Donnerstag, 29. Mai 2014

Discovery: Österreich von A bis Z

Österreich - Der 60. Eurovision Song Contest findet unserem südlichen Nachbarland statt, in Österreich. Drei Wochen nach Conchitas Sieg ist es nun an der Zeit das Land zu durchleuchten, dass mehr Erfolge im Skispringen vorweisen kann, als Höhepunkte in seiner Eurovisionsgeschichte. Wir stellen in unserer "Discovery"-Sparte das Land von Stephansdom, Mozartkugeln, Sissi und Wiener Schmäh auf nicht ganz ernst zu nehmende Art und Weise vor.
A wie Austria - Die 83.879km² große Republik Österreich zählt 8,5 Millionen Einwohner und zählt eingegrenzt zwischen der Böhmischen Masse im Norden, den Karawanken, dem Neusiedler See und dem Fürstentum Liechtenstein zu den Alpenländern. Seit 2002 bezahlt man auch hier mit dem Euro, zuvor musste man in Schilling umtauschen. Offizielle Amtssprache ist, auch wenn man sie manchmal schwer versteht, Deutsch, ebenfalls anerkannt ist die dortige Gebärdensprache.
Am 26. Oktober bleiben in Österreich die Geschäfte geschlossen, dann ist Nationalfeiertag und es wird an den Beschluss des Neutralitätsgesetzes gedacht. Bis heute ist Österreich kein NATO-Mitglied. Der höchste Gipfel des Landes ist der 3.798m hohe Großglockner auf der Grenze zwischen Kärnten und Tirol. Bundesländer hat Österreich insgesamt neun, das flächenmäßig größte hierbei ist Niederösterreich, das die Bundeshauptstadt Wien umringt und über den internationalen Flughafen Wien-Schwechat (VIE) verfügt.
 
B wie Beeindruckendes - Zwar wurde es während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 schwer beschädigt, eines der Wahrzeichen Wiens ist jedoch noch heute das Schloss Schönbrunn. Seit 1996 zählt es zum Weltkulturerbe und beherbergt den ältesten noch erhaltenen Zoo der Welt, den 16 Hektar großen Tiergarten Schönbrunn. Dieser wurde auf Verlangen von Maria Theresia, einer äußerst resoluten Regentin, der daran gelegen war ihre Kinder möglichst gut situiert zu verheiraten, mitbegründet. Ansonsten verfügt Österreich über bemerkenswerte klassische Bauwerke und Komponisten, Mozart sei genannt oder auch die Wiener Philharmoniker, deren Neujahreskonzert alljährlich in mehr als 70 Länder übertragen wird.
 
C wie Conchita Wurst - Tom Neuwirth wurde am 6. November 1988 in Gmunden in Oberösterreich geboren und verpasste sich nach der Teilnahme an der Talentshow Starmania und Auftritten mit der Band jetzt anders! das Image der Travestiefigur Conchita Wurst. Der fiktiven Bio zufolge wuchs sie in den Bergen von Kolumbien auf, ihr klares Statement: Freiheit und Gleichberechtigung. In Österreich sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften seit 1. Januar 2010 möglich, 49% der Österreicher befürworten zudem eine gleichgeschlechtliche Ehe.
 
Laut Conchita sei es "Wurst", wie man aussieht und wo man herkommt. Zur optischen Untermalung kreirte Tom eine Diva mit Vollbart, die am 10. Mai in Kopenhagen mit "Rise like a phoenix" den Eurovision Song Contest gewinnen konnte. Dies gelang bisher nur Udo Jürgens 1966 mit "Merci Chérie", die übrigen Beiträge hatten es meist schwer, 1957 beim Debüt in Frankfurt wurde man Letzter, mehrmals, zuletzt zwischen 2008 und 2010 nahm man aus gekränktem Ehrgefühl gar nicht erst teil.
 
D wie Donau - Auf dem Weg der Donau, zwischen ihrem Zusammenfluss von Breg und Brigach im Schwarzwald, bis zur Mündung ins Schwarze Meer, fließt sie auch durch Österreich (vgl. Nationalhymne "Land der Berge, Land am Strome"). Auf einer Donaukreuzfahrt ab Passau kann man die landschaftlichen Schönheiten des Alpenvorlandes erleben. Man fährt durch die österreichische Landeshauptstadt Linz, vorbei am Stift Melk, durch die Wachau und die Stadt Krems, ehe die Donau am Wienerwald vorbei direkt durch Wien fließt. Hier kann man den Stephansdom, in dem schon Verona geheiratet hat und den Prater, weiter in Richtung Osteuropa fahren. Nach Österreich fließt die Donau in die Slowakei, wo nur 45km nach Wien die slowakische Hauptstadt Bratislava liegt. Beide Städte sind durch eine Speedfähre miteinander verbunden.
 
E wie Enzian und Edelweiß - Auf österreichischen Wiesen und Bergweiden wächst so allerlei Kraut. Gepflückt werden darf recht viel, einiges davon landet in der Kräuterlimonade Almdudler, anderes wird Kühen beim Almabtrieb umgehängt, wieder anderes ist so beliebt, dass man Trachten und Briefmarken damit ziert. Unter Naturschutz stehen jedoch die beiden österreichischen Identifikationspflanzen Edelweiß und Enzian. Während das eine zugleich Symbol des Bundesheeres ist, ist das andere Namensgeber für ein 37%iges Schnäpschen. Beide Pflanzen sind den Österreichern sogar so sehr ans Herz gewachsen, dass sie auf der 1- und 2-Cent-Münze des Landes verewigt wurden. Auf die 5-Cent-Münze hat es die Primel geschafft...
 
F wie Färöer-Gate - Hatte Kommentator Edi Finger 1978 bei der, aus deutscher Sicht, "Schande von Cordoba" noch mit "I wer' narrisch! Krankl schießt ein, 3:2 für Österreich." gefeiert, den Deutschen bei der WM in Argentinien das Weiterkommen versaut zu haben, gab es aus österreichischer Sicht noch ein zweites Spiel, das dauerhaft in Erinnerung blieb, nämlich 12. September 1990 im schwedischen Landskrona. Damals siegte die Auswahl der Färöer-Inseln mit 1:0 gegen die österreichische Elf. Teamchef Josef Hickersberger erklärte am Tag darauf seinen Rücktritt.
Gegen den Angstgegner von den Schafsinseln konnte Österreich auch bei der WM-Qualifikation 2010 nur 1:1 spielen. Dafür trug man 2008 gemeinsam mit der Schweiz eine tolle EM aus. Derzeit rangiert Österreich in der FIFA-Weltrangliste auf der #40.
G wie Glitzer - 1895 gründete der Glasschleifer Daniel Swarovski in Wattens in Tirol eines der prestigeträchtigsten Unternehmen Österreichs, die Kristallglasmanufaktur Swarovski, die heute in über 42 Ländern agiert und hochwertig geschliffene Kristallsteinchen ausliefert. Die kleinen Steinchen und Glasfiguren, die einen jährlichen Umsatz von knapp drei Milliarden Euro erwirtschaften, wurden auch schon beim Song Contest ausgeführt. Eric Papilaya trug eine Robe aus 10.000 glitzernden Steinchen, während er in Helsinki sang. Wer einmal in Tirol unterwegs ist, kann sich in Wattens die Swarovski Kristallwelten anschauen, ein Museum bei dem sich alles um Glasfiguren dreht.
 
H wie Hüttengaudi - Eine Mischung aus Sternanis und Gebirgskräutermischung verfeinert mit Obstler und Rum, Rotwein, Orangensaft und Zitrone machen jeden Jagertee perfekt. Seit ewigen Zeiten zählt er für Skisportler und Partytouristen in den Après Ski-Hochburgen Österreichs zum guten Ton. Wer nach einem Tag auf den Skipisten unterwegs war, kann nach dem Alpenglühen in den Skihütten von Ischgl, St. Anton oder im Mooserwirt zu tiefsinnigen Liedern wie "Wir fahren in die Berge und der ganze Bus muss Pipi" exzessives Hochgebirgstrinken betreiben. Einmal im Jahr gastieren auch Mallorca-Sänger im Mooserwirt, dann nämlich, wenn RTL 2 seine Après Ski-Hitshow aufzeichnet.
 
I wie International - Das Österreich die Top-Level-Domain .at hat, kann man sich gerade noch denken. Doch das Land ist internationaler als man denkt und dabei auch noch erfolgreich. Es war ein Österreicher, der den Ngorongoro-Krater in Tansania entdeckte und selbst den Poliovirus entdeckte ein Österreicher. Sportliche Höchstleistungen erzielt das Land vor allem im Wintersport, genannt seien hier die Skispringer um Gregor Schlierenzauer oder Thomas Morgenstern. Im Ewigen Medaillenspiegel der Olympischen Spiele liegt Österreich, insbesondere durch seine Leistungen bei Winterspielen mit 77x Gold, 111x Silber und 116x Bronze auf der #19. Und einen ewigen Rekord hält man auch noch, im internationalen Kfz-Register steht Austria mit dem A stets an der Spitze.
 
J wie Jungholz - Ein Stück Tirol im Allgäu bietet die 7km² Gemeinde Jungholz, die de facto eine Exklave Österreichs auf deutschem Gebiet bildet. Zwar berührt Jungholz in einem Punkt das österreichische Kernland, allerdings ist das Gebiet nur über deutsches Territorium erreichbar und führt neben der 6691 auch die deutsche 87461 als Postleitzahl. Politisch gehört die 286 Seelen zählende Gemeinde zum Bezirk Reutte in Tirol. Auf ihren Sonderstatus ist man dennoch stolz, es gelten deutsche Mehrwertsteuersätze, jedoch österreichisches Bankgeheimnis und Posttarife, insbesondere beim Auslandsporto nach Deutschland.
 
K wie Kaffee - Selbst Kaffeekenner haben es in Österreich schwer die Übersicht zu behalten, bei über 100 Kaffeevariationen die mehr oder weniger alle auf dem Wiener Kaffee basieren, für den eine gesetzliche Mindestmenge von 7,5g Kaffee gilt. Der Mokka wird auch kleiner Schwarzer genannt, die doppelte Menge macht ihn zum Großen Schwarzen. Gestreckt mit Sahne oder Milch wird er zum Kleinen bzw. Großen Braunen. Ein mit mehr Milch gestreckter Großer Brauner wird zur Schale Gold, mit einem Schluck Wasser zum Verlängerten, in einem anderen Gefäß eine Melange und mit Milchschaum statt Schlagobers ein Franziskaner. Filterkaffee ist als "Häferlkaffee" hingegen nur eine Randerscheinung. Wer dies und viel mehr über Kapuziner, Einspänner oder Fiaker erfahren will, soll sich dieses Videoanschauen.
 
L wie Lindwurm - Der Lindwurm ist ein drachenartiges Fabelwesen dessen Anzahl an Gebeinen sich von Legende zu Legende unterscheiden kann. Er taucht in vielen germanischen Sagen wie etwa dem Nibelungenlied auf und ziert seit jeher das Wappen von Klagenfurt am Wörthersee. Dort hat man dem Untier sogar einen eigenen Brunnen gewidmet, der sich auf dem Neuen Platz befindet. Klagenfurt bewirbt sich ebenfalls um die Ausrichtung des 60. Eurovision Song Contests. Schön ist es dort auf jeden Fall, insbesondere auch im benachbarten Örtchen Pörtschach, in dem alljährlich das internationale A1-Beachvolleyball-Turnier ausgetragen wird. Die Region Kärnten eignet sich auch klimatisch hervorragend, nicht nur der Fön im Spätherbst, sondern auch die im Schnitt bis zu zwei Grad wärmeren Täler (im Vergleich zum Rest Österreichs) machen Kärnten zu einer beliebten Ferienregion.
 
M wie MPreis - Wer zur Eurovision fährt muss keine Angst um Engpässe bei der Lebensmittelversorgung haben, Österreich bietet für jeden Geldbeutel Einkaufsmöglichkeiten, ob nun Pelze in Wiener Boutiquen oder ganz normale Knabbereien in Supermärkten. Therese Mölk gründete um den Willen der Grundversorgung im Jahre 1920 das Unternehmen MPreis, eine Supermarktkette die heute landesweit über 200 Filialen und 160 Bäckereien betreibt. An den größeren Bahnhöfen haben diese Filialen auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten selten geschlossen. Süß zudem, dass man am Ende seines Einkaufes, der vom Preisniveau durchschnittlich leicht über dem deutschen liegt, ein "Sackerl" sprich eine Tüte angeboten bekommt.
 
N wie Nikobaren - Österreich ist ein Binnenland und das schon eine ganze Weile lang. Einst hatte man mit dem Hafen von Triest an der Adria jedoch ein Tor zur Welt und die wollte man im 18. Jahrhundert gern Untertan machen. So strebte die Ostindische Handelskompanie unter der Trägerin Maria Theresia im Namen der Habsburger nach Kolonien in Übersee. Ein Abenteurer bot an Madagaskar für Österreich zu erobern, außer wohlwollenden Worten gab es jedoch vom Hofe keine Unterstützung.
Versuche 1778 die Nikobaren im Golf von Bengalen zu besiedeln gelangen zwar, ob des Drucks durch andere Kolonialmächte und die geringe Größe der Nikobaren, mussten die Österreicher ihre Kolonien in Südasien bereits 1785 wieder aufgeben. Seither zählte Österreich nicht mehr als Kolonialmacht, man hat es aber zumindest einmal probiert!
O wie Oft gehört - Zu den bekanntesten Musikexporten Österreichs der jüngeren Geschichte zählen u.a. die Erste Allgemeine Verunsicherung und Vertreter des Austro-Pops wie Reinhard Fendrich. Der bekannteste von allen ist jedoch Johann Hölzel alias Falco, der es als erstes und bislang auch als einziges schaffte, sich mit einem deutschsprachigen Lied auf der #1 der US-Billboard-Charts zu platzieren. Seine Lieder wie "Rock me, Amadeus" oder "Out of the dark" erreichten Kultstatus.
Zugleich galt Falco als umstritten, dritte Programme in Deutschland boykottierten "Jeanny", da es gewaltverherrlichend sei, Thomas Gottschalk nannte ihn ein "Wiener Würstchen", das nur Schwachsinn produziere. Trotz allem erreichte das Lied die #1 in Deutschland, der Schweiz und natürlich Österreich. Falco starb 1998 bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik.
Lange Jahre musikalisch eher unerfolgreich hingegen blieb der ORF, der Österreichische Rundfunk, bei seiner Auswahl für den Eurovision Song Contest. Der Sender, der seit 2008 auch in HD sendet, murrte in den 2000ern regelmäßig über den verflixten Eurovision Song Contest, allen voran Unterhaltungschef Edgar Böhm, der mittlerweile zur Taskforce für Österreich 2015 gehört. Nach dem vorletzten Platz 2007 in Helsinki wollte man sich der Schmach nicht mehr aussetzen, an der Eurovision teilzunehmen, nach Lenas Sieg in Oslo änderte sich dies jedoch schlagartig. Seit zahlreichen Jahren organisiert der ORF zudem den Life Ball aus dem Wiener Rathaus, eine der größten AIDS-Galas der Welt. Gegründet wurde der ORF 1955, im Jahr nach dem Ende der Besatzungszeit, er war sowohl Mitglied der EBU als auch, wie z.B. Finnland, Mitglied der Intervision, dem Rundfunkbundnis des Warschauer Paktes. 
P wie Piefkes - Der "Piefke" ist umgangssprachlich eine abwertende Bezeichnung für Deutsche und das Pendant zum "Ösi". Der Piefke umschreibt einen Deutschen mit all seinen Klischees, dazu zählen Ordnung, Pünktlichkeit und der Unsitte, dass immer alles so sein muss, wie daheim. Das Verhältnis von Deutschland und Österreich ist ohnehin ein sehr spezielles, freundschaftlich aber dennoch geprägt von einer gewissen Rivalität. Auch beim Eurovision Song Contest ist der "eine Punkt aus Österreich für Nicole" eine Art Running Gag, der gern zur Sprache kommt, wenn es ans Voting beim "Grand Prix" geht. Statistisch gesehen erhielt Deutschland jedoch bis heute 126 Punkte und damit wesentlich mehr als Österreich aus Deutschland. Zuletzt gab es 2011 für Nadine Beiler douze Points aus Deutschland, Conchita erhielt lediglich sieben Punkte.
 
Q wie Quargel - Der österreichische Wortschatz hat so manche Vokabeln, mit denen man in Deutschland nichts anfangen kann. Insbesondere im kulinarischen Bereich schütteln viele Deutsche den Kopf. Beim rubikbezeichnenden Quargel handelt es sich um einen Käse aus Sauermilch. Noch kurioser sind jedoch Begriffe wie Paradeiser für Tomaten, Ribisel für Johannisbeeren oder Karfiol für Blumenkohl. Während man in Deutschland Pilze im Wald sammelt, sucht der Österreicher Schwammerl und trinkt sehr gern einen Marillenlikör, dessen Hauptbestandteil Aprikosen sind. Gleichermaßen, in Deutschland als auch in Österreich beliebt sind Biere. Zu viel davon führt jedoch dazu, dass der Österreicher "brunzen" muss, hierzulande geht man einfach "pinkeln". 
 
R wie Railjet - Während sich die Schweizer mit dem Image plagen müssen, sie seien sehr langsam, beschleunigen auf Österreichs Schienen die railjets (RJ) mit bis zu 230km/h und gehören damit zu den schnellsten Zügen der Welt. Die ÖBB hat ihren Hochgeschwindigkeitszug auch schon nach Tschechien verkauft. Die Österreichischen Bundesbahnen betreiben übrigens auch die Strecke nach Buchs in der Schweiz, die den Bahnhof Schaan-Vaduz in Liechtenstein durchquert. Wer nicht mit dem Zug durch Österreich fahren will, benötigt für die Nutzung der Autobahnen eine Vignette, die sichtbar an der Frontscheibe zu befestigen ist und an grenznahmen Tankstellen, Rasthöfen und beim ADAC zu erwerben ist. Viele Touristen nutzen die Nord-Süd-Achsen nach Italien (über den Brenner) oder die Karawanken nach Slowenien und Kroatien.
 
S wie Süßes - Das Café Sacher in Wien zählt zu den Sahnestücken der österreichischen Konditoreien. Die schokoglasierte Torte soll der Erzählung nach von Fürst Metternich in Auftrag gegeben worden sein um seinen hochdekorierten Gästen ein tolles Dessert bieten zu können. Da der Chefkoch jedoch erkrankte musste der 16jährige Küchengehilfe sich etwas einfallen lassen und erfand kurzerhand die heute beliebte Sachertorte. Während es hier einen geographischen Zusammenhang gibt, konnte dieser bei der Donauwelle bis heute nicht belegt werden. Die Torte aus Rührteig, Sauerkirschen, Buttercreme und Kakao hätte auch nach jedem x-beliebigen Fluss der Welt benannt werden können. Die Konditoren des Landes haben jedoch trotz allem einen guten Ruf, sie gelten schließlich auch als Erfinder der Mozartkugeln. 
 
T wie Todesrate - Es ist schon etwas morbide und passt zum schwarzen Humor der Österreicher, dass das Land zum einen als erstes Land der Welt, nämlich 1787, die Todesstrafe abschaffte, andererseits mit 1.500 Menschen eine der höchsten Suizidraten der Welt hat. Rund 400.000 Österreicher sollen chronisch depressiv sein. Umso verwirrender ist es, dass besonders in der Hauptstadt Wien wochenends ganze Familien zum Wiener Zentralfriedhof pilgern um dort auszuspannen und spazieren zu gehen. Mit der Buslinie 71 ist der Friedhof zu erreichen, der über 330.000 Gräber und Tempel sowie jüdische, buddhistische und islamische Gräber beherbergt. Hört man einen Wiener jedoch sagen: "Er hat den 71er genommen.", ist dies eine Redewendung dafür, dass jemand gestorben ist. 
 
U wie Ungarn - Bis 1918 bildete Österreich-Ungarn eine Doppelmonarchie. Wer Kaiser von Österreich war, war zeitgleich König von Ungarn. Das Staatsgebiet der k.u.k.-Monarchie erstreckte sich über Ländereien in Böhmen und Mähren, bis nach Südtirol und Bosnien-Herzegowina sowie natürlich über Österreich und Ungarn. Während man im Vielvölkerstaat auch ethnische Einheit leisten musste, spielt uns das Fernsehen seit der Verfilmung der Sissi-Filme eine wundervolle, märchenhafte Idylle der österreichischen Monarchie vor. Romy Schneider spielte 1955 an der Seite von Karlheinz Böhm (Kaiser Franz Joseph) die Prinzessin Elisabeth. Seither zeigt Sat.1 im Regelfall um die Weihnachtszeit den Klassiker um das Schicksal der österreichischen Monarchie, die nach dem Ersten Weltkrieg auch in der Realität ihr Ende fand.
 
V wie Venus von Willendorf - In einer Baugrube in der Wachau wurde 1908 eine elf Zentimeter große Dame aus Kalkstein mit unproportionalen Formen gefunden nach der sich Scharen von Archäologen und Wissenschaftlern die Finger lecken. Die Venus von Willendorf gilt als bekanntestes Fundstück der jüngeren Altsteinzeit und ist heute im Naturhistorischen Museum in Wien zu sehen. Mittlerweile hat man einen religiösen Hintergrund der Figur belegen können, das Material der Venus ist ein Oolith aus den Kalksteinen von Stránská Skála bei Brno in Tschechien. Dort habe man man auch mit Feuersteinen die Möglichkeit gehabt die Venus zu formen. Anders als der Mann aus dem Eis, Ötzi, ist die Venus tatsächlich ein österreichisches Kulturgut. Um die Zugehörigkeit Ötzis zu Italien zu bestätigen, maßen Österreicher und Italiener ihren Grenzverlauf in Südtirol bis auf den Meter genau aus. Die Gebeine des Gletschermenschen liegen heute in Bozen.
 
W wie Wiener Küche - Das Vorzeigeobjekt der Wiener Küche ist ein dünnes, paniertes Kalbsschnitzel. Mit Kartoffeln oder Pommes serviert, gilt es als bekanntester Export der österreichischen Küche, wobei die Ursprünge des Schnitzels wohl auch hier wieder nach Italien zurückführen, wo der Feldmarschall Radetzky 1857 das Rezept organisiert haben soll. Weitere Köstlichkeiten der österreichischen Cuisine sind Kaiserschmarrn mit Rosinen und Germknödel mit Powidl (Pflaumenmus). Österreich zählt zu dem als Weinnation. Selbst in der Hauptstadt Wien gibt es Weinberge, die dortigen Schankwirtschaften heißen Heurige. Moderne Exporte des Landes sind die Fastfood-Kette Wienerwald und das Energy-Getränk Red Bull, die den gleichnamigen Fußballverein aus Salzburg und ein Formel Eins-Team sponsern.
 
X wie Satz mit X - Selbst in unserem Nachbarland sollte man einige Dinge besser nachlassen. Brenzlig kann es u.a. in den Bergen werden, besonders Urlauber sollten sich nicht auf ihre Kondition verlassen, schnell kann der Handyempfang in Hochgebirgslagen weg sein und man sich abseits der Pfade zur Berghütte verlaufen oder von einem plötzlichen Gewitter mit starken Regen- oder Hagelfällen überrascht werden. Wer auf der Autobahn unterwegs ist, sollte zudem strengstens auf die Vignettenpflicht achten. Der Erwerb des "Pickerl", wie es in Österreich heißt, ist günstiger als das Knöllchen der Polizei, die vor allem auf Rastplätzen gern kontrolliert.
Falsch machen kann man auch viel bei der korrekten Anrede. Viele, vor allem ältere Österreicher, legen Wert auf ihre Titel, sei es ein Doktor, ein Magister, ein Oberstudienrat oder ein Herr Ober. Zudem sollte man Österreich nicht auf die Zeit von 1938 bis 1945 reduzieren, Österreich zwar so etwas wie der kleine Bruder, aber dennoch souverän und kein Bundesland von Deutschland.
Sätze prominenter Zeitgenossen die in Erinnerung geblieben sind, haben ebenfalls eine bezeichnende Note. "Wenn die Welt einmal untergehen sollte, ziehe ich nach Wien. Denn dort passiert alles 50 Jahre später.", zitiert man den Komponisten Gustav Mahler. Und auch Comedian Dieter Nuhr hat sich mit Österreich beschäftigt: "Bei der Fußball-WM habe ich mir Österreich gegen Kamerun angeschaut. Auf der einen Seite Exoten, fremde Kultur, wilde Riten und auf der anderen Seite Kamerun!"
Y wie Ybbs an der Donau - Ybbs in Niederösterreich ist mit 5.600 Einwohnern eines für viele Beispiele seltsamer Ortsnamen in Austria. Im ganzen Land findet man kurioses Ortsnamen wie z.B. Völkermarkt oder Judenburg. In Kärnten plagt sich die dortige FPÖ zudem seit Jahren mit der protestierenden slowenischen Minderheit, die zweisprachige Ortsschilder forderte. Sehr speziell ist jedoch das Schicksal der Gemeinde Fucking in Oberösterreich. Dort werden ganze Busladungen mit Engländern angekarrt, die sich jedoch nicht für die 93 Bewohner der Siedlung interessieren, sondern für das Ortsschild an sich. Dieses ist aufgrund der englischen Bezeichnung für den Beischlaf ein begehrtes Mitbringsel aus Österreich. Um die Schilder vor Dieben zu sichern, hat man die acht Ortsschilder an den Einfahrten durch Einbetonieren, Anschweißen und Vernieten einigermaßen gegen Souvenirjäger in der Einöde verankert.
 
Z wie Zwentendorf - Österreich besitzt seit 1978 ein funktionsfähiges Atomkraftwerk in Zwentendorf an der Donau. Der Bau wurde 1969 genehmigt und verschlang bis zu seiner Fertigstellung 5,2 Milliarden Schilling. Nach der Fertigstellung lehnte die Bevölkerung Österreichs mit 50,47% die Inbetriebnahme des Kraftwerks ab. Das Gelände der Bausünde gehört damit zu den größten Investitionsruinen des Landes. Ebenfalls 1978 wurde das Atomsperrgesetz verabschiedet, in dem sich Österreich verpflichtet, in Zukunft keine Kernkraftwerke zu bauen und bis heute produziert das Land keinen Atomstrom. Kurzzeitig war Zwentendorf auch als Austragungsort für den Eurovision Song Contest im Gespräch.
 
Österreich ist unser liebstes Nachbarland, das viel Wert auf seine glorreiche Geschichte legt und davon auch viel zu bieten hat. Jedoch sind Land und Leute nicht so verstaubt, wie man es nach den Sissi-Filmen glauben könnte. Das Land ist modern, hat einen hohen internationalen Standard und vor allem einen sehr schwarzen Humor und kann sich auch selbst auf die Schippe nehmen (siehe Mambo Kurt feat. Hannah mit "König Fußball"). Wir sind sehr gespannt, womit die Österreicher 2015 zum Jubiläumswettbewerb aufschlagen werden. Reisewarnungen und Einreisebestimmungen können kommendes Jahr ignoriert werden, trotz österreichischer Dialektik können deutsche Song Contest-Fans sich wohl eher zu Hause fühlen als in Belgrad oder Baku.

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