Dienstag, 19. November 2019

Beyond Eurovision (69): Mauretanien



Mauretanien - Zu den surrealsten Nationen des Planeten zählt Mauretanien, eine islamische Republik im Nordwesten Afrikas, das bis auf einen kleinen Grünstreifen entlang der Küste nahe der Hauptstadt Nouakchott aus Wüste besteht. In den Nachrichten taucht das Land, das den Namen einer antiken römischen Provinz trägt, nur auf, wenn es um durch den Präsidenten abgebrochene Fußballspiele, Sklaverei oder das zwanghafte Füttern von Frauen geht. Der eigenwillige Staat, der dreimal so groß ist wie Deutschland hat allerdings nur etwa 4,3 Millionen Einwohner.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Nouakchott
Sprachen
Arabisch
Fläche
1.030.700km²
Währung
Ouguiya (UM)
Einwohner
4,3 Mio.
Internet-TLD
.mr
Zeitzone
UTC
Wiki-Info

Trotz der widrigen Umstände zählt Mauretanien zu den Ländern mit dem höchsten Bevölkerungswachstum. Durch das Land fährt der längste Güterzug der Welt, der Eisenerz vom Bergwerk bei F'dérik im Landesinneren zum Hafen von Nouadhibou bringt. Dort findet man sogleich die nächste Kuriosität, den größten Schiffsfriedhof der Welt. In Mauretanien treffen diverse Volksgruppen aufeinander. Arabische und berberische Gruppen treffen hier auf Schwarzafrikaner, die Soudans. Während heute Arabisch die alleinige Amtssprache ist, ist Französisch als Sprache der einstigen Kolonialzeit weitestgehend erhalten geblieben. 

Aus dem kulturellen Gemisch hat sich Hassania gebildet, der lokale Dialekt des Arabischen. Die Hassani prägen auch die musikalische Landschaft des Landes. Was für westeuropäische Ohren befremdlich klingt, hat in Mauretanien seit Jahrhunderten eine lange Tradition. Gespielt werden dazu ebenso alte Berber-Instrumente wie die Tidinit, eine Laute die nur von Männern gespielt wird sowie der Bogenharfe Ardin. Moderne Musikinstrumente wie Gitarren und Bässe setzen sich nur langsam durch. Vor allem aber fehlt es an einer, für unsere Verhältnisse, moderne Popkultur.

So kommt es, dass die wenigen Interpreten, die überhaupt in der Lage sind professionell aufzunehmen, sich den traditionellen Elementen der mauretanischen Kultur annehmen und dabei nicht nur als Musiker sondern auch als Geschichtenerzähler fungieren, die tiefgründige Texte verarbeiten. Eine dieser Sängerinnen ist Noura Mint Seymali, die ebenfalls auf Hassania singt und in dem heute vorgestellten Titel "Tzenni" aus dem Jahr 2014 über einen Drehtanz, ähnlich der anatolischen Derwische singt. Sie entstammt einer musikalischen Familie, ihr Vater komponierte die frühere Nationalhymne des Landes, ihre Mutter ist als "Diva of the Desert" bekannt. 

Noura Mint Seymali - Tzenni

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