Freitag, 18. August 2017

Asiavision: Website zum Wettbewerb online


Australien - Der erste asiatische Ableger mit echten Realisierungschancen nimmt konkrete Züge an. Fast schon feierlich wurde heute die offizielle Website EurovisionAsia.tv gelauncht. Das asiatische Pendant zu unserem ESC trägt den Namen Eurovision Asia Song Contest, auch ein Promotionvideo wurde mittlerweile veröffentlicht.

Nachdem mehrere Versuche in den letzten zehn Jahren scheiterten in Asien einen vergleichbaren Wettbewerb hochzuziehen, darunter der bereits sehr konkrete "Our Sound - Asia-Pacific Song Contest", hat das australische Fernsehen SBS das Zepter in die Hand genommen und verspricht gemeinsam mit Produktionspartnern, die auch in Europa tätig sind, den ersten Wettbewerb zu organisieren. An der ersten Ausgabe können bis zu 20 Nationen teilnehmen.

Zuvor gilt es noch einige Hürden zu nehmen, darunter das Aufeinandertreffen von chinesischen und südkoreanischen Delegationen. Die Gesetze der Volksrepublik China untersagen nach derzeitigem Stand die Ausstrahlung südkoreanischer Musik und Unterhaltungsprogramme, nachdem die USA vor Ort ein Raketensystem installiert haben. Neben Sydney bewerben sich auch Singapur und Hongkong um die Ausrichtung des allerersten Eurovision Asia Song Contests. Teilnahmeberechtigt sind alle Vollmitglieder der Asia-Pacific Broadcasting Union, deren Operationsgebiet von der Türkei bis in den Südpazifik reicht.

Eurovision Asia - Promotional Video

Pink Cocktail: Blizzard & Inferno



Europa - In dieser Woche ist der Umfragelink für die Cocktail-Abstimmmung irgendwie zwischenzeitlich offline gewesen, sodass eine Abstimmung für den favorisierten Titel nicht mehr möglich war. Daher gibt es bereits einen Tag früher und mit dem Wertungsstand vom letzten bekannten Abruf das Motto "Blizzard & Inferno", ein Requiem auf all die vielen Pyro-, Wind- und Nebeleffekte, kleine wie große Zaubertricks und Beiträge, die uns aufgrund ihrer visuellen Untermalung aus den Socken gerissen haben.


Die moderne Technik des Eurovision Song Contests ermöglicht es den Delegationen der einzelnen Länder, je nachdem wie viel Taschengeld sie mitbringen, ihren Beitrag durch allerhand künstlerische Gimmicks zu untermalen. Dazu gehören aufwendig inszenierte Bühnenbilder und LED-Einblendungen, die von einem schlichten Schwarz wie etwa 2011 beim zypriotischen Beitrag von Christos Mylordos bis hin zu ganzen Blockbuster-Animationen, die den eigentlichen Titel in den Hintergrund rücken. Mit dieser Methode ist die Ukraine im selben Jahr etwa auf den vierten Platz gerückt. An die Sandmalerin Kseniya Simonova, die auf einer Platte ganze Gemälde aus Sand herstellte erinnert man sich noch heute, daran was Sängerin Mika Newton getragen hat und wie ihr Song klang, die wenigsten.

2011 ein echter Knaller:
Sandmalerei aus der Ukraine
Sandmalerei hat es schon immer gegeben, nur eben nicht beim Eurovision Song Contest. Der ganz große Wow-Effekt dürfte durch etliche Darbietungen bei "Supertalent"-Shows auf dem Kontinent ebenfalls verflogen gewesen sein, bevor der ukrainische Beitrag zu sehen war, dennoch hob er sich genau dadurch von der breiten Masse der Titel ab. Textzeilen wie "We are birds, we fly so high and we are falling down, when I dream of you, my dream is so fearless" wurden ausgeblendet, Mika Newton sammelte fleißig Punkte für die Ukraine. Welche Arie um die Auswahl beim Vorentscheid zuvor stattfand war vollkommen nebensächlich.

Effekthascherei ist beim Song Contest seit den 2000er Jahren eine Art um Punkte zu erhalten, die man durch musikalische Qualität nicht erzielt hätte. Es gibt Konfetti- oder Goldflittersalven, die auf den Punkt von der Decke abgeschossen werden, als ob der Interpret gerade bei Günther Jauch die Millionenfrage geknackt hätte oder eben den Ritus sich möglichst Kleidungsstücken zu entledigen wie es von Ireen Sheer bis Doris Dragović nicht wenige versucht haben. Und dann ist da noch die Windmaschine, ein kostengünstiges Add-on, das so manche Ballade mit nötiger Dramatik ausstattet. Besonders wurde diese von einer Schwedin namens Carola genutzt und zwar bei allen drei Auftritten.

Für sie wurde die Beautfort-
Skala erfunden: Carola
In der Wetterkunde gilt bei Sturm und Wind die Beaufort-Skala von 1 (leichter Zug, Rauch treibt leicht ab) über Blätter rascheln, hörbares Pfeifen an Drahtseilen und Telefonleitungen und Fensterläden werden geöffnet bis hin zu Orkan (schwerste Sturmschäden und Verwüstungen). Carolas Song Contest-Karriere orientiert sich an der fortlaufenden Skala, von kaum merklichen Ventilator-Schwingungen über ihren Siegertitel "Fångad av en stormvind" bis hin zu "Invincible", bei dem das halbe Bühnenbild vom Wind durchtrieben wurde. Mit den Plätzen drei, eins und fünf gaben ihr die Windmaschinen recht und in Fankreisen wird bei sehr stürmischen Performances noch heute gern der Vergleich zur Schwedin gezogen.

Mit Fifi am Hintern: Cascada
2010 war beim Eurovision Song Contest auch ein windiger Jahrgang, im Halbfinale nahm die Schweiz mit Michael von der Heide teil, der es Jahre zuvor beim deutschen Vorentscheid versuchte. Zu "Il pleut de l'or" blies ihm die Windmaschine so sehr ins Gesicht, das im Verlauf der Darbietung die Frisur nach oben klappte. Oder auch Safura aus Aserbaidschan, im Vorfeld als Lenas größte Konkurrenz auf den Titel. Das blaue Kleid und die Drei-Wetter-Taft-Frisur wurden vom Wind nach hinten gepustet. Und so gab es weitere Jahrgänge, u.a. bediente sich auch Cascada 2013 der Windmaschine, in denen es regelrechte Materialschlachten gab.

Norwegen 2005: Das Tuch
war nicht einfach so orange
Besonders imposant kommt der Einsatz der Windmaschine zur Geltung, wenn neben der eigenen Haarpracht auch noch die Schläppe des Kleides oder Fahnen wehen, wie bei oben genannter Cascada, den No Angels in Belgrad oder der bosnischen Gruppe Regina, die 2009 in Moskau vom klaren Wasser sang und stattdessen im bettlakengroßen Bannern über die Bühne salutierten wie die nordkoreanische Armee am Nationalfeiertag. Mit Fähnchen und Bannern können übrigens auch Gesten der Solidarität vermittelt werden. So verzichtete die Glamrock-Band Wig Wam aus Norwegen 2005 zwar auf Wind und Konfetti, Frontsänger Glam trug jedoch eine orangefarbene Binde am Mikrofonständer, symbolisch für die damals aktuelle Orangene Revolution in der Ukraine.

Disput um die Flagge:
Iveta Mukuchyan
Auch die Band Ping Pong aus Israel ließ es sich nicht nehmen, ihre eigene Landesflagge neben der syrischen Flagge in die Luft zu heben. Im Jahr 2000 wurde so etwas noch geduldet, mittlerweile gibt es von der EBU strenge Auflagen was das Zeigen von Fahnen angeht. 2016 veröffentlichte man sogar ein eigenes Pamphlet, das regionale Flaggen oder die Symbole abtrünniger oder nicht anerkannter Regionen und Länder untersagte. So kam es dann auch zur Verwarnung von Iveta Mukuchyan und der armenischen Delegation, die im Semifinale mit einer Flagge der Region Bergkarabach im Greenroom saßen, für jedermann vor dem Fernseher sichtbar und für die Aseris eine gezielte Provokation.

Fog - Nebel des Grauens:
Nina Sublatti 2015
Das Gegenteil von kurzweiligen Windböen ist der Nebel. Seit einigen Jahren stehen Interpreten auch gerne im Dunstkreis der Nebelmaschine um dem Song eine gewisse Mystik zu verschaffen. In einigen Fällen geht es aber auch hier schief, vergangenes Jahr sah es aufgrund der Einstellung so aus, als würde die Schweizer Sängerin Rykka gleich in Flammen aufgehen, da es hinter hier zu qualmen begann. Und auch Nina Sublatti aus Georgien hatte mit einer Nebelmaschien zu kämpfen. In Wien war scheinbar die Regulierung defekt, wodurch Nina bei dem Blitzlichtgewitter und den übersteuerten Nebelschwaden von den Kameras fast nicht mehr eingefangen werden konnte. Geschadet hat es dem Beitrag allerdings nicht, im Gegenteil, das machte den xenaesken Auftritt noch gruseliger.

Nebel funktioniert aber auch bei Balladen. Evelina Sašenko aus Litauen sang über die "Everlasting love", begleitet von einem Pianisten, gebettet auf einer Nebelbank. Sie wurde in Düsseldorf 19. im Finale. Auch Deutschland wollte 2016 eine spookige Atmosphäre schaffen, mit einem großen Vollmond auf den LEDs, toten, blattlosen Bäumen und einer Schicht aus Nebel. Darauf platziert wurde die 18jährige Jamie-Lee mit ihrem Manga-Geschirr als Kopfschmuck. In Europa hat man die Nummer nicht verstanden, die Schweizer zeigten sich im Televoting mit acht Stimmen noch sehr solidarisch, die Österreicher mit zwei Punkten knausriger und als einzige Jury in Europa steuerte Georgien einen Punkt bei. Hier lenkte auch eine Kunstatmosphäre nicht vom schlechten Songmaterial ab.

Pionier der Pyroeffekte:
Roger Pontare (2000)
Der dritte und wohl wichtigste Zusatzeffekt beim Eurovision Song Contest ist die Pyrotechnik. Flammen, Feuerbälle, brennende Pianos und Feuerwerk in allen erdenklichen Variationen sind das A und O, wenn man durch Effekte Punkte machen möchte. Soweit ich mich entsinne, nutzte Schweden im Jahr 2000 erstmals den vollen Umfang von Pyrotechnik beim Song Contest aus. Damals schickte Schweden den Veteran Roger Pontare in die Globen Arena. Bereits 1994 nahm er gemeinsam mit Marie Bergman und "Stjärnorna" am Song Contest in Dublin teil und wurde 13. Im Jahr 2000 stand er als Solist auf der Bühne und beschwor in "When spirits are calling my name (När vindarna viskar mitt namn)" die skandinavischen Naturgeister. 

Burning Belarus, Anastasia
setzt die Bühne in Flammen
Ein Sami, ein Indianer und er selbst im Maori-Look sorgten für die native Ausgestaltung seiner Performance vor heimischer Kulisse. Im Schlusssprint, vor einer dramatischen Pause zündeten am vorderen Bühnenrand zwei Flammen. Unter tosendem Applaus der Zuschauer wurde das Zeitalter der Pyrotechnik beim Song Contest eingeläutet. Im Laufe der Jahre gingen immer mehr Delegationen dazu über, ihre Beiträge mit Feuer zu garnieren. Lordi zündeten zu "Hard Rock Hallelujah" ein Feuerwerksfestival, Iveta Mukuchyan verfeuerte mehr Technik als ein Ölschiefer-Kraftwerk, die Bulgaren setzten 2008 sogar ihre Turntables in Brand und die sonst so bescheidenen Weißrussen brannten 2011 bei ihrem patriotischen "I love Belarus" bei Anastasia Vinnikova alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellte.

Der bislang letzte türkische
Medaillenplatz: maNga
Es entwickelten sich aber auch Alternativen zum Feuerwerk. Die rumänische Formation um Luminta Anghel hatte ein gutes Dutzend Ölfässer auf der Bühne, an denen mit Hilfe einer Flex Funkenflug verursacht wurde. Die Steigerung lieferte 2010 die türkische Band maNga, bei der sich eine Art Power Ranger im Hintergrund sogar selbst den Arm flexte. Im Prinzip blieben nur noch explodierende Mikrofone, was Sirusho aus Armenien 2008 tatsächlich plante und der Abwurf von Torpedos. Eine Kanone hat es in diesem Jahr aus Rumänien zwar bereits gegeben, diese war aber tatsächlich nur ein Requisit ohne das irgendwas aus ihr abgefeuert wurde, was bei einigen treuen Yodel-Fans mit Bedauern zur Kenntnis genommen wurde.

Auch das Gegenteil von Feuer, nämlich Wasser kam bereits mehrmals zum Einsatz. Jedward aus Irland präsentierten 2012 in Baku, nachdem sie mit "Lipstick" die Herzen tausender junger Teenies in Europa eroberten einen Springbrunnen auf, in dem sie sich am Ende auch noch die mühsam hochtoupierten Haare nass machten. Ruth Lorenzo kam 2014 bereits im Wet Look auf die Bühne, im Hintergrund prasselte der Regen auf die LED-Wand und in diesem Jahr versuchte es Griechenland mit Wasser, indem sie zwei Adonis-Körper im Wasserbad plantschen ließen. Als dies zündete in Europa nur bedingt, hätte man sich wie Samir & Viktor im schwedischen Vorentscheid bis auf die Unterhose entkleidet, hätte es vielleicht noch etwas genützt.

Eric Saade sprengte beim
MF und ESC die Scheiben
Beim Einsatz von Effekten sind die Schweden immer wieder führend. Eric Saade ließ 2011 während seiner Darbietung von "Popular" mehrere Glasscheiben zu Bruch gehen, Loreen sah sich ein Jahr später einem Schneesturm ausgesetzt und Sanna Nielsen wart 2014 in einem Kegel aus Laserstrahlen gefangen. In diesem Jahr nutzte Robin Bengtsson lediglich ein paar Laufbänder. Trotzdem probiert es der Sender SVT immer wieder mit neuen Innovationen, die im Regelfall sogar für beträchtlich viele Punkte sorgen. Måns Zelmerlöw gewann jüngst auch primär durch sein Strichmännchen und den High Tech-Animationen. Auf eben solche Videoeffekte setzte auch Russland im vergangenen Jahr. Sergey Lazarev galt mit seinem Popsong "You are the only one" als haushoher Favorit.

Insbesondere weil er während seiner Darbietung alles bisher dagewesene in den Schatten stellte und selbst in eine Art Matrix eintauchte, in Embryonalstellung durch den Kosmos schwebte und wie Super Mario über verschwindende Plattformen hüpfte. Geschlagen geben musste sich der Russe, der vom Mogul Phillip Kirkorow unterstützt wurde, am Ende aber der australischen Sängerin Dami Im, die auf ihrem Podest Computeranimationen mit Gedankenkraft verschob und der ukrainischen Sängerin Jamala, die bis auf einen Lebensbaum auf den Screens keinerlei Effekte nutzte sondern einfach nur eine persönliche Gegebenheit in Gesang umwandelte.

Magie beim ESC 1991:
Arturo Brachetti
Wenn gar nichts mehr hilft, dann kann man auch immer noch zaubern. Zwar ist die Zeit in der Gaukler und Zauberer in Zirkusshows durch die Lande tingeln inzwischen vorbei, optische Täuschungen und das Verschwindenlassen von Interpreten kommt hin und wieder dennoch vor. 1991 in Rom war der Zauber- und Varietékünstler Arturo Brachetti noch als Interval-Act engagiert. Er verzauberte in wenigen Minuten das Saalpublikum mit verschiedenen Tricks, später ließen sich auch Interpreten hinreißen den einen oder anderen Zauber anzuwenden.

Magie aus Osteuropa, Dmitry
Koldun und seine Zauberwand
2007 in Helsinki brachte die weißrussische Delegation eine magische Wand mit. Bezeichnenderweise hieß der Song auch noch "Work your magic" und stellt, nicht nur aufgrund der Mini-Effekte sondern auch aufgrund der Eingängigkeit das beste Ergebnis des Landes dar. 2008 versuchte man es gleich noch einmal mit einer Kopie von Dmitry Koldun. Außer leuchtenden Pilzen, die von Ruslan Alekhno und seinen Backings über die Bühne geschoben wurden, passierte hier allerdings nichts Magisches. Weißrussland schied in jenem Jahrgang bereits in der Vorrunde aus, wie zu dieser Zeit auch üblich.

Gehstock auf Knopfdruck:
Getter Jaani aus Estland
Zwei Jahre später wählte Spanien Soraya Arnelas zum Song Contest. "La noche es para mí" begann revuemäßig mit einem Opening auf der Showtreppe, Soraya sang ein paar Takte, ließ sich über dei Bühne heben, stapfte anschließend wieder die Treppe empor und wurde unter einem Tuch verhüllt und tauchte später einige Meter entfernt wieder in Kauerstellung auf um zum Schlussspurt anzusetzen. Mit entsprechender Schnitttechnik der EBU-Regisseure sind solche Effekte kein großes Hindernis. Ohne Schnitt, dafür mit einem Trick aus dem Zauberkasten für Kinder kam Getter Jaani aus Estland auf die Idee, ein simples Taschentuch in einen Gehstock zu verwandeln. Leider wurde die süße Maus mit ihrem "Rockefeller Street", das das aufregende Glamour-Geschehen der Großstadt aufarbeitete im Finale Vorletzter.

Meister der skurrilen Instru-
mente: Ovi & Paula Seling
Schlussendlich legte Rumänien 2014 in Kopenhagen noch eins auf den Verschwindetrick von Soraya drauf und ließ die Sängerin Paula Seling, die bereits 2010 in Oslo mit ihrem Duettpartner Ovi den dritten Platz erreichte (ebenfalls mit einem brennenden Doppelflügel) per Videotechnik von einem Standpunkt der Bühne aus zum anderen beamen. Dadurch stellt sich immer mehr auch die Frage, ob Video- und Computeranimationen zugelassen werden sollten oder ob die Möglichkeiten in der Realität für den Eurovision Song Contest vollkommen ausreichen.

Vom Bühnenkeller ins All:
Nina als Begleitung für die
Astronauten von Who See
Kleinere Nationen, wie etwa San Marino oder Montenegro können sich keinerlei große Videoprojektionen leisten, da kann man bereits froh sein, dass der Background zu "Spirit of the night" die Farbe verändert oder eine Nina Žižić im futuristischen Weltraumkostüm wie einst Stefan Raab bei TV total aus dem Bühnenboden geschossen wird. Fakt ist aber auch, dank des technischen Fortschritts müssen die Interpreten nicht mehr wie in den 50er und 60er Jahren vor einer Pappwand stehen, die für alle Kandidaten das gleiche Bühnenbild darstellt, sondern haben alle Möglichkeiten, die das Entwicklungsteam auf Lager hat und ein bisschen Show gehört schließlich auch immer dazu.



Poll: In der Hoffnung, dass das Voting nicht wieder mitten in der Woche offline geschaltet wird, biete ich noch einmal die vier Ladenhüter der Saison an. Namentlich sind dies das "Mosaik", "Lost & Found", "X-Files" und "And finally...". Zur Abstimmung geht es hier und damit wünsche ich allgemein ein schönes Wochenende in dem Hamburg natürlich wieder einmal im Regen versinken wird.

Donnerstag, 17. August 2017

Bosnien-Herzegowina: Mitarbeiter drohen mit Streik



Bosnien-Herzegowina - Ein bisschen was hat die Situation des bosnischen Senders BHRT mit dem aktuellen Stand bei Air Berlin gemeinsam, beide stehen nach jahrelanger Misswirtschaft kurz vor dem Kollaps. Nunmehr drohen auch noch die Angestellten des Senders mit Streik, sollte ihr Gehalt nicht in Kürze eintreffen, meldet die Nachrichtenseite klix.ba

Nach einer Tagung der Führungsetage in Sarajevo hieß es, zunächst werde ein Teil des ausstehenden Juni-Gehalts ausbezahlt, der Rest so schnell wie möglich. Die Angestellten von BHRT warten bereits auf zwei Monatsgehälter, zudem wurden Abgaben für die Renten- und Krankenversicherung nicht bezahlt. Dabei fährt der Sender seit Juni letzten Jahres bereits auf Sparflamme, reduzierte die Zahl seiner Mitarbeiter, nachdem ein Vertrag zum Gebühreneinzug mit dem nationalen Telekommunikationsanbieter auslief.

Inzwischen wird ein Bruchteil an Einnahmen durch die Zusammenarbeit mit einem Energieversorger über die Stromrechnungen erzielt, diese decken jedoch nur ein kleines Gebiet Bosniens ab. Eine Teilnahme am Eurovision Song Contest im kommenden Jahr dürfte daher extrem unwahrscheinlich sein, ähnlich wie schon in den letzten Jahren. Die Ausnahme bildete das Comeback 2016, das jedoch rein über Sponsoren abgewickelt wurde.

Mittwoch, 16. August 2017

Dänemark: Melodi Grand Prix am 10. Februar in Aalborg



Dänemark - Es gibt sie noch, die Nachrichten zu den nationalen Vorentscheiden für den Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon. Das dänische Fernsehen DR hat seine Pläne für den Dansk Melodi Grand Prix im nächsten Jahr konkretisiert und trägt den Vorentscheid am Samstag, den 10. Februar in Aalborg aus.

Auch am Moderatorenpärchen Annette Heick und Johannes Nymark von der inzwischen getrennten Band Lighthouse X ändert das dänische Fernsehen nichts. Bis zum 15. September läuft noch die Bewerbungsfrist für den Melodi Grand Prix, Vorgaben wie in diesem Jahr bezüglich der Zusammensetzung von Gruppen gibt es für 2018 nicht.

Dänemark wurde in diesem Jahr, nach dem Boyband-Verbot des Senders, durch die dänisch-australische Sängerin Anja Nissen in Kiew vertreten. Bei reinem Televoting wäre sie nicht ins Finale eingezogen, so reichte es mit dem Beipflichten der Juroren für den 19. Platz im Finale mit dem Song "Where I am". In den Vorjahren konnte sich Dänemark nicht im Finale platzieren.

Samstag, 12. August 2017

Light Blue Cocktail: Mi corazon



Europa - Den Temperaturen und der allgemeinen Wetterlage entsprechend, werde ich mich später bequemen schon mal ein bisschen Herbstdeko zu kaufen. In Hamburg regnet es sich ein, da wird es Zeit, ein bisschen Wärme zu vermitteln und was eignet sich dafür besser, als das aktuelle Cocktail-Motto "Mi corazon". Wir arbeiten uns heute durch die spanische Song Contest-Historie von ihren frühesten Anfängen bis hin zum stimmlichen Desaster des Manel Navarro. Immerhin wurde das Thema mit großer Mehrheit für den heutigen Samstag ausgewählt.


España, seit 1961 dabei
Spanien debütierte zu einer Zeit beim Eurovision Song Contest, als es fest in der Hand des Diktators Francisco Franco, der die gesamte staatliche Macht auf sich vereinte und die Minderheiten des Landes verschiedensten Repressalien aussetzte. So wurde das Kastillische verankert, während z.B. der behördliche Umgang mit der katalanischen, baskischen und galicischen Sprache untersagt wurde. Erst 1975 endete die Ära Franco, Spanien wurde unter Juan Carlos I. wieder zum Königreich. Die Aufarbeitung der Franco-Zeit setzte erst spät ein. Zu dieser Zeit hatte Spanien schon zweimal den Wettbewerb gewonnen.

Die allererste Conchita
1961 hatte María Concepción Bautista Fernández kurz Conchita Bautista das Privileg für Spanien beim Song Contest zu debütieren und schlug sich mit ihrem "Estando contigo" immerhin auf den neunten von 16 Plätzen. Vier Jahre später durfte sie erneut mit dem Titel "Qué bueno, qué bueno" die spanischen Farben in Neapel vertreten, der Song reihte sich gemeinsam mit Belgien, Finnland und Deutschland auf dem punktelosen letzten Platz ein. Offenbar dadurch angetrieben setzte Spanien auf fähige Interpreten und wählte z.B. 1968 die Sängerin Massiel für den Song Contest aus. 

Ihr Wettbewerbstitel "La, la, la" erhitzte jedoch auch in Spanien die Gemüter. Ursprünglich sollte der Titel von Joan Manuel Serrat gesungen werden, der jedoch darauf beharrte auf Katalanisch zu singen. Francos Schergen untersagten ihm dies und nominierten die linientreue Massiel. Serrats Songs durften anschließend nicht kommerziell vertrieben werden und wurden sogar öffentlich verbrannt. Massiel hingegen sicherte Spanien den ersten Sieg des Landes im Wettbewerb. Bis heute halten sich jedoch hartnäckig die Gerüchte, Franco hätte für den Sieg bezahlt und die Gunst diverser Rundfunkanstalten gekauft.

Massiel wurde damals kurz-
fristig für den ESC ausgewählt
So erwarb das spanische Fernsehen TVE Lizenzen und Übertragungsrechte ausländischer Rundfunkanstalten, ohne diese jemals ins Programm aufzunehmen. Cliff Richard, der 1968 als haushoher Favorit ins Rennen ging und sich hinter Massiel auf dem zweiten Rang geschlagen geben musste, startete zwar eine internationale Karriere, sieht sich jedoch bis heute als Opfer eine spanischen Intrige. Massiel betonte 2008, als die Vorwürfe publik wurden, sie hätte einfach den besseren Titel im Rennen gehabt. Die Lyrik des Titels orientierte sich jedoch eher am Dadaismus, anders ist es nicht zu erklären, dass man über 100x das Wort "La" verbaute.

Salomé musste sich ihren Sieg
mit drei anderen teilen
Im Jahr darauf durfte die Eurovisionsgemeinde in Madrid einziehen. Laurita Valenzuela moderierte 16 Nationen im Teatro Real an. Es war der denkwürdigste Abend in der Song Contest-Geschichte, da das EBU-Reglement nicht soweit ausgearbeitet war, festzulegen, was im Falle eines Gleichstandes geschah. So gab es an jenem 29. März 1969 vier Sieger, darunter erneut der spanische Titel "Vivo cantando" gesungen von Salomé. In Folge dieser Bilanz blieben im Folgejahr einige Nationen zuhause, darunter Österreich, das 1969 schon aussetzte, da man dem spanischen Regime keine Plattform bieten wollte sowie sämtliche skandinavische Nationen.

Rechts ist seine Schokoladen-
seite: Julio Iglesias
1970 nominierte Spanien den Nachwuchskünstler Julio Iglesias für den Wettbewerb. "Gwendolyne" war eine seiner ersten Single-Auskopplungen und erreichte den vierten Platz. Julio wurde später als Frauenheld angesehen, der europaweit Karriere als auch Schlagzeilen machte. Mittlerweile hat sein Sohn Enrique Iglesias sein Erbe angetreten. 1999 platzierte sich Enrique erstmals mit "Bailamos" in den deutschen Charts und auch heute steht er mit Songs wie "Duele el corazón" und "Súbeme la radio" in den Hitlisten. Der Latinopop zieht eben immer noch. Mit eben jenem Pop versuchte sich Spanien Anfang der 2000er auch beim Eurovision Song Contest.

Mocecades (1973)
In den 70er Jahren hingegen steuerte Spanien mit Balladen und Flamenco den Plattenmarkt. Auch beim Eurovision Song Contest verlief es schwer erfolgreich, 1971 gab es Silber für "En un mundo nuevo", eine Aufbruchhymne gesungen von Karina, 1973 folgte der Evergreen "Eres tú" der Formation Mocedades. Fast schon enttäuscht war man 1974, als im Jahr von ABBA der Sänger Peret nominiert wurde und nur mit dem neuten Platz heimkehrte. Peret hatte drei Jahre zuvor mit dem "Borriquito" einen Welthit, "Canta y sé feliz" überzeugte jedoch kaum. 1979 gab es noch einmal Silber für Betty Missiego und ihren Kinderchor.

Barfuß im Toaster:
Remedios Amaya (1983)
Als Ikone des schlechten Geschmacks wurde Remedios Amaya bekannt. Ihr Hardcore-Flamenco "¿Quién maneja mi barca?" rasselte bei den Juroren 1983 gnadenlos durch, auch spätere Titel kamen nicht über die Landesgrenzen hinaus. Spanien lieferte im späteren Verlauf der Eurovision immer wieder qualitativ hochwertige Titel, so das wunderschöne "Nacida para amar" von Nina im Jahr 1989. In der Geschichte des Eurovision Song Contests erhielten drei Interpreten aufgrund von Pannen und Unterbrechungen die Chance noch einmal singen zu dürfen. Neben Domenico Modugno waren die anderen beiden Interpreten jeweils Spanier.

Dramatik gleich zu Beginn:
Azúcar Moreno (1990)
Beim Song Contest 1990 in Zagreb sollte das Duo Azúcar Moreno den Eröffnungsact darstellen. "Bandido" wurde eingespielt, aufgrund einer Tonpanne jedoch kurz darauf wieder abgebrochen. Man erblickte zunächst ratlose Mimik in den Gesichtern der Sängerinnen Toñi und Encarnación Salazar, die dann schulterzuckend und mit wütendem Blick hinter den Kulissen verschwanden, ehe sie zum zweiten Versuch ansetzten. Der Tontechniker im Hintergrund dürfte angesichts der beiden aufgebrachten Damen das Flattern bekommen haben. Am Ende reichte es für Spanien aber für einen versöhnlichen fünften Platz.

Jimmy Jump und sein kleiner
Cameo beim spanischen Song
Das gleiche Schicksal, seinen Song noch einmal singen zu müssen erhielt Daniel Diges 2010 in Oslo. Während er und seine fröhliche Zirkustruppe "Algo pequeñito" vortrugen, stürmte der weltweit bekannte Flitzer Jimmy Jump die Bühne und freute sich, mit seiner roten Baskenmütze bewaffnet kurzzeitig Teil der Performance zu sein, bevor er von Sicherheitskräften der Telenor Arena abgeführt wurde. Jimmy Jump wurde später zu einer Geldstrafe verurteilt, was ihn kaum stören dürfte, da er im Laufe seiner Karriere bereits diverse Veranstaltungen störte, u.a. die Siegerrunde beim Formel Eins-Grand Prix 2004 am Circuit de Catalunya, 2009 beim Herrenfinale der French Open, als er versuchte Roger federer eine Barretina aufzusetzen oder ebenfalls 2010 als er beim Finale der Fußball-WM im Spiel Spanien gegen die Niederlande in Johannesburg versuchte den WM-Pokal anzufassen.

Sie wollte ja nicht auf ihren
Kostümdesigner hören...
In den 90er Jahren erreichte Spanien gemischte Platzierungen, darunter immerhin der zweite Platz für Anabel Conde, die später ihr Glück als Backingsängerin in Andorra oder beim polnischen Vorentscheid ("Sappho") versuchte oder der sechste Platz der einschläfernden Ballade "Sin rencor" von Marcos Llunas. Den bis dahin schlimmsten Auftritt lieferte 1999 allerdings die Sängerin Lydia, die in Jerusalem ihren Song "No quiero escuchar" in einem regenbogenfarbenen Kleid mit Plüschherz im Ausschnitt darbot. Für dieses modische Vergehen erntete sie lediglich einen Punkt von den Zuschauern, dafür aber den seit 1997 vergebenen Barbara Dex-Award.

Rosa, die erste Siegerin der
Operacíon Triunfo
Die bis heute letzte Erfolgsserie begann für Spanien im Jahr 2001. David Civera, ein kleiner Latinoheld mit gegeltem Haar wippte zu "Dile que la quiero" über die Bühne und wurde Sechster. Im Jahr darauf wurde Spanien vom Castinghype überrannt, die Operacíon Triunfo wart geboren und sorgte für gigantische Einschaltquoten. Hier wurden in der ersten Staffel Talente gefunden, die noch heute in Spanien schwer erfolgreich sind, darunter Chenoa (Platz 4), David Bustamante (Platz 3) oder David Bisbal, der den zweiten Platz hinter Rosa Lopéz aus der Provinz Granada belegte. Rosa, die im Laufe der Show mehrere Pfund abspeckte wurde zur großen Hoffnung der Spanier.

Beim Eurovision Song Contest in Tallinn sang sie die ersten englischen Phrasen eines spanischen Song Contest-Titels, belohnt wurde ihr "Europe's living a celebration" mit dem siebten Platz. Noch größere Erwartungen hatte man 2003 an die ebenfalls gecastete Sängerin Beth, deren "Dime" im Vorfeld als großer Favorit galt. Mit Dreadlocks und einem südamerikanischen Hüftschwung wusste sie optisch zu überzeugen, gesanglich plagten sie jedoch einige Probleme, den achten Platz brachte sie aus Riga trotzdem heim. Immerhin noch auf den zehnten Platz schaffte es Ramón in Istanbul, der letzte Sieger der Operacíon Triunfo, der direkt zum Song Contest fuhr.

Ketchup, die Erste:
Son de Sol (2005)
2005, einige Jahre nach dem "Ketchup Song" siegte das Damentrio Son de Sol beim spanischen Vorentscheid knapp gegen die drei überaus amüsanten Damen von Moreno Las Supremas de Móstoles. "Brujería" ("Hexerei") überzeugte allerdings nicht, es sprang nur der 21. Platz dabei heraus, wenngleich es der beste der Big Four-Beiträge war, JavineOrtal und Gracia landeten noch weiter dahinter. Es war der einzige Jahrgang in dem die Big Four kollektiv auf den hintersten Plätzen rangierten. Wohl dadurch angeheizt organisierte das spanische Fernsehen für 2006 das Ketchup-Original und schickte Las Ketchup zum Song Contest nach Athen.

Ketchup, die Zweite:
Las Ketchup (2006)
Der Tomaten-Geschichte entsprechend sangen die Damen, die mittlerweile um die vierte Schwester ergänzt wurden "Un Blodymary", doch auch die Chartstürmerinnen konnten nicht mehr als den 21. Platz erreichen. Zu jener Zeit bemühte sich das spanische Fernsehen um neue Auswahlmechanismen und stellte zur besten Sendezeit, in Spanien also ab 22 Uhr, den neuen Vorentscheid "Misión Eurovisión" vor. Im Verlauf von sieben Shows wurden diverse Songs von diversen Künstlern aufgeführt, in jeweils vier Vorrunden sangen die Kandidaten 1:30 Minuten aus einem Song, die Zuschauer wählten drei Kandidaten, die Juroren zwei Interpreten in das Semifinale.

Separat davon wurden die Lieder gewählt, am Ende standen drei Kandidaten, namentlich Nazaret, Mirela, auf die wir später noch zu sprechen kommen, Merche Llobera, Yanira Figueroa und die Gruppe Nash im Finale. Nach einem kräftezehrenden Abend, an dem es insgesamt 25 verschiedene Auftritte gab, stand mit "I love you mi vida" von Nash der Beitrag für Helsinki fest. Später wurde die Truppe in D'Nash umbenannt. All dies half jedoch nichts, die klassische Boyband rutschte erneut nur auf Rang 20. Ein Jahr später wurde der Modus erneut angepasst, eine Online-Vorqualifikation wurde eingeführt.

Geflügelpest und Roboter-
Moves: Rodolfo (2008)
Mit Hilfe der damals populären Online-Plattform MySpace wurde eine Vorrunde geschaffen, an der über 500 Songs teilnahmen. Pro IP-Adresse konnte man täglich für seine Favoriten abstimmen. Dieses neue Konzept ermöglichte jedoch auch die Möglichkeit das Ergebnis zu manipulieren. So wurden einige Songs, die in kurzer Zeit außergewöhnlich viele Stimmen erhielten, ausgesiebt. Fünf Kandidaten erreichten das Finale, Rodolfo ChikilicuatreLa Casa AzulArkaitzCoral und die Gruppe Bizarre durch das Online-Voting, fünf weitere per Juryentscheid. Als Sieger ging Rodolfo Chikilicuatre mit seinem "interessanten" "Baila el Chiki-Chiki" als Sieger hervor. 

Treuer Punktelieferant für die
Spanier: Andorra
In Spanien wurde diese Auswahl teilweise heftig kritisiert, erhielt Rodolfo doch u.a. in einer Late Night-Show zusätzliche Werbung. Trotzdem vermochte es der schräge Vogel immerhin wieder einen 16. Platz zu erreichen. Unterstützt wurde das Unterfangen vor allem von den Nachbarländern, 12 Punkte gab es aus Andorra, den Zehner aus Portugal und fünf Punkte aus Frankreich. Überhaupt zählt der kleine Pyrenäen-Staat Andorra, der zwischen 2004 und 2009 beim Song Contest gastierte, zu den treuesten Nationen im Wettbewerb. In der kurzen Zeit in denen Andorra präsent war, gab das Land 60 von 72 möglichen Punkten an Spanien. Im Gegenzug erhielt es in den Semifinals 54 Punkte zurück.

Soraya beamte sich sogar über
die Bühne, nützte nur nichts
Da der Vorentscheid trotz allem so gut ankam, erweiterte der Sender RTVE das Prozedere um die Online-Selektion. 2009 wurden 978 Beiträge eingereicht, von denen 455 als regelkonform zugelassen wurden. Alle Beiträge wurden in zehn verschiedene Kategorien eingeteilt, von "Pop/Rock" (188) über "Balladen" (37) bis hin zu "Flamenco" (10) oder "R&B" (19) mussten sich die Interpreten in ihren jeweiligen Kategorien durchsetzen. Später fanden drei Semifinals und am 28. Februar 2009 schließlich das Finale statt. Unter zwölf Kandidaten, darunter erneut die Sängerin Mirela, siegte Soraya Arnelas, die ebenfalls durch ihre Teilnahme an der Operación Triunfo bekannt wurde und bereits im Vorfeld als größte Hoffnung angesehen wurde.

Ein bisschen Galicien beim
ESC: Lucía Pérez
Beim Song Contest in Moskau reichte es für "La noche es para mi" trotz Zaubertricks und Glitzer nur für den 24. Platz. Auch Ausflüge in die Welt der galicischen Sprache, etwa 2011 mit Lucía Pérez endeten nur auf dem 23. Platz. Dann kam der Eurovision Song Contest 2012 in Baku und das spanische Fernsehen nominierte im Vorfeld intern die Sängerin Pastora Soler, eine stimmgewaltige Dame aus Sévilla. Im eigens für sie angelegten Vorentscheid sang sie vier Titel von denen die G:son-Produktion "Quédate conmigo" als Sieger hervorging. Dieser Song galt im Vorfeld des Wettbewerbs zu den großen Favoriten, zudem handelt es sich um meinen All-Time-Favourite im Wettbewerb. Doch auch hier gab es trotz einer umwerfenden Inszenierung und Intonation nur den zehnten Rang.

Dieser konnte 2014 durch Ruth Lorenzo mit "Dancing in the rain" noch einmal erreicht werden. Seither rutschten alle spanischen Beiträge wieder unter die 20er-Marke. Edurne, ebenfalls ein etablierter Star in Spanien, konnte sich in Wien nur auf Position 21 vorarbeiten, Barei mit ihrem inszenierten Sturz erreichte nur die 22. Den absoluten Vogel schoss Spanien jedoch in diesem Jahr mit Manel Navarro und "Do it for your lover" in Kiew ab. Gerade einmal fünf Punkte, allesamt vom portugiesischen Publikum, konnte der gelockte Sunnyboy erreichen. Dabei hatte er selbst in Spanien beim Vorentscheid keinen Rückhalt.

Im Finale von "Objetivo Eurovisión 2017" traten sechs Kandidaten an. Auch hier bemühte sich die Sängerin Mirela mit ihrem "Contigo" um das Ticket nach Kiew. Nachdem alle gesungen hatten, lagen Manel und Mirela mit je 58 Punkten gleichauf.

Die Ergebnisse der ersten Runde im Vorentscheid:
01. - 058 Punkte - Jury: 34, Televoting: 24 (16,8%) Manel Navarro
01. - 058 Punkte - Jury: 22, Televoting: 36 (35,6%) Mirela
03. - 052 Punkte - Jury: 22, Televoting: 30 (21,6%) LeKlein
04. - 041 Punkte - Jury: 20, Televoting: 21 (14,4%) Maika
05. - 040 Punkte - Jury: 25, Televoting: 15 (04,2%) Mario Jefferson
06. - 039 Punkte - Jury: 21, Televoting: 18 (07,4%) Paula Rojo

Die Regeln des spanischen Vorentscheid berechtigten jedoch nicht die Zuschauer dazu, das Zünglein an der Waage zu sein, sondern die Juroren. Die dreiköpfige Richterbank musste sich festlegen. Während es zunächst 1:1 stand, entschied Xavi Martínez sich für seinen Freund Manel, der sogleich vom Publikum ausgebuht wurde. Trotz zahlreicher Proteste, die über Tage hinweg in den spanischen Gazetten Thema des Tages waren, fuhr Manel nach Kiew. Dort versemmelte er jedoch mit einer übereifrigen Performance und einem Ton, der die Toten erwecken könnte, den gesamten Auftritt und vermasselte Levina damit die Chance, das Triple für Deutschland, dreimal in Folge Letzter zu werden, zu holen. 

Die deutsche Diaspora stimmt
vorzugsweise aus Palma ab
Mit Deutschland verbindet Spanien übrigens die sogenannte Mallorca-Connection, die insbesondere bis zur Einführung der Jurys eine wesentliche Rolle spielte. Viele deutsche Urlauber, die sich in Spanien die Sonne auf den Bauch scheinen ließen, stimmten ab 1998 als Guildo Horn in Birmingham aufschlug, für Deutschland. So kommt es, das Spanien im Laufe der Eurovision zu einem der größten Punktelieferanten für die Bundesrepublik wurde. 

Bis 2017 vergab Spanien 224 Zähler an Deutschland, 206 an Italien und 178 Punkte an Portugal (unter Berücksichtigung der Finals). Schließt man die Halbfinals mit ein, so liegt Portugal mit 249 Punkten an der Spitze. Der westliche Nachbar ist zudem der größte Punktelieferant für Spanien selbst. In der gemeinsamen Historie entfielen 195 Punkte aus Portugal auf Spanien, dahinter mit 170 Zählern folgt Frankreich. Spanien und Deutschland verbindet zudem der Big Five-Status, der es den Nationen als größte Geldgeber des Wettbewerbs ermöglicht, direkt im Finale dabei zu sein und die Qualifikation in den Halbfinals erübrigt.



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Freitag, 11. August 2017

Aserbaidschan: Aserbaidschan bestätigt Teilnahme 2018



Aserbaidschan - Wenig überraschend bestätigte das aserbaidschanische Fernsehen ictimaiTV seine Teilnahme am Eurovision Song Contest. Die offizielle Bestätigung liegt ESCtoday.com aus Baku vor, der kleine Nachbar der beleidigten Türkei weicht damit nicht von seiner Linie ab und nimmt in Lissabon zum elften Mal am Wettbewerb teil.

Über den Auswahlmodus, ob es eine interne Auswahl oder einen nationalen Vorentscheid geben wird, gab es bislang keinerlei Informationen. Beide Mechanismen werden regelmäßig in Aserbaidschan angewendet, zuletzt wurde Dihaj intern für den Song Contest von Kiew ausgewählt, wo sie mit "Skeletons" den 14. Platz belegte.

Aserbaidschan ist seit 2008 beim Eurovision Song Contest dabei und seither alljährlich im Finale vertreten, womit es neben Russland, der Ukraine, Rumänien und Australien eine 100%ige Finalquote aufrecht hält. Bislang konnte iTV den Song Contest einmal nach Baku holen, 2011 nachdem Eldar & Nikki mit "Running scared" in Düsseldorf die Goldmedaille holten.