Samstag, 27. August 2016

Silver Cocktail: Silver Convention



Europa - Der drittletzte Cocktail auf unserer Karte, für den sich unsere User entschieden haben trägt den Namen "Silver Convention". Allerdings hat dieses Posting rein gar nichts mit dem deutschen Damentrio von 1977 zu tun, die Betonung liegt vielmehr auf dem Wort "Silver", es geht also um die Zweitplatzierten in der Geschichte des Eurovision Song Contests von Anbeginn bis zu Dami Im aus Australien, für die es nicht ganz nach oben auf dem Treppchen gereicht hat, aber wie heißt es so schön: "Silber kann man zu allem tragen".


Geht man zurück in der Geschichte des Eurovision Song Contests, dann fällt gleich beim allerersten Jahrgang 1956 in Lugano auf, dass es hinter Lys Assia keine weiteren Platzierungen gibt. Die Wertungszettel von damals wurden gleich im Anschluss der Sendung verbrannt, es liegen somit keine Informationen für die Nachwelt vor, wer hinter der Schweiz auf den zweiten Rang kam. Gerüchten zufolge soll es Walter Andreas Schwarz mit seinem, aus heutiger Sicht, befremdlichen Text über den "Kai der Vergangenheit", auf den "Runner Up"-Platz gekommen sein, belegt werden konnte dies jedoch nie.

1957 in Frankfurt am Main wurde es schon klarer, es gab ein offizielles Voting, durchgeführt von Anaid Iplicjian, die vor einer provisorischen Pappwand mit einer Europakarte veranschaulichte, welche enormen Distanzen die EBU durch Telefonschaltungen zu überbrücken weiß. Paule Desjardins wurde die erste Zweitplatzierte beim Eurovision Song Contest, die diesen Titel ohne Frage tragen darf. Frankreich kassierte hinter den Niederlanden die meisten Punkte, immerhin 17 an der Zahl. Wenn es aber ein Land geschafft hat, als Ewiger Zweiter bezeichnet zu werden, dann war es das Vereinigte Königreich.

Eigentlich war alles auf Sieg
ausgerichtet: Cliff Richard
Insgesamt 15x landeten die Briten auf dem undankbaren zweiten Platz. 1959, 1960, 1961, namhafte Künstler konnten sich nicht mit dem jeweiligen Jahrgangsbesten messen. Mary Hopkin 1970 oder Cliff Richard 1968 standen ebenso im Schatten der Sieger wie auch Kathy Kirby ("I belong") oder die New Seekers mit "Beg, steal or borrow". Dabei waren die britischen Beiträge immer nah am jeweiligen Musikgeschmack, "Let me be the one" von den Shadows 1975 ist ein Evergreen, ebenso wie "Rock Bottom" von Lynsey de Paul & Mike Moran 1977. Ein knappes Duell lieferte sich Scott Fitzgerald ("Go") 1988, der erst in der letzten, jugoslawischen Stimmvergabe, von Céline Dion überholt wurde.

Großbritanniens letzter
Platz 2 - Imaani (1998)
Zuletzt wurde Großbritannien 1998 mit Imaani Zweite beim Song Contest im eigenen Land. Mit "Where are you?" verdrängte Imaani, die 1972 als Melanie Crosdale geboren wurde, Chiara aus Malta auf den dritten Platz, auch wieder erst in der letzten Wertung. Chiara wurde dafür 2005 Zweite mit ihrem wunderschönen Schmachtfetzen "Angel". Auch Deutschland schaffte es viermal auf den Silbermedaillenrang. An allen zweiten Plätzen war Bernd Meinunger als Texter beteiligt, in drei von vier Fällen auch Ralph Siegel als Komponist. 1980 schuf er für Katja Ebstein das unvergessene "Theater". Katja Ebstein wurde darüber hinaus noch zweimal Dritte, 1970 und 1971. Für ganz vorne hat es für sie jedoch nie gereicht, sie scheiterte an Dana, Séverine und Bucks Fizz.

Hat 1981 gut funktioniert:
Lena Valaitis & Ralph Siegel
Gleich zweimal wurde die Gruppe Wind Zweite. 1985 komponierte Hanne Haller "Für alle", 1987 gelang der Gruppe mit "Laß' die Sonne in dein Herz" noch einmal ein großer Wurf, damals war es Johnny Logan, der die Bundesrepublik in die zweite Reihe verwies. Und dann war da noch Lena Valaitis 1981, die als Anelė Luise Valaitytė am 7. September in Memel, dem heute in Litauen liegenden Klaipėda, geboren wurde und mit "Johnny Blue" darüber sang, wie grausam Kinder sein können und sinngemäß, dass auch ein blindes Huhn mal ein Korn finden könne und ganze Konzerthallen füllen könne. Lena erfreut sich noch heute im ZDF-Fernsehgarten oder bei Nostalgie-Radiosendern größter Beliebtheit.

Deutschland schaffte es immerhin 4x auf den zweiten Rang, einigen Ländern blieb, trotz zahlloser Teilnahmen diese Ehre verwehrt. Österreich beispielsweise nimmt seit 1957 mehr oder weniger regelmäßig am Wettbewerb teil, Silber gab es jedoch nie für die Acts aus Austria. Ebenso wenig für griechische, portugiesische, zypriotische, luxemburgische oder finnische Beiträge. Auch diverse osteuropäische Nationen, die schon seit Beginn der 90er dabei sind, haben noch nie die zweite Geige gespielt. Dazu gehören Estland, Lettland, Serbien, Rumänien oder Kroatien. Stattdessen landeten einige Wiederholer nach ihrem Sieg auf dem zweiten Platz.

Musste erst Zweite werden
um zu gewinnen: Linda Martin
Gigliola Cinquetti aus Italien zum Beispiel. Sie wurde 1964 mit "Non ho l'èta" Erste, zehn Jahre später hinter ABBA mit "" Zweite. Auch die allererste Siegerin Lys Assia wurde von den Juroren 1958 mit "Giorgio" auf den zweiten Platz votiert. Linda Martin aus Irland wurde hingegen zunächst Zweite mit ihrem "Terminal 3" und gewann 1992 den Eurovision Song Contest in Malmö. Andere hatten ähnliches vor. Ira Losco wurde 2002 in Tallinn Zweite mit "7th wonder", ihr Anlauf 2016 mit "Walk on water" landete jedoch nur in den Top Ten. Dafür hat sie in dieser Woche einen gesunden Sohn namens Harry zur Welt gebracht.

Für Polen erfolgreich:
Edyta Górniak
Polens Debüt wurde 1994 mit Edyta Górniak zu einem Traum in Silber. "To nie ja" verzauberte die Juroren auf dem Kontinent, noch heute ist sie Polens größter Musikexport, beim diesjährigen Vorentscheid musste sie jedoch der Konkurrenz den Vorzug lassen. Elisabeth Andreassen, die 1986 als Teil der Bobbysocks für Norwegen den Sieg perfekt machte, sang den Gastgeber von 1996, ebenfalls Norwegen mit "I evighet" auf den zweiten Platz, nur die noch sphärischer klingende Eimear Quinn aus Irland wurde ihr gefährlich. 

Laufen heute noch im Radio:
The Common Linnets
Weitere prominente Zweitplatzierte sind Esther Ofarim, die spanische Gruppe Mocedades, Lill Lindfors & Svante Thuresson mit ihrem Lied über die Prinzessin und den Schweinehirten oder die Common Linnets für die Niederlande in der jüngeren Geschichte. Im Vorfeld wurden den Niederländern kaum mehr als Außenseiterchancen eingerechnet, am Ende durften sie sich aber hinter Conchita auf dem Treppchen wiederfinden. Der Song ist noch heute oft im Radio zu hören, zwei Jahre nach dem Wettbewerb von Kopenhagen.

Anders war es im Jahr 1969, damals gab es, durch ein nicht ganz zu Ende gedachtes Regelwerk, gleich vier Sieger. Die Zweitplatzierten lieferten sich teilweise sehr spannende Kopf-an-Kopf-Rennen mit den späteren Siegern. So wurde Amina aus Frankreich 1991 auf den zweiten Platz verbannt, obwohl sie genauso viele Punkte hatte wie ihre schwedische Konkurrentin Carola. Da sie mit ihrem "C'est le dernier qui a parle qui a raison" jedoch weniger hohe Einzelwertungen hatte als Carola wurde sie zur unglücklichen Zweiten. 

Brachte Italien nach 14 Jahren
zurück zum ESC:
Raphael Gualazzi
Italien feierte seine Rückkehr zum Eurovision Song Contest mit einem zweiten Platz. Raphael Gualazzi platzierte sich zwischen den siegreichen Aserbaidschanern und dem schwedischen Favoriten Eric Saade. Die belgische Formation Urban Trad konnte 2003 hinter der Türkei einen überraschenden zweiten Platz herausholen, dabei sangen sie in einer Fantasiesprache und hatten mit dem russischen Damen von t.A.T.u. harte Konkurrenz im Nacken. Später hat man von t.A.T.u. jedoch noch mehr gehört als von Urban Trad.

Sieben, sieben, ein, zwei...
Zweimal in Folge konnte sich die Ukraine auf Platz zwei positionieren. 2007 schickte das Land die Glitzerqueen Verka Serduchka mit "Dancing lasha tumbai" zum Song Contest nach Helsinki, im Jahr später knüpfte Ani Lorak an dieses Ergebnis an. Im gleichen Jahr als Ani Lorak Zweite wurde, siegte Dima Bilan für Russland. Dieser konnte 2006 bereits eine Silbermedaille heimbringen. Mit "Never let you go" und einer Dame, die zum zweiten Refrain aus dem weißen Flügel kroch, hatte er die Gunst vieler Zuschauer bei sich. Ähnliches galt für Yohanna 2009, die allerdings meilenweit hinter Alexander Rybak das zweite Mal nach Selma 1999 auf dem Treppchen für Island landete.

Wurde die bisher letzte Silber-
medaillengewinnerin: Dami Im
Zuletzt reihte sich die Australierin Dami Im in die Liste ein, in der u.a. noch Anabel Conde aus Spanien, Rollo & King für Dänemark, Zeljko Joksimovic für Serbien-Montenegro oder Polina Gagarina für Russland stehen. Russland hat 2012 mit den udmurtischen Babushkis aus dem Dorf Buranovo übrigens den Vogel abgeschossen. Sechs trachtentragende Damen hatten ihren Steinofen mitgebracht und backten fröhlich zu "Party for everybody" Brötchen. 

Während der Zweitplatzierte häufig durch irgendein interessantes Gimmick besticht, etwa einen Ofen, Spiegelboxen oder ein serbisches Streichorchester, sind die Sieger heutzutage oft ein gemeinsamer Nenner aus Publikums- und Juryvoting. Schlecht sind weder die einen noch die anderen, aber auch wenn, wie ABBA es beschrieb, immer nur der Sieger im Rampenlicht steht, soll an dieser Stelle auch denen gedacht werden, die gut aber nicht gut genug waren, um den Eurovision Song Contest zu gewinnen.



Poll: Zwei Themen sind noch zur Auswahl, das letzte Voting für diese Cocktailsaison steht bevor und wie schon im letzten Jahr sind es die Mottos, die sich in all den Wochen beim Voting nicht durchsetzen konnten. Die Wahl fällt diesmal zwischen der "Fashion Queen" und der "Vintage Week". Zum Voting geht's hier entlang.

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