Sonntag, 13. Mai 2018

Eurovision 2018: Ein paar nächtliche Zahlenspiele



Portugal - Die Europäische Rundfunkunion hat nun auch die detaillierten Wertungsergebnisse im Jury- und Televoting veröffentlicht, die einige Erkenntnisse bieten. Fangen wir zunächst einmal im Finale mit Deutschland an. Die deutsche Jury gab ihre Höchstwertung geschlossen an Schweden, alle fünf Juroren wählten "Dance you off" auf die Eins. Im Televoting hingegen ging Schweden leer aus, die Höchstwertung ging an Italien, gefolgt von Israel (ebenfalls zehn von der Jury), Tschechien und Irland. 

Im Semifinale setzte die deutsche Jury Schweden ebenfalls an die Spitzenposition, dahinter folgten Lettland, Australien und die Niederlande. Die deutschen Zuschauer vergaben im Semifinale, das auf One gezeigt wurde, Zwölf an Polen, zehn an Dänemark und acht an Ungarn. Deutschland selbst sammelte im Finale bekanntermaßen fleißig Punkte, sodass Peter Urban endlich mal wieder was zu tun hatte. Von den Juries aus Dänemark, der Schweiz, den Niederlanden und Norwegen gab es jeweils die Höchstwertung, aus sechs weiteren Ländern zehn (darunter Österreich und Polen). Die Zuschauer aus Dänemark und den Niederlanden vergaben ebenfalls zwölf Punkte an Michael Schulte. Insgesamt gab es für Deutschland 136 Televoting-Punkte.

Israel kassierte im Finale aus acht Ländern die Zwölfer, aus elf Nationen immerhin noch zehn Punkte. Die ärgste Konkurrentin, Eleni aus Zypern erhielt hingegen nur aus Griechenland, Bulgarien und Armenien Zwölf im Televoting, von fünf anderen Nationen zehn Punkte. Vom deutschen Publikum gab es sechs Punkte, aus Österreich einen Gnadenpunkt. Der Jurysieger Österreich kassierte von neun Juroren die Höchstwertung, von der deutschen Jury gab es zehn Punkte. Im Televoting kamen hingegen nur 71 Punkte zusammen, was Cesárs Siegchancen auch ziemlich schnell eingrenzte. Überraschenderweise gilt das gleiche für Schweden.

Hier sind die Unterschiede im Finale besonders groß. Während die Juroren aus acht Ländern, darunter Deutschland, zehn Punkte an "Nobody but you" spendierten, gab es im Televoting insgesamt nur 21 Punkte für Benjamin Ingrosso, sieben davon aus Dänemark, drei aus Norwegen und zwei aus Island. Finnland hielt sich bei den Nachbarschaftspunkten gänzlich zurück, ansonsten gab es nur noch kleinere Wertungen aus Litauen, Aserbaidschan, Montenegro und Russland. Dennoch hat es Schweden im Endergebnis auf den siebten Platz geschafft. 

Das Schweizer Televoting hatte Serbien an die Spitze gesetzt, gefolgt von Portugal, Italien und Albanien. Von den Zuschauern aus der Eidgenossenschaft gab es immerhin sechs Punkte für Michael Schulte. Die Juroren vergaben keinen einzigen Punkt an Albanien, dafür aber ihre Zwölf an Deutschland. Mélovin aus der Ukraine räumte beim Televoting ab, 119 Punkte, zwölf davon aus Polen, Weißrussland und Tschechien. Aus westeuropäischen Ländern gab es nur kleinere Wertungen. Hier sammelten sich die Stimmen ehemaliger Sowjetrepubliken an, die zuvor bereits ausgeschieden waren. 

Erstmals seit ihrer Teilnahme haben es die Australier nicht in die Top Ten geschafft. Gaben die Juroren noch 90 Punkte, holte Jessica Mauboy im Televoting nur neun Punkte, sechs aus Malta, zwei aus Dänemark und einen aus dem UK. Damit hat sie zwar mehr Televotingpunkte als Isaiah im Vorjahr kassiert, dürfte aber deutlich hinter ihrem eigenen Ziel liegen. Australien belegt damit die letzte noch nie vergebene zweistellige Punktezahl (99) im Finale des Eurovision Song Contests. Besonders freut mich der sechste Platz für Mikolas aus Tschechien, der die Zwölf im Televoting aus Österreich und Israel abräumte und diverse 10er- und 8er-Wertungen erreichte. So zeigten sich auch die deutschen Zuschauer mit acht Punkten großzügig. Bei den Juroren schnitt er erwartungsgemäß schlechter ab. 66 Punkte gab es hier, darunter eine Acht aus Bulgarien als höchste Einzelwertung. Die deutsche Jury hatte gar keine Punkte übrig.

Wenig überraschend: Im ersten Semifinale setzten sich Armeniens und Aserbaidschans Juroren gegenseitig auf den 18. Platz, auch im Televoting wurden keinerlei Punkte ausgetauscht. Island erhielt im ersten Halbfinale 15 Punkte, die allesamt von Juroren stammen (davon sieben aus Weißrussland), im Televoting gab es für Ari Ólafsson keinen einzigen Punkt. Island selbst vergab seine Höchstwertung im Halbfinale an Tschechien, die isländischen Juroren bevorzugten Albanien. Der Austausch von Televotingstimmen zwischen Griechenland und Zypern im Halbfinale funktionierte hervorragend, jeweils zwölf für beide. Zypern gewann zudem auch das Televoting im ersten Semifinale, Israel lag dort nur auf dem vierten Rang. In Kombination mit dem Juryvoting konnte Israel aber deutlich vorlegen.

Bei reinem Televoting hätte es Griechenland statt Albanien ins Finale geschafft. Im zweiten Semifinale wären Gromee und Lukas Meijer aus Polen statt Waylon aus den Niederlanden weitergekommen, der im Televoting nur den 12. Platz belegte. Bei reinem Juryvoting hätte die Schweiz einen Finalplatz gehabt. Dort lagen die Zibbz auf dem zehnten Rang, im Televoting nur auf Platz 15. Auch wären bei reinem Juryvoting Malta, Lettland und Rumänien statt Serbien, Dänemark und Ungarn im Finale gewesen. Dänemark gewann im zweiten Halbfinale sogar das Televoting, bei den Juroren war nur ein zwölfter Platz drin. Ungarn lag im Televoting des zweiten Halbfinals auf dem fünften Rang, bei den Juroren auf der #13.

Malta hingegen war im zweiten Halbfinale ein Juryliebling. Dort gab es 93 Punkte und den fünften Rang. Im Televoting hingegen schmierte Malta, wie schon letztes Jahr, komplett ab. Nur acht Punkte konnte Christabelle bei den Zuschauern erzielen. Im zweiten Halbfinale konnte sich Georgiens mit seine sperrigen Nummer weder beim Televoting noch bei den Juroren richtig durchsetzen. Die lettischen und ukrainischen Zuschauer vergaben je fünf Punkte, Russland drei Zähler. Hinzu kamen elf Punkte aus dem Juryvoting, davon wiederum acht aus der Ukraine. 

Zwischen Russland und der Ukraine funktionierte der Austausch etwas besser, die russischen Zuschauer gaben der Ukraine im Semifinale zehn Punkte, die Juroren sechs Punkte. Julia Samoylova selbst erhielt drei Punkte von den ukrainischen Zuschauern. Einmal, nämlich aus Lettland, gab es für Russland die Höchstwertung im Televoting. Bei den Juroren war das höchste der Gefühle eine Sieben aus Moldawien. San Marino hat es definitiv geholfen, dass eine Malteserin für die kleine Republik an den Start ging. Die maltesischen Zuschauer spendeten Jessika Muscat ihre zwölf Punkte im Televoting, hinzu kamen zwei Zähler aus Australien. Von den Juroren gab es noch einmal 14 Punkte. 

Es gibt bestimmt noch diverse interessante Wertungen, die ich aufgrund der Zeit nicht alle wiedergeben kann, ad hoc ist mir aber das Juryvoting aus Israel aufgefallen. Hier gab es bemerkenswerterweise viele Punkte für Nationen, die auf dem Tableu weiter hinten landeten, etwa sechs Punkte für Finnland, drei für Ungarn oder gar acht für Großbritannien. Favorit Zypern erhielt aus Israel hingegen gar keine Punkte. Andererseits gab es von der zypriotischen Jury auch keine Punkte für Israel.

Die detaillierten Punktelisten kann man sich hier anschauen: 1. SF | 2. SF | Finale

Alle Einzelheiten, sonstige Auffälligkeiten und eine Zusammenfassung des Finals, Reaktionen von den Interpreten, Bilder und vieles mehr folgen im Laufe des Tages. Am Vormittag findet auch das Katerfrühstück auf Eurovision.de statt, ich wünsche zunächst aber erst einmal eine gute Nacht!

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