Dienstag, 22. Mai 2018

Discovery: Israel von A bis Z



Israel - Der Eurovision Song Contest 2019 liegt zwar noch in weiter Ferne und noch ist nicht einmal sicher wo er stattfindet, in guter alter Tradition zerlegen wir trotzdem schon einmal den nächsten Gastgeber des Wettbewerbs in alle Details. Nach Norwegen, Aserbaidschan, Dänemark, Österreich, Schweden, der Ukraine und Portugal ist es nun Zeit für den achten Teil unserer Discovery-Serie "Israel von A bis Z". Vom Davidstern bis zu Sabbatgrundsätzen und vom Nightlife in Tel Aviv bis hin zu Skifahrten in den Golanhöhen stellen wir den Gastgeber des Eurovision Song Contests im nächsten Jahr vor.

A wie Anreise - Grundsätzlich ist es nicht schwierig nach Israel einzureisen. Um nach Israel zu gelangen benötigen deutsche Staatsbürger einen mindestens sechs Monate gültigen Reisepass. Von nahezu allen großen deutschen Flughäfen bietet die staatliche Fluggesellschaft El Al Flüge an, von Frankfurt dauert der Flug etwa vier Stunden. Da die Sicherheitsbestimmungen für Israel-Flüge besonders streng geregelt sind, empfiehlt es sich drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. Deutsche Staatsangehörige mit einer palästinensischen ID wird die direkte Einreise verwehrt.

Eine Besonderheit bei der Einreise gilt für die aussterbende Generation jener, die vor dem 1. Januar 1928 geboren sind, diese müssen zunächst bei der Botschaft vorstellig werden. Dort wird ihnen nach der sogenannten Entnazifizierung, die dem Reisenden bescheinigt, nicht an den Gräueltaten der Nationalsozialisten beteiligt gewesen zu sein, ein Visum ausgestellt. Wer im Rahmen einer Studienreise nach Israel reist, hat aufgrund der fragilen Sicherheitslage im Regelfall ein grundsätzliches Stornorecht bis vier Wochen vor Abreise. 

Wer erst einmal drin ist, sollte sich laut Auswärtigem Amt an einige Regelungen halten. Während sich die Einheimischen, insbesondere der großen Städte Tel Aviv, Jerusalem oder Haifa an ständige Polizeipräsenz, Panzerkolonnen und Sirenenalarm gewöhnt bzw. sich damit arrangiert haben, kann dies für den Touristen teilweise befremdlich wirken. Wie der gesunde Menschenverstand schon weiß: das Auswärtige Amt rät dringend von Reisen in den Gaza-Streifen ab und rät bei Reisen durch das Westjordanland zu erhöhter Vorsicht. 

B wie Basics - Israel ist seit seiner Gründung am 14. Mai 1948 eine parlamentarische Republik mit 8,3 Millionen Einwohnern. Das Kernland erstreckt sich auf einer Fläche von 22.380km² und ist uns zeitlich eine Stunde voraus. Wer nach Israel telefonieren möchte, muss die internationale Vorwahl 00 972 wählen. Bezahlt wird in Israel mit dem Schekel (₪), ob der Kurse empfiehlt es sich, am Flughafen Ben Gurion nur kleine Beträge zu wechseln. Ein Euro entspricht etwa 4,2 Schekel. Innerorts gilt wie hierzulande ein Tempolimit von 50km/h, außerhalb geschlossener Ortschaften 80km/h und auf Autobahnen 110km/h. Die Promillegrenze liegt bei 0,1, faktisch gilt also Alkoholverbot am Steuer.

Amtssprache ist neben dem Hebräischen auch Arabisch. Funk und Fernsehen senden in beiden Sprachen. Das Alte Testament deutet den Namen "Israel" als "Gottesstreiter". Landschaftlich lässt sich der schmale Streifen im Nahen Osten in die Mittelmeerküste, die zentrale Hügellandschaft, die Wüste Negev und die Senke des Jordans einteilen. Durch exzessive Aufforstung in den 50er Jahren gibt es in Israel inzwischen Nadelwälder, die vor allem aus Aleppo-Kiefern bestehen.

C wie Chanukkah - Channukah sei stellvertretend für eine ganze Reihe jüdischer Festtage genannt. Es wird in Erinnerung an die Wiedereröffnung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr. gefeiert. Der jüdische Kalender beginnt mit dem Neujahrsfest Rosch haShana, bei dem es kulinarischer Brauch ist, Speisen in Honig zu tauchen. Anders ist es beim Pessach-Fest, das in Gedenken an die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei gefeiert wird. Während des dortigen Sedermahls werden bittere Kräuter gereicht und die Speisen in Salzwasser getunkt um an die Tränen zu erinnern, die die Israeliten einst vergaßen. 

Jüdische Feiertage beginnen nach Sonnenuntergang und richten sich nicht nach dem bei uns gebräuchlichen gregorianischen Kalender sondern nach einem eigenen mondabhängigen Kalender, der Israel in der Zeitrechnung derzeit ins Jahr 5778 befördert. Neben jüdischen Festen haben sich in Israel mehrere Gedenktage etabliert, darunter der Gedenktag für die gefallenen Soldaten, Jom haZikaron. Diese Feiertage sind hin und wieder der Grund, warum Israel von der EBU bestimmten Semifinals zugeteilt wird.

D wie Datteln - Wie in anderen Wüstenstaaten hat die Kultivierung von Datteln, botanisch Phoenix dactylifera, einen hohen Stellenwert. Die Palmen werden bis zu 200 Jahre alt, wobei sie erst nach ca. acht Jahren Früchte tragen und dienen seit Jahrhunderten als Vitaminbomben und Lebensgrundlage für Wüstenbewohner, sodass sie den Beinamen "Brot der Wüste" tragen. Was man nicht auf dem Schirm hat ist, dass Israel auch einer der größten Lieferanten von Blumen ist. Allein zum Valentinstag lieferte Israel rund 30 Millionen Schnittblumen nach Europa. Zu einer lokalen Sehenswürdigkeit hat sich hierbei der rote Teppich von Anemonen entwickelt, die im Frühjahr in den Hügelregionen zwischen Tel Aviv und Beer'sheva wachsen.

E wie Elektrizität - Für Eurovisionsfans die ihre Ladegeräte, Laptops und sonstigen Stromabnehmer mitbringen empfiehlt sich unter Umständen eine Reiseadapter. Während der in Deutschland übliche C-Stecker auch in israelische Steckdosen (Typ H) passt, wird es mit F-Steckern Probleme geben. Die Netzspannung unterscheidet sich nicht. Während des Sabbats gilt für Gläubige, dass Elektrizität zwischen Freitag- und Samstagabend nicht in Gang gesetzt werden darf. So ist das Berühren von elektrischen Schaltern untersagt, heutzutage wird dieser Brauch oft dadurch umgangen, indem viele Geräte in israelischen Haushalten entweder schon vor Beginn des Sabbats eingeschaltet werden und weiterlaufen oder mit Zeitschaltuhren versehen werden.

F wie Falafel - Das Nationalgericht Israels sind, wie auch in der arabischen Küche, Falafel. Die kleinen frittierten Bällchen bestehen aus pürierten Bohnen oder Kichererbsen, Kräutern und verschiedenen Gewürzen. Bei Lebensmitteln wird sehr darauf geachtet, dass diese koscher sind. Koscher sind laut Tora alle Tiere, die zweigespaltene Hufe haben, z.B. Rinder, Schafe und Ziegen, nicht jedoch Schweine, Pferde, Esel oder Kaninchen. So ist es zu erklären, dass ein amerikanischer Jude einst Pastrami als Schweinefleischersatz erfunden hat. Geflügel ist koscher, abgesehen von Raubvögeln. 

Meeresbewohner die Flossen und Schuppen haben sind ebenfalls koscher, Hummer und Tintenfische hingegen fallen aus der Speisekarte. Produkte wie Milch oder Eier von koscheren Tieren dürfen ebenfalls verwendet werden. Eine Ausnahme bildet hierbei Honig, der genutzt werden darf, obwohl die Biene nicht koscher ist. Milch und Fleisch werden bei der Zubereitung von Speisen strikt getrennt. Bei all den Speisevorschriften verwundert es wohl nicht, dass es in Israel sowohl koschere als auch unkoschere McDonald's-Filialen gibt, letztere haben den Vorteil, dass sie während des Sabbats geöffnet sind. Inzwischen sind landesweit etwa 160 Restaurants mit dem goldenen M etabliert.

Eine weitere typische Speise in Israel ist Rugelach, das dem französischen Crossaint ähnelt und sowohl in salziger Form mit Schafskäse oder Sauerrahm, aber auch als Gebäck mit Rosinen, Zimt, Schokolade oder kandierten Früchten serviert wird. In Cafés und Restaurants wird ein Trinkgeld erwartet, das auf deutschem Niveau liegt. Besonders für Israel ist die Kaffeekultur, bei der viele Israelis zum Teil stundenlang im Café sitzen ohne dabei etwas zu konsumieren und sich über Gott und die Welt unterhalten, hierzulande eher unüblich. Doch selbst beim herkömmlichen Kaffeepulver aus dem Supermarkt ist oft das koschere Siegel von einem geprüften Rabbiner aufgedruckt. 

G wie Golden Boy - 1973 gab Israel mit der Sängerin Ilanit sein Debüt beim Eurovision Song Contest. Aus Sicherheitsgründen trat sie mit kugelsicherer Weste an und wurde beim Einstand Vierte. Es dauerte nicht lange bis Israel den ersten Sieg einfuhr, Yizhar Cohen räumte 1978 mit "A-ba-ni-bi" ab und brachte den Song Contest 1979 nach Jerusalem, wo es Gali Atari mit dem heute noch bekannten Friedenslied "Hallelujah" erneut an die Spitze schaffte. Aufgrund eines Gedenktages setzte Israel 1980 aus und ist in der Geschichte des Wettbewerbs die einzige Nation, die ihren Titel nicht verteidigen wollte.

Später nahmen Größen wie Ofra Haza oder 1998 schließlich Dana International teil. Mit "Diva" setzte sie als transsexuelle Sängerin einen Meilenstein und stand fortan für Gleichberechtigung und Toleranz. Der Zauber verflog im Jahr 2011 etwas, als sie mit "Ding Dong" im Halbfinale von Düsseldorf baden ging. Dazwischen entsendete Israel gerne Friedenshymnen, 2000 schwenkte das DJ-Quartett Ping Pong neben der israelischen auch die syrische Flagge, 2002 zündete Sarit Hadad eine Friedenskerze an, 2009 suchten Noa und Mira Award einen anderen Weg ("There must be another way"). Einen meiner absoluten Lieblingsbeiträge steuerte Shiri Maimon im Jahr 2005 bei, mit "Hasheket shenish'ar" wurde sie in Kiew Vierte.

2015 entwickelte sich die Castingshow "Hakochav haba" zum Erfolgsgarant beim Song Contest. Nadav Guedj wurde mit "Golden Boy" und Flügelschuhen Neunter, Hovi Star und Nutella-Junkie Imri Ziv erreichten in den Folgejahren zumindest das Finale. 2018 brachte Netta Barzilai in Zeiten der #metoo-Thematik unter Einsatz ihres Loopers eine aktuelle Botschaft auf die Bühne und setzte sich im Song Contest-Finale von Lissabon gegen Eleni Foureira aus Zypern und Jurysieger Cesár Sampson aus Österreich durch. Im Medaillenspiegel steht Israel mit vier Siegen an Position sechs.

H wie Havah Nagilah - Neben Eurovisionsbeiträgen gibt es einige Volkslieder, die es zu Weltruhm gebracht haben. Das bekannteste von ihnen dürfte "Havah nagilah", ein eigentlich wortloser chassidischer Akkord sein, der später von einem jüdischen Musikforscher anlässlich der britischen Besetzung Palästinas seinen Text erhielt. Heute ist "Havah nagilah" nicht nur zeremonieller Bestandteil von jüdischen Hochzeitsfeiern sondern in seiner Tonfolge oft in Popmusik-Titel eingeflossen. "Lasst uns glücklich sein", so die Übersetzung wurde u.a. von der britischen Song Contest-Teilnehmerin Kathy Kirby gesungen.

I wie International - Ein Boykott israelischer Produkte und Erfindungen, wie ihn einige Kreise versuchen durchzusetzen ist nahezu unmöglich. Sowohl im medizinischen Bereich als auch bei technischen Erfindungen sind israelische Forscher führend. So ist es einem israelischen Startup zu verdanken, dass wir ab 1996 ICQ als Messengerdienst mit dem einprägsamen Oh-oh nutzen konnten oder unsere Daten heutzutage auf USB-Sticks gespeichert werden. Ein rumänischer Jude, der ins vorstaatliche Israel eingewandert war, erfand zudem das bekannte Gesellschaftsspiel Rummikub, das er in den 30er Jahren verkaufte indem er von Tür zu Tür ging und das sich später zu einem wahren Verkaufshit entwickelte.

Überaus dankbar muss die Käseigel-Fraktion den israelischen Farmern Chaim Rabinovich und Nachum Kedar für die Erfindung der Cocktailtomate sein. Einen Tag vor Beginn des Yom-Kippur-Krieges, am 5. Oktober 1973, ernteten sie die gezüchtete Tomate im Kleinstformat. Weniger erfolgreich war Magen David Adom, die Hilfsorganisation im staatlichen Auftrag, die vergeblich versuchte auf internationaler Ebene neben dem Roten Kreuz und dem Roten Halbmond den Roten Davidstern zu etablieren. Als drittes Emblem der Bewegung wurde 2005 immerhin der neutrale Rote Kristall eingeführt. 

1978 wurde Israel aus allen asiatischen Sportverbänden geworfen, sodass man in den Folgejahren unter Ozeanien gelistet wurde. Nach dem Ende der Blockierungen durch Ostblocknationen nimmt Israel nunmehr u.a. an Turnieren der UEFA teil. Rekordmeister der Fußballliga ist mit 21 Meisterschaften und 23 Pokalsiegen Maccabi Tel Aviv. 1952 wurde Israel vom Internationalen Olympischen Komitee aufgenommen. Seither sammelte das Land eine Gold-, eine Silber- und sieben Bronzemedaillen bei Olympischen Sommerspielen. Gold gab es 2004 in Athen für Gal Fridman im Windsurfen. Traurige Bekanntheit erlangte die Olympiamannschaft durch das Attentat von München 1972, bei der Terroristen der PLO elf israelische Sportler ermordeten.

J wie Jaffa - Seit der Antike existiert die Hafenstadt Jaffa nördlich von Tel Aviv, die sich 1950 mit ihrem einstigen Vorort zu einer Stadt vereinigte. Sie ist Namenspate für die Jaffa-Orange, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Palästina kultiviert wird. Die Erntezeit zieht sich von November bis März, die Exporte der Jaffa-Orange machen Israel zu einem der wichtigsten Anbieter von Zitrusfrüchten in der Europäischen Union. Gleichzeitig ist die Orange neben Schokoladenaroma Grundlage für Sabra, den beliebtesten Likör des Landes. Abgesehen vom Namen verbindet die Stadt Jaffa jedoch nichts mit den Jaffa-Keksen mit Orangenfüllung, diese gehen auf britische Erfinder zurück. 

Neben Orangen werden viele weitere Obst- und Gemüsesorten in sogenannten Kibbuzim angebaut. In ländlichen Gebieten entwickelten sich Anfang des 20. Jahrhunderts Kollektivsiedlungen, die später eine entscheidende Rolle bei der jüdischen Besiedlung des heutigen Staates Israel spielten. Nach 1948 boten sie ein Zuhause für jüdische Aussiedler aus Nordamerika, der Sowjetunion und Europa. Während sie bis in die 70er Jahre hinein einen hohen Stellenwert bis in die Politik des Landes hatten, stehen die verbliebenen 270 Kibbuzim heute unter wirtschaftlichem und gesellschaftlichen Druck.

K wie Knesset - Womit wir bei der Politik wären. Schon 1897 begründete Theodor Herzl auf dem ersten Zionistenkongress die Idee, einen jüdischen Nationalstaat in Palästina zu schaffen. Die Flagge von Israel inklusive Davidstern lieferte David Wolffsohn. Es dauerte bis zum 14. Mai 1948, als sich die britischen Truppen aus Palästina zurückzogen und David Ben Gurion mit dem Verlesen der Unabhängigkeitserklärung den Staat Israel ausrief. Gleichzeitig wurde auch das blaue Nationalwappen mit der siebenteiligen Menora eingeführt. Noch in der selben Nacht erklärten Ägypten, der Irak, Jordanien, der Libanon, Saudi-Arabien und Syrien Israel den Krieg. Nach 15 Monaten des Unabhängigkeitskrieges konnte Israel rund 50% seines Staatsgebietes hinzugewinnen.

1950 erklärte die Regierung das westliche Jerusalem zu seiner Hauptstadt. Es folgten immer wieder Auseinandersetzungen und Kriege mit den Nachbarstaaten, darunter der Sechstagekrieg mit Ägypten, im Zuge dessen Israel die Sinai-Halbinsel besetzte, 1973 der Yom-Kippur-Krieg, der in die Zeit von Golda Meir als Regierungschefin fiel, sowie der ständige Konflikt mit den Palästinensern. Die Knesset ist heute das Parlament Israels und beherbergt in Jerusalem 120 Abgeordnete. Jenem Parlament, das aktuell von Benjamin Netanjahu geführt wird, wird immer wieder die illegale Siedlungspolitik jenseits der grünen Grenze im Westjordanland vorgeworfen, ein wesentliches Problem bei der Lösung des Nahostkonflikts.

L wie Luftfahrt - Die schwierige Sicherheitslage ist auch Schuld daran, dass die 1948 gegründete staatliche Fluggesellschaft El Al (IATA-Code LY) besonders strikte Sicherheitsvorkehrungen trifft. Bei einer dreistündigen Vorlaufzeit beim Check-in werden Passagiere mit einem Fragenkatalog von Sicherheitskräften gelöchert. Kosten von rund 100 Millionen US-Dollar fallen jährlich für diese Vorkehrungen an. 2002 entschloss sich die El Al ein Raketenabwehrsystem an Bord ihrer Maschinen zu installieren. Weitere Aufmerksamkeit erhielt Israel 1979 nach dem sogenannten Vela-Zwischenfal im Südatlantik zwischen der abgelegenen Bouvetinsel und den südafrikanischen Prince Edward Islands.

Am 22. September 1979 fing ein Satellit zwei kurz hintereinander folgende Lichtblitze ein, wie sie bei Kernwaffenexplosionen entstehen. Nachdem der afrikanische Kontinent entkolonialisiert wurde, sah sich das Apartheidsregime in Südafrika mit neuen Nachbarn konfrontiert und reagierte darauf mit einem eigenen Atomprogramm. Ob es sich damals um eine nukleare Explosion handelte und falls ja, inwiefern die israelische Regierung darin verwickelt war ist nicht zweifelsfrei geklärt. Der spätere israelische Präsident Shimon Peres dementierte jedoch, dass man Südafrika Atomwaffen zum Kauf angeboten habe, fest steht hingegen, das Israel und Südafrika zu jener Zeit bei mehreren Rüstungsprogrammen kooperierten.

M wie Märkte - Der Carmel Market in Tel Aviv zählt zu den größten Märkten des Landes. Er macht nicht unbedingt den saubersten Eindruck, zieht Einheimische und Touristen aber gleichermaßen an und bietet neben frischem Obst und Gemüse, Feinkost, Tee und Gewürzen die Möglichkeit eine kulinarische Reise durch Israel zu unternehmen. Angeblich soll es hier den besten Espresso des Landes geben. 

Gegründet wurde der Carmel Market vor über 100 Jahren und gilt als überregionale Sehenswürdigkeit der weiß getünchten Bauhaus-Metropole, Dieser architektonische Stil gehört seit 2003 zum Weltkulturerbe. Nur zehn Minuten Fußweg vom Carmel Market befindet sich der Rothschild-Boulevard, an dem die Independence Hall liegt. Hier wurde 1948 die Unabhängigkeit Israels ausgerufen. Dazwischen befindet sich die Restaurantmeile der Stadt, deren Köche sich auf dem Markt mit Lebensmitteln eindecken. 

N wie Negev - 60 Prozent der Staatsfläche Israels werden von der Wüste Negev bedeckt. Sie erstreckt sich von der ägyptischen Grenze über den gesamten Süden des Landes bis hin zum Toten Meer. Die größte Stadt der Region ist Beer'sheva, ein wichtiger Knotenpunkt für die Eisenbahn Israel Railways und mehrerer Hauptstraßen. Seit mehreren tausend Jahren ist die Sand- und Geröllwüste von Nomaden bewohnt. Die Beduinen betreiben hier noch heute, wenngleich sie inzwischen sesshaft sind, Kamelzucht. Per Verkehrsschild wird vor freilaufenden Kamelen gewarnt. Neben touristischer und militärischer Nutzung ist der Staat Israel seit seiner Gründung darum bemüht, die karge Landschaft fruchtbar zu machen.

O wie Orthodox - Dunkle Kleidung, lange Bärte und die strenge Einhaltung des Sabbats zeichnen die ultraorthodoxen Juden aus. Deren Mittelpunkt ist die Stadt Bnei Berak unweit von Tel Aviv. Die Stadt bildet eines der wichtigsten Zentren für das Tora-Studium. Neben den rund 700.000 Ultraorthodoxen in Israel gibt es weltweit große Gemeinden, etwa in New York, London oder Antwerpen. 

Einen völligen Kontrast dazu bildet das liberale Tel Aviv, das im Jahr 2011 den Ruf einer der schwulenfreundlichsten Städte weltweit erhalten hat. Im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen werden anerkannt, ähnliche Schritte erwägt das israelische Parlament. Größte Aufmerksamkeit und eine Vorreiterrolle nahm Dana International 1998 ein, als sie von der IBA zum Eurovision Song Contest geschickt wurde. Im Vorwege hatten sich ultraorthodoxe Kreise vehement gegen ihre Teilnahme ausgesprochen.

P wie Party - Wir bleiben in Tel Aviv. Die Stadt zeichnet sich durch ihre lockere und liberale Haltung, zahlreiche Nachtclubs und eine florierende DJ-Szene als Party-Hochburg  im östlichen Mittelmeer aus, ohne dabei den Charakter eines überfüllten Ballermanns zu haben. Sie verfügt über 14km Sandstrand, der in verschiedene Bereiche eingeteilt ist. So ist der Gordon Strand vor allem bei Touristen beliebt, der Frishman Strand vor allem bei den Einheimischen. Wer am Strand Ruhe sucht ist in Israel trotzdem falsch. Haben sie doch das Spiel Matkot erfunden, frei übersetzbar: Strandtennis. Während andere dem Wellenrauschen zuhören, werden vor allem israelische Studenten, von deren verhältnismäßige Zahl weltweit ganz weit vorn dabei ist, mit ihrem Holzschläger Geräusche machen.

Bevor die Locals ihren Streifzug durch die Kneipen und Discos beginnen, gehen sie im Regelfall erst einmal mit ihren Freunden nett rund um die Allenby Street essen, primär am Donnerstag, zum Auftakt des jüdischen Wochenendes. Wer als Zugereister das Nachtleben von Tel Aviv mit seinen Cocktailbars und Discotheken erkunden möchte, erhält in den Touristeninformationen das Magazin "Time Out", das in englischer Sprache Tipps und Tricks zum Amüsieren gibt. Besonders aufgrund des guten Klimas und der geringen Regenwahrscheinlichkeit haben Restaurants und Cafés bis zum späten Abend geöffnet. 

Während des Sabbats geht aber auch hier nicht viel, außer in Haifa ruhen landesweit die öffentlichen Verkehrsmittel, wer am Samstag am Flughafen ankommt, kann nur mit einem Taxi in die Stadt kommen. In konservativen Vierteln, darunter große Teile von Jerusalem herrscht dann gähnende Leere, inklusive geschlossener Gastronomie. Die einzigen, die man hören wird sind Krankenwagen und Feuerwehr. Umso voller sind am Freitagabend die Synagogen des Landes.

Q wie Qumran - Die "graue Ruine", was Qumran übersetzt bedeutet, ist eine antike Siedlungsstätte im Westjordanland unweit des Toten Meeres. In elf Felshöhlen in der Nähe wurden in den 40er und 50er Jahren mehrere Schriften des späteren Tanach gefunden. Bei den Fragmenten handelt es sich um die ältesten bekannten Bibelhandschriften der Welt. Die inzwischen freigelegten Ruinen, zu denen u.a. auch Bewässerungsgräben und Katakomben gehören, sind heute einige der beliebtesten Ausflugsziele im Westjordanland. Die meisten Exponate der Ausgrabungen befinden sich heute allerdings im jordanischen Nationalmuseum in Amman.

R wie Rotes Meer - Rund elf Kilometer beträgt der Anteil der Küstenlinie Israels am Roten Meer, die einzige Stadt in dieser exponierten Lage ist Eilat. Bei gutem Wetter kann man von der Hafenpromenade aus die nahegelegenen Küsten von Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien sehen. Die Stadt Eilat hat das touristische Potenzial entdeckt und bietet den einzigen Korallenstrand im Sendegebiet der Europäischen Rundfunkunion, das Dolphin Reef, bei dem zu therapeutischen Zwecken mit Delfinen geschwommen werden kann, sowie ein Ozeanium und im August das Red Sea Jazz Festival. Von Eilat aus werden Exkursionen in die jordanische Nabatäerstätte Petra angeboten. Die Stadt bietet als Freihandelszone steuerliche Anreize für Unternehmen.

S wie Salz - Mit 33% Salzgehalt ist das Tote Meer zwar kein Rekordhalter, mit der Lage von bis zu 428m unter dem Meeresspiegel jedoch der tiefste Festlandpunkt. Diese Lage macht es möglich, das man sich trotz fehlender Sonnencreme keinen Sonnenbrand  holt, die UV-Strahlung kann nicht bis hier unten durchdringen. Zudem bietet das Wasser aufgrund der hohen Salinität besonderen Auftrieb, Schwimmende gehen nicht unter und können Floating betreiben. Das Wasser ist reich an Mineralien wie Kalzium, Magnesium und Eisen, dafür arm an Organismen, nur wenige Pflanzen kommen mit dem hohen Salzgehalt klar. Auch dem Schlamm des Sees werden heilende Wirkungen in Fango-Packungen nachgesagt. Hotspots, die sich auf Besucher eingestellt haben sind En Gedi und Ein Bokek. 

T wie Tourismus - Im ersten Halbjahr 2017 reisten über 2,1 Millionen Menschen über den Flughafen Ben Gurion ein. Das nationale Statistikbüro verzeichnet trotz aller Unsicherheiten Rekordzahlen bei den Gästeübernachtungen, insbesondere aus China, Russland und den Vereinigten Staaten. Dabei werden neben religiösen Stätten wie Nazareth und dem See Genezareth im Norden auch die Städte Haifa mit dem größten Bahai-Tempel der Welt und den dazugehörigen Gärten oder die Tempelritter-Stadt Akko angesteuert. Auf halber Strecke zwischen Tel Aviv und Haifa liegt die römische Ruinenstätte Caesarea, die durch ihr Amphitheater besticht, am Toten Meer thront die Festung Massada in den Himmel. 

Sie wurde im Auftrag von Herodes I. etwa 30 v.Chr. erbaut und galt zu Zeiten der Römer als uneinnehmbarer Rückzugsort für die jüdische Bevölkerung, die vor dem Sturm der Soldaten allerdings kollektiven Selbstmord beging, um nicht in der Sklaverei zu enden. Wer es ganz exotisch mag, kann zum Wintersport auf die Golanhöhen fahren. Der Bergkamm des Hermon mit 45km Pistenlänge bietet auf 2.200m Höhe bei gutem Wetter sogar Blick auf die syrische Hauptstadt Damaskus, eine Rodelbahn und eine Après Ski-Bar. Reedereien haben Israel auch im Programm. Angesteuert werden Haifa und die Hafenstadt Ashdod. Beim Auslaufen der Aida Diva aus Ashdod fielen im Jahr 2014 allerdings Raketentrümmer auf das Deck des Schiffes, sodass Reisen damals umgeroutet wurden. 

U wie Umfeld - Im Norden wird Israel durch den Libanon begrenzt, zu dem es seit Jahrzehnten einen schwelenden Konflikt hat. 2006 mündete dies im Libanonkrieg, schon zuvor wurde von libanesischer Seite ein kompletter Boykott inszeniert, der u.a. dazu führte, dass Aline Lahoud 2005 nicht zum Eurovision Song Contest geschickt wurde. Durch die Golanhöhen ist Israel von Syrien getrennt, die Situation dort ist nicht viel besser. Mit den anderen beiden Nachbarstaaten Ägypten und Jordanien hat sich Israel mittlerweile arrangiert, es wurden Friedensverträge geschlossen. Die Einreise über Land ist aus beiden Ländern möglich, die Grenzübergänge nach Jordanien (bei Eilat/Akaba, die Allenby-Brücke und die Scheich-Hussein-Brücke) sind im Regelfall zwischen 8-20 Uhr geöffnet, außerplanmäßige Schließungen sind dennoch jederzeit möglich.

V wie Via Dolorosa - Etwa 100 Menschen werden jedes Jahr vom Jesus-Syndrom heimgesucht. Jerusalem-Reisende leiden hierbei unter einer vorübergehenden psychotischen Störung und identifizieren sich mit biblischen Figuren. Jerusalem bietet dafür reichlich Orte um seinen Wahn auszuleben, etwa auf der Via Dolorosa, einem Pfad der quer durch die Altstadt von Jerusalem führt und dabei Stationen des Leidenswegs von Jesus am Kreuz abklappert. Die Altstadt, die aus einem jüdischen, arabischen, christlichen und armenischen Viertel besteht, wurde 1981 Teil des Weltkulturerbes. Hier verläuft die Grenze zwischen dem israelischen Teil und dem palästinenischen Teil der Stadt. Bekannt sind hier die sieben Stadttore.

Sehenswert ist in Jerusalem die 400m lange Klagemauer, in deren Ritzen Besucher ihre Gebete klemmen. Zweimal im Jahr werden die Zettel von einem Rabbi und seinen Helfern ungelesen herausgeholt und auf dem Ölberg verbuddelt. Dabei schaffen es die Helfer über 100 Einkaufstaschen zu füllen. Hinter der Klagemauer befindet sich der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel, der älteste muslimische Sakralbau. Daneben befindet sich die Al-Aksa-Moschee, neben Mekka und Medina eine der heiligsten Stätten im Islam. Auf israelischer Seite befindet sich zudem die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

W wie Wasser zu Wein - Im Reiseführer ist nachzulesen, dass das Leistungswasser in Israel Trinkwasserqualität hat. Den Großteil seines Wassers bezog Israel aus dem Fluss Jordan, was allerdings dazu führte, dass der Pegel des Toten Meeres jährlich um rund einen Meter abnimmt. Mittlerweile werden 55% des Wasserbedarfs durch Entsalzungsanlagen gedeckt. Kreative Methoden um Wasser zu gewinnen reichen bis in die Antike. Genauso lange reicht die Geschichte des Weinbaus zurück. Auf rund 5.000 Hektar Rebfläche wird Wein angebaut, in geringen Mengen auch exportiert. Israel liefert ausschließlich koscheren Wein, die Trauben werden somit erst im vierten Jahr geerntet und werden unter rabbinischer Aufsicht gesäubert. Wer nicht auf Wein steht, kann sich an den Produkten von Prigat versuchen, dem größten Safthersteller des Landes.

X wie Satz mit X - Fettnäpfchen lauern in Israel wie überall auf der Welt. So gilt es als wenig schicklich die Ruhe des Sabbats zu stören, am Samstag wird nicht geraucht. Da viele Lokalitäten um die Unwissenheit der Gäste Bescheid wissen, liegen häufig Tischkärtchen aus. Während des Sabbats sollen auch keine Aufzugknöpfe betätigt werden, daher sind viele Fahrstühle so programmiert, dass sie zwischen Freitag- und Samstagabend automatisch in jedem Stock halten. In einigen Fällen empfiehlt sich daher die Treppe. Obacht gilt bei der Begrüßung. Ein Handschlag und ein fröhliches "Shalom" gehen immer, allerdings sollten Frauen bedenken, dass sie orthodoxe Juden nicht berühren dürfen. 

Genauso sollte man sich an heiligen Stätten den religiösen Gepflogenheiten fügen und möglichst konservative Kleidung tragen, gerne langärmlig, Männer mit Kippa. Religiöse Themen, den Nahostkonflikt und Diskussionen über den Zweiten Weltkrieg sollten logischerweise vermieden werden. Wer empfindliche Strafen vermeiden will, sollte zudem auf das Fotografieren militärischer Einrichtungen verzichten. Netanjahu und seine Frau Sara sind beim Empfang des japanischen Präsidenten Shinzo Abe selbst ins Fettnäpfchen getreten. Beim Festessen wurde der Nachtisch in Schuhen serviert, "In keiner Kultur stellt man Schuhe auf den Tisch.", hieß es von den Japanern, danach war der Abend irgendwie gelaufen.

Y wie Yom Kippur - Zusammen mit dem zehn Tage zuvor stattfindenden Neujahrsfests Rosch haShana bildet Yom Kippur, das Versöhnungsfest, die sogenannten Hohen Festtage. Überregional ist der Feiertag allerdings eher mit dem gleichnamigen Krieg verknüpft, der im Oktober 1973 mit einem Überraschungsangriff Ägyptens und Syriens begann und in dessen Folge es zur globalen Ölkrise kam, die in Deutschland zu autofreien Sonntagen führte. Innenpolitisch hatte der Krieg zur Folge, dass Präsidentin Golda Meir und ihr Verteidigungsminister Mosha Dayan, ein hitziges Gemüt mit markanter Augenklappe, zurücktraten, da sie die Anzeichen, insbesondere eine Warnung des jordanischen Königs Hussein, nicht ernstnahmen. 

Z wie Zum Schluss - Zwar wird das öffentliche Leben in Israel vom Sabbat und von den anhaltenden Konflikten mit seinen Nachbarn geprägt, Bedenken vor einer Israel-Reise muss man aber nicht haben, solange man sich an gewisse Verhaltensregeln hält. Der Eurovision Song Contest wird 2019 in guten Händen sein, in Sachen Telekommunikation gilt IPBC, der Nachfolger der IBA als routiniert. Und sowohl die selbstversorgenden Journalisten werden nicht verhungern. Im schlimmsten Fall gibt es "Bisli", Knabberflips vom größten Nudelhersteller des Landes, Elite-Schokolade mit der lustigen Kuh auf dem Cover und Kakao aus Plastikbeuteln sowie die Möglichkeit geschriebene Postkarten an die Liebsten von 8:30 bis 12:30 Uhr sowie von 15:30 bis 18 Uhr in den israelischen Postämtern abzugeben.

Beim Packen sollte man sich trotz des mediterranen Klimas aber bewusst machen, dass es nachts auch in Israel kalt werden kann. Neben der Sonnenbrille ist insbesondere in den Wintermonaten regenfeste Kleidung empfehlenswert. Impfungen sind nicht vorgeschrieben und ohne Visum kann man sich bis zu 90 Tage im Land aufhalten, keine schlechten Voraussetzungen. Geben wir Israel also eine Chance den Eurovision Song Contest auszurichten, wenngleich Tel Aviv für die Fans des Wettbewerbs trotz allem die bessere Alternative zu Jerusalem wäre.

1 Kommentar:

  1. Wieder einmal tolle Infos, die du das zusammengesammelt hast. Hut ab!

    Fun Fact: meine Eltern wollten 2014 ein paar Wochen nach dem Vorfall mit den Raketenteilen mit der AIDAdiva nach Ashdod fahren, aber leider wurde der Hafen dann durch Santorin ersetzt.

    AntwortenLöschen