Donnerstag, 5. Mai 2016

Tag 4: Georgien im Vollrausch



Georgien - Den Rausch nach einer durchzechten Nacht, den die Georgier in ihrem Lied "Midnight gold" besingen, kann der Zuschauer vor dem heimischen Fernseher in diesem Jahr live miterleben. Split Screening nennt sich die technische Errungenschaft, die schon seit Jahren zum Einblenden von Werbung während Liveshows ermöglicht. Mit dieser optischen Illusion teilen die Georgier ihre Kameraeinstellung, sodass verzerrte Bilder von den Interpreten auf der Bühne entstehen, wie in einem Spiegelkabinett. 

In Kombination mit dem Hardrock-Geschrammel von Nika Kocharov und seinen georgischen Lolitaz erscheint der gesamte Dreiminüter wie ein psychedelisches Erlebnis entlang der Kneipenmeile von Batumi. Ohne diese Kameratrick würde der georgische Beitrag wahrscheinlich chancenlos (mangels fehlender Zuschauergruppe) im Semifinale enden. So bleibt er immerhin durch seine Kameraführung in Erinnerung. Dominierende Farben während der georgischen Leistung sind violett und schwarz. Auch wenn es wohl 2017 nicht nach Tiflis geht, die Georgier beweisen wieder einmal Experimentierfreude.

Es sei ein Kompliment, dass ihr Lied mit Britpop assoziiert werde, heißt es von Nika Kocharov beim Meet & Greet, die Band sei dadurch auch stark beeinfluss worden. Nika war es auch, der bereits mehrmals am eigenen Leib erfahren hat, wie sich die Suche nach Erinnerungen an den Vorabend gestaltet. Grinsend gab er zu, dass er ebenso gut der Mann aus dem Liedtext sein könnte. Zur Zusammenarbeit mit dem schwedischen Massenkomponisten Thomas G:son fügte die georgische Truppe hinzu: "Er hat uns poliert."

Etwas ungehalten waren die Young Lolitaz dennoch, nämlich darüber, dass sie ihre Instrumente nicht live spielen dürfen, dadurch fühle sich der Sänger Nika ziemlich allein gelassen. Die Gruppe ginge das Risiko ein, durch ihre Teilnahme am kommerziellen Song Contest alte Fans zu verlieren und ggf. neue zu gewinnen, so sei der Lauf der Dinge. Auf die Frage nach seinem Song Contest-Liebling antwortete Nika mit "Sébastien Tellier, richtig cool." Auch vom Motto des Wettbewerbs sei man sehr angetan, gemeinsam Musik hören sei das Beste, was man derzeit machen könne.




Ein Accessoire der besonderen Art, eine violette Feder
Nika Kocharov und seine Young Georgian Lolitaz nehmen uns mit auf einen Trip
Auf in die georgische Partynacht

1 Kommentar:

  1. Hardrock? Eher Indie... mir gefällts immer mehr muss ich zugeben

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