier Assoziation stehend in handels- und außenpolitischen Themen. Seit 2001 pflegt Deutschland diplomatische Beziehungen mit den Cookinseln, die weitreichende Autonomie genießen und u.a. mit eigenen Mannschaften bei sportlichen Ereignissen, etwa den Olympischen Spielen antreten. Zudem können sich die Cookinseln auch nach fast zwei Jahren damit rühmen, noch keinen bestätigten Fall von COVID-19 zu haben, dafür gelten jedoch auch strenge Ein- und Ausreisebestimmungen, die es momentan schier unmöglich machen, die Strände von Aitutaki und Co. zu besuchen.

Musikalisch leben die Traditionen des Südpazifiks auf den Cookinseln weiter. Insbesondere stimmlich sind viele Lieder herausfordernd, die besondere Art des A cappella-Gesangs wird Imene Tuki genannt. Neben den traditionellen Tönen und Tänzen, die sich von Insel zu Insel unterscheiden, hat aber auch hier die moderne Popmusik Einzug gehalten. Insbesondere neuseeländische Musik ergänzt das Portfolio insulanischer Melodien. Präsentieren möchte ich hier heute aber die Formation Enua Manu, eine von vielen Folkloregruppen, die neben einem reichhaltigen Tanz- und Weisenfundus auch die Innovation des Autotunes für sich entdeckt haben.

Enua Manu - Mou mai koe

News-Splitter (877)


Island
- Der isländische Vorentscheid wird am 5. März 2022 stattfinden. RÚV plant auch im kommenden Jahr wieder seinen nationalen Vorentscheid Söngvakeppnin mit zwei Vorrunden am 19. und 26. Februar sowie eine Finalshow mit fünf Beiträgen am 5. März in Reykjavik. Wie der Sender mitteilte, wurden 160 Songs für den Vorentscheid eingereicht, eine Jury wird nun zehn Beiträge auswählen, die im Januar vorgestellt werden sollen. Pro Show qualifizieren sich zwei Kandidaten per Televoting, ein fünfter Interpret qualifiziert sich aus allen bis dahin ausgeschiedenen Acts per Juryvoting. In diesem Jahr belegte Island mit Daði & Gagnamagnið den fünften Platz im Finale von Rotterdam.

Griechenland
- Wie griechische Medien berichten, wird die Songauswahl für Turin in einem Zwei-Schritte-Modus erfolgen. Insgesamt haben sich wohl 25 Interpreten mit über 40 Liedern beim Sender ERT beworben, eine Jury soll nunmehr drei oder vier Beiträge auswählen, die in die engere Auswahl kommen. Im Nachgang wird das griechische Fernsehen Verhandlungen mit den Künstlern aufnehmen und eine finale Entscheidung darüber treffen, wer Griechenland beim Song Contest in Italien vertreten wird. Unter den Bewerbern sind u.a. Evangelina, die von Panik Records vorgeschlagen wurde, Elias Kozas, griechischer Vertreter von 2013, The Voice-Siegerin Joanne und der mehrfache Song Contest-Teilnehmer Konstantinos.

Italien
- Der Stadtrat von Turin hat für die Bereitstellung von fünf Millionen Euro für die Organisation und Durchführung des Eurovision Song Contest votiert. 32 von 34 Mitgliedern stimmten für die Zahlung an die Veranstalter, um den Wettbewerb im Mai 2022 durchführen zu können. Hinzu kommen rund zwei Millionen Euro von der Region Piedmont und 500.000 Euro von der Handelkammer. Die restlichen Auslagen werden durch die RAI, die Teilnahmebeiträge der Rundfunkanstalten und der EBU sowie deren Sponsoren getragen. Welche Summe insgesamt für die Durchführung des Eurovision Song Contests 2022 veranschlagt ist, ist nicht bekannt, in den letzten Jahren beliefen sich die Kosten in einer Range von 13,5 bis 40 Millionen Euro.

Dienstag, 12. Oktober 2021

Tschechien: ČT erhält über 150 Bewerbungen


Tschechien
- Nunmehr dürfte die tschechische Song Contest-Teilnahme in Turin gefestigt sein. Wie der Sender ČT mitteilen ließ, wurden über 150 Beiträge für den nationalen Vorentscheid eingereicht, der wie schon in den letzten Jahren online stattfinden wird. Diesmal sollen jedoch keine Studioversionen sondern Videoclips mit einem Liveauftritt der Künstler zur Abstimmung stehen. Offenbar soll der initiierte Vorentscheid bereits im Dezember diesen Jahres stattfinden.

Eine Senderjury bewertet nunmehr alle eingetroffenen Titel auf ihre Song Contest-Kompatibilität. Laut ČT soll es sich hierbei um Einsendungen aus der ganzen Welt handeln. Kandidaten, die es in die engere Wahl schaffen, sollen bis zum 20. Oktober vom tschechischen Fernsehen kontaktiert werden. Der Sieger des tschechischen Vorentscheid soll zu 50% durch eine internationale Fachjury ermittelt werden, 25% durch internationale User und zu 25% durch die tschechische Öffentlichkeit. 

In diesem Jahr wurde Tschechien durch Benny Cristo und "Omaga" vertreten, nachdem sein ursprüngliches Engagement für den Song Contest 2020 ins Wasser fiel und er von ČT direkt für 2021 nominiert wurde. Tschechien ist seit 2007 Teil des Eurovision Song Contests, setzte aufgrund von drei Halbfinalpleiten jedoch zwischen 2010 und 2015 aus. Bislang schafften es drei Interpreten ins Finale der Eurovision, das beste Ergebnis bis zum heutigen Tag ist der sechste Platz von Mikolas Josef und "Lie to me" 2018 in Lissabon. 

Beyond Eurovision (241): Kasachstan


Kasachstan
- Kasachstan ist der größte Binnenstaat der Welt und erstreckt sich über weite Steppenlandschaften vom Kaspischen Meer bis hin zum Tianshan-Gebirge. Das Land bietet trockene Wüstenregionen, insbesondere in der Gegend, in der sich einst der Aralsee erstreckte, bis hin zu schneebedeckten Khan Tengri, einem Siebentausender an der Grenze zu Kirgisien. Nach mehreren Dekaden unter sowjetischer Herrschaft wurde Kasachstan gemäß Erklärung von Alma-Ata 1991 unabhängig und läutete später eine nationale Findungsphase ein, die durch die Umbenennung von Städten und Regionen und dem Übergang zum lateinischen Alphabet geprägt ist.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Nursultan
Sprachen
Kasachisch
Fläche
2.724.900km²
Währung
Kasachischer Tenge ()
Einwohner
18,9 Mio.
Internet-TLD
.kz
Zeitzone
UTC +5 und +6
Wiki-Info

Bis 2019 hatte Präsident Nursultan Nasarbajew die Zügel in der Hand. Schon in der Kasachischen SSR hatte er als Generalsekretär der Kommunistischen Partei das Zepter in der Hand und dirigierte Kasachstan in den ersten Jahren der Unabhängigkeit. Nach seinem Rücktritt ließ der neue Präsident Qassym-Schomart Toqajew die Hauptstadt Astana ihm zu Ehren in Nursultan umbenennen. Auf internationaler Ebene arbeitet das Land eng mit Russland zusammen, das nach wie vor den Weltraumbahnhof Bainokur in der kasachischen Steppe nutzt und fühlt sich als Bindeglied zwischen Europa und Asien. Obwohl der Westteil Kasachstans geographisch zu Europa gehört, blieb ihm die Teilnahme am Europarat und am Eurovision Song Contest bislang verwehrt.

Dabei könnte Kasachstan durch eine spannende Kultur frischen Wind in den Wettbewerb bringen. Da die Kasachen ein Turkvolk sind, nutzen sie ähnlich typische Instrumente wie die zentralasiatischen Nachbarn, etwa die die mit Pferdehaar bespannte Kobys, eine Laute die ihren Ursprung bei Schafhirten der Steppe hat oder auch Maultrommeln wie die Qopuz. Bis zum Ende der Sowjetunion fristete die lokale Volksmusik ein Schattendasein, seit der Wiedererlangung einer nationalen Identität wird die landestypische Musikkultur jedoch extrem gefördert, traditionelle Elemente werden oftmals mit modernen Beats garniert, selbst in den Talentshows der 2000er Jahre findet sich neben internationalen Evergreens immer noch landestypische Folklore wieder.

Zu den bekanntesten Sängerinnen des Landes gehört Zhanar Dugalova, die 1987 in Kyzylorda geboren wurde und überregional durch ihren Sieg beim Turkvizyon Song Contest 2014 bekannt wurde. Schon Jahre zuvor nahm sie an nationalen Gesangswettbewerben teil und veröffentlichte 2012 ihre Debütsingle "Súıemin deshi". 2013 wurde sie Mitglied der Gruppe KeshYou, deren erster Hit "Asıqpa" monatelang die Airplay-Charts in Kasachstan anführte. Die Band nahm mit dem hier vorgestellten Titel "Rizamyn" am nationalen Vorentscheid für die Türkvizyon teil und belegte den vierten Platz. Ein Jahr später trat Zhanar als Solistin auf und konnte den Wettbewerb mit "Izin kórem" gewinnen. Sie war es auch, die 2017 ihr Interesse an einer Song Contest-Teilnahme bekundete, aufgrund des EBU-Reglements ist ein kasachisches Debüt jedoch zunächst nicht zu erwarten.

KeshYou - Rizamyn

Bosnien-Herzegowina: BHRT muss auch 2022 pausieren


Bosnien-Herzegowina
- Die Kollegen von ESCtoday.com sind heute fleißig am Werk und liefern nach der Comeback-Meldung von Montenegro auch gleichzeitig Nachrichten aus Bosnien-Herzegowina. Dort sieht die finanzielle Situation des staatlichen Senders BHRT weiterhin desaströs aus, sodass es im nächsten Jahr wieder kein "Sarajevo calling" geben wird. BHRT fehlt damit seit 2013 beim Eurovision Song Contest, die einmalige, sponsorenfinanzierte Ausgabe im Jahr 2016 ausgeklammert, konsequent in der Line Up des Wettbewerbs.

Schon im Juni diesen Jahres erklärte ein Sprecher von BHRT, dass sich die Schulden bei der Europäischen Rundfunkunion auf rund sechs Millionen Schweizer Franken belaufen und es voraussichtlich noch mehrere Jahre dauern könnte, ehe diese Summe vollständig beglichen ist. BHRT wurden 2017 Sanktionen auferlegt, die sich noch heute auf das Senderprogramm auswirken. Nach wie vor sucht man mit der bosnischen Politik nach einer Lösung für dieses Problem, aufgrund des kuriosen Gebührensystems in Bosnien-Herzegowina bleibt dem Sender kaum Spielraum für etwaige Projekte.

Da sich beide Entitäten des Landes eher mit ihren eigenen Rundfunkanstalten statt dem Dachverband von BHRT beschäftigen, muss der Sender mit 3,80 Euro pro Person und Monat an Gebühren auskommen, wobei ein Großteil der Bevölkerung diese Gebühren nicht abführt. Durch den fehlenden politischen Einsatz für BHRT dürfte es unwahrscheinlich sein, dass wir in naher Zukunft ein Comeback von Bosnien-Herzegowina beim Song Contest erleben werden. Zuletzt nahmen Dalal & Deen gemeinsam mit Ana Rucner & Jala in Stockholm 2016 teil, konnten sich mit "Ljubav je" jedoch nicht für das Finale qualifizieren.

Montenegro: RTCG kehrt 2022 in Turin zurück


Montenegro
- Eine freudige Nachricht kommt vom Westbalkan, denn das montenegrinische Fernsehen RTCG hat gegenüber ESCtoday.com bestätigt, dass es 2022 wieder am Eurovision Song Contest teilnehmen wird. Damit ist die zweijährige Schaffenspause beendet, RTCG zog sich nach dem Wettbewerb von Tel Aviv zurück, 2020 offiziell um das dafür notwendige Geld in neue Fahrzeuge zu stecken, auch in diesem Jahr in Rotterdam setzte das montenegrinische Fernsehen aus. Weitere Einzelheiten sind bisher nicht bekannt.

Bei seiner letzten Teilnahme 2019 veranstaltete RTCG einen nationalen Vorentscheid namens Montevizija, den die Gruppe D-Mol für sich entscheiden konnte, mit "Heaven" jedoch nur den vorletzten Platz im Halbfinale. Montenegro nimmt seit 2007 am Eurovision Song Contest teil, setzte zwischenzeitlich aus finanziellen Gründen mehrfach aus und gehört zu den weniger erfolgreichen Nationen im Wettbewerb. Lediglich 2014 und 2015 konnte sich das Land für die Endrunde der Eurovision qualifizieren.

RTCG wird sich in Kürze zu seinen Plänen für die Kandidatenauswahl äußern, nach der Teilnahmebestätigung aus Podgorica steigt die Zahl der bisher bestätigten Nationen auf 33. Weiterhin fehlen noch Bestätigungen, u.a. aus Armenien, Bulgarien, Moldawien, Nordmazedonien, Russland, Tschechien, dem Vereinigten Königreich und Zypern. Unwahrscheinlich dürfte die Rückkehr von Bosnien-Herzegowina sein, ebenso steht hinter dem türkischen Comeback ein großes Fragezeichen. Auch die Teilnahme Ungarns ist nach der gestrigen Präsentation des "A Dal"-Regelwerks mehr als fraglich.

Montag, 11. Oktober 2021

Ungarn: "A Dal"-Regelwerk nennt keine Eurovision


Ungarn
- Gleich mehrere Gründe sprechen dagegen, dass das ungarische Fernsehen MTVA zum Eurovision Song Contest 2022 nach Turin zurückkehren wird. Zum einen wurde das Regelwerk von "A Dal" vorgestellt, in dem keine Rede vom Eurovision Song Contest ist und in den Kriterien für die Teilnahme an "A Dal" auch Beiträge erlaubt sind, die ab dem 30. März 2021 veröffentlicht wurden. Zugleich dürfen maximal zehn Personen auf die Bühne, beim Song Contest selbst sind es lediglich sechs Personen. Der Sender hat sich bisher nicht näher zur Thematik Eurovision geäußert.

Der Sieger von "A Dal" erhält auch im kommenden Jahr wieder eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 10 Millionen Forint und mehrere Auftrittsangebote zur Promotion seines Liedes in Funk und Fernsehen sowie, falls Corona dies erlaubt, bei öffentlichen Veranstaltungen. Gesucht werden für die Vorrunden der Show, die bis 2019 als ungarischer Vorentscheid diente, ungarische Staatsbürger bzw. ungarische Muttersprachler, die am 1. Januar 2022 mindestens 16 Jahre alt sind. Die Songs dürfen die Länge von drei Minuten nicht überschreiten.

Bis zum heutigen Tage können sich Rundfunkanstalten ohne finanzielle Strafen zu fürchten bei der Europäischen Rundfunkunion wieder von der Teilnehmerliste des Eurovision Song Contests 2022 streichen lassen. Ob das ungarische Fernsehen MTVA hierfür überhaupt gemeldet war, ist nicht bekannt. Generell schweigt der Sender in Budapest seit seiner Abkehr vom Song Contest 2020, insbesondere darüber, aus welchen Gründen man dem Wettbewerb fernbleibt. Zuletzt nach Joci Pápai mit "Az én apám" am Song Contest in Tel Aviv teil, schied dort jedoch als 12. im Halbfinale aus.

Beyond Eurovision (240): Libanon


Libanon
- Der Libanon erstreckt sich am Ostufer des Mittelmeers und bietet auf gerade einmal 10.452km² eine landschaftliche Vielfalt, die es dem Reisenden erlaubt, am gleichen Tag im Meer zu baden und später in den Skiresorts des Landes auf die Piste zu gehen. Dafür sorgt das Libanongebirge, das sich bis zu 3.000m in die Höhe erstreckt und dessen schneebedeckte Gipfel Namensgeber für das Land sind, die semitische Phrase "lbn" bedeutet so viel wie "Weiß". Daneben gibt es auch eine kulturelle Vielfalt, wenngleich der Libanon regelmäßig mit Negativschlagzeilen in den Nachrichten auftaucht, zuletzt mit der verherenden Explosion im Hafen von Beirut.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Beirut
Sprachen
Arabisch
Fläche
10.452km²
Währung
Libanesisches Pfund (L£)
Einwohner
6,9 Mio.
Internet-TLD
.lb
Zeitzone
UTC +2
Wiki-Info

Schon im Altertum war der Libanon bevölkert, phönizische Staaten wie Tyros oder Sidon spielten eine bedeutende Rolle beim Mittelmeerhandel, später fegten Römer, Kreuzfahrer und Osmanen über den Libanon hinweg, 1920 erhielten die Franzosen das Völkerbundmandat für den État de Grand Liban, der sich 1941 von Syrien loslöste. In die Unabhängigkeit entließ man den Zedernstaat 1943. Im gleichen Jahr wurde im sogenannten Nationalpakt beschlossen, dass der Präsident des Landes stets ein maronitischer Christ ist, während der Premier ein sunnitischer Muslim sein soll. Dieses ungeschriebene Gesetz kommt noch heute zum Einsatz. Seit der Ausrufung der israelischen Unabhängigkeit befindet sich das Land mit seinem südlichen Nachbarn im Dauerstreit und Kriegszustand.

Später kam es zum Bürgerkrieg und wachsendem syrischen Einfluss. Trotz aller Entwicklungen hat sich im Libanon dennoch eine gewachsene eigenständige Kultur entwickelt, die bedingt durch die ethnischen und religiösen Gruppierungen sowohl christliche als auch muslimische Einflüsse kennt. Eine besondere Rolle nehmen zudem die Drusen ein. Heute sind 95% der Bevölkerung arabischer Abstammung wobei das Land zahllose syrische und palästinensische Flüchtlinge aufgenommen hat, die das Wirtschaftssystem belasten. Ähnlich wie in diversen anderen arabischen Ländern sind sowohl Medien, Literatur und auch die Musik traditionell geprägt. Selbst in der modernen Popmusik spiegeln sich die folkloristischen Traditionen des Nahen Ostens wieder.

Eine der bekanntesten und auch in anderen arabischsprachigen Ländern erfolgreiche Sängerinnen des Landes ist Nancy Ajram (نانسي عجرم), die 1983 in Beirut geboren wurde und durch die Teilnahme an einer TV-Show ihren Durchbruch schaffte, noch ehe sie volljährig wurde. 1998 erschien ihr erstes Album "Mihtaglak", inzwischen hat sie weit mehr als zehn Alben veröffentlicht und ist regelmäßig Gast in TV-Shows und gibt große Konzerte in der gesamten arabischen Welt. 2005 war sie zudem das musikalische Aushängeschild für Coca Cola im Libanon, seit 2009 ist sie UNICEF-Botschafterin im Nahen Osten. Neben ihrem musikalischen Engagement war bzw. ist sie auch als Jurorin bei Arab Idol und seit 2006 bei "The Voice Kids" im arabischen Raum tätig. In diesem Jahr erschien ihr Album "Nancy 10".

Nancy Ajram - Salemoly aleh

Sonntag, 10. Oktober 2021

Eurovision am Sonntag (65)


Europa
- Seit dieser Woche fühlen wir uns nun darin bestätigt, was eigentlich schon im Mai hätte klar sein können, Turin trägt den Eurovision Song Contest 2022 aus. Pläne des italienischen Fernsehens RAI, die Gastgeberstadt der Olympischen Winterspiele 2006 in Sachen Eurovision einzubinden existieren bereits seit 2017, als man der Ansicht war, Francesco Gabbani würde den Wettbewerb mit seinem "Occidentali's karma" nach Italien bringen. Der damalige Auftritt blieb jedoch hinter den Erwartungen, der große Favorit von Kiew wurde am Ende nur Sechster. Nun haben Måneskin den Sieg mit vierjähriger Verspätung nach Italien geholt.

Ihr Lied wurde zerstört,
Sophia Vossou (1991)
Und es ist nicht zu befürchten, dass die RAI die gleichen Fehler begeht wie einst 1991, als man eigentlich schon gar keine Lust mehr auf den Eurovision Song Contest und schon gar nicht auf dessen Ausrichtung hatte. Damals sollte der Wettbewerb nach San Remo gebracht werden, den Ort, an dem auch die Ursprünge der Eurovision liegen. Aufgrund von Sicherheitsbedenken verlegte man die Show kurzerhand nach Rom. Eine improvisierte Bühne mit allerhand übrig gebliebener Kulissen, ein teilweise weitab der Ideallinie liegendes Orchester, das u.a. Sophia Vossous Beitrag "I anixi" zerstörte und eine grauenhafte Moderation blieben im kollektiven Gedächtnis der Fans.

Glücklicherweise sind der 78jährige Toto Cutugno und die 73jährige Gigliola Cinquetti mittlerweile in Moderationsrente und dürften den Jahrgang 2022 nicht mit hilflosen "Mr. Naef"-Rufen ruinieren. Stattdessen kursieren Namen wie Alessandro Cattelan, Amadeus und der britisch-libanesische Sänger Mika in Fankreisen, wenn es darum geht, wer die magischen Worte "Good evening, Europe" am 14. Mai spricht. Wann die RAI bzw. die Europäische Rundfunkunion sich zu weiteren Informationen bequemen bleibt abzuwarten, schließlich hat man sich bei der Bekanntgabe der ausrichtenden Stadt schon monatelang Zeit gelassen. Dennoch werfen die drei Shows im Mai 2022 schon ihre Schatten voraus.

In der Ukraine sucht man
2022 einen ähnlich magischen
 Beitrag wie den von Go_A
Dabei fehlen noch allerhand Teilnahmebestätigungen, aus West- wie aus Osteuropa. Von vielen Nationen, etwa Serbien, Frankreich, Spanien oder den skandinavischen Ländern wissen wir bereits um die Pläne für die neue Saison, auch im Baltikum, der Ukraine und Slowenien ist man schon ein ganzes Stück vorangekommen. Und nach dem vorentscheidungsschwachen Jahrgang 2021, bei dem viele Künstler von 2020 einfach für den nächsten Wettbewerb gesetzt wurden, dürften wir mit vielen Vorrunden und großartigen Shows im Winter rechnen. Allein in Litauen wird es wieder etwaige Shows geben, ehe der Interpret für Turin feststeht. Auch das Melodifestivalen, der Melodi Grand Prix, Vidbir und die EMA kehren zurück.

Selbst in Irland wird es wieder einen Vorentscheid im Rahmen der Late Night-Show von Ryan Tubridy geben. Die Iren haben sich in den letzten Jahren auf interne Auswahlen verlassen und sind damit gnadenlos gescheitert. Nun soll alles anders werden, die Öffentlichkeit darf wieder mitentscheiden, selbst in San Marino wird man ein groß angelegtes Festival austragen. Wir können uns also auf viele Sendungen mit mehr oder minder großartigen Liedern freuen. Funkstille herrscht hingegen wieder im Sendergebiet des NDR. Außer der Aussage, alles werde auf den Prüfstand gestellt, gab es bisher wenig Verheißungsvolles aus Hamburg zu vermelden. Hoffen wir nur, dass die Antriebslosigkeit in Sachen Öffentlichkeitsarbeit nicht wieder zu einer verlorenen Saison führen wird...

Yerevan vor einem Jahr,
Fortgang ungewiss
Gespannt sein darf man hingegen auf die vorläufige Teilnehmerliste für 2022. Es stehen noch die Bestätigungen einiger Länder aus, deren Teilnahmechancen bei 50% liegen. So hat sich der armenische Sender bislang nicht dazu geäußert, ob man 2022 ein Comeback hinlegen wird. Um den Bergkarabach-Konflikt und die politische Krise im Land ist es medial ruhig geworden, Corona, die Bundestagswahl und das gestrige Abdanken von Österreichs Kanzler Kurz beherrschen die Nachrichten, Konflikte im Kaukasus rücken da in den Hintergrund. Allgemein wird angenommen, dass es im nächsten Jahr wieder einen Beitrag aus Yerevan geben wird, das armenische Fernsehen war bei seiner Bestätigung nie schnell, anders als die Nachbarn aus Aserbaidschan oder Georgien, die bereits gemeldet sind.

Gleiches gilt für Moldawien und Russland. Mit größter Gewissheit können wir deren Teilnahme als gesichert feststellen, in einem der beiden Länder dürfte auch ein gewisser Phillip Kirkorow wieder mitmischen. Zypern, das bereits seine Pläne für 2023 annonciert hat, dürfte ebenfalls in wenigen Tagen in den grünen Bereich bestätigter Nationen rücken, die Tschechen ebenfalls, schließlich wurde hier von Seiten des Senders ČT bereits ein Bewerbungsaufruf gestartet. Und dann sind da noch die Nationen, die in den vergangenen Jahren ebenfalls recht mundtot waren, namentlich Montenegro, Nordmazedonien, die Türkei und Ungarn. Nordmazedonien hat vor drei Jahren mit Tamara Todevska einen wuchtigen Erfolg gefeiert, zwei Jahre später mit Vasil und seinem One-Man-Pathos das exakte Gegenteil erreicht.

Hoffentlich heißt es 2022
"A Dal" für Europa
Wenngleich die Teilnahme noch nicht fix ist, dürfte man eher davon ausgehen, dass man in Skopje Gelder für einen Beitrag bereitstellt als in Montenegro. RTCG fehlte in Rotterdam, aus finanziellen Gründen wie es heißt. Ob man 2022 wieder liquide ist, bleibt abzuwarten. Maximal erlaubt das Reglement des Eurovision Song Contests in Turin 45 Ländern die Teilnahme, so viele dürften es kaum werden, etwa 40 dürften hingegen realistisch sein. Die große Frage ist, ob sich das ungarische Fernsehen wieder zu einer Teilnahme durchringen kann. Anfang des Monats gab es einen Bericht bei ESC United über ein schnell wieder gelöschtes Reddit-Posting, in dem es heißt, "A Dal" werde 2022 wieder zur ungarischen Kandidatensuche für die Eurovision eingesetzt.

Allerdings heißt es in der Meldung auch, dass der Song Contest in Turin am 17., 19. und 21. Mai stattfinden wird, was ja nun offenkundig nicht der Fall sein wird. Dennoch hoffe ich natürlich, dass sich Budapest dazu entscheidet, wieder mitzumachen, schließlich fehlt mit Ungarn, um eine Stimme beim NDR zu zitieren: "Ein Land mit Relevanz". Der Vorentscheid war über die letzten Jahre gespickt mit tollen Beiträgen und immer wieder haben es gehaltvolle Beiträge zum Song Contest geschafft, nicht zuletzt Joci Pápai, der gleich zweimal fahren durfte, 2019 in Tel Aviv allerdings das Nachsehen hatte und im Halbfinale ausschied. Die nächsten Wochen bleiben also spannend, ehe es mit der Präsentation von Kandidatenlisten in Europa losgeht.

Mag in anderen Belangen
stimmen, aber nicht beim ESC
Und wie in jedem Jahr bleibt mein Wunsch, dass wir 2022 ebenfalls wieder mit "Relevanz" dabei sein werden. Ein geschicktes Format mit einer Handvoll es ernst meinender Künstler wäre toll, doch die Erfahrung der letzten Jahre lässt mich in dem Glauben, dass der NDR sich nicht von der Idee des Konzeptsongs abbringen lässt. Es wurde schon viel über das Modell der deutschen Auswahl gesprochen, dabei möchte ich es eigentlich belassen. Es wäre trotzdem nett, wenn Deutschland 2022 im Positiven überrascht und es wieder Spaß macht, über den Beitrag und seine Entwicklung bis zum Song Contest-Finale zu berichten, damit der Sender seinem Ruf wieder gerecht wird, der damit wirbt, das Beste am Norden zu sein und nicht nur mit einem Lied aufzuschlagen, dass es grade so durch die Zertifizierung vom TÜV Rheinland geschafft hat.

Ein Beispiel könnte man sich am spanischen Fernsehen nehmen, dass die Sache nach einer personellen Umbesetzung mit neuem Elan angeht und heute sogar bestätigte, dass man die Halbfinals aus dem zweiten Programm ins Hauptprogramm La 1 verfrachtet. Zudem setzt man auf das Festival von Benidorm, einen Wettbewerb mit Galacharakter. Zwar war dieses Festival in den letzten Jahren seiner Durchführung auch ein antiquiertes Event, aber manchmal reichen schon einige frische Ideen, um einem totgesagten Format wieder neue Energie einzuhauchen und ich kann mir gut vorstellen, dass es in Spanien gut funktionieren wird.

Beyond Eurovision (239): Tansania


Tansania
- Bei der Vereinigten Republik Tansania handelt es sich um das 1961 vom Vereinigten Königreich in die Unabhängigkeit entlassenen Tanganjika auf dem ostafrikanischen Festland und dem zwei Jahre später angeschlossenen Archipel Sansibar. Schon lange bevor europäische Mächte in der Region aktiv waren, florierte in den Häfen Sansibars oder auch im heutigen Dar es Salam der Handel mit arabischen Händlern. Nachdem der omanische Einfluss zurückgedrängt wurde gründete sich die Kolonie Deutsch-Ostafrika, zu der bis zum Ende des Ersten Weltkriegs auch Teile Ruandas und Burundis gehörten.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Dodoma
Sprachen
Suaheli, Englisch
Fläche
945.087km²
Währung
Tansania-Schilling (TSh)
Einwohner
55,9 Mio.
Internet-TLD
.tz
Zeitzone
UTC +3
Wiki-Info

Nach der Unabhängigkeit kam Julius Nyerere an die Macht, der einen eigenen Weg des Sozialismus einschlug, der als "Ujamaa" bekannt wurde. Nachdem dieses Projekt gescheitert war, entstanden demokratische Strukturen, im Allgemeinen steht Tansania heute wesentlich besser da, als viele seiner Nachbarländer. Eine wesentliche Rolle spielt bei der Entwicklung auch der Tourismus, Sansibar ist eine beliebte Badedestination, während das Kilimandscharo-Massiv bei Arusha und die afrikanische Fauna expeditionsfreudige Touristen anziehen. Die tansanische Gesellschaft gilt als homogen, rund 99% der Bevölkerung gehören afrikanischen Ethnien an.

Mehrheitlich Bantu-Völker prägen die gesellschaftliche Kultur des Landes, auch sprachlich stellt Tansania mit über 120 verschiedenen Bantu- und nilotischen Spraxchen ein vielfältiges Land dar. Bedingt durch die Kolonialzeit ist Englisch heute die allgemein verständliche Verkehrssprache im Land. Fest verankert sind lokale Riten, je nach Region und Dorfgemeinschaft weisen diese große Unterschiede auf. Dennoch spielt das "Ngoma", das Brauchtum eine zentrale Rolle in der tansanischen Gesellschaft, geprägt durch typische Tänze und Lieder, bis hin zu schamanistischen Zeremonien, zu denen auch Besessenheitstänze gehören. Typische Instrumente, die hierbei zum Einsatz kommen, sind Xylophone, Trommeln und Zithern.

Zu den Vertretern moderner tansanischer Popmusik gehört der 1989 in Dar es Salam geborene Sänger Naseeb Abdul Juma Issack, der sich Diamond Platnumz nennt. Mit 17 Jahren finanzierte er sich seine ersten Aufnahmen durch Erlöse aus dem Verkauf von Kleidung, 2010 veröffentlichte er mit "Kamwambie" seine Debütsingle und gewann gleich drei Tanzania Music Awards. Wenig später erschien das erste Album, inzwischen sind es drei an der Zahl. Hinzu kommen diverse Singles, die in Zusammenarbeit mit Künstlern aus anderen afrikanischen Ländern entstanden, 2020 war er sogar an einer Kollaboration mit Alicia Keys beteiligt. Das hier vorgestellte "Inama" entstand in Zusammenarbeit mit dem kongolesischen Sänger Fally Ipupa, der seit 2006 als Solist erfolgreich ist.

Diamond Platnumz feat. Fally Ipupa - Inama

Samstag, 9. Oktober 2021

Beyond Eurovision (238): Neukaledonien


Neukaledonien
- Nouvelle-Calédonie, in veralteten deutschen Texten auch Neuschottland, ist eine Insel im Südpazifik, deren Namensgebung auf den Entdecker James Cook zurückgeht. Trotz des kaledonischen Namens steht die Insel sowie die benachbarten Loyalitätsinseln zu Frankreich und sind verfassungsrechtlich ein Collectivité sui generis, nicht jedoch Teil der Europäischen Union. Obwohl es insbesondere bei der indigenen Bevölkerung, den Kanaken, einen starken Drang nach Souveränität gibt, wurden zwei Unabhängigkeitsreferenden in jüngster Vergangenheit abgelehnt.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Nouméa
Sprachen
Französisch
Fläche
18.519km²
Währung
CFP-Franc (XPF)
Einwohner
280.000
Internet-TLD
.nc
Zeitzone
UTC +11
Wiki-Info

Charakteristisch für Neukaledonien sind die hoch wachsenden und schmalen Bäume der Araucaria columnaris, die hier wie viele Pflanzen endemisch wachsen. Die Bevölkerung setzt sich zu 44% aus indigenen Melanesiern bzw. Kanaken und Nachkommen französischer Siedler zusammen, die im Namen von Napoleon III. 1853 die Besitzverhältnisse regelten. Seither steht Neukaledonien unter französischer Verwaltung und ist insbesondere in finanzieller Sicht stark vom europäischen Kernland abhängig. Die französischen Nachfahren leben traditionell eher an der Südküste der Insel und im Ballungsraum der Hauptstadt Nouméa während die melanesische Bevölkerung im Norden und auf den Loyalitätsinseln heimisch ist.

Viele der Kanaken sind in traditionellen Stämmen organisiert und sprechen neben Französisch auch eine der 28 auf den Inseln verbreiteten austronesischen Sprachen. Amts- und Verkehrssprache ist hingegen allein das Französisch. Die traditionellen Bräuche und Sprachen werden kulturell nach und nach zurückgedrängt, dennoch behaupten sich einige Traditionen, ebenso typische Klänge und Rhythmen der melanesischen Musikkultur. Regelmäßig treffen folkloristische Gruppen im markanten Tjibaou-Kulturzentrum zusammen und zelebrieren die neukaledonische Kultur. So findet hier alljährlich das Pacific Tempo-Festival statt, bei dem auch Künstler diverser Inseln des südpazifischen Raumes zusammentreffen.

Vertreter der kanakischen Kultur erleben seit den 80er Jahren großen Zuspruch in der Bevölkerung, auch bildeten sich nach und nach Musikgruppen, die heute äußerst populär sind und moderne westliche Töne mit traditionellen Instrumenten und Texten schmücken. Dazu gehört die hier vorgestellte Band Gurejele, die von der Loyalitätsinsel Maré stammt und deren Mitglieder dem kanakischen Volk der Mebuet angehören. Leadsänger der Gruppe ist Dick Buama, der mit seiner Gruppe auch auf anderen melanesischen Inseln einen gewissen Ruf hat und u.a. beim Napuan Festival in Vanuatu aufgetreten ist. Zu ihren bekanntesten Hits gehört der Titel "C'est qui qui paye?", vorstellen möchte ich hier allerdings den Titel "Watolea", der 2017 auf dem Album "L'intégrale" erschien.

Gurejele - Watolea

Ukraine: UA:PBC führt "Vidbir" auch 2022 fort


Ukraine
- Das ukrainische Fernsehen UA:PBC setzt den nationalen Vorentscheid nach der gelösten Zusammenarbeit mit dem Privatsender STB nicht auf Werkseinstellungen zurück, sondern wird das Format Vidbir in Eigenregie fortführen. Der Sender in Kiew bestätigte, dass man auch 2022 wieder auf gewohnte Art und Weise nach einem Vertreter für den Eurovision Song Contest 2022 suchen wird. Zwischen 2016 und 2020 gab es hierbei eine Kooperation mit STB.

Die Eckdaten des ukrainischen Vorentscheids sehen einen öffentlichen Vorentscheid vor, der zwischen dem 12. Februar und dem 4. März 2022 stattfinden soll und sowohl eine Jurywertung als auch ein "transparentes und faires Öffentlichkeitsvoting" beinhalten soll. Bis zum 24. Oktober haben interessierte Künstler die Möglichkeit sich bei UA:PBC anzumelden, Einzelheiten zum Vertragsschluss mit dem öffentlich-rechtlichen Sender sowie weiterführende Informationen zu den geltenden Reisebestimmungen erhalten die Künstler hier.

Ähnlich wie schon 2021 wird der ukrainische Sender eine Backup-Performance aufnehmen, sollte es dem Sieger des Vorentscheids nicht möglich sein, im Mai 2022 nach Turin zu reisen. Diese Regelung dürfte auch alle anderen Kandidaten des Jahrgangs 2022 betreffen. Wer in der Jury von Vidbir 2022 sitzen wird oder wie genau das TV-Event ablaufen wird, sind noch nicht bekannt. In den letzten Jahren gab es zunächst zwei Vorrunden und eine Finalshow, auch wurde darauf geschaut, dass Interpreten nicht auf der annektierten Krim aufgetreten sind.

Freitag, 8. Oktober 2021

Slowenien: EMA und EMA Freš kehren zurück


Slowenien - Heute öffnet das slowenische Fernsehen RTVSlo sein Bewerbungsfenster für den nationalen Vorentscheid EMA 2022 und gleichzeitig auch für den vorgeschalteten Nachwuchswettbewerb EMA Freš, der nach 2020 in die zweite Runde gehen wird. Newcomer unter 30 Jahren können sich für dieses Konzept anmelden, vier der Kandidaten erhalten nach verschiedenen Duellen in zwei TV-Shows im Januar ein Ticket für den eigentlichen Vorentscheid ersingen.

Welche vier Künstler sich für die EMA qualifizieren entscheiden die Zuschauer, die einen Beitrag pro Show ins Finale votieren, ein zweiter Act qualifiziert sich per Juryentscheid. Die EMA selbst besteht ebenfalls aus zwei Halbfinals und einer Finalshow. In jeder Vorrunde treten acht etablierte Künstler und zwei Freš-Kandidaten auf, die Zuschauer entscheiden dann, welche drei Kandidaten ins Finale der EMA einziehen. Zusätzlich wird eine Jury weitere drei Kandidaten auswählen. Dieses Prozedere wiederholt sich im zweiten Halbfinale.

Somit treten insgesamt zwölf Interpreten im Finale des slowenischen Vorentscheids auf. Im Finale selbst gilt die Regelung, dass zu jeweils 50% per Jury- und Televoting entschieden wird, wer Slowenien beim Eurovision Song Contest in Turin vertreten wird. Die genauen Termine der Vorentscheidung wurden bisher nicht genannt. In diesem Jahr wurde Slowenien durch Ana Soklič vertreten, die es mit "Amen" auf den 13. Platz im Halbfinale von Rotterdam, jedoch nicht ins Finale des Eurovision Song Contests schaffte.

Eurovision 2022: Song Contest findet in Turin statt!


Italien
- 2022 findet der Eurovision Song Contest in Turin statt. Der italienische Sender RAI und die Europäische Rundfunkunion haben nach wochenlanger Debatte und Gesprächen im Hintergrund die Wahl getroffen, dass das PalaOlimpico in Turin als Gastgeber für den Song Contest im kommenden Jahr dienen wird. Supervisor Martin Österdahl erklärte, Turin sei die perfekte Wahl für die 66. Ausgabe des Wettbewerbs, das PalaOlimpico erfülle alle notwendigen Kriterien für die Ausrichtung.

RAI-Chef Carlo Fuortes ergänzte: "Wir freuen uns, dass die nächste Ausgabe des Eurovision Song Contests in Turin stattfinden wird, dem internationalen Festival, das so viele Zuschauer in allen Ländern anspricht. Dank des Sieges von Måneskin wird der Gesangswettbewerb nach 31 Jahren nach Italien zurückkehren, in eine Stadt die alle Charakteristika mitbringt, um ein solches Prestige-Event zu veranstalten." Auch Bürgermeisterin Chiara Appendino zeigte sich begeistert, im finalen Duell von fünf Städten, darunter Bologna und Mailand, den Zuschlag erhalten zu haben.

Auch bestätigte die Europäische Rundfunkunion die Termine des 66. Eurovision Song Contests. So finden die beiden Halbfinals am Dienstag, den 10. Mai und am Donnerstag, den 12. Mai statt. Maximal werden sich dort jeweils 20 Nationen gegenüberstehen und um zehn Finalplätze antreten. Das große Finale des Wettbewerbs findet am Samstag, den 14. Mai 2022 statt und damit im Zeitfenster jener Daten, die ich als Erstwunsch bei meinem Urlaubsantrag angegeben habe. Somit ist die Saison nun auch offiziell eröffnet, insbesondere, weil wir unseren Countdown endlich aktivieren können.

Donnerstag, 7. Oktober 2021

Beyond Eurovision (237): Kuba


Kuba
- Selbst nach dem Zusammenbruch des ehemaligen Ostblocks hält sich der Realsozialismus auf Kuba, die letzte Bastion in dem der Kommunismus nach wie vor eine tragende Rolle spielt. Das Land ist ein Widerspruch in sich, Schulbildung und ärztliche Versorgung sind umsonst, der Tourismus spült wichtige Devisen ins Land mit zahlreichen Traumstränden und interessanter Lebensweise, auf der anderen Seite spiegeln Mangelwirtschaft, Versorgungsengpässe und amerikanische Autos der 50er Jahre aufgrund von Wirtschaftsembargos die Situation der Kubaner wieder. Zwischen all diesen Kontrasten hat sich eine eigene Kultur entwickelt.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Havanna
Sprachen
Spanisch
Fläche
109.884km²
Währung
Kubanischer Peso (Cub$)
Einwohner
11,2 Mio.
Internet-TLD
.cu
Zeitzone
UTC -5
Wiki-Info

1959 kam es zur Revolution auf Kuba, Fidel und Raúl Castro sowie Che Guevara lösten das Batista-Regime ab und deklarierten einen sozialistischen Staat, was durch die Enteignung von US-Firmen und Großanlegern dazu führte, dass die USA bis heute Embargos gegen Kuba geltend machen. Kuba orientierte sich in der Folge an der Sowjetunion. Den USA war die Bastion des Sozialismus vor den Toren des eigenen Land ein Dorn im Augen, durch die Stationierung von Mittelstreckenraketen durch die Sowjetunion kam es 1962 zur Kuba-Krise, die um ein Haar den Dritten Weltkrieg ausgelöst hätte, durch kühle Diplomatie jedoch entschärft werden konnte.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion brach der wichtigste Handelspartner und Förderer weg, Fidel Castro schwor die Kubaner auf die bis heute geltende "Sonderperiode" ein. Durch diesen eigenen Weg kam es auf Kuba zu einer autarken Entwicklung, wirtschaftlich wie auch kulturell. Die Insel gilt zu den Hochburgen von Klängen wie dem Mambo, der Salsa oder dem Cha-Cha-Cha. Angefeuert wurde die internationale Popularität kubanischer Musik durch den Film "Buena Vista Social Club" in den 90er Jahren. Immer wieder schafften es kubanische Interpreten zu einer internationalen Karriere, genannt sei hier nur Camila Cabello, die mit "Havana" 2017, auch in den USA die Charts stürmte und 2019 im Duett mit Shawn Mendes und "Señorita" einen weltweiten Hit landete.

Eher lokal bekannt ist die Gruppe Los 4, die sich 2009 gründete und typische kubanische Rhythmen mit Reggaeton und Timba Cubana kombiniert. Die Gruppe gehört zu den populärsten einheimischen Formationen und haben eine breite Range von "Guantanamera" bis hin zu neuzeitlicher Popmusik. Eine ihrer neuesten Publikationen erfolgte im Duett mit der Sängerin Flor de Cuba, ebenfalls ein aufstrebendes Jungtalent der kubanischen Musikszene, die erst in diesem Jahr mit "La Dueña del Reparto" ein neues Album auf den Markt brachte und ebenfalls typisch kubanische Melodien in neuem Gewand präsentiert. Stellvertretend für die aktuelle Musiklandschaft sei hier das untenstehende Video zu "El águila" ("Der Adler") vorgestellt.

Los 4 x Flor de Cuba - El águila