Samstag, 14. Juli 2018

Eurovision 2019: Der Stand der Dinge



Europa - Alljährlich ist der Sommer eine Zeit, in dem die Nachrichten rund um den Eurovision Song Contest nur vereinzelt zu Tage kommen und es kaum Neuigkeiten rund um unseren Lieblingswettbewerb gibt. Zuletzt bestätigte das wallonische Fernsehen RTBF seine Präsenz beim 64. Eurovision Song Contest in Israel. Da Belgien aber nicht die einzige Nation ist, die sich bereits für das nächste Jahr angekündigt hat, wollen wir mal eine aktuelle Zusammenfassung liefern, wer, wann, wo und vor allem was gesagt hat.

Andorra - Das andorranische Fernsehen RTVA hat bereits sehr früh zu verstehen gegeben, dass ein Comeback zum Eurovision Song Contest die finanziellen Grenzen des Senders mehr als überschreitet. Generaldirektor Xavi Mujal sagte: "Das liegt vor allem an den Teilnahmekosten und der Logistik, die für jeden Wettbewerb notwendig sind, die für ein kleines Unternehmen wie uns zu hoch sind."

Belgien - Gestern sagte das wallonische Fernsehen RTBF, das 2019 die Zügel in der Hand hat, für den Eurovision Song Contest zu. Allerdings ist noch nicht bekannt, ob der Sender seiner Linie treu bleibt und intern nach einem Kandidaten sucht oder einen nationalen Vorentscheid austrägt, was allerdings ziemlich ungewöhnlich wäre, da dies eher nach dem Gusto des flämischen Fernsehens wäre.

Bosnien-Herzegowina - Mehr als sechs Millionen Schweizer Franken schuldet der bosnische Staatssender der Europäischen Rundfunkunion für Lizenzen und Übertragungsrechte. Solange diese Rechnungen nicht beglichen sind, wurde BHRT von allen Dienstleistungen der Eurovision ausgeschlossen und kann daher logischerweise auch nicht am Eurovision Song Contest teilnehmen. 

Bulgarien - Delegationsleiterin Joana Levieva-Sawyer bestätigte bereits wenige Tage nach dem Finale von Lissabon, dass BNT weiterhin bulgarischen Musikern die Möglichkeit bieten möchte, sich und Bulgarien auf der großen Bühne zu repräsentieren. "Unser Ziel ist es, weiterhin zur Qualität des Wettbewerbs beizutragen.", heißt es aus Sofia, Einzelheiten verriet sie aber nicht.

Dänemark - Auch im Jahr 2019 wird es wieder einen Dansk Melodi Grand Prix geben, bestätigte DR-Unterhaltungschef Jan Lagermand Lundme im Mai. Nach der Top Ten-Platzierung mit Rasmussen werde man weiterhin fokussiert mit den Künstlern an servierfertigen Performances arbeiten, sodass man kaum Änderungen zwischen Vorentscheid und Song Contest-Auftritt vornehmen müsse.

Deutschland - Am Format werden nur noch Feinjustierungen durchgeführt, ansonsten bleibt der Ablauf des deutschen Vorentscheid erhalten. 2019 wird wieder durch ein mehrschichtiges Konzept mit Hilfe eines 100köpfigen Euro-Panels, einer Expertenjury und dem Publikum nach dem Vertreter für Israel gesucht. Die Deadline, um Deutschland im nächsten Jahr zu vertreten endet Ende Juli.

Estland - Das estnische Fernsehen ERR hat seine Teilnahmebestätigung für 2019 bereits vor dem Finale von Lissabon abgegeben und startet mit einem neuen Produktionsleiter in die Saison. Der Eesti Laul wird auch im kommenden Jahr wieder abgehalten und sein Sieger zum Eurovision Song Contest geschickt. Genaue Daten stehen aber noch nicht fest.

Finnland - "Uuden Musiikin Kilpailu", der finnische Vorentscheid wird auch im nächsten Jahr wieder stattfinden. Hierzu verschickt der Sender YLE Einladungen an interessante Künstler, ein öffentlicher Aufruf wurde heuer nicht gestartet. Produzent Anssi Autio sagte, dieses Verfahren ermögliche eine bessere Vorbereitung und Zusammenarbeit mit dem Künstler auf den Auftritt beim Song Contest.

Frankreich - France 2 sucht bereits nach interessierten Bewerbern für seinen Vorentscheid "Destination Eurovision". Nachdem das Verfahren in diesem Jahr auf so große Resonanz beim französischen Publikum gestoßen ist, wird Frankreich seinen Kandidaten für Israel 2019 auf eben jene Art und Weise wieder auswählen. Bis zum 30. November läuft die Bewerbungsphase.

Irland - RTÉ hat sich bisher nicht zum Song Contest 2019 geäußert. Im eigenen Land kochen hingegen die Emotionen über. Die eine Seite fordert aus Solidarität zu den Palästinensern einen Boykott der Veranstaltung, die andere Seite, darunter der irische Außenminister Simon Coveney fordern, dass Irland auch im nächsten Jahr als Zeichen der Verständigung an der Eurovision teilnimmt. 

Island - Noch ausstehend ist die Bestätigung des isländischen Fernsehens RÚV. Über 25.000 Isländer haben eine Petition unterzeichnet, den Wettbewerb 2019 zu boykottieren. Die Initiatoren möchten damit ihren Protest gegen die Grenzverletzungen im Gazastreifen aufmerksam machen. RÚV hat sich bisher in Zurückhaltung geübt und keinen Kommentar abgegeben.

Israel - Als Gastgeber des Eurovision Song Contests 2019 wird Israel natürlich mit dabei sein. Der Vertreter Israels wird wieder einmal durch die Castingshow "Hakochav haba" ermittelt. Darüber hinaus suchen der Sender IPBC und die EBU momentan nach einem Termin für den Song Contest und einen geeigneten Austragungsort.

Italien - Eine offizielle Teilnahmebestätigung fehlt zwar von der RAI aus Italien noch, doch darf man fest davon ausgehen, dass der Sender 2019 wieder mit dabei sein wird. Die Termine für das San Remo-Festival stehen bereits fest, vom 5. bis 9. Februar trifft sich das Who is who der italienischen Musikszene wieder im Teatro Ariston an der ligurischen Blumenriviera.

Kosovo - Ein kosovarisches Debüt ist nicht so greifbar, wie uns der Sender RTK uns das immer wieder vermittelt. Es gibt zwar Gespräche über eine vertiefende Zusammenarbeit mit der Europäischen Rundfunkunion, von einer Aufnahme in die Union ist nach einem Statement der EBU aber nicht die Rede. Hinzu kommt, dass Gastgeber Israel den Kosovo bislang nicht als eigenständige Nation anerkennt.

Kroatien - HRT hat die feste Absicht, im nächsten Jahr am Eurovision Song Contest teilzunehmen und wägt nach eigenen Angaben verschiedene Modelle ab, wie der Interpret für Israel 2019 ermittelt werden könnte. Da Kroatien im morgigen Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft steht, liegt die Priorität bei HRT natürlich zunächst auf dem sportlichen Event und nicht im musikalischen Bereich.

Liechtenstein - "Das absolute 300 Jahr Highlight wird die Teilnahme Liechtensteins beim Eurovision Song Contest in 2019.", polterte eine Pressemitteilung des Senders 1FL TV im Novebmer letzten Jahres und kündigt, wie jedes Jahr seit der Gründung 2008 sein Debüt bei Europas größtem Liederwettbewerb an. Daraus geworden ist bisher noch nie etwas, Redaktionsleiter Peter Kölbel erklärte aber, die Verhandlungen mit der EBU verlaufen in "freundlicher Atmosphäre".

Malta - Das maltesische Fernsehen bricht mit seinem bisherigen Konzept "Malta Song For Europe" und räumt dem Sieger der ersten Staffel von "X Factor Malta" die Möglichkeit ein, sein Land beim Song Contest 2019 zu vertreten. Für Malta hatte es die letzten beiden Jahre mit routinierten Interpretinnen nicht für die Qualifikation gereicht.

Neuseeland - Die EU-Abgeordnete Cecilia Malmström stellte Neuseeland bei einem Besuch in Aussicht am Eurovision Song Contest teilzunehmen. Anders als in Australien gibt es in Neuseeland aber keine Fankultur für den Wettbewerb, in den letzten Jahren übertrug TVNZ nicht einmal den Wettbewerb. Zudem hat die EU nichts mit dem Song Contest zu tun, sodass die Nachricht nicht mehr als ein Aufmacher im Sommerloch war.

Norwegen - Am 31. Januar 2018 bestätigte das norwegische Fernsehen NRK als allererste Nation seine Teilnahme am Eurovision Song Contest 2019, da war Alexander Rybak noch nicht einmal für Lissabon ausgewählt. NRK öffnete bis einschließlich 9. September das Bewerbungsfenster für interessierte Interpreten und Komponisten. Im März 2019 dürfte dann wieder der Melodi Grand Prix stattfinden.

Österreich - "Bezüglich der Teilnahme am Eurovision Song Contest 2019 in Israel sowie zum allfälligen Auswahlprozess liegen uns zum derzeitigen Zeitpunkt leider noch keine Informationen vor.", hieß es Ende Mai aus Wien. Bisher hat sich der ORF nicht zu den Plänen für das nächste Jahr geäußert, eine Reise nach Israel ist aber mehr als wahrscheinlich und die Bestätigung Formsache.

Polen - Im Programmplan des Senders TVP taucht die Übertragung und Teilnahme am Eurovision Song Contest 2019 auf. Somit liegt zumindest eine vorläufige Bestätigung vor. Detaillierte Einzelheiten aus Warschau bezüglich eines nationalen Vorentscheid oder einer anderweitigen Auswahl liegen aktuell noch nicht vor.

Rumänien - Die Führungsetage von TVR kündigte nach dem ersten Aus im Semifinale überhaupt Konsequenzen an und plant, für das nächste Jahr Schlüsselpositionen neu zu besetzen. Dass Rumänien im nächsten Jahr wieder mit dabei ist, gilt daher als sehr wahrscheinlich, auch wenn noch kein finales OK aus Bukarest zu hören war.

San Marino - Der Vorentscheid "1in360" soll nach Angaben der Produzenten im nächsten Jahr weitergehen. Dennoch hat sich das sanmarinesische Fernsehen SMRTV bisher nicht dazu geäußert, ob die Show auch im Zusammenhang mit einer möglichen Teilnahme in Israel steht. Bisher hat der Sender es vermieden, ein Statement zu einer potentiellen Teilnahme abzugeben.

Schweden - Ohne Frage, Schweden ist im nächsten Jahr mit dabei. Am 17. September endet die Bewerbungsfrist für das Melodifestivalen 2019. Christer Björkmans Lebenswerk wird erneut in der Wintersaison durch Schweden touren, als Ausrichter für die Andra Chansen ist die Stadt Östersund im Gespräch. Das Konzept der Show bleibt identisch zu bisherigen Ausgaben, insgesamt gibt es sechs Shows, bis der schwedische Vertreter feststeht.

Schweiz - Trotz starker Leistung in Lissabon flog die Schweiz abermals aus dem Halbfinale. Dennoch werde SRF weiter am Eurovision Song Contest festhalten und gemeinsam mit den drei übrigen Rundfunkanstalten eine "große Entscheidungsshow" veranstalten. Das französischsprachige Fernsehen prüft bereits die Möglichkeit mit der "Option Musique" Teilnehmer für die Show 2019 auszuwählen.

Serbien - Schon während der Probenwochen in Lissabon erklärten Sprecher des serbischen Fernsehens RTS, dass die Neuauflage der Beovizija gezündet hat und man für das nächste Jahr erneut auf den serbischen Vorentscheid zurückgreifen werde. Serbien war damit das erste Land von der Balkanhalbinsel, dass seine Teilnahme 2019 bestätigte. Details zur Beovizija stehen aber noch aus.

Slowakei - "Der Eurovision Song Contest liegt über unseren finanziellen Möglichkeiten, sodass wir nicht zurückkehren können.", ließ der slowakische Senderdirektor Jaroslav Řezník Ende Mai diesen Jahres mitteilen. Die Slowakei, die zuletzt 2012 in Baku mit dabei war, wird erneut aussetzen müssen, obwohl die Nachbarn aus Tschechien gezeigt haben, dass auch chronisch erfolglose Länder mit dem richtigen Song punkten können.

Spanien - Ein 100%iges "Ja" liegt aus Spanien nicht vor, trotz allem hatten die Kandidaten der Operación Triunfo bei Vertragsschluss auch eine Klausel gegenzuzeichnen, die ihnen die Möglichkeit bietet, Spanien beim Eurovision Song Contest 2019 zu vertreten. RTVE hatte mit der Rückkehr zur Castingshow einen Quotenerfolg gelandet und dürfte trotz der Pleite von Alfred & Amaia an seinem Verfahren festhalten.

Tschechien - Martina Pokludová von Česká Televize erklärte, dass man nach dem Achtungserfolg von Mikolas Josef intensive Gespräche führen werde und sich zu einem geeignetem Zeitpunkt über die Pläne für das kommende Jahr äußern werde. Tschechien ist noch nicht auf der Teilnehmerliste für 2019 zu finden, die Bestätigung dürfte nach dem besten Ergebnis des Landes aber früher oder später eintrudeln.

Türkei - Premierminister Binali Yıldırım wetterte gegen die Organisatoren des Wettbewerbs, die Abstimmung sei zu einem Ränkespiel der Europäischen Rundfunkunion verkommen, die alles daran gelegt hätte, dass Israel gewinnt. Immer wieder gibt hagelt es aus Ankara abfällige Bemerkungen und der inzwischen politisch besetzte Senderapparat von TRT steigt mit ein. Somit wird die Türkei sehr wahrscheinlich keine Tickets für 2019 buchen.

Zypern - Mitte Juni bestätigte das zypriotische Fernsehen CyBC seine Teilnahme im nächsten Jahr. Angeheizt wurde die frühe Bestätigung durch den zweiten Platz von Eleni Foureira in Lissabon. Ob und wann der Kandidat wieder durch eine interne Entscheidung ausgewählt wird oder es wieder einmal einen zypriotischen Vorentscheid geben wird, ist derzeit noch nicht fix.

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