Samstag, 25. Juli 2015

Kommentar: Kleines Land mit starkem Willen


Slowenien - Es gibt beim Eurovision Song Contest immer noch einige Länder, die auf den großen Durchbruch warten. Dazu gehören Portugal, das seit über 40 Jahren versucht, die Top Five zu erreichen oder Tschechien und die Slowakei, die irgendwie seit ihrem jeweiligen Debüt in einer Sinneskrise stecken. Alle Nationen haben bereits Beiträge zur Eurovision geschickt, die ziemlich unterbewertet wurden, zu den am meist unterschätzten Nationen gehört allerdings Slowenien.

Seit der ersten Teilnahme 1993 im verschlafenen Millstreet in Irland nahm Slowenien bisher 21x an der Eurovision teil, nur Darja Švajger und Nuša Derenda konnten überhaupt die Top Ten erreichen. Nach Einführung der Halbfinals beim Eurovision Song Contest hatte Slowenein eine der schlechtesten Quoten überhaupt. Acht Mal schieden die slowenischen Beiträge im Halbfinale aus, nur vier konnten sich für das Finale qualifizieren.

Und jene Beiträge, die es ins Finale schafften, blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Alenka Gotar mit ihrer Leuchtdiode wurde nur 15. obwohl sie von den Fans in Helsinki zu den Mitfavoriten gezählt wurde und auch Maja Keuc 2011 hatten die Fans deutlich weiter oben angesiedelt. Danach wurde ein neuartiges Vorentscheidungsmodell ausprobiert, die Misija Evrovizija, ein wochenlanges Casting, bei dem die großartige Eva Boto entdeckt und gefördert wurde. In Baku wurde sie Vorletzte im Halbfinale...

2013 schickte Slowenien die intern nominierte Amerikanerin Hannah Mancini zum Song Contest. Auch ihr Uptempo-Titel "Straight into love" wurde im Vorfeld hoch gewettet, in Malmö kam alles anders, trotz guter Performance wurde Slowenien nur Letzter im Halbfinale. Es folgte ein langes Zögern in Ljubljana, ob man überhaupt noch am Eurovision Song Contest teilnehmen sollte. Befreundete Nationen wie Kroatien oder auch Bosnien-Herzegowina hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits verabschiedet, aus verschiedenen Gründen.

Schließlich sagte RTVSlo doch für 2014 zu und wählte in der traditionellen EMA, dem nationalen Vorentscheid Tinkara Kovač mit "Spet (round and round)" aus. Es war ein schlichter und eher antiquierter Beitrag, hinter dem jedoch ein namhaftes Team steckte, Hannah Mancini, die im Vorjahr antrat sowie Raay alias Aleš Vovk, der bis 2009 noch in einem ganz anderen musikalischen Genre zuhause war und moderne slowenische Polka mit den Turbo Angels sang.

Ähnlich wie die Gruppe Atomik Harmonik übersetzten die Turbo Angels ihre Lieder auch ins Deutsche wobei Lieder wie "Sag mir wann, Superman" entstanden. Raay schwor diesem 2009 ab und widmete sich anderen Projekten. 2012 war er Teil der Jury der Misija Evrovizija und 2014 komponierte er schließlich Tinkaras Titel, der es als Zehntes in die Finalrunde von Kopenhagen schaffte und dort den vorletzten Rang belegte. Man schöpfte in Slowenien jedoch neuen Mut und stellte auch 2015 einen Beitrag in Aussicht.

Dort konnte sich das Duo Maraaya qualifizieren. Wieder mit dabei war Raay, der mit seiner Frau Marjetka gemeinsam nach Wien fahren sollte. Diesmal hatte man einen modernen Titel im Gepäck, der Text stammte von Charlie Mason, der immerhin schon mit Eric Saade, Monrose, Danny Saucedo aber auch Conchita Wurst und Bojana Stamenov gearbeitet hatte und wusste, was ein Eurovisionstitel braucht. Leider hatte Slowenien das Pech, im Finale den Anfang machen zu müssen. Wohl dadurch beeinflusst, landete Slowenien nur auf dem 14. Platz und abermals hinter den Erwartungen.

2016 möchte Slowenien wieder am Eurovision Song Contest teilnehmen, sofern das Geld ausreicht. Aus diesem Grunde erfolgte bisher noch keine Bestätigung, dass man in Stockholm einen Kandidaten entsenden wird. Das kleine Land zeigt jedoch wieder Ehrgeiz, beim Song Contest etwas bewegen zu wollen und muss langsam auch einmal belohnt werden. Trotz aller Schlappen ist die Energie des slowenischen Rundfunks nie verschwunden und wir warten weiter auf eine Neuauflage von "Energy", denn davon hat Slowenien reichlich.

Wer einmal in Slowenien war, das bestätigt auch hr-Moderator Tim Frühling, wird begeistert sein. Das kann ich dem Land auch attestieren. Nicht nur landschaftlich und wirtschaftlich beeindruckt Slowenien, man rühmt sich auch damit, dass es das einzige Land im Englischen mit "Love" im Namen ist. Viele wünschen sich einen Eurovision Song Contest in Ljubljana und ich hoffe, dass sie es aus eigener Kraft schaffen mögen, bevor sie irgendwann doch das Interesse verlieren, wie ihre Nachbarn aus Kroatien.

Wer waren eure Favoriten aus Slowenien, die eurer Meinung nach deutlich hinter den Erwartungen blieben?


Passend zum Saturday Night Feeling heute Abend: Rebeka Dremelj mit ihrem EMA-Song von 2005 - Pojdi z menoj

Kommentare:

  1. Ich verstehe immer noch nicht warum es Eva Boto damals nicht geschafft hat :(
    Für mich neben dem diesjährigen der beste Song Sloweniens, beide hätten deutlich bessere Platzierungen verdient gehabt.

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  2. Mein Lieblingsland beim ESC. <3
    So viele unterbewertete Lieder :(

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  3. Ja Slowenien hat eindeutig viel zu viele Lieder entsendet, die einfach nicht gewürdigt wurden... Liegt es am Land? An der Lage? An den Geschmack Europas oder ist Slowenien einfach zu unscheinbar? Man kann nur munkeln... Es ist europäischer angehaucht als der Rest "Jugoslawiens". Aber noch nicht zu europäisch, um sich an den restlichen Teil Westeuropas anzuschließen. Es gehört weder auf die eine eine, noch auf die andere Seite. Vielleicht ist das auch das Problem... Wobei... Man kann echt nur munkeln und sich den Kopf zerbrechen! Persönlich finde ich die Songs Sloweniens die letzten Jahre richtig toll, fast alle waren finalwürdig bzw. mit einer guten Finalplatzierung verbunden, doch der Rest Europas "LOVES" Slowenien nicht so sehr ;)

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  4. Slowenien ist wirklich eins meiner Lieblings-ESC-Länder, 2014 und 2015 gehörten die Songs jeweils zu meiner Top 5!

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    1. Slowenien ist seit 2005 mit Ausnahme von 2010 jedes Jahr in meiner Top 6. Da finde ich andere Länder wie z.B. Griechenland jedes Jahr richtig überbewertet, deren Lieder (seit 2004) schaffen es nicht mal in meine Top 10 (Ausnahme 2015).
      Aber irgendwann überrascht uns Slowenien und gewinnt das ganze.

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