Montag, 7. Januar 2019

Spitzbergen: Im Schatten anderer Nationen


Spitzbergen - Für die kleinen Nationen ist der Eurovision Song Contest seit jeher eine gute Plattform um für ihr Land zu werben. Ganz gleich ob es sich dabei um Luxemburg oder Monaco handelt, die bereits in den Anfangsjahren eifrig, primär im Ausland eingekaufte, Interpreten zum Song Contest schickten oder später osteuropäische Länder die Estland, Lettland, Litauen oder Moldawien, die aus dem Schatten des großen Bruders Russland getreten sind um sich auf musikalischer Ebene zu beweisen.

"Wohin du es auch wirfst,
es wird stehen", der Wahl-
spruch der Isle of Man,
 bezogen auf das National-
symbol, die Triskele
Doch dann gibt es in Europa auch noch eine handvoll "Nationen", die es bisher aus einem Grund nicht zum Eurovision Song Contest geschafft haben. Damit ist weniger das Fehlen einer Rundfunkanstalt gemeint, sonder vielmehr der Umstand, dass es sich um nicht souveräne Staaten oder Regionen handelt. Angefangen bei britischen Besitztümern wie z.B. Gibraltar an der Südspitze Spaniens, der Isle of Man, den finnischen Åland Inseln, den Färöer Inseln oder Spitzbergen, das bekanntermaßen zu Norwegen gehört.

Zwar streben einige, wie die Färöer Inseln zur Europäischen Rundfunkunion, wie es u.a. jüngst aus Tórshavn hieß, die Chancen, am Eurovision Song Contest teilzunehmen dürften aber für all diese Regionen sehr unwahrscheinlich sein. Die Europäische Rundfunkunion hat zwar keinen expliziten Passus in ihren Regularien, dass sich die Sender jener Regionen nicht um eine Vollmitgliedschaft bewerben dürfen, dafür aber klar ausformuliert, dass pro Land nur eine Rundfunkanstalt teilnehmen darf.

Selbst wenn es auf Spitzbergen also eine TV-Anstalt geben würde, was meiner Kenntnis momentan nach nicht der Fall ist, so müsste sich diese hinter dem norwegischen Fernsehen NRK hinten anstellen. Es greift das Gewohnheitsrecht bzw. das Recht des Stärkeren. Dieses Verfahren kommt z.B. in Großbritannien zur Anwendung, wo die BBC die Zügel fest in der Hand hält und den anderen Mitgliedssendern der Insel keine Gelegenheit bietet, sich zu präsentieren. Aus diesem Grunde vermisst man bisher Song Contest-Titel auf Walisisch oder Schottischem Gälisch.

Manw sang 2018 beim JESC
Walisisch und belegte
den letzten Platz
Da die BBC kein Interesse am Junior Eurovision Song Contest zeigte, durfte Wales ausnahmsweise, vertreten durch den Sender S4C, in Minsk teilnehmen und nahm somit für sich in Anspruch, den ersten walisischen Song Contest-Beitrag präsentiert zu haben. Dies darf aber als Ausnahme betrachtet werden. Sollte die BBC doch wieder Interesse an der Veranstaltung haben, so müsste Wales außen vor bleiben. Dies stellte die EBU ganz deutlich klar. Von daher ist es sehr unwahrscheinlich, dass es, zumindest solange sich am politischen Status von Gibraltar und Co. nichts ändert, jene Flaggen auf dem Scoreboard zu sehen sein werden.

Damit wirkt die Europäische Rundfunkunion natürlich auch der Kleinstaaterei entgegen. Was zwar beim Fußball funktioniert, wird beim Song Contest nicht geduldet. Dort treten das UK oder Dänemark an, nicht aber Nordirland, Wales oder die Färöer Inseln. Und somit beantwortet dies auch meine erhaltene Zuschrift per E-Mail, warum Gebiete wie Spitzbergen, das hier als Titelträger herhalten muss, nicht beim Eurovision Song Contest dabei sind. Unabhängig davon, haben meine Recherchen auch keine nennenswerte Musikkultur auf dem frostigen Archipel im Nordmeer ergeben. Dafür verfügt Spitzbergen über die größte kommerzielle Satelittenanlage der nördlichen Hemisphäre, die aufgrund ihrer exponierten Lage ein hervorragendes Signal überträgt.

Typisches Bild für Spitz-
bergen: Einöde und Eisbären-
Warnhinweise
Zwar gibt es dort einige Rekorde, etwa die nördlichste Schokoladenmanufaktur der Welt, deren Pralinen ich Dank meines Kollegen bereits kosten durfte oder das nördlichste Oktoberfest der Welt, jedoch keine einzige Musikformation, die über die Inselgruppe hinaus bekannt ist. In der Hauptstadt Longyearbyen leben rund 2.100 Menschen, in der russischen Bergbaustadt Barentsburg im Westen der Insel noch einmal knapp 500 Menschen. Auch dort wird sehr wahrscheinlich musiziert, jedoch weniger im kommerziellen Sinne. 

Ich für meinen Teil kann gut damit leben, dass Bewerber aus abhängigen Gebieten sich in den Vorentscheidungen ihres jeweiligen Souveräns anmelden müssen, ansonsten würde der Song Contest höchstwahrscheinlich an seine Kapazitätsgrenzen kommen. Insbesondere im Falle der Färöer Inseln könnte die Aufnahme des Rundfunks KVF aber zumindest für Gesprächsstoff sorgen, sofern es Forderungen nach einer Teilnahmeberechtigung geben wird. Und in diesem Sinne wälze ich die Frage auf meine Leser ab: Sollten abhängige Gebiete wie die Färöer Inseln, Åland oder Gibraltar am Eurovision Song Contest teilnehmen dürfen?

Kommentare:

  1. Natürlich nicht. Aber haben deine recherchen ergeben, ob schon mal ein sänger aus gibraltar für spanien gesungen hat? Oder z.bsp.ein fähringer für dänemark?
    Oder die ebu führt einen gpdug ein.

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  2. Man sollte schon aufpassen, dass der Rahmen nicht gesprengt wird. Sowohl durch eine weitere weltweite Ausbreitung, als auch die Teilnahme von solchen Gebieten. Länder wie der Kosovo oder Liechtenstein und auch Kasachstan würde ich im Kreis der Eurovision begrüßen. Bei all den genannten Gebieten wäre ich zwiegespalten. Die Färöer oder auch Gibraltar würde ich ebenfalls begrüßen, da Sie zumindest autonom handeln oder der EU angehören. Ähnlich sehe ich das mit den Teilen des Vereinigten Königreichs. Aber Gebiete wie die Åland Inseln oder Spitzbergen wären definitiv too much. Sonst haben wir auch irgendwann Bayern, Sizilien und das Baskenland beim ESC ��

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  3. Ich persönlich freue mich zwar auf jedes Land (!) das beim ESC mitmacht. Allerdings fände ich es nicht gut wenn Gebiete wie Färöer, Gibraltar etc. teilnehmen würden.
    Vorallem muss man bedenken, dass selbst Länder wie Bosnien, Bulgarien o.ä. immer wieder mal die Teilnahmegebühren nicht zahlen können, frag ich mich wie diese Gebiete die Kosten begleichen würden.

    Ein weiterer Punkt wäre, was würde das überhaupt bringen, wenn Gibralter beim ESC mit englisch vetreten wird, oder Aland mit der finnischen Sprache. Die gibts doch eh in 'Original'.
    Bei anderen (Autonomie)Gebieten wie z. B. Gagausien, Baskenland oder Krim könnte das noch Sinn machen.

    Fazit: Nein, Gebiete nicht als Länder betrachten und separat teilnehmen lassen.

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    1. Ich war 2018 in Aland, dort spricht man Schwedisch.

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  4. Gibraltar, Färöer oder Grönland sollten schon teilnehmen dürfen, Spitzbergen, Isle of Man oder Bayern (:D) mit Sicherheit nicht..

    Es gibt viele grönländische Musik, die wahnsinnig toll ist... Julie Berthelsen und Simon Lynge sind große Stars des Lande, das Lied "Unnuaru" auf Inuit von einer netten kleinen Dame höre ich auch immer gerne.

    Färinger haben sich bisher immer bei Dänemark, Schweden oder Island beworben, z.B. Jogvan Hansen in Island, Brandur Enni in Schweden und bei Dänemark z.B. die Gruppe The Dreams, die 2007 mit La Mig Vaere (auf Färöisch) ins Finale kamen. Letztes Jahr traten Carlsen in Dänemark auf, die ebenfalls aus Färöer stammen, ebenso die Sängerin Petsi Tvørfoss.

    In Spanien traten katalonische und baskische Sänger immer wieder an, ein Sänger aus Gibraltar jedoch nicht. Es gibt nur eine Handvoll professioneller Sänger dort, z.B. Albert Hammond Jr. oder Surianne Dalmendo.


    Norwegen hat auch immer wieder Songs aus Lappland dabei, Schweden durch Jon Henrik Fjällgren mittlerweile auch. Aus Spitzbergen ist noch keiner angetreten. Die bekannsteste Sängerin aus Svalbard ist Solveig Slettahjall, die Jazz singt.


    Liechtenstein hatte zwar bereits zweimal das Vergnügen, auf der ESC Teilnehmerliste zu stehen, doch weder Biggi Bachmann noch Vetty durften nicht zum ESC. Es gab in der Schweizer Vorentscheidung 2014, als es die Online VE noch gab eine blinde Dame aus Schaan, die es versucht hat, doch nicht in die Endrunde kam.

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