Donnerstag, 18. Februar 2016

San Marino: Ausländischer Mittelwert statt Televoting?



San Marino - Einen frechen Beigeschmack hat die Neuregelung durch die EBU allerdings: in Ländern, in denen jährlich kaum ein vernünftiges Televotingergebnis zustande kommt, etwa dem kleinen San Marino, wo es sogar an einem eigenen Anbieter mangelt, griff bislang immer die Back Up-Jury, die somit 100% des nationalen Ergebnisses ausmachte.

Nach neuen Bestimmungen durch die EBU, soll das fehlende Televoting durch einen vorher definierten Wertungsschlüssel erhoben werden. Die EBU legt vor der Abstimmung eine bestimmte Zahl Länder aus, aus deren Televotingergebnissen ein repräsentatives Stimmenverhältnis ermittelt werden soll. Damit entzieht man Ländern mit geringen Anrufzahlen das demokratische Recht auf die Abstimmung und legt ihnen den Mittelwert anderer Nationen in den Mund. Zudem stellt sich die Frage, ob sich ein Land somit nicht sogar selbst wählen könnte...? Explizit ausgeschlossen hat die EBU dieses noch nicht, wenngleich es wohl nur ein lapidarer Formfehler sein wird.

Die EBU formuliert die Passage in ihren FAQ's im englischen Originalton wie folgt: "In order to secure the 50/50 balance between jury and televoting a national jury result cannot be used as backup result for the televoting. Therefore, if - for whatever reason - a country cannot deliver a valid televoting result, a substitute result is calculated by the audience result of a pre-selected group of countries. These groups and their composition have been pre-approved by the EBU and the Reference Group."

Und so wird es in San Marino tatsächlich passieren, da bisher kaum messbare Ergebnisse aus dem kleinen Zwergstaat zustande kamen und seit 2008 immer auf die Jury zurückgegriffen wurde. Ähnliches dürfte auch für Monaco und Andorra gelten, sollten diese Nationen eines Tages zum Eurovision Song Contest zurückkehren. Es bleibt natürlich alles theoretisch, verbindliche Aussagen über das neue Wertungsformat kann man ohnehin erst in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai machen.

Update [21:43 Uhr]: Um die per E-Mail eingangene Frage zu beantworten: San Marino verfügt über kein eigenes Telefonnetz, sodass ein Televoting innerhalb des Landes nur erschwert möglich ist. Dennoch verfügt San Marino mit der +378 aber durchaus über eine eigene, von Italien (+39) unabhängige Landesvorwahl.

Kommentare:

  1. Beim "alten" System (ungewohnt von alt zu sprechen :D) war 100%iges Juryvoting doch auch möglich. Warum lässt man in Ländern wie San Marino bei zu wenigen anrufen, im Zweifelsfall die Jury nicht einfach 24 Punkte als Maximum vergeben? Ist doch wesentlich fairer als Kleinstaaten einfach Televotes zuzuordnen...

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  2. Bevor man zu sowas greift, kann man doch noch Folgendes machen:

    Ich gehe davon aus, dass trotzdem einige Zuschauer aus San Marino abstimmen, unabhängig, ob sie beim Finale dabei sind. Ich weiß nicht, wie oft abgestimmt werden muss, damit das Televoting zählt, aber wenn mindestens für 10 Länder angerufen wird, kann man doch lieber dieses Ranking nehmen und in Punkte verwandeln, als sich da was aus nem Durchschnitt aus dem Hut zu zaubern, oder?

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  3. Dass keiner in SM anruft dürfte weniger das Problem
    sein als die Tatsache, dass das Land kein eigenes Telefonnetz hat

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