Österreich - Auch in Österreich kann man sich auf Routine verlassen, der ORF hat Andi Knoll erneut als Kommentator für den Eurovision Song Contest 2021 bestätigt. Damit ist er einer der dienstältesten Kommentatoren im Wettbewerb und kann sich mit Peter Urban die Hand geben. Neben den Halbfinals und den Finalshows wird Andi Knoll auch wieder mit seiner "Mr. Song Contest proudly presents"-Show aufschlagen, in denen er u.a. den österreichischen Kandidaten Vincent Bueno begleitet.
Vincent, der nach 2020 auch für dieses Jahr vom ORF intern ausgewählt wurde und mit "Amen" antreten wird, hat bereits seine Koffer in den Nigthjet nach Amsterdam geladen und hat seine erste Bühnenprobe im Ahoy am Montag, den 10. Mai gegen 13:40 Uhr. Im Anschluss daran findet ein Meet & Greet statt, ansonsten bleibt sein Aufenthalt in Amsterdam auf die offiziellen PR-Termine beschränkt. Alle drei Liveshows aus Rotterdam zeigt das österreichische Fernsehen im Hauptprogramm ORF 1. Wie üblich werden die Shows durch Werbeblöcke in verschiedene Teile zerrissen.
Feedback: Das Gremium hatte sich 2020 darauf verständigt, den slowenischen Sänger Ben Dolic nach Rotterdam zu schicken. Der Song "Violent thing" war auch tatsächlich mal wieder eine tolle, tanzbare Nummer. Uns wurde erklärt, die Show beim "deutschen Finale" in der Elbphilharmonie wäre nah an der eigentlich geplanten Performance für die Eurovision gebaut und spätestens da wären die Hoffnungen wieder zunichte gemacht worden. Der Auftritt wirkte unmotiviert, Bens Stimme schwach. Er wollte sich ursprünglich auch 2021 der Kandidatenauswahl des NDR stellen, zog dann jedoch aus freien Stücken zurück. Woran es gelegen hat, werden wir wohl nie erfahren.
Der Beitrag für den ESC 2021:
Interpret: Jendrik
Song:I don't feel hate
Gesungen auf: Englisch, Deutsch
Text & Musik: Jendrik Sigwart, Christoph Oswald
Auswahlmodus: Interne Auswahl von Jendrik durch ein 100köpfiges Jurypanel, die entsprechend ihrer Treffsicherheit beim Eurovision Song Contest als Experten gehandelt wurden.
Tritt an im...: Finale von Rotterdam am 22. Mai
Über den Interpreten:Jendrik Sigwart wurde am 27. August 1994 in Hamburg geboren. Er wuchs in Hamburg-Volksdorf auf und lernte schon früh Klavier und Geige spielen. Später studierte er am Institut für Musik in Osnabrück und trat in verschiedenen Musicals auf, darunter "My fair lady" und "Hairspray". Bekannter wurde er später jedoch durch seinen Youtube-Kanal, auf dem er eigene Songs mit Ukulelen-Begleitung einstellte. Im Februar wurde er dann vom NDR als Song Contest-Vertreter vorgestellt, dessen Bewerbung mit 11,82 von 12 möglichen Punkten die bisher höchste Zustimmungsrate im Panel fand. Die Botschaft seines Liedes ist, Hass der ihm zu teil wird, nicht mit Gegenhass zu beantworten sondern mit Mitleid zu quittieren.
Meine Meinung zum Beitrag:Nun... ich tue mich nach wie vor schwer mit dem Lied. Besonders die Ukulele ruiniert die durchaus verständliche Botschaft, Hass nicht mit Hass zu bekämpfen. Ich verstehe, was die Intention hinter Jendriks Lied ist und würde sagen, der NDR hat seinen "Concept Song" mit Botschaft definitiv gefunden. Das Video ist farbenfroh aber ebenso bekloppt, insgesamt fällt es mir schwer, ein Urteil über das Lied zu fällen. Daher belasse ich es bei einem diplomatischen "Ich wünsche Dir eine derbe nice Zeit in Rotterdam, Jendrik!" Und weil beim Eurovision Song Contest der Grundsatz "You can not vote for your own country" gilt, fasse ich meine Meinung auch nicht in Punkte.
Niederlande - Die Stadtverwaltung von Rotterdam hat heute die Ticketinhaber über 70 Jahren darüber informiert, dass sie im Rahmen der Bestimmungen des Fieldlab-Events Eurovision Song Contest nicht live vor Ort dabei sein können bzw. dürfen. Diese Regelung gilt auch für diejenigen, die einen Negativtest oder eine vollständige Corona-Schutzimpfung nachweisen können. Die Richtlinien dieser Testreihe sogenannter Fieldlab-Events sieht den Ausschluss der Ü70-Zuschauer vor.
Im letzten Jahr wurde eine gewisse Anzahl von Song Contest-Eintrittskarten an eben diese Zielgruppe ausgegeben, bis gestern sollten diese auch die Möglichkeit haben, Karten für den diesjährigen Song Contest zu kaufen. Nunmehr wurden sie von dieser Regelung der EBU ausgenommen, sollen aber im Gegenzug von den Veranstaltern mit Eurovisionspaketen, die u.a. Flaggen, Schals und Wertungstafeln enthalten, entschädigt werden, die nach Hause geliefert werden. Die übrigen Karteninhaber des Vorjahres erhalten weiterhin die Möglichkeit einen der 3.500 verfügbaren Plätze zu erhalten.
Anders als in den letzten Jahren vor der Pandemie wird der Greenroom im Ahoy von Rotterdam das Innenfeld der Halle ausfüllen, sodass die Zuschauer lediglich auf den Tribünen platziert werden können. Im Rahmen der Fieldlab-Events soll hier ein negativer Coronatest ausreichen um die gängigen Abstands- und Maskenverordnungen obsolet zu machen. Ob sich die Veranstalter mit diesen Maßnahmen Freunde machen oder der Eurovision Song Contest somit zu einem Spreading-Event werden kann, bleibt abzuwarten, die Regelungen erscheinen mir jedoch in jeglicher Hinsicht unverständlich.
Aserbaidschan - Azerbaijan - Azərbaycan - Azerbeidzjan
Hauptstadt: Baku
Einwohner: 10,1 Mio.
Tritt beim ESC an seit...: 2008
Zuständiger Rundfunk: iTV
Bestes Ergebnis: 1. Platz (2011)
Der Beitrag für den ESC 2020:
Interpret:Samira Efendi
Song:Cleopatra
Gesungen auf: Englisch
Feedback: Neben Little Big war Efendi meine Favoritin für den Eurovision Song Contest 2020, das rollende R, das japanische Mantra, das ganze Drumherum, es war eine tolle Hommage an die ägyptische Pharaonin. Damals gab es zwölf Punkte von mir und ich war hoch erfreut, dass Samira auch 2021 die Chance vom aserbaidschanischen Fernsehen erhalten hat nach Rotterdam zu fahren.
Der Beitrag für den ESC 2021:
Interpret: Samira Efendi
Song:Mata Hari
Gesungen auf: Englisch
Text & Musik: Amy van der Wel, Luuk van Beers, Tony Cornelissen, Josh Earl
Auswahlmodus: Interne Auswahl von Samira Efendi, nachdem sie bereits 2020 das Direktticket vom Sender iTV erhalten hat. Mehrere Songs waren in einer internen Auswahl dabei, die Wahl fiel auf "Mata Hari".
Tritt an im...: 1. Halbfinale von Rotterdam am 18. Mai
Über den Interpreten:Samirə Əfəndiyeva, romanisiert Samira Efendi, wurde am 17. April 1991 in Baku geboren und startete musikalisch in mehreren TV-Wettbewerben durch, darunter die Show "Yeni ulduz" im Jahr 2009 oder auch an der damaligen Vorentscheidungsshow "Böyük Səhnə" im Jahr 2014. Den größten Karrieresprung legte sie jedoch 2015 hin, als sie bei "The Voice of Azerbaijan" den dritten Platz belegte. Sie wurde zur nationalen Vertreterin beim kasachischen Musikfestival "Silk Way Star" in Almaty auserkoren und wurde auch dort Dritte. Nachdem sie bereits die Jahre zuvor immer wieder in der engeren Auswahl des Senders iTV war, wurde sie 2020 zur Teilnehmerin für den Eurovision Song Contest ausgesucht. Ihr "Cleopatra" wurde auch von Senhit eingesungen, am Ende ging der Titel jedoch in den Kaukasus.
Meine Meinung zum Beitrag:Wie schon im letzten Jahr gehen meine zwölf Punkte an Aserbaidschan. Die grandiose Mischung aus Exotik, orientalischen Ethno-Elementen und der Story über eine Femme fatale, die in Weltkriegszeiten als Spionin tätig war und um die sich Mythen ranken, verdient meinen ersten Platz. Samira hat ein Gespür dafür große Damen der Welthistorie zu besingen, schon "Cleopatra" war fantastisch umgesetzt und ich bin fest davon überzeugt, dass Aserbaidschan das Ding nach Hause holen will. Ob es für die Spitze reicht, wage ich derzeit noch zu bezweifeln, eine Top Five-Platzierung könnte je nach Performance aber drin sein. 12/12!
Feedback: Uku Suviste gewann im letzten Jahr den Eesti Laul mit einem Lied, das von vielen als ähnlich schlimm wie Tom Leebs "The best in me" bezeichnet wurde. Der Song war genauso angestaubt, wie das Mikrofon im Musikvideo, große Chancen hätte der Titel nicht gehabt. Ein Jahr später musste sich Uku erneut dem estnischen Vorentscheid stellen, eine Direktnominierung erfolgte nicht.
Der Beitrag für den ESC 2021:
Interpret: Uku Suviste
Song:The lucky one
Gesungen auf: Englisch
Text & Musik: Uku Suviste, Dimitris Kontopoulos, Sharon Vaughn
Auswahlmodus: Eesti Laul, nationaler Vorentscheid mit zwei Vorrunden und einer Finalshow am 6. März in Tallinn. Insgesamt waren zwölf Finalisten vertreten, im Superfinale setzte sich Uku mit 24.081 Stimmen gegen Sissi und Jüri Pootsmann durch, die knapp 15.000 bzw. 12.800 Stimmen erhielten.
Tritt an im...: 2. Halbfinale von Rotterdam am 20. Mai
Über den Interpreten:Uku Suviste wurde am 6. Juni 1982 in Võru geboren. Mit sechs Jahren sang er im Tallinn Boys Choir, später wurde wurde er IT-Systemadministrator, ein Jahr später studierte er an der Georg Ots School of Music und am Berklee College in Boston. Er nahm an mehreren Musikfestivals wie dem New Wave Festival und auch an der russischen Version von "The Voice" teil. 2017 folgte die Erstteilnahme am Eesti Laul, wo er mit "Supernatural" im Halbfinale ausschied. 2019 wurde er mit "Pretty little liar" Zweiter und löste schließlich im vergangenen Jahr mit "What love is" das Ticket zur Eurovision. Die Leser des Lifestyle-Magazins Kroonika wählten ihn 2010 zum "Sexiest Man of Estonia", zudem war er Teilnehmer der Tanzshow "Tantsud tähtedega" und ist UNICEF-Botschafter in Estland.
Meine Meinung zum Beitrag:"The lucky one" ist irgendwie die Fortsetzung von "What love is". Während es im ersten Song noch darum geht, eine alte Liebe neu zu entfachen, scheint die Beziehung ein Jahr später an die Wand gefahren zu sein, wenngleich sie am Ende des Videos zu ihm zurückkehrt. Uku bleibt seinem Stil treu, sein neuer Beitrag ist aber nur geringfügig peppiger als 2020. Ich finde, man kann das Lied anhören, soo sensationell wie die Votingzahlen in Estland es vermuten lassen, ist der Song aber dann auch nicht. Dafür sieht Uku blendend aus, da werden sich einige Mädels freuen. 7/12.