Posts mit dem Label liechtenstein werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label liechtenstein werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 18. April 2025

Liechtenstein: KI-Webradio soll Lücke füllen


Liechtenstein
- Seit 14 Tagen ist der Sendebetrieb von Radio Liechtenstein, dem einzigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk des Landes, eingestellt. Vorangegangen war bekanntermaßen eine Volksabstimmung, in der sich 55,4% der Abstimmenden für die Aufhebung des Gesetzes über den Liechtensteinischen Rundfunk gestimmt haben. Aus einer anschließend geplanten Privatisierung wurde nichts, am 3. April um 18 Uhr wurde offiziell der Stecker gezogen, der öffentlich-rechtliche Rundfunk abgewickelt.

Nun bewirbt die einzige Tageszeitung des Landes auf seiner Website vaterland.li sein Webradio, das diese Lücke zumindest ein stückweit schließen soll. Das Webradio ist online und per App hörbar, nicht jedoch über klassische Radiofrequenzen. Bereits im März wurde Radio Vaterland testweise gestartet und bietet Musik sowie KI-basierte Moderationen und Nachrichten. Hierfür wurden die Stimmen der Medienhaus-Mitarbeiter digitalisiert und auf das Printformat von Vaterland.li angepasst. Sowohl die Musikauswahl als auch die Stimmen sind somit KI-generiert.

"Wir haben einige Tausend Lieder eingespeist, die wir selbst ausgewählt haben, aber den Mix erstellt die KI nach unseren Vorgaben. (...) Wie unsere Zeitung soll auch unser Radio für alle da sein, daher pressen wir unsere Musik nicht in ein Format. So kann es gut sein, dass nach dem Jäger vom Silbertannental direkt Die Ärzte oder Ski Aggu läuft. Also: Nicht gleich abschalten, wenn Dir ein Lied nicht zusagt, eines der nächsten wird bestimmt besser gefallen." Von einem klassischen Radiobetrieb wie es Radio Liechtenstein bot ist das Programm allerdings weit entfernt.

Montag, 7. April 2025

Kommentar: Ein Fürstentum ohne Sprachrohr


Liechtenstein
- Am Donnerstagabend ging ein Stückchen Mediengeschichte zu Ende. Im kleinen Fürstentum Liechtenstein wurde der Sendebetrieb von Radio Liechtenstein, dem einzigen öffentlich-rechtlichen Rundfunkprogramm im Land eingestellt. Vorangegangen war eine Volksabstimmung, die von der Kleinpartei Demokraten pro Liechtenstein initiiert wurde, die sich daran störte, dass der Sender einen Großteil der öffentlichen Medienförderungsgelder erhielt. Mit 55,4% wurde dieser Entscheid angenommen. Eine Privatisierung wurde angekündigt.

Das letzte Logo von
Radio Liechtenstein
Letztlich hat sich jedoch kein Investor gefunden, der den Sender übernehmen wollte, am 3. April um 18 Uhr verabschiedeten sich die Moderatoren mit hörbarer Wehmut und Tränen in den Augen von ihrer treuen Zuhörerschaft nach 30 Jahren. Nach dem Titel "The show must go on" von Queen verstummte auf der Frequenz das einzige Medium, das Kulturschaffenden im Land eine akustische Präsentationsfläche bot. Fortan müssen Verkehrsfunk, Ansprachen des Fürsten, lokale Diskussionen und ein Programm an Reportagen, Gesprächen und Musik des Landes aus anderen Quellen bezogen werden.

Am selben Tag noch versuchte die DpL mit einem Nachtragskredit einen temporären Sendebetrieb aufrecht zu erhalten, doch dies kam zu spät und hätte laut der Regierungsparteien Vaterländische Union und Fortschrittliche Bürgerpartei für Verunsicherung gesorgt. Somit endete der seit 1995 betriebene Rundfunkbetrieb im Fürstentum abrupt und unehrenhaft. Auf der Website des Senders laufen seither in Endlosschleife vereinzelte Songs mit Abschiedsworten der Moderatoren und Journalisten, die für Radio Liechtenstein tätig waren.

Hans-Adam II. muss seine
Reden nun über andere
Kanäle verbreiten
Gerade dieser Sender hatte sich zuletzt darum bemüht, über die Landesgrenzen hinaus aktiv zu sein und lotete eine mögliche Mitgliedschaft in der Europäischen Rundfunkunion aus, nicht nur um auch die Chance zu haben am Eurovision Song Contest teilzunehmen, wäre eine Kooperation mit dem TV-Sender 1FLTV zustande gekommen. Als öffentlich-rechtliche Anstalt hätte Radio Liechtenstein zumindest die Mitgliedskriterien erfüllt. Nunmehr existiert kein ÖR im Land, was zugleich internationale Beachtung fand. "Mit der Abschaltung endet ein bedeutendes Kapitel der Medienlandschaft Liechtensteins", heißt es auf der Website des Radiosenders.

Liechtenstein ist dabei ein aktuelles Beispiel von verunglücktem Aktionismus, zu Lasten eines unabhängigen und öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der mittlerweile viele europäische Länder betrifft. Seit Jahren berichten wir über den Zwiespalt in dem sich der bosnische Rundfunk BHRT befindet, wo sich die Föderation Bosnien und Herzegowina und die Republika Srpska nicht auf eine Grundlage zum Gebühreneinzug verständigen können oder auch die Kürzung von Geldern in diversen anderen Ländern. Während es in Bosnien-Herzegowina zumindest regional noch einen ÖR gibt, ist die Geschichte in Liechtenstein mittelfristig beendet.

Glücklicherweise zählt der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland zu den weltweit größten nicht-kommerziellen Rundfunkprogrammen, wenngleich auch hier immer wieder der Rotstift angesetzt wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Bundesrepublik nach dem Vorbild der britischen BBC mit dem Aufbau des Nordwestdeutschen Rundfunks begonnen. Am 9. Juni 1950 wurde die ARD aus dem NWDR sowie den anderen Landesrundfunkanstalten des BR, HR, SDR, SWF und Radio Bremen gegründet, assoziiertes Mitglied war RIAS Berlin, der Hörfunk im Amerikanischen Sektor der Stadt Berlin. Letzterer spielte in der deutschen Geschichte eine bedeutende Rolle, richtete sich sein Programm nicht zuletzt auch an die Bevölkerung in der DDR, die dereinst in Formaten wie dem Hans Rosenthal-Quiz "Allein gegen alle" immer wieder als Mitteldeutschland betitelt wurde. 

Ein Berliner Original mit
enormen Verdiensten im
Rundfunk: Hans Rosenthal
Jenes Hörspielquiz, in dem ein Kandidat mit verzwickten Fragen Bürgermeister zur Verzweiflung brachte und Außenreporter wie Felix Knemöller Pionierarbeit für die spätere "Wetten dass..?"-Stadtwette leisteten. Eben jener Hans Rosenthal avancierte später zu einem der bekanntesten Moderatoren und machte sich mit Shows wie "Dalli Dalli" oder eben jenen Hörfunksendungen einen Namen. Am vergangenen Mittwoch wäre er 100 Jahre alt geworden. Im Zuge der Wiedervereinigung wurde RIAS Berlin in seiner ursprünglichen Bestimmung obsolet und ging später im Deutschlandradio auf. 
RIAS hat zu Zeiten des Kalten Krieges eine wichtige Rolle erfüllt, analog zu den Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik Deutschland. 

Eigenmotto: "Eine freie
Stimme der freien Welt
"
RIAS Berlin
So hatten die Bewohner der ehemaligen DDR, wenngleich von der sozialistischen SED-Diktatur nicht toleriert, die Möglichkeit ein freies Medium zu hören. Das Hören und Sehen von westlichen Medien konnte zu ernsthaften Konsequenzen führen, etwa dem Verlust des Arbeitsplatzes oder weiteren staatlichen Schikanen. Dennoch ließen sich viele DDR-Bürger nicht davon abhalten, sich über RIAS zu informieren und sich über die staatliche Propaganda ihres Landes hinaus eine Meinung zu bilden. Das Fehlen solcher "freien Medien" und deren Ergebnis erleben wir heute wieder in Russland oder Belarus.

Die ARD gliedert sich heute in neun Landesrundfunkanstalten, nach der Wiedervereinigung kamen u.a. der MDR und der ORB, der in Fusion mit dem Sender Freies Berlin zum RBB wurde, hinzu. Die ARD und das 1963 gegründete ZDF, das zunächst von einem Bauernhofsgelände bei Eschborn sendete, ehe es zum Mainzer Lerchenberg umsiedelte, sind heute Vollmitglieder der Europäischen Rundfunkunion. Ihnen obliegt der Grundversorgungsauftrag, seit jeher gibt es Kritik und Diskussionen über eine ebensolche Notwendigkeit. Es wurde viel geklagt, geurteilt und philosophiert, am Ende gab es Reformpläne, die jedoch nicht in dem Maße zur Debatte stehen wie in Liechtenstein.

Dort hatte man das Schicksal des Liechtensteiner Rundfunks, zu dem auch Radio Liechtenstein zählt, per Volksentscheid zum Schafott geführt, ohne die Folgen für die lokale Bevölkerung abzuschätzen. Man könnte nun natürlich sagen, dass bedingt durch die Größe des Landes der Wegfall einer kleinen Radiostation keinen sonderlich großen Stellenwert einnimmt, für die Kultur eines Landes, egal wie klein es ist, hat eine solche Rundfunkanstalt jedoch eine enorme Relevanz. Gerade dort, wo auch private Unternehmen nicht in diese Nische einfallen und über Sport, Veranstaltungen und Kultur berichten, fehlt ein solches Medium umso mehr.

Dieser Traum ist erst
einmal ausgeträumt:
Liechtenstein beim ESC
Da spielt es auch keine große Rolle, ob Radio Liechtenstein es tatsächlich irgendwann geschafft hätte, der Europäischen Rundfunkunion beizutreten und die hoch angesetzten Ziele einer Teilnahme am Eurovision Song Contest zu verwirklichen. Vielmehr ist es das düstere Ergebnis von plakativen Maßnahmen, vermeintliche Verschwendung von Staatsgeldern einzudämmen. Für die Medienlandschaft in Liechtenstein ist der Wegfall des Radiosenders jedenfalls ein trauriger Tag. Nunmehr existieren mit dem "Vaterland" noch eine Tageszeitung und mit 1FLTV ein privat geführter TV-Sender mit Sitz in Schaan, der seit 2008 in Betrieb ist, der allerdings den Nachteil hat, gewinnorientiert arbeiten zu müssen.

Seitdem ich Eurofire betreibe und vor 17 Jahren die Meldung bei ESCtoday.com gelesen habe, dass 1FLTV auf Sendung geht, habe ich die Entwicklung des Rundfunks in dem kleinen Fürstentum verfolgt und hatte stets die Hoffnung, dass es eines schönen Tages möglich wäre, das verpatzte Debüt von 1976 in eine tatsächliche Teilnahme am Eurovision Song Contest umzuwandeln. Seit letzter Woche ist nun aber mehr als offensichtlich, dass es nicht nur einen neuen Rundfunk sondern nunmehr auch noch Gesetzesänderungen und weitreichende Reformen in der Medienpolitik des Landes braucht, ehe es irgendwann einmal "Vaduz calling" heißt. Diese Chance wurde am 3. April um 18 Uhr vorerst beerdigt.

Donnerstag, 3. April 2025

Liechtenstein: Radio Liechtenstein beendet Sendebetrieb


Liechtenstein
- Das Volk hat es so gewollt, heute Abend um 18 Uhr endet nach 30 Jahren der Sendebetrieb von Radio Liechtenstein. Der Grund hierfür ist eine Volksabstimmung, die im vergangenen Jahr stattfand und die Privatisierung des Radiosenders als Ergebnis hervorgebracht hat. Nachdem keine staatlichen Mittel mehr in die Förderung und den Sendebetrieb der Rundfunkanstalt gesteckt werden sollen, hat man zwar versucht, auf privater Ebene weiterzusenden, ein Investor hat sich hierfür jedoch nicht gefunden.

Somit heißt es auf der Website von Radio Liechtenstein: "Das Team von Radio Liechtenstein bedankt sich herzlich bei allen Hörerinnen und Hörern für das jahrzehntelange Vertrauen, die Treue und die vielen gemeinsamen Momente. Mit der Abschaltung endet ein bedeutendes Kapitel der Medienlandschaft Liechtensteins." Das ist auch nicht gelogen, der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Fürstentum endet damit nämlich vollständig. Lediglich der privat geführte Sender 1FLTV sendet weiterhin mit Sitz in Schaan.

Radio Liechtenstein hatte sich im letzten Jahr verstärkt um die Mitgliedschaft in der Europäischen Rundfunkunion eingesetzt und geprüft, inwiefern eine Teilnahme am Eurovision Song Contest möglich ist. Diese Pläne wurden jäh verworfen, als das Ergebnis der Volksabstimmung zu Ungunsten des Senders ausfiel. Initiiert wurde die Abstimmung von der DpL, den Demokraten für Liechtenstein, denen die öffentlichen Beiträge in Höhe von vier Millionen Euro zu hoch waren. Radio Liechtenstein nahm 1995 den Sendebetrieb auf und erreichte rund 21.500 Zuhörer, davon rund die Hälfte im Fürstentum.

Dienstag, 31. Dezember 2024

News-Splitter (1076)


Irland
- Der irische Song Contest-Vorentscheid findet am 7. Februar 2025 statt. Weiterhin platziert der Sender RTÉ seine Auswahl für die Eurovision in der Late Late Show. Am geplanten Eurosong werden erneut sechs Künstler teilnehmen, weitere Informationen liegen jedoch nicht vor. Seit 2009 sind sämtliche Beiträge Irlands, die nicht intern bestimmt wurden, in das Programm der Latenight-Show eingebettet, bestimmt worden, wenngleich sich die Verantwortlichen ein größeres Format wünschten, was bislang jedoch an der Finanzierbarkeit scheiterte. Gesucht wird der Nachfolger von Bambie Thug und "Doomsday Blue", das mit Platz sechs in Malmö das beste Ergebnis seit 2000 belegte. 

San Marino
- In San Marino wurde die Frist zum Einreichen von Beiträgen für den nationalen Vorentscheid verlängert. Nach dem eigentlichen Bewerbungsschluss gestern hieß es, dass interessierte Künstler nunmehr bis 20. Januar Zeit haben, sich für die Castingrunden von "Una Voce per San Marino" anzumelden. Aus allen Bewerbungen gehen 80 Interpreten in die Semifinals des San Marino Song Contests, in den vier Shows qualifizieren sich jeweils zwei Beiträge ausländischer Künstler, hinzu kommt ein Kandidat der sich in der sanmarinesischen Auswahl qualifiziert. Das Finale findet am 8. März mit den bis dahin feststehenden Qualifikanten und einer Auswahl namhafter und gesetzter Teilnehmer statt.

Liechtenstein
- Nach dem Volksentscheid steht nunmehr fest, dass Radio Liechtenstein mit Ende 2025 privatisiert wird und den Status des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verliert. Gegenüber der Tageszeitung Vaterland erklärte Direktor Jürg Bachmann, dass man Pläne, der Europäischen Rundfunkunion beizutreten somit zunächst auf Eis gelegt hat und zunächst die Zukunft des Senders klären wird. "Es bleibt das Ziel, dass wir der EBU trotzdem beitreten können.", hieß es dazu, dennoch müsse man zunächst abwarten, wie das Modell des Liechtensteiner Rundfunks über 2025 hinaus ausschauen wird. Die EBU steht gemäß ihren Statuen lediglich öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten offen. Liechtenstein hat bisher kein Debüt beim Eurovision Song Contest gegeben.

Malta
- Im Alter von 90 Jahren ist Joe Grech, der erste maltesische Song Contest-Vertreter verstorben. Grech wurde am 9. Februar 1934 geboren und wurde durch seinen Sieg mit dem eigenkomponierten "Vola Ucceliino" beim Malta Song Festival 1960 bekannt. 1971 gewann er mit "Marija l-Maltija" den maltesischen Vorentscheid und durfte zum Eurovision Song Contest nach Dublin reisen, wo er jedoch den letzten Platz belegte. Später trat Joe Grech vor allem im Ausland, etwa in Kanada, den USA, Italien und Australien auf. Es folgten weitere Musikveröffentlichungen, 2019 wurde er mit der Medaille um die Verdienste der Republik vom maltesischen Präsidenten ausgezeichnet.

Samstag, 7. Dezember 2024

Liechtenstein: Kein Debüt des Fürstentums in Basel


Liechtenstein
- Nun ist die erwartbare Antwort auch in Stein gemeißelt, das Fürstentum Liechtenstein wird weder Mitglied der Europäischen Rundfunkunion, noch wird es sein Debüt beim Eurovision Song Contest 2025 in Basel geben. Wie ESCtoday.com meldet, verzichtet das Land erneut auf die Teilnahme im Wettbewerb. Da das Land zudem keinen Mitgliedsender in der EBU aufweisen kann, hat sich das Thema ohnehin erledigt.

Dabei war Radio Liechtenstein nach dem Sieg von Nemo durchaus optimistisch und ambitioniert, eine Mitgliedschaft anzustreben. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet und die Bevölkerung hat per Volksentscheid darüber abgestimmt, dass der einzige öffentlich-rechtliche Rundfunk, wenngleich nur ein Radioprogramm, mit Ende 2025 privatrechtlich ausgelegt wird und somit die Beitrittskriterien der EBU nicht mehr erfüllen kann.

Der bisherige Hoffnungsträger, der TV-Sender 1FLTV lehnte eine Mitgliedschaft nach dem Tod des langjährigen Generaldirektoren Peter Kölbel ebenfalls ab, sodass es in Liechtenstein derzeit keinerlei Interesse an der Rundfunkunion oder gar dem Eurovision Song Contest gibt. Liechtenstein plante mehrfach am Wettbewerb teilzunehmen, 1976 wählte man intern sogar einen Beitrag für Den Haag aus, Aufnahmen von "My little cowboy" von Biggi Bachmann gelten allerdings nach wie vor als verschollen.

Montag, 28. Oktober 2024

Liechtenstein: Volksabstimmung ebnet Privatisierung


Liechtenstein
- Damit dürften die Pläne für das Debüt beim Eurovision Song Contest endgültig zerschlagen worden sein. In einer Volksabstimmung, die auf Initiative der Demokraten Pro Liechtenstein (DpL) stattfand, haben 55,4% der Abstimmenden für die Aufhebung des Gesetzes über den Liechtensteinischen Rundfunk gestimmt, bei einer Wahlbeteiligung von 59,3%. Somit werde das Gesetz Ende 2025 in Kraft treten. Die Bürgerpartei FBP bedauert den Ausgang des Referendum.

"Mich persönlich stimmt es traurig, da damit die Medienlandschaft Liechtensteins geschwächt und die mediale Meinungsvielfalt bereits zum zweiten Mal innert weniger Jahren zurückgedrängt wird.", so der Parteivorsitzende Alexander Batliner. Durch die Aufhebung des Gesetzes sei es möglich, Radio Liechtenstein als bisher noch öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu privatisieren. Ein Weiterbetrieb des Senders bleibt jedoch dennoch gewährleistet. Sollte Radio Liechtenstein privatisiert werden, entfallen die möglichen Kriterien zur Vollmitgliedschaft in der EBU.

Radio Liechtenstein versuchte nach dem Song Contest von Malmö, der den Sieg in die Schweiz brachte, auszuloten inwiefern man selbst Teil des Wettbewerbs werden könne und versprach sich mit einer Mitgliedschaft in der Europäischen Rundfunkunion zu beschäftigen. Durch eine Privatisierung würde Liechtenstein zum einzigen Land in Europa ohne eigenständigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk werden. Was dies für die Zukunft konkret bedeutet bleibt zunächst abzuwarten, ein Debüt beim Eurovision Song Contest scheint damit allerdings wieder einmal langfristig vom Tisch zu sein.

Mittwoch, 3. Juli 2024

News-Splitter (1045)


Schweiz
- Das Schweizer Fernsehen hat sein Core Team rund um den Eurovision Song Contest 2025 vorgestellt. Nachdem bereits Reto Peritz und Moritz Stadler als Executive Producer des Wettbewerbs feststanden, ist nun auch bekannt, dass Yves Schifferle, bisher Delegationsleiter der Schweiz als Head of Show verpflichtet wurde. Des weiteren wird auch Christer Björkman wieder mitmischen und zum siebten Mal als Head of Contest deligieren. Das Core Team beginnt in Kürze mit der Suche nach der geeigneten Stadt für den Wettbewerb 2025, zur Auswahl stehen Basel, Bern (in Kooperation mit Biel), Genf und Zürich.

Österreich
- Im Nachbarland Österreich hat der ORF unterdessen mit der Suche nach geeigneten Kandidaten für den Eurovision Song Contest 2025 begonnen. Peter Schreiber wird als Scout arbeiten und hat in einem Instagram-Posting dazu aufgerufen, ernstgemeinte und qualifizierte Bewerbungen einzureichen. Hobbysänger seien nicht gefragt, Tonaufnahmen und Referenzen von routinierten Interpreten hingegen sind durchaus erwünscht. Es gelten zunächst die üblichen EBU-Regularien bezüglich Veröffentlichungsfrist und Songkriterien. Bewerbungsschluss ist der 15. September, danach beginnt die unmittelbare Suche nach einem Nachfolger von Kaleen.

Liechtenstein
- Radio Liechtenstein prüft und plant aktuell die Bewerbung für die Mitgliedschaft zur Europäischen Rundfunkunion um damit die Weichen für ein Debüt beim Eurovision Song Contest zu stellen und langfristig vom Informationsaustausch und dem Know How der EBU zu profitieren. In einer kürzlich veröffentlichten Meldung auf radio.li zeigten sich erste Kandidaten bereits interessiert. So soll die Liechtensteiner Band Noops ihr Interesse signalisiert haben, Liechtenstein beim Song Contest zu vertreten. Allerdings heißt es ebenso: "Wie sich der mögliche Beitritt von Radio Liechtenstein in die EBU entwickelt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen."

Sonntag, 2. Juni 2024

Liechtenstein: Radio Liechtenstein bewirbt sich bei EBU


Liechtenstein
- Offenbar nimmt das Fürstentum Liechtenstein einen neuen Anlauf um einen Fuß in die Tür bei der Europäischen Rundfunkunion zu bekommen. Wie das Liechtensteiner Vaterland meldet, betrifft es nicht den privat geführten Sender 1FL TV, der seit seiner Gründung 2008 versucht hat, der Union beizutreten, schließlich aber immer an der Finanzierung und später am Interesse der Geschäftsführer scheiterte, sondern den staatlichen Sender Radio Liechtenstein.

Jürg Bachmann, Verwaltungspräsident von Radio Liechtenstein erklärte, dass man schon im März Kontakt mit der EBU aufgenommen hat, das Projekt damals aber noch keine sonderlich große Priorität hatte. Nach dem Sieg von Nemo in Malmö haben sich die Parameter jedoch geändert. "Ich persönlich finde es eine interessante Idee, einheimischen Musikern und Musikerinnen eine solche Plattform zu bieten. So ein Wettbewerb mit Ausscheidungen im Vorfeld könnte im Land sehr viel auslösen.", so Bachmann. 

Evaluiert unter neuem Logo und
neuem Credo: Mehr Liechtenstein
Radio Liechtenstein, Teil des LRF
So betont er weiterhin, dass es zum Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehört, die lokale Kultur und ihre Talente zu fördern. Die Bewerbung würde auch den neuen Leitlinien des Senders entsprechen, man gab jedoch zu bedenken, dass sich Radio Liechtenstein erst am Anfang des Anmeldeprozesses befindet, etwa abklärt, wie hoch der Beitrag für die EBU-Mitgliedschaft sei und welche Vorteile man effektiv nutzen könne. Als Vollmitglied können Rundfunkanstalten insbesondere am Nachrichtenaustausch teilnehmen und das technische Know How der Union in Anspruch nehmen.

Laut Bachmann finde die Prüfung auch unabhängig davon ab, ob der Staatsbeitrag für Radio Liechtenstein um vier Millionen Franken erhöht wird oder nicht: "Es ist immer gut, wenn man international vernetzt ist, und für einen öffentlich-rechtlichen Sender ist die EBU sicher die richtige Stelle dafür". Über den Haushaltsplan für Radio Liechtenstein in den Jahren 2025 bis 2028 wird von staatlicher Seite im Juni entschieden. Radio Liechtenstein gab aber auch zu verstehen, dass trotz einer erhöhten Priorität nicht sicher sei, dass man auch rechtzeitig für den Song Contest 2025 in der Schweiz teilnahmeberechtigt sei, man werde aber alles daran setzen, die Dauer so weit wie möglich zu kürzen.

Im Halbfinale von Malmö
erspäht: "Join Eurovision!"
Die Geschichte Liechtensteins beim Eurovision Song Contest führt zurück ins Jahr 1976, damals wollte sich das Fürstentum mit einem Beitrag präsentieren und wählte hierfür die aus Eschen stammende Sängerin Biggi Bachmann mit "My little cowboy" aus, wurde von der EBU jedoch abgelehnt, da das Fürstentum über keine eigene Rundfunkanstalt verfügt. Die kleine aber dramatische Geschichte ist hier im Dialekt zusammengefasst. Dies änderte sich erst 2008 mit dem Privatsender 1FL TV, der an Formalitäten und vor allem den Gebühren der EBU gescheitert war und laut neuer Geschäftsführererin Sandra Woldt kein Interesse mehr an Mitgliedschaft in der Senderunion hat. 

Wie Vaterland.li abschließt sei der neueste Anlauf Liechtensteins jedoch realistischer, da sich erstmals ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk bemüht Teil der EBU zu werden. Zwar gab man auch zu verstehen, dass man ein Großprojekt wie den Eurovision Song Contest nur in Kooperation mit anderen Partnern tragen könne, die Meldung macht jedoch Hoffnungen, dass der Sieg der Schweiz das Interesse auch in Liechtenstein hat ansteigen lassen. So unterstützte die Tourismusagentur Liechtenstein Marketing etwa die Bewerbung von St. Gallen, da die Region Ostschweiz und damit auch das verbundene Liechtenstein wirtschaftlich profitieren könnten.

Dienstag, 14. Mai 2024

Liechtenstein: Tourismusverband will mitprofitieren


Liechtenstein
- Matthias Ulrich, der Vorsitzende von Liechtenstein Marketing hat im Interview mit Radio Liechtenstein zu Protokoll gegeben, dass das Fürstentum die Vergabe des Eurovision Song Contests 2025 an St. Gallen unterstützen würde. Das Fürstentum hofft, durch die Vergabe an einen Austragungsort in der Ostschweiz auch in die Verzückung zu kommen, als Teil der Tourismusregion etwas vom großen Kuchen der Eurovision und seinen touristischen Einnahmen abzubekommen.

Doch selbst wenn der Eurovision Song Contest im kommenden Jahr in St. Gallen stattfindet, ist ein Debüt Liechtensteins im Wettbewerb nahezu unmöglich. Zunächst müsste die einzige Rundfunkanstalt des Landes, 1FLTV Mitglied der Europäischen Rundfunkunion werden. Geschäftsführerin Sandra Woldt erklärte hingegen bereits im Jahr 2022, dass man innerhalb des Senders den Fokus auf und für Liechtenstein lege und man nicht mehr an der Vollmitgliedschaft interessiert sei.

Dabei gab es nach Gründung des Senders im Jahr 2008 durchaus ernstgemeinte Ambitionen, Mitglied der EBU zu werden und sogar einen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest auszutragen. Großer Förderer der Idee, auch um das Fürstentum international zu bewerben, war Peter Kölbel, der ehemalige Direktor von 1FLTV, der allerdings vor einigen Jahren unerwartet verstarb. Seither liegen sämtliche Pläne, Liechtenstein zum Song Contest zu bringen auf Eis. 

Dienstag, 9. August 2022

Liechtenstein: Langfristig keine EBU-Mitgliedschaft


Liechtenstein
- Vorbei der Traum vom Debüt Liechtensteins beim Eurovision Song Contest. Gegenüber Eurovoix.com erklärte Sandra Woldt, Direktorin von 1FLTV, dass der Sender nicht länger das Ziel verfolge, der Europäischen Rundfunkunion beizutreten. Damit wird auch ein Debüt beim Eurovision Song Contest ausgeschlossen, für das eine aktive Vollmitgliedschaft innerhalb der Senderunion notwendig ist. Stattdessen wolle man sich wie bisher auf lokale Inhalte konzentrieren, heißt es aus Schaan.

"Dieses Ziel verfolgen wir nicht mehr, sondern konzentrieren uns auf unsere Berichterstattung in und für Liechtenstein.", so Woldt auf Anfrage von Eurovoix.com. 1FLTV wurde im Jahr 2008 gegründet und erklärte schon wenige Monate nach Sendestart, dass man die Vollmitgliedschaft in der EBU anstrebe, hierfür jedoch auf staatliche Finanzhilfe angewiesen sei. Seit Jahren bezieht der Sender inzwischen Gelder aus der Medienförderung des Fürstentums, die EBU-Mitgliedschaft wurde immer wieder angestrebt und verworfen.

Nunmehr gibt es, zumindest unter neuer Führung, zunächst keine Trendwende. Vorangetrieben wurde die Teilnahme am Netzwerk der EBU und auch am Song Contest durch den ehemaligen Direktoren Peter Kölbel, ehe dieser vor wenigen Jahren verstarb. Letzte Bemühungen fanden im Jahr 2017 statt, aus Liechtenstein hieß es damals, man würde alle Anforderungen zur Aufnahme erfüllen. Die Europäische Rundfunkunion erklärte, man habe keine formelle Bewerbung von 1FLTV erhalten. 

Freitag, 20. August 2021

Liechtenstein: Fürstentum fehlt auch 2022


Liechtenstein
- ESCtoday.com setzt seine Recherche zur Teilnehmerliste 2022 fort und vermeldet heute aus Vaduz, dass von Liechtenstein auch weiterhin kein Debüt zu erwarten ist. Dem Fürstentum fehlt es weiterhin an einem Mitgliedssender innerhalb der Europäischen Rundfunkunion, eine der Grundvoraussetzungen für die Teilnahme am Song Contest. Man ließ mitteilen, dass die Absage vordergründig an zu hohen Teilnahmekosten liegt.

1FLTV, ein 2008 gegründeter Privatsender aus Schaan, erklärte darüber hinaus, man sei auf staatliche Hilfen angewiesen, sollte man ein derartiges Großprojekt wie die Teilnahme am Song Contest anstreben. Schon seit 2009 gibt es Absichten am Wettbewerb teilzunehmen, alljährlich werden aber die finanziellen Herausforderungen als Grund für die Absage genannt. Hinzu kommt, dass der langjährige Programmdirektor Peter Kölbel vor zwei Jahren verstorben ist.

Kölbel engagierte sich sehr für die Vollmitgliedschaft in der Europäischen Rundfunkunion, seit seinem Tod wurde dieses Ziel beim liechtensteinischen Sender nicht weiter verfolgt. Liechtenstein war lediglich einmal, 1976, bemüht am Eurovision Song Contest teilzunehmen. Eine wenig strukturierte Anfrage bei der Europäischen Rundfunkunion und ein von staatlicher Seite organisierter interner Vorentscheid brachten nicht den gewünschten Effekt, zumal es auch damals schon an einem Sender innerhalb der EBU mangelte.

Montag, 29. März 2021

Road to Rotterdam: Die fehlenden Nationen 2021


Bevor es morgen mit den 39 Teilnehmerländern des Eurovision Song Contests losgeht, wollen wir in einem Sammelposting noch auf diejenigen eingehen, die in diesem Jahr nicht an der großen Sause in Rotterdam teilnehmen werden. Bei den einen ist es das Geld, das den Rundfunkanstalten einen Strich durch die Rechnung macht, zum Teil ist es Desinteresse, politischer Taktik und in einem Fall ist es gar eine kriegerische Auseinandersetzung. Beginnen wir die Reise also in stillem Gedenken an die Nationen, die wir hoffentlich irgendwann beim Song Contest wiedersehen werden, auf die wir 2021 aber verzichten müssen.

Armenien - Armenia - 
Հայաստան - Armenië

Hauptstadt: Yerevan
Einwohner: 2,9 Mio.
Tritt beim ESC an seit...: 2006
Zuletzt beim ESC gesehen: 2020* (2019)
Zuständiger Rundfunk: ArmTV
Bestes Ergebnis: 4. Platz (2008, 2014)

*Der Beitrag für den ESC 2020:
Interpret:
 
Athena Manoukian (Աթենա Մանուկեան)
Song: Chains on you
Gesungen auf: Englisch
Feedback: Athena Manoukian wurde beim armenischen Vorentscheid 2020 mi "Chains on you" ausgewählt, einem Lied, das drei Minuten ins Nirgendwo führte und trotz seiner Schlichtheit der Interpretin große Probleme bereitete. Athena, die auch in Deutschland schon Auftritte vor der armenischen Community hatte, bewies recht überschaubare Künstlerqualitäten, lange hielt sich der Sender ArmTV bedeckt, eine Nominierung im Jahr 2021 schien unwahrscheinlich.

Das Fernblieben beim ESC 2021:
Am 5. März teilte der Sender ArmTV dann mit, dass man 2021 pausieren werde und nicht am Eurovision Song Contest in den Niederlanden dabei sein wird. Der Rückzug, der von der EBU verständnisvoll abgenickt wurde, kündigte sich schleichend an, befindet sich Armenien doch seit Monaten in einer politisch instabilen Situation. Nach dem Vertrag mit dem verhassten Nachbarn Aserbaidschan brachen bürgerkriegsähnliche Zustände über das Land herein. ArmTV argumentierte, man sei angesichts der Lage und der kurzen verbliebenen Zeitspanne nicht in der Lage, einen adäquaten Song zu entsenden, sodass es in diesem Jahr nicht "Yerevan calling" heißen wird.

Andorra - Andorra - Andorra - Andorra

Hauptstadt: Andorra la Vella
Einwohner: 77.000
Tritt beim ESC an seit...: 2004
Zuletzt beim ESC gesehen: 2009
Zuständiger Rundfunk: RTVA
Bestes Ergebnis: 12. Platz (im Halbfinale 2007)

Das Fernblieben beim ESC 2021:
Die Pressestelle des Senders RTVA hatte schon im Mai 2020 traditionsgemäß als erster Sender die Teilnahme Andorras verneint. RTVA fehlen die liquiden Mittel, zudem sei man momentan mit anderen Projekten beschäftigt, sodass eine Song Contest-Teilnahme keinen Platz im Senderprogramm findet. Dennoch ist zumindest die ehemalige Vertreterin Susanne Georgi gewillt, das Land 2022 zum Wettbewerb zurückzubringen. Sie habe mit privaten Investoren die nötigen Gelder zusammen, um ein Comeback zu ermöglichen, Verhandlungen für das kommende Jahr laufen bereits seit Längerem.

Bosnien-Herzegowina - Bosnia-Herzegovina - Босна-Херцеговина - Bosnië-Herzegovina

Hauptstadt: Sarajevo
Einwohner: 3,5 Mio.
Tritt beim ESC an seit...: 1993
Zuletzt beim ESC gesehen: 2016
Zuständiger Rundfunk: BHRT
Bestes Ergebnis: 3. Platz (2006)

Das Fernblieben beim ESC 2021:
Nach wie vor laufen Sanktionen gegen den nationalen Rundfunk von Bosnien-Herzegowina. BHRT wurde soweit vom Netzwerk der Dienste der Europäischen Rundfunkunion ausgeschlossen, bis die Rechnungen bei der EBU beglichen sind. Da dies aufgrund des mangelnden Gebühreneinzugs noch länger dauern wird, ist gewiss. Delegationsleiterin Lejla A. Babović erklärte sogar, dass die Übertragungsrechte für den Song Contest nicht bezahlbar sind. So verzichtet Bosnien-Herzegowina unfreiwillig seit fünf Jahren auf die Teilnahme an der Eurovision.

Liechtenstein - Liechtenstein - Liechtenstein - Liechtenstein

Hauptstadt: Vaduz
Einwohner: 39.000
Tritt beim ESC an seit...: bisher keine Teilnahme
Zuletzt beim ESC gesehen: bisher keine Teilnahme
Zuständiger Rundfunk: 1FLTV
Bestes Ergebnis: bisher keine Teilnahme

Das Fernblieben beim ESC 2021:
Nach dem Tod von Programmchef Peter Kölbel sind die Pläne eines liechtensteinischen Song Contest-Debüts auf Eis gelegt. Dem Sender fehlt nach wie vor die EBU-Mitgliedschaft, die eine Teilnahme überhaupt erst möglich macht. Seit 2008 gab es Pläne, Liechtenstein als letztes Land Europas in den Senderverbund zu bringen, die Aufnahme- und jährlich zu entrichtende Gebühr wurde von Kölbel dereinst als "Peanuts" abgetan. Und obwohl der Sender seit Jahren Gelder aus der Medienförderung des Landes bezieht, scheint eine Teilnahme mittelfristig äußerst unwahrscheinlich.

Luxemburg - Luxembourg - Lëtzebuerg - Luxemburg

Hauptstadt: Luxemburg
Einwohner: 628.000
Tritt beim ESC an seit...: 1956
Zuletzt beim ESC gesehen: 1993
Zuständiger Rundfunk: RTL
Bestes Ergebnis: 1. Platz (1961, 1965, 1972, 1973, 1983)

Das Fernblieben beim ESC 2021:
Einst ein großer Name im Business, seit 1993 gänzlich in der Versenkung verschwunden. Luxemburgs nationaler Rundfunk RTL hat seine Prioritäten ähnlich wie RTVA in Andorra mittlerweile auf andere Themenschwerpunkte gelegt und verzichtet auch aus finanziellen Gründen auf die Teilnahme am Song Contest. Das wird sich sobald auch nicht ändern, alljährlich winkt RTL ab, wenngleich es im Land eine große Community von Befürwortern gibt, die ein Comeback fordern, darunter acuh die ehemalige Vertreterin und Siegerin Anne-Marie David.

Monaco - Monaco - Monegu - Monaco

Hauptstadt: Monaco
Einwohner: 39.000
Tritt beim ESC an seit...: 1959
Zuletzt beim ESC gesehen: 2006
Zuständiger Rundfunk: TMC
Bestes Ergebnis: 1. Platz (1971)

Das Fernblieben beim ESC 2021:
Nach dem Wegfall der fürstlichen Gelder musste Delegationsleiter Phil Bosco im Jahr 2007 den Rückzug Monacos verkünden. Albert, der damals noch Prinz war, sicherte dem Rundfunk TMC die notwendigen Mittel zu, um das Land zwischen 2004 und 2006 teilnehmen zu lassen. Ausbleibender Erfolg führten zur Streichung jener Mittel, sodass das Fürstentum seit 15 Jahren im Wettbewerb fehlt. Da der Sender TMC Teil der französischen Sendergruppe TF1 ist, liegen auch hier die Prioritäten inzwischen auf anderer Ebene, nämlich eher im Nachrichten- und Sportbereich als bei der Unterhaltung der monegassischen Bevölkerung.

Montenegro - Montenegro - Crna Gora - Montenegro

Hauptstadt: Podgorica
Einwohner: 610.000
Tritt beim ESC an seit...: 2007
Zuletzt beim ESC gesehen: 2019
Zuständiger Rundfunk: RTCG
Bestes Ergebnis: 13. Platz (2015)

Das Fernblieben beim ESC 2021:
Eigentlich verzichtete man im Jahr 2020 nur auf die Teilnahme am Eurovision Song Contest, weil der Sender RTCG plante, neue Fahrzeuge anzuschaffen. Die Misserfolge der vergangenen Jahre und die Corona-Pandemie dürften aber wohl auch dazu beigetragen haben, dass der Sender im Jahr 2021 aussetzt. Dabei betrachtete die Senderführung den Wettbewerb stets als Werbefläche für ein kleines Land wie Montenegro. Zudem schickte das Land immer wieder skurrile und aufsehenerregende Beiträge, sodass Montenegro tatsächlich schmerzlich vermisst wird. Eine Rückkehr in naher Zukunft ist jedoch möglich.

Slowakei - Slovakia - Slovensko - Slowakije

Hauptstadt: Bratislava
Einwohner: 5,4 Mio.
Tritt beim ESC an seit...: 1994
Zuletzt beim ESC gesehen: 2012
Zuständiger Rundfunk: RTVS
Bestes Ergebnis: 18. Platz (1996)

Das Fernblieben beim ESC 2021:
"RTVS wird im nächsten Jahr nicht teilnehmen, aber wir schließen eine zukünftige Kooperation nicht aus.", ist die letzte Aussage des slowakischen Fernsehens RTVS. Diese kam im August 2020 aus Bratislava. Seit seinem Debüt, das im Jahr 1993 schon in der osteuropäischen Vorrunde endete, ist das Land chronisch erfolglos. Anders als die Tschechische Republik ist trotz prima organisierter Vorentscheide in der Vergangenheit kaum eine Fankultur in der Slowakei vorhanden. Eine Teilnahme erscheint also eher mittel- als kurzfristig wahrscheinlich.

Türkei - Turkey - Türkiye - Turkije

Hauptstadt: Ankara
Einwohner: 82,0 Mio.
Tritt beim ESC an seit...: 1975
Zuletzt beim ESC gesehen: 2012
Zuständiger Rundfunk: TRT
Bestes Ergebnis: 1. Platz (2003)

Das Fernblieben beim ESC 2021:
Zunächst fühlte sich das türkische Fernsehen TRT durch die Big Five und den fehlenden Einfluss in der EBU benachteiligt, inzwischen kamen auch immer wieder Stimmen hinzu, die den Song Contest für unmoralisch halten. Tatsächlich entspricht der weltoffene Wettbewerb wohl kaum den Vorstellungen der AKP-Regierung und obwohl sich immer wieder Politiker, etwa der stellvertretende Außenminister, positiv zum Wettbewerb äußern, scheinen die Gründe für die türkische Abstinenz tiefer zu liegen, als offen kommuniziert wird.

Ungarn - Hungary - Magyarország - Hongarije

Hauptstadt: Budapest
Einwohner: 9,8 Mio.
Tritt beim ESC an seit...: 1994
Zuletzt beim ESC gesehen: 2019
Zuständiger Rundfunk: MTV
Bestes Ergebnis: 4. Platz (1994)

Das Fernblieben beim ESC 2021:
Obwohl Ungarn seit Jahren erfolgreicher Finalteilnehmer der Eurovision war, zog sich der Sender MTV 2020 ohne Angabe von Gründen zurück. Der einstige Vorentscheid "A Dal" wird weiter durchgeführt, der Sieger jedoch nur auf nationaler Ebene promotet. Die Spekulationen über die Gründe des Fernbleibens sind vielfältig, neben finanziellen Problemen wird immer wieder auch die homophobe Einstellung der Senderverantwortlichen und der Regierung von Viktor Orbán genannt. Das Ausscheiden von Joci Pápai 2019 dürfte die Entscheidung wohl nur beschleunigt haben.

Weißrussland - Belarus - Беларусь - Wit-Rusland

Hauptstadt: Minsk
Einwohner: 9,4 Mio.
Tritt beim ESC an seit...: 2004
Zuständiger Rundfunk: BTRC
Bestes Ergebnis: 6. Platz (2007)

Der Beitrag für den ESC 2020:
Interpret:
 
VAL
Song: Da vidna (Да відна)
Gesungen auf: Weißrussisch
Feedback: Valeriya Hrybusava und Uladsislav Pashkevich sollten als Duo VAL zum Song Contest fahren, mit "Da vidna" haben sie Zwangshochzeiten thematisiert, es wäre eine spannende Nummer geworden, wäre nicht Corona dazwischen gekommen. Leider ist die Gruppe beim obersten Weißrussen in Ungnade gefallen, eine Teilnahme 2021 wurde damit von Seiten des Senders BTRC blockiert.

Das Fernblieben beim ESC 2021:
Ursprünglich hatte der Sender BTRC intern die Gruppe Galasy ZMesta (Галасы ЗМеста) mit dem Titel "Ya nauchu tebya" für Rotterdam ausgewählt. Der Song der bekennenden Lukatschenko-Unterstützer fiel jedoch durch das Raster der EBU, die argumentierten, ein Beitrag dürfte den Song Contest nicht in Verruf bringen oder ihn instrumentalisieren. Somit wurde dem Sender eine Gnadenfrist eingeräumt, einen Ersatzbeitrag einzureichen. Da auch dieser politisch motiviert war, disqualifizierte die EBU Weißrussland am 26. März und schloss BTRC vom Song Contest aus. Dem Sender dürfte es dabei weniger um die Teilnahme am Wettbewerb gegangen sein, als um politisches Kalkül.

Sonntag, 30. August 2020

Liechtenstein: NDR taucht ganz tief ins Archiv von 1976 ab



Liechtenstein - Vor einigen Tagen habe ich bereits darüber geschrieben, dass sich ein kleines NDR-Team um Marcel Stober, den wir u.a. von den ESC-Songchecks kennen, sich auf den Weg gemacht hat, die Archive im Fürstentum Liechtenstein zu durchforsten und sich auf die Suche nach Biggi Bachmann und ihrem damaligen Komponistenteam zu machen. Bei NDR Blue lief gestern Abend, leider von mir verschmäht und erst im Nachgang angehört, die Zusammenfassung über diese investigative Recherche zu einem Thema, das mich seit der Verlegung eines Internetzugangs im Jahr 2004 beschäftigt. 

Biggi Bachmann veröffentlichte
in den 70ern mehrere Titel
bei der Plattenfirma Ariola
Über Umwege hat man Biggi Bachmann, die 1959 als Uta Christine Schädler in Eschen gehoren wurde, in Chur auftreiben können, die unter ihrem bürgerlichen Namen eine Künstleragentur betreibt und erfahren, dass der Titel "My little cowboy", der sich durch Juryentscheid für eine Teilnahme am Song Contest 1976 empfahl, offenbar unwiederbringlich verloren ist. Auch der Komponist des Liedes hat keinerlei Aufzeichnungen oder Noten mehr zu diesem Titel vorliegen. Ein Juror der damaligen Liechtensteiner Auswahl erklärte allerdings, dass ihn der Titel sehr an Gittes "Ich will 'nen Cowboy als Mann" erinnert.

Zweite: Anne Frommelt, Bild
aus der Vorarlberger Tageszeitung
Dennoch, und das kommt in dem Podcast rüber, hat auch die beste Recherche in der Schweiz und in Liechtenstein keine Aufnahme hervorbringen können. Die Hintergründe zur Entstehung des Liedes als auch die damaligen Bestrebungen der liechtensteinischen Regierung zum Song Contest zu fahren, sind allerdings sehr interessant. Dementsprechend kann ich diesen Ausschnitt auf NDR Blue sehr für alle empfehlen, die sich für "Liechtenstein 1976" interessieren. Zu hören gibt es allerdings trotzdem ein Lied, das beinahe gewonnen hätte, nämlich den zweitplatzierten Titel "Tu étais mon clown" von Anne Frommelt und einige anderen Lieder von Biggi Bachmann, u.a. den fantastischen Discotitel "Istanbul" aus dem Jahr 1979. 

Aufgrund der knappen Zeitspanne zwischen offiziellem Aufruf zum Einsenden von Beiträgen und dem Inserat in zwei Liechtensteiner Tageszeitungen bis hin zum Vorentscheid vergingen lediglich zwölf Tage, weshalb von den ursprünglich vier gemeldeten Bewerbern zwei direkt wieder zurückzogen und nur noch "My little cowboy" und "Tu étais mon clown" im Rennen blieben. Ein damals vom ORF gesandter Juror erklärte, dass beide Lieder jedoch kaum den Ansprüchen einer Eurovision gerecht geworden wären. Biggi Bachmann hat spätestens 1980 aufgehört ihrer musikalischen Tätigkeit nachzugehen, zwischenzeitlich war sie noch als Sängerin bei der Gruppe Pretty Maid Company tätig. Dennoch freue ich mich, dass über 40 Jahre nach dem Bestreben Liechtensteins endlich Licht ins Dunkel gebracht wurde.

Seit 2008 hat Liechtenstein mit
1FL TV einen eigenen TV-Sender
Und in diesem Sinne sage ich vielen Dank an den NDR für die fantastische Aufarbeitung eines Themas, das eigentlich nur ESC-Nerds interessieren dürfte, mich aber auch in Verzückung gebracht hat. In der jüngeren Geschichte, insbesondere seit Gründung des Senders 1FL TV berichten wir weiterhin über die kläglichen Versuche der Europäischen Rundfunkunion beizutreten und die alljährlichen Absagen aus Liechtenstein. Seit dem Tod des Programmchefs Peter Kölbel ist der Ehrgeiz den Sender zum EBU-Mitglied zu machen, nahezu völlig eingeschlafen und eine Teilnahme am Eurovision Song Contest dürfte aus anderen Gründen als noch 1976 mittelfristig scheitern.