
Das Land des Doppelkopfadlers läutet fast jedes Jahr die Eurovisionssaison ein, das Festivali i Këngës ist zumeist der Vorentscheid, der seit 2004 die Hochkonjunktur auf diesem Blog einleitet und drei Monate voller Vorrunden und Entscheidungsshows verspricht. Oft gewinnen in Albanien jedoch auch Kandidaten, die man eigentlich kaum auf einer Rechnung hat. In diesem Jahr haben zwei Herren älteren Baujahres den Vorentscheid für sich entscheiden können, eine Wahl die ich auf's Äußerste begrüße.
Zur bisherigen Eurovisiongeschichte:
Debüt: 2004 mit Anjeza Shahini
Rundfunkanstalt: RTSH
Teilnahmen: 9
Siege: keine
Eurofires Liebling:
Olta Boka - Zemrën e lamë peng
(AL'08 - 55 Pkt.)
Olta Boka wurde 2008 als Siegerin des Këngës zur Eurovision geschafft und sang ihren Titel auf Albanisch, was ihn ein ganzes Stück authentischer wirken ließ, als die englische Fassung. Die überholte Version hatte ihren ganz speziellen Charme, den Europa allerdings am Finalabend von Belgrad nicht wirklich hörte. Dennoch war es für die junge Olta Boka ein großer Erfolg und für mich ist es immer noch der beste albanische Wettbewerbsbeitrag seit dem Debüt.
Der ESC in drei Sätzen: 2003 blieb Albanien der Einlass in die Eurovisionsgemeinde aufgrund zu weniger Startplätze noch verwehrt, im Halbfinale von Istanbul feierte man seinen Einstand und konnte gleich ordentlich abräumen. Ein siebter Platz mit Anjeza Shahini war ein gelungener Auftakt, an den Albanien in den Folgejahren nicht anschließen konnte. Erst vergangenes Jahr belegte Rona Nishliu überraschender- aber auch verdienterweise den fünften Platz im Eurovisionsfinale von Baku mit dem sehr eigenwilligen und melodisch gekreischten Titel "Suus", die auch optisch sehr auffällig war und mit dem Barbabra-Dex-Award für das gruseligste Outfit prämiert wurde.

Interpret: Adrian Lulgjuraj & Bledar Sejko
Titel: Identitet
Startnummer: Unbekannt (im 2. Semifinale)
Sprache: Albanisch
Text & Musik: Bledar Sejko, Eda Sejko
Vorentscheid: Festivali i Këngës 2012 mit 26 Interpreten, verteilt auf zwei Vorrunden. Jeweils neun qualifizierten sich für das Finale. In der großen Liveshow in Tirana wurde "Identitet" für Malmö ausgewählt.

Bledar Sejko wurde 1972 geboren und Ende der 80er Jahre mit einer der ersten Popgruppen des Landes bekannt. Im kommunistischen Albanien unter Enver Hoxha war es ihm verboten seine Musik aufzunehmen oder in der Öffentlichkeit zu spielen, nach dem Ende der Musikzensur stieg er zu den bekanntesten Interpreten des Landes auf. Vor seinem diesjährigen Festivalauftritt nahm er zuletzt 1992 mit "Legjenda e heroit" als Teil der Gruppe Thunder Way am Festivali i Këngës teil, belegte dort jedoch den letzten Rang.

Bereits die lange Version von "Identitet" gefiel mir sehr, die gekürzte und eurovisionstaugliche Drei-Minuten-Fassung finde ich einfach nur toll. Das Lied hat durch die Überarbeitung nichts verloren, sondern meiner Meinung nach sehr viel hinzugewonnen und im diesjährigen Teilnehmerfeld fällt das Lied mehr als angenehm auf. Albanien setzt einen tollen Kontrast im Wettbewerb und wird dafür hoffentlich belohnt.
Finalchancen:
Offizielle Website des InterpretenProfil auf Eurovision.tv
Songtext auf Diggiloo.net
Kostprobe: