Sonntag, 14. Mai 2017

Israel: Abschied aus der Europäischen Rundfunkunion


Israel - Ofer Nachshon hat gestern während der Punktevergabe des Eurovision Song Contests darauf aufmerksam gemacht, dass die IBA, die Israeli Broadcasting Authority, den Sendebetrieb einstellen wird. Grund dafür ist, wie wir bereits geschrieben haben, eine Umstrukturierung alter Gebilde zum neuen Rundfunk Kan.

Bereits 2015 sollte die IBA nach Beschluss von Premierminister Benjamin Netanjahu umstrukturiert werden. Sie galt als veraltet, ineffizient und teuer. Am Dienstag folgte dann die Anordnung, alle Rundfunkprogramm der IBA sofort einzustellen, am gleichen Abend lief die letzte Nachrichtensendung auf Channel One. Die Übertragung des Eurovision Song Contests wurde jedoch mit 20 Mitarbeitern gewährleistet.

Die letzte Schaltung zur
IBA in Jerusalem
Die von der israelischen Regierung geplante Reform räumt der Staatsführung mehr Einflussnahme auf die Unabhängigkeit des neuen Senders ein, es stellt sich die Frage, wie unabhängig die Nachrichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sein werden. Und hier liegt auch die Hürde für die Vollmitgliedschaft in der Europäischen Rundfunkunion, die unabhängige Medienberichterstattung ausdrücklich in ihren Statuten festgeschrieben hat.

Der Sender Kan könne sich natürlich jederzeit um die Mitgliedschaft bemühen und einen Antrag stellen, der von der EBU geprüft wird. Gleiches Verfahren durchlief u.a. auch der griechische Sender NERIT, der als Nachfolger der ebenfalls als zu aufgebauscht betrachteten Rundfunkanstalt ERT etabliert und später zurückstrukturiert wurde. Die EBU werde sich mit dem Thema umfassend auseinandersetzen und prüfen, ob Kan weiterhin die Auflagen der Organisation erfüllen werde.

Zumindest teilweise Entwarnung gibt Yigal Palmor, Direktor für Öffenliche Angelegenheiten und Kommunikator, sowie ehemaliger Sprecher des Außenministerium in Israel. Er erklärt, dass das Statement von Ofer Nachshon nicht als Abschied vom Eurovision Song Contest sondern von der IBA zu verstehen ist. Er stellte klar, dass sich Kan um die Mitgliedschaft in der EBU bemühen werde und im Falle einer Zusage weiterhin am Eurovision Song Contest teilnehmen wird.

Das letzte Wort ist somit noch nicht gefallen, die EBU hat in ihrer Vergangenheit zahlreiche Ausnahmen durchgehen lassen, eventuell sichern diese auch den Fortbestand der israelischen Song Contest-Teilnahme. Die IBA war von 1957 bis zum heutigen Tage Mitglied der EBU und nahm insgesamt 40 Mal am Eurovision Song Contest teil. Über alle Entwicklungen in Israel werden wir natürlich berichten. 

Kommentare:

  1. Grundsätzlich habe ich Israel ja gerne beim Song Contest, allerdings würde es mich interessieren was passiert, falls ihnen die nächsten Jahre aufgrund fehlender EBU Mitgliedschaft keine Teilnahme möglich ist.
    Vielleicht lassen sich Erzfeinde wie Marokko oder der Libanon glatt zu einer Teilnahme hinreißen. Das wäre mal eine willkommene Abwechslung, wie ich finde!

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    1. Die Neugierde diesbezüglich hätte ich auch, aber: Sollten all die Länder nun teilnehmen und Israel irgendwann mal wieder Interesse aufweisen und auch teilnehmen möchte, dann stehe ich defitiv hinter Israel, auch wenn mehrere Nationen dann wieder ihre Teilnahme zurückziehen. Israel ist nun mal länger dabei und man sollte denen treu bleiben. Außerdem haben die anderen Länder ein Problem mit Israel und nicht umgekehrt (ich meine natürlich mit der Ausstrahlung und den Landesgesetzen)

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  2. Absolut, da hast du recht! Ich würde auch zu Israel hatlen, denn dieser Boykott ist ja auch total lächerlich.
    Und dennoch könnten wir das doch mal ein paar Jahre mitspielen, wenn Israel dann irgendwann wieder zurückkehrt, steht es denen ja auch offen zu bleiben (falls sie sich etabliert haben) oder aber sie ziehen sich wieder zurück, wir weinen Ihnen nicht hinterher!
    Ach, was reden wir denn eigentlich, im Endeffekt heißt es doch nächstes Jahr zu 95% doch wieder "Shalom, Lisabon", die finden schon einen Weg. :) und falls wirklich nicht, dann weint ein Auge und das andere lacht.

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