Samstag, 6. Juni 2015

Discovery: Schweden von A bis Z

Schweden - Hej! Wieder einmal ist eine Song Contest-Saison vorbei und es wird Zeit, den Blick nach vorne zu richten, auf den Eurovision Song Contest 2016 in Schweden. Schon wieder Schweden? Ja, im Moment hat das Land irgendwie die Option auf den Sieg gepachtet. Da ich es allerdings 2013 verpennt habe, ein Schweden A bis Z online zu stellen, passt es doch perfekt, dass es 2016 zurück ins Land von Pippi Langstrumpf, Knäckebrot und Peter Mede geht.
A wie ABBA-Phänomen - Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad bildeten zwischen 1972 und 1982 den erfolgreichsten Musikexport Schwedens, ABBA. Flogen sie 1973 noch mit "Ring ring" im nationalen Vorentscheid raus, konnten sie 1974 mit "Waterloo" den Song Contest gewinnen und traten im Anschluss eine Weltkarriere an, die sie auch in Australien erfolgreich machte. Die Hits der Band sind mittlerweile Kult, sind Teil eines Filmes und eines Musicals. Zudem existiert ein ABBA-Museum in Stockholm.
 
Die sogenannten Schwedenschlager, die ABBA auf den Schirm brachten, bestimmen heute noch das Melodifestivalen. Nach Beziehungskrisen gingen ABBA Anfang der 80er getrennte Wege. Offiziell haben sie sich nie getrennt, mittlerweile werden ihnen horrende Summen für ein Comeback geboten. Björn und Benny arbeiteten später am Musical "Mamma Mia!", die beiden Komponisten verbindet eines, sie können beide keine Noten lesen.
 
B wie Biathlon - Schweden ist eine Wintersportnation, in vielen Belangen jedoch nicht so erfolgreich wie die Nachbarn aus Norwegen oder Finnland. Die Schweden sehen es übrigens nicht gern, wenn man sie mit ihren Nachbarn vergleicht. Im Skispringen spielt man gar keine Rolle, im Langlauf hingegen hatte man mit Magdalena Forsberg ein heißes Eisen im Feuer. Zwischen 1997 und 2002 dominierte sie die Wettkämpfe, erzielte sechs Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften und 42 Weltcupsiege. Zudem gibt es in Schweden über 100 Skigebiete, die größtenteils nicht einmal künstlich beschneit werden müssen.
 
C wie Christer Björkman - Der gelernte Friseur Christer Björkman wurde in Borås geboren und widmete sich in den 80er Jahren zunehmend dem Gesang, bis er schließlich 1992 mit dem Song "I morgon är en annan dag" beim Heim-Contest in Malmö vor königlichem Publikum sang und den vorletzten Rang belegte. Seit 2002 machte er als Produzent das Melodifestivalen zu dem was es heute ist, Europas beliebteste Vorentscheidung für den Eurovision Song Contest. Seither ist er um das Wohl der Eurovision besorgt, war Teil der Reference Group, die die Richtlinien festlegt und fiebert jedes Jahr energisch mit den schwedischen Intepreten mit.

D wie Dynamit - Der Chemiker Alfred Nobel war es, der zunächst mit Nitroglycerin experimentierte und sich 1867 das Dynamit patentieren ließ. Dabei führte er u.a. auch auf deutschem Boden Experimente durch, an einem dieser Orte steht heute bezeichnenderweise das marode Atomkraftwerk Krümmel. Die Zinsen aus seinem Nachlass werden alljährlich mit dem Nobelpreis ausgeschüttet. In seinen letzten Lebensjahren befasste er sich mit dem Theater. Die von ihm geschriebene Vierakt-Tragödie knallte jedoch weniger als seine vorherigen Erfindungen.
 
E wie Elche - In Schweden liegt die Promillegrenze für Autofahrer bei 0,2. Elche, die charakteristischsten Tiere der Schweden, sind jedoch ebenso oft Verkehrssünder unter Alkoholeinfluss, fressen sie doch rege Mengen an gegorenem Fallobst und geraten somit oftmals auf Straßen. Regelmäßig ereilen auch die deutschen Medien Schlagzeilen, dass ein besoffener Elch in einem Altenheim randaliert hat oder Kinder attackiert. Für die Schweden sind betrunkene Elche ein echtes Problem, so sehr, dass man ihnen eigene Verkehrswarnschilder gewidmet hat, die auf mögliche Begegnungen mit den Geweihträgern hinwesen.
 
F wie Fjorde - Anders als der westliche Nachbar, ist Schweden nicht für seine Fjordlandschaften bekannt. Dafür zeichnet sich die 3.218km lange Küstenlinie Schwedens vor allem durch zahllose Schären (schwedisch: Skär) aus. Dabei handelt es sich um kleine felsige Inseln, die während der Eiszeiten entstanden, als sich Gletschermassen über die schroffe Felsenlandschaft walzten und die Inseln abschliffen. Große Ansammlungen der kleinen Inselchen findet man vor allem vor der Küste Stockholms und in den Inlandsseen Mälaren und Vänern sowie natürlich auch vor der Küste Finnlands. Sehr bekannt sind u.a. die Åland-Inseln, schwedischsprachig aber zu Finnland gehörend.
 
G wie Grundsätzliches - Das Königreich Schweden ist mit 438.575km² nach Spanien und Frankreich das drittgrößte EU-Mitglied. Am 6. Juni begehen die 9,6 Millionen Einwohner ihren Nationalfeiertag. Staatsoberhaupt ist König Carl Gustaf XVI., der seit 1976 mit Silvia Sommerlath verheiratet ist, einer Deutschen, die er bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München kennenlernte. Neben Schwedisch gehören regional auch Finnisch, Samisch und Meänkieli, ein finnischer Dialekt zu den Amtssprachen. Ebenfalls anerkannt ist die Svenskt teckenspråk, die Gebärdensprache.
 
Das Land ist in 21 Provinzen unterteilt, durch neue Gesetzesentwürfe sollen diese jedoch in naher Zukunft zu Großprovinzen zusammengeschlossen werden. Die größte von ihnen ist das Norrbottens län, das spärlich besiedelte Nordland Schwedens mit der Hauptstadt Luleå. Obwohl man sich international eher neutral gibt, ist Schweden seit 1995 Mitglied der EU, bis heute jedoch kein NATO-Mitglied. Setzt man heute primär auf den tertiären Wirtschaftsektor, waren noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts über 90% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig.
 
Ein aussterbender Wirtschaftsbereich in Schweden, das in der Landessprache Sverige heißt, ist der Bergbau. Zentrum des Erzabbaus ist die nordschwedische Gemeinde Kiruna. Langfristig möchte Schweden, das bei internationalen Studien zu Lebensqualität, BIP und Bildungsgrad weit vorn in den Statistiken auftaucht, der Atomenergie abschwören und hat angekündigt bis zum Jahr 2020 auf Öl zu verzichten und komplett auf erneuerbare Energien umzusteigen. Ähnlich wie Dänemark, hatte Schweden eine bedeutende Stummfilmgeschichte, die mit Aufkommen von Tonfilmen einknickte. Aber auch später erlangten mehrere Schauspieler, darunter Greta Garbo, Ingrid Bergman oder Dolph Lundgren Weltruhm.
 
H wie Homosexualität - Im Umgang mit Homosexualität gilt Schweden als eines der liberalsten Länder Europas. Seit Mai 2009 können homosexuelle Paare ohne rechtliche Unterschiede zu heterosexuellen Paaren heiraten. Bereits 1944 wurde Homosexualität in Schweden legalisiert. Jedes Jahr pilgern Tausende zum Gay Pride in Stockholm, auch Musiker aus ganz Europa sind gern gesehene Gäste, auch Lena Meyer-Landrut trat hier bereits auf.
Aufsehen erregte, nachdem ein russisches U-Boot vor der schwedischen Küste gesichtet wurde, eine installierte Neonleuchtreklame mit dem sogenannten "Singing Sailor", der im Hafenbecken von Stockholm auf die Legalität von Homosexualität aufmerksam macht und unter Wasser in Morsezeichen die Botschaft "Hier entlang, wenn du schwul bist", abgibt.
I wie IKEA - Kaum ein Haushalt in Deutschland ohne IKEA-Produkte. 1943 gründete Ingvar Kamprad als 17jähriger das Unternehmen IKEA, damals verkaufte er Gebrauchsgegenstände wie Tischdecken oder Streichhölzer, heute ist das Möbelhaus weltweit tätig, selbst in Ägypten, der Dominikanischen Republik und Südkorea findet man die blau-gelben Filialen. Den größten Umsatz erwirtschaftet IKEA jedoch mit Nebenprodukten, wie etwa Kerzen oder in den Restaurants, in denen es Zimtschnecken, Köttbullar und die 1-Euro-Hot Dogs zu kaufen gibt. 
Unbestätigt, aber realistisch ist die Zahl von 3,4 Millionen ausgelegten Bleistiften pro Jahr, allein in Deutschland. Protest gibt es dafür aus Dänemark: während Betten nach norwegischen Orten oder Esstische nach finnischen Orten benannt sind, treten die meisten Leute auf Dänen herum, denn Vorleger und Teppiche hören auf dänische Namen. 
 
J wie Jukkasjärvi - Auf 67° Nord, 200km nördlich des Polarkreises, liegt die kleine Gemeinde Jukkasjärvi. Neben unberührten Wäldern und Natur pur gibt es hier seit den 90er Jahren das erste Eishotel der Welt. In Rentierfelle gehüllt, können Touristen, die es gern kalt haben, bei -5°C Innentemperatur übernachten und über lokale Agenturen Hundeschlittenrennen oder Snowmobil-Touren buchen. Mit dem Bau des Hotels wird alljährlich im Oktober mit Hilfe von Radladern und Schneekanonen begonnen, zwischen Dezember und Mitte April ist das Hotel bezugsfertig.
 
Eine etwas wärmere Touristenattraktion der Schweden ist der Göta-Kanal, ein 190km langes Kanalsystem, das von schwedischen Soldaten per Hand ausgebuddelt wurde und zwischen Göteborg, den größten Seen des Landes und der Ostküste Schwedens mit nostalgischen Schiffen befahrbar ist. Die denkmalgeschützten Schiffe aus dem 19. Jahrhundert durchqueren noch heute mit zahlungswilligen Touristen die Schleusen des schwedischen Inlands.
 
K wie Köttbullar - Der herkömmliche Schwede setzt auf drei Mahlzeiten, Frukost, Lunch und Kvällsmat, Frühstück, Mittag, Abendessen. Traditionell setzt man auf ländliche Hausmannskost und Klassiker von schwedischen Wiesen, sprich Beeren, Pilze und auch Rentierprodukte. Hierzulande sind vor allem drei "K"-Produkte bekannt. Zum einen die schwedische Antwort auf deutsche Frikadellen, die Köttbullar, gesprochen Schöttbullar, die auch in jedem IKEA-Restaurant vorhanden sein dürften. Ferner die süße Zimtschnecke Kanelbulle, die mit Hagelzucker bestreut wird und seit 1999 sogar ihren eigenen Feiertag hat.
 
Und nicht zu vergessen natürlich das Knäckebrot, das in Schweden traditionell rund gebacken wird und ein Loch in der Mitte hat, da es an langen Stangen aufbereitet wird. Das erste industriell hergestellte Knäckebrot in Deutschland stellte 1927 Dr. Wilhelm Kraft in Berlin-Lichterfelde her. Das absatzstärkste Knäckebrot hierzulande ist Wasa, das jedoch nicht von Schweden sondern vom italienischen Barilla-Konzern stammt. Zudem erfreuen sich Krebse in Schweden großer Beliebtheit. 
 
Für Hartgesottene zählt auch Surströmming zu den Delikatessen der schwedischen Küche. Dabei handelt es sich um Ostseehering, der in Salzlake eingelegt und dann zum Gären gebracht wird. Dieser wird später in Konserven verschweißt. In den Dosen gärt der Fisch weiter und bläht somit sogar die Dose auf. Eine Reihe von Fluggesellschaften, darunter British Airways und Air France verbieten aufgrund der Explosionsgefahr den Transport von Surströmmingdosen an Bord. Da beim Öffnen einer solchen Dose ein extremer Gestank hervortritt, empfiehlt es sich sie unter Wasser zu öffnen. 
 
L wie Lappen - In Schweden leben auch heute noch rund 14.600 Lappen oder auch Samen. Das Wort "Sámi", so die Eigenbezeichnung, bedeutet Sumpfleute. Sie siedeln im Norden Skandinaviens, von Norwegen über Schweden und Finnland bis auf die russische Halbinsel Kola. Aufgrund ihrer halbnomadischen Züge werden sie zum sibirischen Kulturkreis gezählt und betreiben u.a. auch Schamanismus mit Trommeln, Heilkunst und verschiedenen Kunstgegenständen. Die Samen leben von der Rentierzucht, die jedoch zunehmend unlukrativ wird. Zudem sehen sich die Sami durch den Klimawandel und die Auswirkungen von Forstwirtschaft und Bergbau in ihrem Lebensraum bedroht.
 
M wie Marabou - Kein Duty Free-Shop am Flughafen kommt ohne Schweizer Toblerone und schwedische Marabou-Schokolade aus. Auf Initiative eines Norwegers, der dort bereits die Schokoladendynastie Freia schuf, wurde seit 1919 auch in Schweden Schokolade erzeugt und unter dem Namen Marabou vertrieben. 1993 wurde das Unternehmen schließlich von Kraft Foods, heute Mondelēz, übernommen. 
 
Marabou ist für seine Milchschokolade bekannt. Dabei existieren zahlreiche Geschmacksrichtungen, darunter Frukt & Mandel (Frucht & Mandel), Helnöt (Ganze Nuss), Apelsinkrokant (Apfelsine-Krokant) oder Saltlakrits (Lakritz). Seit 1982 kann man Marabou-Schokolade auch in Deutschland kaufen und zählen an Fährhäfen, Flughafenterminals oder an Bord von Kreuzfahrtschiffen zu den beliebtesten Taxfree-Goodies. Eine ebenfalls schwedische Erfindung ist übrigens Daim-Schokolade.
 
N wie Norwegen - Eine gesunde Rivalität, ähnlich wie sie Deutschland und Österreich verbindet, führen auch Schweden und Norwegen. Norwegen löste sich im Juni 1905 aus der Union mit den Schweden, die davon so irritiert waren, dass es kaum Gegenwehr gab. Am 13. August 1905 brach die Union dann endgültig auseinander. Heute ist das Verhältnis entspannt, beide Staaten verwalten sogar gemeinsam einige kleine Inseln entlang ihrer Grenze. 
 
Beim Eurovision Song Contest hingegen ist Schweden die wesentlich erfolgreichere Nation, wie auch Ingvild Bryn als Moderatorin feststellte. Bis heute vergab Schweden 230 Punkte (im Finale und Semifinale) an Norwegen, erhielt dafür jedoch 358 Punkte. Bei Schweden stößt man jedoch trotzdem auf taube Ohren, wenn man sie mit ihren Nachbarn vergleicht, auch wenn es zahllose Parallelen gibt, die Schweden sind ein eigenes souveränes Volk.
 
O wie Oldtimer - Bekannt ist Schweden zudem auch für seine Fahrzeugindustrie. Zu den namhaften Exporteuren zählt u.a. der LKW- und Bushersteller Scania, der nach der historischen Provinz Schonen benannt wurde und früher neben LKWs, auf die man seit 1919 das Kerngeschäft gelegt hat, auch Güterwagen für die schwedische Staatsbahn. 1917 stieg auch Volvo in die Automobilindustrie ein. Der Name bedeutet nicht mehr als "ich rolle" auf Latein. 
 
Das dritte Unternehmen von Weltrang ist Saab, das vor allem für seine kantigen Fahrzeuge aus den 70er und 80er Jahren bekannt ist und u.a. auch als Flugzeug- und Rüstungskonzern tätig ist. Schweden ist der zehntgrößte Rüstungexporteur der Welt. Ebenfalls stammt der Elchtest aus Schweden. Die Zeitschrift "Teknikens Värld" testete 1997 den Mercedes Baureihe 168, der bei der praktischen Anwendung auf die Seite kippte und auf dem Dach liegenblieb und bis heute den Spott des missglückten Elchtests auf seiner Seite hat.
 
P wie Pippi Langstrumpf - Die Kinderbuch-Reihe von Astrid Lindgren ist ein klassischer Stereotyp für Schweden. Pippi, ein neunjähriges Mädchen mit Sommersprossen führt das Leben, von dem viele Kinder träumen: sie lebt in ihrer Villa Kunterbunt mit unglaublichen Kräften, gemeinsam mit dem Schimmel Kleiner Onkel und dem Äffchen Herr Nilsson und wird von ihren beiden Freunden Tommy und Annika besucht, deren Leben sie ganz schön durcheinander bringt.
Bekannt wurden die Geschichten vor allem durch die Verfilmung mit Inger Nilsson, die heute zu Protokoll gibt, dass Pippi ihr einst zur Filmkarriere verhalf, heute jedoch ein großes Laster ist, da sie an keine anderen Filmrollen kommt und immer nur auf Pippi reduziert wurde. Die Villa Kunterbunt kann man heute im Freizeitpark Kneippbyn auf Gotland besuchen. Neben den Geschichten aus dem Taka-Tuka-Land schrieb Astrid Lindgren u.a. auch die Geschichten von Michel aus Lönneberga oder Karlsson vom Dach. Sie starb 2002 in Stockholm und verkaufte bis heute rund 145 Millionen Kinderbücher.
Q wie Qualifikation - Schwedische Sportler treten traditionell mit den drei goldenen Kronen auf der Brust an. International nahmen schwedische Fußballer elf Mal an Meisterschaften teil, die Frauennationalmannschaft gehört zu den weltweit erfolgreichsten Teams. Das erste Länderspiel bestritt man 1908, als man 11:3 gegen Norwegen siegte. Wichtigster Feldspieler der Schweden ist seit Jahren Zlatan Ibrahimović aus Malmö, der aktuell bei Paris Saint-Germain unter Vertrag steht. Bei den letzten beiden WMs war Schweden jedoch nicht dabei. 
 
Dafür hat man beim Eurovision Song Contest eine der besten Qualifikationsraten im europäischen Vergleich. Nur einmal, 2010 in Oslo qualifizierte sich Anna Bergendahl nicht für das Finale, sie schied als Elfte aus. Für die schwedischen Boulevardblätter brach die heile Eurovisionswelt zusammen. Insgesamt kommt Schweden auf fünf Siege, angefangen bei ABBA 1974 über The Herreys, Carola und Charlotte Perrelli bis hin zu Loreen 2012 und jüngst Måns Zelmerlöw.
 
R wie Rekorde und Erfindungen - Schweden hält einige unangefochtene Rekorde. Darunter eine Fichte im Fulu-Gebirge in der Provinz Dalarna. So fanden Wissenschaftler der Universität Umeå heraus, dass sie mit fast 10.000 Jahren als der älteste Baum der Welt gilt. Sie löste damit eine Grannenkiefer in Kalifornien ab. Der Schwede Håkan Lars war es, der sowohl den Digitizer, den Vorläufer der heutigen Computermaus entwickelte und gleichzeitig an der Entwicklung des GPS-Systems mitwirkte. Der Ingenieur Rune Elmqvist entwickelte den ersten Herzschrittmacher und Gustaf de Laval entwickelte im Zeitalter der Industrialisierung die Melkmaschine.
 
Die heutige Temperaturmessung haben wir zudem dem Astronom Anders Celsius zu verdanken, dem Begründer der nach ihm benannten Skala. Er lehrte an der 1477 gegründeten Universität Uppsala, dem gleichen Ort, der 1969 die deutschen Charts stürmte. Der Gassenhauer "Ein Student aus Uppsala" wurde von Kirstie Sparboe gesungen, die jedoch aus dem norwegischen Tromsø stammt. Einen prestigeträchtigen Rekord trägt die Sportlerin Angelica Bengtsson. Sie hält den aktuellen Weltrekord im Stabhochsprung bei den Frauen mit 4,63m. Carolina Klüft ist außerdem Rekordhalterin im Siebenkampf mit 6.542 Punkten.
 
S wie Seltsames - Kurioses gibt es auch in Skandinavien. Wenn die Schweden vom "Dagen H" sprechen, meinen sie damit den 3. September 1967, den Tag, an dem Autofahrer sich vom Links- auf den Rechtsverkehr umstellen mussten und das obwohl die Nachbarländer schon immer Rechtsverkehr hatten. Da die Lenkung zudem auf der linken Seite angebracht war, wurde Überholen deutlich erschwert. Aufgrund der neuen Regelung musste später u.a. in Malmö die Straßenbahn aus dem Stadtbild verschwinden. 
 
Ein psychologisches Phänomen ist zudem nach der schwedischen Hauptstadt benannt. Das Stockholm-Syndrom bezeichnet das positive, emotionale Verhältnis eines Opfers von Geiselnehmern gegenüber seines Entführers. Laut wissenschaftlicher Betrachtung führt dieses Syndrom dazu, dass das Opfer mit den Tätern sympathisiert oder gar kooperiert. Zurückzuführen ist die Namensgebung auf ein Fallbeispiel aus der Kreditbanken in Norrmalmstorg. Dort wurden die Angestellten als Geiseln genommen und baten die Polizei um Gnade. Später, so wurde bekannt, besuchten sie ihre Kidnapper sogar im Gefängnis. 
 
Auch in Jukkasjärvi geht es kurios zu: Dort wurde behördlich angeordnet, dass jeder Beherbergungsbetrieb über Brandschutzsysteme zu verfügen hat, auch das Eishotel. Die Betreiber bauten gutmütigerweise entsprechende Melder ein. Auf eine andere Initiative hin, konnte in den Wintermonaten in Stockholm beim Bestellen eines Taxifahrers gleichzeitig ein Psychologe hinzugezogen werden. "Viele Leute brauchen jemanden zum Reden.", erklärte eine Sprecherin von Taxi Stockholm. Dabei bezahlen Fahrgäste nur die Fahrt durch die dunklen Wintermonate, nicht hingegen die therapeutischen Leistungen.
 
Zu guter Letzt auch noch eine religiöse Anekdote aus Sverige, dort ist seit einigen Jahren das Filesharing eine staatlich anerkannte Religion. Die Kirche des Kopismus, so der Name, wurde für Menschen geschaffen, die daran glauben, dass alle Daten frei kopiert werden dürfen. Ob das Verbreiten und Kopieren urheberrechtlich geschützter Daten in Schweden nun ein Verbrechen oder eine religiöse Handlung ist, sei dahingestellt.
 
T wie Tanken - Wer nicht Taxi sondern mit dem eigenen Fahrzeug fährt, muss sich in Schweden auf höhere Treibstoffpreise einstellen, als in Deutschland. Diesel liegt dort nach aktuellem Umrechnungskurs der schwedischen Krone bei 1,44€ im Schnitt. Beim Benzin ist zudem darauf zu achten, ob man "Blyfri 95" oder "Blyfri 98" tankt, hierbei handelt es sich um die Oktanzahl des Benzins. Beides rangiert derzeit bei 1,50€ pro Liter. Weiterhin ist darauf zu achten, dass man sich an geltende Verkehrsregeln hält, da Verstöße dort mit empfindlichen Strafen geahndet werden. Es gilt auch tagsüber mit Abblendlicht zu fahren, eine gelbe Linie am Fahrbahnrand bedeutet Halteverbot und vom 1. Dezember bis 31. März gilt Winterreifenpflicht.
 
Für den gleichen Zeitraum gehört auch eine Schaufel zum Grundinventar eines jeden Fahrzeugs, ebenso ist Frostschutzmittel im Wischwasser gesetzlich vorgeschrieben. Wenn kein Schnee oder Glatteis die Weiterreise behindert, gilt auch Obacht vor Wildwechsel, die oben beschriebenen Elche führen hin und wieder zu Unfällen, insbesondere in der Dämmerungszeit. Bei Unfällen mit Reh, Hirsch, Elch oder sonstigem Getier gilt zunächst: Unfallstelle absichern, danach die "Polis", die Polizei verständigen.
 
U wie U-Bahn - In Stockholm fährt man nicht U-Bahn sondern Tunnelbanan. Auf dem über 100km langen Streckennetz mit drei Linien steht nicht unbedingt das Vorankommen von A nach B im Mittelpunkt, sondern die Haltestellen. Diese wurden in müßiger Kleinarbeit zu wahren Kunstobjekten umdekoriert und sind dabei nicht pompös mit Kronleuchtern wie etwa die Metro in Moskau ausgestattet, sondern mit Farbe und Lichteffekten in Szene gesetzt. 
 
Die Betreibergesellschaft ermöglich Künstlern so das Ausstellen ihrer Objekte im öffentlichen Raum. Da eine Erweiterung des Stockholmer U-Bahnnetzes derzeit nicht geplant ist, wird die Kunst auf sieben Stationen mehrmals jährlich gewechselt. Die Tunnelbanan verkehrt übrigens noch heute, anders als Autos, im Linksverkehr. Im In- und Ausland wird der Schienenverkehr primär durch die SJ, die Statens Järnvägar, abgewickelt. Bis 1990 hatte die Bahn ein Monopol im Land, inzwischen gibt es auch Privatbahnen in Schweden. Von Bedeutung sind u.a. die internationalen Verbindungen über den Öresund nach Kopenhagen, sowie die Erzbahn von Kiruna zum norwegischen Seehafen Narvik über den Grenzübergang Riksgränsen. 
 
An der schwedisch-finnischen Grenze muss man jedoch zunächst das Umspuren über sich ergehen lassen, da die Finnen auf eine Spurweite von 1.524mm zurückgreifen, Schweden, wie ein Großteil Europas jedoch auf 1.435mm. Wer ausgeruht in Schweden ankommen möchte, für den empfiehlt sich der Berlin Night Express, ein privater Nachtzug, der Berlin Hbf mit Malmö Central verbindet. Wenn hinter Prenzlau die Sonne untergeht, merken viele Fahrgäste gar nicht, dass sie per Fähre nach Schweden übersetzen.
 
V wie Visby - Visby ist die Hauptstadt der Insel Gotland, der größten schwedischen Insel, die gleichzeitig eine eigene Provinz bildet. Die Stadt war Umschlagsplatz der Hanse sowie Zankapfel im Nordischen Krieg. Die Zeugnisse der Hansestadt, darunter die historische Burgmauer sind heute Teil des Weltkulturerbes. Die Insel Gotland selbst, deren Wappentier der Widder ist, erhielt ihren Namen vom Germanenstamm der Goten und bietet neben typischen roten Ferienhäusern auch eine biologische Rarität, die Orchideenart Spitzels Knabenkraut wächst hier in üppigen Mengen, während sie in Mitteleuropa nahezu als ausgestorben gilt.
 
Die zweite große Insel Schwedens ist Öland, die durch eine sechs Kilometer lange Brücke mit der Stadt Kalmar verbunden ist. Hier findet man als Besucher Kultstätten, ähnlich wie auf den Britischen Inseln, Grabstätten und Monolithen aus der Bronze- und Eisenzeit. Unweit des Hauptortes Borgholm befindet sich die Bödabucht, einer der längsten Sandstrände Schwedens, der sich vor allem im Sommer großer Beliebtheit erfreut. Und das durchgängig, denn in Schweden ist es gesetzlich verankert, dass ein Arbeitnehmer zwischen Juni und August vier zusammenhängende Wochen Urlaub am Stück nehmen soll. Das kann einem ausländischen Geschäftspartner den letzten Nerv rauben.
 
W wie Wodka - Die Kleinstadt Åhus im Süden Schwedens ist Sitz der Absolut Vodka-Fabrik. Von hieraus wird der bekannte Wodka mit dem markanten Flaschendesign in alle Welt verschifft. Den Namen erhielt der Wodka durch die revolutionierte Destillation, die den Alkohol von Fuselölen und anderen unerwünschten Stoffen trennt und somit eine höhere Qualität abliefert. Der Betrieb war bis ins 20. Jahrhundert staatlich kontrolliert. Nach dem EU-Beitritt wurde die staatliche Kontrolle über die Alkoholpolitik gelockert, der Alkoholkonsum in Schweden stieg nach Regierungsangaben um 30 Prozent. Dennoch ist Alkohol nur im Systembolaget, einem Alkoholgeschäft zu bekommen. Biere unter 3,5% Vol. sind auch im Supermarkt erhältlich, für deutsche Verhältnisse aber deutlich teurer als hierzulande. 
 
X wie Satz mit X - Fettnäpfchen lauern auch in Schweden. So gilt, ähnlich wie in Großbritannien, drängeln gehört sich nicht. Ob nun an der Kasse im Supermarkt, am Bus oder im Straßenverkehr, Vordrängler werden in Schweden missgünstig beäugt. Die Schweden sind ein tiefenentspanntes Volk, die meist nur aus der Haut fahren, wenn sie sich mit lästigen Mücken am See herumplagen müssen oder es mit Dränglern zu tun haben. 
 
Ebenfalls sollte man niemals einen Kaffee ablehnen. In Schweden wird Kaffee zu allen erdenklichen Uhrzeiten getrunken, speziell während einer Fika, einer Kaffeepause gilt es als sehr unhöflich eine Tasse auszuschlagen. Statistisch gesehen liegen die Schweden mit einem jährlichen Konsum von 7,31kg Rohkaffee im weltweiten Spitzenfeld, überboten allerdings wieder von den Nachbarn aus Norwegen mit 8,7kg und dem weltweiten Spitzenreiter Finnland mit 12kg pro Kopf. Ebenfalls in die Nesseln setzt man sich übrigens auch, wenn man über das finnische Eishockeyteam spricht. Die Rivalität zwischen den Teams aus Schweden und Finnland reicht soweit, dass man sich selbst bei der Erwähnung der gegnerischen Mannschaft in einer Kneipe unbeliebt macht.
 
Schweden wissen zudem die Ruhe zu schätzen. Das mag reserviert wirken, die nordische Art erlaubt es jedoch auch Sprechpausen zu machen, man muss nicht nur um des Redens willen Reden. Insbesondere nicht über die Vasa, das größte Kriegsschiff der damaligen Zeit. Sie sank nach mehrjähriger Bauzeit bei ihrer Jungfernfahrt nach einigen Metern, da sie von einem Windstoß erfasst wurde. Für die Schweden bricht dabei heute noch ein Zacken aus den drei Kronen ihres Wappens, wenn man sie darauf anspricht.
 
Y wie Ystad - Ystad ist eine der südlichsten Gemeinden Schwedens und aus zweierlei Gründen von Bedeutung. Zum einen ist sie ein wichtiger Fährhafen, von hier aus fahren Schiffe nach Bornholm oder nach Świnoujście auf den polnischen Teil der Insel Usedom. Zum anderen spielen hier die Geschichten des Kriminalkommissars Kurt Wallander aus den Romanen von Henning Mankell. Neun seiner Romane wurden vom schwedischen Fernsehen SVT verfilmt, das ZDF hat die Filme aufgegriffen und sendet regelmäßig Wallander-Streifen aus der Konserve.
 
Neben Ystad ist auch Trelleborg, die südlichste Stadt Schwedens, ein großer Fährhafen und ab Deutschland erreichbar. Mit der Trajektfähre kann man mit der Stena Line von Rostock oder Sassnitz auf Rügen übersetzen, TT-Line verbindet Trelleborg ab Rostock und Travemünde, die polnische Unity Line fährt ebenfalls ab Świnoujście. Trelleborg ist nicht zu verwechseln mit Trollhättan, das für sein Schiffshebewerk bekannt ist.
 
Z wie Zu Besuch - Eine Reise nach Schweden lohnt sich. Sobald man sein Geld in Kronen (SEK) getauscht hat, kann der Urlaub losgehen. Das Auswärtige Amt hat nichts zu beanstanden und ein Personalausweis reicht ohne Weiteres aus um sich zwischen Trelleborg und Treriksröset, der nördlichsten Gemeinde, auszutoben. Die beste Reisezeit für Schweden sind die Sommermonate, insbesondere während des Midsommar-Festes, dem zweitwichtigsten Feiertag im Land nach Weihnachten. Dann wird es, wie überall in Skandinavien und im Baltikum kaum dunkel, man feiert mit kunstvoll verzierten Baumstämmen und geschichteten Feuern.
 
Anders als im Rest des Jahres, wo die schwedische Flagge auf Empfehlung um 20:30 Uhr einzuholen ist, wird sie auch über Nacht gehisst. Früher glaubte man, Elfen tanzten in der Mittsommernacht, Trolle würden sich hinter Bäumen verstecken und unverheiratete Mädchen pflückten sieben Blumen um sie unter dem Kopfkissen aufzubewahren. Danach sollten sie von dem Mann träumen, den sie irgendwann einmal heiraten werden. In Schweden treffen sich Tradition und Moderne, ein Land, das man sich auf jeden Fall einmal anschauen sollte, nicht nur wenn der Eurovision Song Contest mal wieder Einkehr hält.

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