Mittwoch, 24. Februar 2021

Deutschland: Präsentationstermin rückt näher


Deutschland
- Morgen Nachmittag wird der deutsche Song Contest-Beitrag erstmals in Gänze der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die ARD räumt Jendrik Sigwart dafür im Ersten zwei Sendeplätze, nämlich um 17:50 Uhr und kurz vor der Tagesschau um 19:57 Uhr ein. Auch ein Auftritt in der NDR-Talkshow am Tag drauf und bei den Schlagerchampions am Samstag bei Florian Silbereisen sind geplant. Wenn man den Berichten von Unterhaltungschef Thomas Schreiber glauben kann, dann hat sein Wettbewerbstitel die Juroren der internen Auswahl deutlich überzeugt.

Mit 11,82 von 12 möglichen Punkten wurde der Beitrag ausgewählt. Kurioserweise wurde bei Youtube in den vergangenen Tagen allerdings schon ein 19sekündiger Schnipsel eines Liedes geleakt, der unheilvolle Schatten vorauswirft, sollte es sich dabei tatsächlich um den Eurovisionstitel handeln. Dort zu hören ist "I don't feel hate", was dem Muster eines Konzeptsongs mit bedeutungsschwangerer Botschaft entspricht. Zu hören ist auch die Ukulele, jenes Instrument, das eigentlich nur bei Stefan Raab und dem verstorbenen hawaiianischen Sänger Israel Kamakawiwoʻole annehmbar klingt.

Zudem gab die ARD bekannt, dass beide Halbfinals des Eurovision Song Contests wieder auf ONE zu sehen sein werden. Das Finale überträgt das Erste, geplant ist, den Kommentar von Peter Urban und Michael Schulte, ähnlich wie beim "deutschen Finale" im letzten Jahr zu senden. Derweil freuen wir uns vielmehr auf die Präsentation des zypriotischen Beitrag "El diablo", der heute Nachmittag vom Sender CyBC vorgestellt wird. Nachdem Sandro nicht für 2021 gesetzt wurde, hat man sich auf Zypern für Elena Tsagkrinou entschieden, deren Song heute um 15:30 Uhr (MEZ) von CyBC1 gezeigt wird.

Montag, 22. Februar 2021

News-Splitter (836)


Griechenland
- Die griechische Delegation gab heute bekannt, dass Stefania bei ihrem Auftritt in Rotterdam durch vier Tänzer begleitet wird. Namentlich sind dies Nikos Koukakis, Markos Giakoumglou, Kostas Pavlopoulos und George Papadopoulos. Die drei zuletzt genannten standen bereits als Tänzer beim Song Contest zur Verfügung, Markos war 2017 im Hintergrund bei Demy zu sehen, George trat 2009 und 2012 für Griechenland in Erscheinung und Kostas war zuletzt in Tel Aviv im Hintergrund von Serhat für San Marino zu sehen, lediglich Nikos Koukakis ist beim Song Contest bisher noch nicht in Erscheinung getreten.

Weißrussland
- Weißrussische Medien berichten, dass Zena einen Beitrag für die Eurovision beim Sender BTRC eingesendet hat. Die Deadline für die weißrussische Auswahl verstrich am 31. Januar, seither ist es relativ ruhig in Minsk geworden. Nur wenige andere Namen kursieren im Internet, darunter Daz Sampson, der britische Song Contest-Vertreter von 2006, Kazka, Chakras und Vitali Voronko. Was genau Weißrussland für 2021 geplant hat ist nicht bekannt, es wird aller Voraussicht nach auf eine interne Auswahl hinauslaufen. Derzeit laufen mehrere Initiativen das weißrussische Fernsehen vom Eurovision Song Contest auszuschließen.

Serbien
- Der offizielle Twitter-Account der Eurovision hat heute den Songtitel des serbischen Beitrags veröffentlicht. Das Damentrio Hurricane bleibt ihrer spanischsprachigen Linie treu und schickt nach "Hasta la vista" nun "Loco loco" zur Eurovision. Die Gruppe arbeitete hierfür mit Nemanja Antonić und Dark Dimitrov zusammen. Dimitrov hat in den letzten Jahren mehrere Beiträge für Balkanländer zur Eurovision gebracht, zuletzt "Proud" für Nordmazedoniens Sängerin Tamara Todevska. Wann genau der serbische Beitrag veröffentlicht wird, ist noch nicht bekannt. Hurricane wurden intern von RTS nominiert, nachdem sie im vergangenen Jahr die Beovizija gewannen.

San Marino
- Ursprünglich hätte der sanmarinesische Song Contest-Beitrag von Senhit morgen der Öffentlichkeit präsentiert werden. Nach Angaben des Senders SMRTV hat man die Publikation kurzerhand um zwei Wochen nach hinten verlegt und wird seinen Beitrag für Rotterdam erst am 8. März vorstellen. Warum es zu Verzögerungen im Betriebsablauf kommt, wurde nicht näher erläutert. Senhit wurde schon für 2020 vom sanmarinesischen Fernsehen nominiert, nachdem sie erstmals 2011 in Düsseldorf Eurovisionsluft schnuppern konnte. Damals kam ihr Titel "Stand by" nicht über das Halbfinale hinaus.

Beyond Eurovision (196): Mosambik


Mosambik
- Arabische Händler schöpften dereinst die Rohstoffe des ostafrikanischen Landes aus, das reich an Gold, Elfenbein und Sklaven war, später auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien wurde der Küstenstreifen von portugiesischen Seefahrern in Besitz genommen und erhielt den Namen Moçambique. Seine Unabhängigkeit erreichte Mosambik im Jahr 1975 nach der Nelkenrevolution in Portugal und rief nach marxistischem Vorbild eine Volksrepublik aus. Noch heute zeugen das Nationalwappen mit sozialistischen Elementen und die Kalaschnikow in der Staatsflagge von jenen Zeiten.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Maputo
Sprachen
Portugiesisch
Fläche
801.590km²
Währung
Neuer Metical (MTn)
Einwohner
28,9 Mio.
Internet-TLD
.mz
Zeitzone
UTC+2
Wiki-Info

Das Land verfiel kurz nach der Unabhängigkeit in einen lange währenden Bürgerkrieg, der erst 1992 beendet werden konnte. Noch heute steht die politische Stabilität auf wackeligen Füßen und wenngleich Portugals Rolle im Land mit den Jahren immer kleiner wird, streckt inzwischen die Volksrepublik China ihre Fühler nach Afrika aus. So bauten chinesische Unternehmen etwa eine Brücke über die Bucht von Maputo, der Hauptstadt des Landes, die zu Kolonialzeiten Lourenço Marques hieß. Maputo ist auch das kulturelle Zentrum des Landes mit etwa 2,7 Millionen Einwohnern im Einzugsgebiet.

Die traditionelle mosambikanische Musik wird untermalt von diversen Xylophonen, etwa der Timbila oder dem Manguilo sowie Zithern und anderen improvisierten Instrumenten. Zu Zeiten der portugiesischen Kolonialzeit entwickelte sich mit dem Marranbenta eine eigene Tanzkultur. Das Wort leitet sich vom portugiesischen "rebentar" ab, was so viel wie "aus sich herausbrechen" bedeutet. Mittlerweile haben auch zeitgenössische Instrumente wie die E-Gitarre und das Schlagzeug in Mosambik Einzug gehalten und werden von Interpreten der Neuzeit genutzt.

Einer der bekanntesten Interpreten des Landes ist Afric Simone, der eigentlich Henrique Simone heißt und 1956 in Inhambane geboren wurde. Er landete mit "Ramaya" im Jahr 1975 einen ersten Hit und bekam insbesondere hinter dem Eisernen Vorhang in den UdSSR, der Tschechoslowakei und der DDR große Aufmerksamkeit, da Mosambik damals noch unter sozialistischer Führung stand. Später füllte er auch im Westen große Hallen wie die Royal Albert Hall oder die Carnegie Hall in London. Er veröffentlichte mehrere Alben, angefangen schon im Jahr 1974 mit "Mr. Barracuda". Sein hier vorgestellter Titel "Hafanana" kletterte 1976 in die Hitparaden.

Afric Simone - Hafanana

Kommentar: Der erste Krach der Saison


Norwegen
- Eines ist nach dem letzten Samstag klar, die Eurovisionsgemeinde hat den ersten Schock der Saison zu verkraften, wenngleich die Vorzeichen wie bei einem Vulkanausbruch eigentlich erkennbar waren. Es geht um das Goldduell beim Melodi Grand Prix in Norwegen. Dort standen sich am Ende der Veranstaltung die bunt gemischte Formation Keiino und der spätere Sieger Tix gegenüber, der mit einer überraschend hohen Anzahl von Stimmen das Ticket nach Rotterdam löste.

Wenn Freshtorge sich
als Roko verkleidet: Tix
Wenn man die Teilnahme von Keiino zunächst einmal ausblendet, muss man aber auch neidlos anerkennen, dass es Tix alias Andreas Haukeland schon im Vorfeld geschafft hat, über einen recht überschaubaren Zeitraum einen großen Popularitätsschub in Norwegen zu bekommen. Seine bisherigen Veröffentlichungen stießen im Land auf Gehör, platzierten sich recht hoch in den Charts, der sogenannten VG-Lista. Und wie man vielerorts hört, scheint Tix insbesondere bei der klickwütigen Jugend- und Instagramfraktion viele Anhänger zu haben, die nicht müde sind, mehrfach auf den gleichen Button zu drücken.

Solche Phänomene kann man überall beobachten, wer eine große Anhängerschaft besitzt, erhält auch viele Punkte in einer Abstimmung, so war das schon immer und hat auch in Deutschland schon manch einem guten Beitrag für den Eurovision Song Contest am Ende den Sieg vermasselt. Ich erinnere mit Wehmut an das Jahr 2008, als Carolin Fortenbacher mit ihrer krachenden Ballade "Hinterm Ozean" mit hauchdünnem Rückstand gegen die No Angels verlor, der Rest ist Geschichte. Und dort war das Lied musikalisch noch dünner als es heute bei "Fallen angel" der Fall ist.

Schneefall im Oktober:
Keiino
Nun hat sich Norwegen in den letzten Jahren jedoch eine recht hohe Messlatte auferlegt, der Melodi Grand Prix steht, oft sogar zu Unrecht, zwar im Schatten der schwedischen Nachbarn, hat allerdings viele gute Beiträge vorzuweisen und das Jahr für Jahr. Das dabei nicht immer der Fanfavorit die Nase vorn hat, ist nun mal leider so, dafür haben es Keiino immerhin schon vor zwei Jahren mit "Spirit in the sky" geschafft und die Euphorie war umso größer. Man könnte auch einfach sagen, das Trio ist im falschen Jahr wieder angetreten, vielleicht hätten sie 2020 oder 2022 bessere Karten gehabt.

Mit der Zeit, je länger man den Eurovision Song Contest und die einzelnen Vorentscheide verfolgt, wird man entspannter. Heute ärgere ich mich nicht mehr schwarz, weil es mein Favorit nicht zum Song Contest schafft. Das muss auch so sein, sonst würde ich mit 35 Jahren wegen Herzproblemen auf der Intensivstation landen. Ja, ich gräme mich auch heute noch, dass es Saša Lendero, Erika Vikman, Julie & Nina oder Markus Riva nicht zur Eurovision geschafft haben, aber "so what", das Leben geht weiter. Apropos Markus Riva...

Erinnert sich jemand dran?
Da war ich noch empört...
Der lettische Sunnyboy mit dem übertrieben platinblonden Haar, hat 2016 mit "I can" an der lettischen Supernova für Stockholm teilgenommen und irgendwie erinnert mich das Lied von Tix sehr an den damaligen Beitrag von Markus Riva. Parallelen in der Beschaffenheit beider Lieder sind nicht von der Hand zu weisen. Die Zeit des Markus Riva in Lettland ist aber inzwischen auch gezählt, das einst empathische Œuvre hat sich in den letzten Jahren stark verändert und könnte heute mehr als Russendisko betitelt werden. Aber zurück nach Norwegen...

Es wundert mich, dass es noch keine Petition gibt, die eine Neuauszählung der Stimmen beim Melodi Grand Prix fordert, analog zu gewissen US-Wahlergebnissen. Zwar gab es Reaktionen von Usern die berichten, sie hätten nicht abstimmen können, NRK stellt allerdings klar: "Der Umfang (dieser Fälle) war im Vergleich zur Gesamtzahl der User, die gestern abgestimmt haben, sehr gering und hat keines der Ergebnisse in den drei Abstimmungsrunden beeinflusst." Es wäre sehr verwunderlich, wenn durch Wertungsprobleme nahezu 100.000 Stimmen unter den Tisch fallen würden.

Nun haben die Norweger eine Entscheidung getroffen und Tix nach Rotterdam votiert. Ja, es ist schade um "Monument", aber wie Keiino im Anschluss an den Melodi Grand Prix über verschiedene Kanäle mitteilten, sei die Reise der Band noch nicht an ihrem Zielort angekommen und man werde weiter musizieren, was eine erneute Bewerbung am Melodi Grand Prix nicht ausschließt. Ob Norwegen ins Finale einziehen wird oder aus Gründen auf der Strecke bleibt, wage ich nicht zu prognostizieren, wir kennen schließlich erst fünf Lieder in jenem Semifinale. Auch hier bin ich inzwischen entspannter geworden und habe es aufgegeben, voreilig Länder in meinem Ranking auf den letzten Platz zu setzen, nur weil mir der Ausgang des Vorentscheids nicht 100%ig gefällt.

Nachtrag: Inzwischen wurde auch die Einschaltquote für das Finale des Melodi Grand Prix ausgezählt. Fast 1,1 Millionen Norweger verfolgten die Show, so viele wie seit 2017 nicht mehr. Mit weiteren 28.000 Online-Zuschauern erreicht die Show einen Marktanteil von 67,1%. Delegationsleiter Stig Karlsen freut sich sehr und mutmaßt, dass der Vorentscheid die Menschen in diesen schweren Zeiten offenbar abgeholt und mitgenommen hat.

Sonntag, 21. Februar 2021

Israel: Frühzeitige Teilnahmebestätigung für 2022


Israel
- Das erste Land hat seine Teilnahme am Eurovision Song Contest 2022 bestätigt. Am Abend erklärte der israelische Rundfunk KAN, das man Vorbereitungen für ein Vorentscheidungskonzept mit externen Partnern treffen wird. Schon in den letzten Jahren suchte das israelische Fernsehen mit Hilfe der Produktionsfirma Keshet und dem TV-Format "Hakochav haba" nach Teilnehmern für den Eurovision Song Contest.

Diese Kooperation wurde im Jahr 2021 beendet, nachdem sich der israelische Sender darauf verständigt hatte, die Siegerin der Castingshow "Hakochav haba 2020", Eden Alene, nach der verwehrten Chance nach der Absage des Eurovision Song Contests in Rotterdam vergangenes Jahr, erneut zu nominieren. Stattdessen wurde ein Mini-Vorentscheid durchgeführt, bei dem Eden Alene mehrere Titel zur Auswahl stelllte, die Wahl fiel im Anschluss auf "Set me free", das wir im Mai hören werden.

Welchen Weg der Sender für 2022 einschlagen wird, ob man sich erneut aus dem Castingpool von Shows wie "Hakochav haba", "X Factor" oder anderen Talentwettbewerben bedienen wird oder ein völlig neues Konzept mit einer Produktionsfirma ins Leben rufen wird, ist derzeit noch nicht bekannt. Israel läutet damit jedenfalls frühzeitig einen ersten Ausblick ins Jahr 2022 ein, bislang hat noch keine andere Nation ihre Teilnahmeabsicht im nächsten Jahr bekundet.