Sonntag, 20. September 2015

Eurovision am Sonntag (20)



Europa - Diese Woche war aus eurovisionärer Sicht eine aufregende Kiste. Viele Nationen haben öffentlich ihre Teilnahme in Stockholm bestätigt bzw., wie im Falle von Bosnien-Herzegowina oder Bulgarien, sich provisorisch auf die Liste setzen lassen. Aus einigen Nationen fehlt aber auch nach dem Ablauf der Meldefrist noch ein öffentlicher Kommentar, etwa aus Russland, Moldawien, Portugal oder der Slowakei. Dafür sagte gestern Abend Armenien als bisher letzte Nation zu. Während in Europa über die Anzahl der teilnehmenden Nationen diskutiert wird, schauen wir heute Mal über den Tellerrand der Eurovisionsgrenzen. 

In dieser Woche war nämlich vom Bestreben des chinesischen Senders Hunan TV zu lesen, der sich ein engeres Engagement beim Eurovision Song Contest wünscht, das langfristig in einer Teilnahme am Wettbewerb münden soll, ähnlich wie es in diesem Jahr beim australischen Sender SBS der Fall war, der einmalig am europäischen Wettstreit mitwirken durfte. Es war eine Ausnahmeregelung die den treuen Fans in Australien eingeräumt wurde, ansonsten haben assoziierte Mitglieder der EBU keine Chance am Wettbewerb teilzunehmen. 

Die Europäische Rundfunkunion grübelt derzeit, ob es sinnvoll wäre, den Contest auch anderen Nationen zu öffnen. Expansion ist bei den Verantwortlichen seit Jahren hoch im Kurs, zum Teil aber auch zum Leidwesen europäischer Rundfunkanstalten, die sich vom Wettbewerb zurückziehen. Wäre es also sinnvoll den Song Contest z.B. den assoziierten Mitgliedern dauerhaft zu eröffnen? Ich denke nicht, diese Mitglieder, derzeit 34 in 20 Nationen, sind komplett über den Globus verstreut. 

Assoziierte Mitglieder der Europäischen Rundfunkunion:
01. - Australien: ABC, FreeTV, SBS 
02. - Bangladesch: NBAB
03. - Brasilien: TV Cultura 
04. - Chile: Canal 13 
05. - China: CCTV 
06. - Georgien: Rustavi 2, Teleimedi 
07. - Grönland: KNR 
08. - Hongkong: RTHK 
09. - Indien: All India Radio 
10. - Iran: IRIB 
11. - Japan: Fuji TV, TV Asahi, NHK, TBS, Tokyo FM 
12. -  Kanada: CBC 
13. - Kuba: ICRT 
14. - Malaysia: RTM 
15. - Mauretanien: Télévision de Mauritanie 
16. - Mauritius: MBC 
17. - Neuseeland: TVNZ, Radio New Zealand 
18. - Oman: Public Authority for Radio and TV of Oman 
19. - Philippinen: GMA, TV5 
20. - Südafrika: SABC 
21. - Südkorea: KBS, EBS 
22. - Syrien: ORTAS 
23. - USA: ABC, APM, CBS, NPR, NBC, PBS, WFMT, New York Public Radio 

Hinzu kommen einige sogenannte "Approved Members", Senderkooperationen zwischen Ländern wie etwa der deutsch-französische Sender arte oder "Pending Candidates", die sich bislang allesamt vergeblich um die EBU-Mitgliedschaft bewerben, darunter Kasachstan, Katar, Liechtenstein oder auch die Palästinensischen Autonomiegebiete. Sofern die EBU ihre Kriterien für die Teilnahme nicht ändert, werden wir diese Nationen allesamt nicht bei der Eurovision erleben. 

Musikalisch wäre die Teilnahme außereuropäischer Nationen sicherlich eine Bereicherung, außerhalb der von der EBU gezogenen Grenzen schlummern spannende Musikstile, Merengue aus der Karibik, Latinosongs aus Mittel- und Südamerika, volkstümliche Musik aus Afrika oder mongolischer Obertongesang als Beispiel. Allerdings und das ist das große Problem an der Auslegung, ist es im weitesten Sinne immer noch eine Art europäischer Wettbewerb für Mitglieder innerhalb der vor 60 Jahren gezogenen Grenzen. 

Dazu zählen auch nordafrikanische und arabische Staaten wie Jordanien, die durchaus legitim ohne Regeländerungen teilnehmen dürften. Hinzu käme Syrien, deren Senderanstalt ORTAS bisher assoziiertes Mitglied ist, dort hat man aber derzeit weitaus schwierigere Probleme als eine Eurovisionsteilnahme. Theoretisch wäre ein Eurovision Song Contest aus Damaskus aber möglich. Ein Contest aus Maskat, Nouakchott oder Santiago de Chile hingegen eher befremdlich und derzeit nicht möglich. Der Fall Australien hat in der Eurovisionswelt also einiges bewegt, das hätte von vorn herein klar sein müssen. 

Regeln sind dazu da um gebrochen zu werden, das hat sich die Europäische Rundfunkunion selbst zuzuschreiben, wenn nun Nationen wie China an die Tür klopfen. Das letzte Wort über eine Aufweichung der Teilnahmeregeln obliegt aber immer noch dem Reference Board des Eurovision Song Contests. Dieses Gremium hat in den letzten Jahren ein zweites Semifinale oder die 50%ige Wiedereinführung der Jurys durchgesetzt. Ob man eine unbegrenzte Expansion des Wettbewerbs jenseits des Urals oder über den Atlantik hinweg durchsetzen wird, erscheint unwahrscheinlich. 

Fans sprachen sich in einer kürzlichen Umfrage deutlich gegen eine chinesische Teilnahme aus. Sie ist immer noch die Basis des Eurovision Song Contests und sollte in gewisser Hinsicht auch berücksichtigt werden. Auch meine Meinung ist nur eine subjektive Äußerung und ich bin auch eher dafür Länder wieder ins Boot zu holen, die innerhalb der Grenzen liegen, als immer neue Wege zu finden, andere Nationen zuzulassen. Bulgarien und Bosnien bewerben sich für Stockholm, ich finde es wichtiger im Sinne des europäischen Zusammenhalts diese Länder in politisch noch so schwierigen Zeiten im Rennen zu behalten, als z.B. China einzuladen. 

Dafür haben die meisten Kontinente ihre eigenen Wettbewerbe, in Asien und Afrika schraubt man an vergleichbaren Contests, das Format der Eurovision wurde zudem vor einigen Jahren in die USA verkauft, in der Karibik läuft heuer bereits zum dritten Mal der Caribbean Song Contest, alles für ihren Kontinent funktionierende Modelle. Das ganze könnte ja in einer Worldvision münden, der Eurovision Song Contest sollte aber in seiner Form unangetastet bleiben, die EBU hat über 50 Mitgliedstaaten, daran sollte man sich orientieren, bei einer Fußball-EM taucht ja auch nicht plötzlich Argentinien auf, sondern die Mitglieder der UEFA.

1 Kommentar:

  1. Das mit Australien sollte eine Ausnahme bleiben,es soll schon der Eurovision bleiben und kein World Contest,finde auch das man versuchen sollte Länder wie Bulgarien oder Bosnien wieder am ESC teilnehmen zu lassen,und sie unterstützt.

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