Samstag, 7. März 2015

Deutschland: Reaktionen der Schreiberlinge


Deutschland - Zweimal konnten wir bereits darüber schlafen, über den deutschen Vorentscheid "Unser Song für Österreich" und seine medienwirksame Ergebnisverkündung. Leider gerät die Siegerin des Ganzen, die Nachnominierte Ann Sophie sehr in den Hintergrund. Und das, obwohl sie eine eurovisionstaugliche Performance und ein starkes Konzept für Wien vorweisen kann, auch wenn sie nach Eigenauskunft ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat und auch die Vertragsbedingungen des NDR eher überflogen hat.
 
Andreas Kümmert gewann laut NDR das Superfinale gegen Ann Sophie mit 78,7% gegenüber 21,3%. Trotz des überragenden Sieges erklärte er abschließend auf der Bühne: "Ich bin nicht wirklich in der Verfassung, die Wahl anzunehmen. Ich gebe meinen Titel an Ann Sophie." Wir haben uns einmal die Mühe gemacht, das Internet zu durchforsten und den O-Ton der deutschen Presselandschaft einzufangen, die Formulierungen entsprechen dabei der angesprochenen Zielgruppe.
 
"Unabhängig von der Frage, wie der Abend nun musikalisch zu bewerten ist und ob Andreas Kümmert seine Entscheidung noch einmal ausführlicher begründen und seinen Fans das letztlich unsinnige Voting für ihn erklären will, so hat der Abend eins bewiesen: Es hat immer noch etwas Besonderes, wenn Millionen Menschen gleichzeitig einen so denkwürdigen TV-Moment miteinander teilen. Live-Fernsehen kann herrlich sein."
 
"Die Antworten bleibt Andreas Kümmert am Donnerstagabend schuldig. Außer der Erklärung in der Live-Show gibt es kein Statement von ihm. Auf der Pressekonferenz lässt er sich nicht blicken. Es ist, als habe Hannover ein Loch aufgetan und den zotteligen Sänger verschluckt. (...) Kümmert gilt in der Branche als schwierig. Schon als er 2013 an "The Voice" teilnahm, soll er mehrfach daran gedacht haben, hinzuschmeißen. Der Sänger leide unter starkem Lampenfieber und großen Selbstzweifeln, heißt es bei Insidern."
 
"Interviews sagte er gerne mal ab, auch beim Tourstart der Finalisten fehlte er, in beiden Fällen offiziell aus Krankheitsgründen. Bei den Proben und der Pressekonferenz vor dem ESC-Vorentscheid meldete sich Kümmert ebenfalls krank. Viele wunderten sich, warum der "einfache Mann", wie sich seine erste Single "Simple Man" übersetzen lässt, überhaupt beim ESC mitmachen möchte. Denn Hype und Rummel sind dort noch viel extremer als bei einer Castingshow."
 
 "MUSS JETZT DER VORENTSCHEID WIEDERHOLT WERDEN? Nein! Denn laut NDR gibt es keine international gültigen Regeln für den nationalen Vorentscheid. Es liegt also KEIN schriftliches Regelwerk für den Vorentscheid vor. (...) Bekommen die Voting-Anrufer, die für Kümmert gestimmt haben, ihr Geld zurück? Eine Sprecherin der Produktionsfirma „Brainpool“ zu BILD: „Natürlich verstehen wir die Enttäuschung aller Zuschauerinnen und Zuschauer, die für Andreas Kümmert angerufen haben und dann von seiner Entscheidung ebenso überrascht wurden wie wir. Die Gebühren für einen Anruf (...) decken die technischen Kosten der Votingplattformen sowie die mit dem Voting verbundenen Aufwände ab. Daher ist eine Erstattung der Telefongebühren nicht möglich."
 
"Sie [die ESC-Fans] hätten ihn lieber die Bühne wischen sehen, damit Ann Sophie einen passenden Shiny-Floor zu ihrem Glanz-Auftritt bekommt. Aber er trägt eine unschlagbare Stärke in sich: die Musik, nicht die nach außen getragende Show. „Heart of Stone“ klingt mit seiner wohlig tiefen Blues-Stimme und dem rhythmischen Gitarren-Sound gut gemacht. (...) Einen Vorwurf muss er sich trotzdem gefallen lassen: Wenn er zu einem nationalen Vorentscheid antritt, muss ihm bewusst sein, dass er auch gewählt werden kann. Erst denken, dann singen, wäre hier die weniger skandalöse Alternative gewesen."
 
"Vermutlich hatte Andreas Kümmert tatsächlich Recht, als er Ann Sophie attestierte, sie könne besser mit der ESC-Bürde umgehen als er selbst. Im ersten Moment ist sie zwar geschockt, aber statt in Tränen auszubrechen, behält sie die Fassung und umarmt Kümmert spontan. Nach der Show sagt sie noch: "Wenn sein Herz ihm das gesagt hat, ist das absolut richtig." Sie finde das "megamutig" von Kümmert."
 
"Laut einer NDR-Pressemitteilung habe es bereits im Vorfeld der Show eine Besprechung des Sendungsteams "für den abstrakten und unerwarteten Ausfall eines Kandidaten über das Prinzip des Nachrückens" gegeben. Ähnlich äußert sich auch ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber, der zudem betont, dass Schöneberger keineswegs eigenmächtig gehandelt habe. (...) Den Zuschauerzahlen konnte der Eklat am Ende der Show freilich nicht helfen. Die sanken auf 3,20 Millionen und somit in etwa auf das Niveau des Jahres 2013. Entsprechend bewegten sich auch die Marktanteile im Gesamtmarkt deutlich nach unten. Mit 10,3 Prozent lief es so schlecht wie seit 2011 nicht mehr, als man Lena erneut für Deutschland antreten ließ."
 
"Ann Sophie kann ihr jedenfalls Glück kaum fassen! Obwohl sie Platz 2 belegte, fährt sie nun für Deutschland zum ESC 2015! Im Gepäck der Song "Black Smoke"! Doch nicht alle sind begeistert! Viele ESC-Fans betiteln die Sängerin im Netz bereits als Lena-Kopie!"
 
"In sozialen Netzwerken ließen die ersten Reaktionen auf den Verzicht von Andreas Kümmert nicht lange auf sich warten. Sänger Rea Garvey sprach bei Twitter von einem „Desaster“ - und rief dazu auf, „Barbara“ (Schöneberger) zum Finale zu schicken. Moderator Oliver Pocher kommentierte den Abend mit einem verlegen-roten Smiley. TV-Seelendoktor Jürgen Domian bot Andreas Kümmert an, ihn bei Gesprächsbedarf gerne zu kontaktieren."
 
"Mit Ann Sophie wird eine großartige Künstlerin nach Wien reisen, die sich ihr Ticket mehr als verdient hat. Sie wird Deutschland beim 60. Jubiläum des ESC hervorragend vertreten. Wir freuen uns auf die intensive Zusammenarbeit mit ihr genauso wie auf unsere weiteren, gemeinsamen Projekte mit Andreas. Jetzt wünschen wir Ann Sophie aber erst einmal viel Erfolg in Wien und uns allen ein spannendes ESC-Finale im Mai!"
 
Und man stellt das fest, was ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber nach der Pressekonferenz noch hoffte, vermeiden zu können. Nämlich den großen Skandal auszublenden und das Spotlight auf Ann Sophie zu richten. Immerhin: der Eurovision Song Contest bleibt Thema. Dieses Posting zeigt aber auch wieder einmal ganz deutlich, dass die deutschen Medien ihren Beitrag dazu leisten, dass Deutschland als Meckergesellschaft gilt.
 
Am Besten finde ich jedoch die Reaktion der griechischen Seite Oikotimes.com über Barbara Schöneberger und ihren Griechenland-Spruch beim Vorentscheid: "Of course Greek National Broadcaster is still sleeping and hasn’t reacted to the German National Broadcaster. One thing is for sure: Germany will definitely not going to get any points from Greece with this kind of behaviour!

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