Dienstag, 3. September 2019

Beyond Eurovision (30): Nordirland



Nordirland - Um die Vielfalt des United Kingdom zu präsentieren, habe ich mich entschlossen, das Land in seine Bestandteile zu zerlegen. So beginnen wir mit Nordirland, dem Teil der Insel Irland, die seit Jahrzehnten umstritten ist und die sich, ähnlich wie Schottland, mehrheitlich, wenn auch nur knapp, gegen den Ausstieg aus der Europäischen Union entschieden hat. Befürchtet werden nach einem Austritt, dass die Konflikte, wie es sie in den 90er Jahren gab, wieder aufflammen könnten.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Belfast
Sprachen
Englisch, Irisch, Scots
Fläche
13.843km²
Währung
Pfund Sterling (£)
Einwohner
1,9 Mio.
Internet-TLD
.uk
Zeitzone
UTC
Wiki-Info

Trotz allem ist Nordirland auch eine Reise wert, es gibt urige kleine Städtchen, wilde Basaltformationen wie den Giant's Causeway und viel Grün. Eine eigene Flagge führt Nordirland seit den 70er Jahren nicht mehr, die die wir hin und wieder bei Fußballspielen zu sehen bekommen, ist die Red Hand Flag of Ulster, die weiterhin in Verbundenheit zum Vereinigten Königreich Anwendung findet, allerdings keinen offiziellen Status mehr hat. Musikalisch war dies der schwierigste Teil des Vereinigten Königreichs, großartig bekannte Interpreten habe ich nicht gefunden.

Mit Clodagh Rodgers hat die Region aber schon eine Eurovisionsvertreterin entsendet, 1971 vertrat sie mit "Jack in the box", komponiert von John Worsley das Vereinigte Königreich in Dublin. Sie belegte dort den vierten Platz. Nach wie vor ist sie musikalisch aktiv, ihr Titel "Come back and shake me" wurde beispielsweise in der Serie "Queer as folk" verwertet. Sie selbst spielte im ITV-Drama "The Bill" mit. Um sie soll es hier heute aber nicht gehen, sondern um die Gruppe Girls Aloud, die ebenfalls bei ITV ihre Karriere begannen, 2002 wurden sie während der Talentshow Popstars zusammengestellt.

Zu den Mitgliedern der inzwischen aufgelösten Gruppe zählte Cheryl Ann Tweedy, Sarah Harding, Nicola Roberts, Kimberley Walsh und Nadine Coyle, die das Kriterium erfüllt, hier heute vorgestellt zu werden, stammt sie doch aus Derry in Nordirland. Die 34jährige ist mittlerweile solo unterwegs, eine Tour im Jahr 2018 musste allerdings abgesagt werden, da es ihrer Meinung nach unmöglich war, das zu erreichen, was sie sich vorgenommen hat. Offenbar lief es bei Girls Aloud doch bedeutend besser als auf Solopfaden. Drum wollen wir heute an eine ehemalige Girlband erinnern, standesgemäß dem Motto "Girl overboard".

Girls Aloud - Girl overboard

News-Splitter (765)



Belgien - In Belgien wird bekanntermaßen wieder hinter verschlossenen Türen ein Vertreter für den Eurovision Song Contest gesucht. Wie der flämische Sender VRT nun gegenüber songfestival.be mitteilte, sei man derzeit in Verhandlungen mit den Wunschkandidaten für Rotterdam, so Musikkoordinator Gerrit Kerremans. Es ginge nicht um den erstbesten Kandidaten sondern um die Nummer Eins der VRT-Wunschliste. Wer genau dies sei ließ man allerdings offen. So erklärte Kerremans: "Ich freue mich, ein neues Talent zu fördern, aber das ist bestimmt nicht zwingend erforderlich." Erst sobald der Künstler feststeht, wolle man beim flämischen Fernsehen nach einem geeigneten Song suchen.

Schweiz - "Die Schweiz ist 2020 wieder dabei und setzt auf das Auswahlverfahren vom «ESC» 2019.", heißt es in der öffentlichen Ausschreibung des Schweizer Fernsehens in Bezug auf den Eurovision Song Contest im nächsten Jahr. Gemeinschaftlich suchen die Sender SRF, RTS, RSI und RTR den Vertreter für Rotterdam. Das bewährte Prinzip, nach dem in diesem Jahr Luca Hänni ausgewählt wurde, besteht aus einem 100köpfigen Fan-Panel und einer 20köpfigen internationalen Fachjury. Bis zum 16. September um 12 Uhr können sich interessierte Künstler und Komponisten nun melden. Nähere Informationen zum Schweizer Auswahlverfahren gibt es hier in diversen Sprachen.

Island - Wir erinnern uns an die Palästina-Schals, die Hatari im Finale in die Kamera hielten und die aus dem DVD-Material geschnitten wurden. Die EBU kündigte Konsequenzen für den isländischen Sender RÚV an. Konkrete Maßnahmen wurden bislang allerdings nicht eingeleitet. Wie Eurovoix.com nun meldet, steht der Teilnahme Islands in Rotterdam aber scheinbar nichts im Wege. Eine offizielle Bestätigung durch RÚV wird im Laufe des Monats erwartet, ob die Reference Group den Sender aufgrund des politischen Statements von Tel Aviv mit einer Geldstrafe oder anderweitig sanktionieren wird, ist bisher unbekannt. Für gewöhnlich erfolgt lediglich eine Ermahnung des Senders, wie etwa 2016 bei Iveta Mukuchyan, die die Flagge von Bergkarabach in die Kamera hielt.

Sonntag, 1. September 2019

Beyond Eurovision (29): Laos



Laos - Frieden, Unabhängigkeit, Demokratie, Einigkeit und Wohlstand, das sind die Dinge, die sich die Demokratische Volksrepublik Laos als Wahlspruch auf die Fahne geschrieben hat. Dabei ist gerade der Zusatz "Demokratisch" umstritten, handelt es sich bei dem südostasiatischen Binnenland um einen Einparteienstaat, in dem die marxistisch-leninistische Volkspartei seit Jahren die Zügel fest in der Hand hat und auch den Zusammenbruch des Ostblocks überstanden hat. Anders als die Nachbarländer Thailand oder Vietnam ist Laos bisher vom großen Touristenansturm verschont geblieben.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
Vientiane
Sprachen
Laotisch
Fläche
236.800km²
Währung
Laotischer Kip (K)
Einwohner
7,0 Mio.
Internet-TLD
.la
Zeitzone
UTC+7
Wiki-Info

Das macht das Land nicht minder interessant, so hat sich das Land bisher mehr oder weniger erfolgreich von äußeren Einflüssen, auch was die Musikkultur angeht, freigehalten. Man hört von eigenen Musikstilen, die in den Dorfgemeinschaften gepflegt werden und von traditionellen Instrumenten wie dem Khong Vong, einem Gong oder dem Rohrblattinstrument Pey. Trotz allem hält aber auch in Laos die Popmusik mehr und mehr Einzug. Unter anderem hat die 1987 in Bulgarien geborene Sängerin Alexandra Bounxouei, die einen laotischen Vater hat, einen nicht zu verachtenden Einfluss auf die moderne Musikszene. Sie wuchs in der Hauptstadt Vientiane auf und wurde durch ihren Vater auf einen musikalischen Pfad gebracht. 

Bereits mit 16 Jahren erschien ihr Debütalbum, zugleich genoss sie in verschiedenen Ländern eine professionelle Musikausbildung. Seit 2011 ist sie kommerziell aktiv, ihr größter Erfolg, der auch die Grundlage für ihre Touren durch andere Länder in der Region wie Thailand, Kambodscha, Korea oder Japan legte, war der Titel "My radio", den wir hier heute auch vorstellen. Dabei kommt es ihr sicher auch zu Gute, dass sie neben Laotisch und Bulgarisch fließend Englisch, Thailändisch und Japanisch spricht. Seit 2013 ist sie zudem als Botschafterin für das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNPD) tätig und weist insbesondere auf die Gefahr von Landminen in Laos hin. 

Zwischen 1964 und 1973 wurde das Land durch amerikanische Streubomben schwer geschädigt, viele Blindgänger und Minen liegen noch heute unentdeckt unter der Erde, Experten rechnen damit, dass gut 35% des Landes noch heute dadurch verseucht sind. Unter anderem ist auch nur ein Teil der Ebene der Tonkrüge, der bekanntesten Sehenswürdigkeit öffentlich zugänglich, der Rest liegt abseits auf ungesichertem Terrain. Den Kriegsschrott haben sich die Laoten aber teilweise zu eigen gemacht, Metallsammler produzieren aus dem Material, das auf Feldern oder in Wäldern liegt, Alltagsgegenstände wie Gartenzäune oder Blumenkübel...

Alexandra Bounxouei - My radio

Eurovision 2020: Goldteppich und sorgfältige Überlegungen



Niederlande - Einige Song Contest-Fans, wie ich bei Facebook schon gelesen habe, feiern heute ein vorgezogenes Neujahr. Schließlich ist nun der 1. September und damit gilt der Grundsatz, jedes ab sofort veröffentlichte Lied könnte potentiell zum Eurovision Song Contest fahren. In den nächsten Tagen und Wochen dürfte die Fülle an Nachrichten dann wieder stark anziehen, was mich nicht unglücklich macht, gehe ich 2020 doch ganz unvoreingenommen an die Sache heran, solange man nicht wieder einen US-amerikanischen Topstar einlädt, ist alles gut.

Unterdessen sind Auzüge aus dem "Bid book" von Rotterdam aufgetaucht, in dem die Stadt um die Gunst der Europäischen Rundfunkunion gebuhlt hat. So heißt es in der Einleitung von Bürgermeister Ahmed Aboutaleb: "Bauern aus Zeeland und dem Brabant, chinesische Hafenarbeiter, Seemänner von den Kapverden, türkische und marokkanische Gastarbeiter, Staatsbürger aus Surinam und von den Antillen, syrische Flüchtlinge, sie alle kamen nach Rotterdam um ein besseres Leben zu finden." Damit liegt der Fokus erneut auf dem Inklusions-Schwerpunkt "Celebrate Diversity".

Geplant ist von der Stadtverwaltung wohl auch, das Schaulaufen der Delegationen bei der Welcome's Reception auf der Erasmusbrücke stattfinden zu lassen, kaum ein Bauwerk steht mehr für die Symbolik des Brückenschlagens in Europa. In den letzten Jahren war der dafür ausgerollte Teppich rot, orange und blau, 2020 wird nicht gegeizt, er soll Gold werden. Damit statt Verschwendung der ökologische Aspekt durchschimmert ist von einem "recycled gold carpet" die Rede. Das Delegationstreffen und die Übergabe der Insignien soll im Rathaus der Stadt veranstaltet werden, einem Gebäude, das den Bombenangriffen der NS-Streitkräfte im Jahr 1940 standhielt.

Aufgrund dieser tragischen historischen Gegebenheit kommt es zu einer Kollision von Terminen. Das zweite Semifinale am 14. Mai findet am gleichen Tag statt, wie die Gedenkveranstaltungen an jenen Bombenangriff am 14. Mai 1940. Wie es im Bid book heißt, erfordert diese Herausforderung "sorgfältige Überlegungen" Pietät, Andacht und Feierlichkeiten zu verbinden, bietet den Stadtvätern aber auch gute Gelegenheiten, den Eurovision Song Contest als Symbol der Freiheit und des Friedens zu präsentieren. 

Beyond Eurovision (28): Antigua & Barbuda



Antigua & Barbuda - Aus der Reihe "Weltmusik" gibt es heute wieder einen kleinen, relativ unbekannten Inselstaat aus dem Karibischen Meer, dessen Staatsgebiet sich auf drei Inseln erstreckt, die beiden bewohnten Hauptinseln Antigua und Barbuda sowie die unbewohnte Insel Redonda, die eine wundervolle Origin-Story hat, in dem sich ein britischer Schriftsteller von seinem Vater zum König der Insel ausrufen ließ, was die britische Verwaltung dereinst logischerweise nicht anerkannte. Zuletzt machte die Insel Barbuda durch die fast vollständige Zerstörung der Infrastruktur durch einen Hurrikan von sich reden.

Schnelle Fakten
Hauptstadt
St. John’s
Sprachen
Englisch
Fläche
442km²
Währung
Ostkaribischer Dollar (EC$)
Einwohner
94.700
Internet-TLD
.ag
Zeitzone
UTC -4
Wiki-Info

Ansonsten scheint das Land ein Quell der Freude zu sein, die Einwohner gelten als die heiratswilligsten Menschen dieses Planeten und die Statistik zeigt, dass Antigua & Barbuda das Land mit der niedrigsten Selbstmordrate ist. Entdeckt wurde es 1493 bei einer Kolumbus-Reise, der die Insel nach einer Kirche im spanischen Valladolid benannte. 1632 haben die Engländer die Inseln in Besitz genommen, nach einer kurzen Phase, in der es zur Westindischen Konföderation gehörte, wurde es schließlich 1981 in die Unabhängigkeit entlassen.

Während beim deutschen Wikipedia nur vom Nationalfeiertag die Rede ist, erfährt man im englischen Wiki, dass die kulturelle Struktur durch vorrangig westafrikanische und britische Einflüsse geprägt ist. Hervorgehoben wird hier, wie auch bei anderen karibischen Inseln, die Calypso- und Soca-Musik, die beide ihren Ursprung in Trinidad haben und sich im Laufe der Jahre über die gesamte Karibik ausgebreitet haben. Einen besonders authentischen Eindruck dieser Musik erhält man in der nationalen Karnevalszeit, die Ende August und Anfang September ihren Höhepunkt hat, also genau jetzt.

Einer, der während des Karnevals schwer beschäftigt ist, ist der Sänger Menace, der allerdings anders als sein Name es vermuten lässt keine Bedrohung darstellt, sondern aufgrund seiner Verdienste in der lokalen Karnevals- und Soca-Kultur zum kulturellen Botschafter von Antigua & Barbuda im Jahr 2017 ernannt wurde und bei Festivals wie den Soca-Meisterschaften oder besagtem Karneval auftritt. Wer noch mehr über Menace und die musikalische Historie von Antigua erfahren möchte, der kann in diesem Video von Menace persönlich erfahren, woher die Einflüsse der heutigen Musikszene des Landes stammen.

Menace - Smooth sailing