Sonntag, 23. September 2018

Eurovision am Sonntag (59)



Europa - Heute ist kalendarischer Herbstanfang und die Heizperiode 2018/19 ist bei mir in Hamburg ebenfalls offiziell eingeläutet worden. Die dunkle Jahreszeit bringt es aber zumindest auch mit sich, dass langsam aber sicher die Rundfunkanstalten Europas wieder aus ihrem Sommerschlaf erwachen und sich mit dem Eurovision Song Contest auseinandersetzen. Momentan warten wir auf die letzten Nationen, deren Vorhaben für Tel Aviv 2019 noch ausstehen.

Österreich im Aufwind:
Conchita gewann 2014
Als bislang letzte Nation hat sich Österreich auf die Teilnehmerliste für das kommende Jahr setzen lassen. Nach dem desaströsen Abschneiden von Eric Papilaya im Jahr 2007 im Halbfinale von Helsinki hätte sich wohl niemand träumen lassen, dass die Alpennation nur wenige Jahre später einen Run mit fünf Finalteilnahmen und einem Song Contest-Sieg absolvieren würde. Auch nach Conchita konnten unsere südlichen Nachbarn durch gute Beiträge frohlocken.

Einen großen Anteil an diesen Ergebnissen dürfte auch ORF-Unterhaltungschef Edgar Böhm tragen, der sich nun in den Ruhestand begibt und das Zepter an die nächste Generation überträgt. Momentan sucht der österreichische Sender einen neuen Unterhaltungschef, der die Eigenschaften mitbringt, alte Formate neu zu beleben und weiterzuentwickeln und ganz neue Wege zu gehen. Wer sich angesprochen fühlt und sich dieser Aufgabe gewachsen sieht, darf sich dieser Tage in Wien für den vakanten Posten bewerben.

Dieser Umstrukturierung ist es offenbar auch geschuldet, dass der ORF außer seiner Absichtsbekundung für Tel Aviv noch keinerlei weitere Informationen durchblicken ließ. Und so steht bisher nicht fest, ob der österreichische Song Contest-Vertreter abermals intern ausgesucht wird oder ob sich der Sender an einen nationalen Vorentscheid heranwagt. Die Ergebnisse bei der Eurovision zeigen allerdings klar, dass Vorentscheide in den letzten Jahren in Österreich wenig von Erfolg gekrönt waren.

Muss auf eine Einladung
hoffen: Australien beim ESC
Ebenso fraglich ist momentan noch, auf welche Art und Weise Australien seinen Kandidaten aussuchen wird. Mit Stand heute ist zwar noch nicht gesichert, ob Australien vom israelischen Fernsehen eine Einladung erhält, wie in einem früheren Posting aber schon erläutert, denke ich, dass sich IPBC die Gelder keinesfalls entgehen lassen wird und es auch 2019 wieder "Sydney calling" heißen wird. Auf Nachrichtenmoderatorin Lee Lin Chin müssen wir dabei allerdings verzichten, sie hat ihrem Heimatsender SBS ebenfalls den Rücken gekehrt, aus privaten Gründen wie es heißt.

Und so steht in Australien nicht nur die Frage im Raum, wer die Punkte verlesen wird, sondern auch auf welche Weise der Kandidat ermittelt wird. Schon im letzten Jahr sollte es zum ersten Vorentscheid für die Eurovision auf der Südhalbkugel kommen, diese Pläne wurden zugunsten der Nominierung von Jessica Mauboy verworfen. 2019 könnte es nun soweit sein und eine Show dazu dienen, dass die Australier erstmals ein Wort bei der Kandidatensuche mitsprechen können. Delegationsleiter Paul Clarke verkündete jüngst, es werde großartige Neuigkeiten geben.

They sparkle all the time:
Dami, Isaiah und Jessica
Demnach dürfte es nur noch einige Tage dauern, bis die Aussies auf der Liste derer stehen, die in Tel Aviv präsent sein werden. Ob sich Wackelkandidaten wie Montenegro, San Marino oder Ungarn ebenfalls wieder bereiterklären, 2019 einen Interpreten zu schicken, werden wir in den nächsten Tagen ebenfalls herausfinden, spätestens Mitte Oktober, wenn die Abmeldefrist verstrichen ist. Momentan rechne ich, auch wenn die EBU etwas anderes behauptet, dass wir im nächsten Jahr ein kasachisches Debüt erleben könnten.

Wir halten fest: Kasachstan wurde zum Junior Eurovision Song Contest in Minsk eingeladen, der am 25. November stattfindet. Dabei soll es eine Ausnahme sein, betont die EBU. Der Sender Khabar ist assoziiertes Mitglied der Rundfunkunion, ähnlich wie SBS, das im nächsten Jahr bereits sein fünfjähriges Song Contest-Jubiläum feiern könnte und 2015 auch nur eine Ausnahme sein sollte. Zudem dürften wir von Kasachstan großes Erwarten. Wie Spione berichten, soll der gestern ausgetragene Vorentscheid qualitativ und perfekt umgesetzt worden sein. Dies spricht dafür, dass die Kasachen hungrig sind.

Dieses Kind vertritt Kasachstan
beim Junior Eurovision 2018
...und wenn der Gastgeber der Eurovision, in diesem Fall das israelische Fernsehen IPBC, die Möglichkeit hat Australien einzuladen, warum dann nicht auch Kasachstan? Israelische Politiker haben zwischenzeitlich ja sogar gefordert arabische Nationen wie Tunesien oder Ägypten einzuladen. Mittlerweile habe ich mich auch mit dem Gedanken angefreundet, dass es 2019 "Almaty calling" heißen könnte. Warum auch nicht, je nach Definition hat Kasachstan geographischen Anteil an Europa, nimmt auch an anderen europäischen Veranstaltungen teil und könnte musikalisch durchaus eine Bereicherung sein.

Da es mit Liechtenstein seit gut einer Dekade nicht klappen möchte, sehe ich keine Gründe, Kasachstan auszuschließen. Ein gewisses Maß an Refreshment könnte der Eurovision gut tun. Somit können wir gespannt sein, ob die EBU nach dem Junioren-Finale in Minsk Mitte November nicht doch noch einen Überraschungskandidaten aus dem Hut zaubert. Apropos Zaubern... gestern Abend lief die 47. Wiederholung von "Harry Potter und der Gefangene von Askaban". Warum das interessant ist? Weil parallel eine neue Folge von "Schlag den Henssler" stattfand und die Show miserable Quoten einfuhr.

Erlebten eine Quotenkatas-
trophe: Elton und der Henssler
Als Stefan Raab noch Teil der Produktion war, die zum Aushängeschild von ProSieben mit Traumquoten wurde, habe ich keine Ausgabe verpasst. Da mir der von Vox abgeworbene TV-Koch aber abgrundtief unsympathisch ist, zählte ich nicht zu den 1,10 Millionen Zuschauern, die den Abend auf ProSieben verbrachten. Die Show fällt laut DWDL.de auf ein "bitteres Tief" mit 7,9% Marktanteil. Das Format könnte ebenfalls eine Frischekur gebrauchen und vielleicht sogar einen neuen Gejagten. Zum Vergleich, der Ausflug nach Hogwarts erreichte gestern Abend 12,8% Marktanteil. 

Damit wir nicht auch in der Versenkung verschwinden und unter Umständen ein Facelifting notwendig haben, möchte ich zum Schluss dieses Sonntagspostings zu Verbesserungsvorschlägen für diese Website aufrufen. Wem etwas auf der Seele brennt, der darf sehr gerne einen Kommentar unter diesem Artikel hinterlassen oder uns eine E-Mail schreiben. Konstruktive Ideen (z.B. neue Kategorien, technische Verbesserungen etc.) fassen wir gerne auf, vielleicht lässt sich der ein oder andere Punkt ja sogar verwirklichen. In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern einen schönen Abend und freue mich auf eure Vorschläge.

Kommentare:

  1. Hallo,
    ich besuche diese Seite jeden Tag und finde die Kurzmeldungen sehr gut. Die Seite ist ständig topaktuell und sozusagen ein Geheimtipp im Internet. Mich würde sehr interessieren, wer dahintersteckt und ob das alles nur eine Person macht oder ein gsnzes Team dahintersteckt. Seid ihr eigentlich auch immer live vor Ort beim ESC?

    Sehr gut finde ich auch, dass ihr für jedes Land alle Informationen über die jeweiligen Vorentscheide postet. In der 2018er-Saison habe ich sehr viele Vorentscheide mitangeschaut und für die kommende Saison werde ich versuchen, wirklich alle Vorentscheide live anzuschauen. Dazu habe ich eine neue Kategorien-Idee: Vielleicht kann man eine große Liste mit allen potentiellen ESC-Songs alles Länder machen, also man klickt z.B. auf Litauen und es erscheint eine Liste mit z.B. 30 Liedern, wovon die, die bereits ausgeschieden sind, rot markiert sind und die, die noch im Rennen sind, grün und so weiter, also die Liste wird immer aktuell gehalten.

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    1. Danke dir für dein Feedback. Das ist wirklich eine interessante Idee, ich werde mal sehen, ob wir das zur nächsten ESC-Saison hinbekommen.

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  2. Es stimmt, Khabar hat einen professionellen und guten Vorenstscheid produziert, der klar machen sollte, das sie es können. Das ist mit Sicherheit gelungen.
    Negativ empfand ich nur die ständig vom Band einespielten Jubelstürme, denen die Umschnitte ins Publikum so gar nicht entsprachen. Hier herrschte gepflegte asiatische Zurückhaltung bis Langeweile vor und teils leere Ränge...Es sei ach einmal dahingestellt ob die Wahl der Siegerin nur ihren gesanglichen Qualitäten geschuldet ist oder vielleicht auch der Tatsache das sie die europäischte Optik hat.
    Ich hätte es für gut gehalten wenn Khabar hier den Mut gehabt hätte eine mehr asiatische Note und damit identischere Note zu setzen.
    Khabar hat mit Sicherheit den Ehrgeiz den Song Contest zu gewinnen und würde und wohl mit aufwendigen und mainstreamigen Produktionen a la Schweden und Russland erfreuen. Aber eher nicht mit Identität und nationaler Note wie es die Balkanstaaten immer wieder einmal machen.


    Ich dem Macher von eurofire ein grosses Lob und meinen Respekt für seinen fundierten, stets aktuellen und lesenswerten Stil aussprechen.
    Für mich ist eurofire die Tagesthemen unter den ESC Seiten, Schnelle, auf den Punkkt gebrachte Information aus allen (!) Ländern ohne Schnickschnack und ohne jedem Gerücht hinterher zu hecheln.

    Der Name der Seite ist Programm, man kann das Feuer des AUtos für den Song Contest spüren.
    Danke für den zeitintensiven und grossen persönlichen Einsatz.

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