Dienstag, 16. Juni 2020

Beyond Eurovision (137): Eritrea



Eritrea - Ein Land, das einen jahrelangen erbitterten Unabhängigkeitskrieg geführt hat und unmittelbar danach in einer völligen Diktatur versank, die zahllose Einwohner zur Flucht vor dem Militärdienst zwang, ist Eritrea. Das 1993 von Äthiopien in die Unabhängigkeit entlassene ostafrikanische Land, wird von der allgegenwärtigen Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit rigoros verwaltet, inzwischen haben sich aber zumindest das Staatsoberhaupt Isayas Afewerki und der äthiopische Präsident versöhnt und die bilateralen Beziehungen wieder auf eine neue Ebene gebracht.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Asmara
Sprachen
Tigrinya, Arabisch
Fläche
121.100km²
Währung
Nakfa (Nfa)
Einwohner
5,1 Mio.
Internet-TLD
.er
Zeitzone
UTC +3
Wiki-Info

Die einstige italienische Kolonie ist meines Wissens nach das einzige Land der Erde, das von seinen Aussiedlern eine Aufbausteuer in Höhe von 2% des Bruttoeinkommens einfordert, um die Belange im eigenen Land zu finanzieren, insbesondere das Militär, den Hauptgrund, warum viele Eritreer das Land überhaupt verlassen. Den italienischen Einfluss entdeckt man noch heute, insbesondere in der Hauptstadt Asmara. Ein klassisches Beispiel hierfür ist das Fiat Tagliero-Gebäude, eine Tankstelle die sogar zum Weltkulturerbe gehört. Touristen ist es ohne behördliche Genehmigung allerdings verwehrt, sich außerhalb Asmaras aufzuhalten.

Obwohl sowohl Äthiopien als auch Eritrea eine gemeinsame Vergangenheit, Kultur und Sprache haben, mündeten Grenzkonflikte nach der Unabhängigkeit in mehreren Gefechten und ständiger Alarmbereitschaft. In sämtlichen Listen zu Demokratie und Pressefreiheit belegt Eritrea generell die hintersten Plätze. Dennoch existiert im Land eine große kulturelle Vielfalt, angefangen bei der exzessiven Kaffeezeremonie, dem Ge'ez, bis hin zu diversen traditionellen Gesängen und Musikstilen, die die jeweiligen ethnischen Gruppen im Land repräsentieren, so etwa die Afar, Tigre und Nara. Darüber hinaus gibt es auch Popularmusiker, wenngleich in kleinerem Umfang als in den Nachbarländern.

Zu den bekanntesten Sängerinnen des Landes zählt Rodas Meri, die der Überlieferung zufolge in Asmara geboren wurde und heute zu den prominenten Vertretern der eritreischen Musikszene gehört. Seit Jahren vertont sie erfolgreiche Singles wie "Dengikani" oder das hier heute vorgestellte "Ableni". Deutlich hörbar ist die Mischung traditioneller afrikanischer Rhythmen mit starker arabischer Färbung. Rodas Meri singt auf Tigrinya und Arabisch und konnte sich u.a. auch im benachbarten Äthiopien einen Namen machen, Konzerte im jeweils anderen Land waren bislang allerdings, der Politik geschuldet, undenkbar.

Rodas Meri - Ableni

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