Mittwoch, 24. Mai 2017

News-Splitter (577)



In Hollywood ganz groß:
Milla Jovovich
Ukraine - Angeblich soll Hollywood-Star Milla Jovovich in Verhandlungen mit dem ukrainischen Fernsehen UA:PBC gestanden haben, um den Eurovision Song Contest 2017 zu moderieren. Berichten zufolge verliefen sich etwaige Verpflichtungen jedoch aufgrund der nicht zur Verfügung stehenden Gage im Sand. Die 1975 in Kiew geborene Schauspielerin, bekannt aus "Resident Evil" oder "Zoolander" soll nur eine geringe Gebühr gefordert haben, die offenbar nicht mehr im Budget des Senders lag. Stattdessen wurden Oleksandr Skichko, Volodymyr Ostapchuk und Timur Miroshnychenko verpflichtet.

Österreich - Am 10. Juni findet vor dem Wiener Rathaus wieder der Life Ball, die größte Benefizveranstaltung zu Gunsten HIV-infizierter in Europa statt, bei dem in den vergangenen Jahren Erlöse in Höhe von rund zwei Millionen Euro zusammengekommen sind. Durch den Abend moderieren werden Verena Scheitz und Conchita Wurst. "Man wird sehen, ob das eine Fehlentscheidung war. Immerhin moderiere ich nicht nur, sondern muss auch tanzen! Das wird mehr was fürs Herz, als fürs Auge.", so Conchita. Auch Nathan Trent wird als musikalischer Gast dabei sein. Der Life Ball wird vom ORF übertragen.

Jowst bei Neuauf-
nahmen in Oslo
Norwegen - "Making a hit" hieß das Projekt von Joakim With Steen alias Jowst, mit dessen Hilfe er durch eine Facebook-Gruppe seinen Beitrag für den Eurovision Song Contest produzierte und gemeinsam mit Aleksander Walmann den zehnten Platz in Kiew belegte. Eine weitere Zusammenarbeit ist geplant, unter dem oben genannten Motto sollen aber auch mit anderen Künstlern neue Hits entstehen. "Grab the moment" steht in den norwegischen VG-Lista Topp 20 nach wie vor auf der #6, in Schweden auf der #56. In anderen Nationen schaffte es das Lied nicht in die Charts.

Irland - Brendan Murray schied mit "Dying to try" und fliegenden Ballons im Semifinale von Kiew aus, hat aber trotzdem einen Erfolg landen können und zwar in Armenien. Dort steht der irische Wettbewerbsbeitrag momentan an der Spitze der Charts. wie er in der "Six O'Clock"-Show im irischen Fernsehen erklärte, konnte er selbst nicht glauben, dass sein Lied im Kaukasus ein Hit geworden sei. Von der Zuneigung armenischer Fans konnte Brendan in Kiew nicht profitieren, während Armenien im ersten Semifinale stimmberechtigt war, schied Irland als 13. mit 15 Punkten Rückstand auf die zehntplatzierte Anja Nissen aus.

In Spanien zum Hahn ernannt:
Manel Navarro wurde Letzter
Spanien - David Bisbal gibt dem spanischen Song Contest-Vertreter Manel Navarro Rückdeckung. Gegenüber der Zeitung "El País" erklärte der Zweite von Operación Triunfo: "Angesichts der Kritik kämpfe weiter und arbeite für deine Träume." Die Eurovision sei für neue Künstler eine "goldene Möglichkeit" ihrer Karriere einen Schub zu geben, unabhängig vom Ergebnis im Wettbewerb. In Spanien wird Navarro aufgrund des versemmelten Tones als "Gallo" ("Hahn") bezeichnet. Bisbal selbst plane nach seinem Durchbruch (in Deutschland u.a. mit dem Titel "Silencio") keine Rückkehr zum Song Contest. Momentan steht jedoch eine Rückkehr der Operación Triunfo als spanischer Vorentscheid für 2018 im Raum.

Portugal - Passend dazu, Suzy, Portugals Song Contest-Vertreterin in Kopenhagen 2014 hat die nächste Runde von "La Voz", dem spanischen Ableger von "The Voice" erreicht. Mit Hilfe eines Online-Aufrufs hat sie es geschafft, sich für die Halbfinals der Show zu qualifizieren. Der Sieger der spanischen Castingshow erhält die Möglichkeit eine Single mit Tony Sánchez-Ohlsson, dem Komponisten von "Quedate conmigo" und "Amanecer" aufzunehmen. Suzy schied 2014 mit "Quero ser tua" im Semifinale des Eurovision Song Contests aus, ließ es sich aber auch nicht nehmen den Siegertitel von Salvador Sobral zu covern.

San Marino: Valentina wägt andere Angebote ab


San Marino - Valentina Monetta hat mit dem Eurovision Song Contest offenbar doch noch nicht abgeschlossen. Auch nach ihrem vierten Anlauf für San Marino scheint die inzwischen 42jährige nicht müde, es im Wettbewerb zu versuchen und prüft derzeit Vorschläge anderer Nationen.

Valentina und Jimmie Wilson
bei ihrem Versuch 2017
"Aber ich werde nicht für San Marino antreten. Ich werde einige Vorschläge aus anderen Ländern abschätzen, die mich gerne für ihr Land 2018 in Portugal sehen möchten. Ich habe nicht erwartet, dass ich von den Delegationen anderer Länder so akzeptiert werden.", so Valentina im Interview.

Valentina würde mit ihrer fünften Teilnahme einen Eurovisionsrekord brechen, bislang hat kein Interpret (jedenfalls als Hauptteilnehmer) fünf Mal am Eurovision Song Contest teilgenommen. Alle Beiträge wurden in Kooperation mit Ralph Siegel initiiert und für den Zwergstaat San Marino durchgeführt. Lediglich 2014 schaffte sie es mit "Cristalide" ins Finale.

Dienstag, 23. Mai 2017

Irland: RTÉ hat immer noch den Einkaufswagen



Irland - Wenn die ordentlichen Nachrichten schon ausbleiben, dann gibt es eben sommerlichen Eurovisionstrash. Irlands Lieblingstruthahn hat sich zum kümmerlichen Abschneiden der vergangenen irischen Beiträge geäußert und hat ehrgeizige Ziele, die grüne Insel wieder auf Kurs zu bringen. Gegenüber "The Independent" erklärte er, dass er selbst natürlich die beste Option sei.

Kunst, die nur in Irland funk-
tioniert: Dustin the Turkey
"Wir haben sprichwörtlich alles probiert, vom Truthahn im Einkaufswagen bis zu meiner Ex, Niamh Kavanagh. Ich kenne jetzt die Formel um zu gewinnen. Du darfst nicht da rausgehen und jede Nation beleidigen, die mitmacht. Du musst einen Song über Frieden oder die Einheit Europas singen und wirst auf diese Art viele Stimmen bekommen.", so Dustin.

Er schlägt eine Ballade im Stil von "A million voices" von Polina Gagarina vor und erklärte: "RTÉ hat immer noch den Einkaufswagen, also kann ich definitiv wieder mitmachen, keine Sorge." Sein "Irelande douze points" fiel 2008 jedenfalls durch und RTÉ hat sich bislang nicht zu seinen Plänen für den Eurovision Song Contest 2018 geäußert. Irland schied bei seinen vier letzten Teilnahmen im Semifinale aus. Hoffen wir das Beste...

Eurovision 2017: Rund 182 Millionen Zuschauer



Ukraine - Der 63. Eurovision Song Contest wurde in diesem Jahr, trotz der Nicht-Übertragung in Russland, von über 180 Millionen Menschen gesehen. Alle drei Shows aus Kiew erreichten rund 182 Millionen Zuschauer in den 42 teilnehmenden Nationen. Hinzu kommen diverse Zuschauer per Livestream. Online verfolgten rund sechs Millionen User den Wettbewerb.

Damit verdoppelte sich die Anzahl der Online-Zuschauer im Vergleich zum Vorjahr. Ein Großteil dieser User dürfte aus Russland stammen, insgesamt meldete die EBU Zugriffe aus 233 Nationen und Territorien. Im Anschluss erfolgten zudem rund 8,5 Millionen On-Demand-Anfragen auf die Videos zur Show. Spitzenreiter bei den Einschaltquoten ist wieder einmal Island mit 98% Marktanteil in der Spitze.

Der Eurovision Song Contest wurde zudem von 19 Radiostationen innerhalb der EBU übertragen. In den letzten Jahren schalteten stets rund 200 Millionen Zuschauer ein, sollte Russland im nächsten Jahr zurückkehren, wird auch dieser Markt mit einigen Millionen Zuschauern wieder in den Statistiken der Europäischen Rundfunkunion erfasst.

Montenegro: Gute Werbung in eigener Sache



Montenegro - Das montenegrinische Fernsehen RTCG hat für die Teilnahme am Eurovision Song Contest in diesem Jahr rund 115.000 Euro ausgegeben. Allerdings entfiel mit 26.000 Euro jedoch nur knapp ein Viertel der Gesamtkosten auf die Teilnahmegebühr und somit die Startberechtigung am Wettbewerb, wie Delegationsleiter Sabrija Vulić erklärte.

In einem Interview auf RTCG sagte er, dass 26.000 Euro an die EBU überwiesen wurden, um die Teilnahme in Kiew zu finanzieren. Trotz des Ausscheidens von Slavko Kalezić im Semifinale hält Vulić die Investition in den Song Contest für eine gute Werbung für das kleine Balkanland: "Wir geben kein Geld für den Eurovision Song Contest aus, wir machen Geld, da wir Werbung für unser Land betreiben."

Zur Teilnahme in Portugal 2018 äußerte sich der montenegrinische Delegationsleiter zwar noch nicht, angesichts dieses Standpunkts dürfte die Bestätigung für den 63. Eurovision Song Contest allerdings nur eine Formsache machen. Montenegro nimmt seit 2007 am Song Contest teil und konnte 2014 und 2015 das Finale erreichen. Slavko Kalezić wurde mit "Space" 16. im Semifinale.

Israel: Status "Application pending"



Israel - Die Europäische Rundfunkunion EBU hat auf ihrer offiziellen Website die Israeli Broadcasting Authority (IBA) von ihrer Mitgliederliste gestrichen. Nachdem der Sendebetrieb der Rundfunkanstalt nach dem Ende des Eurovision Song Contests in Kiew endete, erlosch sogleich die Mitgliedschaft in der EBU. Die Organisation ist allerdings sehr bemüht, den neuen israelischen Sender in die Union aufzunehmen, wie die letzte Aktualisierung der Liste zeigt.

Am Montag, den 15. Mai, sprich einen Tag nach dem Song Contest von Kiew, gingen sowohl der staatliche Fernsehsender Kan als auch die dazugehörigen Radiosender der Israeli Public Broadcasting Corporation (IPBC) auf Sendung. Die EBU aktualisierte daraufhin ihre Mitgliederliste mit dem entsprechenden Hinweis zu Israel "Application pending". Die Aufnahme in die EBU ist Voraussetzung für die weitere Teilnahme am Eurovision Song Contest.

Die israelische Regierung hat ein Gesetz verabschiedet, in dem der neue Rundfunk in zwei unterschiedliche Bereiche gegliedert sein soll, einen für Unterhaltungsprogramme und einen für Nachrichten. Dies ist derzeit der Knackpunkt, da die EBU in ihren Statuten eine Dachorganisation für beide Bereiche fordert. Das Oberste Gericht in Jerusalem hat dieses Gesetz derzeit außer Kraft gesetzt. Sollte die Teilung nicht zustande kommen, könne der Sender Kan Mitglied der EBU werden.

Australien: Ebeid wirbt für permanenten Startplatz


Australien - Das australische Fernsehen SBS bemüht sich um einen permanenten Slot beim Eurovision Song Contest. Generaldirektor Michael Ebeid erklärte, man teile die gleichen Ansichten und wolle sich, insbesondere nach drei Top Ten-Platzierungen in Folge um einen permanenten Startplatz im Wettbewerb bemühen.

"Die australischen Zuschauer lieben die Eurovision seit mehr als 30 Jahren. Wir haben es geschafft, dieses Interesse noch auszudehnen. SBS teilt die gleichen Werte mit dem Song Contest. Eine weitere Top Ten-Platzierung wird in Bezug auf den nächsten Wettbewerb auch schwer von der EBU zu ignorieren sein. Ich denke, wir haben das Recht auf einen permanenten Startplatz.", so Ebeid.

Bislang verhält es sich mit assoziierten EBU-Mitgliedern so, dass die teilnahmeinteressierten Sender auf eine Einladung durch die Europäische Rundfunkunion hoffen muss. 2015 wurde diese zunächst einmalig, anlässlich des Song Contest-Jubiläums vergeben, 2016 und 2017 erfolgten weitere Einladungen an Australien. Australien überträgt den Eurovision Song Contest bereits seit den 70er Jahren.

Montag, 22. Mai 2017

USA: EBU äußert sich zum Geoblocking



USA - Die Europäische Rundfunkunion hat sich bezüglich des Geoblockings in den Vereinigten Staaten und einigen anderen Nationen beim Eurovision Song Contest geäußert. Auf Nachfrage erklärte die EBU lediglich, dass man weiterhin daran arbeite, den Wettbewerb international zugänglich zu machen. Unter anderem wurden Fans in den USA, Kanada und Brasilien ausgesperrt.

Auch hierzulande wird bei
YouTube Content geblockt
"Aufgrund von rechtlichen Bestimmungen sind wir leider in einigen Ländern wie den USA, Brasilien und Kanada, nicht in der Lage Veranstaltungen dieser Art live zu streamen und sind daher angehalten, diese Inhalte zu geoblocken.", so die EBU in ihrer offiziellen Begründung. Man betonte gleichzeitig, das Geoblocking habe nichts mit der Tatsache zu tun, dass das Finale des Eurovision Song Contests im amerikanischen Spartensender Logo TV zu sehen war.

Hätte es keine Übereinkunft mit Logo TV gegeben, wäre niemand in den USA in den Genuss der Liveshow gekommen, heißt es aus Genf. Man suche weiterhin nach Lösungen, um allen Fans des Eurovision Song Contests die Möglichkeit zu geben, den Wettbewerb live zu verfolgen. Geoblocking ist, bedingt durch die länderspezifische Kennziffer in der IP-Adresse eines Nutzers, auch in Deutschland etwa bei diversen YouTube-Videos ein Begriff.

Bulgarien: BNT beginnt Suche für 2018



Bulgarien - Via Twitter, dem Lieblingskommunikationsmedium des bulgarischen Fernsehens BNT in Sachen Eurovision Song Contest, teilte man in Sofia mit, dass man für den Wettbewerb 2018 aller Voraussicht nach ebenfalls wieder auf eine interne Auswahl zurückgreifen werde, nachdem man in den vergangenen beiden Jahren ein glückliches Händchen bewiesen hat.

BNT erklärte: "Wie wir uns den nächsten Beitrag vorstellen? Anders als in diesem Jahr, einen modernen, catchy und radiofreundlichen Song. Und einen Künstler, der es schafft, zu inspirieren.", man habe offenbar auch schon damit begonnen, seine Fühler auszustrecken und sich um den Beitrag für das nächste Jahr zu kümmern.

Bulgarien, bis zum vergangenen Jahr ein chronisch erfolgloses Eurovisionsland, kehrte nach zweijähriger Pause nach Stockholm zurück und schaffte mit schwedischer Hilfe und Poli Genova den vierten Platz. In diesem Jahr erreichte Kristian Kostov mit seinem "Beautiful mess" erreichte er den zweiten Rang und steht auch 1,5 Wochen nach dem Finale von Kiew u.a. in den Spotify Viral 50 auf der #21.

Luxemburg: RTL schließt Teilnahme 2018 aus


Luxemburg - Der luxemburgische Sender RTL hat wenig überraschend seine Teilnahme am Eurovision Song Contest 2018 abgesagt. RTL Télé Lëtzebuerg wird damit auch 25 Jahre nach seinem letzten Gastspiel beim Eurovision Song Contest in Millstreet Town nicht zurückkehren. Die Gründe sind dabei im Wortlauf exakt die gleichen wie schon in den Vorjahren.

Der Programmdirektor von RTL, Steve Schmit, erklärte gegenüber Eurovoix.com im vergangenen Jahr: "Die Teilnahme ist einfach, wir könnten nach einem Sponsoren suchen, wie es vor ein paar Jahren schon einmal probiert wurde. Aber es gibt ein großes Risiko, nämlich dass wir nicht die hohen Kosten stemmen können, die mit der Organisation der Eurovision im nächsten Jahr zusammenhängen."

Zudem hält er die Aussichten für Luxemburg beim Eurovision Song Contest für wenig erfolgsversprechend. "Durch die Vergrößerung der Eurovision sind die siegreichen Tage vorbei. Mit dem neuen Wertungssystem ist es sehr unwahrscheinlich, dass Luxemburg Erfolg haben wird. Kleine Länder haben jetzt mehr Probleme damit.", heißt es aus Luxemburg. Und somit bleibt RTL auch 2018 daheim.

Sonntag, 21. Mai 2017

Montenegro: Slavko Kalezić gewinnt Barbara Dex-Award


Montenegro - Das kann er dann in seinem neuen Buch auch noch erwähnen: Slavko Kalezić hat den diesjährigen Barbara Dex-Award für das schrecklichste Outfit beim Eurovision Song Contest gewonnen. Damit geht die zweifelhafte Ehrung erstmals seit seiner Vergabe 1997 nach Montenegro.

Auf den zweiten Platz schaffte es die lettische Band Triānas Parks um Leadsängerin Agnese Rakovska und auf den dritten Platz die tschechische Sängerin Martina Bárta. Alle drei Interpreten schieden mit ihren Beiträgen bereits im Halbfinale aus. Der Titel bleibt damit auf dem Balkan, im Vorjahr gewann Kroatiens Sängerin Nina Kraljić die Goldene Himbeere der Eurovision.

Die übrigen Platzierungen des Barbara Dex-Awards sind leider nicht öffentlichen bekannt gegeben worden. Slavko erweist dem Preis, für den die User eine Woche lang online abstimmen konnten, auf jeden Fall Referenz. Mit seinem Song "Space" konnte er im Halbfinale von Kiew nur den 16. von 18. Plätzen erreichen.

Slavko Kalezić - Space

Memories: Eurovision Song Contest 1971


Irland - Am 3. April 1971 sollte der Eurovision Song Contest erstmals in der Republik Irland stattfinden. Dieser Erfuhr zu Beginn der 70er Jahre zahllose Kritik von den Mitgliedssendern der EBU, ihn endlich zu modernisieren, andernfalls würden Teilnehmerländer abspringen. Darunter war auch die ARD, die ihre Gastspiele in Zukunft von einer Modernisierung abhängig machte. Und so kam es dann auch, dass die EBU sich gezwungen sah, verschiedene Teile der Show zu ändern.

Aufgehoben wurde unter anderem die Regel, dass maximal Duette erlaubt waren. Nach der Lockerung der Bestimmungen durften fortan auch Gruppen bis zu sechs Personen auf die Bühne. Bis heute hat sich diese Regel behaupten können. Zudem wurden die Juroren aus ihren Hinterzimmern geholt und Teil der Sendung. Jedes Land entsendete jeweils einen Juroren der Generation U25 und einen Ü25-Juroren, die unmittelbar nach der Darbietung ihre Stimmen abgaben, mindestens einen Punkt, maximal fünf. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass es zu jener Zeit keine Nil-Pointer mehr gab.


So kehrten die Skandinavier sowie Portugal und auch Österreich in den Schoss der Eurovision zurück. Im 1871 eröffneten Gaiety Theatre konnte Bernadette Ní Ghallchóir 18 Nationen ankündigen, da auch Malta sein Debüt erklärte. Zudem kommentierte Terry Wogan erstmals für die BBC den Wettbewerb, durch seine zynischen und später immer sarkastischer werdenden Kommentare erhielt er die höchsten Anerkennungen im UK. Während der Proben für die Show kam es jedoch täglich zu Demonstrationen vor dem Theater, man protestierte gegen die immensen Ausgaben, die die Veranstaltung den irischen Staat und insbesondere den Sender RTÉ kostete. Allein 44.000 Euro wurden dafür investiert, die Sendung nicht in Schwarzweiß sondern in Farbe auszustrahlen.

Eröffnet wurde der Wettbewerb 1971 durch Marianne Mendt aus Österreich, die im feinsten Wienerisch über "Musik" sang. Ihr kurz zuvor veröffentlichtes Lied "Wie a Glock'n" gilt als Startschuss für den Austropop. Der ORF ließ es sich nicht nehmen, die als Marianne Krupicka geborene Sängerin intern zu nominieren. Die Juroren in Dublin konnte sie jedoch nicht überzeugen, sodass für Österreich, einem der härtesten Kritiker am Niveauverfall beim Song Contest, nur der drittletzte Platz übrig blieb.

Mit dem letzten Platz des Abends wurde Malta im Wettbewerb willkommen geheißen. "Marija l-Maltija" war der erste Song in einer semitischen Sprache beim Eurovision Song Contest. Gesungen wurde er von Joe Grech, der seine Karriere als Trompetenspieler beim Zejtun Band Club begann. In seinem derb klingenden Lied sang er darüber, dass er gar nicht auf die Feierabendsirene warten könne, um zu seiner geliebten Maria zurückzukehren, auf Maltesisch heißt das so viel wie "M'hemmx li jdur l-iżveljarin", was vielleicht für die damaligen Juroren viel zu befremdlich klang. 


In der Line Up als erste setzten die Schweizer die Aufweichung der Maximalteilnehmerzahl auf der Bühne um. Das Trio Peter, Sue & Marc startete mit dem französischsprachigen "Les illusion de nos vingt ans" zu ihrem ersten von vier Ausflügen zum Song Contest. Jeder ihrer Titel wurde in einer anderen Sprache gesungen, 1971 reichte es für Peter Reber, Sue Schell und Marc Dietrich jedoch nur für den 12. Platz. Nur einen Punkt mehr erzielten die Gastgeber aus Irland, die mit Angela Farrell ein unverbrauchtes Talent schickten. Ihr Lied "One day love" erreichte zwar, ähnlich wie drei andere Lieder die irischen Charts, später hörte man von ihr jedoch kaum mehr etwas.

Nachdem die BR Deutschland im Vorjahr erstmals unter die ersten Drei kam, zögerten die Verantwortlichen der ARD nicht lange und bestimmten Katja Ebstein auch 1971 zu ihrer Vertreterin. Der Hessische Rundfunk lud sechs Autoren ein, Lieder für Katja zu schreiben und veranstaltete im Februar "Ein Lied für Dublin". Neben den fünf Unterhaltungschefs der ARD bestimmten fünf Musiklaien, darunter Medizinstudenten und eine Germanistin, den deutschen Beitrag "Diese Welt", den ersten grünen Song im Wettbewerb.


Die Umwelthymne mit düsterer Prognose für die Zukunft "Rauch aus tausend Schloten senkt sich über Stadt und Land, wo noch gestern Kinder warn, bedeckt heut Öl den Strand", avancierte zu einem Erfolg und konnte sich ebenso wie "Wunder gibt es immer wieder" im Vorjahr auf dem dritten Rang platzierten. Der Rückstand auf die zweitplatzierte Sängerin Karina aus Spanien betrug allerdings stattliche 16 Punkte. Die Sängerin von "En un mundo nuevo" ("In einer neuen Welt") wurde bezichtigt, Juroren bestochen zu haben, was ihr jedoch nie belegt werden konnte. Bekannt wurde sie u.a. durch die Veröffentlichung ihrer Version von "Poupée de cire, poupée de son".


Weitaus weniger Erfolg hatte der, für Jugoslawien startende Kroate Krunoslav Slabinac, der punktgleich mit dem Duo aus Belgien landete. Lily Castel & Jacques Raymond sprangen dabei kurzfristig für Nicole & Hugo ein, die ursprünglich den belgischen Vorentscheid gewannen, jedoch nicht nach Dublin reisen konnten, da Nicole an Gelbsucht erkrankte. Sie sollten ihre Chance zwei Jahre später erhalten. Beide Nationen teilten sich den 14. Rang. 

Wenig besser schnitt Monique Melsen für Luxemburg ab, die über den Verzehr eines Apfels sang. Monique war eine der wenigen nativen Interpreten, die tatsächlich auch aus Luxemburg stammte. 1951 in Ettelbruck geboren, wurde sie ohne Umschweife vom Sender Télé Luxembourg ausgewählt. Der vor ihr startende Franzose Serge Lama aus Bordeaux konnte mit seinem "Un jardin sur la terre" ("Ein Garten auf der Erde") knapp eine Top Ten-Platzierung für Frankreich klar machen.


Norwegen entsendete die 16jährige Hanne Krogh nach Dublin, die ihren Triumph zwar erst später mit den Bobbysocks feiern sollte, aber einen der poetischsten Texte des Jahrgangs beisteuerte. In "Lykken er..." stellte sie eindeutig klar, was für sie Glück bedeutet. Dazu gehören laut Lyrics die Kleinigkeiten des Lebens, etwa ein Frühstück im Bett, barfuß durch Grass zu laufen aber auch den letzten Bus zu bekommen, eine Steuerrückzahlung zu erhalten oder eine Dose Hering in Dillsauce. Den Juroren war diese Aufzählung jedoch nur den vorletzten Platz wert.

Besser lief es für die skandinavischen Nachbarn. Finnland platzierte sich auf dem achten Rang und Schweden mit seiner Family Four auf dem sechsten Rang. Zwei Männer und zwei Frauen von denen eine Agneta hieß, gaben einen Vorgeschmack auf das, was Schweden den Song Contest nachhaltig verändern ließ. Teilen mussten sich die Schweden ihren sechsten Platz mit den Niederländern Saskia & Serge, die zu Beginn ihrer Darbietung mit Tonproblemen zu kämpfen hatten. Einen Platz besser stellte sich Massimo Ranieri für Italien, der zwei Jahre später noch einmal zum Wettbewerb zurückkehren sollte.


Portugal schaffte an diesem Abend seine erste Platzierung unter den besten Zehn. Tonichas Beitrag "Menina do alto da serra" blieb jedoch weniger im kollektiven Gedächtnis der Eurovisionsfans, als der folgende Schwenker der Kamera ins Publikum nach ihrem Auftritt. Die Kamera fixierte eine Zuschauerin, die mitten im Applaus wie schockgefroren in ihrer Bewegung stehenblieb. Was der Grund für diese, im heutigen Zeitalter schnell viral verbreitete Szene ist, konnte bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden.

Alle genannten Teilnehmer waren jedoch nur Akteure in einem Gesangswettbewerb, der sehr deutlich zu Gunsten von Josiane Grizeau alias Séverine ausfiel. Es war der bis heute einzige Sieg des Fürstentum Monacos beim Eurovision Song Contest. Im Vorfeld wurde Séverine instruiert, mit "Un banc, un arbre, une rue" gerne den zweiten Platz zu belegen, aber auf gar keinen Fall zu gewinnen, da es dem monegassischen Fernsehen nicht nur am nötigen Geld für die Ausrichtung, sondern dem Land an einer passenden Halle mangelte.


Séverine sang souverän mit weit ausgebreiteten Armen über die Bank, den Baum und die Straße und deklassierte ihre Konkurrenz mit 128 Punkten. Später gab die Sängerin, die einen Hit landete, der u.a. als "Mach die Augen zu" auch in Deutschland erschien, mehrmals Gast in der ZDF-Hitparade war und sich 1975 und 1982 auch beim deutschen Vorentscheid bewarb, zu Protokoll, dass sie vor der Nominierung nie in Monaco gewesen sei und auch nach ihrem Sieg nie vom monegassischen Fernsehen dahin eingeladen wurde. 

Die Sängerin verdiente sich ihr Geld nach dem sinkenden Interesse an ihrer Person u.a. als Gesangslehrerin und wohnte heute im 18. Pariser Arrondissement am Montmartre. Nach ihrem Sieg musste das monegassische Fernsehen der Europäischen Rundfunkunion erklären, dass eine Austragung im Fürstentum aus Platzgründen nicht realisierbar sei, sodass im Folgejahr wieder einmal die britische BBC einspringen musste.


Die Teilnehmer:
01. - 128 -  Séverine - Un banc, un arbre, une rue

02. - 116 -  Karina - En un mundo nuevo
03. - 100 -  Katja Ebstein - Diese Welt

04. - 098 -  Clodagh Rodgers - Jack in the box
05. - 091 -  Massimo Ranieri - L'amore è un attimo

06. - 085 -  Family Four - Vita ridder
06. - 085 -  Saskia & Serge - De tijd
08. - 084 -  Markku Aro & Koivistolaiset - Tie uuteen päivään
09. - 083 -  Tonicha - Menina do alto da serra
10. - 082 -  Serge Lama - Un jardin sur la terre
11. - 079 -  Angela Farrell - One day love

12. - 078 -  Peter, Sue & Marc - Les illusion de nos vingt ans
13. - 070 -  Monique Melsen - Pomme, pomme, pomme

14. - 068 -  Lily Castel & Jacques Raymond - Goeiemorgen, morgen
14. - 068 -  Krunoslav Slabinac - Tvoj dječak je tužan

16. - 066 -  Marianne Mendt - Musik
17. - 065 -  Hanne Krogh - Lykken er...

18. - 052  Joe Grech - Marija l-Maltija