Samstag, 19. Dezember 2020

Marokko: Israelischer Korrespondent für Rückkehr


Marokko
- Der Eurovision Song Contest wird stets als unpolitisch beworben, dass er es nicht ist, zeigt sich immer wieder mit teilweise erschreckender Grausamkeit. Das neueste Fallbeispiel liefert ein Land, dass zuletzt vor 40 Jahren am Wettbewerb teilgenommen hat, nämlich Marokko. Zwar kann es als Erfolg der US-Politik gewertet werden, dass Marokko seine Beziehungen zu Israel normalisiert, ähnlich wie Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate bereits getan haben, jedoch zu einem Preis, der einen über Jahrzehnte hinweg schwelenden Konflikt noch einmal anheizt.

Zunächst einmal hat Eran Cicurel, Auslandskorrespondent und Radiomoderator des israelischen Rundfunks KAN seinen Wunsch getwittert, Marokko möge doch aufgrund der Normalisierung zwischen beiden Staaten seine Rückkehr zum Song Contest überdenken. "Israel and the Eurovision community wants you back in the Eurovision game", heißt es im entsprechenden Tweet. Marokko nahm nur einmal, 1980 am Song Contest teil, damals aufgrund der Tatsache, dass Israel auf die Ausrichtung des Wettbewerbs und zugleich seine Teilnahme verzichtete.

Auch der EBU war es ein Bestreben, das nordafrikanische Land zum Wettbewerb zurückzuholen und nach Aussage des früheren Executive Supervisors, Jon Ola Sand, gab es auch Gespräche mit dem Sender SNRT. Der Sender dementierte umgehend entsprechende Berichte und auch die aktuellen politischen Entwicklungen dürften den Sender kaum zum Umdenken bewegen, schließlich ist die letzte Teilnahme schon vier Dekaden her, zudem war das Abschneiden von "Bitaqat hob" desaströs. Daher wage ich auch zu bezweifeln, dass das marokkanische Fernsehen sich umgehend eine Wiederauflage seiner Teilnahme bemühen wird.

Zwar muss man den Erfolg der diplomatischen Vermittlung unter Führung des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump anerkennen, allerdings garantiert eben dieser im Gegenzug, dass die Vereinigten Staaten die volle Souveränität Marokkos über das Gebiet der Westsahara anerkennen und setzt sich über das Selbstbestimmungsrecht der Völker hinweg. Dies befeuert den Konflikt um das Territorium der Westsahara erneut, wo es erst vor kurzem in der Grenzstadt Guerguerat zu Schusswechseln kam. Die für die Unabhängigkeit der Westsahara einstehende Polisario kündigte daraufhin den Waffenstillstand auf, der von den Vereinten Nationen ausgehandelt wurde.

Die UN und die internationale Gemeinschaft garantieren dem saharauischen Volk seit 1991 die Durchführung eines Referendums, in dem demokratisch über die Unabhängigkeit oder die Autonomie innerhalb Marokkos entschieden werden sollte. Marokko blockiert seither die Durchführung, der wackelige Frieden in der Region, die durch einen verminten Wall durchzogen wird und die Westsahara in zwei Teile zerschneidet, steht seither auf der Kippe. Wie in so vielen Fällen von Weltpolitik, geht es auch um wirtschaftliche Aspekte, reiche Phosphatvorkommen im Inland und Fischgründe vor der Küste sind seit dem Abzug der Spanier im Jahr 1975 ein entscheidendes Thema in der Westsaharapolitik.

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