Sonntag, 24. April 2016

Eurovision am Sonntag (41)



Europa - In einer Woche sind die ersten Delegationen bereits in Stockholm vor Ort und machen sicherlich die erste Lagebesprechung, denn am Montag, den 2. Mai beginnen im Globen die Proben zum Eurovision Song Contest. 42 Nationen werden in der Folgewoche alles Notwendige veranlassen, um den optimalen Beitrag in den Liveshows zu präsentieren. Einer darf nicht, Ovidiu Anton aus Rumänien wird den Wettbewerb von zuhause aus verfolgen müssen.

Wie in den letzten beiden Tagen zu lesen war, ist Rumänien aus der EBU geflogen, TVR hat Schulden über Jahre hinweg nicht zurückzahlen können, nun hat die Union die Reißleine gezogen. Die Thematik ist bereits bekannt, der Eurovision Song Contest 2016 wird nicht den Teilnehmerrekord von 2008 in Belgrad oder 2011 in Düsseldorf einstellen können und das, obwohl man vier Rückkehrer und auch Australien wieder mit an Bord hat. Rumänien zählte in diesem Jahr nicht unbedingt zu meinen Favoriten, dennoch ist es schade, dass ein ganzes Land aus notorischer Zahlungsunlust (sei es nun aufgrund des Senders oder wegen politischer Machtlosigkeit) fernbleiben muss.

TVR-Sitz in Bukarest
Nähme man die Slowakei als Beispiel, die ebenfalls seit 2013 keinen Act mehr zum Song Contest schickt, fallen Parallelen auf, sowohl TVR als auch das slowakische Fernsehen RTVS haben keine finanziellen Mittel um neben ihrem Versorgungsauftrag im eigenen Land auch noch einen Startplatz beim Song Contest zu erkaufen. Anders als in Rumänien verzichtet die Slowakei aber bewusst auf die Teilnahme, eben weil er nicht finanzierbar ist. Dass RTVS den Wettbewerb als ein interessantes Projekt ansieht, wurde uns jüngst aus Bratislava bestätigt. Rumänien hat sich über Jahre hinweg trotzdem angemeldet, obwohl den Senderchefs in Bukarest bewusst gewesen sein dürfte, dass die Teilnahme nicht im Budget liegt.

Es war 2009, als Rumänien erstmals offenkundig bekanntgab, dass der Song Contest in Russland in Gefahr sei, auch andere Länder wie Lettland waren teilweise gefährdet, fanden aber dennoch einen Weg. Es ist nicht überliefert, wie viele der 73 Rundfunkanstalten innerhalb der EBU noch offene Rechnungen bei sich liegen haben, es dürfte aber sicherlich noch andere Nationen geben, nicht nur Rumänien. Hier ist es nun publik geworden, dass TVR nicht aus fehlender Zahlungsmoral sondern einfach aus finanziellen Gründen nicht mehr in der Lage war zu zahlen. Trotzdem hätte die EBU bereits seit längerem darauf reagieren können.

Anders als z.B. Serbien, das bewusst 2013 verzichtete um sich finanziell zu fangen, hat sich Rumänien wieder und wieder auf die Teilnehmerliste setzen lassen. Man kann also weder der EBU, noch TVR die alleinige Schuld für diese Versäumnisse geben. Dennoch ist es fraglich, ob der gewählte Zeitpunkt für den Ausschluss wirklich per sofort, unmittelbar vor dem Song Contest in Stockholm erfolgen musste. Gerade in Zeiten, in denen Europas Einheit mehr und mehr auf der Probe steht, zählt doch irgendwie auch der völkerverbindende Gedanke des Eurovision Song Contests, oder? Kapitalismus hin oder her, aber es wäre eine Geste der EBU gewesen, dass TVR wenigstens noch den Song Contest hätte mitnehmen können. 

Ich denke da auch an Griechenland 2013, das damals ebenso auf der Kippe stand, nachdem der Sender ERT aufgelöst und ein Interimsender die Teilnahme stemmte. Dieser wäre rechtlich auch gar nicht in der Lage gewesen, für Griechenland teilzunehmen, durfte es aber doch. Die Gründe dürften damals zwar andere gewesen sein, letztlich ist es aber auch hier eine Geste des guten Willens gewesen. Und irgendwie stellt sich mir auch die Frage, wie Rumänien 2006 noch in der Lage gewesen ist, den Junior Eurovision Song Contest in Bukarest stattfinden zu lassen, wenn doch damals schon absehbar war, dass man nur mit Müh und Not ein Vollprogramm anbieten zu können.

Paradiesvogel Andri Xhahu
Der Sommer wird zeigen, wie es in der "Causa Romania" weitergeht. Wir richten unseren Blick jedenfalls weiter auf den Wettbewerb in Stockholm. Alsbald wird der NDR seine Juroren für den diesjährigen Song Contest benennen, auch die Liste der Spokespersons dürfte noch länger werden, als Wiederholungstäter erleben wir in diesem Jahr z.B. Andri Xhahu aus Albanien wieder, der immer durch einen unmöglichen Kleidungsstil auffällt. In den Wettquoten übrigens ist Jamie-Lee mittlerweile auf die #22 abgerutscht, Island, Zypern und Norwegen liegen vor ihr, hinter ihr positionieren sich Österreich, Israel und Belgien. Auf dem letzten Platz rangiert weiterhin die Schweiz. 

Verstörend finde ich allerdings die Quoten für Bosnien-Herzegowina und Mazedonien. Auch wenn ich bei beiden Liedern fest davon überzeugt bin, dass sie nicht gewinnen werden, so finde ich doch, dass sie zumindest das Finale erreichen werden. Bosnien-Herzegowina hat die einzige typische Balkanmelodie im Rennen, wenngleich sie durch Rap und Cellosolo etwas verfremdet wurde, Mazedonien sollte auf den Diven- und Bekanntheitsgrad von Kaliopi zurückgreifen können. Wie Radiomoderator Thomas Mohr jedoch auch richtig einräumte, können Wiederholer beim Song Contest auch gut und gerne einmal baden gehen, Niamh Kavanagh und Dana International, zwei ehemalige Siegerinnen sind da das beste Beispiel.

Vatican City calling:
Francesca bei der Audienz
Nicht unterschätzen sollte man hingegen Italien. Francesca Michielin mag momentan noch etwas untergehen, aber irgendwie habe ich im Gefühl, dass die RAI ihre Revanche gegenüber SVT wahrmacht und auch weit oben mitspielen darf. Gestern holte sich die Sängerin im Vatikan bei einer Audienz von Papst Franziskus übrigens den Segen von oben ab. Wie überliefert ist, wird Francesca mit dem Bus nach Stockholm anreisen, die Tour beginnt in ihrem Heimatort Bassano del Grappa bei Venedig und schließt sechs Zwischenstopps auf der Strecke ein, inklusive Wien und Berlin.

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