Donnerstag, 7. Juli 2016

EM 2016: Halbfinale und Urlaubsgrüße



Europa - Nunmehr beginnt das richtige Sommerloch, denn auch die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich neigt sich dem Ende entgegen. Gestern kegelten die Portugiesen noch die Waliser mit 2:0 raus und stehen nun im Finale. Heute Abend entscheidet sich, ob Deutschland den Franzosen gewachsen ist oder der Gastgeber der EM am Sonntag in Paris den Heimvorteil genießen kann.

Endstand:
 Portugal vs. Wales  
2:0

"Wann wird's mal wieder richtig
Sommer...
" - Ich hoffe ab morgen!
In Bezug auf den Eurovision Song Contest bleibt es ohnehin ruhig. Heute jährt sich zum zehnten Mal der Todestag von Rudi Carrell, der 1960 für die Niederlande an den Start ging. Seine richtige Karriere begann jedoch erst im Nachhinein des Wettbewerbs. Er prägte die Fernsehlandschaft in den 70er und 80er Jahren wie kein anderer in Deutschland und erfand stets neue Formate. Seinen letzten Auftritt hatte Rudi bei der Verleihung der Goldenen Kamera.

Um das Sommerloch zu stopfen, hat auch die offizielle NDR-Seite Eurovision.de einen Beitrag verfasst, in dem auf die "Gebührenverschwendung" durch den Eurovision Song Contest eingegangen wird. Nicht neu, aber Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber erklärt noch einmal, dass die Teilnahme für die ARD vergleichsweise günstig ist: "Die ESC-Startgebühren für Deutschland lagen 2016 bei knapp unter 400.000 Euro, deutlich unter den durchschnittlichen Produktionskosten von Unterhaltungsshows im Hauptabend." Der Gegenwert sei ziemlich hoch.

Und so hat der NDR sämtliche bekannten Teilnahmegebühren der letzten Jahre zusammengetragen. Die Niederlande gaben in diesem Jahr bekanntlich 250.000 Euro für den Start an, Deutschland im vergangenen Jahr 363.500 Euro, Spanien 356.000 Euro. Günstiger war es u.a. für Malta 2010, das mit 80.000 Euro dabei war oder gar Montenegro 2012 mit 23.000 Euro. Dies erklärt sich mit einer Umverteilung der Gebühren: "Jedes Vollmitglied der Rundfunkunion erhält aufgrund seiner Reichweite und dem Nutzungsgrad von Eurovisionsangeboten (also auch von Nachrichtenbildern und Sportübertragungen) einen Punktewert zugeordnet. Auf der Basis dieser Punktewerte werden die Gesamtkosten für Gemeinschaftsproduktionen auf die einzelnen Teilnehmerstaaten umgelegt.", heißt es.

Möge er bitte so halten wie
immer: Manuel Neuer
Mit diesen Randinformationen verabschiede ich mich vorerst in einen einwöchigen Urlaub, mit der Hoffnung auf Usedom ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen. Das EM-Finale und wichtige Nachrichten werde ich je nach Internetverbindung zeitig nachtragen, ansonsten gibt es spätestens am 16. Juli ein großes Aufarbeitungsposting. In diesem Sinne wünsche ich eine schöne Woche und viel Spaß heute Abend beim Daumendrücken für die deutsche Nationalmannschaft. Huh!

Programmtipp:
Do., 7. Juli 2016 - 21:00 Uhr
Fußball-Europameisterschaft

 Frankreich vs. 
Deutschland  

live aus dem Stade Vélodrome in Marseille, Kommentar: Béla Réthy
Verlängerung und Elfmeterschießen möglich!

Dienstag, 5. Juli 2016

Ukraine: Cherson bewirbt sich als sechste Stadt



Ukraine - Lieber eine Randmeldung als gar keine Meldung. Die Stadt Cherson im Süden der Ukraine, am Übergang zur Halbinsel Krim, hat sich offiziell als sechste Stadt um die Ausrichtung des 62. Eurovision Song Contests im nächsten Jahr beworben. Der Stadt werden kaum bis gar keine Chancen eingeräumt, immerhin hat man es jedoch versucht.

Unterdessen hat der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Charkow gegenüber der lokalen Presse die Halle präsentiert, mit der die ostukrainische Stadt ins Rennen geht. Der Metalist Oblast Sports Complex, Austragungsort der Heimspiele von Metalist Charkiw fasst derzeit 40.000 Zuschauer, soll aber für den Song Contest deutlich an Plätzen einbüßen.

Erforderlich für eine Ausrichtung ist jedoch ein Dach, über das die Sportstätte derzeit noch nicht verfügt. Hier fanden auch Spiele der Fußball-Europameisterschaft 2012 statt. Charkow ist die zweitgrößte Stadt der Ukraine mit knapp unter 1,5 Millionen Einwohnern. In den letzten Jahren floss einiges an Geldern in die Modernisierung des Stadions. Wo der Eurovision Song Contest 2017 stattfinden wird, soll die EBU in Zusammenarbeit mit dem Sender NTU am 1. August bekannt geben.

Montag, 4. Juli 2016

News-Splitter (515)



San Marino - Ich hätte erwartet, dass Serhat nach dem Aus im Semifinale von Stockholm alsbald verschwunden sein wird, aber mitnichten. Nachdem er vor drei Wochen bereits "Je m'adore" im ZDF-Fernsehgarten auftrat, hat der Mainzer Sender Serhat erneut für eine Performance engagiert. Am kommenden Sonntag stellt Serhat dabei noch einmal seinen Eurovisionsbeitrag "I didn't know" vor. "Nach meinem Auftritt haben mich die Produzenten noch einmal für den 10. Juli eingeladen.", sagt Serhat. Auch eine Folgesingle, die in Frankfurt und Brüssel aufgenommen wird, sei bereits in Arbeit.

Programmtipp:
So., 10. Juli 2016 - 11:50 Uhr
ZDF-Fernsehgarten
live aus Mainz, Moderation: Andrea Kiewel
Gäste: u.a. Serhat, Alvaro Soler, Chris de Burgh


Ich Troje 2003 in Riga
​​Polen - Wie mir noch zugetragen wurde, haben die zweifachen polnischen Vertreter von Ich Troje ihren Titel "Keine Grenzen, żadnych granic" in einer neuen Sprachversion aufgenommen. Der Titel, mit dem Polen 2003 in Riga den siebten Platz belegten ist auf ihrem neuen Album "Remixed/Nierdzewny" in einer Version auf Französisch, Englisch und Esperanto zu hören. Nähere Informationen zu "Plus de frontières, no more boarders" gibt es hier (auf Polnisch). Das Ergebnis von Riga ist bis heute das zweitbeste Ergebnis Polens beim Eurovision Song Contest.

Russland - Die russischen Teilrepubliken werden offenbar tatsächlich zur Türkvizyon 2016 zurückkehren. Nachdem die gegenseitigen Sanktionen zwischen Russland und der Türkei gelockert wurden, hat der Delegationsleiter von Baschkortostan bestätigt, dass diverse Teilrepubliken die Möglichkeiten wahrnehmen und ihr Comeback starten. Teilnahmeberechtigt sind u.a. die autonomen Republiken Altai, Baschkortostan, Dagestan, Kabardino-Balkarien und Karatschai-Tscherkessien, Chakassien, Tatarstan, Tuva und Jakutien sowie die annektierte Halbinsel Krim.

Island - Und zum Abschluss noch ein kräftiges "Huh!" und "Takk fyrír, Ísland!". Gestern Abend endete das Wikinger-Märchen der Fußball-Europameisterschaft gegen die Gastgeber aus Frankreich. Island hat im kollektiven Bewusstsein jedoch mehr Sympathien erspielt als alle anderen Team dieser EM und das Abschieds-Huh der Mannschaft vor dem blau gefärbten Block hat mir echt Gänsehaut bereitet. Ich hoffe, es gibt noch Bilder vom Empfang in Reykjavik. Im Halbfinale verbleiben somit nur noch Portugal, Wales, Frankreich und Deutschland. 

Endstand:
 Frankreich vsIsland  
5:2

Die beste Szene: Nach dem Spiel gegen England

Sonntag, 3. Juli 2016

Eurovision am Sonntag (47)



Europa - "Am siebten Tag sollst du ruhen", so steht es geschrieben und die deutsche Nationalmannschaft, die gestern in einem Fußball-Thriller gegen Italien im Elfmeterschießen ihren großen Moment hatte, wird wohl auch ganz gemütlich ausschlafen und später das letzte Viertelfinale zwischen Frankreich und Island schauen. Die Sympathien liegen deutlich auf isländischer Seite, inzwischen habe ich das Thema aber auch etwas tot geredet und kann schwer neue Bezüge zum Eurovision Song Contest herstellen.

Endstand:
 Deutschland vs. Italien  
6:5 (n.E.)

Die griechische Ära, von
Olympia bis Eurovision war
Griechenland auf Erfolgskurs
Ich gehe stark davon aus, dass das isländische Fernsehen seine Bestätigung für die Teilnahme am Wettbewerb 2017 ausspricht, sobald die EM-Euphorie nachlässt. Aber genau diese Euphoriewelle durch nationale Erfolge wollen wir ihnen gerne gönnen. Ähnliche Erfolgswellen hatte z.B. auch Griechenland 2004 und 2005. Erst gewannen sie die Europameisterschaft, ebenfalls total überraschend, dann haben sie tolle Olympische Spiele ausgerichtet und 2005 setzte Helena Paparizou dem Land erstmals die Eurovisionskrone auf. 

Irgendwann lassen solche Erfolgswellen auch wieder nach, immer wieder haben Länder solche Phasen. Österreich beispielsweise ist beim Song Contest ein ebenso gutes Beispiel. Auch wenn sie es nicht hinbekommen, ihren Bundespräsidenten aufzustellen, so haben sie in den letzten Jahren durchaus bewiesen, dass man sich aus dem Keller befreien kann, Nadine Beiler war 2011 in Düsseldorf ein kleiner Vorgeschmack, 2014 kam dann Conchita, die Europa ein kleines stückweit veränderte, 2016 lagen Europas Eurovisionsfans Zoë zu Füßen. Vielleicht schwappt die isländische Fußballeuphorie ja auch zum Song Contest rüber.

Die Platzierungen des 330.000 Einwohner zählenden Vulkaneilands im Nordatlantik sind die letzten beiden Jahre kaum nennenswert gewesen. Die letzte Finalplatzierung gab es 2014 in Dänemark. Mit Dänemark verbindet Island auch eine ganz besondere Beziehung, beide blicken auf eine lange gemeinsame Geschichte zurück und der regelmäßige Austausch von Höchstwertungen ist ein Resultat der engen Beziehungen. Dänemark bräuchte genau diese Welle auch mal wieder. Wenn man allerdings Jahr für Jahr das gleiche Lied zur Eurovision schickt, kann das auf Dauer nichts werden.

Dänemarks einziger Ausrutscher
nach oben: Emmelie de Forest
Die Statistik der dänischen Nationalmannschaft beispielsweise, Platz drei hinter Portugal und Albanien in Gruppe I, spricht symbolisch für das momentane Tief. Beim Song Contest 2014 gab man noch den tollen Gastgeber, die Moderatoren erfüllten den Kandidaten quasi ihre sehnlichsten Wünsche, etwa ein Menü vom Lieblingschinesen der französischen Delegation. Danach machte Dänemark den Fehler seinen typisch langweiligen Stangenpop auszuwählen. Anti Social Media und auch in diesem Jahr Lighthouse X waren die gelebte Mittelmäßigkeit und dabei hätte Dänemark ein ähnliches Potenzial wie Schweden, erfolgreiche Komponisten und einen vergleichbaren Musikmarkt.

Im, laut World Hapiness Report, glücklichsten Land der Welt, läuft es derzeit nicht rund. Problematisch ist, dass der nationale Vorentscheid stets nach dem gleichen Prozedere abläuft und der Melodi Grand Prix immer wieder die selben Genres präsentiert. Vielleicht sollten die Dänen etwas wagen. Bisher ging DR immer auf Nummer sicher. Schaut man sich die Beiträge seit Einführung der Halbfinals an, eckt kaum ein Beitrag an. Tomas Thordarson 2004 in Istanbul versuchte mit einer seichten Latino-Nummer, die ähnlich wie die Dramaqueen DQ 2007 im Mittelfeld des Halbfinals landete.

Kratzt heute wohl wieder an
der 100% Einschaltquote: Island
Mittlerweile zieht die dänische Stereotype á la Simon Mathew oder Jacob Sveistrup nicht mehr. Wünschen wir Dänemark Glück bei seinem nächsten Vorentscheid und dem dänischen Fernsehen etwas mehr Mut bei der Selektion der Beiträge für 2017. Und natürlich wünsche ich dem isländischen Team heute Abend alles Gute, große Erwartungen habe ich tatsächlich nicht, aber zumindest werden sie den Franzosen das Leben etwas schwerer machen. Insofern, "Áfram Ísland" und schönen Sonntag!

PS: Wie mir soeben noch aufgefallen ist, hat meine kleine Seite wieder einmal Zuwachs bekommen. Vor gut zwei Stunden hat sich der erste Besucher aus Lesotho auf Eurofire.me eingefunden. Das kleine "Kingdom in the sky" ist damit #224 in meinem Flaggenzähler, liebe Grüße nach Maseru.

Programmtipp:
So., 3. Juli 2016 - 21:00 Uhr
Fußball-Europameisterschaft

 Frankreich vsIsland  
live aus dem Stade de France in Saint-Denis, Kommentar: Béla Réthy
Verlängerung und Elfmeterschießen möglich!

Montenegro: Milena Vučić hat Interesse am Song Contest



Montenegro - Die montenegrinische Website CDM.me berichtet, dass die Sängerin Milena Vučić Interesse bekundet hat, ihr Land beim nächsten Eurovision Song Contest zu vertreten. Milena Vučić wurde 1986 in Titograd, dem heutigen Podgorica geboren und startete ihre Karriere in der Girlband Negro. 2006 gewann sie mit "Da l'ona zna" das Sunčane Skale-Festival in Herceg Novi.

Im Anschluss daran wurde sie auch als Solistin in Montenegro bekannt. Empfehlenswert ist u.a. ihr Titel "Indijana". Das montenegrinische Fernsehen RTCG, das seine Teilnahme für 2017 in der Ukraine noch nicht bestätigt hat, sei aber anscheinend offen für eine Verpflichtung der Sängerin. Der Senderchef erklärte, nach drei Jahren mit männlichen Kandidaten sei es nun wohl wieder an der Zeit für eine "nette Dame".

Man gab jedoch auch gleichzeitig bekannt, dass man momentan noch keine Entscheidung treffen könne. RTCG setzte 2010 und 2011 aus finanziellen Gründen aus, 2016 wollte man erst aussetzen, da die nationale Jurywertung nicht berücksichtigt wurde, heuer gab es Proteste gegen das Wertungskonzept. Ob Montenegro 2017 dabei sein wird, soll sich jedoch nach Aussagen des Senders bald entscheiden.