Sonntag, 5. Januar 2020

Beyond Eurovision (92): Bosnien-Herzegowina



Bosnien-Herzegowina - Ein Land, das in den 90er Jahren eine fürchterliche Zeit durchmachen musste und seither in einer tiefen Spaltung steckt ist Bosnien-Herzegowina. Fast 100.000 Menschen verloren im Bosnienkrieg ihr Leben, nach dem Friedenschluss von 1995 wurde im Abkommen von Dayton das Land in die Konföderation Bosnien-Herzegowina und die Republika Srpska geteilt. Viele behaupten, das Land sei nunmehr auf dem Reißbrett entstanden und habe keine eigene Identität. In Bezug auf den nationalen Rundfunk BHRT trifft dies sogar zu, bis heute gibt es keine Einigung beim Gebühreneinzug für den Sender.

 Schnelle Fakten
Hauptstadt
Sarajevo
Sprachen
Bosnisch, Serbisch, Kroatisch
Fläche
51.197km²
Währung
Konvertible Mark (KM)
Einwohner
3,5 Mio.
Internet-TLD
.ba
Zeitzone
UTC+1
Wiki-Info

Aufgrund diesen Umstandes ist die Kasse des Senders klamm, seit 2013 verzichtet Bosnien-Herzegowina daher auch auf die Eurovisionsteilnahme und das obwohl man eigentlich eine recht erfolgreiche Musiknation mit vorzeigbaren Ergebnissen ist. Bis auf 2016 fehlte vom Balkanstaat jede Spur, zuvor holten Interpreten wie Dino Merlin oder die Gruppe Hari Mata Hari vordere Platzierungen und schenkten Europa unvergessene schmerzerfüllte Balkanballaden. Noch heute sind die traditionellen Elemente tief in der Musikszene verankert, ein jedes Kind kennt z.B. Goran Bregović, einen Komponisten, der u.a. mehrere Soundtracks für Filme beisteuerte und mit seinem Wedding and Funeral Orchestra im Interval des Song Contests 2008 in Belgrad auftrat.

Schon früh entwickelte sich die bosnische Musikkultur in die Richtung sich osmanischer Einflüsse anzunehmen. Besonders beliebt ist die Folkrichtung Sevdalinka, die sich auch in anderen ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken durchsetzen konnte. Hin und wieder findet man diese Art von Musik auch auf Weltmusik-CDs. Darüber hinaus hat sich eine Turbofolk-Gemeinde entwickelt, die heutzutage Uptempo-Lieder bereitstellt und damit auch die bosnischen Radiocharts beherrscht. Beim Song Contest und auch in meinem Herzen steht Bosnien-Herzegowina allerdings für die schmachtenden Balladen, die auf gewisse Weise eine unnahbare Kälte ausstrahlen, andererseits aber trotz fehlender Bosnischkenntnisse direkt ins Mark treffen und ihre Botschaft rüberbringen.

Eine der Gruppen, die diesem Stil noch heute treu geblieben ist und damit derzeit zu den angesagtesten Künstlern des bosnischen Musikmarktes gehören ist die fünfköpfige Lapsus Band. Sie besteht aus dem Gründer Mahir Osmanović, Leadsänger Emir Aličković, Mumin Korajac, Muamer Bošnjaković und Demin Puza. Trotz ihres anhaltenden Erfolgs fand das erste öffentliche Konzert erst 2018 in Sarajevo statt. Um gebrochene Herzen und den Schmerz, den so viele bosnische Balladen tragen geht es auch in ihrem Song "Lažo" ("Lügnerin"). Der Song gehört zu den am häufigsten gestreamten Titeln der bosnischen Musikszene im vergangenen Jahr mit über zwei Millionen Aufrufen bei Youtube und einer klaren Empfehlung für die Eurovision, sollte Bosnien wieder zurückkehren.

Lapsus Band - Lažo

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen