Mittwoch, 29. September 2010

Russland: Moskaus Bürgermeister Luschkow entlassen


Russland - Indirekt hat es mit dem Eurovision Song Contest zu tun, insofern soll auch hier die Meldung über die Entlassung von Moskaus Oberbürgermeister Juri Luschkow nicht totgeschwiegen werden. Staatspräsident Dmitri Medwedew habe dem 74jährigen das Vertrauen entzogen, meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax gestern morgen.

Inzwischen ermittelt die russische Justiz gegen ihn und mehrere Mitglieder der Stadtverwaltung wegen Korruption. Da das Vertrauensverhältnis zwischen Luschkow und Medwedew gespannt war, sagte Wladimir Putin zur Entlassung des OBs: "Deshalb war es unabdingbar, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um die Situation zu normalisieren." Zuvor wurde in den russischen Medien seit Wochen gegen den Politiker mobil gemacht, ihm werden Vetternwirtschaft und Korruption vorgeworfen.

Seine Frau, die Bauunternehmerin Jelena Baturina soll jahrelang mehrere Großprojekte über ihn an Land gezogen haben und habe es somit als einzige Frau auf die Forbes-Liste der reichsten Menschen Russlands geschafft. Zudem wurde Luschkows Urlaub in Österreich während der schweren Waldbrände um Moskau sowie aberwitzige Autobahnprojekte und diverse Bauvorhaben kritisiert.

Nach dem Ende der Sowjetunion, wurde Luschkow 1992 vom damaligen Präsidenten Boris Jelzin zum Bürgermeister der Stadt ernannt. Immer wieder stieß Luschkow mit seinen Äußerungen auf internationale Proteste, insbesondere seine homophobe Art. So ließ er jahrelang den CSD in Moskau verbieten und erklärte die Veranstaltung für "satanisch".

Den CSD 2009, der zeitgleich mit dem Finale des Eurovision Song Contest stattfand, ließ er gewaltsam auflösen, Demonstranten festnehmen und verhören und die OMON, die Spezialeinheit der russischen Polizei ausrücken. Unter Luschkows kommissarischem Nachfolger, Wladimir Ressin, scheint sich aber nicht viel zu ändern: "Bei mit hat keiner diese Genehmigung beantragt.", erklärte dieser auf die Frage nach einer homosexuellen Veranstaltung am 1. Oktober in Moskau.

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