Samstag, 27. Mai 2017

Red Cocktail: Genial daneben



Europa - Deutlichst, mit knapp der Hälfte aller abgegebenen Stimmen, haben sich unsere Leser für "Genial daneben" als zweiten Cocktail entschieden. Die Nachrichten rund um den Eurovision Song Contest flauen inzwischen gewaltig ab und auch die Teilnahmebestätigungen der noch ausstehenden Länder lassen inzwischen länger auf sich warten. Grund genug also in den Archiven des Wettbewerbs nach unterhaltsamen Material zu suchen.


Namensgeber: Genial daneben
Und in dieser Woche begeben wir uns auf nationale Ebene. Bevor es überhaupt zum Eurovision Song Contest kommt, finden überall in Europa lokale Auswahlrunden statt, verschiedenste Mechanismen in denen von absoluten Newcomern bis hin zum Star von Format sich einer Qualifikationsrunde stellen. "The winner takes it all, the loser's standing small" singen ABBA. In diesem Cocktail wollen wir einige derjenigen in den Vordergrund rücken, die in ihrer nationalen Auswahlrunde nicht an der Spitze standen, gemäß des Sat.1-Comedyquizzes "Genial daneben".

Claudia Faniello brauchte
12 Jahre bis zum ESC
Fangen wir im Jahr 2017 an. In diesem Jahr hat es eine Kandidatin zum Eurovision Song Contest geschafft, die sich zuvor bereits mit zehn Beiträgen in ihrer Heimat um einen Startplatz beim Eurovision Song Contest bemüht hat. Claudia Faniello aus Malta nahm 2006 erstmals am nationalen Vorentscheid, dem "Malta Song For Europe" teil und musste sich bei ihrer ersten Teilnahme direkt ihrem Bruder Fabrizio stellen, der mit "I do" letztlich auch zum Song Contest nach Athen fuhr. Ihr "High alert" erreichte damals nur den 12. Platz.

Im Jahr darauf versuchte sie es erneut mit dem Titel "L-imħabba għamja" auf Maltesisch und wurde Siebte. 2008 waren dann sogleich zwei Beiträge von ihr im Wettbewerb. Während Morena mit "Vodka" nach Belgrad durfte, belegte Claudia mit "Caravaggio" den zweiten und mit "Sunrise" den dritten Platz. 2012 wurde es mit "Pure" ebenfalls ein zweiter Platz. Nach ihrer bis dahin letzten Teilnahme 2013 nahm sich Claudia eine Auszeit und probierte es auf Anraten ihrer Mutter noch einmal beim Vorentscheid. "Breathlessly" wurde zu ihrem großen Erfolg, zumindest auf lokaler Ebene, beim Song Contest schmierte die klassische Ballade ab, 55 Punkte im Semifinale, allesamt von den Juroren, waren das Ergebnis.

Olivia Lewis sang in Helsin-
ki über Schwindelanfälle
Getoppt wurde Claudias Hartnäckigkeit lediglich von ihrer Landsfrau Olivia Lewis, die sich zwischen 1997 und 2007 mit zwölf Beiträgen in Malta bewarb, bevor sie mit "Vertigo" zum Song Contest fahren durfte. Allerdings schied auch sie im Semifinale von Helsinki im Halbfinale aus. In keinem anderen Land kommt es wohl so häufig vor, dass man die gleichen Gesichter in der nationalen Konkurrenz erlebt, wie in Malta. Fabrizio Faniello und Ira Losco schafften es zweimal zum Song Contest, Chiara sogar dreimal, wobei sie bis heute trotz ihres 22. Platzes in Moskau mit einer Bronz- und einer Silbermedaille die erfolgreichste maltesische Interpretin beim Song Contest ist.

Triefte vor heiler Welt:
"A miracle of love"
Das litauische Pendant zu Claudia Faniello ist Aistė Pilvelytė, die sich ebenfalls seit Jahren durch die gefühlten 68 Vorrunden des litauischen Vorentscheids singt, um am Ende dann doch nur Zweite zu werden. Noch mehr Ehrgeiz entwickelte Ralph Siegel im Laufe der Jahre. Nicht nur, dass er mit 25 Beiträgen bei der Eurovision dabei war, er versuchte sich auch stets in den Vorentscheiden Europas. Während er früher eine Art Monopolstellung hatte, entschied sich der NDR ab 2004 neue Wege zu gehen und sperrte Ralph Siegel vom Wettbewerb aus. 2005 versuchte er es mit dem Casting-Duo Marco Matias & Nicole Süßmilch in der Treptow Arena. Der musikalisch wenig anspruchsvolle Vorentscheid ermöglichte ihm mit "A miracle of love" immerhin ins Superfinale einzuziehen, wo er jedoch gegen Gracia den Kürzeren zog.

Die eiserne Lady und die braven
Jungs: Lys Assia & NewJack
Es blieb auf lange Zeit der letzte Siegel-Song im deutschen Vorentscheid, bis er 2016 mit Laura Pinski eine neue Gelegenheit erhielt. Zwischenzeitlich probierte er es in Malta, in Montenegro, in der Schweiz und schließlich in San Marino. Selbst für ein Comeback der damals über 90jährigen Lys Assia war er sich nicht zu schade. Der Titel "All in your head", den die erste Song Contest-Siegerin gemeinsam mit der amerikanischen Hip Hop-Formation NewJack in der Schweiz einreichte, schaffte es jedoch nicht über die Online-Vorrunde hinaus. Die Frage "Hello, how is the flow?" erübrigt sich demnach.

Allerdings wurden bei den Vorentscheiden deutscher Länder auch immer wieder wahre Perlen verschmäht. Das bekannteste Opfer der damaligen Juroren im deutschen Vorentscheid ist Marianne Rosenberg mit "Er gehört zu mir", die es im Februar 1975 in Frankfurt am Main nur auf den zehnten Rang schaffte. Damals fuhr Joy Fleming nach Stockholm, geblieben ist allerdings der Evergreen von Marianne Rosenberg, der heute auf keinem Schützenfest oder 70er Jahre-Party fehlen darf. 1979 scheiterte das heute immer noch bekannte "Take it easy, altes Haus" von Truck Stop an Dschinghis Khan.

Immer noch bekannt:
Die Glocken von Rom
...und was heute auch fast kein Mensch mehr weiß ist, dass eine gewisse Heike Schäfer 1985 mit dem Titel "Die Glocken von Rom" am Vorentscheid in München teilnahm. Sie verlor damals mit 3.597 Punkten gegen die Gruppe Wind, die es auf 3.618 Punkte brachte. An der Abstimmung beteiligt waren 500 Menschen, die einen Querschnitt durch die bundesdeutsche Gesellschaft wiederspiegeln sollten. 1998, im Jahr in dem Guildo Horn den Song Contest nach Jahren der Pleite, in Deutschland wieder reaktivierte, nahm eine bis dahin noch ziemlich unbekannte Gruppe namens Rosenstolz teil. "Herzensschöner" wurde Zweiter, Guildo war einfach nicht einzuholen. 

Große Chance vertan:
Carolin Fortenbacher (2008)
Ein Jahr später schaffte es die, von der BILD nominierte, Jeanette Biedermann auf Rang vier und startete später erst ihre Karriere bei GZSZ und anschließend als Sängerin. Nachdem letzten Platz von Kiew 2005 ging der NDR erneut neue Wege. Mit dem Schauspielhaus in Hamburg wurde eine nostalgische Location gewählt, in der sich neben Veteranen und ausrangierten des Musikgeschäfts wie etwa Vicky Leandros oder Thomas Anders auch aktuelle Bands wie Monrose oder Marquess dem Vorentscheid stellten. 2008 verpasste Deutschland dabei die Gelegenheit Musical-Darstellerin Carolin Fortenbacher mit ihrer wundervollen Ballade "Hinterm Ozean" nach Belgrad zu schicken. Was aus den siegreichen No Angels wurde, ist ja hinlänglich bekannt...

Aber auch in anderen Nationen wurden einige tolle Interpreten schlichtweg nicht nominiert. 2000 fuhr Nina Åström für Finnland zum Song Contest, die sämtliche europäische Großstädte in einem langweiligen Lied namentlich erwähnte, auf den Plätzen dahinter folgte das großartige "Oot voimani mun" von Anna Eriksson, auf Platz drei die damals noch relativ unbekannte Band Nightwish mit "Sleepwalker" um Sängerin Tarja Turunen. Später erklärte die Band, man habe auf diesen Kinderkram keine Lust mehr, Nina Åström wurde in Stockholm 18. 

Große Diven brauchen etwas
länger: Dana und Conchita
In einigen Fällen kann man aber auch von Glück sagen, dass die jeweiligen Interpreten beim Vorentscheid nicht als Sieger hervorgingen, sonst wären sie im zweiten Anlauf nicht zu ihrem großen Eurovisionsauftritt gekommen. Die bekanntesten Beispiele sind Dana International, die 1995 mit "Layla tov Europa" an Liora scheiterte, 1998 intern von der IBA zum Protest ultraorthodoxer Kreise nominiert wurde und mit "Diva" den bisher letzten Sieg Israels einfuhr, sowie Conchita Wurst, die sich 2012 um zwei Prozentpunkte nicht mit ihrem "That's what I am" gegen die Trackshittaz durchsetzen konnte. Auch Conchita wurde 2014 intern nominiert und räumte in Kopenhagen ab.

Gescheiterte C-Z-Promis in den nationalen Vorentscheiden die Europa glücklicherweise erspart blieben sind u.a. Rudolph Mooshammer und Big Brother-Legende Zlatko Trpkovski 2001 in Deutschland, Unternehmer Richard Lugner mit "I bin der Lugner (olé olé)" 2011 in österreichischen Online-Vorrunde oder Katie Price 2005 im britischen Vorentscheid, die mit "Not just anybody" gegen Javine mit ihrem noch besser in Szene gesetzten Vorbau und "Touch my fire" verlor. Zwei Jahre später passierte im britischen Vorentscheid eine der größten Pannen der jüngeren Vorentscheidungsgeschichten.

Scooch? Cyndi? Scooch!
Fauxpas beim Endergebnis
Terry Wogan, der sich über den Eurovision Song Contest zu diesem Zeitpunkt ohnehin nur noch abwertend äußerte und ein Jahr später auch als Kommentator für die BBC hinschmiss, verkündete am Ende der Show den falschen Sieger. Er rief "Cyndi", die mit "I'll leave my heart" auch durchaus die bessere Option für Helsinki gewesen wäre, Co-Moderatorin Fearne Cotton erklärte aber sogleich Scooch zu den britischen Vertretern. Diese schoben in Helsinki als Flugzeugkabinenpersonal Servierwagen mit Nüsschen umher und erklärten, wie man sich seinen Gurt richtig anlegt. Im gleichen Vorentscheid nahm auch noch Liz McClarnon teil, die zuvor mit den Atomic Kitten unterwegs war.

Opfer slowenischer Juroren:
Saša Lendero (2006)
Ebenfalls atomar ging es 2006 im slowenischen Vorentscheid zu. Bei der EMA in Ljubljana traten 14 Interpreten an, dabei auch die Polkafraktion von Atomik Harmonik, die allerdings primär ihr Album bewerben wollten. Von vorn herein war klar, der Sieg würde haushoch an Saša Lendero und ihre "Mandoline" gehen. Im Jahr zuvor wurde sie mit "Metulj" bereits Zweite hinter Omar Naber. Abgestimmt wurde zu je 1/3 per Jury-, SMS- und Televoting. Die beiden letzten konnte sie mit je 12 Punkten gewinnen, die Juroren vergaben allerdings null Punkte an Saša, die volle Punktezahl an Anžej Dežan der den "Plan B" für Slowenien darstellte. Unter Buhrufen musste er noch einmal singen, Sloweniens Juroren verhinderten einen Song, der in Song Contest-Kreisen heute noch zu den besten Runner Ups der Geschichte zählt.

"Athens, Dublin, Liechtenstein"
Crazy Summer Dance (2006)
Auch Serbien-Montenegro veranstaltete 2006 einen nationalen Vorentscheid. Unabhängig voneinander fanden zunächst die "Beovizija" in Serbien und die "Montevizija" in Montenegro statt. Je 12 Interpreten erreichten die "Eurovizija", das Finale des Landes. Dort galt das Duo Flamingosi feat. Luis als Favorit, die montenegrinischen Juroren verhinderten ihren Sieg und nominierten somit No Name aus den eigenen Reihen für Athen. Die gewalttätigen Szenen, die sich im Nachgang abspielten, veranlassten beide Sender sich über das Ergebnis auszutauschen. Das Ende vom Lied: Serbien-Montenegro zog seine Teilnahme am Song Contest zurück, durfte aber dennoch im Finale mitwerten. Einen Tag später entschied sich Montenegro in einer Volksabstimmung für die Unabhängigkeit.

Tomaš probierte es zweimal
Im Bild mit Nela Pocisková
Meine persönlichen Favoriten, die es nicht über die nationale Vorrunde hinaus schafften waren in jüngster Vergangenheit u.a. die DiamondZ mit "Ata hakochav" in Israel 2006, Jelena Rozga mit "Nemam" in Kroatien 2007, Tomáš Bezdeda von "Každý z nás" in der Slowakei oder zuletzt Markus Riva mit "I can" im lettischen Vorentscheid vergangenes Jahr. Die meisten dieser Nationen sind in den entsprechenden Jahrgängen immerhin mit ihren Kandidaten auf die Nase gefallen, was mir an Genugtuung ausreicht. Gleiches gilt in diesem Jahr für Manel Navarro, der auch nur aufgrund des Urteils eines einzigen Juroren anstelle von Mirela zum Song Contest nach Kiew fuhr.

Die Disco lebt, Alcazar
beim Melodifestivalen
Tja und dann ist da natürlich noch zahllose weitere Titel, die im nationalen Vorentscheid ausgeschieden sind, aber auch gegen durchaus würdige Vertreter verloren haben. Genannt sei hier u.a. das Duo Dima Bilan & Yulia Volkova mit "Back to her future", die 2012 gegen die udmurtischen Großmütterchen mit ihrem "Party for everybody" ausschieden oder diverse Hits aus dem schwedischen Vorentscheid. Es spricht für die Qualität und das erlesene Auswahlverfahren des schwedischen Vorentscheids, dass Alcazar, Nanne Grönvall, Linda Bengtzing oder Linus Svenning sich nicht für die Eurovision qualifizieren konnten.

Jüngstes Opfer slowenischer
Juroren: BQL (2017)
Der letzte genannte Beitrag, der in die "Genial daneben"-Kategorie gehört kommt wieder einmal aus Slowenien. In diesem Jahr nahmen die Geschwister von BQL mit dem wundervollen "Heart of gold" an der EMA teil und waren mit weitem Abstand die Favoriten des Publikums. Produziert und unterstützt wurden sie von Raay und Marjetka Vovk alias Maaraya. Die beiden erzielten 13.134 Anrufe, der Zweitplatzierte Omar Naber nur 5.165 Stimmen. Durch die regionalen Jurys der Show, die in sechs Städten Sloweniens platziert und offenbar vom Sender instruiert wurden, zog Omar Naber doch noch vorbei und startete für Slowenien in Kiew. Das Ergebnis, Omar schied zwölf Jahre nach seinem ersten Ausflug nach Kiew an jenem Ort erneut im Halbfinale aus...




Poll: Und nachdem ich mich nun wieder über die entgangenen Chancen Europas entrüsten könnte, präsentiere ich die nächsten fünf Themen, die für kommenden Samstag zur Auswahl stehen. Diesmal im Angebot sind die "Hall of Shame", "Frischfleisch", "Lost & Found", "And finally..." sowie "We don't wanna Putin". Viel Spaß beim Abstimmen, hier entlang.

Freitag, 26. Mai 2017

Serbien: Betriebsausflug oder harte Arbeit?


Serbien - Tijana Bogićević wurde vom serbischen Fernsehen RTS in Schutz genommen, nachdem die bislang einzige Song Contest-Siegerin des Landes, Marija Šerifović ihren Unmut über Tijanas Performance in Kiew ausgedrückt hat. Diese hatte RTS dafür kritisiert, dass der Eurovision Song Contest bei jetziger Arbeitshaltung nur wie ein Gruppenausflug behandelt wird.

Solange sich daran nichts ändert, werden eben lediglich Platzierungen wie in diesem Jahr dabei herauskommen, so Šerifović. Tijana verpasste mit "In too deep" knapp den Finaleinzug im zweiten Semifinale. RTS konterte, man sehe die Eurovision nicht nur als Bespaßung sondern würde hart dafür arbeiten.

Allerdings gab es auch Probleme bei der Umsetzung von Ideen mit den Organisatoren vor Ort, heißt es aus Belgrad. Wie inzwischen bekannt wurde, war Tijana nur die vierte Wahl des serbischen Fernsehens. Ursprünglich plante der Sender die Verpflichtung von Aleksandra Radović, Jelena Tomašević oder Ivana Peters. Aus verschiedensten Gründen lehnten die drei Sängerinnen eine Verpflichtung durch RTS ab.

Donnerstag, 25. Mai 2017

Portugal: Vollste Unterstützung vom Kulturministerium



Portugal - Der Kulturminister Portugals, Luís Filipe Castro Mendes, hat den Organisatoren des Eurovision Song Contests 2018 volle Rückendeckung versprochen. Wie die Zeitung "Observador" berichtet, sagte Mendes, unabhängig, in welcher Stadt der Wettbewerb stattfinden werde, die lokale und nationale Regierung das Vorhaben nach Kräften unterstützen werde.

Zahlen und Geldbeträge wurden nicht genannt, man stehe bezüglich der Vorbereitungen aber in engem Kontakt mit dem ausrichtenden Sender RTP. Das erste Treffen zwischen EBU und portugiesischem Rundfunk ist für den 13. Juni in Lissabon angesetzt. RTP äußerte bereits die Absicht, einen Wettbewerb nach den Maßstäben von Qualität, Eleganz und Schlichtheit veranstalten zu wollen.

Die Europäische Rundfunkunion präferiert für die Austragung des 63. Eurovision Song Contests die MEO Arena in Lissabon, die anlässlich der Expo 1998 errichtet wurde und den Kriterien der Union für den Eurovision Song Contest in vollem Umfang gerecht wird. Ebenso fehlen nach wie vor die Daten für den Song Contest 2018, als wahrscheinlichste Termine gelten der 8., 10. und 12. Mai 2018.

Portugal: Angebote von der UN und der Tonight Show



Portugal - Knapp zwei Wochen nach seinem Sieg beim Eurovision Song Contest hat Salvador Sobral gemeinsam mit seiner Schwester Luísa den aktuellen Stand der Dinge gesprochen. Zunächst bedankten sie sich für den warmherzigen Empfang am Flughafen in Lissabon, zeigten sich aber gleichzeitig traurig darüber, dass sie nicht übermäßig mit den angereisten Menschen in Kontakt treten konnten.

Bezüglich ihrer Zeit in Kiew erklärte Salvador, dass die EBU ihm untersagt hatte, bei der Einlaufparade im Finale das "S.O.S. Refugees"-T-Shirt zu tragen. Die EBU drohte bei einem Verstoß mit der Disqualifikation, da es sich hierbei explizit um eine politische Meinung handelte. Ebenso wurden Salvador Konsequenzen angedroht, sollte er, wie er es geplant hatte, seinen Beitrag im Finale auf Englisch singen, entgegen der bis dahin gängigen Probenvorbereitung.

Nach seinem Sieg habe er aufgrund seines Statements bezüglich der Flüchtlingskrise in Europa eine Nachricht von den Vereinten Nationen erhalten. Diese wollten Salvador als Botschafter für den guten Zweck engagieren. Er lehnte dieses Angebot ab, da er nicht genug über die politischen Zusammenhänge in dieser Sache wüsste. Ebenso wahrscheinlich dürfte die Absage eines TV-Angebots in der "Tonight Show" des amerikanischen Comedians Jimmy Fallon sein.

Mittwoch, 24. Mai 2017

News-Splitter (577)



In Hollywood ganz groß:
Milla Jovovich
Ukraine - Angeblich soll Hollywood-Star Milla Jovovich in Verhandlungen mit dem ukrainischen Fernsehen UA:PBC gestanden haben, um den Eurovision Song Contest 2017 zu moderieren. Berichten zufolge verliefen sich etwaige Verpflichtungen jedoch aufgrund der nicht zur Verfügung stehenden Gage im Sand. Die 1975 in Kiew geborene Schauspielerin, bekannt aus "Resident Evil" oder "Zoolander" soll nur eine geringe Gebühr gefordert haben, die offenbar nicht mehr im Budget des Senders lag. Stattdessen wurden Oleksandr Skichko, Volodymyr Ostapchuk und Timur Miroshnychenko verpflichtet.

Österreich - Am 10. Juni findet vor dem Wiener Rathaus wieder der Life Ball, die größte Benefizveranstaltung zu Gunsten HIV-infizierter in Europa statt, bei dem in den vergangenen Jahren Erlöse in Höhe von rund zwei Millionen Euro zusammengekommen sind. Durch den Abend moderieren werden Verena Scheitz und Conchita Wurst. "Man wird sehen, ob das eine Fehlentscheidung war. Immerhin moderiere ich nicht nur, sondern muss auch tanzen! Das wird mehr was fürs Herz, als fürs Auge.", so Conchita. Auch Nathan Trent wird als musikalischer Gast dabei sein. Der Life Ball wird vom ORF übertragen.

Jowst bei Neuauf-
nahmen in Oslo
Norwegen - "Making a hit" hieß das Projekt von Joakim With Steen alias Jowst, mit dessen Hilfe er durch eine Facebook-Gruppe seinen Beitrag für den Eurovision Song Contest produzierte und gemeinsam mit Aleksander Walmann den zehnten Platz in Kiew belegte. Eine weitere Zusammenarbeit ist geplant, unter dem oben genannten Motto sollen aber auch mit anderen Künstlern neue Hits entstehen. "Grab the moment" steht in den norwegischen VG-Lista Topp 20 nach wie vor auf der #6, in Schweden auf der #56. In anderen Nationen schaffte es das Lied nicht in die Charts.

Irland - Brendan Murray schied mit "Dying to try" und fliegenden Ballons im Semifinale von Kiew aus, hat aber trotzdem einen Erfolg landen können und zwar in Armenien. Dort steht der irische Wettbewerbsbeitrag momentan an der Spitze der Charts. wie er in der "Six O'Clock"-Show im irischen Fernsehen erklärte, konnte er selbst nicht glauben, dass sein Lied im Kaukasus ein Hit geworden sei. Von der Zuneigung armenischer Fans konnte Brendan in Kiew nicht profitieren, während Armenien im ersten Semifinale stimmberechtigt war, schied Irland als 13. mit 15 Punkten Rückstand auf die zehntplatzierte Anja Nissen aus.

In Spanien zum Hahn ernannt:
Manel Navarro wurde Letzter
Spanien - David Bisbal gibt dem spanischen Song Contest-Vertreter Manel Navarro Rückdeckung. Gegenüber der Zeitung "El País" erklärte der Zweite von Operación Triunfo: "Angesichts der Kritik kämpfe weiter und arbeite für deine Träume." Die Eurovision sei für neue Künstler eine "goldene Möglichkeit" ihrer Karriere einen Schub zu geben, unabhängig vom Ergebnis im Wettbewerb. In Spanien wird Navarro aufgrund des versemmelten Tones als "Gallo" ("Hahn") bezeichnet. Bisbal selbst plane nach seinem Durchbruch (in Deutschland u.a. mit dem Titel "Silencio") keine Rückkehr zum Song Contest. Momentan steht jedoch eine Rückkehr der Operación Triunfo als spanischer Vorentscheid für 2018 im Raum.

Portugal - Passend dazu, Suzy, Portugals Song Contest-Vertreterin in Kopenhagen 2014 hat die nächste Runde von "La Voz", dem spanischen Ableger von "The Voice" erreicht. Mit Hilfe eines Online-Aufrufs hat sie es geschafft, sich für die Halbfinals der Show zu qualifizieren. Der Sieger der spanischen Castingshow erhält die Möglichkeit eine Single mit Tony Sánchez-Ohlsson, dem Komponisten von "Quedate conmigo" und "Amanecer" aufzunehmen. Suzy schied 2014 mit "Quero ser tua" im Semifinale des Eurovision Song Contests aus, ließ es sich aber auch nicht nehmen den Siegertitel von Salvador Sobral zu covern.

Memories: Eurovision Song Contest 1972


Großbritannien - Nachdem Séverine den Eurovision Song Contest 1971 gewonnen hatte, hätte das Fürstentum Monaco das Recht gehabt, den Wettbewerb im Folgejahr auszurichten. Obwohl der kleine Felsen am Mittelmeer dank seiner Einnahmen aus dem Casino und den Steuerflüchtlingen aus dem europäischen Ausland die Staatskasse gut stellt, scheute sich der Sender Teleradio Monte Carlo, den Wettbewerb auszurichten. Zudem mangelte es an einer geeigneten Halle, sodass Monaco den Wettbewerb abgab und die BBC abermals einsprang.


Ursprünglich war das Seebad Blackpool für die Ausrichtung vorgesehen, da aber auch hier nur begrenzte Mittel zur Verfügung standen, rückte die Eurovision in die schottische Hauptstadt Edinburgh ein. Der Song Contest fand in der 1914 eröffneten Usher Hall statt, in der vornehmlich klassische Konzerte stattfanden und die durch den Mäzen und Whisky-Hersteller Andrew Usher finanziert wurde. Moderiert wurde der Wettbewerb, an dem die gleichen 18 Nationen wie im Vorjahr teilnahmen, von der resoluten Ballettänzerin und Schauspielerin Moira Schearer.

Auch am Wertungskonzept wurde nichts verändert, zwei Juroren verschiedener Altersklassen gaben ihre Stimmen von eins bis fünf unmittelbar nach dem Auftritt ab. Dafür hielt der technische Fortschritt Einzug, erstmals wurden die Auftritte der Kandidaten mittels einer großen Videowand auch für die Zuschauer auf den hinteren Rängen sichtbar. Zudem wurde der Wettbewerb erstmals in Asien ausgestrahlt und somit kamen auch die Freunde gepflegter Musik in Hongkong, Japan, auf den Philippinen, Taiwan und Thailand in den Genuss der Eurovision. Zudem wurde der Wettbewerb in Griechenland, Island und Israel ausgestrahlt.

Den Wettbewerb eröffnete die BR Deutschland. Die 1949 in Bingen am Rhein geborene Rosemarie Böhm alias Mary Roos hatte in den Jahren zuvor bereits kleinere Erfolge in den deutschen Hitparaden, etwa mit "Arizona Man". Sie stellte sich gemeinsam mit elf anderen hochkarätigen Interpreten der damaligen Zeit dem Vorentscheid "Ein Lied für Edinburgh" in Berlin, der von Karin Tietze-Ludwig und Renate Bauer moderiert wurde. Mit dabei waren u.a. auch Edina Pop, die später mit Dschinghis Khan ihren großen Auftritt haben sollte, sowie Su Kramer, Inga & Wolf ("Gute Nacht, Freunde", Peter Horton oder Cindy & Bert, die mit "Geh' die Straße" den größten Chartserfolg haben sollten.


Beim Vorentscheid im Studio A des Senders Freies Berlin wurde Mary Roos noch ausgebuht, da sie den Song komplett verpatzte. In Edinburgh lieferte sie jedoch eindrucksvoll ihren Beitrag "Nur die Liebe lässt uns leben" ab und verlockte sogar den britischen Kommentatoren Worte der Entzückung. Auch die Juroren belohnten Marys Leistung, 107 Punkte brachten Deutschland erneut auf den dritten Platz. Als Dirigent stand ihr Paul Kuhn zur Seite. Mary sollte später noch einmal zum Eurovision Song Contest zurückkehren.

Es war ein Abend der Duette, gleich fünf Nationen setzten auf Duos, die aber allesamt im hinteren Bereich landeten. Darunter war u.a. das finnische Duo Päivi Paunu & Kim Floor, das das folklige "Muistathan" ("Erinnerst du dich?") intonierte. Es blieb ein zwölfter Platz, die Karrieren der beiden Interpreten blieben bodenständig, Päivi arbeitete bis zu ihrem Tod 2016 als Logopädin, während ihr Partner Kim Floor in den 90er Jahren in einer Serie und gleichzeitig bei "Onnenpyörä", dem finnischen Glücksrad moderierte. 

Auch die Nachbarn aus Norwegen setzten auf ein Duo, Grethe Kausland und Benny Borg wurden mit "Småting" sogar nur 14. Beide waren nach ihrem bescheidenen Ergebnis in Edinburgh Teil der Comedy-Musikgruppe Dizzie Tunes, Grethe war in mehreren Serien zu sehen, Benny, zeitweise der Ehemann von Kirstie Sparboe, war u.a. als Elvis- und Johnny Cash-Imitator unterwegs. Und auch die eigentlichen Gastgeber aus Monaco setzten auf ein Duo. "Comme on s’aime" konnte jedoch nur den 16. Platz belegen, von beiden Interpreten hörte man später so gut wie nichts mehr.

Nach dem letzten Platz im Jahr zuvor setzte auch Malta auf ein Duo. Helen & Joseph trugen rote Polstermöbel-Kleidung im Partnerlook und sang über Liebe ("L’imħabba"). Doch auch in diesem Jahr blieb den Maltesern nur der letzte Platz, es war bis zum heutigen Zeitpunkt das letzte Mal, dass ein Song Contest-Beitrag auf Maltesisch gesungen wurde. Nur wenig besser lief es für Belgien. Das Duo Serge & Christine Ghisoland erreichte Platz 17 und war, was die musikalische Karriere anbelangt, ebenfalls ausgezählt.


Das einzig erfolgreiche Duett des Abends kam aus den Niederlanden. Sandra & Andres Holten sangen "Als het om de liefde gaat" ("Als ob es um Liebe geht") mit schwungvoller Gymnastik-Performance und vielen "Na na nas". Sandra sollte später unter ihrem vollen Namen Sandra Reemer und als Xandra noch zweimal zum Song Contest zurückkehren. Ihr Duettpartner war später mit dem Duo Rosy & Andres erfolgreich, 1976 belegte "My love" so die #3 der niederländischen Charts hinter "In Zaïre" und "Dancing Queen". Für die Niederlande wurde der grüne Auftritt von Edinburgh zum vierten Platz.

Den modernen Zeitgeist der Veranstaltung spürte man u.a. beim österreichischen Beitrag von The Milestones, die mit ihrem "Falter im Wind" einen entrückten Text über den Leidensweg eines Schmetterlings darboten ("Bleib' nicht im Wald, Schmetterling und verflieg' dich nicht bei Nacht. Falsch ist der Mond, sein Schattenspiel, in der Dämmerung ist kein Halt"). Es reichte jedoch immerhin für den fünften Platz, bis heute eines der besten Ergebnisse Österreichs. Die Sängerin der Milestones, Beatrix Neundlinger kehrte 1977 passenderweise als Sängerin der Gruppe Schmetterlinge zurück.

Nicht ganz so erfolgreich lief es für die Schweiz, die mit Véronique Müller eine Sängerin schickte, deren Hauptaufgabe bis dato die Rolle als Sekretärin von Petula Clark war. Sie wurde Achte, die Nachbarn aus Frankreich gar nur Elfte mit ihrer Sängerin Betty Mars und "Comé-comédie". Diese machte lediglich 1989 noch einmal von sich Reden, als sie in suizidaler Absicht aus dem Fenster ihrer Wohnung im Pariser Stadtteil La Défense sprang und drei Wochen später verstarb.


Große Erwartungen legten u.a. Jugoslawien und Portugal in ihre Teilnehmer. Für Jugoslawien wurde Tereza Kesovija mit dem serbokroatischen Titel "Muzika i ti" entsendet. Tereza war bereits 1966 für Monaco am Start und ist heute eine der wenigen Interpretinnen die für mehrere Länder in verschiedenen Sprachen unterwegs war. Für "Die Musik und du" reichte es auf den neunten Platz, der Portugiese Carlos Mendes, der bereits 1968 dabei war, erreichte gar Rang sieben. Seinem Songtext zu "A festa da vida" wurde eine unterschwellige Kritik an der portugiesischen Diktatur unterstellt, der Song, der die Nelkenrevolution auslöste, sollte allerdings erst zwei Jahre später kommen.

Ebenfalls zum Wettbewerb kehrte die schwedische Formation Family Four zurück. Nachdem diese 1971 bereits über eine weiße Winterwelt sangen, ging es in Edinburgh um einen herrlichen Sommertag. Dabei war die Sängerin Marie Bergman (die u.a. 1994 an der Seite von Roger Pontare zurückkehrte) gehandicapt und musste, nachdem sie sich bei den Proben den Knöchel verstauchte, mit Gips auf die Bühne. Für "Härliga Sommardag" sprang zudem nur ein 13. Platz heraus. Mehr Glück hatte da der Spanier Jaime Morey, der es immerhin auf den zehnten Rang schaffte.


Für Irland trat die 18jährige Sandie Jones mit einem Novum auf. Bis dahin wurde kein irischer Beitrag auf Gälisch gesungen. "Ceol an ghrá" ("Musik der Liebe") konnte die Juroren jedoch auch nicht überzeugen, obwohl das Lied an die Spitze der irischen Charts kletterte, reichte es in Edinburgh nur für den 15. Platz. Nach zwei Siegen beim Festival von San Remo schickte Italien Nicola di Bari, an dessen Regenbogen-Song er selbst mitgewirkt hatte. Er gewann damit in San Remo und konnte beim Eurovision Song Contest immerhin den fünften Platz heimbringen. 


Sehr viel mehr hatten sich unterdessen die Gastgeber aus Großbritannien erhofft. Die New Seakers standen vor dem Eurovision Song Contest an der Spitze der Charts mit ihrem Hit "I'd like to teach the world to sing", der Song wurde umgedichtet zu einer weltweit präsenten Werbejingle für Coca Cola. Mit "Beg, steal or borrow" konnte sich die Hippietruppe aber wieder einmal nur die Silbermedaille für Großbritannien schnappen. Auch das Publikum im Saal spendete der Siegerin nur enttäuschten Pflichtapplaus, da man den New Seakers die besten Chancen ausrechnete.

Als strahlende Siegerin ging allerdings die für Luxemburg startende Vicky Leandros vom Platz. "Après toi" war eine teilweise deutsche Produktion, wirkte doch ihr Dirigent und Mentor Klaus Munro aus Hamburg daran mit. Der Song wurde nach ihrem ersten Anlauf 1967 zum Evergreen, von dem diverse Coverversionen, u.a. sogar auf Japanisch existieren. Vicky Leandros wurde intern nominiert und konnte ganz elegant mit dem Wohlwollen der britischen Juroren, die zehn von zehn Punkten spendierten, ihre internationale Karriere starten.

2006 versuchte sie es mit "Don't break my heart" noch einmal beim deutschen Vorentscheid, wo sie allerdings nur Dritte und damit Letzte wurde. "Après toi" belegte in Deutschland nur die #11 in den Charts, erst später erreichte sie mit Hits wie "Ich hab' die Liebe geseh'n" oder "Die Bouzouki klang durch die Sommernacht" die Top Ten in der Bundesrepublik. Ihren größten Erfolg und einzigen Nummer-Eins-Hit landete sie jedoch 1974 mit "Theo, wir fahr’n nach Lodz". Später engagierte sich Vicky politisch, war für die sozialdemokratische PASOK im Stadtrat von Piräus aktiv. Anzumerken bleibt, dass der Eurovision Song Contest 1972 der erste Jahrgang war, in dem es keinen Punktegleichstand gab. Der Song Contest sollte erneut nach Luxemburg zurückkehren.

Die Teilnehmer:
01. - 128  Vicky Leandros - Après toi
02. - 114  The New Seekers - Beg, steal or borrow
03. - 107  Mary Roos - Nur die Liebe lässt uns leben
04. - 106 -  Sandra & Andres - Als het om de liefde gaat
05. - 100 -   Milestones - Falter im Wind 
06. - 092 -  Nicola di Bari - I giorni dell'arcobaleno
07. - 090  Carlos Mendes - A festa da vida
08. - 088 -  Véronique Müller - C'est la chanson de mon amour
09. - 087  Tereza Kesovija - Muzika i ti
10. - 083  Jaime Morey - Amanece
11. - 081  Betty Mars - Comé-comédie
12. - 078 -  Päivi Paunu & Kim Floor - Muistathan
13. - 075  Family Four - Härliga sommardag
14. - 073 -  Grethe Kausland & Benny Borg - Småting
15. - 072  Sandie Jones - Ceol an ghrá
16. - 065 -  Anne-Marie Godart & Peter McLane - Comme on s'aime
17. - 055 -  Serge & Christine Ghisoland - À la folie ou pas du tout
18. - 048 -  Helen & Joseph - L’imħabba