Samstag, 20. Juni 2015

Purple Cocktail: Sweeeeden!


Europa - Nachdem wir vergangene Woche den Einstieg in die neue sommerfüllende Cocktailparty gemacht haben, konnte mehrere Tage über das heutige Motto abgestimmt werden und relativ eindeutig mit 43% war das Thema Schweden am gefragtesten, somit werden wir uns heute einmal mit dem Happysound des Melodifestivalen beschäftigen und die Gründe dafür suchen, warum der schwedische Vorentscheid so eine große Anziehungskraft auf Eurovisionsfans hat.


Seit 1958 beim Eurovision Song Contest dabei, nur wenige Beiträge haben es dabei nicht in die Top Ten geschafft. Selbst der Finaleinzug ist für Schweden jedes Jahr bombensicher, lediglich die arme Anna Bergendahl musste 2010 als Elfte nach dem Halbfinale auf eine Wiederkehr im Finale verzichten. Hinter den schwer erfolgreichen Beiträgen bei der Eurovision steht natürlich auch ein starkes Vorentscheidungskonzept, dass in seiner heutigen Form seit 2002 existiert, damals als Christer Björkman das Prozedere formte.

Die Platzierungen Schwedens in den letzten fünf Jahren:
- 2011: #03 -  Eric Saade - Popular 
- 2012: #01 -  Loreen - Euphoria 
- 2013: #14 -  Robin Stjernberg - You 
- 2014: #03 -  Sanna Nielsen - Undo 
- 2015: #01 -  Måns Zelmerlöw - Heroes

Anders als in vielen Ländern Westeuropas treten hier nicht irgendwelche Nobodys an, sondern gestandene Sängerinnen und Sänger, die in den Rang und Namen haben. Mit dabei sind auch immer wieder die klassischen Schwedenschlager, die sich durch fröhlichen Sound auszeichnen, einen Höhepunkt nach dem zweiten Refrain haben und mit wehenden Fahnen oder Feuerwerk im Finale münden. Das beste Beispiel ist Carolas "Invincible", mit dem sie 2006 in Athen dabei war. Hier kann man sich die Show noch einmal anschauen. Ähnlich strukturiert sind "It hurts" von Lena Philippson und auch "Hero" von Charlotte Perelli. 



Wer sich über Schwedenschlager fortbilden möchte und die neuesten Knallerproduktionen aus Sverige sehen möchte, ist auf dieser Seite gut beraten und auch innerhalb der Eurovisionsgemeinschaft gibt es Schwedenschlager-Ultras, die sich europaweit nach Trash, Glitzer und harmonischer Akkordfolge sehnen und dies auf ihrem Schlagerblog präsentieren.

Zudem gibt es in Schweden eine große Anzahl an Dansbands, die sich in den 70er Jahren gründeten, als Jazzmusik langsam durch Popmusik ersetzt wurde. Wikipedia definiert die Texte des Genres wie folgt: "Die Liedtexte der Dansbandsmusik sind meist heiter und handeln oft von Liebe, Freundschaft und dem Frieden. Auch das Tanzen wird als Thema oft aufgegriffen, ebenso die gute alte Zeit." 

Bekannte Vertreter des Stils sind Barbados, bei der u.a. Mathias Holmgren und Magnus Carlsson singen, Arvingarna, die Schweden 1993 beim Eurovision Song Contest vertraten und Lotta Engberg, die mit ihrer Band Anfang der 90er ihren Karrierehöhepunkt hatte. Sie moderierte zwischen 2008 und 2011 auch die Show "Bingolotto" auf TV4, bei der sich die schwedische Musikszene ebenfalls zwischen gezogenen Zahlen die Hand gibt. Auch das Festival Allsång på Skansen im Sommer lockt die schwedische Musikszene an wie das Licht die Mücken.

Der schwedische Vorentscheid, das Melodifestivalen ist seit 2002 nach einem ähnlichen Konzept aufgebaut, Phi mal Daumen um die 32 Beiträge sind zunächst auf vier Halbfinals aufgeteilt, dort kommen zwei direkt in die Finalrunde, die in Stockholm stattfindet und zwei andere Kandidaten erreichen die sogenannte Andra Chansen, die Zweite-Chance-Runde. 

Dort erreichen nach dem selben Prinzip zwei weitere Interpreten die Möglichkeit ins Finale einzuziehen. Im Finale stimmen dann Zuschauer und Juroren gemeinsam ab. Früher waren es regionale Jurys, die von Luleå bis Malmö Punkte vergaben, heute lädt man Delegationen aus ganz Europa ein, auch der ARD-Mann Torsten Amarell war bereits Jurymitglied, der Versuch das Melodifestivalen in Deutschland zu adaptieren klappte nicht.

Eurofire's Top 6 der Melodifestivalen-Titel, die nicht gewannen:
01. -  Anna Book - Samba Sambero 
02. -  Linus Svenning - Bröder 
03. -  Eric Saade - Manboy 
04. -  Magnus Bäcklund - In the name of love 
05. -  Elin Lanto - Money 
06. -  Andreas Johnson - A little bit of love

Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle noch Anna Book, die 1985 als 16jährige den Titel "ABC" sang und Fünfte wurde. 1987 war sie erneut dabei und 2007 holte sie mit "Samba Sambero" den neunten Platz mit einem wuchtigen Titel von Erfolgskomponisten Thomas G:son, den ich bis heute feiere. Sie moderierte später das schwedische "Let's dance" und spielte als Sidekick bei den Pausenclips des Melodifestivalen mit. Das Melodifestivalen ist neben dem Eurovision Song Contest und einigen Sportereignissen die quotenreichste Show des Senders SVT, ganz Schweden klebt am Fernsehen, wenn im Februar die Schlagerfestspiele stattfinden.

Schweden mag derzeit eine Übermacht in der Eurovision sein, das war Irland in den 90er Jahren aber auch und das mit viel lahmeren Liedern. Maßgeblich beteiligt am Erfolg der Show trägt Christer Björkman, der 1992 selbst in Malmö nur Vorletzter wurde und lediglich die finnische "Yamma-Yamma"-Nummer hinter sich ließ. Und miteinem Link zu diversen schwedischen Cocktails auf Absolut-Basis verabschiede ich mich mit einem "Ha det så bra!" und einem weiteren Beispiel für glatt produzierte Schwedenschlager-Musik: der Gruppe Friends, die nichts mit der amerikanischen Sitcom gemein hat.


Poll: Ab sofort kann nun wieder für vier Mottos gestimmt werden. Wir sind sehr gespannt, in welche musikalische Schublade es in der nächsten Woche geht, zur Auswahl stehen diesmal das Thema Love Shine A LightWM-FieberViva La Diva und Rock Forever. Viel Spaß beim Abstimmen und ein schönes Wochenende allerseits! PS: Die drei Verlierer dieser Woche laufen natürlich noch einmal in den kommenden Wochen im Poll auf.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen