Sonntag, 12. Mai 2024

Eurovision 2024: Zusammenfassung des großen Finales


Schweden
- Dann wollen wir das Gesehene und Erlebte von gestern Abend einmal aufarbeiten, denn das Finale des 68. Eurovision Song Contests war nicht nur ein knapp vierstündiges Event der Heiterkeit und der europäischen Völkervereinigung, der gestrige Nachmittag mutierte erstmals, seitdem ich den Wettbewerb seit 2007 hier aufarbeite, zu bangen Stunden, für die n-tv einen News-Ticker hätte eröffnen können... die Stimmung war aufgeheizt und man hatte irgendwie den Eindruck, dass niemand wusste, wer welche Haltung zeigt, sobald das "Te Deum" abgeschlossen war.

Noch bei der letzten Probe zuvor nutzten mehrere Interpreten die Gelegenheit sich politisch aufzustellen. Das trübte nicht nur die Stimmung im Vorfeld bei vielen Fans, sondern wirkte auch wenig schmeichelhaft auf die warme Begrüßung von Prinzessin Viktoria, die Europäische Rundfunkunion und die grundsätzliche Idee des Wettbewerbs. Weder SVT noch die EBU konnten bei der Vergabe an Malmö ahnen, dass der Wettbewerb mitten in einen Israel-Palästina-Konflikt hineingezogen wird. Und der Zwischenfall mit Joost Klein, der die Disqualifikation der Niederlande zur Folge hatte, hätte zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können...

So blieb zu hoffen, dass das Song Contest-Finale irgendwie glatt über die Bühne gehen würde. Und nach meiner Einschätzung hat man das irgendwie auch hinbekommen. Zu den Einzelfällen später mehr... nach dem Intro hat man Björn Skifs auf die Bühne gestellt. Der mittlerweile 77jährige hat Schweden zweimal beim Song Contest vertreten, so recht wusste man mit dem etwas gebrechlich wirkenden Mann aber nichts anzufangen. Für ein Opening des Eurovision Song Contests war das schon relativ schwach, insbesondere da die Semifinals deutlich fulminanter eröffnet wurden. Aber zumindest kennen nun einige "Hooked on a feeling", den ersten Billboard-Hit der Gruppe Blue Swede.

Es folgte die Flag Parade, bei der sich alle Interpreten zur Musik von Icona Pop, Ace of Base, Roxette, Lykke Li und ABBA in der Halle einfanden. An diesem Auflaufen nahmen im Vergleich zur letzten Probe auch alle Nationen teil, Isaak mit praktischer Deutschlandflagge zum Hereinschlüpfen. Eden Golan wurde gleichermaßen bejubelt wie ausgebuht, da hat die Eurovision mit Soundaufnahmen nachgeholfen, die wir schon aus dem Jahr 2015 kennen. Nemo brachte neben der Schweizer Flagge noch die Flagge der Non-Binären mit und Kaleen hatte sogar auf ihrer Flagge Swarovski-Steinchen.

Malin Åkerman und Petra Mede führten ein letztes Mal durch den Abend und verwalteten mit ihrem großen Showtalent einen angeschlagenen Wettbewerb. Um die Stimmung sogleich zu heben, traten Marcus & Martinus auch direkt für das Gastgeberland an. "Unforgettable" ist eigentlich zur Genüge besprochen worden, die Zwillinge absolvierten den Finalauftritt standardmäßig und belegten am Ende den neunten Platz mit 174 Punkten, von denen 49 aus dem Zuschauervoting stammten. Die Schere zwischen Jury- und Publikumsvoting klafft bei einigen Ländern aber noch gewaltiger auseinander, Schweden zeigte sich aber zumindest als "friendly host" und verzichtete auf ein weiteres Ergebnis in Treppchennähe.

Anders ist die Lage schon bei der Ukraine, die auf dem undankbaren zweiten Platz starten musste und trotzdem im kollektiven Gedächtnis geblieben sind. Jerry Heil stiefelte auf ihren König der Löwen-Felsen und behauptete sich gemeinsam mit ihrer Kollegin Alyona Alyona souverän. Der Auftritt berührte die Massen und kassierte vor allem bei den Zuschauern fette Punkte. So reichte es am Ende für die Bronzemedaille, wenngleich die Jury erstaunlich zurückhaltend war, als es um Punkte ging. Im Juryvoting kommt das Duo nur auf 146 Zähler, da hätte ich mit deutlich mehr gerechnet. Aber ich glaube, die Ukraine kann mit dem Abend zufrieden sein.

Zufrieden können auch wir aus deutscher Sicht sein. Isaak hat mit seiner Performance alle Prognosen und auch meine Erwartungen mehr als übertroffen. Umgeben von seinem flammenden Wohnzimmer verzichtete er auf unnötige Inszenierung und verließ sich voll und ganz auf seine herausrangende Stimme. Schon mit der ersten Punktevergabe aus der Ukraine gab es die ersten Zähler, Thorsten Schorn wurde durch die Juroren der Einstand als Kommentator geebnet, konnte er doch mehr Zähler verkünden als Peter Urban in allen Jahrgängen seit der Corona-Pause 2020 zusammen.

Deutschland fand sich am Ende des Abends auf dem zwölften Platz wieder, in der linken Tabellenhälfte! Ein Ergebnis, das wir als völlig ausreichend empfinden, sind wir diese Perspektive doch gar nicht mehr gewohnt. Und so sind auch die Medien heute gnädig, was die Bewertung des deutschen Acts angeht. Isaak hat mehr erreicht, als wir für möglich gehalten haben und danken für einen tollen Beitrag. Trotz aller Lorbeeren, die er in Malmö erhält, sollte sich der NDR, sofern in Zukunft noch mit der Austragung des Vorentscheid beauftragt, nicht zurücklehnen und sich und sein Konzept gründlich überdenken!

Für Rückkehrer Luxemburg trat Tali an vierter Position an, wahrscheinlich auch mit einem dicken Nostalgie- und Comebackbonus im Gepäck, intonierte sie "Fighter", an dem es eigentlich nicht viel auszusetzen gab, abgesehen von den überflüssigen wenngleich gewiss teuren CGI-Raubkatzen. Platz 13 ist gut gemeint und für RTL wohl auch eine Bestätigung, es weiterhin zu probieren, die Teilnahme des Landes ist für 2025 bereits fix ausgesprochen. Startplatz 5 blieb vakant, hier hätte Joost Klein starten sollen. Die Niederlande wurden aufgrund eines Vorfalls ausgeschlossen, wie auch Thorsten Schorn anmerkte, das führte bei vielen Zuschauern zu großem Unmut.

Als dann während der Punktevergabe auch noch Petra Mede an Martin Österdahl übergeben musste, da sich AVROTROS weigerte Punktesprecherin Nikkie de Jager zuzuschalten, wurde er als Gallionsfigur der Europäischen Rundfunkunion von vielen in der Halle in Grund und Boden gebuht. Die zwölf Punkte für Nemo gingen dabei fast unter. Einerseits kann man den Unmut auch verstehen, die EBU hat sich mit ihrer Kommunikationspolitik in diesem Jahr wahrlich keinen Gefallen getan, niemand weiß, was wirklich zwischen Joost und der Kamerafrau aus dem Produktionsteam geschah, deshalb urteilen auch wir nicht weiter darüber. Der "Vorfall" wird uns aber gewiss noch die nächsten Wochen beschäftigen...

Gebuht wurde auch, als Israels Sängerin Eden Golan für Israel als Fünftes an Position sechs antrat. Bei jeder Jurywertung wie auch beim enorm hohen Televotingergebnis für Israel wurde gebuht und dem Team unmissverständlich gezeigt, was man von der Teilnahme des Landes im Wettbewerb hält. Auf der anderen Seite belegte Eden mit ihrer wirklich toll gesungenen und inszenierten Performance zu "Hurricane" bei dem Zuschauern den zweiten Platz. Allein aus Deutschland gab es zwölf Punkte, wie politisch dieses Ergebnis nun am Ende ist weiß niemand, vielleicht standen die Zuschauer am TV-Bild aber auch dem ganzen Fall objektiver gegenüber als die Juroren, die sich mit Punkten zögerlich und reserviert zeigten.

Nun könnte man nach dem Wettbewerb diskutieren, ob sich die EBU einen Gefallen damit getan hat, Israel starten zu lassen, wie groß der Schaden für die "unpolitische" Veranstaltung ist und generell, was man als Lehren aus dem Wettbewerb zieht. Die Verantwortlichen werden gewiss reflektieren und die ein oder andere Änderung in Vorbereitung auf so einen großen Event überdenken müssen. Was das Zeitgeschehen im Weiteren bringt wird und wie das Image des Song Contests wieder aufpoliert werden kann, lässt sich gegenwärtig noch nicht sagen, es müssen aber einige unangenehme Themen bei der EBU auf den Tisch kommen, sonst ruiniert man einen Wettbewerb der eine Einheitskultur schaffen sollte langfristig...

"Politics aside", Israel belegte am Ende des Abends Platz fünf. Es folgte Silvester Belt aus Litauen, der wie schon im Semifinale seinen stapfenden Titel "Luktelk" performte. Der Junge hat gut abgeliefert, honoriert wurde dies mit dem 14. Platz. Die litauische Delegation hatte sich bestimmt mehr erhofft, unter den 25 Startern war der Beitrag aber einer der unscheinbarsten. Ebenso Spanien, das sich mal wieder unter den letzten Fünf platzierte. Dabei hat Nebulossa-Sängerin Mery im Vergleich zum Halbfinale aber deutlich besser gesungen. Wie in der Analyse auf Eurovision.de aber schon besprochen wurde, nützt der beste Text nichts, wenn der Europäer am Fernseher nur sieht, wie zwei Männer ihnen den Hintern in die Kamera strecken... 

Die Juroren schienen hingegen bei der estnischen Performance ratlos. Nur vier Punkte holten 5miinust x Puuluup bei den Jurys. Talharpa und Band-Battle waren für den Song Contest dann wohl doch nicht die richtige Formel. Unter den drei baltischen Ländern schnitt Estland mit Platz 20 am schlechtesten ab, was ich ein wenig schade finde, denn man fühlte sich drei Minuten gut unterhalten, obwohl man kein Wort verstanden hat. Generell muss man mal anmerken, dass der Trend zurück zur Landessprache sich fortsetzt. 16 der 25 Starter traten mit Beiträgen auf, die zumindest partiell in Landessprache gesungen wurden und das ganz ohne Vorgaben, wie es sie bis 1999 noch gab.

Eine denkwürdige Performance legte Bambie Thug schon im Halbfinale hin, da zündete die Dämonenbeschwörung noch ein klein wenig mehr, aber hey, Irland hat das beste Ergebnis seit 2000 eingefahren und nicht nur bei den Zuschauern sondern erstaunlicherweise auch bei den Juroren massiv viele Punkte erhalten. Das für die Juroren relevanten Kriterium, dass ein Titel originell und künstlerisch wertvoll sein soll, hat Bambie definitiv erfüllt und ich freue mich wie ein Schnitzel, dass "Doomsday Blue" es bis auf den sechsten Rang geschafft hat. Für das krisenerprobte RTÉ dürfte dies vielleicht auch ein positives Zeichen sein, mehr Mut an den Tag zu legen, wenn es um die Besetzung des Vorentscheids geht.

Für eine Überraschung im Halbfinale sorgte Lettland durch sein Weiterkommen, ein Blick auf die Ergebnisse zeigt jedoch, dass "Hollow" kein Wackelkandidat war, sondern doch locker in die Endrunde einzog. Dabei gab es auf der Bühne gar nicht viel zu sehen, übermäßig viel Deko und Drama wäre auch zu viel für den Titel gewesen. Das ist so ein Lied, das von der Stimme lebt und bei dem man genauso gut die Augen zumachen kann. Lettland stand zum ersten Mal seit 2016 wieder im Finale und kann mit Platz 16 ganz zufrieden sein.

An den Top Ten vorbeigeschrammt ist Marina Zatti mit "Zari". Die Tempiwechsel und das doch etwas unstrukturierte Geschehen auf der Bühne verhinderten wohl mehr als einen elften Platz. Dabei ist der griechische Beitrag einer der modernsten im Wettbewerb gewesen und im eigenen Land ein riesiger Hit geworden. Nicht zuletzt funktionierte der Punkteaustausch zwischen Griechenland und Zypern im Televoting wieder hervorragend, wenngleich die Juroren jeweils andere Favoriten hatten. Ohne Juroren gänzlich verloren wäre übrigens in diesem Jahr das Vereinigte Königreich, was ich extrem paradox finde, da ich dachte, Olly Alexander als Name würde Juroren nicht beeindrucken, die Zuschauer aber umso mehr.

Stattdessen trat das Gegenteil ein, die 46 Punkte für "Dizzy" stammten ausschließlich aus dem Juryvoting, von den Zuschauern gab es für die Darbietung homosexueller Fantasien keinen einzigen Punkt. Tatsächlich kann man sagen, dass die Inszenierung einfach "too much" war, selbst für einen, die Zielgruppe ansprechenden, Wettbewerb. Hinzu kommt, dass Olly eine der schwächsten Gesangsleistungen des Abends ablieferte. Da nützten auch die Hängechoreographien und innigen Blicke seiner Tänzer nichts mehr. Die BBC hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt und ist wieder da, wo sie auch schon vor Sam Ryder stand...

In der Halbzeitpause, während der einige Länder Werbung schalteten, zeigte Sarah Dawn Finer in ihrem Alter Ego Lynda Woodruff ihre Zuneigung für den EBU-Supervisor Martin Österdahl, indem sie dem Song "You're good to go" performte. Leider kam die Shownummer nicht so recht aus dem Quark, insbesondere da das Image des Obersten der Eurovision mehr als angeschlagen ist. Danach ging es mit Norwegen weiter, "Ulveham" reiht sich in eine lange Liste von inzwischen zwölf Beiträgen des Landes ein, die allesamt den letzten Platz belegten. Wahrscheinlich haben Bambie Thug und Co. dem doch recht unscheinbaren Lied die Stimmen geklaut.

Hinzu kommt, dass die norwegische Folklyrik europaweit gewiss nicht verstanden wurde und der besondere Gesangsstil von Sängerin Gunnhild so hätte ausgelegt werden können, als wenn sie konsequent daneben sind. Das sollte zwar so, wirkte aber leider nicht rund genug. Somit gab es magere zwölf Punkte von den Juroren und nur vier Punkte im Zuschauervoting. In Norwegen ziehen letzte Plätze aber glücklicherweise nicht so echauffierte Reaktionen nach sich, auch die Karriere der Interpreten ist nicht per se beerdigt, in skandinavischen Ländern existiert eine Kultur, dass auch die Letzten frenetisch gefeiert werden und so dürften Gåte erhobenen Hauptes zurückfahren.

Angelina Mango und ihr Team haben sich zum Glück in letzter Minute noch für andere Klamotten entschieden. Statt der billig wirkenden Textilverschnörkelungen gab es ein dezenteres Schwarz auf den Leib geschnitten. So ging die italienische Sängerin mit ihrem "La noia", der die Langeweile der jungen Generation themasierte, optisch nicht völlig in ihrem Bühnenbild unter. Musikalisch räumte Italien wieder vergleichsweise gut ab, ein siebter Platz ist vielleicht nicht das, was die RAI erwartet hätte, angesichts der Konkurrenz und der Wirkung des Beitrags im gesamten Teilnehmerfeld eine ordentliche Leistung.

Serbiens Sängerin Teya Dora finde ich ja nach wie vor knuffig, sie sitzt so süß in die Kameras lächelnd im Greenroom, freut sich dabei sein zu dürfen und das obwohl sie so einen schweren Beitrag im Schlepptau hat. Das Lied über den Serbischen Felsenteller zog aber eher bei den benachbarten Ländern, die klassische Balkanballade war es auch nicht, sodass Serbien mit Platz 17 eigentlich noch gut davon kam. Gleiches gilt für den Auftritt des Windows95Man, der ein wenig besser gesungen und in der Choreographie umgesetzt war, als noch im Semi, bei den Juroren natürlich gnadenlos durchfiel und bei den Zuschauern auch nur mäßig Begeisterung hervorrief, Platz 19 für den Mann aus dem Ei.

Dass Portugal als Qualitätswerk zum Liebling der Juroren werden würde, war schon vor dem Finale klar. 139 der 152 Punkte erhielt "Grito" aus dem Juryvoting. Iolanda steuerte keine großen Neuerungen, dafür aber einen soliden, in portugiesischer Ästhetik gehaltenen Song bei, der einfach den Nerv der Qualitätsprüfer trifft. So reichte es für Platz zehn. In etwa gleichen Teilen von Jury und Zuschauern geliebt wurde "Jako" aus Armenien. Selbst ich, der selten Freund armenischer Beiträge ist, gebe zu, dass der Titel extrem bühnentauglich ist. Mit Witz, Chruzpe und einem sehr ansehnlichen Louis unterhielten Ladaniva mit einem Lied, das in der Studioversion extrem anstrengend ist. Insofern geht Platz acht voll in Ordnung.

Zypern reihte sich im Mittelfeld ein, womit man auch okay sein kann, haben wir in ähnlicher Form alles schon 20x gesehen, tut nicht weh und gehört irgendwie zur Eurovision dazu. Mehr Ecken und Kanten zeigte da Nemo für die Schweiz. Gekonnt rangierte Nemo über die Bühne, die Choreographie spiegelt den Songtext und seine persönliche Geschichte wieder, hin- und hergerissen auf der Suche nach der eigenen Identität. Europa honorierte diese Leistungen, die den Kräften der Physik trotzdem, indem man der Eidgenossenschaft 226 Punkte im Televoting gab. Das entspricht bei reinem Televoting allerdings nur Platz fünf. In Addition mit den Jurystimmen, bei denen Nemo deutlich vorn lag, reichte es aber zum dritten Sieg für die Schweiz.

Nach Nemo gab es einen kurzen Break, bei dem ein kurzer Ausflug in die ESC-Historie unternommen wurde, Petra Mede bewarb DVD, CD und Vinyl-LP des Wettbewerbs und für die Heiden unter uns auch den ESC-Runenstein mit allen Songtexten drauf, bevor es mit Slowenien weiterging. Raiven und ihre choreographierte Geschichtsabhandlung zu "Veronika" endete auf dem 23. und damit drittletzten Platz. Weder die Juroren noch die Zuschauer zeigten sich sonderbar beeindruckt von der doch ganz interessanten Vita einer Adeligen, die erst der Hexerei bezichtigt und danach ertränkt wurde.

Es folgte das Nachbarland Kroatien und damit der große Favorit in den Wettquoten. Baby Lasagna hat sich in all den Tagen in Malmö zurückhaltend gezeigt, beim Empfang auf dem Carpet Turquoise sogar erwähnt, dass ihm das alles zu viel sei, dennoch hat er auf der Bühne eine sensationelle Performance abgeliefert, bei der auch das Hallenpublikum mitging. Die Show wurde seit dem Vorentscheid Dora kaum verändert, die Backdrops zeigten die tanzenden Tiere, es wirkte alles schon so, als würde die Reise 2025 nach Zagreb gehen.

Leider durchkreuzte die Jury dem kroatischen Beitrag die Pläne und fuhr "Rim Tim Tagi Dim" in die Parade. Im Televoting lag Baby Lasagna mit 337 Punkten deutlich vor dem späteren Sieger aus der Schweiz. In der Summe fehlten Kroatien allerdings im finalen Duell 44 Punkte. Dennoch kann Marko stolz auf sich und seine Leistung sein. Von dem was man hört, gab es nach seiner Landung in Zagreb einen großen Empfang mit tausenden Fans und obendrein noch das beste Ergbenis, das Kroatien als unabhängiges Land je eingefahren hat.

Platz 21 gab es am Ende für Nutsa Buzaladse aus Georgien, die ihr Land nach Jahren endlich wieder ins Finale geführt hat. Stimmlich in Ordnung, optisch gab es das auch schon alles zig Male und somit sind die 34 Punkte schon in Ordnung. Die Georgier dürften sich generell am meisten darüber gefreut haben, mal nicht mit ihren musikalischen Experimenten im Halbfinale ausgeschieden zu sein. Danach war es Zeit für große Gesten aus Frankreich, wobei die Kameraführung schon ein bisschen seltsam war. Der Fokus lag aber durchgehend auf Slimane, der am Ende zu seinem großen A cappella-Move ausholte und damit stimmlich explodierte und die Halle erfüllte.

Slimane hielt sich ans Protokoll und performte als sei nichts gewesen, keine Botschaften im Text, sondern einfach nur er und sein Lied. Belohnt wurde das Ganze mit 218 Punkten im Juryvoting und zusätzlichen 227 Stimmen im Televoting. Damit reichte es für Frankreich zum vierten Platz. Generell wechselten sich die Schweiz, Italien und Frankreich zu Beginn des Juryvoting regelmäßig ab, diese Platzierungen hatte es bereits 2021 in Rotterdam gegeben, als Gjon's Tears, Barbara Pravi und Måneskin um die Gunst des Publikums buhlten. Am Ende zog die Schweiz dann aber doch deutlich vorweg.

Nach der Frage von Petra wie sich der Sieg von ABBA auf Brighton ausgewirkt hat, trat Kaleen als letzte Sängerin auf die Bühne. Man konnte schon davon ausgehen, dass Österreich mit "We will rave", das wie von der Future Trance-CD kopiert klingt, nicht der ganz große Wurf wird, insbesondere da Kaleen nicht die beste Sängerin in der Konkurrenz war, aber die paar Pünktchen im Televoting fand ich dann doch schon etwas arg wenig. Österreich landet leider nur auf dem vorletzten Rang, knapp vor Norwegen. Es folgten mehrere Schnelldurchgänge, einer davon in umgekehrter Reihenfolge.

Dazwischen bot SVT ein Pausenprogramm, das zumindest in Ordnung, wenn auch nicht überragend war. Alcazar haben endlich ihren Auftritt auf der großen Song Contest-Bühne erhalten, ABBA wurden zumindest durch ihre KI-Show in London präsentiert und Loreen... ja die hat auch etwa zehn Minuten etwas auf ihrem Metallhocker getrieben, wobei das schon ein bisschen lame wirkte, was die zweifache Song Contest-Siegerin da angestellt hat. Zudem hätte man sich ein bisschen mehr "Tattoo" und weniger Selbstinszenierung gewünscht, aber bei Loreen gab es ja schon immer zu viel Kunst und zu wenig Authentizität...

Nun denn, das Juryvoting dominierte die Schweiz zunächst deutlich, abgelenkt war ich phasenweise etwas durch den Umstand, dass auch Deutschland immer mal wieder mit Punkten belohnt wurde. In der Televotingsequenz rutschte dann noch einiges durcheinander bis es zum finalen Duell zwischen Baby Lasagna und Nemo kam. In seiner Siegerreprise verletzte sich Nemo, als er sich an seiner zerbrochenen Trophäe schnitt. Glücklicherweise konnte man Nemo verarzten und hatte hinter der Bühne auch noch einen zweiten Pokal. Mit der Pressekonferenz endete dann der offizielle Teil der Eurovision 2024.

Die nächsten Tage werden zeigen, was nun aus dem Wettbewerb wird. Die Europäische Rundfunkunion wird sich gewiss Gedanken darüber machen, wie man den Wettbewerb entweder komplett aus der Politik raushält oder wie man es zumindest schafft, dass es weniger Boykott- und Protestaktionen von Künstlern und anderen Parteien kommt. Zudem muss der Fall der Niederlande noch aufgearbeitet werden und die nächsten Gastgeber müssen mit den nötigen Unterlagen versorgt werden. 2025 findet die Eurovision in der Schweiz statt, da kann man als anreisender Fan schon mal anfangen zu sparen.

Die Flag Parade mit Isaak und Tali

Wurde ausgebuht: Eden Golan | "Crown the witch": Irland's Bambie Thug

Olly Alexander für das UK | In Windows-Farben: Finnland

Platz eins und Platz zwei, Nemo und Baby Lasagna

Bei Österreich glitzerte selbst die Flagge | Björk Skifs beim Opening

Die ersten Performances von Marcus & Martinus und Alyona Alyona & Jerry Heil

Platz 12 für Isaak: Deutschland war mal wieder auf der linken Tabellenhälfte dabei

Tali erhielt als Willkommensgeschenk Platz 13 | Der letzte Auftritt von Eden Golan

Discostapfer und nackte Hintern: Silvester Belt und Nebulossa

Estlands Performance hat nicht so ganz gezogen | Der Tanz mit dem Satan schon: Irland

Bleibt für mich ein Überraschungskandidat: Dons aus Lettland | Marina Zatti

Zu viel Fetischclub: UK | Zu dunkel und sperrig: Norwegen

Platz 17 gab es für Teya Dora aus Serbien | Funkenflug bei Finnland

Besungene Langeweile: "La noia" | Iolanda mit "Grito" für Portugal

Hier wurde viel getanzt: bei Ladaniva aus Armenien und Silia aus Zypern

Slowenien spielt mit dem Element Wasser: Raiven | Nutsa Buzaladse eher mit dem Feuer

Unser neuer Song Contest-Sieger: Nemo für die Schweiz | Baby Lasagna wurde Zweiter

Slimane bei seinem großen A cappella-Moment | Zu Beginn war Kaleen noch verhüllt

Alcazar | Charlotte Perrelli, Carola und Conchita beim ABBA-Tribute

Loreen auf ihrem Gynäkologenstuhl | Team Schweden nach ihrem Auftritt im Greenroom

Irland, Griechenland, Portugal und Schweiz | Auch bei Kroatien wurde viel gedrückt

Team Frankreich | Bambie gab Nemo den Dornenkranz aus ihrer Performance

Nemo erhielt später einen Ersatzpokal, der nun mit in die Schweiz reisen darf