Montag, 30. April 2018

Eurovision 2018: EBU stellt die 215 Juroren vor



Europa - Unterdessen hat die EBU Wort gehalten und pünktlich um 12 Uhr die Namen der 215 Juroren der 43 Teilnehmerländer veröffentlicht. Diese werden jeweils die zweite Generalprobe der Semifinals bzw. des Finals am Tag zuvor bewerten und ihr Ranking aufstellen. Durch die neue Gewichtung der Jurystimmen gilt ein erster Platz im Ranking eines Juroren nun mehr als z.B. ein 14. oder 24. Platz. Die vollständige Liste kann man sich hier bei der EBU ansehen.

Für Deutschland erhält Mary Roos, zweimalige Song Contest-Teilnehmerin den Juryvorsitz. Die Rolle als wertungsberechtigte Jurorin kennt Mary bereits aus vergangenen Jahren. Ergänzt wird sie im Team von Max Giesinger, Sascha Stadler, Mike Singer und Charlotte Rezbach (Lotte). Aber auch für andere Nationen sind ehemalige Song Contest-Teilnehmer und andere Prominenz beteiligt. So besteht nahezu die gesamte albanische Jury aus Teilnehmern des Vorentscheids, gemeldet sind u.a. Kamela Islamaj und Bojken Lako.

In der beglischen Jury findet man Tom Dice und Laura Tesoro, in Dänemark Emmelie de Forest und in Irland Niamh Kavanagh. Für Lettland darf Aminata Savadogo mitentscheiden, in Malta ist Amber gemeldet, in Moldawien Cristina Scarlat und in Serbien Bojana Stamenov. In schwedischen Diensten entscheidet u.a. Mariette mit. Die Jurystimmen machen jeweils 50% der nationalen Wertung aus, werden aber unabhängig von den Stimmen der Zuschauer vergeben, sodass seit zwei Jahren doppelt so viele Punkte vergeben werden wie noch zwischen 1975 und 2015. 

Die Abstimmung der Juroren findet unter notarieller Aufsicht statt. Die EBU hat hierfür Beobachter von PwC beauftragt, die Abstimmungen zu beaufsichtigen. Um Juror zu werden, darf man in den vergangenen beiden Jahren nicht Teil der nationalen Jury gewesen sein, muss mindestens 16 Jahre alt sein, dürfen nicht für den verantwortlichen Sender arbeiten und zumindest in irgendeiner Form im Musikbusiness tätig sein. Im Falle San Marinos heißt dies, man muss ein Instrument spielen können, hier sind wieder einmal Musiklehrer und eine Cellistin vertreten.

Tag 2: "Lost and found" macht den frühen Vogel



Mazedonien - Mit etwas Verzögerung ging es in der Altice Arena mit der mazedonischen Probe los. Das Land, das um ein Haar gar nicht dabei gewesen wäre, da die finanzielle Situation des Senders MKRTV es nicht hergeben wollte, präsentiert sich ohne auffällige Inszenierungen, dafür aber mit hochgradig spannenden Outfit. So trägt Sängerin Marija ein rückenfreies pinkes Jäckchen, ihr Bandkollege eine schwarze Hose und ein weißes Oberteil.

Begleitet werden Eye Cue von ihrem Schlagzeuger und drie Mädels, die schwarze Roben tragen, gesprickt mit rosa bzw. roten Röckchen. Sie stehen etwas versetzt im rechten Off abseits der beiden Hauptakteure. Allerdings gab es für die anwesende Presse nur einen öffentlichen Einblick in die Proben, die übrigen Trainingsläufe wurden von der EBU nicht gezeigt, offenbar hat sich die Delegation dafür ausgesprochen, noch nicht zu viel zu zeigen.

Insgesamt wirkte der Auftritt zu "Lost and found" stimmlich gut, die Bewegungen von Marija allerdings etwas unruhig und aufgescheucht. Sie läuft viel umher, steht mal bei ihrem Gitarristen Bojan, mal ganz woanders. Am Ende der drei Minuten laufen alle gemeinsam in einer Reihe über die Bühne. Dann ist die mazedonische Darbietung auch schon wieder vorbei. Da besteht, zumindest choreographisch noch etwas Nachholbedarf.

Die Bühne ist während der Nummer in Discolicht getaucht, von blau über violett bis hin zu knalligem orange ist alles vertreten. Ein bisschen mehr Einsatz hätte ich mir gewünscht, insbesondere was zum Beispiel Feuerwerk etc. angeht, damit Mazedonien hängen bleibt. Im Semifinale, nach dem düsteren Auftritt der Bulgaren, wirkt das Lied und die Show aber gleich viel heiterer, als nun aus dem Zusammenhang gerissen. Das Meet & Greet fiel recht überschaubar aus, Bojan erklärte, es gäbe für Mazedonien in diesem Jahr drei Lieder zum Preis von einem.

Backstage: Eye Cue bereiten sich auf ihre ersten Probe vor
"Lost and found", tiefe Einblicke gab es nur beim Kleid der Sängerin
Die Proben fanden allerdings größtenteils hinter verschlossenen Türen statt

1. Probe: Eye Cue - Lost and found

Tag 2: Erste Bilanz nach den ersten zehn Proben



Tschechien - Gestern verletzte sich Mikolas Josef bei seinem ersten Probendurchlauf zu "Lie to me" am Rücken. Das tschechische Team hat bislang noch keine weiteren Einzelheiten bekannt gegeben, auf Instagram postete Mikolas gestern Abend allerdings noch ein Bild aus dem Krankenhaus mit dem Vermerk, dass er auf jeden Fall auftreten werde, egal was da noch auf ihn zukommt. Auf Instagram gab es auch aufbauende Kommentare, neben zahlreichen Fans u.a. von Madame Monsieur, Ari Ólafsson, SuRie, Laura Rizzotto und auch Michael Schulte.

"Thanks for all your messages and prayers, we are all doing our best to get me up on my feet soon. I will perform no matter what.", heißt es darin. Sobald es Neuigkeiten gibt, werden wir natürlich darüber berichten. Wie fragil Wettquoten in dieser Hinsicht sein können, zeigt ein Blick auf die aktuelle Reihenfolge. Dort rutscht Tschechien vorerst auf den fünften Platz ab. An der Spitze liegt nach wie vor Israel, allerdings haben sich auch ihre Quoten weitestgehend verschlechtert.

Profiteure sind nach der ersten Einschätzung Australien und Frankreich, die allerdings noch nicht geprobt haben. Beide belegen hinter Netta Barzilai die Plätze zwei und drei, gefolgt von Bulgarien. Im übrigen Feld hat sich nicht viel getan, abgesehen davon, dass Belgien immer weiter durchgereicht wird und sich inzwischen zwischen Finnland und Österreich platziert. Wir sind gespannt, was der zweite Probentag mit sich bringt, in einer guten halben Stunde geht es mit Mazedonien los.

PS: In diesem Sinne wünschen wir den beiden Geburtstagskindern Sennek und Michael Schulte alles Gute und eine schöne Zeit in Lissabon. Zudem steht heute Mittag noch die Bekanntgabe der 215 Juroren bevor, die 50% des Ergebnisses bestimmen. Die prominentesten Namen dieser Auswahl werden wir zeitnah nachliefern.

Sonntag, 29. April 2018

Tag 1: Null Euro, Greetings und ein kaputter Tscheche



Portugal - Der erste Probentag in der portugiesischen Hauptstadt ist vorbei, derzeit sind die letzten Delegationen noch dabei der Presse beim Meet & Greet Rede und Antwort zu stehen. Wir haben viele Favoriten des Jahrgangs gesehen, einen schillernden Auftakt von Aserbaidschan, einen nach wie vor chancenlosen Isländer, einen lächerlichen Auftritt aus Weißrussland und im wahrsten Sinne des Wortes Favoritenstürze, optisch bei Israel, körperlich bei Tschechien.

Mikolas hat sich bei seinem Salto im Probedurchlauf am Rücken verletzt, vor einer guten Stunde hat er schon wieder das erste Werbevideo für die tschechischen Zuschauer gepostet. Auch tschechischen Delegationsleiter ist ganz zuversichtlich, dass Mikolas am Donnerstag wieder über die Bühne turnen kann. Nach einer schweren Verletzung sieht eher der Rücken des Weißrussen aus... Alekseev quellen Rosen aus dem offenen Hemd, wobei sich die Frage stellt, ob das Kunst ist oder weg kann. Auf jeden Fall sieht es bedrohlich aus.

Update: Inzwischen hat sich Mikolas auch bei einer tschechischen Nachrichtenseite zu Wort gemeldet. Gegenüber super.cz sagte er: "Das erste, was mir in den Sinn gekommen ist, ist, dass der Eurovision Song für mich zu Ende ist und ich bin sehr enttäuscht, insbesondere für die Fans, die mich hierher geschickt haben. Ich werde mein Bestes geben, um so schnell wie möglich auf die Bühne zurückzukehren und für den besten Platz zu kämpfen." Zuletzt bedankte er sich bei Instagram bei seinen Fans, er ist derzeit nicht in der Lage zu laufen und auf dem Weg in ein anderes Krankenhaus.

Positiv hervorheben möchte ich an dieser Stelle noch die Proben der Albaner, die sich für mein Empfinden sehr gut präsentiert haben und der Litauer. Enttäuschend kamen für mich Netta mit ihrer Katzenvitrine und leider auch der kleine Isländer rüber. Ari hat eine großartige Stimme, aber ein sehr flaches Lied und eine noch schlechtere Bühnenidee. Die roten Streifen auf seiner Jacke sollen übrigens, so der Wortlaut beim Meet & Greet, Feuer und Lava, also zwei isländische Eigenheiten darstellen. Das wird im Halbfinale nur leider niemand verstehen.

In Lissabon derzeit erhältlich:
Der Null-Euro-Schein
Abschließend noch ein kleiner Souvenir-Tipp für alle, die in Lissabon unterwegs sind. Für gerade einmal zwei Euro gibt es die Möglichkeit sich einen, von der Europäischen Zentralbank abgesegneten, Null-Euro-Schein mit dem Praça do Comércio und dem Eurovisions-Emblem darauf zu kaufen. Dieser Schein wird u.a. im Pressezentrum angeboten und hat, auch wenn er nominell wertlos ist, Symbolcharakter für alle Eurovisionsfans. 

Morgen geht es dann pünktlich um elf Uhr (MESZ, 10 Uhr Ortszeit) in der Altice Arena in die zweite Runde. Dann sehen wir das Duo Eye Cue aus Mazedonien, ebenso wie die pathosgetränkte Hymne aus Griechenland, unsere Nachbarn aus Österreich und der Schweiz, Fanfavoritin Saara Aalto aus Finnland und am späten Nachmittag Eleni Foureira aus Zypern, die gleichzeitig auch das erste Halbfinale beschließen wird. Sofern ich noch ein paar Highlights aus Lissabon aufgabeln kann, gibt es noch weitere Postings, ansonsten wünsche ich allen Lesern schon einmal einen schönen Sonntagabend!


Von den ersten Meet & Greets des Tages: Aserbaidschan und Island
"All Aboard"-Werbung in Lissabon | Beim Backflip verletzt: Mikolas Josef

Tag 1: Düstere Bulgaren beenden ersten Probentag



Bulgarien - Die letzte Probe am heutigen ersten Tag in Lissabon ging von der bulgarischen Delegation aus. Das Quintett Equinox steht auf einer Erhöhung inmitten einer sehr dunklen Bühne, die teilweise grün-blau und durch Blitzlichtgewitter erleuchtet wird. Zentral hat sich die einzige Interpretin Zhana platziert, ihre Bandmitglieder um sie herum. Es wirkt recht statisch, da das Podest kaum Platz zum Rangieren bietet.

In den Kameraeinstellungen sind zunächst alle Mitglieder von Equinox einzeln zu sehen, später in Split-Screens, bevor nach der ersten Strophe eine Totalaufnahme folgt und das Strobolicht einsetzt. Dadurch ist die Band teilweise nur als Silhouette erkennbar, ähnlich wie dies schon im Video zu "Bones" der Fall war. Die Meinung der Presseschar in Lissabon ist vielseitig, einigen ist der Auftritt insgesamt viel zu düster. 

Verstärkt wird dieser Eindruck durch den Fakt, dass alle Interpreten schwarze Klamotten tragen. Den einzigen farblichen Akzent setzt Zhana mit ihrer weißblonden Perücke und ihren weißen Schulterpostern. So ganz kann ich nach der heutigen Probe den Favoritenstatus der Bulgaren auch nicht nachvollziehen, dennoch gelten sie bei vielen, auch bei den Buchmachern, als große Mitfavoriten auf den Titel 2018. 

Die weiteren Durchläufe zu "Bones" wirkten etwas stimmiger als der Erstauftritt. Mit Bulgarien endet auch schon die erste Hälfte des ersten Semifinals vom 8. Mai, es folgen noch einige Meet & Greets, in der Altice Arena wird heute Abend aber niemand mehr auftreten. Dafür geht es morgen Mittag wieder von vorne los, dann ist die zweite Hälfte dran. Alle Einzelheiten zu dem, was uns morgen erwartet, folgt gleich in einem separaten Posting.

Das Finale des heutigen Auftakts in Lissabon bildeten Equinox aus Bulgarien
Ab und an weicht das Schwarz mal helleren Farbnuancen...
...der überwiegende Teil der Nummer bleibt aber dunkel gehalten

Equinox - Bones