Mittwoch, 8. August 2018

90er Voting: Die Plätze 19 bis 15


Europa - Eine bunte Mischung steht heute auf dem Programm, darunter eine meiner ersten Eurovisionsfavoriten, die richtig baden ging, eine faustdicke Überraschung aus Island und zwei Zweitplatzierte ihres jeweiligen Jahrgangs, die bei späteren Versuchen, ihre Heimatländer noch einmal zu vertreten, allerdings nicht vom Volk gewählt wurden. Morgen steigen wir dann bereits in die Top Ten unseres 90er-Rankings ein.

Platz 19 - 52 Punkte - Zypern 1999
Marlain - Tha'ne erotas

Als ich 1999 den Eurovision Song Contest damals im Fernsehen gesehen habe, war sie meine Favoritin. Marlain Angelidou aus Athen, Teil der legendären Girlband Hi-5, sang für Zypern in Jerusalem "Tha'ne erotas" ("Es wird Liebe sein"), das allerdings von einer entsetzlichen Performance zerstört wurde und bis heute rätsel' ich, ob es Glitzer, Aerosol oder Angstschweiß in ihrem Ausschnitt war. Marlain konnte 1999 nicht überzeugen und sammelte lediglich aus Kroatien zwei Punkte ein, was den Beitrag für mich heute noch zu einem der unterbewertesten Titel der Neuzeit macht. 2008 hätte sie es fast noch einmal zur Eurovision geschafft, ihr Song "Rejection" belegte beim zypriotischen Vorentscheid "Eurovoice 2008" den dritten Platz. 

Platz 18 - 53 Punkte - Island 1993
Inga - Þá veistu svarið

Die größte Überraschung in unserem Ranking stellt für mich der 18. Platz einer Isländerin dar, die 1993 im irischen Millstreet einen recht unauffälligen Titel sang und damit auch nur den 13. Platz belegte. Die 1972 in Reykjavik geborene Ingibjörg Stefánsdóttir, kurz Inga, sang "Þá veistu svarið" ("Dann wirst du die Antwort kennen"), das jetzt, wo ich es im Recap noch einmal sehe, eine wirklich wunderschöne Nummer ist. Inga war nach ihrem Song Contest-Ausflug Teil mehrerer isländischer Spielfilme. In jüngster Zeit ist es um die Sängerin ruhig geworden. Immerhin hat sie 25 Jahre nach ihrem Auftritt noch ein bisschen Glanz bekommen und fährt hier elf Punkte mehr ein, als dies 1993 der Fall war.

Platz 17 - 55 Punkte - Island 1997
Paul Oscar - Minn hinsti dans

Wir bleiben auf Island, denn nur vier Jahre später schickte die Insel im Nordmeer einen charismatischen Sänger, der mit seiner Inszenierung von "Minn hinsti dans" ("Mein letzter Tanz") polarisierte. Auf der weißen Ledercouch, mit mehreren Bunnies räkelte sich Páll Óskar Hjálmtýsson, der sich vor seinem Durchbruch u.a. als Dragqueen in Reykjavik das Geld für ein Musikstudium verdiente. Später war er Teil der Rockband Ham, ehe er 1995 als Solist das am meisten verkaufte Album Islands des Jahres ("Palli") veröffentlichte. Trotz seines nur 20. Platzes ist er einer der bekanntesten Interpreten seines Landes und Ikone vieler Homosexueller im In- und Ausland. 2008 steuerte er zudem den Text von "This is my life" der Eurobandið bei, die in Belgrad den 14. Platz belegten.

Platz 16 - 56 Punkte - Spanien 1995
Anabel Conde - Vuelve conmigo

Eine der wenigen Song Contest-Interpreten, die ich bereits von ganz nah sehen durfte, ist Ana Isabel Conde Sánchez, besser bekannt als Anabel Conde. Als sie 1995 den spanischen Vorentscheid gewann, war sie in Spanien noch gänzlich unbekannt. Dessen ungeachtet, räumte sie beim Song Contest in Dublin ab und belegte mit "Vuelve conmigo" den zweiten Rang, ein Ergebnis, an das alle künftigen spanischen Interpreten nicht mehr herankamen. Zehn Jahre nach ihrem Auftritt wurde sie vom andorranischen Team um Marian van de Wal als Backgroundsängerin engagiert. Im Jahr darauf bewarb sie sich mit "Sappho" beim polnischen Vorentscheid und schließlich 2010 noch einmal in Spanien, wo sie mit "Sin miedos" aber nur den achten von zehn Plätzen erreichen konnte.

Platz 15 - 57 Punkte - Polen 1994
Edyta Górniak - To nie ja

Edyta Górniak erreichte bereits 1994, beim Debüt Polens beim Eurovision Song Contest, den größten Achtungserfolg und ihrer gesamten Karriere. Mit dem zauberhaften "To nie ja" wurde sie hinter den Iren Zweite und damit beste Debütantin des Abends. Mit diesem Ergebnis legte sie zugleich auch den Grundstein für ihre Karriere in Polen und absolvierte zu jener Zeit auch Auftritte in den deutschsprachigen Ländern. Es folgten mehrere Alben, kehrte zeitweise ins Familienleben zurück, heiratete und löste ihren Plattenvertrag auf. 2007 nahm sie am Festival von Opole teil. Nachdem Fans lange ihre Rückkehr zum Song Contest forderten, bewarb sie sich 2016 mit "Grateful" beim polnischen Vorentscheid, wurde allerdings nur Dritte. Dennoch ist sie weiter im Geschäft, für November steht ein Konzert in der Londoner Royal Albert Hall an, zu dem sich auch Prinz William nebst Kate angekündigt haben.

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