Samstag, 19. September 2020

Deutschland: Als der "Wahre Grand Prix" lief


Deutschland
- In den 90er Jahren steckte der Eurovision Song Contest in Deutschland in der Krise. Ralph Siegel hatte die Veranstaltung fest in der Hand, die dereinst als extrem verstaubt galt. Und wie überall in der Menschheitsgeschichte wo sich Protest regt, entstehen entsprechende Bewegungen, dies lässt sich bis ins Mittelalter und noch weiter zurückverfolgen, als es nicht nur einen Papst sondern auch noch Gegenpäpste gab. Ähnlich, wenngleich nicht ganz so bedeutend regte sich Protest gegen das angestaubte Image des Song Contests in Deutschland.

Es war 1993, als Eberhard Wormer mit einer Veranstaltung namens "Der wahre Grand Prix" eine Satire-Veranstaltung in einem Theater in München ausrichtete, die aber sogleich das Interesse der Medien auf sich zog. Gesucht wurden hier im Vorwege über verschiedene Pressekanäle schräge Schlagerlieder und -interpreten. Terminlich fand der Wettbewerb einen Tag vor dem Eurovisionsfinale statt. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahr 2011 lässt sich ablesen, was damals Hauptgrund für den alternativen Grand Prix war.

1996 und 1997 wurde die Show sogar vom ZDF übertragen. Wie Mitbegründer Christoph Bühring-Uhle erklärt, hat sich Ralph Siegel damals furchtbar über die leichte Muse aufgeregt. "In einem vierseitigen Brief hat er mir geschrieben, ich hätte wohl eine schlimme Kindheit gehabt und würde ihm seinen Olympiapool neiden. Dabei hatte ich schon Respekt vor seinen Verdiensten. Er kann nur nicht über sich selber lachen.", wird dieser zitiert. Sein Ende fand der Wettbewerb 1998, nachdem "einer von ihnen" tatsächlich zum Song Contest fuhr, nämlich Guildo Horn.

Bekannt geworden ist u.a. der Siegertitel von 1997, gesungen von Andreas Zaron und seiner Partnerin Verena Rendtorff, die als Cliff & Rexonah über "Das ganz große Glück (im Zug nach Osnabrück)" sangen und sogar in der ZDF-Hitparade mehrfach abräumten. Zaron schrieb und komponierte später u.a. für Peggy March, Ingrid Peters, Mary Roos und DJ Ötzi und war als Musicaldarsteller tätig. Der "wahre Grand Prix" endete nachdem die Organisatoren die Show zu ernst nahmen und Guildo den Eurovision Song Contest aus deutscher Sicht wiederbelebte. 

Cliff & Rexonah - Das ganz große Glück (im Zug nach Osnabrück)

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