Sonntag, 24. Mai 2015

Deutschland: Peter Urban und Einzelvotings


Deutschland - Peter Urban, unser deutscher Song Contest-Kommentator, relativiert den letzten Platz von Ann Sophie gestern Abend: "Aber die Performance war eben auch gut, das sah gut aus, die Sängerin Ann Sophie hat gut gesungen. (...) Alles was auf Platz elf bis 27 in der Länderauswertung liegt, kriegt null Punkte. Und da hatten wir diesmal eine Menge Pech." Und da hat er auch Recht. Wenn man sich die Abstimmungsergebnisse aus kombiniertem Jury- und Televoting der 40 abstimmenden Nationen einmal näher betrachtet, fällt auf, dass Ann Sophie auch knapp an Punkterängen vorbeigeschrammt ist.

Platzierung von Ann Sophie im Länderranking (in Klammern: Jury + Televoting):
- Albanien: Platz 12 (16+07)
- Australien: Platz 14 (12+18) 
- Dänemark: Platz 11 (16+12)
- Finnland: Platz 12 (07+19)
- Großbritannien: Platz 14 (09+20)
- Israel: Platz 13 (05+21)
- Polen: Platz 11 (14+10)
- Serbien: Platz 12 (09+16)
- Tschechien: Platz 12 (08+20)
- Ungarn: Platz 11 (12+11)


Logischerweise lag Ann Sophie mit "Black smoke" natürlich auch in einigen Länderwertungen hinten, Armenien beispielsweise sortierte sie auf Rang 20 ein, Griechenland auf der 23, Italien und die Niederlande auf der 25 und Zypern gar auf Platz 26. Sie landete allerdings, was beim Song Contest schlecht ist, häufig auf einem Mittelfeldplatz beim gesamten Abstimmungsverhalten, was entsprechend mit null Punkten quittiert wird.
So schlecht, wie das Ergebnis des Abends die Leistung von Ann Sophie darstellt, ist es aber wirklich nicht. Klar gibt es Schöneres als mit null Punkten in die Annalen des Wettbewerbs einzugehen, dennoch sollten sich diejenigen Pressestimmen zusammenreißen und nachzählen, die in der Platzierung von Ann Sophie den Untergang des Abendlandes, die merkel'sche Politik oder sonstige Hirngespinste sehen. Ein gelesener Kommentar, dass Deutschland schon "seit Jahren" keine Chance mehr hat, sollte Lena spätestens 2010 ausgeräumt haben und dort galt bereits das gleiche Abstimmungsprinzip wie heute.
Peter Urban resümiert ebenfalls: "Wir haben uns für dieses Jahr auch nichts vorzuwerfen. Es war einfach ein Haufen Pech. (...) Da waren überhaupt keine politischen Gründe, da ging es rein um die Musik. Das wird immer schnell herangezogen. Russland ist auf den zweiten Platz gekommen und die Russen haben nun nicht so viele Freunde im Moment und es ging da auch um eine Ballade und eine großartige Sängerin." Ann Sophie hat unterdessen Måns' Siegerlied in "We are the Zeroes" umgedichtet, zum Video geht es hier.
In der Schweiz ist Österreich übrigens knapp an einem Punkt vorbeigeschrammt. Dort belegten die Makemakes im Juryvoting Platz sieben und im Televoting Rang 16, ergibt in der Summe den elften Platz im Gesamtranking. Man kann sich Statistiken und Auswertungen natürlich auch irgendwie schönreden, trotz allem kann man niemandem die Schuld an dem letzten Platz geben. Überdenken sollten lediglich ARD und NDR, wie man einen konkurrenzfähigen Vorentscheid für das nächste Jahr auf die Beine stellen könnte.
Das Clubkonzert, das als Innovation angepriesen wurde und durch das sowohl Elaiza als auch Ann Sophie gefunden wurden, mag eine nette Idee sein, entspricht aber der einstigen Web-Wildcard des schwedischen Melodifestivalen, die sich auf Dauer nicht behaupten konnte. Im Gegenteil, die dort siegreichen Interpreten erreichten nicht einmal das Finale des Vorentscheids. Für Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber soll dies nun nicht heißen, dass man direkt wieder bei Stefan Raab anklopfen muss, eine Zusammenarbeit mit starken Partnern könnte aber für die Zukunft helfen.

Die Jubiläumsjahrgänge mit der Fünf am Ende liegen den deutschen Song Contest-Vertretern aber scheinbar wirklich nicht. Vor exakt 50 Jahren wurde Deutschland mit "Paradies, wo bist du?" von Ulla Wiesner zuletzt Letzter mit null Punkten, 1995 wurden Stone & Stone mit einem Punkt aus Malta Letzte, 2005 holte Gracia mit je zwei Punkten aus Monaco und Moldawien die rote Laterne. Wir sind auf 2025 gespannt, wird sicher ein Knaller zum 70. Jubiläum.

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