Dienstag, 26. Juli 2016

Ukraine: Gastgeber schon morgen bekannt [UPD]



Europa - In den erwiesenermaßen langweiligsten Monat rund um den Eurovision Song Contest platzt nunmehr die Mitteilung des ukrainischen Fernsehens NTU, dass die Präsentation der Gastgeberstadt 2017 nicht erst am 1. August sondern bereits morgen im Rahmen einer speziell hierfür angesetzten Pressekonferenz erfolgen soll.

Momentan werden die drei Städte, die noch im Rennen sind von Delegierten der Europäischen Rundfunkunion unter die Lupe genommen. Der Zuschlag fällt entweder auf Odessa, Dnipro oder die Hauptstadt Kiew. Ansonsten genießen wir weiterhin das Sommerloch. Dieser Juli liegt statistisch mitten im Querschnitt der letzten Jahre, was die Postings anbelangt, das Sommerloch wird also nicht von Jahr zu Jahr schlimmer.

Nach etwa 386 Jahren auf
Sendung geht es für "Zimmer
frei
" im September zu Ende
Dennoch suchen wir weiterhin die großen Meldungen, wie Oikotimes berichtet, wurde Carola Häggkvist kurzzeitig von der griechischen Polizei verhaftet, inzwischen ist sie aber wieder auf freiem Fuß. Dafür endet Ende September im WDR eine 20jährige Ära, "Zimmer frei" mit Christine Westmann und Götz Alsmann geht zu Ende. In der Sendung, die Spielchen und ernste Gespräche prima miteinander verband, traten diverse Eurovisions- und Vorentscheidungsteilnehmer auf. 

"Götz hat neulich zu mir gesagt, die Zimmer frei!-Jahre seien die schönsten unseres Arbeitslebens gewesen. Und wie fast immer hat er Recht. Natürlich werde ich die Sendung und ihn vermissen.", wird Christine Westermann zitiert. Und nicht einmal im ZDF-Fernsehgarten ist am Wochenende Eurovisionsalarm, Andrea Kiewel präsentiert den Mallorca-Fernsehgarten mit Ballermann-Interpreten á la Jürgen Drews, Loona und Anna-Maria Zimmermann. Freuen wir uns also morgen erst einmal auf "Kyiv 2017" oder vielleicht doch Dnipro oder Odessa?

Update [27.07.]: Mittlerweile hat sich die Meldung mit der Bekanntgabe der Ausrichtung als Ente erwiesen, NTU erklärte, die Verkündung erfolgt zum 1. August.

Montag, 25. Juli 2016

Eurofire: Leb' wohl, VHS-Kassette


Japan - Unser kleine Eurovisionsseite versteht sich ähnlich wie die Europäische Rundfunkunion als Medium, das auch einmal über die technischen Neuerungen berichtet und gemeinsam mit dem Eurovision Song Contest mit der Zeit geht. Eine Ära, die früher für technischen Fortschritt stand, geht nunmehr zu Ende, der japanische Konzern Funai Electronic kündigte an, die Produktion von VHS-Videorecordern einzustellen.

Das Medium der 90er, heute
Raritäten: VHS-Kassetten
Grund dafür ist die stark rückläufige Zahl von verkauften Geräten, im Zeitalter von DVD und BlueRay konnte das Unternehmen vergangenes Jahr nur noch 750.000 Recorder verkaufen. Die Fertigung sei nicht mehr rentabel, VHS-Kasetten werden bereits seit dem vergangenen Jahr nicht mehr produziert. Und mich lässt die Meldung nostalgisch werden, habe ich doch 1998 meinen zweiten Eurovision Song Contest auf VHS aufgenommen und die Kassette bis heute im Schrank stehen.

Gab es für mich Zeiten bis zur Einführung der Song Contest-DVDs im Jahre 2004, wo ich am Eurovisionsabend vor der Aufnahmetaste des Videorecorders hockte, um die Show aufzunehmen, fast schon panisch, falls etwas nicht klappen sollte. Im Nachhinein habe ich mir die Eurovisionsjahrgänge bis 1990 auf VHS gekauft, die Qualität ist nach über 10 Jahren allerdings nicht mehr die Beste. Das ständige Zurückspulen hat dem Band einiges abverlangt.

Meinen letzten Eurovision Song Contest habe ich 2009 auf VHS aufgenommen und mir im Nachhinein die offizielle DVD gekauft. Noch heute kann man Restbestände bei LIDL und Co. kaufen, dennoch gilt das VHS-Format nun offiziell als ausgestorben. Mittlerweile gibt es technisch ganz andere Möglichkeiten, den Wettbewerb aufzunehmen, so ein klein wenig wehmütig schaue ich dennoch zurück an die Zeiten, in der ich die Kassette zurückgespult habe.

VPS: Wir haben den EM-Link durch den Olympia-Button ersetzt. Ab sofort kann man den Medaillenspiegel von Rio de Janeiro oben unter dem grünen Tab verfolgen. Die Spiele beginnen am Freitag, den 5. August mit der Eröffnungsfeier und dem Einmarsch der Nationen. 207 NOKs sind gemeldet, erstmals dabei sind der Kosovo und der Südsudan.

Samstag, 23. Juli 2016

Brown Cocktail: Oh Tannenbaum



Europa - In dieser Woche herrschte endlich einmal richtiges Cocktailwetter in Deutschland, mit Temperaturen, die die 20 Grad-Marke locker geknackt haben und offenbar dadurch beeinflusst, stimmten die meisten User in dieser Woche für "Oh Tannenbaum". Ein Motto, das nach Zimtsternen, Weihnachtskugeln und Räuchermännchen schreit, vielmehr aber der Deckname für den slowakischen Auftritt von 2010 ist, als Kristina mit ihren Backings auftrat, die sich als Bäume verkleideten. Heute geht es um die Gimmicks beim Eurovision Song Contest.


Kristina und ihre vier Bäume
für die Slowakei 2010
Requisiten sind beim Eurovision Song Contest zur Untermalung der Botschaft des Liedes kaum mehr wegzudenken. Es gab Jahrgänge, da musste einfach irgendetwas mit auf die Bühne genommen werden, um beim Publikum Eindruck zu hinterlassen. Diesen Trend gibt es aber nicht erst seit Einführung des Televotings, sondern bereits seit seinen Anfängen, als man die Juroren noch bezirzen musste. Namenspatin dieses Beitrags ist die slowakische Sängerin Kristina Pelaková, die mit "Horehronie" 2010 in Oslo dabei war und im Vorfeld als Mitfavoritin unter den Fans galt. Das Lied handelte von den weiten Landschaften der Tatra mit ihren Wäldern. Es war daher nur logisch, die Tänzer dementsprechend zu kleiden.


Francesca Michielin und ihr
Hobbygarten, Italien 2016
Genützt hat es jedoch nicht viel, wie auch alle anderen slowakischen Beiträge seit dem Comeback 2009 schied Kristina, nicht zuletzt wegen ihrer etwas zu zarten Stimme im Semifinale aus. Die Kostüme blieben dafür in Erinnerung. Es soll aber weniger um die Kostüme gehen, sondern um die kleinen und großen Accessoires, die die Interpreten mit auf die Bühne nahmen. Ein aktuelles Beispiel ist dabei Francesca Michielin, die über zwischenmenschliche Beziehungen sang, jedoch einen ganzen Flohmarkt auf der Bühne auspackte. So stand sie auf einem kleinen Streifen Gras, hinter ihr zeigten die Italiener auf Eisenstangen aufgespießte Blumen, Obst, Kartoffeln, Sonnenbrillen oder Kleintiere.


Musik mit Müllsäcken und
Gartenhaken, Schweiz 1979
Mit dem Lied selbst hatte das nicht viel zu tun, machte die Bühne aber ein ganzes Stückchen bunter. Das man auch mit Trödel wie Francesca erfolgreich sein kann, zeigten einst die Schweizer. Immerhin 60 Punkte gab es 1979 für die Schweiz, Platz 10 für Peter, Sue & Marc, die ihr Land mehrfach in verschiedenen Sprachen vertreten haben und sich für die Darbietung von "Trödler & Co" Verstärkung von Pfuri, Gorps und Kniri holten. Dabei versuchten die Schweizer mit allerhand Tand zu musizieren, etwa mit Gießkannen und Gartenschläuchen mit denen man Töne erzeugte. Zitat: "In alten Sachen die überall steh'n, da schlafen manchmal die schönsten Ideen (...) und was in so einer Gießkanne steckt, klingt als Trompete perfekt."


Margot Hielscher trat via
Telefon mit der Welt in Kontakt
Schöne Ideen hatten auch die deutschen Interpreten, sogar schon wesentlich früher. Die von mir hoch verehrte Margot Hielscher hatte schon beim zweiten Eurovision Song Contest die Macht der Requisiten erkannt. So brachte sie neben internationalen Sprachfetzen auch ihren Festnetzanschluss zum Song Contest nach Frankfurt mit ("Telefon, Telefon") und hielt bedeutungsschwanger den Telefonhörer in die Kamera. Im Folgejahr durfte Margot noch einmal für die Bundesrepublik starten, verkleidet als Miss Jukebox. Sie sang "Für zwei Groschen Musik" und zeigte, wie andere Leute ihre Dias verschiedene Schallplatten ins Objektiv. Margot Hielscher, die mittlerweile weit über 90 Jahre alt ist, erreichte den vierten und siebten Platz.


Heute sind wir mal ein bisschen
blöd: Mouth & McNeal (1974)
Manchmal bringen auch die kleinen Gimmicks eine ganze Menge, es muss nicht immer ein brennendes Klavier wie bei Paula Seling & Ovi oder The Makemakes sein, es kann schon eine Hand voller Glitzer, die man in die Kamera pustet, reichen, wie es etwa Ira Losco 2002 in Tallinn tat und damit Zweite wurde. Oder die belgische Gruppe Telex, die ihren Titel "Eurovision" mit einer Schalchoreographie unterlegten, sowie Mouth & McNeal aus den Niederlanden, bei denen der Sänger zu "I see a star" mit einer Puppe herumhampelte oder Teach-In, die Sieger von 1975, die zum Ende eine Christbaumkugel zerschlugen. A Friend In London kickten 2011 einen großen Plastikball ins Auditorium in Düsseldorf und auch Guildo Horns Glockensolo in Birmingham, bei dem er mit Kuhglocken bimmelte, ist heute fast schon eine dezente Einlage. Im Laufe der Jahre wurden die Requisiten teilweise zu ganzen Bühnenbildern.


Kalomoira, hier bei der Probe,
brachte das Umbaukonzept
ziemlich durcheinander
Der Sieg von Dima Bilan 2008 beispielsweise war eine einzige Requisitenshow, hatte man doch den ungarischen Stargeiger Edvin Marton und einen russischen Eiskunstläufer namens Yevgeni Pluschenko auf einer Trockeneisplatte im Schlepptau. Der Eurovision Song Contest 2008 in Belgrad war ein Festival für Requisiten, auch die griechische Sängerin Kalomoira nutzte den Trend für sich und brachte ein großes blumenbesetztes Herz mit. Eigens dafür musste vor dem letzten Beitrag im Semifinale zwischen Russland und Griechenland eine kurze Umbaupause vorgenommen werden, die die Moderatoren überbrückten. Auch die Zweitplatzierte Ani Lorak aus der Ukraine ließ sich nicht lumpen und brachte vier Spiegelboxen mit, in denen ihre sexy Tänzer stecken. 

Mit zu viel Krimskrams kann man allerdings auch im Semifinale steckenbleiben. So landete Dustin the Turkey aus Irland mit seinem "Irelande douze points" auf den Restplätzen. Der nicht sichtbare Sänger von Kunstfigur und Handpuppe Dustin saß in einem Einkaufswagen, über den eine kunstvoll verzierte Schreibtischplatte mit allerlei Ramsch gestülpt wurde. Auch hatten die Esten das Nachsehen, die ihren völlig durchgeknallten Titel "Leto svet" auf Serbisch, Finnisch und Deutsch sangen und mit versinnbildlichenden Schildern garnierten, auf denen u.a. Zwiebeln oder Käse zu sehen war. Mitgebrachte Transparente beim Song Contest sind kein Erfolgsgarant, sowohl der Protestsong aus Portugal 2011 als auch der Titel "Euro Neuro" aus Montenegro, bei dem auch noch ein trojanischer Esel dabei war, schieden im Halbfinale aus.

Einige mitgebrachte Requisiten von Eurovisionsteilnehmern:
- Farid Mammadov, Aserbaidschan 2013 (Glaskasten für Tänzer) 
- Eva Rivas, Armenien 2010 (Urne, Springbrunnen und Aprikosenbaum) 
- Ruslan Alekhno, Weißrussland 2008 (fahrbare Leuchtkugeln) 
- Las Ketchup, Spanien 2006 (Schreibtischstühle) 
- Zdob si Zdub, Moldawien 2011 (Spitzhüte und Einrad) 
- Rebeka Dremelj, Slowenien 2008 (Hundeleinen und Motorradhelme) 
- Alex Swings, Oscar Sings, Deutschland 2009 (aufblasbares Lippensofa) 
- Peter Nalitch & Friends, Russland 2010 (Foto der verflossenen Liebe) 
- 4fun, Litauen 2007 (Schattenwand) 
- Kraljevi Ulice & 75 Cents, Kroatien 2008 (Blutkonserven und Turntable) 
- The Jet Set, Polen 2007 (Käfig)*
- Sieneke, Niederlande 2010 (Drehorgel) 

*Neben Polen setzten auch die Türkei 2011 mit Yüksek Sadakat und Zypern 2016 mit Minus One auf Käfige


Eric Papilaya, mit dem Red
Ribbon für Österreich (2007)
Die Liste von Requisiten lässt sich beliebig fortsetzen. So brachte Alf Poier 2003 aufgrund der Bestimmung, dass lebende Tiere auf der Song Contest-Bühne nichts zu suchen haben eine Auswahl von Papptieren mit, die Österreich bis auf Platz sechs brachten. Österreich versuchte sich vier Jahre später mit Eric Papilaya, der den offiziellen Song zum Life Ball, einer AIDS-Charity in Wien vorstellte und eine große rote Schleife aus Federn auf die Bühne schleppte, in der sogar noch die Tänzer versteckt wurden. Puppen und Kerzenständer brachte auch DJ Bobo 2007 mit. DJ Bobo ist vor allem für seine pompösen Bühnenshows bekannt, die von zahllosen Tänzern begleitet werden. In Helsinki durfte er jedoch nur noch fünf Backings mitnehmen, sodass das Rest seiner Vampirformation durch Wachsfiguren aufgefüllt wurde. DJ Bobo ging ähnlich wie Eric Papilaya im Semifinale unter.


Zdob si Zdub und ihre
trommelnde Großmutter
Ein Moment, der bis heute positiv in Erinnerung geblieben ist, ist die trommelnde Oma der Moldawier 2005 beim Debüt in Kiew. Es war ein sehr kluger Schachzug der Gruppe Zdob si Zdub die in Tracht gekleidete Lidia Bejenaru als Großmutter mit auf die Bühne zu holen, zunächst saß sie in ihrem Schaukelstuhl und beobachtete das Geschehen, später schlug sie ausgelassen auf die Trommel. Damals gab es den sechsten Platz für den moldawischen Einstand, ein Ergebnis, das das Land bis heute nicht mehr erreicht hat. Großmütter kommen immer gut an, 2012 schickte Russland die sechs udmurtischen Grannies von Buranovskiye Babushki nach Baku. Platz zwei gab es für die Damen, die neben ihrem Lied auch noch die Zeit fanden, Brot im Steinofen zu backen, den man natürlich prominent auf der Bühne in Szene setzte.


Viel Show in drei Minuten:
Laka für Bosnien-Herzegowina
Gerade osteuropäische Nationen bedienten sich an Gimmicks, Laka aus Bosnien-Herzegowina hatte 2008 neben einem Rudel Bräute auch noch eine Wäscheleine dabei, ein lebendes Huhn, wie bei der Präsentation seines Beitrags in Bosnien, wurde von der EBU verboten. Die Ukraine steuerte 2009 eine Höllenmaschine, ein großes Metallungeheuer bei, das rauchte, blinkte und sich im Kreis drehen konnte. 2014 musste der Sänger von Maria Yaremchuk im großen Hamsterrad Kalorien verbrennen, im gleichen Jahr zeigten Donatan & Cleo die Reize polnischer Frauen, die sich am Waschbrett und bei der Butterherstellung recht offenherzig vergnügten. Der Auftritt von den Pirates of the Sea aus Lettland 2008 war ohnehin ein einziges Gimmick, die Piraten um Leadsänger Roberto Meloni hatten sich nicht nur maskiert, sondern u.a. auch ein Steuerrad dabei.


Bei British Airways wollte
sie wohl niemand mehr haben
Etwas verloren wirkten hingegen einige westeuropäische Versuche, Osteuropa die Stirn zu bieten. Les Fatals Picards 2007 beispielsweise hatten außer einer Nackenrolle in Form einer Katze, aufgenäht auf die Schulter eines Bandmitgliedes nichts entgegenzusetzen. Auch die britischen Flugbegleiter von Scooch wirkten mit ihren Servierwagen mit aufgedruckten Landesflaggen sämtlicher Teilnehmer und ihren Nüsschen sowie zwei Flaschen Champagner ziemlich hilflos. Ein ähnliches Resultat gab es für die dänische Dramaqueen DQ, die eine übergroße Krone dabei hatte oder The Ark aus Schweden, deren Leadsänger Ola Salo sich auf einer Drehscheibe räkelte. Erfolgreicher war im gleichen Jahr die Slowenin Alenka Gotar, die sich eine Leuchtdiode in die Hand einpflanzen ließ und damit schaurig vor ihrem Gesicht herumwedelte.

Der Eurovision Song Contest hat seinen Schwerpunkt offiziell auf dem musikalischen Aspekt, allerdings steht es jedem Land frei, seine Performance mit jeglichem Schnickschnack zu verschönern. Selbst das kleine San Marino hat bei Valentina Monettas dritter Performance ein großes Bettlaken in eine Muschel verwandelt. Bei der Verwendung von Gimmicks kann weniger jedoch manchmal mehr sein. Wenn das Lied eine Katastrophe ist, hilft auch das Ablenken durch die Show nichts, ein perfektes Beispiel hierfür ist der georgische Beitrag von 2014, als die Gruppe The Shin einen Paraglider mit auf die Bühne brachte, der so fehl am Platz wirkte, wie Lordi bei "Kinderquatsch mit Michael". Und genau von dieser Sendung hat der Eurovision Song Contest manchmal eine ganze Menge.



Poll: Sieben Cocktails wurden mittlerweile ausgeschenkt, sechs habe ich noch auf der Karte. Für kommenden Samstag könnt ihr nun wieder für folgende Mottos abstimmen: "Quattro Stagioni", "Alpha & Omega", "Fashion Queen", "Silver Convention", "Vintage Week" und "Shamrock". Zur Abstimmung hier entlang.

Freitag, 22. Juli 2016

Ukraine: Lviv raus, Kiew, Odessa und Dnipro weiter



Ukraine - ...und so schnell kann es gehen, die mitfavorisierte Stadt Lviv, die innerhalb der Ukraine neben der Hauptstadt Kiew recht gut im Rennen um die Austragung des Eurovision Song Contests lag. Der Sender NTU stellte heute die drei Vorschläge an die EBU vor, die Stadt in der Westukraine ist nicht mehr dabei.

Stattdessen präsentierte das staatliche Fernsehen NTU die Hauptstadt Kiew, sowie die beiden Städte Dnipro und Odessa. Gleichzeitig bedeutet dies auch das Aus für Cherson und Charkiw. Ursprünglich sollten der EBU nur zwei Vorschläge präsentiert werden, offenbar behält sich die Ukraine einen Notfallplan C in der Hinterhand. Wo der Wettbewerb 2017 stattfindet entscheidet sich am 1. August.

Gestern debattierten Vertreter der Städte noch über ihre Vorteile, den Wettbewerb in ihre Stadt zu holen. Erstmals in der Geschichte des Eurovision Song Contests gab es ein solches Fernsehduell, in dem sich die Bewerber öffentlich vorstellen. Das letzte Wort hat schlussendlich jedoch die EBU, die ein gutes Nahverkehrsnetz und ausreichend Hotelkapazitäten fordert, was der Hauptstadt Kiew die besten Chancen einräumt.

Donnerstag, 21. Juli 2016

Kommentar: Sommer-Overkill, Ostukraine und etwas Musik


Europa - Spätestens seitdem ich gestern Abend auf dem Weg nach Hause am Jungfernstieg 31°C auf dem Thermometer gesehen habe und die Stadt unter der Hitzeglocke vor sich hinsiecht, kann ich nur bescheinigen, dass der Sommer definitiv angekommen ist. Und gleichzeitig bringt er auch die Leere mit, die jedes Jahr auf's Neue die Eurovisionswelt brach liegen lässt. Bis wir unseren ersten Medaillenspiegel aus Rio posten können, dauert es auch noch zwei Wochen...

Hat das Slavianski Bazar-Fes-
tival gewonnen: Alexey Gross
Nutzen wir die Zeit also, einmal nach Weißrussland zu blicken. Das Land, das beim Eurovision Song Contest immer irgendwo zwischen Fremdschämen und billigen Europop-Nummern einzuordnen ist, veranstaltete in dieser Woche zum 25. Mal das Slavianski Bazar-Festival in der Stadt Wittebsk und kann auch auf einige internationale Gäste zurückblicken, die in der Vergangenheit teilgenommen haben. Eben dort siegte kürzlich Alexey Gross, den wir bereits von Vorentscheiden für die Eurovision kennen.

Alexey ist der fünfte Weißrusse, der das Festival für sich entscheiden konnte, wenn auch nur mit einem knappen Vorsprung vor dem Kasachen Adam. Zuletzt hatte Alyona Lanskaya die Trophäe in Weißrussland verteidigt. Neben dem musikalischen Wettbewerb finden in der Stadt auch eine Reihe von Theater- und Filmvorführungen statt. "Die Stadt verändert sich während des Festivals. Die Veranstaltung lockt ungefähr 150.000 Besucher an.", erklärt der Veranstalter Aleksander Sidorenko. 

Zum musikalischen Talent der weißrussischen Interpreten hat sich im Zuge des Festivals auch der Song Contest-Sieger von 2009, Alexander Rybak gemeldet, der selbst aus Minsk stammt. "Sie wachsen, sie werden immer bekannter und weltoffener. Ich glaube, Weißrussland ist weit vor allen anderen osteuropäischen Ländern. Sie sind bereit für die ganze Welt.", wird er zitiert. Wann genau dieses Talent zum Eurovision Song Contest herüberschwappt, bleibt allerdings abzuwarten, für 2017 gibt es vom Sender BTRC bisher noch keine Rückmeldung.

Auch in Deutschland ist es ruhig geworden um den Wettbewerb, bislang gibt es keinerlei Informationen zu einem deutschen Vorentscheid im nächsten Jahr, nur eine formlose Bestätigung der Teilnahme in der Ukraine wurde bisher ausgegeben. Damit ist Deutschland momentan auf dem gleichen Stand wie etwa Irland oder Österreich. Stattdessen hat das isländische Fernsehen RÚV mittlerweile verlauten lassen, dass man höchstwahrscheinlich im nächsten Jahr dabei ist, final festlegen wollte man sich in Reykjavik noch nicht, es ist aber offenbar nur eine Formsache, bis die offizielle Bestätigung erfolgt.

Momentan wird übrigens im ukrainischen Fernsehen darüber diskutiert, welche der sechs Bewerberstädte die besten Voraussetzungen für die Ausrichtung des nächsten Eurovision Song Contests bietet. Cherson, Charkow, Lviv, Dnipro, Kiew und Odessa haben sich offiziell beworben, morgen präsentiert der Sender NTU, welche beiden Destinationen als Vorschläge bei der EBU eingereicht werden. Nach dem Sichten der Gegebenheiten vor Ort, wird die Entscheidung des Austragungsortes am 1. August erfolgen. Als realistisch dürften dabei die Initiativen von Kiew und Lviv gelten. Die einzige größere Stadt, die kein Interesse hat, ist Donezk, die größte Stadt in der politisch umstrittenen Ostukraine.

Auch in Donezk geht das Leben
weiter: mit DonMak
Das Sommerloch hat auch etwas Gutes, es wird nicht über die politischen Elemente beim Eurovision Song Contest diskutiert. Nach dem Sieg von Jamala gab es einen kurzen Aufschrei und Worte der Ablehnung, sowohl auf ukrainischer als auch auf russischer Seite. Heute kommt davon in den westeuropäischen Medien nichts mehr an, in der Nähe von Donezk finden nach wie vor Gefechte statt, auch wenn sich in der Stadt eine Art der Normalität einkehrt. Der Flughafen von Donezk ist eine einzige Ansammlung von Schutt, viele Geschäfte sind mit Holzplanken zugenagelt, viele westliche Filialen sind abgezogen. So wurde aus den Restaurants von McDonalds beispielsweise die provisorische Kette DonMak. 

Meine Theorie: Wir stehen
auch 2017 wieder im Regen
Spätestens wenn die Bekanntgabe der ausrichtenden Stadt die Runde machen wird, wird es auch wieder politische Diskussionen um die Ukraine geben. Am Ende wird es so sein, dass Russland aus Prinzip einen Beitrag schickt, dem durchaus ein politischer Unterton beizumessen sein wird, die EBU wird bekräftigen, dass der Wettbewerb in Kiew oder wo auch immer gesichert ist und den Standards gerecht wird, Deutschland wird sich bei seinem Vorentscheid vergreifen, am Ende wird Barbara Schöneberger von der Reeperbahn unserem Kandidaten, der ca. auf Platz 19 landet, den Rücken stärken. Kurz vor dem Song Contest wird es dann um Menschenrechte gehen, um die Krim, um die Frage ob das Lied aus Ungarn, Litauen, Finnland ein Plagiat ist, Song Contest-Insider werden absurde Theorien aufstellen und Griechenland wird es wieder ins Finale schaffen. 

Manche Dinge sind einfach vorhersehbar, manchmal sind lieb gewonnene Traditionen einfach nicht wegzudenken. Auch wenn es früher darum ging, was wir den Österreichern getan haben, dass sie uns mit einem Punkt abstrafen, heute geht es darum, ob die schwule Community in der Ukraine sicher ist und ob man den Wettbewerb in einem Land stattfinden lassen darf, das scheinbar unregierbar und zerrüttet ist. Bis es soweit ist, wabert die deutsche Nachrichtenlandschaft zwischen Randmeldungen wie der Nominierung von Richter Alexander Hold für das Bundespräsidentenamt, wird Russland-Bashing rund um die Olympischen Spiele betrieben und der Türkei nach und nach die demokratische Führung abgesprochen. 

Zuletzt häufiger im TV als
die Krim: Antoine Griezmann
Europa trifft sich 2017 nach abgeflauter Flüchtlingskrise, Terroranschlägen in diversen Ländern, dem Brexit und der Europameisterschaft, die Antoine Griezmann nicht im eigenen Land halten konnte unter schwierigen Bedingungen. Man hat ein bisschen das Gefühl, Europa befindet sich in einer Art Wachkoma, hoffen wir, dass der Eurovision Song Contest wenigstens an den drei Abenden seiner Austragung ein bisschen das Wir-Gefühl aufkommen lässt, dass Toto Cutugno 1990 in Zagreb besungen hat oder wie es sogar eine Stadt in Weißrussland vermittelt, einem Land, dass bei vielen Menschenrechtlern auf dem Index steht. Selbst dort schafft man es, fröhliche und nicht inszenierte Musikshows zu veranstalten, warum sollte das dann nächstes Jahr nicht auch in der Ukraine möglich sein?