Freitag, 13. März 2015

Euronight: Auch Balladen können glitzern


Europa - Beim Eurovision Song Contest 2015 dominieren in diesem Jahr Balladen und düstere Songs. Die Eurovisionsfans können im Euroclub eher Klammerblues tanzen als zu Krachern nach dem Danceschema von "My number one", "Popular" oder "Lipstick" abgehen. Für viele liegen die Hoffnungen in den noch ausstehenden Vorentscheidungen und Nominierungen.
 
Dabei haben Balladen die gleiche Daseinsberechtigung beim Eurovision Song Contest wie Uptempo- oder gänzlich ausgefallene Beiträge. In diesem Jahr ist jedoch eine Dominanz erkennbar, die in früheren Jahrgängen etwas aufgeweicht wurde. Die Präsentation des israelischen Beitrags "Golden boy" heute Abend durch die IBA macht dies noch einmal deutlich.
 
Bei der Eurovision wird häufig in Schubladen einsortiert, da gibt es ganz grob fünf, sechs Oberkategorien in die ein Beitrag gepackt werden kann, BalladeUptempotraditionell und landestypischSpaßbeiträge und der ungeliebte (Hard-)Rock. Die einzelnen Typen können dann zig Untergruppen bilden, u.a. die "Friedensballade" (Israel 2002) oder die "Dramaballade" (Österreich 2014). Dies ist natürlich nur sehr oberflächlich gesprochen, meist passt diese Theorie jedoch.
 
Das Schubladendenken gehört zur Eurovision wie das obligatorische Schönhören der Beiträge zwischen März und Mai. Bei mir hat es mit Belgien oder Mazedonien bereits funktioniert. Nur aufgrund der Balladenlastigkeit in diesem Jahr heißt dies jedoch nicht gleichzeitig, dass der Wettbewerb musikalisch anspruchsvoller geworden ist. Ihm fehlt nur die Bandbreite, die es in den letzten Jahren gab, da sang eine Evelina Sašenko zur Pianomusik, während Eric Saade danach Fensterscheiben zerspringen ließ und Mika Newton im Sand malte.
 
Damit man mich nicht falsch versteht: Ich freue mich auf den Eurovision Song Contest 2015 in Wien genauso wie auf alle anderen Jahrgänge seit meinem ersten Mal 1997. Im Jahr zuvor, 1996 in Oslo war das Teilnehmerfeld zwar kleiner als heute, aber da gab es einen ähnlich hohen Anteil an Balladen, die Top drei waren allesamt ruhige, sphärische Songs, dazwischen waren aber auch Stimmungskanonen wie Gina G. (Bild) oder Lisa del Bo. Früher war also auch nicht alles besser und es wird nicht jedes Jahr so still wie 1996 oder 2015. Es muss ja aber auch nicht immer alles glitzern, trashig sein oder Wumms haben.
 
So sind auch in diesem Jahr einige Beiträge dabei, die durchaus tanzbar sind und gute Laune machen, etwa der kleine Israeli, der Beitrag aus Moldawien, der 20er Jahre-Titel aus Großbritannien oder Bojana aus Serbien. Ich bin gespannt auf das, was Österreich, Norwegen und Schweden in ihren Vorentscheiden auswählen und vielleicht überraschen uns ja auch Australien oder Aserbaidschan. Und auch unter all den Balladen und Duetten sind ja einige ganz passable Sachen dabei, Estland z.B. werden aktuell die besten Chancen auf eine vordere Platzierung eingeräumt.

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