Sonntag, 26. Juni 2016

Eurovision am Sonntag (46)



Europa - Wenn man sich die Achtelfinals bei der Fußball-EM einmal genau anschaut, fällt auf, dass fast nur noch Nationen übrig sind, die beim Eurovision Song Contest im Regelfall wenig zu melden haben. Polen kam gestern im Elfmeterschießen gegen die Schweiz ins Viertelfinale, Wales glücklich nur durch ein Eigentor der Nordiren und Portugal hat die Mitfavoriten aus Kroatien mit einer One-Man-Show rausgekegelt. Später geht's dann für Deutschland gegen die Slowakei. BahnCard-bedingt bin ich für die Slowaken, ein deutscher Sieg bringt mir persönlich leider nichts...

Programmtipp:
So., 26. Juni 2016 - 18:00 Uhr
Fußball-Europameisterschaft

 Deutschland vs. Slowakei 

live aus dem Stade Pierre Mauroy in Lille, Kommentar: Béla Réthy


Eurovisionär gesehen war diese Woche ein klein wenig interessanter als die Wochen zuvor. Insbesondere Luxemburg sorgte für Unterhaltung und das, obwohl es seit 1993 keinen Schritt mehr unternommen hat, zum Wettbewerb zurückzukehren. Unter den Nationen, die mehr als einmal teilgenommen haben (sprich Marokko) löst das Großherzogtum demnächst Monaco als Nation mit der größten Pause zwischen zwei Beiträgen ab. Monaco setzte zwischen 1979 und 2004 aus, eine 25jährige Durststrecke. 

1984 war Luxemburg zum
letzten Mal Gastgeber des ESC
Nun soll der Eurovision Song Contest in Luxemburg parlamentarisch aufgerollt werden. RTL erklärte bereits, dass man aus finanziellen Gründen definitiv keine Teilnahme möglich machen könne und somit auch 2017 in der Ukraine aussetzen wird. Zu groß ist die Angst, den Wettbewerb zu gewinnen. Dabei frage ich mich, warum Nationen mit einem geringeren BIP wie etwa Moldawien, Armenien oder San Marino keine Angst haben. Gleichzeitig kritisiert RTL, dass man als kleine Nation keine großen Chancen auf eine vordere Platzierung haben wird. Der derzeitige Modus würde die Zwergstaaten benachteiligen.

Die luxemburgischen Fans hingegen sind anders als der nationale Rundfunk sehr engagiert, veranstalten regelmäßig Song Contest-Galas und wirken aktiv an der Gestaltung einer Community in Luxemburg mit. Inmitten Europas verzichtet ein Land, das in der europäischen Politik trotz seiner Größe eine bedeutende Rolle führt, auf den Wettbewerb, der den europäischen Gedanken besser trägt, als politische Organisationen. Und politisch ist die Stimmung in Europa ohnehin momentan wenig tragbar, die jüngste Entscheidung der Briten spricht Bände.

Schottland wollte schon
häufiger mal zum ESC
Das "United Kingdom" ist mehr oder weniger "divorced", in Schottland möchte die Regierung bereits ein zweites Unabhängigkeitsreferendum erwirken und eigene Gespräche über einen Verbleib in der EU führen. Die erste Ministerin Nicola Sturgeon hat bereits die parlamentarische Grundlage gelegt. Auf den Eurovision Song Contest hat der Brexit keine Auswirkungen, die BBC ist für Großbritannien natürlich weiterhin teilnahmeberechtigt. Ob sich der politische Umbruch aber auf die Punkte niederschlägt, bleibt abzuwarten. So sonderlich erfolgreich waren die britischen Song Contest-Acts der letzten Jahre ohnehin nicht.

Sollte Schottland sich tatsächlich für die Unabhängigkeit entscheiden, was 2014 bereits abgelehnt wurde, hätte die Highlands-Nation mit STV sogar schon einen Mitgliedssender in der Europäischen Rundfunkunion. Ich persönlich könnte mir einen schottischen Beitrag durchaus vorstellen, von Amy McDonald hat man schließlich schon länger nichts mehr gehört, oder? Zudem hätte das arme Irland einen gälischen Bruder, der vielleicht ein paar zusätzliche Punkte mobilisieren könnte. Man muss ja auch berücksichtigen, dass die britischen Acts alle vier Landesteile repräsentieren, egal ob nun ein Waliser gewählt wird oder ein Engländer.

Der Anfang vom Ende: Hat
das UK bald ausgedient?
Prinzipiell wäre es doch auch denkbar, dass sich das Vereinigte Königreich eurovisionstechnisch aufspaltet. Die EBU spricht sich zwar gegen ein solches Szenario aus, beim Fußball oder anderen internationalen Veranstaltungen sind Wales, England, Schottland und Nordirland aber auch regelmäßig eigenständig vertreten. Speziell in Schottland gab es schon häufiger die Idee, mit einem eigenen Beitrag anzutreten, insbesondere die Scottish National Party verfolgt entsprechende Pläne. Schon 2009 hatte man Pläne hierfür. 

Auch das walisische Fernsehen S4C hatte bereits einmal Pläne einen eigenen Beitrag zum Junior Eurovision Song Contest zu schicken. 1969 wurde dort auch der Wettbewerb "Cân i Gymru" ("Ein Lied für Wales") eingeführt, ursprünglich um einen Song Contest-Beitrag zu ermitteln. Heute dient der Wettbewerb dafür, einen Vertreter für das Pan Celtic Festival zu finden, an dem sich Schottland, Irland, die Isle of Man, Cornwall und die Bretagne beteiligen. Beim beliebten "Spiel ohne Grenzen", einer eurovisionären Spieleshow nahm bis 1982 das Vereinigte Königreich als Einheit teil. Nach der Neuauflage nahm lediglich Wales bis 1994 teil. Bei der "großen" Eurovision hingegen hält man das Vereinigte Königreich weiterhin zusammen, wie auch bei den Olympischen Spielen. 

Für Nathan Carter wäre der
ESC eine Option
Die Zukunft wird zeigen, wohin der Weg des Landes gehen wird, solange die Schotten sich aber nicht klar gegen den Verbleib im UK ausgesprochen haben, wird auch nur ein Beitrag zum Eurovision Song Contest geschickt. Die EBU hat sich ja, insbesondere bei der Flaggenproblematik beim diesjährigen Song Contest sehr extrem gegen Separatismus ausgesprochen und in ihrer ersten Fassung u.a. die Flaggen des Baskenlandes verboten. Ich bin sehr gespannt, was auf der Insel passiert. Neuigkeiten gibt es dafür noch aus der benachbarten Republik Irland. Dort hat der 26jährige Nathan Carter, ein derzeit sehr populärer Countrysänger Interesse am Eurovision Song Contest bekundet. Seit 2007 hat er bereits acht Studioalben veröffentlicht. Gegenüber der Morning Show auf 2FM erklärte Carter: "Ich habe eine Menge Anfragen von Eurovisionsfans bekommen." 

Für ihn wäre der Song Contest offenbar tatsächlich eine Option. Irland taumelt seit Jahren auch eher in der unteren Tabellenhälfte, RTÉ muss sich etwas einfallen lassen, um den Status als erfolgreichstes Land beim Song Contest nicht an Schweden abzugeben. Die irische Mannschaft tritt übrigens um 15 Uhr gegen EM-Gastgeber Frankreich an. Die besten Fans haben sie schon einmal, vielleicht reicht es ja demnächst auch wieder für etwas mehr internationalen Prestige. Schönen Sonntag!

Kommentare:

  1. Bei Schottland kann ich mir auf längere Zeit vorstellen das sie sich Unabhängig machen und mit einem eigenen Song beim ESC präsentieren werden, bei den anderen bin ich mir nicht sicher Wales hat sich ja selbst für einen EU-Austritt entschieden denke sie bleiben ein Teil vom Königreich, bei Nordirland bin ich mir nicht sicher die würden ja ein Teil von Irland werden oder einige der Politiker meisten Katholiken streben das an nur die Protestanten haben da was dagegen ziemlich gespalten das Land,da glaube ich nicht das sie irgendwann ein Beitrag zum ESC senden können oder werden.

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  2. Ich bin froh über die Konsequenzen des Brexit!
    Ich könnte es verstehen, wenn das Ergebnis eindeutiger wäre, aber ich finde bei einem Ergebnis von 51% zu 48% sollte man das Ergebnis nochmal überdenken. Man kann so etwas doch nicht Ernst nehmen.

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    1. Ja da stimm ich dir voll und ganz zu, als ich zum ersten mal die Prozentzahlen gehört habe, dachte ich mir auch nur: "Und nun?" das ist einfach viel zu nahe beieinander was hätten sie denn bei 50,1% zu 48,9% gemacht? Auch austreten ? Aber normaler weise dürfte man eine solche Entscheidung nicht mal dem Volk überlassen. :-/

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