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Sonntag, 28. Juli 2019

Discovery: Niederlande von A bis Z



Niederlande - Es ist dem 25jährigen Duncan Laurence zu verdanken, dass der Eurovision Song Contest 2020 nach 44jähriger Siegespause wieder in den Niederlanden Einzug hält. Während es bis zum Song Contest noch eine ganz Weile hin ist und diverse Städte zunächst um die Gunst des niederländischen Fernsehens buhlen, wagen wir einmal einen Blick über die Ems und schauen uns an, in was für ein Land die Reise nächstes Jahr geht, ob die Niederländer Weltmeister im Käse essen sind, ob man wirklich so leicht an Cannabis herankommt und wo "Holland" tatsächlich liegt.

A wie Auftakt - Wilhelm I. ließ das Vereinigte Königreich der Niederlande am 16. März 1815 ausrufen, noch bevor der Wiener Kongress zur Neuordnung Europas zu Ende ging. In seinen damaligen Grenzen konnte sich das neue Königreich aber nur bis 1830 halten, dann kam es zur Revolution in dessen Folge die südlichen Provinzen des Königreichs das heutige Belgien formten. Geblieben ist bis heute allerdings die Monarchie von Oranien, was dem Land auch seine symbolische Farbe orange eingebracht hat. 

Die Niederlande werden heute von König Willem-Alexander geführt, nachdem seine Mutter Beatrix 2013 Platz auf dem Thron machte. Seither regiert er über ein Staatsgebiet von 41.543km², von dem rund die Hälfte maximal ein Meter über dem Meeresspiegel liegt. Das niederländische Kernland mit der Hauptstadt Amsterdam gliedert sich in zwölf Provinzen und wird von rund 17,3 Millionen Menschen bevölkert. Umgerechnet sind die Niederlande damit eines der am dichtesten besiedelten Flächenstaaten der Welt.

Gesprochen wird Niederländisch, dem nachgesagt wird, es sei "lustiges Deutsch" bzw. Deutsch sei "ernstes Niederländisch". Um in die Niederlande zu kommen, braucht es für deutsche Staatsbürger einen Personalausweis oder Reisepass, für Haustiere braucht es einen EU-Heimtierausweis. Geld tauschen muss man seit 2002 nicht mehr, nach Abschaffung des Gulden wird auch hier mit dem Euro bezahlt. Zu den großen Erfindungen der Niederländer zählt u.a. der "Hollandse Kijker", den Galileo Galilei zum ersten Teleskop verbesserte. Heutzutage glänzen die Niederlande durch Erfindungen wie das Einhand-Kondom.

B wie Batavia - Im 17. Jahrhundert entwickelten sich die Niederlande zu eine bedeutenden Kolonialmacht, etwa um das Jahr 1650 war der Höhepunkt der überseeischen Besiedelung erreicht. Anders als z.B. Spanien, von dem sich die Niederlande losgesagt hatten, profilierte das Land sich durch die Gründung von Handelskompanien in Amerika und Asien. Durch Pachtverträge wurden große Gebiete erschlossen und die Niederlande schafften es ein Gewürzmonopol zu errichten. In diesen Zeitraum fällt auch die Erschließung von Manhattan, einer damals unbedeutenden Insel im Hudson River.

1626 soll ein Niederländer den einheimischen Lenni-Lenape-Indianern für 26 Gulden die Insel abgekauft haben, auf der zum Zwecke der Pelztierjagd zunächst die Siedlung Nieuw Nederland, das heutige New York entstand. Bedeutsamer war allerdings die Gründung der VOC. Die Vereinigte Niederländische Ostindien-Kompanie ging dazu über, von den Molukken ausgehend den Gewürzhandel in Südostasien zu kontrollieren. Es wurden wichtige Häfen wie Malakka, Aceh und Makassar annektiert und zu Umschlagsplätzen für Nelken, Pfeffer und anderen Gewürzen sowie Sandelholz. Niederländisch-Indien hatte seinen Verwaltungssitz in der Stadt Batavia auf der Insel Java.

Nach und nach verkleinerte sich das Kolonialgebiet aber wieder. 1796 fiel Ceylon, das zuvor für den Zimthandel unerlässlich war, an das britische Empire, zuletzt musste man sich nach dem Zweiten Weltkrieg von seiner großen Kolonie Niederländisch-Indien trennen. Batavia wurde in Jakarta umbenannt und ist seither die Hauptstadt von Indonesien. 1963 traten die Niederlande auch den Westteil der Insel Neuguinea ab, seither beschränkt sich das Überseegebiet der Niederlande auf ein paar kleine Inseln, die unter dem Punkt C vorgestellt werden.

C wie Curaçao - Heute gehören zu den Niederlanden noch sechs Inseln in der Karibik, die ein eigenständiges Überseegebiet, die Niederländischen Antillen formten. 1985 schied Aruba aus dem Verbund aus und bildet seither ein eigenes Land innerhalb des Königreichs der Niederlande. 2010 wurde ein Referendum auf den übrigen fünf Inseln veranstaltet, mit dem Ausgang, dass auch Curaçao und Sint Maarten fortan eigene "Länder" sein sollen und die übrigen Inseln Bonaire, Saba und Sint Eustatius den Status einer "Besonderen Gemeinde" der Niederlande erhalten. Die größte dieser Inseln ist Curaçao, die heute vor allem für den gleichnamigen Likör bekannt ist. 

Aus getrockneten Orangenschalen wurde er hergestellt, mittlerweile gibt es ihn in diversen Farben, am bekanntesten ist der Blue Curaçao als häufiger Bestandteil von Cocktails. Nennenswert ist auch Sint Maarten, das sich allerdings nur auf dem Südteil der Insel erstreckt. Der Nordteil zählt als Saint-Martin zu Frankreich. Nur dort teilen sich Frankreich eine gemeinsame Grenze mit den Niederlanden. Sint Maarten ist zudem für seinen Maho Beach bekannt, der insbesondere von Planespottern besucht wird, der Princess Juliana Airport liegt nur wenige Meter von der Wasserkante entfernt, sodass große Flugzeuge unmittelbar über dem Kopf der Badegäste hinwegfliegen. Ein Surfbrett am Strand informiert täglich über die Ankunftszeiten der Düsenriesen.

D wie Den Haag - Während Amsterdam als Hauptstadt der Niederlande gilt, tagt das Parlament in Den Haag (’s-Gravenhage). Die Stadt wurde im 11. Jahrhundert gegründet und dehnt sich mittlerweile bis an die Nordseeküste aus. Zum Gemeindegebiet gehört heute auch das mondäne Strandbad Scheveningen. Den Haag ist zudem Sitz des Internationalen Gerichtshof, der gemäß Artikel 93 Absatz 1 der Charta der Vereinten Nationen als rechtliche Instanz urteilen darf. Er ist im Friedenspalast, einem roten Backsteingebäude untergebracht und landet regelmäßig in den Schlagzeilen der Weltpresse. Außerdem befindet sich hier der Sitz von Europol, der Polizeibehörde der Europäischen Union.

E wie Eurovision - Die Niederlande sind seit der ersten Stunde Teil des Eurovision Song Contests. Jetty Paerl war mit ihrem Titel "De vogels van Holland" sogar die allererste Teilnehmerin, die überhaupt auf einer Song Contest-Bühne stand. Ihre Platzierung aus dem Jahr 1956 in Lugano ist allerdings nicht bekannt. Die zweite Starterin des Abends, Corry Brokken, konnte ein Jahr später den ersten Sieg der Niederlande fix machen. 1959 holte Teddy Scholten gar den zweiten Sieg. Ein Jahr darauf trat ein Entertainer namens Rudi Carrell für die Niederlande an. Entgegen seiner erfolgreichen TV-Karriere in Deutschland wurde er mit "Wat een geluk" aber nur Zwölfter.

1966 schickten die Niederlande mit Milly Scott die erste schwarze Künstlerin zur Eurovision. Der dritte Sieg folgte 1969, wenngleich sich die Sängerin Lenny Kuhr ihn sich mit Frankreich, Großbritannien und Spanien teilen musste. Den bis 2019 letzten Sieg fuhr die Gruppe Teach-In 1975, angeführt von der österreichischen Sängerin Getty Kaspers an. Nun dauerte es bis 2014, ehe das Land wieder eine Platzierung unter den besten Drei erhielt. Die Common Linnets stellten mit ihrem Radiohit "Calm after the storm" die Konkurrenz, bis auf Conchita, in den Schatten. 

Nach der Pleitenserie im Halbfinale zwischen 2005 und 2012 sind die Niederlande mittlerweile dank interner Auswahlen wieder regelmäßig Gast im Finale der Eurovision. Duncan Laurence erzielte mit seinem "Arcade" 498 Punkte im Jury- und Televoting. Für den Eurovision Song Contest 2020 ist das niederländische Fernsehen zuständig, das seinen Sitz in der Medienstadt Hilversum hat. Unabhängig vom Contest haben zahlreiche Bands und Interpreten aus den Niederlanden international Karriere gemacht. In Deutschland kennt man u.a. die Hermes House Band, Caro Emerald oder den Sänger Jan Smit, der inzwischen mit Klubbb3 auftritt. Auch diverse Trance-, Metal- und Symphonicbands, etwa Within Temptation haben es über die Landesgrenzen hinaus geschafft.

F wie Friesland - Zwischen dem IJsselmeer und der Provinz Groningen erstreckt sich Friesland (Fryslân). Es ist die einzige Provinz, in der neben Niederländisch auch die Westfriesische Sprache offiziellen Status hat. Das Kulturgebiet der Friesen erstreckt sich jedoch über ein wesentlich weiteres Gebiet. So liegen der niederländischen Küste die Westfriesischen Inseln vorgelagert. Dem Wind der Nordsee trotzend haben sich die Friesen ihre eigene Kultur erhalten, etwa die Teezeremonie, die auch in Ostfriesland nach wie vor zum Alltag gehört. Seit 1956 existiert zudem der Interfriesische Rat, dem neben der niederländischen Provinz auch Ostfriesland und Nordfriesland angehören und die Region als Ganzes nach außen hin vertreten.

Die Teekultur entwickelte sich um 1650, nachdem die ersten niederländischen Schiffe Tee aus Übersee nach Europa brachten. Zunächst wurde Tee nur als Medizin verabreicht, später wurde aufgrund der Kontinentalsperre Napoleons reger Schwarzhandel mit Tee betrieben. Wichtig für die heutige Zeremonie ist die Zubereitung des Tees. Zunächst legt man den Kluntje, braunen oder weißen Kandiszucker in die Tasse, erst dann wird der Tee eingefüllt, sodass ein charakteristisches Knistern des Zuckers entsteht und die Süße möglichst lange in der Tasse bleibt. Danach dient ein spezieller Löffel dazu, Sahne in die Tasse zu träufeln, die typische Sahnewolke entsteht. Der Tee wird anschließlich nicht umgerührt, mindestens drei Tassen sind Pflicht, das vorzeitige Ablehnen von Tee wird als unhöflich empfunden.

G wie Gouden Eeuw - Das "Goldene Zeitalter" der Niederlande begann um das Jahr 1650 und dauerte etwa einhundert Jahre an. Zu dieser Zeit blühte die niederländische Kulturlandschaft auf, über 700 Maler waren zu dieser Zeit tätig, die Zeit von Peter Paul Rubens, der gern üppige Frauen malte war zwar schon vorbei, zu jener Zeit entstand aber beispielsweise das berühmte Gemälde vom Mädchen mit dem Perlenohrring von Jan Vermeer. Der Welthandel mit Gewürzen und Tee boomte, diverse architektonische Meisterwerke wurden geschaffen. Seinen Niedergang erlebte die Goldene Ära ab dem Jahr 1672, einem von Unruhen und politischen Schicksalsschlägen geprägten Jahr. Heute zeichnen sich Niederländer für die Erfindung des Flessentrekkers aus. Einer stabähnlichen Konstruktion, die es einem ermöglicht, die letzten Reste aus der Ketchupflasche zu pulen. 

H wie Holland - "Im 17. Jahrhundert waren Nord- und Südholland eine Grafschaft - Holland, mit Amsterdam als wichtigster Stadt. Zu dieser Zeit war Holland die wichtigste Provinz der Niederlande. Da damals Holland für die Niederlande stand, bürgerte es sich ein, das Land nach seiner dominierenden Provinz zu bezeichnen.", so Jules van der Marck vom Institut für Niederländische Philosophie. Noch heute ist es üblich, die Niederlande zu "Holland" zu degradieren, was bei den Niederländern oft zu Irritationen führt. Andererseits spornen die Niederländer ihre Fußballmannschaft mit "Hup Holland Hup" an, was auch nicht gerade konsequent ist. Heute steht Holland aber tatsächlich nur für zwei Provinzen, Zuid-Holland, die Heimat von Duncan Laurence, mit Den Haag als Hauptstadt und Noord-Holland mit Haarlem als Hauptstadt.

I wie Im Exil - Wer sich gerne mit komplizierten Grenzziehungen beschäftigt, der ist im niederländischen Baarle-Nassau genau richtig. Mittelalterliche Verträge zwischen dem Herrscher von Breda und dem Herzog von Brabant sorgten dafür, dass das Gebiet in der Nähe der belgischen Grenze heute ein Flickenteppich von Exklaven ist. Baarle-Nassau bezeichnet eine niederländische Gemeinde, die allerdings immer wieder von belgischem Territorium unterbrochen wird. Darin befinden sich widerum mehrere niederländische Exklaven. Diese Situation sorgt dafür, dass die Grenze teilweise mitten durch Wohngebäude verläuft, die Zugehörigkeit des Hauses richtet sich danach, auf welcher Seite der Grenze sich die Eingangstür befindet.

Bis vor wenigen Jahren gab es zudem die Regelung, dass niederländische Restaurants und Cafés früher zu schließen hatten, als die belgischen. Dieses Problem wurde in Baarle ganz einfach dadurch umgangen, dass die Gäste eines Restaurants einfach den Tisch wechselten und so über die Grenze nach Belgien gingen. Die Gemeinde lebt heute von dieser kuriosen Stellung und hat nicht vor an diesem Zustand etwas zu ändern. Kontrollen gibt es allerdings nicht, seit der Ratifizierung des Vertrages von Maastricht, kann man ohne Grenzkontrollen von einem Teil der Gemeinde in die andere gelangen, Markierungen auf dem Boden sind allerdings vorhanden.

J wie Joppiesauce - "Was ist das für ein Land, in dem die Menschen Hagelkörner auf ihr Brot streuen, nachts Kaffee trinken, Pommes frites mit Erdnusssoße übergießen und hoch konzentriertes Salmiakpulver schlürfen?", habe ich jüngst in einem Online-Artikel gelesen. Die traditionelle niederländische Küche basiert ähnlich wie die deutsche Küche, je nach Region auf Fisch- und Fleischgerichten. Das historische Nationalgericht ist Stamppot, nichts weiter als zusammengestampfte Kartoffeln mit Gemüse. Im 20. Jahrhundert hielten Einflüsse aus der indonesischen Küche Einfluss in den Niederlanden. 

Daher stammt auch die Variante "Patat oorlog", Pommes mit Erdnusssauce und Zwiebeln zu servieren. Pommes oder auch "Frietjes" werden generell aber vorzugsweise mit Mayo und Ketchup oder der Joppiesauce, eine Mayonnaise mit Curryzusatz gegessen. An vielen Imbissbuden gibt es auch die traditionellen Poffertjes, kleine Pfannkuchen, die mit Puderzucker bestreut werden. Man wünscht "Eet smakelijk" ("Guten Appetit"). Die Niederländer gelten auch als Erfinder des, zur Weihnachtszeit beliebten, Spekulatius. Typische Getränke aus den Niederlanden sind der Genever, ein Wacholderschnäpschen mit rund 35 Umdrehungen, die Biermarke Amstel, die von der weltweit operierenden Brauerei Heinecken aufgekauft wurde und Eierlikör, der als Verpoorten auch bei uns im Spirituosenregal steht.

Das Hauptexportgut ist neben den Tomaten und Gurken, die in zahllosen Gewächshäusern vor sich hin vegetieren aber eines: Käse. Stellvertretend sei hier der Gouda aus der gleichnamigen Stadt genannt, der seit 2010 von der Europäischen Union als geschützter geographischer Markenname eingetragen ist. Heute stammen nur noch 2% der hergestellten Gouda-Laibe aus handwerklicher Produktion, Originale kann man auf den regelmäßigen Käsemarkten antreffen. Weitere Käsespezialitäten sind u.a. Maasdamer, Edamer und Leerdamer. Produziert werden jährlich rund 650 Millionen Kilogramm Käse, verzehrt pro Kopf aber nur 17kg. Im Käsekonsum stehen die Niederländer damit nur auf dem sechsten Rang. Weltmeister sind mit 26,2kg die Franzosen, gefolgt von den Deutschen, Schweizern, Italiener und Österreichern.

K wie Klompen - Heute zu Dekozwecken als Souvenir mitgenommen, früher wichtige Utensilien bei der schweren Feldarbeit, die Klompen, die typischen Holzschuhe der Niederländer. Doch gilt es diese nicht zu pauschalisieren, jede Region hat ihre eigene Form, manch eine ist rund, manch eine spitz zulaufend, einige sind halboffen, andere haben einen Lederriemen. Während die Robustheit und Beständigkeit einst die markanten Vorteile dieser Schuhe waren, bargen sie doch die Gefahr, dass man bei längerer Tragzeit verkrümmte Zehen oder Plattfüße bekam. Dennoch sind die Klompen typisch für die Niederlande, ähnlich wie Windräder und Wohnwagen mit gelben Nummernschildern. 

Weltmeister der Wohnwagen sind die Niederländer allerdings auch nicht, hier werden sie von den Schweden überholt, auf den Autobahnen Nordrhein-Westfalens dürften die Niederländer aber in der Mehrzahl sein. In Deutschland werden die Niederlande durch die käsebringende Frau Antje beworben. Sie wurde in den 60er Jahren als Werbefigur für die Molkereibranche eingeführt und repräsentiert seit über 50 Jahren als Imagefigur die Niederlande. Im eigenen Land ist sie allerdings kaum bekannt, gar umstritten, weil ihr Erscheinungsbild heutzutage als unpassend empfunden wird und nicht in das Bild der modernen Niederlande passt.

L wie Linda de Mol - Sie war in den 90er Jahren das Aushängeschild der niederländischen TV-Imperiums Endemol. Ihr Vater war Schlagersänger, ihr Bruder TV-Produzent und sie ab 1992 auf RTL bei der Traumhochzeit zu sehen, bei der junge Paare nach Spielen wie der Champagnerpyramide und der Wolkenwand eine Hochzeit im Fernsehen gewinnen konnten. Ab 1998 moderierte sie auch den Domino Day auf RTL, bei dem Robin Paul Weijers versuchte einen neuen Rekord im Umfallen von Dominosteinen zu erreichen und das simple Prozedere durch eingebaute Tricks und Effekte zu einem abendfüllenden Event aufbauschte, das in diversen europäischen Ländern live übertragen wurde.

Ihr Bruder John de Mol, Exmann von Willeke Alberti, produzierte zur gleichen Zeit auch weitere Gameshows, z.B. die "100.000 Mark Show" mit Ulla Kock am Brink, bei der vier Pärchen verschiedene Action- und Konzentrationsspiele bestehen mussten um am Ende den richtigen Code für den damals sensationellen Gewinn von 100.000 DM aus einem Zylinder zu fischen. Auch die Mini Playback Show, die bis 1998 auf RTL lief, wurde von Endemol produziert, Marijke Amado erhielt für die Show, bei der Kinder ihre Lieblingslieder vor einer Jury bei Vollplayback sangen den Preis des beleidigten Zuschauers, weil sie, so die Begründung "Kinder zu Sexobjekten herausputze". 

Nicht von Endemol produziert, aber mit einem Niederländer besetzt war die Spielshow "Der Preis ist heiß" mit Harry Wijnvoord. Im RTL-Nachmittagsprogramm mussten Kandidaten aus dem Publikum die richtigen Preise von Produkten schätzen und konnten am Ende bis zu 1000.000 DM gewinnen. Noch heute hallte bei mir der Satz von Walter Freiwald nach: "Meine Damen und Herren… das Rad". In der Medienstadt Hilversum wurde der Familie De Mol anlässlich ihrer Verdienste um das TV-Geschäft eine eigene Straße benannt. Der größte Entertainer der Niederlande in Deutschland bleibt aber wohl Rudi Carrell, der schon ab den 70ern mit Klassikern wie "Am laufenden Band", "Rudis Tagesshow", "Herzblatt" und später "7 Tage 7 Köpfe" erfolgreiche Formate in der BRD moderierte.

M wie Must See - Auf dem Pflichtprogramm des Amsterdam-Besuchers steht sehr wahrscheinlich neben dem Besuch des Anne Frank-Hauses und der Grachten, die die gesamte Stadt durchqueren, das Van Gogh Museum, mit der größten Sammlung von Gemälden des Malers Vincent van Gogh (*1853-†1890), der sich zeitlebens um über 800 Bilder, darunter die bekannten Sonnenblumenbilder kümmerte und sich der Überlieferung nach im Streit mit Paul Gauguin ein Ohr abschnitt. Wen es aus Amsterdam herausträgt, der sollte im April zur Tulpenblüte nach Lisse fahren. 

Sehenswert und sogar Teil des Weltkulturerbe sind die 19 Windmühlen von Kinderdijk in Südholland und wer eh schon dort ist, dem sei ein Ausflug in die Moderne nach Rotterdam empfohlen. Markant für die Stadt ist der 112m hohe Euromast sowie die Erasmusbrücke über die Nieuwe Maas. Renommiert und altehrwürdig sind die Universitäten von Leiden und Eindhoven. Die Universität in Leiden wurde 1575 gegründet und ist damit die älteste Universität des Landes, die insbesondere im Bereich der Geisteswissenschaften und Medizin einen herausragenden Ruf genießt. 

N wie Nachbarschaft - 567km ist die deutsch-niederländische Grenze lang und auch wenn ein reger kultureller und wirtschaftlicher Austausch besteht, so gibt es doch einige Reibungspunkte. Schon Rudi Carrell wurde zum Opfer zahlreicher Wohnwagenwitze bei "7 Tage 7 Köpfe" auf RTL, dies zieht sich wie ein roter Faden durch die zwischenstaatlichen Beziehungen. Insbesondere beim Fußball flammt der Nachbarschaftsstreit immer wieder auf ("Ohne Holland fahr'n wir zur WM"), spätestens seit der WM 1974, wo sich beide Länder im Finale begegneten, kochen die Emotionen regelmäßig hoch. Die Länderspielbilanz spricht Deutschland 16 Siege, den Niederlanden elf Siege zu, 16x kam es zum Unentschieden.

Reibung besteht bei der Grenzziehung in der Emsmündung. Die BRD vertritt den Standpunkt, die Grenze verläuft am linken Ufer der Ems, ein Spruch erklärt: "Die Grenze verläuft da, wo ein Stein ins Wasser fällt, den ein Holländer in die Ems wirft." Das sehen die Niederländer anders, seit 1960 gibt es zumindest ein Dokument, in dem sich beide Länder "im Geiste guter Nachbarschaft" zu einer Zusammenarbeit verpflichten. Der zweite Nachbar Belgien pflegt ebenfalls freundschaftliche Beziehungen zum nördlichen Nachbarn.

O wie Oranje - Wir bleiben beim Fußball, die Erkennungsfarbe der Niederländer bei diversen Sportveranstaltungen ist seit jeher Orange. Hergeleitet ist das Ganze vom Königshaus Oranien-Nassau, deren Ursprünge in der französischen Stadt Orange liegen. Dereinst wurden die heutigen Niederlande von Frankreich aus verwaltet, ehe Prinz Wilhelm dem Ersten sie vertrieb, geblieben ist die Farbe und die Nationalhymne "Het Wilhelmus", in der von eben jenem Wilhelm gesprochen wird.

Sportlich gesehen zeigen die Niederlande also sprichwörtlich Flagge, der größte Erfolg im Tore schießen gelang 1988 als sie die Europameisterschaft gewannen. Bei der WM belegten sie dreimal den zweiten Platz, zuletzt 2010 im Finale gegen Spanien. Auch in anderen Sportarten läuft es hervorragend, sodass die Niederlande mit 130 Goldmedaillen auf dem 15. Platz des IOC-Medaillenspiegels Olympischer Wettbewerbe stehen. Im Wintersport glänzen niederländische Athleten insbesondere beim Eisschnelllauf und im Shorttrack.

P wie Pumpwerke - Schon im Mittelalter verstanden es die Niederländer aus Niedermoorgebieten fruchtbares und besiedelbares Land zu schöpfen. Landstriche wurden trockengelegt, Deiche installiert. Die Expertise mit der die Arbeiter zu Werke gingen wurde auch im Ausland geschätzt, weite Teile der Nordseeküste wurden mit niederländischer Hilfe eingedeicht und so vor schweren Stürmen und Fluten geschützt. Durch die Entwässerung mit Windmühlen gelang es sogenannte Polder, trockengelegte Flächen, landwirtschaftlich zu nutzen.

Mit einsetzender Industrialisierung geriet die Windmühle in den Hintergrund, moderne Pumpspeicherwerke entwässerten fortan die Niederlande. Im 20. Jahrhundert gelang mit der Fertigstellung des Afsluitdijks (Abschlussdeich) die größte Landgewinnungsmaßnahme der Geschichte, das IJsselmeer entstand, ebenso die neue Provinz Flevoland, die ohne Trockenlegung gar nicht existieren würde. Gäbe es die heute funktionierenden Sperren und Deiche nicht, so würde rund ein Drittel des Landes bis zu sechs Meter tief unter Wasser stehen. Apropos IJsselmeer, das IJ stellt im Niederländischen einen eigenen Buchstaben dar.

Q wie Querschnitt - Mit 1,84m sind die Niederländer die größten Männer der Welt, auch die Damen des Landes sind mit 1,71m überdurchschnittlich groß gewachsen. Maßgebliche Ursache hierfür ist die gesellschaftliche, medizinische und wirtschaftliche Situation der westlichen Welt, die dafür sorgte, dass der durchschnittliche Niederländer in den letzten 200 Jahren um rund 20cm gewachsen ist. Unterdurchschnittlich ist hingegen, wie schon erwähnt die Landfläche, die über dem Normaal Amsterdams Peil, dem nationalen Maß für den Meeresspiegel liegt. So ist der Flughafen Amsterdam-Schiphol mit 3,35 unter NAP der einzige Flughafen der Welt, der unterhalb des Meeresspiegels liegt. Rekordverdächtig ist, dass die Niederlande mit ø43 Verkehrstoten pro Million Einwohner das sicherste Land im EU-Raum sind.

R wie Rauchwaren - Im Mittelalter und bis zum Ende der Kolonialzeit waren die Niederlande eine der führenden Nationen bei der Produktion von Tabak- und Rauchwaren in den überseeischen Kolonien. Heute eilt den Niederländern der Ruf voraus, Kiffer zu sein, da die Gesetzgebung zum Erwerb von Cannabis aufgeweicht wurde. Tatsächlich sind aber alle Formen von Drogen verboten. Nur nach Einhaltung strengster Auflagen ist es möglich, bis zu fünf Gramm Cannabis in Coffeeshops für den Eigengebrauch zu kaufen. Der Konsum in Freien ist verboten, ebenso der Im- und Export sowie der Handel mit Marihuana und Haschisch. Dafür gibt es im grenznahen Verkehr aber reichlich Apotheken, bei denen man für deutsche Verhältnisse sehr günstig Tabletten wie Ibuprofen oder Aspirin erwerben kann, Obacht ist jedoch auch hier geboten.

S wie Schiphol - 1916 eröffnete ein kleiner Hangar für den militärischen Betrieb in Schiphol. Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte einer der größten Flughäfen Europas. Heute reisen jährlich rund 68 Millionen Menschen über das Drehkreuz der KLM in alle Welt. Die Koninklijke Luchtvaart Maatschappij, sprich die Königliche Luftfahrtgesellschaft, ist ebenfalls seit 1919 unterwegs und damit die älteste noch operierende Fluggesellschaft der Welt. Ihr wurde die Aufgabe zuteil, einen Liniendienst in die Kolonie Niederländisch-Indien aufzubauen, später entstand daraus eine der wichtigsten Fluggesellschaften der Welt, die mittlerweile mit der französischen Air France fusioniert ist.

Auch das Schienennetz ist engmaschig, die Nederlandse Spoorwegen (NS) bietet täglich rund 4.800 Zugfahren an und befördert rund 1,1 Millionen Fahrgäste am Tag. Die Gleise selbst gehören aber nicht der NS, sondern dem Infrastrukturunternehmen ProRail B.V., auch der Güterverkehr wurde ausgelagert. Die großen Städte des Landes sind durch IC-Verbindungen gut verknüpft, zwischen Amsterdam, Rotterdam und Utrecht verkehren bis zu zwölf Züge pro Stunde. Aus Deutschland heraus fahren IC- und ICE-Linien via Bad Bentheim über Hengelo und Deventer sowie über Oberhausen nach Amsterdam Centraal. An den großen Bahnhöfen gibt es Bahnsteigsperren, dafür gibt es im niederländischen Fernverkehr keine Speisewagen. Bei 30 Minuten Verspätung gibt es den halben Fahrpreis zurück, ab 60 Minuten ist die Fahrt gänzlich kostenlos. 

T wie Tulpen - Die Japaner haben ihre Kirschblüten und die Niederlande haben ihre Tulpen. Von Mitte März bis Mitte Mai verwandelt sich das Land in ein riesiges Blumenmeer, das zahllose Touristen anlockt. Durch den langen Frühling mit kühlen Nächten und die fortwährende Entwässerung in den Poldern herrschen hier ideale Bedingungen für die Tulpenzwiebeln. Am bekanntesten ist der Keukenhof in Lisse, wo die Hoflieferanten dafür sorgen, dass über 4,5 Millionen Tulpen in allen Farben erstrahlen. Der Keukenhof zählt rund 32 Hektar und 15 Kilometer Spazierwege durch die farbenfrohen Felder, öffentlich zugänglich ist der Park seit 1959.

Die Zuneigung zur Tulpe ging im 17. Jahrhundert sogar so weit, dass Zucht und Handel mit Tulpenzwiebeln einen derartigen Run auslösten und sie an der Börse zum Spekulationsobjekt wurden. In den 1630er Jahren erzielten Tulpenzwiebeln ein derart hohes Preisniveau, dass sich zahllose Menschen eine goldene Nase daran verdienten und Tulpen statt Bargeld als Einsatz bei Lotterien und Glücksspielen verwendet wurden. Die Blase platzte schließlich im Februar 1637 und endete mit einem rapiden Preisverfall. Die Tulpenmanie gilt heute als erste gut dokumentierte Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte.

U wie Umsatz - Neben den Landgewinnungsmaßnahmen entstand am Ende der Maasmündung der größte Hafen Europas und einer der größten Seehäfen der Welt, Rotterdam. Im Jahr 2018 wurden hier 469 Millionen Tonnen umgeschlagen. Rund 7% des gesamten niederländischen BIP werden durch die Hafenarbeit und Containerumschlag erwirtschaftet, das Gebiet erstreckt sich über eine Fläche von etwa 100km² und dehnt sich vom Stadtzentrum Rotterdams bis an die Küste nach Hoek van Holland aus, von wo aus u.a. Fähren nach Großbritannien verkehren.

Nach den USA sind die Niederlande der zweitgrößte Exporteur landwirtschaftlicher Produkte. Dort wo noch keine Autobahn hingesetzt wurde, findet man riesige Getreide- oder Gemüseanbauflächen. 50% der landwirtschaftlichen Fläche sind Weideland, 40% dienen dem Anbau von Nutzpflanzen, 10% Schnittblumen. Auch die Nordsee-Fischerei hat eine wichtige Rolle, Forstwirtschaft wird aufgrund fehlender Waldgebiete kaum betrieben. Zum Stichwort Autobahn hält das Land den Rekord mit 57,5 Kilometern pro 1.000km², den höchsten Anteil an Autobahnkilometern in der Europäischen Union.

Keine große Rolle spielt in den Niederlanden der Bergbau, die Förderung von Steinkohle in der Provinz Limburg wurde schon 1974 eingestellt. Dafür zählt Amsterdam seit über 400 Jahren als Hauptstadt der Diamantenverarbeitung. Ehe Antwerpen ihr den Rang abgeluchst hat existierte hier eine florierende Diamantenbörse. In Europas ältester Diamantenfabrik wurden im Laufe der Jahre zahlreiche bekannte Edelsteine geschliffen, etwa der Koh-I-Noor und der Grüne Diamant, der sich im Besitz der sächsischen Kurfürsten befand. 

V wie Vaalserberg - Wer zum Wandern in die Niederlande kommt, muss kein Höhentraining absolvieren, die höchste Erhebung des Landes ist, je nachdem, welchen Maßstab man ansetzt etwa 322m hoch. Der Vaalserberg im äußersten Südosten des Landes markiert gleichzeitig das Dreiländereck zwischen den Niederlanden, Belgien und Deutschland. Von Aachen aus kann man den bewaldeten "Berg" gut sehen. Offiziell ist er seit 2010 allerdings nicht mehr der höchste Berg des Landes. Seit der Auflösung der Niederländischen Antillen und der Eingliederung der Insel Saba als "Besondere Gemeinde", ist der 877m hohe Vulkan Mount Scenery der höchste Berg des Landes.

W wie Watt - Die Niederlande verfügen über 650 Kilometer Küste, an denen sich Wattenmeer, Sandstrände und kleine Hafenstädtchen abwechseln. Für Badegäste empfehlen sich die Orte an der Küste Zeelands mit bis zu 140 Sonnenstunden sowie die pittoresk gelegenen Städte Scheveningen, Zandvoort, Haarlem und die Westfriesischen Inseln, etwa Texel, Terschelling und Ameland. In der Nähe von Bergen aan Zee befindet sich mit der Radardüne zudem die größte Sandkiste des Landes. Unweit von Den Helder befindet sich der Lange Jaap, der mit 70m höchste Leuchtturm Europas.

Auf den Sandbänken der Nordsee tummeln sich Seehunde, ansonsten findet man in den Niederlanden die mitteleuropäische Fauna, bestehend aus Hirschen, Damwild und Wildschweine. Sporadisch und immer eine Schlagzeile wert sind Sichtungen von vereinzelten Luchsen und Wölfen. 2013 war es die Sensation in den Gazetten, als es hieß, ein Wolf aus Niedersachsen sei nördlich von Arnhem aufgetaucht und ziehe dort sogar Welpen groß. In Folge dessen wurde gar eine Kommission zum Schutz vor Wolfsschäden gegründet. 

Die einzigen endemisch vorkommenden Tiere in den Niederlanden sind drei Arten der Mordellidae, der Stachelkäfer. Häufigster Fund in den Niederlanden bleiben allerdings das domestizierte Hausrind und die Milchkuh. Eine größere Artenvielfalt legen die karibischen Niederlande an den Tag. Auch die Flora in den Niederlanden ist größtenteils mit der unseren vergleichbar. Besonders hervorzuheben ist hier die Rote Johannisbeere, die zwar in ganz Europa verbreitet ist, in ihrer Wildform nur noch in Beneluxländern, den Alpenländern, Polen und im Norden Frankreichs vorkommt. 

X wie Satz mit X - Die Niederländer sind weltoffen, trotzdem lauern auch hier Fettnäpfchen. So lädt der Niederländer gerne zur "koffietijd", der Kaffeezeit. Diese findet aber nicht in den Nachmittagsstunden sondern bereits gegen elf Uhr vormittags statt. Unser Nachmittagskaffee ist dort die "theetijd", die Teezeit. Auch sollte man dem Gastgeber keinen Geiz unterstellen, wenn er zur Tasse Kaffee die "koektrommel", die Keksdose, herausholt und jedem Gast nur einen Keks hinlegt. Dies ist so Sitte und hat nichts mit Unhöflichkeit zu tun. 

Auch sollte man nicht kopfschüttelnd reagieren, wenn in den Niederlanden von Zauberkugeln und Kartenlesen gesprochen wird. Ein anerkannter Beruf, dessen Ausbildung mit 1.000 Euro vom lokalen Arbeitsamt finanziert wird, ist die Tätigkeit des Hellsehers. Ebenso wenig sollte man die deutsche Tradition des Sandburgenbauens an niederländischen Stränden ausleben, dies gilt, nicht nur in den Niederlanden, als verpönt. Ebenso ist es eine Todsünde, den niederländischen Sport zu denunzieren, auch Sportuninteressierte sollten sich mit dem Kommentar zurückhalten, dass Ajax ein Reinigungsmittel ist, schließlich handelt es sich hierbei um den 34fachen Rekordmeister der Eredivisie.

Seinem Ruf entsprechend ist das Land eine Fahrradnation, als Fußgänger sollte man Fahrradklingeln keinesfalls ignorieren, vor allem in Städten sind die Radfahrer in der Überzahl und im Zweifel die stärkeren Verkehrsteilnehmer. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte es vermeiden nach Amsterdam zu fahren. Baustellen, horrende Parkgebühren und verstopfte Straßenzüge machen die Fahrt in der niederländischen Hauptstadt zur nervlichen Zerreißprobe. Innerorts gilt ein Tempolimit von 50km/h, außerorts 80km/h, auf Autobahnen 130km/h. Zu schnelles Fahren kann drakonische Bußgelder hinter sich herziehen. Telefonieren am Steuer kostet pauschal 140 Euro, bei gefährdendem Verhalten bis zu 2.000 Euro. Die Promillegrenze liegt bei 0,5.

Y wie YMCA - Seit April 2001 kann in den Niederlanden gleichgeschlechtlich geheiratet werden. Damit war der "Wet Openstelling huwelijk" das erste Gesetz, dass homosexuellen Paaren die Ehe ermöglicht, auch eine Adoption ist möglich. Seit dem Ende der Niederländischen-Antillen gilt dies auch für die Karibikinseln Bonaire, Saba und Sint Eustatius. Auf Aruba, Curaçao und Sint Maarten greift diese Regelung nicht, zwar werden gleichgeschlechtliche Ehen anerkannt, können hier aber nicht geschlossen werden. Homosexualität wird gesellschaftlich akzeptiert, insbesondere in Amsterdam hat sich eine große Szene mit vielen Diskotheken und Bars etabliert. Der Gay Pride der Stadt zählt alljährlich zu den größten in Europa.

Z wie Zwarte Piet - Das klassische Weihnachtsfest fällt in den Niederlanden kleiner aus als bei uns. Wichtiger ist hier der 5. Dezember, in der Nacht kommt Sinterklaas, der Nikolaus mit seinem Helfer, dem Mohren Zwarte Piet auf einem Dampfschiff aus Spanien angefahren und verteilt Süßigkeiten und Schokolade. Jüngst entbrannte um den Gesellen des Nikolaus eine Rassismusdiskussion, warum der Helfer denn unbedingt eine schwarze Hautfarbe haben muss. Das Kartenspiel "Schwarzer Peter" hat hiermit allerdings nichts zu tun, das stammt vom französischen Kartenspiel "Vieux garçon" ab.

Der Weihnachtsbaum wird geschmückt, sobald Sinterklaas wieder fort ist. Allerdings setzen sich hier mehr und mehr Kunsttannen durch, aus dem praktischen Grund, da diese nicht nadeln. Man wünscht sich "Prettige Kerstdagen" und verschickt üblicherweise in der Weihnachtszeit tonnenweise Grußkarten sodass die niederländische Post im Dezember regelmäßig an ihre Grenzen stößt. Die verschickten Karten werden an einem roten Band aufgehängt und verleiten zahlreiche Leute dazu, ausschweifende Reime und Verse zu dichten.

Wenige Tage später kann man auf dem Rembrandtsplein in Amsterdam die größte Silvesterparty des Landes erleben, mit einem Feuerwerk das Seinesgleichen sucht. Während bei uns nach einer halben Stunde das meiste Pulver verschossen ist, kann es hier vorkommen, dass man unentwegt zwei Stunden Raketensalven in den Himmel feuert. Zum Brauch gehört auch das Neujahrsbaden in Scheveningen, um punkt 12 Uhr stürzen sich Wagemutige in die eiskalten Fluten der Nordsee, im Anschluss an das Spektakel gibt es am Ufer heiße Erbsensuppe. 

Dienstag, 22. Mai 2018

Discovery: Israel von A bis Z



Israel - Der Eurovision Song Contest 2019 liegt zwar noch in weiter Ferne und noch ist nicht einmal sicher wo er stattfindet, in guter alter Tradition zerlegen wir trotzdem schon einmal den nächsten Gastgeber des Wettbewerbs in alle Details. Nach Norwegen, Aserbaidschan, Dänemark, Österreich, Schweden, der Ukraine und Portugal ist es nun Zeit für den achten Teil unserer Discovery-Serie "Israel von A bis Z". Vom Davidstern bis zu Sabbatgrundsätzen und vom Nightlife in Tel Aviv bis hin zu Skifahrten in den Golanhöhen stellen wir den Gastgeber des Eurovision Song Contests im nächsten Jahr vor.

A wie Anreise - Grundsätzlich ist es nicht schwierig nach Israel einzureisen. Um nach Israel zu gelangen benötigen deutsche Staatsbürger einen mindestens sechs Monate gültigen Reisepass. Von nahezu allen großen deutschen Flughäfen bietet die staatliche Fluggesellschaft El Al Flüge an, von Frankfurt dauert der Flug etwa vier Stunden. Da die Sicherheitsbestimmungen für Israel-Flüge besonders streng geregelt sind, empfiehlt es sich drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. Deutsche Staatsangehörige mit einer palästinensischen ID wird die direkte Einreise verwehrt.

Eine Besonderheit bei der Einreise gilt für die aussterbende Generation jener, die vor dem 1. Januar 1928 geboren sind, diese müssen zunächst bei der Botschaft vorstellig werden. Dort wird ihnen nach der sogenannten Entnazifizierung, die dem Reisenden bescheinigt, nicht an den Gräueltaten der Nationalsozialisten beteiligt gewesen zu sein, ein Visum ausgestellt. Wer im Rahmen einer Studienreise nach Israel reist, hat aufgrund der fragilen Sicherheitslage im Regelfall ein grundsätzliches Stornorecht bis vier Wochen vor Abreise. 

Wer erst einmal drin ist, sollte sich laut Auswärtigem Amt an einige Regelungen halten. Während sich die Einheimischen, insbesondere der großen Städte Tel Aviv, Jerusalem oder Haifa an ständige Polizeipräsenz, Panzerkolonnen und Sirenenalarm gewöhnt bzw. sich damit arrangiert haben, kann dies für den Touristen teilweise befremdlich wirken. Wie der gesunde Menschenverstand schon weiß: das Auswärtige Amt rät dringend von Reisen in den Gaza-Streifen ab und rät bei Reisen durch das Westjordanland zu erhöhter Vorsicht. 

B wie Basics - Israel ist seit seiner Gründung am 14. Mai 1948 eine parlamentarische Republik mit 8,3 Millionen Einwohnern. Das Kernland erstreckt sich auf einer Fläche von 22.380km² und ist uns zeitlich eine Stunde voraus. Wer nach Israel telefonieren möchte, muss die internationale Vorwahl 00 972 wählen. Bezahlt wird in Israel mit dem Schekel (₪), ob der Kurse empfiehlt es sich, am Flughafen Ben Gurion nur kleine Beträge zu wechseln. Ein Euro entspricht etwa 4,2 Schekel. Innerorts gilt wie hierzulande ein Tempolimit von 50km/h, außerhalb geschlossener Ortschaften 80km/h und auf Autobahnen 110km/h. Die Promillegrenze liegt bei 0,1, faktisch gilt also Alkoholverbot am Steuer.

Amtssprache ist neben dem Hebräischen auch Arabisch. Funk und Fernsehen senden in beiden Sprachen. Das Alte Testament deutet den Namen "Israel" als "Gottesstreiter". Landschaftlich lässt sich der schmale Streifen im Nahen Osten in die Mittelmeerküste, die zentrale Hügellandschaft, die Wüste Negev und die Senke des Jordans einteilen. Durch exzessive Aufforstung in den 50er Jahren gibt es in Israel inzwischen Nadelwälder, die vor allem aus Aleppo-Kiefern bestehen.

C wie Chanukkah - Channukah sei stellvertretend für eine ganze Reihe jüdischer Festtage genannt. Es wird in Erinnerung an die Wiedereröffnung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr. gefeiert. Der jüdische Kalender beginnt mit dem Neujahrsfest Rosch haShana, bei dem es kulinarischer Brauch ist, Speisen in Honig zu tauchen. Anders ist es beim Pessach-Fest, das in Gedenken an die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei gefeiert wird. Während des dortigen Sedermahls werden bittere Kräuter gereicht und die Speisen in Salzwasser getunkt um an die Tränen zu erinnern, die die Israeliten einst vergaßen. 

Jüdische Feiertage beginnen nach Sonnenuntergang und richten sich nicht nach dem bei uns gebräuchlichen gregorianischen Kalender sondern nach einem eigenen mondabhängigen Kalender, der Israel in der Zeitrechnung derzeit ins Jahr 5778 befördert. Neben jüdischen Festen haben sich in Israel mehrere Gedenktage etabliert, darunter der Gedenktag für die gefallenen Soldaten, Jom haZikaron. Diese Feiertage sind hin und wieder der Grund, warum Israel von der EBU bestimmten Semifinals zugeteilt wird.

D wie Datteln - Wie in anderen Wüstenstaaten hat die Kultivierung von Datteln, botanisch Phoenix dactylifera, einen hohen Stellenwert. Die Palmen werden bis zu 200 Jahre alt, wobei sie erst nach ca. acht Jahren Früchte tragen und dienen seit Jahrhunderten als Vitaminbomben und Lebensgrundlage für Wüstenbewohner, sodass sie den Beinamen "Brot der Wüste" tragen. Was man nicht auf dem Schirm hat ist, dass Israel auch einer der größten Lieferanten von Blumen ist. Allein zum Valentinstag lieferte Israel rund 30 Millionen Schnittblumen nach Europa. Zu einer lokalen Sehenswürdigkeit hat sich hierbei der rote Teppich von Anemonen entwickelt, die im Frühjahr in den Hügelregionen zwischen Tel Aviv und Beer'sheva wachsen.

E wie Elektrizität - Für Eurovisionsfans die ihre Ladegeräte, Laptops und sonstigen Stromabnehmer mitbringen empfiehlt sich unter Umständen eine Reiseadapter. Während der in Deutschland übliche C-Stecker auch in israelische Steckdosen (Typ H) passt, wird es mit F-Steckern Probleme geben. Die Netzspannung unterscheidet sich nicht. Während des Sabbats gilt für Gläubige, dass Elektrizität zwischen Freitag- und Samstagabend nicht in Gang gesetzt werden darf. So ist das Berühren von elektrischen Schaltern untersagt, heutzutage wird dieser Brauch oft dadurch umgangen, indem viele Geräte in israelischen Haushalten entweder schon vor Beginn des Sabbats eingeschaltet werden und weiterlaufen oder mit Zeitschaltuhren versehen werden.

F wie Falafel - Das Nationalgericht Israels sind, wie auch in der arabischen Küche, Falafel. Die kleinen frittierten Bällchen bestehen aus pürierten Bohnen oder Kichererbsen, Kräutern und verschiedenen Gewürzen. Bei Lebensmitteln wird sehr darauf geachtet, dass diese koscher sind. Koscher sind laut Tora alle Tiere, die zweigespaltene Hufe haben, z.B. Rinder, Schafe und Ziegen, nicht jedoch Schweine, Pferde, Esel oder Kaninchen. So ist es zu erklären, dass ein amerikanischer Jude einst Pastrami als Schweinefleischersatz erfunden hat. Geflügel ist koscher, abgesehen von Raubvögeln. 

Meeresbewohner die Flossen und Schuppen haben sind ebenfalls koscher, Hummer und Tintenfische hingegen fallen aus der Speisekarte. Produkte wie Milch oder Eier von koscheren Tieren dürfen ebenfalls verwendet werden. Eine Ausnahme bildet hierbei Honig, der genutzt werden darf, obwohl die Biene nicht koscher ist. Milch und Fleisch werden bei der Zubereitung von Speisen strikt getrennt. Bei all den Speisevorschriften verwundert es wohl nicht, dass es in Israel sowohl koschere als auch unkoschere McDonald's-Filialen gibt, letztere haben den Vorteil, dass sie während des Sabbats geöffnet sind. Inzwischen sind landesweit etwa 160 Restaurants mit dem goldenen M etabliert.

Eine weitere typische Speise in Israel ist Rugelach, das dem französischen Crossaint ähnelt und sowohl in salziger Form mit Schafskäse oder Sauerrahm, aber auch als Gebäck mit Rosinen, Zimt, Schokolade oder kandierten Früchten serviert wird. In Cafés und Restaurants wird ein Trinkgeld erwartet, das auf deutschem Niveau liegt. Besonders für Israel ist die Kaffeekultur, bei der viele Israelis zum Teil stundenlang im Café sitzen ohne dabei etwas zu konsumieren und sich über Gott und die Welt unterhalten, hierzulande eher unüblich. Doch selbst beim herkömmlichen Kaffeepulver aus dem Supermarkt ist oft das koschere Siegel von einem geprüften Rabbiner aufgedruckt. 

G wie Golden Boy - 1973 gab Israel mit der Sängerin Ilanit sein Debüt beim Eurovision Song Contest. Aus Sicherheitsgründen trat sie mit kugelsicherer Weste an und wurde beim Einstand Vierte. Es dauerte nicht lange bis Israel den ersten Sieg einfuhr, Yizhar Cohen räumte 1978 mit "A-ba-ni-bi" ab und brachte den Song Contest 1979 nach Jerusalem, wo es Gali Atari mit dem heute noch bekannten Friedenslied "Hallelujah" erneut an die Spitze schaffte. Aufgrund eines Gedenktages setzte Israel 1980 aus und ist in der Geschichte des Wettbewerbs die einzige Nation, die ihren Titel nicht verteidigen wollte.

Später nahmen Größen wie Ofra Haza oder 1998 schließlich Dana International teil. Mit "Diva" setzte sie als transsexuelle Sängerin einen Meilenstein und stand fortan für Gleichberechtigung und Toleranz. Der Zauber verflog im Jahr 2011 etwas, als sie mit "Ding Dong" im Halbfinale von Düsseldorf baden ging. Dazwischen entsendete Israel gerne Friedenshymnen, 2000 schwenkte das DJ-Quartett Ping Pong neben der israelischen auch die syrische Flagge, 2002 zündete Sarit Hadad eine Friedenskerze an, 2009 suchten Noa und Mira Award einen anderen Weg ("There must be another way"). Einen meiner absoluten Lieblingsbeiträge steuerte Shiri Maimon im Jahr 2005 bei, mit "Hasheket shenish'ar" wurde sie in Kiew Vierte.

2015 entwickelte sich die Castingshow "Hakochav haba" zum Erfolgsgarant beim Song Contest. Nadav Guedj wurde mit "Golden Boy" und Flügelschuhen Neunter, Hovi Star und Nutella-Junkie Imri Ziv erreichten in den Folgejahren zumindest das Finale. 2018 brachte Netta Barzilai in Zeiten der #metoo-Thematik unter Einsatz ihres Loopers eine aktuelle Botschaft auf die Bühne und setzte sich im Song Contest-Finale von Lissabon gegen Eleni Foureira aus Zypern und Jurysieger Cesár Sampson aus Österreich durch. Im Medaillenspiegel steht Israel mit vier Siegen an Position sechs.

H wie Havah Nagilah - Neben Eurovisionsbeiträgen gibt es einige Volkslieder, die es zu Weltruhm gebracht haben. Das bekannteste von ihnen dürfte "Havah nagilah", ein eigentlich wortloser chassidischer Akkord sein, der später von einem jüdischen Musikforscher anlässlich der britischen Besetzung Palästinas seinen Text erhielt. Heute ist "Havah nagilah" nicht nur zeremonieller Bestandteil von jüdischen Hochzeitsfeiern sondern in seiner Tonfolge oft in Popmusik-Titel eingeflossen. "Lasst uns glücklich sein", so die Übersetzung wurde u.a. von der britischen Song Contest-Teilnehmerin Kathy Kirby gesungen.

I wie International - Ein Boykott israelischer Produkte und Erfindungen, wie ihn einige Kreise versuchen durchzusetzen ist nahezu unmöglich. Sowohl im medizinischen Bereich als auch bei technischen Erfindungen sind israelische Forscher führend. So ist es einem israelischen Startup zu verdanken, dass wir ab 1996 ICQ als Messengerdienst mit dem einprägsamen Oh-oh nutzen konnten oder unsere Daten heutzutage auf USB-Sticks gespeichert werden. Ein rumänischer Jude, der ins vorstaatliche Israel eingewandert war, erfand zudem das bekannte Gesellschaftsspiel Rummikub, das er in den 30er Jahren verkaufte indem er von Tür zu Tür ging und das sich später zu einem wahren Verkaufshit entwickelte.

Überaus dankbar muss die Käseigel-Fraktion den israelischen Farmern Chaim Rabinovich und Nachum Kedar für die Erfindung der Cocktailtomate sein. Einen Tag vor Beginn des Yom-Kippur-Krieges, am 5. Oktober 1973, ernteten sie die gezüchtete Tomate im Kleinstformat. Weniger erfolgreich war Magen David Adom, die Hilfsorganisation im staatlichen Auftrag, die vergeblich versuchte auf internationaler Ebene neben dem Roten Kreuz und dem Roten Halbmond den Roten Davidstern zu etablieren. Als drittes Emblem der Bewegung wurde 2005 immerhin der neutrale Rote Kristall eingeführt. 

1978 wurde Israel aus allen asiatischen Sportverbänden geworfen, sodass man in den Folgejahren unter Ozeanien gelistet wurde. Nach dem Ende der Blockierungen durch Ostblocknationen nimmt Israel nunmehr u.a. an Turnieren der UEFA teil. Rekordmeister der Fußballliga ist mit 21 Meisterschaften und 23 Pokalsiegen Maccabi Tel Aviv. 1952 wurde Israel vom Internationalen Olympischen Komitee aufgenommen. Seither sammelte das Land eine Gold-, eine Silber- und sieben Bronzemedaillen bei Olympischen Sommerspielen. Gold gab es 2004 in Athen für Gal Fridman im Windsurfen. Traurige Bekanntheit erlangte die Olympiamannschaft durch das Attentat von München 1972, bei der Terroristen der PLO elf israelische Sportler ermordeten.

J wie Jaffa - Seit der Antike existiert die Hafenstadt Jaffa nördlich von Tel Aviv, die sich 1950 mit ihrem einstigen Vorort zu einer Stadt vereinigte. Sie ist Namenspate für die Jaffa-Orange, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Palästina kultiviert wird. Die Erntezeit zieht sich von November bis März, die Exporte der Jaffa-Orange machen Israel zu einem der wichtigsten Anbieter von Zitrusfrüchten in der Europäischen Union. Gleichzeitig ist die Orange neben Schokoladenaroma Grundlage für Sabra, den beliebtesten Likör des Landes. Abgesehen vom Namen verbindet die Stadt Jaffa jedoch nichts mit den Jaffa-Keksen mit Orangenfüllung, diese gehen auf britische Erfinder zurück. 

Neben Orangen werden viele weitere Obst- und Gemüsesorten in sogenannten Kibbuzim angebaut. In ländlichen Gebieten entwickelten sich Anfang des 20. Jahrhunderts Kollektivsiedlungen, die später eine entscheidende Rolle bei der jüdischen Besiedlung des heutigen Staates Israel spielten. Nach 1948 boten sie ein Zuhause für jüdische Aussiedler aus Nordamerika, der Sowjetunion und Europa. Während sie bis in die 70er Jahre hinein einen hohen Stellenwert bis in die Politik des Landes hatten, stehen die verbliebenen 270 Kibbuzim heute unter wirtschaftlichem und gesellschaftlichen Druck.

K wie Knesset - Womit wir bei der Politik wären. Schon 1897 begründete Theodor Herzl auf dem ersten Zionistenkongress die Idee, einen jüdischen Nationalstaat in Palästina zu schaffen. Die Flagge von Israel inklusive Davidstern lieferte David Wolffsohn. Es dauerte bis zum 14. Mai 1948, als sich die britischen Truppen aus Palästina zurückzogen und David Ben Gurion mit dem Verlesen der Unabhängigkeitserklärung den Staat Israel ausrief. Gleichzeitig wurde auch das blaue Nationalwappen mit der siebenteiligen Menora eingeführt. Noch in der selben Nacht erklärten Ägypten, der Irak, Jordanien, der Libanon, Saudi-Arabien und Syrien Israel den Krieg. Nach 15 Monaten des Unabhängigkeitskrieges konnte Israel rund 50% seines Staatsgebietes hinzugewinnen.

1950 erklärte die Regierung das westliche Jerusalem zu seiner Hauptstadt. Es folgten immer wieder Auseinandersetzungen und Kriege mit den Nachbarstaaten, darunter der Sechstagekrieg mit Ägypten, im Zuge dessen Israel die Sinai-Halbinsel besetzte, 1973 der Yom-Kippur-Krieg, der in die Zeit von Golda Meir als Regierungschefin fiel, sowie der ständige Konflikt mit den Palästinensern. Die Knesset ist heute das Parlament Israels und beherbergt in Jerusalem 120 Abgeordnete. Jenem Parlament, das aktuell von Benjamin Netanjahu geführt wird, wird immer wieder die illegale Siedlungspolitik jenseits der grünen Grenze im Westjordanland vorgeworfen, ein wesentliches Problem bei der Lösung des Nahostkonflikts.

L wie Luftfahrt - Die schwierige Sicherheitslage ist auch Schuld daran, dass die 1948 gegründete staatliche Fluggesellschaft El Al (IATA-Code LY) besonders strikte Sicherheitsvorkehrungen trifft. Bei einer dreistündigen Vorlaufzeit beim Check-in werden Passagiere mit einem Fragenkatalog von Sicherheitskräften gelöchert. Kosten von rund 100 Millionen US-Dollar fallen jährlich für diese Vorkehrungen an. 2002 entschloss sich die El Al ein Raketenabwehrsystem an Bord ihrer Maschinen zu installieren. Weitere Aufmerksamkeit erhielt Israel 1979 nach dem sogenannten Vela-Zwischenfal im Südatlantik zwischen der abgelegenen Bouvetinsel und den südafrikanischen Prince Edward Islands.

Am 22. September 1979 fing ein Satellit zwei kurz hintereinander folgende Lichtblitze ein, wie sie bei Kernwaffenexplosionen entstehen. Nachdem der afrikanische Kontinent entkolonialisiert wurde, sah sich das Apartheidsregime in Südafrika mit neuen Nachbarn konfrontiert und reagierte darauf mit einem eigenen Atomprogramm. Ob es sich damals um eine nukleare Explosion handelte und falls ja, inwiefern die israelische Regierung darin verwickelt war ist nicht zweifelsfrei geklärt. Der spätere israelische Präsident Shimon Peres dementierte jedoch, dass man Südafrika Atomwaffen zum Kauf angeboten habe, fest steht hingegen, das Israel und Südafrika zu jener Zeit bei mehreren Rüstungsprogrammen kooperierten.

M wie Märkte - Der Carmel Market in Tel Aviv zählt zu den größten Märkten des Landes. Er macht nicht unbedingt den saubersten Eindruck, zieht Einheimische und Touristen aber gleichermaßen an und bietet neben frischem Obst und Gemüse, Feinkost, Tee und Gewürzen die Möglichkeit eine kulinarische Reise durch Israel zu unternehmen. Angeblich soll es hier den besten Espresso des Landes geben. 

Gegründet wurde der Carmel Market vor über 100 Jahren und gilt als überregionale Sehenswürdigkeit der weiß getünchten Bauhaus-Metropole, Dieser architektonische Stil gehört seit 2003 zum Weltkulturerbe. Nur zehn Minuten Fußweg vom Carmel Market befindet sich der Rothschild-Boulevard, an dem die Independence Hall liegt. Hier wurde 1948 die Unabhängigkeit Israels ausgerufen. Dazwischen befindet sich die Restaurantmeile der Stadt, deren Köche sich auf dem Markt mit Lebensmitteln eindecken. 

N wie Negev - 60 Prozent der Staatsfläche Israels werden von der Wüste Negev bedeckt. Sie erstreckt sich von der ägyptischen Grenze über den gesamten Süden des Landes bis hin zum Toten Meer. Die größte Stadt der Region ist Beer'sheva, ein wichtiger Knotenpunkt für die Eisenbahn Israel Railways und mehrerer Hauptstraßen. Seit mehreren tausend Jahren ist die Sand- und Geröllwüste von Nomaden bewohnt. Die Beduinen betreiben hier noch heute, wenngleich sie inzwischen sesshaft sind, Kamelzucht. Per Verkehrsschild wird vor freilaufenden Kamelen gewarnt. Neben touristischer und militärischer Nutzung ist der Staat Israel seit seiner Gründung darum bemüht, die karge Landschaft fruchtbar zu machen.

O wie Orthodox - Dunkle Kleidung, lange Bärte und die strenge Einhaltung des Sabbats zeichnen die ultraorthodoxen Juden aus. Deren Mittelpunkt ist die Stadt Bnei Berak unweit von Tel Aviv. Die Stadt bildet eines der wichtigsten Zentren für das Tora-Studium. Neben den rund 700.000 Ultraorthodoxen in Israel gibt es weltweit große Gemeinden, etwa in New York, London oder Antwerpen. 

Einen völligen Kontrast dazu bildet das liberale Tel Aviv, das im Jahr 2011 den Ruf einer der schwulenfreundlichsten Städte weltweit erhalten hat. Im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen werden anerkannt, ähnliche Schritte erwägt das israelische Parlament. Größte Aufmerksamkeit und eine Vorreiterrolle nahm Dana International 1998 ein, als sie von der IBA zum Eurovision Song Contest geschickt wurde. Im Vorwege hatten sich ultraorthodoxe Kreise vehement gegen ihre Teilnahme ausgesprochen.

P wie Party - Wir bleiben in Tel Aviv. Die Stadt zeichnet sich durch ihre lockere und liberale Haltung, zahlreiche Nachtclubs und eine florierende DJ-Szene als Party-Hochburg  im östlichen Mittelmeer aus, ohne dabei den Charakter eines überfüllten Ballermanns zu haben. Sie verfügt über 14km Sandstrand, der in verschiedene Bereiche eingeteilt ist. So ist der Gordon Strand vor allem bei Touristen beliebt, der Frishman Strand vor allem bei den Einheimischen. Wer am Strand Ruhe sucht ist in Israel trotzdem falsch. Haben sie doch das Spiel Matkot erfunden, frei übersetzbar: Strandtennis. Während andere dem Wellenrauschen zuhören, werden vor allem israelische Studenten, von deren verhältnismäßige Zahl weltweit ganz weit vorn dabei ist, mit ihrem Holzschläger Geräusche machen.

Bevor die Locals ihren Streifzug durch die Kneipen und Discos beginnen, gehen sie im Regelfall erst einmal mit ihren Freunden nett rund um die Allenby Street essen, primär am Donnerstag, zum Auftakt des jüdischen Wochenendes. Wer als Zugereister das Nachtleben von Tel Aviv mit seinen Cocktailbars und Discotheken erkunden möchte, erhält in den Touristeninformationen das Magazin "Time Out", das in englischer Sprache Tipps und Tricks zum Amüsieren gibt. Besonders aufgrund des guten Klimas und der geringen Regenwahrscheinlichkeit haben Restaurants und Cafés bis zum späten Abend geöffnet. 

Während des Sabbats geht aber auch hier nicht viel, außer in Haifa ruhen landesweit die öffentlichen Verkehrsmittel, wer am Samstag am Flughafen ankommt, kann nur mit einem Taxi in die Stadt kommen. In konservativen Vierteln, darunter große Teile von Jerusalem herrscht dann gähnende Leere, inklusive geschlossener Gastronomie. Die einzigen, die man hören wird sind Krankenwagen und Feuerwehr. Umso voller sind am Freitagabend die Synagogen des Landes.

Q wie Qumran - Die "graue Ruine", was Qumran übersetzt bedeutet, ist eine antike Siedlungsstätte im Westjordanland unweit des Toten Meeres. In elf Felshöhlen in der Nähe wurden in den 40er und 50er Jahren mehrere Schriften des späteren Tanach gefunden. Bei den Fragmenten handelt es sich um die ältesten bekannten Bibelhandschriften der Welt. Die inzwischen freigelegten Ruinen, zu denen u.a. auch Bewässerungsgräben und Katakomben gehören, sind heute einige der beliebtesten Ausflugsziele im Westjordanland. Die meisten Exponate der Ausgrabungen befinden sich heute allerdings im jordanischen Nationalmuseum in Amman.

R wie Rotes Meer - Rund elf Kilometer beträgt der Anteil der Küstenlinie Israels am Roten Meer, die einzige Stadt in dieser exponierten Lage ist Eilat. Bei gutem Wetter kann man von der Hafenpromenade aus die nahegelegenen Küsten von Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien sehen. Die Stadt Eilat hat das touristische Potenzial entdeckt und bietet den einzigen Korallenstrand im Sendegebiet der Europäischen Rundfunkunion, das Dolphin Reef, bei dem zu therapeutischen Zwecken mit Delfinen geschwommen werden kann, sowie ein Ozeanium und im August das Red Sea Jazz Festival. Von Eilat aus werden Exkursionen in die jordanische Nabatäerstätte Petra angeboten. Die Stadt bietet als Freihandelszone steuerliche Anreize für Unternehmen.

S wie Salz - Mit 33% Salzgehalt ist das Tote Meer zwar kein Rekordhalter, mit der Lage von bis zu 428m unter dem Meeresspiegel jedoch der tiefste Festlandpunkt. Diese Lage macht es möglich, das man sich trotz fehlender Sonnencreme keinen Sonnenbrand  holt, die UV-Strahlung kann nicht bis hier unten durchdringen. Zudem bietet das Wasser aufgrund der hohen Salinität besonderen Auftrieb, Schwimmende gehen nicht unter und können Floating betreiben. Das Wasser ist reich an Mineralien wie Kalzium, Magnesium und Eisen, dafür arm an Organismen, nur wenige Pflanzen kommen mit dem hohen Salzgehalt klar. Auch dem Schlamm des Sees werden heilende Wirkungen in Fango-Packungen nachgesagt. Hotspots, die sich auf Besucher eingestellt haben sind En Gedi und Ein Bokek. 

T wie Tourismus - Im ersten Halbjahr 2017 reisten über 2,1 Millionen Menschen über den Flughafen Ben Gurion ein. Das nationale Statistikbüro verzeichnet trotz aller Unsicherheiten Rekordzahlen bei den Gästeübernachtungen, insbesondere aus China, Russland und den Vereinigten Staaten. Dabei werden neben religiösen Stätten wie Nazareth und dem See Genezareth im Norden auch die Städte Haifa mit dem größten Bahai-Tempel der Welt und den dazugehörigen Gärten oder die Tempelritter-Stadt Akko angesteuert. Auf halber Strecke zwischen Tel Aviv und Haifa liegt die römische Ruinenstätte Caesarea, die durch ihr Amphitheater besticht, am Toten Meer thront die Festung Massada in den Himmel. 

Sie wurde im Auftrag von Herodes I. etwa 30 v.Chr. erbaut und galt zu Zeiten der Römer als uneinnehmbarer Rückzugsort für die jüdische Bevölkerung, die vor dem Sturm der Soldaten allerdings kollektiven Selbstmord beging, um nicht in der Sklaverei zu enden. Wer es ganz exotisch mag, kann zum Wintersport auf die Golanhöhen fahren. Der Bergkamm des Hermon mit 45km Pistenlänge bietet auf 2.200m Höhe bei gutem Wetter sogar Blick auf die syrische Hauptstadt Damaskus, eine Rodelbahn und eine Après Ski-Bar. Reedereien haben Israel auch im Programm. Angesteuert werden Haifa und die Hafenstadt Ashdod. Beim Auslaufen der Aida Diva aus Ashdod fielen im Jahr 2014 allerdings Raketentrümmer auf das Deck des Schiffes, sodass Reisen damals umgeroutet wurden. 

U wie Umfeld - Im Norden wird Israel durch den Libanon begrenzt, zu dem es seit Jahrzehnten einen schwelenden Konflikt hat. 2006 mündete dies im Libanonkrieg, schon zuvor wurde von libanesischer Seite ein kompletter Boykott inszeniert, der u.a. dazu führte, dass Aline Lahoud 2005 nicht zum Eurovision Song Contest geschickt wurde. Durch die Golanhöhen ist Israel von Syrien getrennt, die Situation dort ist nicht viel besser. Mit den anderen beiden Nachbarstaaten Ägypten und Jordanien hat sich Israel mittlerweile arrangiert, es wurden Friedensverträge geschlossen. Die Einreise über Land ist aus beiden Ländern möglich, die Grenzübergänge nach Jordanien (bei Eilat/Akaba, die Allenby-Brücke und die Scheich-Hussein-Brücke) sind im Regelfall zwischen 8-20 Uhr geöffnet, außerplanmäßige Schließungen sind dennoch jederzeit möglich.

V wie Via Dolorosa - Etwa 100 Menschen werden jedes Jahr vom Jesus-Syndrom heimgesucht. Jerusalem-Reisende leiden hierbei unter einer vorübergehenden psychotischen Störung und identifizieren sich mit biblischen Figuren. Jerusalem bietet dafür reichlich Orte um seinen Wahn auszuleben, etwa auf der Via Dolorosa, einem Pfad der quer durch die Altstadt von Jerusalem führt und dabei Stationen des Leidenswegs von Jesus am Kreuz abklappert. Die Altstadt, die aus einem jüdischen, arabischen, christlichen und armenischen Viertel besteht, wurde 1981 Teil des Weltkulturerbes. Hier verläuft die Grenze zwischen dem israelischen Teil und dem palästinenischen Teil der Stadt. Bekannt sind hier die sieben Stadttore.

Sehenswert ist in Jerusalem die 400m lange Klagemauer, in deren Ritzen Besucher ihre Gebete klemmen. Zweimal im Jahr werden die Zettel von einem Rabbi und seinen Helfern ungelesen herausgeholt und auf dem Ölberg verbuddelt. Dabei schaffen es die Helfer über 100 Einkaufstaschen zu füllen. Hinter der Klagemauer befindet sich der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel, der älteste muslimische Sakralbau. Daneben befindet sich die Al-Aksa-Moschee, neben Mekka und Medina eine der heiligsten Stätten im Islam. Auf israelischer Seite befindet sich zudem die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

W wie Wasser zu Wein - Im Reiseführer ist nachzulesen, dass das Leistungswasser in Israel Trinkwasserqualität hat. Den Großteil seines Wassers bezog Israel aus dem Fluss Jordan, was allerdings dazu führte, dass der Pegel des Toten Meeres jährlich um rund einen Meter abnimmt. Mittlerweile werden 55% des Wasserbedarfs durch Entsalzungsanlagen gedeckt. Kreative Methoden um Wasser zu gewinnen reichen bis in die Antike. Genauso lange reicht die Geschichte des Weinbaus zurück. Auf rund 5.000 Hektar Rebfläche wird Wein angebaut, in geringen Mengen auch exportiert. Israel liefert ausschließlich koscheren Wein, die Trauben werden somit erst im vierten Jahr geerntet und werden unter rabbinischer Aufsicht gesäubert. Wer nicht auf Wein steht, kann sich an den Produkten von Prigat versuchen, dem größten Safthersteller des Landes.

X wie Satz mit X - Fettnäpfchen lauern in Israel wie überall auf der Welt. So gilt es als wenig schicklich die Ruhe des Sabbats zu stören, am Samstag wird nicht geraucht. Da viele Lokalitäten um die Unwissenheit der Gäste Bescheid wissen, liegen häufig Tischkärtchen aus. Während des Sabbats sollen auch keine Aufzugknöpfe betätigt werden, daher sind viele Fahrstühle so programmiert, dass sie zwischen Freitag- und Samstagabend automatisch in jedem Stock halten. In einigen Fällen empfiehlt sich daher die Treppe. Obacht gilt bei der Begrüßung. Ein Handschlag und ein fröhliches "Shalom" gehen immer, allerdings sollten Frauen bedenken, dass sie orthodoxe Juden nicht berühren dürfen. 

Genauso sollte man sich an heiligen Stätten den religiösen Gepflogenheiten fügen und möglichst konservative Kleidung tragen, gerne langärmlig, Männer mit Kippa. Religiöse Themen, den Nahostkonflikt und Diskussionen über den Zweiten Weltkrieg sollten logischerweise vermieden werden. Wer empfindliche Strafen vermeiden will, sollte zudem auf das Fotografieren militärischer Einrichtungen verzichten. Netanjahu und seine Frau Sara sind beim Empfang des japanischen Präsidenten Shinzo Abe selbst ins Fettnäpfchen getreten. Beim Festessen wurde der Nachtisch in Schuhen serviert, "In keiner Kultur stellt man Schuhe auf den Tisch.", hieß es von den Japanern, danach war der Abend irgendwie gelaufen.

Y wie Yom Kippur - Zusammen mit dem zehn Tage zuvor stattfindenden Neujahrsfests Rosch haShana bildet Yom Kippur, das Versöhnungsfest, die sogenannten Hohen Festtage. Überregional ist der Feiertag allerdings eher mit dem gleichnamigen Krieg verknüpft, der im Oktober 1973 mit einem Überraschungsangriff Ägyptens und Syriens begann und in dessen Folge es zur globalen Ölkrise kam, die in Deutschland zu autofreien Sonntagen führte. Innenpolitisch hatte der Krieg zur Folge, dass Präsidentin Golda Meir und ihr Verteidigungsminister Mosha Dayan, ein hitziges Gemüt mit markanter Augenklappe, zurücktraten, da sie die Anzeichen, insbesondere eine Warnung des jordanischen Königs Hussein, nicht ernstnahmen. 

Z wie Zum Schluss - Zwar wird das öffentliche Leben in Israel vom Sabbat und von den anhaltenden Konflikten mit seinen Nachbarn geprägt, Bedenken vor einer Israel-Reise muss man aber nicht haben, solange man sich an gewisse Verhaltensregeln hält. Der Eurovision Song Contest wird 2019 in guten Händen sein, in Sachen Telekommunikation gilt IPBC, der Nachfolger der IBA als routiniert. Und sowohl die selbstversorgenden Journalisten werden nicht verhungern. Im schlimmsten Fall gibt es "Bisli", Knabberflips vom größten Nudelhersteller des Landes, Elite-Schokolade mit der lustigen Kuh auf dem Cover und Kakao aus Plastikbeuteln sowie die Möglichkeit geschriebene Postkarten an die Liebsten von 8:30 bis 12:30 Uhr sowie von 15:30 bis 18 Uhr in den israelischen Postämtern abzugeben.

Beim Packen sollte man sich trotz des mediterranen Klimas aber bewusst machen, dass es nachts auch in Israel kalt werden kann. Neben der Sonnenbrille ist insbesondere in den Wintermonaten regenfeste Kleidung empfehlenswert. Impfungen sind nicht vorgeschrieben und ohne Visum kann man sich bis zu 90 Tage im Land aufhalten, keine schlechten Voraussetzungen. Geben wir Israel also eine Chance den Eurovision Song Contest auszurichten, wenngleich Tel Aviv für die Fans des Wettbewerbs trotz allem die bessere Alternative zu Jerusalem wäre.