Mittwoch, 26. April 2017

Previews: Road to Kyiv (40/43) - Georgien


Georgien - Georgia - la Géorgie - საქართველო

Hauptstadt: Tiflis

Bisherige ESC-Austragungsorte: Georgien hat bisher nicht gewonnen
Einwohner: 3,7 Millionen
Fläche: 69.700km²

Unnützer Fakt: Georgien galt zu Zeiten der UdSSR bereits als geschmackvollste Region des Landes, geschätzt wurden der Weinanbau sowie die georgische Küche. Nach der Rezession schaffte es Georgien mit Hilfe ausländischer Investitionen zu neuer Beliebtheit. So entwickelte sich an der Schwarzmeerküste ein blühender Tourismus, insbesondere in Batumi, das eine Art kleines Las Vegas sein könnte. Besonders futuristische Bauten, beleuchtete Palmen und ein hypermodernes McDonalds locken immer mehr Touristen an.

Georgien beim Eurovision Song Contest:

Jahr des Debüts: 2007
Siege: keine
Letzte Plätze (Finale): keine 
Letze Plätze (Semifinale): 2014 mit The Shin feat. Mariko Ebralidse
Sonstiges: Georgien wollte ursprünglich 2009 in Moskau dabei sein und veranstaltete einen Vorentscheid, in deren Folge das Quartett Stephane & 3G ausgewählt wurde. Der Titel "We don't wanna put in" wurde von den russischen Organisatoren als Provokation aufgefasst, die EBU forderte eine Nachbesserung, Georgien lehnte dankend ab und setzte ein Jahr aus.

Vorjahresbeitrag: Nika Kocharov & Young Georgian Lolitaz mit "Midnight gold"

Ergebnis: Platz 20 von 26 im Finale

Diesjähriger Beitrag:

Interpret: Tako Gachechiladse 
Songtitel: Keep the faith
Sprache: Englisch
Text & Musik: Tako Gachechiladse 
Auswahlmodus: Nationaler Vorentscheid am 20. Januar in der Phiharmonie von Tiflis, moderiert von Nodiko Tatishvili und Liza Tsiklauri. Entschieden wurde aus 25 Bewerbern zu 70% per Jury- und 30% Televoting.

Vita des Interpreten: Tamara Gachechiladse alias Tako (თამარა "თაკო" გაჩეჩილაძე) wurde am 17. März 1983 in Tiflis geboren und arbeitet u.a. auch als Songwriterin und Schauspielerin. Die Sängerin war 2009 Teil des Trios 3G, das gemeinsam mit Stephane am Vorentscheid für Moskau teilnahm. "We don't wanna put in" wurde jedoch von der EBU nicht zugelassen und Georgien setzte aus. Bereits 2008 nahm sie mit "Me and my funky" am Vorentscheid teil und wurde Zehnte, später lehnte sie aus Krankheitsgründen selbst eine Teilnahme am Vorentscheid 2011 ab.

Eurofire's Meinung: Subtil war die Botschaft "Russia invades Georgia" nicht, aber mir gefällt die düstere Stimmung, die vom georgischen Beitrag ausgeht. Das Land hat irgendwie einen Faible für von der Norm abweichende Songs, selten sind diese fröhlich, meist handelt es sich um Balladen, Xena-Kopien oder psychedelische Darbietungen. Ich bin vom Trend Georgiens begeistert und finde auch, dass Tako ihren Job gut macht. Zudem freut es mich, dass sie nun nach allen Diskussionen und Pleiten ihr Ticket für die Eurovision gelöst hat, Ehrgeiz muss belohnt werden, sofern sie sich neutral verhält.

Dienstag, 25. April 2017

News-Splitter (564)



Ungarn - Bei einer Pressekonferenz in Budapest erklärte Joci Pápai, dass sich seine Performance nicht zum Auftritt beim nationalen Vorentscheid "A Dal" unterscheiden wird. Neben ihm wird auch die zigane Tänzerin sowie ein Violinenspieler auftreten. Auch ein weitere Backingsänger wird mit der ungarischen Delegation nach Kiew reisen, diesen wird man jedoch nicht auf der Bühne sehen. Die Performance zu "Origo" war relativ schlicht, Einzelheiten sehen wir dann bei der ersten Probe Ungarns am 2. Mai.

Serbien - Tijana Bogićević wird in Kiew unterdessen von erfahrenen Backings begleitet. Wie RTS mitteilen ließ, wird sie von drei Damen begleitet, die allesamt schon auf der Eurovisionsbühne standen. Jelena Đurić war bereits 2008, 2013 und 2016 als Backing dabei und sang 2015 gemeinsam mit Vlatko Ilievski beim Ohrid Festival, Sanja Bogosavljević war 2007, 2011 und 2015 auf der Bühne dabei und Jelena Pajić sang 2015 im Chor von Montenegro. Als Tänzer wird Boris Vidaković dabei sein.

Island - Enttäuscht zeigte sich hingegen der isländische Sender RÚV. Im Speziellen geht es um ein auf YouTube veröffentlichtes Video, das Teile des isländischen Stagings zeigt. "Da war jemand in der Halle, der nicht hätte dort sein sollen, ein Stück gefilmt hat und es einfach ins Internet gestellt hat.", wird Felix Bergsson vom Sender RÚV zitiert. Zu sehen waren graphische Einstellungen auf den LEDs, die während der Darbietung von "Paper" gezeigt werden sollen. Neben Islands Bühneneinstellung tauchten weitere Videos vom belgischen und armenischen Beitrag auf.

Previews: Road to Kyiv (39/43) - Schweden


Schweden - Sweden - la Suède - Sverige

Hauptstadt: Stockholm

Bisherige ESC-Austragungsorte: Stockholm, Göteborg und Malmö
Einwohner: 9,9 Millionen
Fläche: 447.435km²

Unnützer Fakt: Nachdem in schwedischen Gewässern ein vermeintliches russisches U-Boot entdeckt wurde, ließen sich Künstler ein besonderes Verteidigungssystem einfallen und versenkten den "Singing Sailor", eine tanzende Neonreklame mit russischem Text in der Ostsee. Darauf zu lesen ist in kyrillischen Buchstaben: "Willkommen in Schweden. Schwul seit 1944 - Hier entlang, wenn du schwul bist", erschaffen wurde das "Kunstwerk" als Protestaktion gegen die Anti-Propaganda-Gesetze in Russland.

Schweden beim Eurovision Song Contest:
Jahr des Debüts: 1958
Siege: 1974, 1984, 1991, 1999, 2012 und 2015
Letzte Plätze (Finale): 1963 mit Monica Zetterlund und 1977 mit Forbes
Letze Plätze (Semifinale): keine
Sonstiges: Schweden ist beim Eurovision Song Contest sehr linientreu. In der Historie vergaben die Schweden im Finale 194 Punkte an die Nachbarn aus Norwegen und 190 an Dänemark. Im Gegenzug erhielt Schweden 319 Punkte aus Norwegen und 292 aus Dänemark sowie 238 an Finnland. Auf Platz eins der verteilten Punkte aus Schweden steht jedoch Irland.

Vorjahresbeitrag: Frans mit "If I were sorry"
Ergebnis: Platz 5 von 26 im Finale

Diesjähriger Beitrag:
Interpret: Robin Bengtsson
Songtitel: I can't go on
Sprache: Englisch
Text & Musik: David Kreuger, Hamed "K-One" Pirouzpanah, Robin Stjernberg
Auswahlmodus: Melodifestivalen, nationaler Vorentscheid mit vier Vorrunden á sieben Interpreten, einer Second Chance-Runde mit vier K.o.-Duellen sowie einer Finalshow mit internationalem Jury- und Televoting.

Vita des Interpreten: Robin Bengtsson wurde am 27. April 1990 in Svenljunga bei Göteborg geboren, feiert also übermorgen Geburtstag. 2008 nahm er am schwedischen Ableger von "Idols" teil und belegte dort den dritten Platz hinter Alice Svensson und dem Sieger Kevin Borg. Nach seiner Single "Another lover's gone" 2009 wurde es ruhiger um ihn, erst durch seine Teilnahme am Melodifestivalen 2016 mit "Constellation prize" konnte er wieder für Schlagzeilen sorgen und belegte die #2 der Charts. Er steht bei der Merion Music Group unter Vertrag.

Eurofire's Meinung: "I can't go on" stimmt nicht so wirklich, sollte Robin Bengtsson seine Laufbänder mit nach Kiew bringen. Im Regelfall ändern die Schweden an ihrem Arrangement vom Melodifestivalen ja nicht so viel. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich zwar lieber Nano in Kiew gesehen, aber mit dem Song kann ich auch recht gut leben. Er muss nur aufpassen, dass er mit seiner betäubten Mimik nicht überheblich wirkt. Botox kann eine Menge zerstören, Charlotte Perrelli kann ein Lied davon singen. Die Finalqualifikation ist nur Formsache.

Montag, 24. April 2017

Eurovision 2017: Pressezentrum in Kiew bezugsfertig



Ukraine - Nach Angaben der Veranstalter hält die Ukraine einige Überraschungen für anwesende Fans bereit. Morgen sollen einige von ihnen im Rahmen einer Pressekonferenz im Ukraine Crisis Media Center erörtert werden. Mit dabei sind u.a. der stellvertretende Verwaltungschef der Stadt Kiew, Oleksey Reznikov, Kulturabgeordnete Diana Popova und der stellvertretende Senderchef von UA:PBC, Pavlo Hrytsak. Die Vorstellung des Rahmenprogramms erfolgt morgen früh ab acht Uhr.

Unterdessen wurden erste Bilder aus dem, neben der Halle provisorisch zusammengebauten, Pressezentrums gezeigt. Über 2.000 akkreditierte Journalisten haben hier die Möglichkeit, über die Geschehnisse rund um den Eurovision Song Contest zu berichten und die Proben zu verfolgen. neben der Kaffeebar und Internetanschlüssen gibt es auch Interview-Ecken und separierte Bereiche, um die Künstler zu verhören. Die ersten Proben der Nationen finden noch hinter verschlossenen Türen statt, ab dem 4. Mai, wenn auch die ersten großen Pressekonferenzen stattfinden, dürfte es im Pressezentrum hoch hergehen.

Der NDR zeichnet morgen außerdem den dritten von vier Songchecks auf. Wir erleben den Schnelldurchlauf der ersten Hälfte des zweiten Semifinals. Nachdem wir bereits Peter Urban und Jan Feddersen auf der Couch gesehen haben, dürfen wir uns nun auf den NDR-Moderatoren Thomas Mohr und die britische Choreographin Nikeata Thompson freuen, die u.a. für Lena, Jan Delay und Frida Gold tätig war und als Jurorin in der ProSieben-Tanzshow "Got to dance". Die Show wird online gestreamt und in der Eurovisionswoche, am 10. Mai im Vorabendprogramm auf one im TV gezeigt.

Programmtipp:
Di., 25. April 2017 - 20:15 Uhr
ESC-Songcheck 2017
Moderation: Alina Stiegler
Gäste: Nikeata Thompson und Thomas Mohr

Die Akustik- und Lichtproben in Kiew laufen bereits auf Hochtouren
Zwischenzeitlich wird auch gewischt, unterdessen ist das Pressezentrum bezugsfertig

Previews: Road to Kyiv (38/43) - Aserbaidschan


Aserbaidschan - Azerbaijan - l’Azerbaïdjan - Azərbaycan

Hauptstadt: Baku

Bisherige ESC-Austragungsorte: Baku
Einwohner: 9,6 Millionen
Fläche: 86.600km²

Unnützer Fakt: Die Reederei Caspian Sea Ferry bietet Fährverbindungen von der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku ins gegenüberliegende turkmenische Türkmenbashi an. Der relativ schmucklose Seelenverkäufer verkehrt regelmäßig, es wird allerdings vor Buchung gewarnt, dass der Hafen von Türkmenbashi dem hohen Verkehrsaufkommen nicht gerecht wird und die Fähre im Schnitt ein- bis zwei Tage vor der Küste Turkmenistans auf Reede liegt. Es gibt sogar Berichte, dass das Schiff bis zu sechs Tage auf die Genehmigung zum Anlegen erhält.

Aserbaidschan beim Eurovision Song Contest:
Jahr des Debüts: 2008
Siege: 2011
Letzte Plätze (Finale): keine
Letze Plätze (Semifinale): keine
Sonstiges: Bis heute gibt es Gerüchte, die aserbaidschanische Delegation um Farid Mammadov habe 2013 Stimmen für den Eurovision Song Contest gekauft. Ein aus Litauen veröffentlichtes Video belegt angeblich den Stimmenkauf mittels Prepaid-Karten. Bewiesen ist bis heute nichts, Aserbaidschan stand allerdings seither unter besonderer Beobachtung durch die EBU.

Vorjahresbeitrag: Səmra Rahimli mit "Miracle"
Ergebnis: Platz 17 von 26 im Finale

Diesjähriger Beitrag:
Interpret: Dihaj
Songtitel: Skeletons
Sprache: Englisch
Text & Musik: Isa Melikov, Sandra Bjurman
Auswahlmodus: Interne Auswahl von Dihaj durch das aserbaidschanische Fernsehen iTV Anfang Dezember 2016. Danach erfolgte eine lange Vorbereitungszeit, am 11. März stellte der Sender "Skeletons" vor.

Vita des Interpreten: Diana Hacıyeva wurde am 13. Juni 1989 geboren und tritt unter ihrem Künstlernamen Dihaj auf. Sie machte ihren Abschluss als Chordirigentin an der Musikakademie von Baku und gründete später die Band Dihaj. 2011 nahm sie erstmals an den wochenlangen Vorentscheidungen von "Milli Seçim Turu" für den Eurovision Song Contest in Düsseldorf teil, schied in ihrer Vorrunde jedoch als Vierte aus. 2016 war sie Backingsängerin von Səmra Rahimli in Stockholm.

Eurofire's Meinung: Einen wirklich tollen Song haben auch die Aseris in diesem Jahr wieder ausgewählt. Ich unterstelle iTV immer noch Taktik, dass sie erst abgewartet haben, bis mehr als 30 Beiträge feststanden um das gängigste Genre aus der Titelwahl auszusieben. Somit tritt Dihaj mit einem starken, schwedisch angehauchten, Song an, der sich mit größter Wahrscheinlichkeit im oberen Drittel des finalen Scoreboards wiederfinden wird. Sollte Aserbaidschan gewinnen, hätte ich dagegen auch nichts einzuwenden, Qualität und Rhythmus müssen belohnt werden.

Sonntag, 23. April 2017

Eurovision am Sonntag (54)



Europa - Der Eurovision Song Contest klopft an. Am kommenden Sonntag finden in Kiew die ersten Proben für die drei großen Shows statt. Fans rund um den Globus packen allmählich ihre Sachen für ihre Reise in die Ukraine und auch wir sind inzwischen sehr gespannt auf die schönste Zeit des Jahres, auch wenn sich das Wetter in Hamburg mit der Euphorie momentan noch ein bisschen zurückhält.

Bald stehen sie alle wieder
auf der Bühne und proben...
Worauf genau freuen wir uns eigentlich? Es sind ja zunächst einmal "nur" Proben, trotzdem ist dieses ganze Spektakel seit Jahren ein fester Programmpunkt, der bei mir schon Wochen vor dem eigentlichen Start für einen Anflug von Freude sorgt. Man sieht zum ersten Mal, wie genau die Bühne inklusive Beleuchtung, Animationen und die Atmosphäre in der Halle wirkt und welche Nationen welche Gimmicks und welche Überraschungseffekte bereithalten.

42 Nationen sind in diesem Jahr dabei, Russland kann bzw. möchte nicht teilnehmen, einige andere Nationen werden wir in Kiew ebenfalls vermissen, die einen schmerzlicher als andere. So geht es mir mit der Slowakei. Es ist schade, dass RTVS offenbar keinen großen Nutzen in der Show sieht und andere Projekte wichtiger sind. Man kann es den kleinen Rundfunkanstalten Europas allerdings auch nicht verübeln, wenn sie pausieren, schließlich ist der Wettbewerb ein kostspieliges Vergnügen.

Das bislang letzte "Bratislava
calling
" gab es 2012
Zuletzt hieß es 2012 in Baku aus Bratislava "Here are the Slovak votes", ähnlich lange müssen wir auch auf eine Schaltung nach Ankara warten. Die Gründe für einen Rückzug der Türkei beim Eurovision Song Contest sind allerdings völlig andere, als bei der Slowakei. Während in Bratislava schlicht und ergreifend die Rechnung des Preis-/Leistungsverhältnisses nicht aufgeht, hat der Verzicht von TRT politische Motive. Als Vorwand galt Conchita Wursts "abnormaler Auftritt" in Kopenhagen oder die Big Five-Regel, die die EBU zur eigenen Sicherung bestimmt nicht kippen wird.

Dass sich die Türkei im Umbruch befindet hören wir jeden Tag in den Medien. Man darf in Zeiten von Fake-News nicht alles glauben, erkennt aber durchaus Tendenzen, die nicht mit dem Eurovision Song Contest in Einklang stehen und somit sehe ich es nicht weiter tragisch, dass TRT dem Event fernbleibt. Andere Nationen, wie etwa der Bruder aus Aserbaidschan hat hingegen erkannt, dass die Präsentation beim Song Contest Ländern mit angekratztem Image durchaus Positives geben kann. Der Selbtvermarktungswert ist bei der Eurovision gegeben, wie bestimmt einige Performances in Kiew wieder zeigen dürften.

2012, 2013, 2014 und 2017
Valentina ist wieder dabei
Genauso wenig gibt San Marino auf, als letztes verbleibendes Mini-Land ist die kleine Republik dabei. Wieder einmal setzen die Verantwortlichen im nationalen Rundfunk dabei auf Valentina Monetta, mangels Alternativen und wohl auch, weil sie in Fankreisen einen großen Sympathiewert hat. San Marino nutzt die Veranstaltung um sich zu präsentieren. Das gleiche hat auch Andorra getan, zu Zeiten, als man sich die Teilnahme noch leisten konnte. Das ist nun aber auch schon einige Jahre her, 2009 erklang die vorerst letzte Schlussnote eines andorranischen Beitrags. Und über Monaco wollen wir am besten gar nicht erst reden.

42 Länder sind aber bei der Eurovision dabei, dem Wettbewerb der sich auf die Fahne geschrieben hat, Völker über Landes- und inzwischen auch Kontinentalgrenzen hinweg zu verbinden. Sie alle eint neben dem werbewirksamen Auftritt auch die Bereitschaft, ihre Kultur, ihre Musik und ihre Leidenschaft zu teilen. Das klingt zwar wie der Auftritt einer PR-Agentur, im Grunde ist die Eurovision aber tatsächlich eine Veranstaltung, in der man seine Nachbarn in Europa kennenlernen kann. Musikalisch ist der Wettbewerb vielleicht den Charts hinterher, trotzdem wird er von knapp mehreren hundert Millionen Menschen gesehen.

Ein bisschen Glitzer vor dem
ESC: Let's dance, Staffel 10
Die Beweggründe, warum wir den Eurovision Song Contest schauen, sind unterschiedlich, die einen finden nichts besseres in der Fernsehzeitung, andere wollen sich über die skurrilen Auftritte echauffieren und amüsieren, für andere ist es gut gemachte Unterhaltung und für Leser wie uns ist es ein Highlight, wenn wir einen Interpreten mit zwei Meter langem Zopf aus Montenegro bestaunen können oder wenn sich eine Sängerin versucht mit schrillen Tönen in den Stimmolymp zu singen. Gepaart mit ausgefeilten Choreographien, Glitzer, Wind, Nebel, Feuerwerk und dem abschließenden Voting, kommt dabei eine explosive Rezeptur heraus, die man sonst weder bei "Let's dance" noch bei Sportveranstaltungen erlebt.

Und so wird es auch in diesem Jahr sein. Wenn Robin Bengtsson am Sonntagmorgen seine Laufbänder aufbauen lässt und "I can't go on" probt, ist die schönste Zeit im Jahr wieder da. Dann saugen wir wieder die noch so kleinen Probenvideos auf, hören uns abgesprochene Phrasen und Unplugged-Versionen der Wettbewerbslieder bei Pressekonferenzen an und wirbeln unsere mühselig aufgestellten Rankings wieder durcheinander. Spätestens wenn am Dienstag, den 9. Mai die Eurovisionshymne auf dem Digitalsender ONE erklingt, beginnt wieder unsere Semana Santa. Und vielleicht spielt bis dahin auch das Wetter mit...

Previews: Road to Kyiv (37/43) - Malta


Malta - Malta - Malte - Malta

Hauptstadt: Valletta

Bisherige ESC-Austragungsorte: Malta hat bisher nicht gewonnen
Einwohner: 433.000
Fläche: 316km²

Unnützer Fakt: Das Azure Window war ein Felsentor an der schroffen Küste der Insel Gozo und rund 100m lang und 20m hoch. Zeitweise war es sogar begehbar und einer der großen Tourismusmagnete der Nachbarinsel Maltas. Das Felsentor war sehr starken Umwelteinflüssen wie Wind und heftigen Wellen ausgesetzt, am 8. März einstürzte. Premierminister Joseph Muscat nannte den Einsturz dieser Attraktion "herzzerreißend", auf Malta existieren jedoch noch andere, wenngleich kleinere Felsentore.

Malta beim Eurovision Song Contest:
Jahr des Debüts: 1971
Siege: keine
Letzte Plätze (Finale): 1971 mit Joe Grech, 1972 mit Helen & Joseph und 2006 mit Fabrizio Faniello
Letze Plätze (Semifinale): keine
Sonstiges: Es gibt einige Interpreten, die neigen auf Malta unter Wiederholungszwang, konnten jedoch alle nicht an ihre Erfolge anknüpfen. Fabrizio Faniello nahm zweimal am Song Contest teil, bei seiner zweiten Teilnahme wurde er Letzter. Ira Losco wurde 2002 Zweite, im letzten Jahr fiel sie im Televoting durch und auch Chiara konnte sich bei ihrer letzten Teilnahme in Moskau nur noch verschlechtern.

Vorjahresbeitrag: Ira Losco mit "Walk on water"

Ergebnis: Platz 12 von 26 im Finale

Diesjähriger Beitrag:

Interpret: Claudia Faniello
Songtitel: Breathlessly
Sprache: Englisch
Text & Musik: Philip Vella, Sean Vella, Gerard James Borg
Auswahlmodus: Malta Song For Europe, nationaler Vorentscheid mit 16 Beiträgen im Malta Fair & Convention Centre in Ta'qali. Das komplette Ergebnis wurde ausschließlich durch Televoting ermittelt.


Vita des Interpreten: Claudia Faniello wurde 1988 in Qawra geboren und ist die Schwester von Fabrizio Faniello. Sie nahm an diversen Festivals teil und nahm 2006 erstmals am maltesischen Vorentscheid teil. Mit`"High alert" wurde sie Zwölfte, ihr Bruder gewann im gleichen Jahr den Vorentscheid. Es folgten weitere Teilnahme in den Jahren 2007 bis 2012, teilweise sogar auf Maltesisch. Es folgte eine mehrjährige Auszeit, bis sie sich in diesem Jahr erfolgreich für die Eurovision bewarb.

Eurofire's Meinung: Ich freue mich riesig für Claudia Faniello, die es über all die Jahre nie geschafft hat und nun endlich den Eurovision Song Contest erleben darf, nicht nur zur Unterstützung ihres Bruders. Das Lied hat mich bereits beim nationalen Vorentscheid gepackt. Für mich ist es die beste Ballade im diesjährigen Teilnehmerfeld, traditionell und ergreifend. Wenn sie es jetzt noch schafft, wie Elina Born eine Träne zu verdrücken, dann dürfte sie das Finalticket lösen. Malta liegt seit Jahren mal wieder vorne in meinem Ranking.


Samstag, 22. April 2017

Previews: Road to Kyiv (36/43) - San Marino


San Marino - San Marino - Saint-Marin - San Marino

Hauptstadt: San Marino

Bisherige ESC-Austragungsorte: San Marinohat bisher nicht gewonnen
Einwohner: 32.800
Fläche: 61km²

Unnützer Fakt: In nahezu allen europäischen Ländern sind öffentliche Briefkästen entweder gelb oder rot. Es gibt einige wenige Ausnahmen, wie etwas Irland mit grünen Kästen oder blaue Briefkästen in Russland. Ganz speziell und nirgendwo sonst auf der Welt außer in San Marino gibt es jedoch weiße Briefkästen. Für deren Leerung ist seit 2012 die Poste San Marino zuständig, der erste Postverkehr wurde bereits 1607 eingerichtet und vor allem vom italienischen Rimini aus gesteuert.

San Marino beim Eurovision Song Contest:
Jahr des Debüts: 2008
Siege: keine
Letzte Plätze (Finale): keine
Letze Plätze (Semifinale): 2008 mit Miodio
Sonstiges: 62,5% der sanmarinesischen Beiträge kommen aus der Feder von Ralph Siegel. Seitdem er in Deutschland nicht mehr wirklich gefragt war, probierte er sich auf Malta, in Montenegro und fand sein Domizil schließlich in San Marino. Dort steuerte er bisher alle Titel für Valentina Monetta als auch das Duo Michele Perniola & Anita Simoncini bei.

Vorjahresbeitrag: Serhat mit "I didn't know"
Ergebnis: Platz 12 von 18 im Semifinale

Diesjähriger Beitrag:
Interpret: Valentina Monetta & Jimmie Wilson
Songtitel: Spirit of the night
Sprache: Englisch
Text & Musik: Ralph Siegel, Steven Barnacle, Jutta Staudenmayer
Auswahlmodus: Interne Auswahl der Interpreten und des Songs und Vorstellung des Beitrags am 12. März durch den Sender SMRTV.


Vita des Interpreten: Valentina Monetta wurde 1975 in San Marino geboren und scheiterte 2008 erstmals bei der internen Auswahl des Sender SMRTV für das Debüt beim Song Contest. Durch die Zusammenarbeit mit Ralph Siegel wurde sie hingegen dreimal in Folge, 2012 bis 2014, für den Song Contest nominiert. Im dritten Anlauf schaffte sie es mit "Maybe" ins Finale. Ihr Duettpartner Jimmie Wilson wurde in Detroit geboren und studierte Schauspiel in Hollywood und trat u.a. im Michael Jackson-Musical "Sisterella" auf. Er lebt mittlerweile in Deutschland.

Eurofire's Meinung: Ralph Siegel feiert hiermit seinen 25. Beitrag beim Eurovision Song Contest und holt dafür seine größte Entdeckung der letzten Jahre zurück, Valentina Monetta. Ich bin wirklich begeistert von dieser camp'schen Dancenummer, die zwar ein bisschen an Ü40-Party erinnert, dennoch irgendetwas hat, was mich als traditionellen Schlager- und Grand Prix-Fan in seinen Bann zieht. Leider halte ich das Finale für ausgeschlossen, meinen Segen hätte San Marino und vor allem Ralph Siegel, der hiermit die Fortsetzung von Montenegro 2009 schafft.


Freitag, 21. April 2017

News-Splitter (563)



Portugal - Die portugiesische Delegation wird in mehreren Wellen in Kiew anreisen. Zunächst sollen die RTP-Produzenten und Luísa Sobral, die Schwester des Interpreten Salvador Sobral in die Ukraine reisen. Später folgen die Kommentatoren des Senders, Salvador Sobral selbst soll am 4. Mai nach Kiew reisen. Aus gesundheitlichen Gründen wird der portugiesische Interpret relativ spät nachreisen und auch nicht an den Einzelproben und Pressekonferenzen teilnehmen. Vertreten wird er in dieser Zeit von seiner Schwester Luísa, die auch als Komponistin von "Amar pelos dois" auftritt.

Douwe Bob darf in diesem
Jahr die 12 Punkte vorlesen
Niederlande - Im letzten Jahr hat Douwe Bob noch selbst für die Niederlande auf der Bühne von Stockholm gestanden. In diesem Jahr wird der Elfte von Stockholm die Punkte der niederländischen Juroren überbringen. Der Sender TROS bestätigte Douwe Bob als Punktesprecher für das niederländische Fernsehen. Die Niederlande werden in diesem Jahr vom Damentrio O'G3NE mit "Lights and shadows" im zweiten Semifinale von Kiew vertreten.

Mazedonien - Das mazedonische Fernsehen möchte seine, seit 2012 anhaltende, Pechsträhne beenden und lässt dafür nichts unversucht. Wie aus Skopje durchsickerte, hat man hierfür Ambra Succi, die Choreographin von Loreens "Euphoria" angeheuert, die sich nunmehr auch für die Bühnenshow von Jana Burčeska verantwortlich zeigt. "Sie ist jung, sehr anspruchsvoll, ich möchte sie bestmöglich in Szene setzen.", erklärte Succi gegenüber der mazedonischen Presse. Insbesondere ihre langen Beine sollen zur Performance von "I dance alone" betont werden.

Gehört im MDR zum Inventar:
Kim Fisher
Deutschland - ...und während ich morgen Abend ein anderes Kulturprogramm genießen werde und mich der Langen Nacht der Museen in Hamburg widme, gibt es von mir noch einen kleinen TV-Tipp für die Daheimbleiber. Im MDR zeigt Kim Fisher die "Kulthits - Die Show mit 100% Livemusik" aus Leipzig. Als Gäste sind u.a. Wincent Weiss, Ten Sharp und die ehemaligen Song Contest-Teilnehmer Bonnie Tyler, die Großbritannien 2013 in Malmö vertreten hat und Nino de Angelo ("Flieger", Deutschland 1989) dabei und dürften sowohl Coversongs als auch ihr eigenes Liedgut zum Besten geben.

Programmtipp:
Sa., 22. April 2017 - 20:15 Uhr
Kulthits - Die Show mit 100% Livemusik
Moderation: Kim Fisher
Gäste: u.a. Bonnie Tyler, Nino de Angelo

Previews: Road to Kyiv (35/43) - Ungarn


Ungarn - Hungary - l'Hongrie - Magyarország

Hauptstadt: Budapest

Bisherige ESC-Austragungsorte: Ungarn hat bisher nicht gewonnen
Einwohner: 9,8 Millionen
Fläche: 93.036km²

Unnützer Fakt: Rund 206.000 Roma bilden die größte ethnische Minderheit in Ungarn. Hierzulande werden die Roma häufig als Zigeuner oder fahrendes Volk bezeichnet und stammen ursprünglich aus Indien, siedelten sich später in Südosteuropa an. Die Situation der "Zigeuner" hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht verbessert, sie werden diskriminiert und ausgegrenzt, als Diebe bezeichnet oder in ihren Rechten eingeschränkt. Dabei ist relativ wenig überliefert, viele Zigeuner pflegen ihre Bräuche mündlich weiterzugeben und nicht schriftlich festzuhalten, so existiert ein reichhaltiges Sagen- und Liedgut sowie alte Traditionen wie die Kesselflickerei.

Ungarn beim Eurovision Song Contest:
Jahr des Debüts: 1994
Siege: keine
Letzte Plätze (Finale): keine
Letze Plätze (Semifinale): 2008 mit Csézy
Sonstiges: Ungarn schaffte bei seinem Debüt 1994 in Dublin einen Rekord. Bis dato gab es die Situation noch nicht, dass ein Land bei den ersten drei abstimmenden Jurys die volle Punktezahl abstaubte. Frederika Bayer, die damals für Ungarn antrat, landete am Ende des Abends auf Rang vier. Dieses Ergebnis erreichte Ungarn bis heute nicht mehr, wenngleich Andras Kállay-Saunders 2014 zumindest den fünften Rang erreichte.

Vorjahresbeitrag: Freddie mit "Pioneer"

Ergebnis: Platz 19 von 26 im Finale

Diesjähriger Beitrag:

Interpret: Joci Pápai
Songtitel: Origo
Sprache: Ungarisch, Romani
Text & Musik: József Pápai
Auswahlmodus: A Dal, mehrwöchiger nationaler Vorentscheid mit drei Vorrunden, zwei Halbfinals und einer Finalshow am 18. Februar in Budapest mit acht Interpreten. Entschieden wurde in Runde eins durch eine Expertenjury, im Superfinale entschieden die Zuschauer.

Vita des Interpreten: József "Joci" Pápai wurde 1981 in Tata im Komitat Komárom-Esztergom nordwestlich von Budapest geboren und entstammt einer Romafamilie. Schon mit vier Jahren begann er Gitarre zu spielen und nahm mit sieben Jahren an seinem ersten Musikwettbewerb teil. 2001 nahm er am Talentwettbewerb "Üstökös" teil, 2005 an der Castingshow "Megasztár". Im Anschluss daran erhielt er seinen ersten Plattenvertrag. In diesem Jahr nahm er erstmals am Vorentscheid "A Dal" teil und steigerte sich von Platz zwei in der Vorrunde und dem Sieg in seinem Halbfinale und konnte im Finale die meisten SMS auf sich vereinen.

Eurofire's Meinung: Auch wenn ich den ungarischen Song in diesem Jahr irgendwie befremdlich finde, habe ich ihn seit seinem Sieg beim Vorentscheid im Ohr, was ja schon für das Lied spricht. Dieses zigane Kunstwerk fällt irgendwie positiv aus dem Rahmen und es erinnert mich zudem noch an den Song "Ha te tudnád" von Balkan Fanatik. Insofern kann man hier behaupten, dass das Schönhören in der Causa Ungarn definitiv funktioniert hat. Ich sehe Joci auch durchaus im Finale, dass er dort allerdings einen großen Wurf landet, halte ich für ausgeschlossen.