Samstag, 24. Juni 2017

Dark Blue Cocktail: We don't wanna Putin



Europa - Das Sommerloch breitet sich in der Eurovisionswelt inzwischen genauso aus, wie die gruselige Wolke am Donnerstag über Hamburg, die die Stadt gegen 11:30 Uhr in absolute Dunkelheit hüllte. Ein ähnlich düsteres Thema wurde in dieser Woche zum Cocktail der Woche gewählt, nämlich "We don't wanna Putin", ein Rückblick auf Politik beim Song Contest, die dort eigentlich nichts zu suchen hat. Wir blicken zurück auf politisch motivierte Absagen, Songs, die mehr politischen Content besitzen, als die EBU vielleicht bemerkt hat und die Frage, ob der Song Contest nicht schon immer einen gewissen Grad an Politik in sich hatte.


Besitzt einen eigenen ESC-
Protestsong: Wladimir Putin
"Über die Brücke geh'n, andere Menschen versteh'n, andere Lieder, andere Länder der Erde, über die Brücke geh'n, hinter die Mauer zu seh'n, gute Gedanken schmelzen das Eis in den Herzen unsrer Welt", heißt es im gleichnamigen Titel, den Ingrid Peters 1986 beim Eurovision Song Contest in Bergen sang. Der Eurovision Song Contest schreibt sich auf die eigene Fahne, ein unpolitischer Wettbewerb zu sein, in dem es um Völkerverständigung und kulturellen Austausch geht. Dass der Wettbewerb allerdings frei von Politik ist, ist eine fast so große Lüge wie "Ich habe die AGBs gelesen und verstanden", schon immer war der Wettbewerb politisch.

Am 12. Februar 1950 wurde auf einer Konferenz im englischen Torquay die Europäische Rundfunkunion gegründet, sechs Jahre später fand in Lugano der erste Song Contest statt. Schon damals ging es darum, das vom Krieg zerrüttete Europa durch die Kraft der Musik wieder zu vereinen. Und so schrieben sich 1956 sieben westeuropäische Nationen zusammen, um im Sinne der europäischen Werte einen verbindenden Musikwettstreit zu organisieren. Ausgesperrt wurden hingegen sämtliche Nationen hinter dem Eisernen Vorhang, die sich in der Intervision selbst organisierten.

Lediglich Jugoslawien, als blockfreier Staat mit sozialistischer Prägung, war ab 1961 mit dabei. Die übrigen Nationen Osteuropas stießen erst nach der Vereinigung von Euro- und Intervision im Jahr 1993 hinzu. Während die ersten Jahrgänge relativ klassisch und tatsächlich auch frei von Politik waren, kam es 1964 in Dänemark zu einem ersten Störfall. Damals rannte ein Mann vor der belgischen Performance auf die Bühne und rief "Nieder mit Franco, nieder mit Salazar" und protestierte gegen die Militärregimes in Spanien und dem debütierenden Portugal. Bis heute hält das dänische Fernsehen das Videomaterial unter Verschluss.

Gigliolas Auftritt bei der
Eurovision bekamen die
Italiener erst Wochen
später zu sehen
Den Eurovision Song Contest gewann 1964 die junge Gigliola Cinquetti aus Italien. Sie sollte zehn Jahre später erneut am Eurovision Song Contest teilnehmen. Ihr Song "" ("Ja") war auch der Auslöser dafür, dass die Show aus Brighton erst mit fünfwöchiger Verzögerung in Italien gezeigt wurde. Die RAI begründete ihren Schritt damit, dass am 12. Mai, einen Monat nach dem Wettbewerb ein Volksentscheidung über die Änderungen im italienischen Scheidungsrecht anberaumt war und man die Bevölkerung nicht durch den Titel beeinflussen wollte. Heute würde man über solche Entscheidungen nur lächeln, damals war es hingegen ein ernstes Thema.

Auslöser der Nelkenrevolution
Paulo de Carvalho (1974)
Ebenfalls 1974 läutete ausgerechnet ein Wettbewerbstitel der Eurovision eine weitestgehend unblutige Revolution ein. Der Titel "E depois do adeus" wurde am 24. April 1974 um 22:55 Uhr vom zuvor verstaatlichten Radiosender Rádio Clube Português gespielt und diente als verabredetes Signal zum Staatsstreich. Überall in Portugal gingen die Menschen auf die Straßen, das Militär lief über und die Diktatur wurde zu Fall gebracht. Noch heute gilt das Lied als Sinnbild für die Nelkenrevolution, die ihren Namen durch die Blumen erhielt, die Frauen übergelaufenden Soldaten zur Begrüßung in die Gewehrläufe steckten. Paulo de Carvalho, der Sänger des Liedes wurde beim Song Contest drei Wochen zuvor hingegen nur 14. 

"La vie à 25 ans" wurde vom
Song Contest zurückgezogen
1974 sagte Frankreich zudem aus politischen Gründen seine Teilnahme am Eurovision Song Contest ab. Vier Tage vor dem Song Contest in Brighton verstarb der französische Präsident Georges Pompidou. Während sich die Sängerin Dani schon bei den Proben ihres Liedes "La vie à 25 ans" befand, entschied das französische Fernsehen die Teilnahme zurückzuziehen. Bis auf ein weiteres Fernbleiben im Jahr 1982 ist Frankreich allerdings bis heute ununterbrochen dabei. Schon zu jener Zeit wurde der Eurovision Song Contest als Werbemittel für Nationen mit angeschlagenem Image genutzt.

Sang Spanisch und nicht auf
Katalanisch: Massiel
So war es 1968 Spaniens Diktator Franco persönlich, der sich darum bemühte, das Spanien Erfolg im Wettbewerb hat. Er ließ den spanischen Rundfunk diverse ausländische TV-Produktionen einkaufen, die später jedoch nie gesendet wurden, vermutlich aus dem Grund, um sich der Gunst der ausländischen Juroren zu erkaufen. Zudem ließ Franco den Interpreten des Liedes "La la la", Joan Manuel Serrat durch die kastillische Sängerin Massiel austauschen. Serrat bestand darauf den Song auf Katalanisch zu singen, einer Sprache, die unter dem Franco-Regime unterdrückt wurde. 

Mitte der 70er Jahre stießen Griechenland und die Türkei zum Eurovision Song Contest. 1975 gab die Türkei mit Semiha Yanki ihr Debüt, wenngleich sie auf dem letzten Platz landete. Griechenland boykottierte daraufhin den Wettbewerb, zu aktuell war der Zypern-Konflikt mit dem verfeindeten Nachbarn, in dessen Folge der Nordteil der Insel von türkischen Truppen besetzt und bis heute als proklamierte Türkische Republik Nordzypern gehalten wird. 1976 verzichtete die Türkei auf die Teilnahme, Griechenland schickte mit Mariza Koch eine Sängerin, die den Kampf um Zypern zum Liedthema machte.

Schaut auf Zypern: Mariza
Koch (Griechenland 1976)
In "Panaghia mou, panaghia mou" ging es ganz subtil um blühende Orangenplantagen, zwischen denen jedoch keine Touristen ihre Zelte aufschlugen, sondern Flüchtlinge, eine Anspielung auf die Geschehnisse auf Zypern. Das türkische Fernsehen übertrug den Wettbewerb, blendete jedoch den griechischen Titel aus. Auch 1977 fehlte die Türkei, ebenso wie das ursprünglich gemeldete Tunesien, das wohl auf arabischen Druck hin vom Wettbewerb zurückzog. Seit 1973 nahm auch Israel am Wettbewerb teil. 1979 kam es zu einem weiteren Boykott der Türkei.

Maria Rita Epik war bereits für den Song Contest in Jerusalem ausgewählt, TRT zog sich jedoch aufgrund politischen Drucks vom Wettbewerb zurück. Es hieß, mehrere arabische Staaten hätten gedroht, die Öl- und Gasleitungen in die Türkei abzudrehen, sollte man im verfeindeten Israel teilnehmen. Bezeichnenderweise hieß der Comeback-Song der Türkei im Jahr 1980 "Petr'oil" ("Öl"). Ajda Pekkan landete mit 23 Punkten auf dem 15. Platz, drei Plätze über dem debütierenden Marokko, das aufgrund der Absage Israels die Gunst der Stunde nutzte um sich zu präsentieren. Da der vorletzte Platz von Samira Bensaïd dem König des Landes nicht gefiel, verbot er dem marokkanischen Fernsehen fortan die Teilnahme am Wettbewerb.

Israel hätte den Wettbewerb 1980 nach seinem Sieg im Vorjahr allerdings ausrichten dürfen. Der Grund für die Absage lag am israelischen Gedenktag für die gefallenen israelischen Soldaten und Opfer des Terrorismus, kurz Yom haShikaron. Aufgrund israelischer Gedenktage kam es im Verlauf seiner Eurovisionsgeschichte immer wieder zu Rückzügen, u.a. wurde Israel mehrmals einem bestimmten Semifinale zugelost, da am Tag des anderen Halbfinals Gedenktage stattfanden, die eine Teilnahme Israels am Song Contest unmöglich gemacht hätten. Andererseits ist Israel über Jahre hinweg auch der Grund gewesen, warum bis heute keine arabischen Nationen beim Song Contest vertreten sind.

Versuchte es zuletzt bei
"The Voice": Aline Lahoud
Das jüngste Beispiel lieferte der Libanon im Jahr 2005. Mit Aline Lahoud und "Quand tout s'enfuit" gab es bereits einen ausgewählten Beitrag durch den Sender Télé Liban. Da die EBU in ihren Regeln jedoch die vollständige Übertragung des Wettbewerbs vorsah und somit auch des israelischen Beitrags "Hasheket shenish'ar" von Shiri Maimon musste sich das libanesische Fernsehen zurückziehen, da es aufgrund lokaler Gesetze nicht garantieren konnte, den israelischen Beitrag nicht unkenntlich zu machen. Die EBU reagierte mit einer dreijährigen Sperre des Libanons, das Land bekundete bis heute kein Interesse mehr, ein Debüt bei der Eurovision zu geben.

Norwegens Beitrag 1980
zeigte Europa die Lappen
Immer wieder rutschten in der Eurovisionsgeschichte auch Beiträge durch, die versteckte politische Statements in sich bargen. So z.B. der norwegische Beitrag "Sámiid Ædnan" von Sverre Kjelsberg & Mattis Hætta. Darin machten Kjelsberg und der samische Yoik-Sänger Mattis Hætta auf die Situation der Samen aufmerksam, die sich laut Liedtext vor dem Parlament zum Singen verabredet hätten. 1991 sang Samantha Janus für das UK mit "A message to your heart" ein Lied, das die soziale Ungerechtigkeit auf der Welt thematisierte und die Ignoranz der westlichen Welt gegenüber hungernden Menschen aufzeigte.

Nicole gewann 1982 erstmals
für die BRD den Grand Prix
Ebenfalls politisch geprägt war der Eurovision Song Contest 1982. Auf dem Höhepunkt der Kalten Krieges, nach dem NATO-Doppelbeschluss von 1979, der die Aufstellung neuer Atomraketen in Westeuropa besiegelte und dem Ausbruch des Falkland-Krieges am Tag des Song Contest-Finales kam "Ein bißchen Frieden" von der 17jährigen saarländischen Unschuld Nicole gerade richtig. Nicole weist noch heute in Rückblicken gerne auf die politischen Umstände in jener Zeit hin, in der sie mit dem Lied von Ralph Siegel gewann. Um Europa die Botschaft ihres Liedes zu vermitteln, ließ sie es sich nicht nehmen bei ihrer Siegerreprise auf vier Sprachen zu singen.

1982 setzte Griechenland zudem ein weiteres Mal aus. Diesmal ging es jedoch nicht um politische Diskrepanzen zur Türkei, sondern darum, dass die damalige griechische Kulturministerin Melina Mercouri fand, eine glorreiche Kulturnation wie Griechenland sollte nicht bei so einem "schrecklichen" Ereignis mit niveaulosen Beiträgen wie dem Eurovision Song Contest teilnehmen. Beirets ein Jahr später, als u.a. die NDW-Band Geier Sturzflug mit "Besuchen Sie Europa (solange es noch steht)" weiter auf die Pershing II-Szenarien in Europa aufmerksam machte, kehrte Griechenland mit Christie Stasinopoulou zurück.

Chris Kempers und Daniel
Kovac (Deutschland 1990)
Beim Eurovision Song Contest 1990 in Zagreb spiegelten ein Großteil der Lieder den Wandel Europas in ihren Texten wieder. Nach Glasnost und Perestroika in der Sowjetunion und dem Abrüstungsbeschluss durch Michail Gorbatschow besangen diverse Nationen die neu gewonnenen Freiheiten in Europa. Während man den deutschen Titel "Frei zu leben" von Chris Kempers & Daniel Kovac noch einen nationalen Bezug diagnostizieren konnte, wirkten Lieder wie "Keine Mauern mehr" von Simone aus Österreich, "Fri?" aus Finnland und besonders "Brandenburger Tor" von Ketil Stokkan aus Norwegen eher befremdlich. Auch der Siegersong "Insieme 1992" des italienischen Barden Toto Cutugno behandelte das Zusammenwachsen Europas.

Zu jener Zeit befand sich Europa politisch im Umbruch. Deutschland erlebte die Wiedervereinigung, die Sowjetunion befand sich in den letzten Atemzügen, die rote Flagge wurde am Abend des 25. Dezember 1991 vom Dach des Moskauer Kremls eingeholt und Jugoslawien, das 30 Jahre lang am Eurovision Song Contest teilgenommen hatte, ging im Krieg unter. 1992 präsentierte sich Jugoslawien letztmals als eigene Nation, später wurde es von der EBU suspendiert. 1993 wurden die Mitgliedssender der Intervision Teil der Eurovision und eine Änderung der Teilnahmeregeln wurde beim Song Contest erforderlich.

Fazla verkörperten den ganzen
Schmerz der Welt für Bosnien
1993 gaben Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina ihr Debüt beim Song Contest, nachdem sie sich in einer osteuropäischen Qualifikationsrunde u.a. gegen die Slowakei und Estland durchsetzen konnten. Insbesondere die bosnischen Titel zu jener Zeit spiegelten das Geschehen auf dem Balkan wieder. Der erste Beitrag der Gruppe Fazla trug den Namen "Sva bol svijeta". Darin hieß es: "Der Schmerz der ganzen Welt ist heute Nacht in Bosnien. Ich stehe hier und trotze der Angst." Auch 1995 sang Davor Popović über die düsteren und apokalyptischen Zustände im bevorstehenden 21. Jahrhundert.

In Handschellen auf der ESC-
Bühne: Greenjolly (2005)
Nach dem Millenium und dem Ende des Balkankrieges verlagerte sich der politische Hotspot beim Eurovision Song Contest weiter nach Osten. Mit Estland gewann 2001 erstmals ein Land, das wenige Jahre zuvor noch eine sowjetische Unionsrepublik war, 2002 folgte Lettland, 2004 die Ukraine. Als der Eurovision Song Contest 2005 in Kiew stattfinden sollte, befand sich die Ukraine im Umbruch, die Wahl des pro-russischen Kandidaten Viktor Yanukowitsch galt als manipuliert, tausende harrten bei klirrender Kälte auf dem Maidan in Kiew aus, die Vorjahressiegerin Ruslana wurde zum Sinnbild der Orangenen Revolution. Auch der Song Contest-Beitrag 2005 der Rapformation Greenjolly ("Razom nas bahato") war eine der Parolen bei jener Revolution.

Der jüngste Politik-Fall:
Julia Samoylova
Die Ukraine wandte sich zunehmend dem Westen zu, 2007 spielte Verka Serduchka in ihrem überaus erfolgreichen Blödelsong "Dancing lasha tumbai" auf diesen Umstand an. "Lasha tumbai" klänge ähnlich wie "Russia Goodbye", was Verka in der Folge ein Auftrittsverbot in Russland bescherte. 2016 setzte Jamala dem Ganzen die Krone auf, indem sie in "1944" über das Schicksal der Krimtataren nach Zentralasien zu Stalins Zeiten sang. Der Song, der von der EBU offiziell als unpolitisch durchgewinkt wurde, zeigte die Brisanz der aktuellen Krim-Krise. Russland fühlte sich in seinem Stolz verletzt, boykottierte zuletzt den Wettbewerb in Kiew, da die Ukraine der ausgewählten Sängerin Julia Samoylova verbot, nach einem Auftritt auf der Krim, in die Ukraine einzureisen.

Für das Zeigen der Flagge
gab es eine Verwarnung
Und auch die anderen ehemaligen Sowjetrepubliken sind nicht frei von politischen Signalen. Seit dem Debüt Aserbaidschans im Jahr 2008 merkt man dies ganz deutlich. Aserbaidschan und sein verfeindeter Nachbar Armenien pieksen sich gegenseitig, 2009 hielt Armeniens Punktesprecherin Sirusho eine Tafel mit einem Bauwerk in der besetzten Republik Bergkarabach in die Kamera, 2016 schwenkte Iveta Mukuchyan die Flagge der Region im Semifinale. Die Juroren beider Länder strafen den jeweils anderen Beitrag in ihren Bewertungen mit dem letzten Platz ab, im Televoting zeigt sich nahezu ein ähnliches Bild.

"The negative move is killing
the groove
", Georgien 2009
Georgien verzichtete 2009 auf die Teilnahme in Moskau, da der Song "We don't wanna put in" von Russland als Schmähung ihres Präsidenten aufgefasst wurde. Der klar politische Beitrag nahm Bezug auf den vorangegangenen Einmarsch russischer Truppen in die georgischen Regionen Abchasien und Südossetien. Tako Gachechiladse, eine der damaligen Sängerinnen der Formation Stephane & 3G durfte in diesem Jahr zum Song Contest fahren. Mit "Keep the faith" schied sie im Semifinale aus. Videoeinblendungen aus dem Vorentscheid ("Russia invades Georgia") wurden nicht übernommen. Auch Ungarns Sängerin Boogie musste die Einblendungen aus dem Vorentscheid verwerfen, da Israel gegen die "Gaza"-Einblendung in "Wars for nothing" protestierte.

The Grey People, Interval
des ESC 2016 in Stockholm
Auch in den Interval-Darbietungen werden politische Themen mittlerweile gezeigt. So waren die "Grey People" in Stockholm keineswegs nur ein paar Minuten Entertainment sondern wiesen auf die Situation der Flüchtlinge aus Syrien und anderen Teilen der Erde nach Europa hin. Der Eurovision Song Contest ist, wie man feststellt, schon immer ein Schaufenster der aktuellen politischen Ereignisse gewesen, wenngleich man Politik außen vor lassen möchte, so ist es genauso unmöglich, wie sämtliche AGBs zu lesen und zu verstehen.



Poll: Nach der Politik biete ich für die kommende Woche etwas leichtere Kost in Form eines weiteren Cocktails an. Zur Wahl stehen die fünft Themen "Mosaik", "Mi corazon", "Moves like Jagger", "X-Files" und "Making a hit". Viel Spaß beim Abstimmen, zum Voting geht es hier.

News-Splitter (582)



Libanon - Der Radiosender Radio Liban ist seit gestern aktives Vollmitglied der Asia-Pacific Broadcasting Union, dem asiatischen Gegenstück zur Europäischen Rundfunkunion (EBU). Die Vollmitgliedschaft eröffnet dem Land nunmehr die Teilnahme an den organisierten Wettbewerben wie dem ABU TV Song Festival sowie vollen Zugriff auf das Leistungsprogramm der Union, zu der u.a. Übertragungsrechte und ein Nachrichtenaustausch gehören. Der Staatssender Télé Liban hingegen ist nach wie vor kein ABU-Mitglied, dafür jedoch Teil der EBU und könnte theoretisch am Eurovision Song Contest und seinen Ablegern teilnehmen.

Großbritannien - Jahre nach seinem schlechten Abschneiden beim Eurovision Song Contest 2012 in Baku hat sich Engelbert Humperdinck in einem Interview zu seiner Teilnahme geäußert und rügt gegenüber der Metro, dass sein Beitrag "Love will set you free" Opfer einer politisch motivierten Abstimmung war. Im Original-Wortlaut heißt es: "No, I don’t watch it. It’s very political. The UK will never be up there again because the competition is too controlled. No matter how much talent you send out there from the UK, nothing will come of it." Der 81jährige greift auch die russischen Großmütter von Buranovskiye Babushki an, er könne es nicht verstehen, dass sie Zweite wurden, während er als (alternder) Weltstar auf den letzten Rängen landete.

Österreich - Nathan Trent hat in dieser Woche die italienische Version seines Eurovisionsbeitrags "Running on air" veröffentlicht. Der Song, mit dem er beim Eurovision Song Contest in Kiew den 16. Platz belegte, trägt auf Italienisch, seiner zweiten Muttersprache, den Titel "Fino a che volerò" und kann hier auf Youtube angehört werden. In den kommenden Tagen soll zudem die Veröffentlichung auf den digitalen Plattformen, etwa Spotify und iTunes erfolgen. 

Deutschland - Und wer noch nicht weiß, was er heute Abend mit sich anfangen soll, der hat die Möglichkeit sich in die deutsche Schlagerszene zu begeben und die Gemeinschaftsproduktion der Dritten Programme zu verfolgen. "Die Schlager des Sommers" wird heute Abend von Florian Silbereisen moderiert, dabei treten u.a. Jürgen Drews, die Kelly Family, Maite Kelly und weiteren Akteuren der deutschen Schlagerfamilie. Übertragen wird die Open Air-Show aus Klaffenbach bei Chemnitz vom MDR und dem HR sowie dem NDR, BR und RBB.

Programmtipp:
Sa., 24. Juni 2017 - 20:15 Uhr
Die Schlager des Sommers
Open Air aus Klaffenbach/Sachsen
Moderation: Florian Silbereisen

Donnerstag, 22. Juni 2017

Ukraine: 15 Millionen in der Schweiz eingefroren



Ukraine - Erstmals in ihrer Geschichte hat die Europäische Rundfunkunion eine finanzielle Garantie von einem ihrer Mitgliedssender gefordert, um den Willen und die Möglichkeiten aufzuzeigen, dass man den Eurovision Song Contest ausrichten kann. Aus diesem Grund überwies der ukrainische Sender UA:PBC 15 Millionen Euro auf ein Schweizer Bankkonto, auf das er derzeit keinen Zugriff hat.

Wie der Sender in Kiew bestätigte, sei das entsprechende Konto aufgrund einer nicht klar definitierten Klage eingefroren worden. Noch unter der Führung von Zurab Alasania wurde die Transaktion von der Ukreximbank durchgeführt um eine Sicherheitskaution für die Ausrichtung des Wettbewerbs in Kiew zu hinterlegen. Der derzeitige Generaldirektor des Senders wollte sich auf die Frage, warum das Konto eingefroren wurde, nicht konkret äußern.

Der ukrainische Sender UA:PBC hat in Bezug auf den Eurovision Song Contest zudem noch weitere Konsequenzen zu fürchten. Aufgrund der gescheiterten Vermittlung der EBU in der Frage der russischen Teilnahme hatte die Europäische Rundfunkunion der Ukraine mit Strafmaßnahmen gedroht. Diese sollten beim ersten Treffen der Reference Group beschlossen werden, nach außen gedrungen ist über eventuelle Geldbußen bis hin zum mehrjährigen Ausschluss vom Song Contest jedoch nichts.

Mittwoch, 21. Juni 2017

Frankreich: Bewerbungsaufruf für Vorentscheid gestartet



Frankreich - Die Franzosen begeben sich auf die Suche nach ihrem Interpreten für den Eurovision Song Contest 2018 und haben heute ihren offiziellen Aufruf zum Einsenden potentieller Beiträge gestartet. Neben den obligatorischen Regeln, etwa der Vorveröffentlichungsfrist des 1. Septembers 2017 und der Sechs-Personen-Regelung greifen auch spezielle französische Regeln.

Demnach müssen mindestens 70% des Songtextes auf Französisch sein und es sind nicht mehr als vier Autoren/Komponisten an einem Beitrag erwünscht. Diese müssen zudem offiziell registriert sein, Newcomer dürften es aufgrund dieser Bestimmungen schwer haben, Teil des französischen Auswahlverfahrens für Portugal 2018 zu sein. Weitere Informationen sowie das Anmeldeformular gibt es hier (auf Französisch).

Der zuständige Sender France 2 erklärte bereits im Mai diesen Jahres, dass man einen nationalen Vorentscheid zur Ermittlung des Beitrags für den Eurovision Song Contest 2018 veranstalten werde. Hierfür ist eine Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma Endemol geplant. Endemol ist weltweit tätig und in Deutschland u.a. an der Produktion von Big Brother, "Wer wird Millionär?" oder "Rette die Million!" beteiligt. Einzelheiten zur geplanten "Mission Eurovision" sollen in Kürze folgen.

Deutschland: Raab produziert wieder für ProSieben



Deutschland - Stefan Raab ist wieder da. Jedenfalls hinter der Kamera als kreativer Kopf als Entwickler einer neuen TV-Show für ProSieben. Bei den Screenforce Days des Senders, auf denen die Programm-Highlights der neuen Saison vorgestellt wurden, war auch Raab anwesend und erklärte, dass er an einem Format mit dem Titel "Das Ding des Jahres" arbeitet, so das Medienmagazin DWDL.de.

Einer der wenigen öffentlichen
Auftritte: Raab als Schlag-
zeuger bei Udo Lindenberg
Er ist zwar der Geist hinter der Show, moderieren wird er jedoch nicht: "Moderation war nie meine Stärke.", so Raab. In der Show geht es um Entwickler, die in Duellen versuchen ihre Errungenschaft zu präsentieren. "Wir suchen das beste Produkt und bieten eine Plattform für den fairsten Wettbewerb, den es gibt: das Zuschauervoting.", so Raab. Produziert wird die Show von Raabs Produktionsfirma Brainpool, die in den letzten Jahren auch für den deutschen Vorentscheid verantwortlich war. 

"Er hat die Pfui-Kelle erfunden, den fahrenden Schreibtisch, das Nippelboard und einen Duschkopf. Ich freue mich sehr, dass er diese Show für ProSieben entwickelt hat und für uns realisiert.", sagte ProSieben-Chef Daniel Rosemann. Und es stimmt zumindest ein bisschen optimistisch, dass Raab sich irgendwann einmal wieder im Fernsehen blicken lässt, das ihn dringend nötig hat, insbesondere da mit "Circus Halligalli" nun auch noch die letzte Experimentierfläche von ProSieben verschwunden ist. 

Ob Raab jemals wieder für die Eurovision gewonnen werden kann, bleibt jedoch recht unwahrscheinlich. Auch ein Nachfolger für sein einstige Prestiges-Projekt, nämlich die Spielshow "Schlag den Raab", wurde gefunden. ProSieben-Chef Rosemann erklärte, dass TV-Koch Steffen Henssler in die Fußstapfen von Raab treten wird: "Steffen Henssler hat all das und diesen besonderen, bedingungslosen Ehrgeiz, um in dieser Show bestehen zu können. Er will um jeden Preis gewinnen." Henssler beendet damit sein Engagement bei Vox.

Montag, 19. Juni 2017

Eurovision: Hochzeiten, Waldbrände und Fußball



Europa - Selbst hier in Hamburg ist inzwischen der Sommer angekommen, bei 30°C Zimmertemperatur lässt die Produktivität ein wenig zu wünschen übrig und das bestätigt sich auch in Hinblick auf den Eurovision Song Contest. Die Fülle an Nachrichten nimmt stetig ab. So blieb die gestrige Meldung, dass sich beim Melodifestivalen 2018 nichts am Mechanismus ändere, das Highlight der Woche. 

Christer Björkman macht
noch bis 2021 weiter
Christer Björkman kündigte an, dass der Bewerbungszeitraum vom 1. bis 18. September beim Sender SVT geöffnet sei und man sich auf verschiedene Genres und vor allem auch unterschiedliche Sprachen freut. Ob dies, ähnlich wie in Slowenien, bereits der Ruf nach mehr Landssprache ist, bleibt abzuwarten. Die Geschichte des Eurovision Song Contests zeigt jedoch, dass Europa im Jahr danach gerne einen Bezug zum Vorjahr herstellt. 

Ich hoffe dennoch inständig, dass sich Europa nach dem Sieg von Salvador Sobral nicht völlig von seinem musikalischen Kurs entfernt, der Song Contest 2018 dürfte ansonsten ein schnarchiges Unterfangen werden. Wie in jedem Jahr wird aber pauschal erst einmal eine Runde gemeckert und am Ende kommt es alles gar nicht so schlimm. 2016 und 2017 wurden zunächst auch zerrissen und am Ende kamen wirklich gescheite Jahrgänge dabei heraus. 

Portugal selbst kämpft momentan wieder gegen Waldbrände. 200km nordöstlich von Lissabon in der Region Pedrógão Grande wüten momentan Flammen, die bereits über 60 Opfer forderten und eine dreitägige Staatstrauer nach sich ziehen. Der Grund für das Feuer ist demnach wohl ein Blitzschlag am Samstagnachmittag. Lissabon, wo der Eurovision Song Contest im kommenden Jahr vermutlich ausgetragen wird, meldet derzeit 34°C Außentemperatur. 

Aliona Moon war auch auf
Pashas Hochzeit dabei
Ansonsten ist in Europa momentan das Hochzeitsfieber ausgebrochen. Wie die Gazetten der Eurovisionswelt berichten, haben am Wochenende sowohl der moldawische Sänger Pasha Parfeny als auch der Lighthouse X-Sänger Martin Skriver haben geheiratet. Die Bandmitglieder von Lighthouse X kamen hierfür erstmals nach ihrer Trennung wieder öffentlich zusammen. Pasha Parfeny, der Moldawien 2012 in Baku vertreten hat, heriatete seine langjährige Freundin Yuliana Scutaru, eine bekannte Texterin.

Zu guter Letzt befindet sich die Welt momentan wieder in Fußball-Laune, zumindest auf kleiner Ebene. In Russland findet dieser Tage der Conferations Cup der Kontinentalmeister, dem Weltmeister und dem Gastgeber des kommenden Jahres statt. Beim Opening durfte auch Sergey Lazarev seinen Teil zur Eröffnungsfeier beitragen und in St. Petersburg gemeinsam mit Nyusha performen. Heute Abend um 17 Uhr (MESZ) trifft Deutschland als Weltmeister von 2014 im ersten Vorrundenspiel gegen Asienmeister Australien. Im ersten Spiel der Gruppe B trennten sich  Kamerun und Chile  bereits 0:2.

Programmtipp:
Mo., 19. Juni 2017 - 17:00 Uhr
Fußball: Confederations Cup 
 Australien vs. Deutschland 
live aus Olympiastadion Sotschi 
Kommentar: Béla Réthy 

Und in diesem Sinne wünsche ich allen Lesern einen knusprigen Vorsommer-Tag. Hiermit kündigen wir übrigens an, dass es in der Zeit von Dienstag, den 18. Juli bis einschließlich Freitag, den 21. Juli keinerlei Neuigkeiten und Artikel zum Eurovision Song Contest geben wird. Dann ist es endlich wieder an der Zeit fernab des Alltags am Ostseestrand von Zinnowitz zu entspannen und zu meiner geliebten Softeis-Maschine zurückzukehren. Badetemperaturen scheint's ja bereits zu haben.


Sonntag, 18. Juni 2017

Schweden: 2018 bleibt alles beim Alten



Schweden - Warum sollte man ein erfolgreich laufendes Konzept auch verändern? Melodifestivalen-Produzent Christer Björkman bestätigte heute, dass das gesamte Vorentscheidungsverfahren in Schweden exakt so ablaufen werde, wie in den vergangenen beiden Jahren. Somit werden insgesamt 28 Beiträge am schwedischen Melodifestivalen 2018 teilnehmen.

Einer von ihnen wird bereits im Vorfeld durch die Radioauswahl "Svensktoppen Nästa" auf Sveriges Radio P4 ermittelt. Da die Veranstaltung jedoch vor dem 1. September stattfindet, wird der dort gewählte Song kein Aspirant auf den Eurovision Song Contest sein, der Interpret ist jedoch für das Melodifestivalen gesetzt. Christer Björkman erklärte in seinem Aufruf für den Vorentscheid, man suche verschiedenste Sprachen, Genres und Musikstile.

14 Beiträge werden durch den öffentlichen Aufruf ausgewählt, die Bewerbungsspanne reicht vom 1. September bis zum 18. September um 18 Uhr. 13 weitere Beiträge werden direkt von SVT, nach vorangegangenen Einladungen an Komponisten und Interpreten ausgewählt. Schweden ist derzeit eine der erfolgreichsten Nationen im Wettbewerb, 2012 und 2015 konnte man die Eurovision gewinnen, Robin Bengtsson erreichte in Kiew zuletzt den fünften Platz.

Samstag, 17. Juni 2017

Lemon Cocktail: Tick, Trick und Track



Europa - Eine Woche, in der wir eigentlich große Ankündigungen von der EBU und dem portugiesischen Fernsehen RTP erwartet haben, geht ohne neue Erkenntnisse zu Ende. Wir müssen uns, was die Eurovision 2018 betrifft, noch ein wenig gedulden, es bietet uns aber die Gelegenheit über ein weiteres Thema des Wettbewerbs zu philosophieren, nämlich dem aktuell gewählten Cocktail, der heute auf den Namen "Tick, Trick und Track" hört. Dabei geht es nicht um Trios auf der Bühne, sondern um die Moderatoren des Song Contests.



Tick, Trick und Track
Namensgebend sind die drei ukrainsichen Hosts aus Kiew, die den Song Contest 2017 moderiert haben. Es war das erste Mal in der 62jährigen Geschichte des Wettbewerbs, dass drei Herren durch den Abend führten. Oleksander Skichko, Volodymyr Ostapchuk und Timur Miroshnychenko. Wir klären die Fragen, welche Fähigkeiten ein guter Moderator mitbringen muss, welche Moderatoren durch ihre Sidekicks am meisten überzeugt haben und auch, ob es wirklich einen Greenroom-Moderator braucht, der mit dem Geschehen auf der Bühne nichts zu tun hat.

Warmlaufen für Kiew:
Vova u. Alex bei der Probe
Diese Aufgabe fiel in diesem Jahr Timur Miroshnychenko zu, der 1986 in Kiew geboren wurde und bereits seit 2005 im ukrainischen Fernsehen als Moderator zu sehen ist. 2009 moderierte er den Junior Eurovision Song Contest an der Seite von Ani Lorak. 2007 ersetzte er Pavlo Shylko als Song Contest-Kommentator und moderierte mehrmals den nationalen Vorentscheid. In diesem Jahr wurde er in den Greenroom verfrachtet mit dem Stempel, dass er ein wandelndes Eurovisionslexikon sei. Wirklich zur Geltung kam diese Eigenschaft jedoch nicht, er führte lediglich kurze, wenig aufschlussreiche Interviews mit den Kandidaten des Jahrgangs.

Nackte Haut zieht immer
Auf der Hauptbühne lag die Tätigkeit bei Oleksandr Skichko und Volodymyr Ostapchuk (Alex und Vova). In einem lustigen Video wurde gezeigt, wie das Trio einen Crashkurs vom Vorjahresmoderator Måns Zelmerlöw erhielt und ihnen das schlechte Englisch mit starkem osteuropäischen Akzent abtrainiere und sie optimal auf den Wettbewerb vorbereitete. Tatsächlich steckt dahinter nicht nur leichte Unterhaltung sondern tatsächlich ein hartes Training. Die drei Moderatoren, die wie Tick, Trick und Track wirkten, waren nicht die High Class der Moderatoren beim Song Contest. Gerüchten zufolge sollte Milla Jovovich den Wettbewerb moderieren, mit der "Resident Evil"-Schauspielerin kam es jedoch nicht zum Vertragabschluss.


Boot Camp für die ukrainischen Moderatoren

Für einander gemacht:
Petra Mede und Måns
Ganz andere Möglichkeiten hatte da im Vorjahr das schwedische Fernsehen. Petra Mede, die schon 2013 in Malmö allein durch die drei Abende führte und dabei einen sehr souveränen Eindruck hinterlassen hatte, bekam den charming Sieger Måns Zelmerlöw an ihre Seite. Beide lieferten eine perfekte Moderation, witzig, schlagfertig und musikalisch. So kann sich natürlich auch ein Jahr nach dem Wettbewerb von Stockholm jeder an den finalen Interval-Act "Love love peace peace" erinnern, an dem auch Alexander Rybak und Lordi mitwirkten. Sie zeigten, was es ihrer Meinung nach braucht, einen perfekten Eurovisionsbeitrag abzuliefern. 

Marlène Charell reizte 1983
ihre Sprachkenntnisse aus
Auch in diesem Jahr wurde gesungen, Vova und Alex sangen ein Medley aus Eurovisionhits im Semifinale im "Ukrainian Style", Helena Paparizous "My number one", "Rise like a phoenix" von Conchita oder "Fairytale" vom Rybak wurden gemeinsam mit dem nationalen Folkorchester mit ukrainischen Vibes versetzt. Allerdings gab es bereits weit vor ihnen Moderatoren, die sich um das Pausenprogramm kümmerten. In Erinnerung blieb dabei u.a. Marlène Charell, die zwar nicht sang, aber in drei Sprachen durch den Abend moderierte und in einer nicht enden wollenden Performance als Pausenfüller über die Bühne tanzte.

Anaid Iplicjian mit den
niederländischen Siegern
Marlène Charell, die eigentlich als Angela Miebs in Winsen an der Luhe geboren wurde, hatte vor allem in den 60er und 70er Jahren Engagements von der Tanzrevue bis zu vierteiligen ZDF- und BBC-Produktion an der Seite von Engelbert Humperdinck. Trotz des ersten deutschen Sieges von Nicole im Vorjahr war sie allerdings nicht die erste deutsche Moderatorin. 1957 fand der zweite Eurovision Song Contest in Frankfurt am Main statt und wurde von Anaid Iplicjian moderiert, die in Berlin geboren wurde und in Recaps über den Song Contest vor allem durch die Szene bekannt ist, als sie vor der Europakarte Platz nahm und mit ihrer Assistentin die Juroren in Westeuropa anrief.

Ein schöner ESC-Abend:
Anke, Stefan und Judith
Durchweg positives Feedback gab es für Deutschland auch 2011 nach dem absolvierten Eurovision Song Contest in Düsseldorf. Die ARD, die in Kooperation mit ProSieben die erfolgreichste Phase der letzten Jahre einläutete, stellte Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers an die Seite von Anke Engelke und Stefan Raab. Insbesondere mit Anke Engelke, die von sich selbst behauptet, passionierte Song Contest-Guckerin zu sein, waren die drei Shows unterhaltsam und kurzweilig. Anke und Stefan stimmten in einer Pause zwischen den Songs ein Medley bekannter Song Contest-Hits an und schlugen sich dabei gegenseitig die Zähne aus. Sie bewiesen, dass auch Deutsche Humor haben können.

Anke, die in Montreal geboren wurde und dreisprachig aufwuchs, absolvierte die Eurovision in fehlerfreiem Französisch, der zweiten Sprache, die beim Eurovision Song Contest heute eine eher untergeordnete Rolle spielt, trotzdem ihren Platz eingeräumt bekommt und an der einige Moderatoren gnadenlos scheitern. Was habe ich herzlich gelacht, als Russland 2009 in den Halbfinals ein Model namens Natalya Vodianova auf die Bühne stellte, die offenbar weder mit der Materie des Wettbewerbs noch mit irgendeiner Sprache außer dem Russischen vertraut war.

Ein Zusammenschnitt zum Zusammenzucken

Überdreht und unsympathisch
Natalia und Andrey
Nicht zuletzt der schmierige Co-Moderator Andrey Malakhov und die völlig übersteuerte Bekanntgabe der Finalisten machten den Wettbewerb zu einem atmosphärisch extrem kühlen Unterfangen. Glücklicherweise hatte der Sender Channel One im Finale mit Alsou und Ivan Urgant zwei Moderatoren verpflichten können, die zumindest schon einmal Englisch gesprochen haben und sich bemühten, durch die pompös aufgezogene Show des russischen Fernsehens zu führen. Russland gab sich viel zu verkrampft Mühe alles bisher dagewesene in den Schatten zu stellen, der Cirque du Soleil wurde eingekauft, t.A.T.u. sangen im Halbfinale und der argentinische Zirkus Fuerza Bruta als Interval ließ die Qualitäten der Moderatoren verschwindend gering wirken.

Mikko Leppilampi und
Jaana Pelkonen (2007)
Das weniger manchmal mehr ist, zeigten die Finnen 2007. Jaana Pelkonen und Mikko Leppilampi führten unbekümmert und ohne großes Drama durch den Wettbewerb in Helsinki. Verstörender war dabei schon das Engagement der Greenroom-Moderatorin Krisse Salminen, die in Finnland vor allem für Stand up-Comedy bekannt war und im pinken Tüllkleid versuchte, den Teilnehmern Gespräche aufzuzwängen. Nach der Leistung von Ruslana und den Klitschkos 2005 in Kiew im Greenroom stellte sich einmal mehr die Frage, ob es überhaupt ordentliche Greenroom-Hosts gibt.

Frauen-Quartett in Wien:
Conchita, Arabella, Mirjam
und Alice 2015
Ein einziges Mal, nämlich 2015, schaffte es die Greenroom-Moderatorin den Hosts auf der Bühne die Show zu stehlen. Der ORF engagierte Conchita Wurst, die Ikone von Kopenhagen, für die Interviews mit den Interpreten. Es waren ihre Spiele, da sie an Haken befestigt durch die Halle schwebte (etwas das man sonst nur auf Helene Fischer-Konzerten sieht), mehrmals singen durfte und von den Fans schon seit Kopenhagen geliebt wurde. Blass wirkte dabei das Trio auf der Bühne, Alice Tumler , Mirjam Weichselbraun und Arabella Kiesbauer, die hierzulande durch ihre 90er Jahre-Talkshow noch eine gewisse Bekanntheit hatte. Brustschwach auch ihr Playback-Opening zu den Tönen von "Building bridges".

Lise und Conchita 2014
Ganz andere Brücken schlugen dabei die Moderatoren von Kopenhagen. Lise Rønne, die in Dänemark durch ihre Moderation von X-Factor und des Dansk Melodi Grand Prix bekannt war, solidarisierte sich bereits im Vorfeld mit Conchita und schlug ihr vor ein Duett aufzunehmen, bewirtete die Franzosen mit Essen von ihrem Lieblingschinesen und stimmte gemeinsam mit ihren Kollegen Nikolaj Koppel und Pilou Asbæk den "12 Point Song" an, der so etwas wie eine Prophezeiung war, da das chinesische Fernsehen Hunan TV schon im Jahr darauf in die Übertragung des Wettbewerbs einstieg.


The 12 Point Song - Dänemark 2014

Das erste Trio beim Eurovision Song Contest gab es 1999 in Jerusalem. Dafna Dekel, die 1992 selbst am Wettbewerb teilnahm und mit "Ze rak sport" Sechste wurde, die israelische Glücksrad-Buchstabenfee Sigal Shachmon und Radio- und TV-Moderator Yigal Ravid moderierten den letzten Wettbewerb der 90er Jahre. Die Moderation war damals noch etwas steifer als es heutzutage der Fall war, Dafna und Sigal sangen aber auch damals schon, ein Prosit auf das neue Jahrtausend "Le'chaim" aus dem Musical Anatevka. 

Der unvergessene Auftritt
der Lill Lindfors 1985
Dafna war nicht die einzige Moderatorin, die zuvor als Interpretin am Wettbewerb teilgenommen hatte, 1976 moderierte Corry Brokken für das niederländische Fernsehen, 1985 war es Lill Lindfors, die für ihren Fauxpas mit dem Trickkleid noch heute zu den goldenen Momenten der Eurovisionsgeschichte zählt, als sie sich beim Gehen in ihrem Kleid verhedderte und im Unterhöschen auf der Bühne stand. Später holten sich die gastgebenden Sender immer wieder ehemalige Teilnehmer der Eurovision als Moderatoren auf die Bühne.

Eurovisionsteilnehmer, die die Show auch moderieren durften:
- 1976 -  Corry Brokken
- 1979 -  Yardena Arazi & Daniel Pe'er
- 1985 -  Lill Lindfors
- 1986 -  Åse Kleveland
- 1991 -  Gigliola Cinquetti & Toto Cutugno
- 1999 -  Dafna Dekel, Sigal Shachmon, Yigal Ravid
- 2003 -  Marie N, Reinārs Kaupers 
- 2006 -  Maria Menounos, Sakis Rouvas
- 2008 -  Jovana Janković, Željko Joksimović
- 2009 -  Alsou, Ivan Urgant (im Finale)
- 2011 -  Anke Engelke, Judith Rakers, Stefan Raab
- 2012 -  Eldar Qasımov, Leyla Əliyeva,  Nərgiz Birk-Petersen
- 2016 -  Petra Mede, Måns Zelmerlöw

Moderatoren 1996: Morten
Harket und Ingvila Bryn
Nur einmal in der Song Contest-Geschichte, nämlich beim allerersten Wettbewerb 1956, moderierte mit Lohengrin Filipello, ein männlicher Solomoderator, Damen gab es in dieser Beziehung häufiger, u.a. Katie Boyle, die den Wettbewerb für die BBC gleich viermal moderierte. Besondere Momente lieferten uns einige Moderatoren bei der Punktevergabe. Legendär war die norwegische Nachrichtensprecherin Ingvild Bryn, die gleichwohl ironisch als auch bösartig der schwedischen Punktesprecherin vorrechnete, dass Norwegen punktetechnisch deutlich in Vorleistung gegangen sei. 

Ulrika Jonsson, 1998 neben Terry Wogan Moderatorin von Birmingham, sorgte für Gelächter, als sie die niederländische Punktesprecherin Conny van den Bos, die erklärte, man sie die Gefühle der Künstler nachempfinden kann, mit den Worten "You have taken part a long time ago" herzte. Ulrika und Terry Wogan wurden vergangenes Jahr in einer Online-Abstimmung zu den besten Moderatoren der 90er gewählt. 2000 lockerten Kattis Ahlström und Anders Lundin gleich zu Beginn der Show die Stimmung, indem Kattis ihren Text aus einem falsch herum gehaltenen Buch ablas und Europa rückwärts gesprochen begrüßte. 


Nicht charmant aber auch heute noch lustig

Entsetzt Gucken oder lächeln
und winken: Leyla und Eldar
Wenig spontan fiel das Script ein Jahr später bei den dänischen Moderatoren Natasja Crone und Søren Pilmark aus. Zwar ließen sie eine Fake-Trophäe zerbrechen, den ganzen Abend über führten sie allerdings in Reimen durch die Show. Die Kostümierung und die stocksteife Moderation brachte den beiden die Spitznamen "Dr. Death und die Zahnfee" ein. Die staatlich abgesegneten Moderatoren von 2012 in Baku ließen sich dafür von Sarah Dawn Finer in ihrer Rolle als Lynda Woodruff aus dem Konzept bringen, als sie sich herzlichst bei "Azerjaban, Azer-, Baku" bedankte. Der Blick von Leyla Əliyeva, die nicht verwandt oder verschwägert mit Aserbaidschans Diktator İlham Əliyev ist, ist wie es in einem MasterCard-Werbespot heißt, unbezahlbar.

Unser bester Moment, Pokal-
übergabe 2010 in Oslo
Genauso unbezahlbar ist aus deutscher Sicht die Moderation von Nadia HasnaouiErik Solbakken und Haddy N'jie in Oslo. Dies aber allein aus dem Grund, dass Nadia Hasnaoui am Ende der Show Lena als Siegerin des Eurovision Song Contests 2010 anmoderieren durfte. Wir dürfen gespannt sein, wen uns die Portugiesen im kommenden Jahr als Moderatoren anbieten, zunächst einmal aber geklärt werden, wann die Party 2018 überhaupt steigt. Der Sommer ist noch lang genug, um entsprechende Entscheidungen zu treffen.



Poll: Er ist außerdem lang genug, um noch ein paar Cocktails zu verteilen. In dieser Woche biete ich die Themen "Shakespeare", "Grundschulzeit", "We don't wanna Putin", "And finally..." und "Blizzard & Inferno" an. Viel Spaß bei der Abstimmung zu der es hier geht und natürlich ein schönes Wochenende allerseits.