Donnerstag, 25. März 2010

2. Semifinale - Persönliche Analyse


Europa - Da es alle tun, und es den idealen Eurovision Song Contest auch mit größten Engagement der EBU nicht geben wird, kann auch ich ungefiltert meine Bewertungen der diesjährigen Teilnehmerbeiträge und meinen Tipp, welche Nationen Chancen auf's Finale haben und welche nicht, kund tun. Weiter geht's mit dem zweiten Halbfinale am 27. Mai:

01. - Litauen - InCulto - East European Funk
Finalchance: 20% 
Persönliche Bewertung: 01/10 
Das litauische Lied vereinigt Ska mit unsäglich grausam klingenden Instrumenten und einen Text, bei dem man sich fragt, warum die Litauer überhaupt am Song Contest teilnehmen, wenn sie sich sowieso immer und überall benachteiligt fühlen. Sollte das Lied im Halbfinale ausscheiden, wovon ich nach jetzigem Stand ausgehe, sollte man die Schuld zumindest nicht bei den europäischen Nachbarvölkern suchen.


02. - Armenien - Eva Rivas - Apricot stone
Finalchance: 90% 
Persönliche Bewertung: 04/10 

Im Vergleich zu dem Zeug, womit uns Armenien die vergangenen Jahre das Leben schwer gemacht hat, ist "Apricot stone" ein ganz akzeptabler Song. Die überall in Europa verteilten Armenier werden für die Ode an ihr Nationalobst sicherlich reichlich anrufen, womit die Kaukasusrepublik meine Stimme entbehren kann und dennoch ins Finale einzieht. Würde das Lied für einen Zwergstaat wie Andorra oder Monaco starten, hätte es keinerlei Chancen.

03. - Israel - Harel Ska'at - Millim
Finalchance: 75% 
Persönliche Bewertung: 04/10

Viele sehen Israel in diesem Jahr als Favoriten an, ich nicht. Das Lied ist ja 'ne hübsche Ballade von einem ebenso hübschen Sänger, aber irgendwie fehlt dem Lied dieses Siegersongtypische. Den Finaleinzug halte ich allerdings für unaufhaltbar und eine Platzierung in den Top 10 für äußerst wahrscheinlich. Dennoch: besser als Shiri Maimon wird's nicht! Und falls doch müssen wir uns 2011 auf ein noch trostloseres Jahr einstellen als 2010.


04. - Dänemark - Chanée & N'Evergreen - In a moment like this
Finalchance: 70% 
Persönliche Bewertung: 06/10

Dänemark schickt in diesem Jahr einen eingängigen Titel ins Rennen, der wahrscheinlich bei den Juroren around Europe auf große Sympathien stoßen wird. Stimmlich gibt's auch nichts auszusetzen. Das Lied klingt fast schon zu perfekt für den Wettbewerb. Finale sollte, auch nach den Qualifizierungen von Brinck und Matthew in den letzten beiden Jahren, die wesentlich schwächer waren, definitv drin sein.


05. - Schweiz - Michael von der Heide - Il pleut de l'or
Finalchance: 35% 
Persönliche Bewertung: 08/10

Es tut mir leid, liebe Eidgenossen. Ich mag euer Lied in diesem Jahr wirklich sehr, aber es ist doch sehr 90er Jahre-mäßig um beim Song Contest etwas zu reißen. Ein paar Punkte aus Frankreich wird's geben, hier und da noch mal ein paar Gnadenpünktchen, aber für das Finale ist das leider zu wenig. Den Fernsehzuschauern, auch wenn's gemein klingen mag, werden eher die Segelohren als das Lied in Erinnerung bleiben. Die Realität ist manchmal hart, aber zumindest ich mag das Lied.


06. - Schweden - Anna Bergendahl - This is my life
Finalchance: 40% 
Persönliche Bewertung: 01/10

Wo sind nur die Carolas, Perrellis und Philipssons hin... in diesem Jahr werden die Schweden, allerdings auf eigenen Wunsch, von einer 18jährigen vertreten, bei deren Lied einem auf Anhieb die Füße einschlafen. Dabei gab es durchaus wohlklingende Alternativen beim Melodifestivalen 2010. Zumindest ist das Lied im eigenen Land ein Erfolg. Das sich dieser Erfolg auf ganz Europa ausdehnt, wage ich nämlich ernsthaft in Frage zu stellen.


07. - Aserbaidschan - Safura - Drip drop
Finalchance: 100% 
Persönliche Bewertung: 08/10

Aserbaidschan scheint sich den Eurovision Song Contest jedes Jahr einiges kosten zu lassen. Das Lied klingt eher nach Amerika und gewohnter Chartmusik als nach einer 17jährigen aus dem hintersten Winkel des Kaukasus. Das Finale ist für Aserbaidschan so sicher wie das Amen in der Kirche, auch eine erneute Top 5-Platzierung halte ich nicht für ausgeschlossen. Aysel & Arash waren mir letztes Jahr aber 'ne Spur sympathischer.


08. - Ukraine - Alyosha - Sweet people
Finalchance: 40%
Persönliche Bewertung: 02/10 

Ich glaube das ukrainische Fernsehen war nach dem ganzen Chaos um ihren Beitrag froh, überhaupt noch ein Lied für den Song Contest in Oslo gefunden zu haben. "Sweet people" klingt auch wie ein in letzter Minute improvisierter Song ohne wirklich erkennbare Melodie und mit viel Geschrei. Die Ukraine, die in den letzten Jahren Garant für billige aber erfolgreiche Melodien war, muss in diesem Jahr aufpassen überhaupt ins Finale zu kommen, dort sehe ich das Lied momentan nämlich nicht.


09. - Niederlande - Sieneke - Ik ben verliefd, Shalalie
Finalchance: 25%
Persönliche Bewertung: 10/10

Lieber tiefstapeln, in sämtlichen Onlineumfragen liegt das Lied aus den Niederlanden nämlich auch hoffnungslos hinten. Ich finde dieses Lied super, ein bisschen schräg dank Drehorgelmusik und der lustigen holländischen Sprache, aber doch durchaus nett vorgetragen. Und gute Laune verbreitet es auch. Da die Niederlande aber erst einmal, und das auch noch aus unerklärlichen Gründen, vom Halbfinale ins Finale eingezogen sind, kann ich mir Sieneke leider nicht in der Endrunde vorstellen - aber mich würd's total freuen, Shalalie!


10. - Rumänien - Paula Seling & Ovi - Playing with fire
Finalchance: 85% 
Persönliche Bewertung: 09/10

Neben Aserbaidschan halte ich Rumänien für einen sicheren Finalanwärter. Paula Seling, wenn sie nicht allzu sehr schreit und Ovi stellen eine interessante Mischung dar, die Idee beide an ein Klavier zu setzen gefällt mir auch und der Songtitel verspricht ja, dass wir uns in Oslo auf eine heiße Show mit pyrotechnischen Effekten freuen können. Da das Lied jetzt auch noch ziemlich eingängig ist, stehen den beiden eigentlich alle Chancen gut, sich vorne zu platzieren.


11. - Slowenien - Anzambel Roka žlindere & Kalamari - Narodnozabavni Rock
Finalchance: 0%
Persönliche Bewertung: 10/10

Leider bin ich in dieser Hinsicht Realist und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendjemand außerhalb Sloweniens und Österreichs (die ja prinzipiell mal nicht dabei sind) für ostalpinen Jodelpop mit 'ner Prise Jugo-Rock der 80er Jahre anrufen wird. Die Finalchancen gehen Richtung null, auf meinen Anruf muss die sympathische Truppe leider auch verzichten, Deutschland darf im zweiten Halbfinale ja nicht abstimmen. Ein Glück, werden sich jetzt diejenigen denken, die "Narodnozabavni Rock" bereits gehört haben.


12. - Irland - Niamh Kavanagh - It's for you
Finalchance: 50%
Persönliche Bewertung: 07/10 

So klingt Irland. Auch wenn ihr großer Erfolg bereits 17 Jahre zurückliegt, schaffte Niamh Kavanagh es, mir beim Vorentscheid 'ne Gänsehaut zu verpassen. Das lag zum einen an der wunderschönen Melodie, zum anderen an der fürchterlichen Backgroundbesetzung die man bis zum Eurovision Song Contest hoffentlich noch gegen besseres Personal austauscht. Falls man dies tut und Niamh in ein ordentliches Kostüm steckt, halte ich das Finale für gar nicht sooo weit weg.


13. - Bulgarien - Miro - Angel si ti
Finalchance: 60% 
Persönliche Bewertung: 06/10

Singen kann Miro, das hat er in seiner Zeit bei KariZma und als Solist u.a. auch beim Vorentscheid eindrucksvoll demonstriert. Stimmlich mag er wohl sogar einer der Stärksten im diesjährigen Aufgebot sein. Sein Lied ist auch ordentliche Nummer, die durchaus Außenseiterchancen haben könnte. Der letzte Kick der mich vor Begeisterung auf die Knie fallen lässt, fehlt mir aber auch bei der finalen Version, die in dieser Woche online zu finden war. Vor allem kommt das Ende so unverhofft schnell und klingt so als ob jemand die letzten vier Töne verschluckt hätte.


14. - Zypern - Jon Lilygreen & The Islanders - Life looks better in spring
Finalchance: 50% 
Persönliche Bewertung: 10/10 

Wieder schwer. Ich persönlich mag dieses Lied wirklich gerne, gehört es doch seit seinem Sieg beim zypriotischen Vorentscheid laut Last.fm-Statistik zu den meistgehörtesten Titeln der Saison 2010. Vielleicht geht dieses Lied aber gerade bei den vielen Balladen, Gitarrensongs und ruhigen Liedern unter. Ich drücke den Zyprioten bzw. dem irischen Sänger, aber die Daumen, dass es nach der letzten Finalteilnahme 2005 auch mal wieder mit der Endrunde klappt.


15. - Kroatien - Feminnem - Lako je sve
Finalchance: 85% 
Persönliche Bewertung: 08/10 

Zwei Jahre in Folge konnte sich Kroatien zwar für das Finale qualifizieren, landete dort jedoch im hinteren Drittel. In diesem Jahr könnte es mit dem Trio Feminnem, seit der Song Contest-Teilnahme 2005 in Neubesetzung, für mehr reichen. Aus "Lako je sve" hört man sowohl den Balkanschmerz als auch modernen Popsound heraus - gehört zu den stärkeren Vertretern der diesjährigen Balladenflut.


16. - Georgien - Sopho Nizharadze - Shine
Finalchance: 55%
Persönliche Bewertung: 03/10

Unter Berücksichtigung der Tatsache, das sowohl der ganze Kaukasus als auch die Türkei, die Ukraine und Litauen in diesem Halbfinale starten, denke ich, dass Georgien ähnlich wie Russland im ersten Halbfinale auf eine sichere Punktebank zurückgreifen kann. Das Lied, eine ätzend langweilige Popballade ist es Finaleinzugs meiner Meinung nach aber nicht würdig. Da bieten die Nachbarländer stärkeres Material, wobei es "Peace will come" aber auch geschafft hat...


17. - Türkei - maNga - We could be the same
Finalchance: 100%
Persönliche Bewertung: 06/10 

Das die Türken auch ganz ohne Shake it und Düm tek tek auskommen, zeigen sie nach Mor ve Ötesi auch in diesem Jahr mit den MTV-Music Award-Preisträgern maNga. Das Intro des Liedes finde ich weltklasse, die Strophen so na ja. Insgesamt in diesem Halbfinale gutes Mittelfeld. Um den Finaleinzug mache ich mir bei der Türkei allerdings keine Sorgen, hier gilt das gleiche Phänomen wie bei Armenien und Russland. Im Finale wird die Frage dann auch sein, ob der 12er aus Deutschland an Griechenland oder die Türkei geht.

Die Finalisten folgen im Anschluss.

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