Sonntag, 22. August 2021

Beyond Eurovision (215): Albanien


Albanien
- Shqipëria, das Land des Doppelkopfadlers, war bis zum Ende des Kommunismus ein weißer Fleck auf der europäischen Landkarte. Nach wechselhafter Geschichte, in dem Illyrer, Römer, Osmanen und im Zweiten Weltkrieg die Italiener ihre Zelte in Albanien aufschlugen, entwickelte sich der heutige albanische Staat ab 1944 unter Enver Hoxha, der bis 1985 an der Spitze der Macht blieb und das Land zu einer isolierten Volksrepublik nach chinesischem Beispiel aufbaute. Selbst nach seinem Tod wurde der Kult um den Diktator weiter gepflegt, dies zeigt sich u.a. in der großen Pyramide in Tirana, aus dem Hoxha-Museum ist inzwischen ein "Internationales Kulturzentrum" geworden.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Tirana
Sprachen
Albanisch
Fläche
28.748km²
Währung
Albanischer Lek (ALL)
Einwohner
2,9 Mio.
Internet-TLD
.al
Zeitzone
UTC +1
Wiki-Info

Die eigenständige albanische Kultur konnte sich gemäß den Umständen der jahrzehntelangen Isolation entfalten, war unter Hoxha aber großen Einschränkungen unterworfen. So entschied er, wer Musik oder Literatur betreiben durfte, Zensur war an der Tagesordnung. Die eigene Volkskultur, mit Tanz und Tracht wurde zwar gefördert, aber auch stark dem ideologischen Denken der kommunistischen Führung angepasst. Ein Mittel zum Zweck war das heute noch durchgeführte Festivali i Këngës, das erstmals 1962 im Staatsfunk TVSH übertragen wurde. 1972 wurden dem Konzept westliche Untertöne beigemischt, was beim ZK des albanischen Staates übel aufstieß und der Generaldirektor des Senders inhaftiert wurde.

Das Festival konnte sich auch nach dem Zusammenbruch des Regimes halten, erhielt aber durch private Sender Konkurrenz, etwa durch das Kënga Magjike, das seit 1999 stattfindet. Bei beiden Musikfestivals und auch generell in der albanischen Popmusik hört man nach wie vor deutlich die traditionellen Elemente heraus, kaum ein Lied kommt ohne den melancholischen Balkan-Klang aus, der sich jedoch von dem ehemaliger jugoslawischer Republiken unterscheidet, nicht zuletzt durch die isolierte albanischen Sprache. Häufig kommen Instrumente wie die Lahuta, ein einsaitiges Zupfinstrument, der Dudelsack Gajde und diverse Flöten zum Einsatz. Lokale Unterschiede existieren zwischen Nord- und Südalbanien.

In den letzten Jahren hat sich auch eine eigene Musikkultur der Arbëresh, in Italien lebenden und arbeitenden Gastarbeitern etabliert, die über Sehnsüchte und Probleme der Albaner singen. Zu den albanischen Intepretinnen, die ihre Musikkarriere klassischerweise bei den Gesangswettbewerben ihrer Heimat begannen, gehört die 1979 in Priština geborene Edona Llalloshi. 1994 erhielt sie den Preis der "Besten Debütantin" beim Festivali i Këngës. Ein Jahr später trat sie dort bereits mit "Kthemi ëndrrat" im Finale auf. In den nächsten Jahren nahm sie immer wieder am Festivali i Këngës und dem Kënga Magjike teil. Inzwischen sind sieben Alben von ihr erschienen und machte sich einen Namen in der albanischen Musikszene. Gemeinsam mit ihrem Bruder Milot Llalloshi nahm sie 2014 den Titel "Për ty po flas" ("Ich rede über dich") auf. 

Edona Llaloshi & Miloti - Për ty po flas

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