Donnerstag, 5. September 2019

Beyond Eurovision (32): El Salvador



El Salvador - Wir kehren zurück auf den amerikanischen Kontinent. 25% der Bevölkerung des kleinsten mittelamerikanischen Landes wollen aufgrund der anhaltenden Kriminalität auswandern, viele von ihnen verschlägt es via Mexiko in die USA. Noch heute ist die Bandenkriminalität dafür verantwortlich, dass das Land im Ranking der Tötungsdelikte vor Honduras auf dem ersten Rang liegt. 1821 wurde es von Spanien unabhängig und war bis 1839 Teil der Zentralamerikanischen Konföderation. Danach wurde die Politik lange Zeit durch das Militär geprägt.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
San Salvador
Sprachen
Spanisch
Fläche
21.041km²
Währung
US-Dollar ($), Colon ()
Einwohner
7,3 Mio.
Internet-TLD
.sv
Zeitzone
UTC -6
Wiki-Info

Die Mehrheit der Einwohner sind Mestizen, also Nachkommen von Europäern und mittelamerikanischen Indos. Daraus hat sich eine eigene Kultur entwickelt, die das Erbe der Mayas und europäische Einflüsse impliziert. Vor einem halben Jahrhundert setzte dann eine neuartige Musikrichtung ein, die in El Salvador als "Nueva Cancion" bekannt ist und häufig soziale Missstände und politischen Unmut thematisiert. Neben den gesellschaftskritischen Texten hat sich aber auch eine fröhliche Popkultur entwickelt.

Einer dieser Interpreten ist Arquímedes Reyes, geboren als Arquímedes Adalberto Reyes Torres im Jahr 1981 in San Alejo als jüngstes von zehn Kindern. Er strebte schon früh eine musikalische Karriere an, seine Mutter brachte er mit seinem Gesang gar vor Rührung zum Weinen. Bekannt wurde er im eigenen Land und den benachbarten Republiken Zentralamerikas durch die zweite Staffel der Castingshow "Latin American Idol". Dort sang er sich bis auf den vierten Platz vor.

Nebenbei studierte er an der University of El Salvador, brach das Studium aber zunächst zugunsten seiner Musikkarriere ab. Einer seiner bekanntesten Titel ist der Song "Más que tu amigo" ("Mehr als nur dein Freund"), den ich mir hier heute auch zur Vorstellung herausgesucht habe. Wie bei vielen anderen Teilnehmern von Castingshows ist auch Arquímedes mittlerweile etwas ruhiger geworden, offenbar folgten noch einige weitere Veröffentlichungen und Auftritte, die ganz große Karriere blieb ihm allerdings bisher verwehrt.

Arquímedes Reyes - Más que tu amigo

Deutschland: Schweigen auf ganzer Linie



Deutschland - Kurz nach dem Song Contest in Tel Aviv schrieb ich, dass ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber den deutschen Vorentscheid erneut auf den Prüfstand stellen wird. Seitdem, es war am 19. Mai, herrscht Funkstille zwischen dem zuständigen NDR, den Medien und der Außenwelt. Keinerlei Informationen sind bisher zur deutschen Song Contest-Teilnahme nach außen gedrungen. Bekannt ist lediglich, dass hinter den Kulissen fleißig nach einer neuen Jury gesucht wird.

Wie ESCxtra.com meldet, hat der NDR-Partner Simon + Kucher heute E-Mails an die Jurybewerber verschickt, ob sie für die Auswahl des deutschen Beitrags infrage kommen oder nicht. Seit April, also schon lange vor Tel Aviv, konnte man sich für das Panel bewerben, das in den letzten beiden Jahren immerhin 33% des Endergebnisses ausmachte und von Fans besetzt wurde, dessen Musikgeschmack nach einem analytischen Verfahren den Querschnitt der Eurovisionszuschauer widerspiegelt.

Dennoch findet man auf den offiziellen Song Contest-Seiten des NDR weiterhin keinerlei Informationen, nach welchem Schema der Vorentscheid stattfinden wird und ob das bisher genutzte Konzept, durch das Michael Schulte und die S!sters entdeckt wurden, auch 2020 wieder zum Einsatz kommen wird. Sobald wir nähere Informationen haben und der NDR sein Schweigen bricht, werden wir natürlich darüber berichten. Bis dahin gilt der Wortlaut von Thomas Schreiber: "Für 2020 werden wir den Weg, auf dem Deutschland sein Lied und seine Künstler sucht, überdenken."

Lettland: Supernova-Produzentin tut Diskussionen ab



Lettland - "Stark übertrieben" nennt die Produzentin des nationalen Vorentscheids die entbrannte Diskussion in Lettland um das Gesundschrumpfen bzw. völlig zusammenstreichen der Supernova, die in den letzten Tagen von lettischen Medien verbreitet wurde. Ilze Jansone erklärte: "Die Reden über das Ende der Supernova" seien völlig übertrieben. Der Sender LTV hatte die Meldung selbst gestreut, nachdem LTV-Sprecher Ivars Priede über die Song Contest-Teilnahme 2020 sprach.

Die Kosten für das alljährliche Song Contest-Paket vom Vorentscheid bis zum fertigen Bühnenauftritt bei der Eurovision bezifferte Priede auf rund 300.000 Euro. Er schloss nicht aus, dass der Vorentscheid stattfinden könne, derzeit sei der Weg Lettlands nach Rotterdam aber noch nicht festgelegt, hieß es weiter. LTV hat, wie andere Rundfunkanstalten in Europa auch, mit staatlichen Budgetkürzungen zu kämpfen. Bislang sei aber noch gar nichts entschieden. 

Gleichzeitig sagte Ilze Jansone, der Vorentscheid koste ja nicht nur Geld, sondern bietet neben der Plattform für Künstler die Möglichkeit durch digitalen Vertrieb und Marketingrechte Geld einzunehmen. Zuletzt erklärte sie, man sei nicht beschämt in den letzten Jahren nicht das Finale der Eurovision erreicht zu haben. Man sei stolz, würdige Vertreter zu finden, die das Land würdevoll in Europa repräsentieren. Lettland steht derzeit auf der provisorischen Teilnehmerliste für Rotterdam.

Beyond Eurovision (31): Elfenbeinküste



Elfenbeinküste - 1960 erlangte die Côte d'Ivoire, die Elfenbeinküste, von Frankreich ihren Unabhängigkeit und erlebte durch die Exportgewinne aus Kaffee- und vor allem der Kakaoproduktion unter Präsident Félix Houphouët-Boigny relativen Wohlstand. Nach dem Preisverfall kam es im Land zu einem Bürgerkrieg, der das Land in einen islamisch geprägten Norden und einen christlichen Süden splittete. Mittlerweile herrscht in dem Land, das seinen kolonialen Namen behalten hat, ein fragiler Frieden.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Yammousoukro
Sprachen
Französisch
Fläche
322.463km²
Währung
CFA-Franc (XOF)
Einwohner
23,7 Mio.
Internet-TLD
.ci
Zeitzone
UTC
Wiki-Info

Neben der Verkehrs- und Amtssprache Französisch sprechen die Ivorer je nach Zugehörigkeit eine von über siebzig verschiedenen Sprachen, die am weitesten verbreiteten sind Dioula und Baoulé. Die Plantagenwirtschaft macht das Land heutzutage zu einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Afrikas. Die Vielzahl an Volksgruppen im Land sorgt auch für eine hohe kulturelle Diversität, vom polyphonen Gesang bis zu vorkolonialen Musikinstrumenten wie Trommeln, Hörnern und Xylophonen ist alles vertreten.

Für unseren heutigen musikalischen Beitrag reisen wir zurück in das Jahr 1995. Damals veröffentlichte Monique Séka, den Titel "Okaman", der ein wenig nach den Übersee-Experimenten Frankreichs Mitte der 90er Jahre beim Eurovision Song Contest klingt. Monique wurde 1965 geboren und trägt den stolzen Spitznamen "Queen of Afro-Zouk Music". Mit Zouk lässt sich auch ihr musikalisches Schaffen bezeichnen. Zouk ist eigentlich ein Musikstil, der seine Wurzeln auf den französischen Karibikinseln Guadeloupe und Martinique hat, aber auch nach Afrika hinüber geschwappt ist.

Inzwischen sind acht Alben von Monique erschienen, 1985 kam mit "Tantie affoué" das erste heraus. Eng verbunden ist sie mit dem Radioproduzenten Dominique Richard, den sie 1995 auch heiratete. Er ist der Gründer der ersten afro-karibischen Radiostation Radio Sun mit Sitz im französischen Lyon. Noch heute sind die beiden ein Paar, 1998 kam die gemeinsame Tochter Carolyn zur Welt. Monique tritt nach wie vor öffentlich auf, ist in der Elfenbeinküste ein gefeierter Star und trägt das musikalische Erbe ihres Landes inzwischen auch im Ausland vor. So war sie bereits mehrfach in Europa auf Tournee.

Monique Séka - Okaman

Mittwoch, 4. September 2019

Lettland: Sparmaßnahmen beim lettischen Fernsehen



Lettland - Wie lettische Medien berichten, stehen die momentan veranschlagten 300.000 Euro für die Song Contest-Teilnahme in Rotterdam und die Organisation eines nationalen Vorentscheids derzeit noch nicht zur Verfügung. Wie auch in anderen Ländern sieht sich der Sender LTV gezwungen, durch Sparmaßnahmen besser mit seinem vom Staat zur Verfügung gestellten Geldern umzugehen. Sollte es tatsächlich zu keiner Übereinkunft kommen, so wird der Rotstift wohl am nationalen Vorentscheid, der Supernova, angesetzt. 

Lettland hat seine Teilnahme für Rotterdam zunächst bestätigt und befindet sich auf der vorläufigen Teilnehmerliste, die bis zur Deadline durch die Europäische Rundfunkunion keinen offiziellen Charakter hat. Bis Anfang Oktober gilt es die Teilnahme festzuzurren. Schon 2009 hat das lettische Fernsehen zeitweise die Bestätigung zurückgezogen, nachdem man die hohen Teilnahmegebühren nicht zahlen konnte. Ivars Priede von LTV erklärte gegenüber dem lettischen Parlament, dass eine Budgetkürzung Folgen für das gesamte Programm des Senders hätte.

LTV ist seit 2000 beim Eurovision Song Contest vertreten und hat den Wettbewerb 2003 nach dem Sieg von Marie N in Riga veranstaltet. Trotz starker Anfangsjahre sind die Platzierungen mittlerweile deutlich schlechter geworden. In diesem Jahr reichte es für die Gruppe Carousel in Tel Aviv nur für den 15. Platz im Halbfinale mit dem Titel "That night". In den nächsten Tagen und Wochen werden wir natürlich darüber berichten, ob und in welchem Umfang ein nationaler Vorentscheid veranstaltet wird und die Song Contest-Teilnahme gesichert bleibt.